Finanzsystem (financial system)

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Im engeren Sinne: die Zentralbank und die Banken eines Währungsgebietes zusammengenommen. – Im einem weiteren Sinne werden zu den unter Genannten auch die Versicherungen und bestimmte andere Kapitalsammelstellen einbezogen. – Im weitesten Sinne die Gesamtheit der institutionellen Gegebenheiten, welche das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach Kapital sowie allen damit verbundenen Dienstleistungen bedienen; System hier verstanden als Geflecht von einzelnen Bestandteilen, die zusammen eine zweckgerechte, aufeinander bezogene und unter sich abhängige Einheit bilden. Zum Finanzsystem in diesem Sinne zählen dann auch die Finanzintermediäre, Wertpapierbörsen, der gesamte Zahlungsverkehr einschliesslich der Zahlungsverkehrssysteme, die Aufsichtsbehörden sowie der allgemeine regulatorische Rahmen bis hin zu Bilanzierungs-Richtlinien und dem Insolvenzrecht. Vielfach zählt man darüber hinaus auch den Staat zum Finanzsystem. Denn es hat sich gezeigt, dass ein Zusammenbruch des Finanzsystems in besonderen Gefahrenlagen – wie im Zuge der Subprime-Krise – letztlich nur durch Zusagen des Staates verhindert werden kann. – Das Finanzsystem in diesem weiteren Sinne zeigt sich wegen des jeweils besonderen finanzsystem-typischen ordnungspolitischen Rahmens (regulatory framework) von Land zu Land unterschiedlich. Andererseits ist ein Finanzsystem immer in Bewegung. So hat seit etwa 1990 durch die grössere Rolle neuer Finanzintermediäre – wie etwa HedgeFonds – und neuartiger Finanzprodukte – vor allem strukturierte Produkte zur Weiterreichung von Kreditrisiken – das Gesamtgeflecht der Beziehungen zwischen Instituten, Finanzmärkten und der Realwirtschaft auf nationaler und weltweiter Ebene erheblich vielschichtiger (more complex) und beifolgend undurchsichtiger (more intransparent) werden lassen. Die dabei entstandenen Informationslücken erschwerten die Erkenntnis eines systemischen Risikos, wie sich dann gelegentlich der Subprime-Krise plötzlich zeigte. – Ein sicheres, reibungslos ablaufendes Finanzsystem wird als ein öffentliches Gut angesehen, das in der heutigen Gesellschaft mindestens ebenso wichtig ist wie ein funktionierendes Verkehrssystem, Gesundheitssystem, Kommunikations- und Informationssystem, Rechtssystem oder Bildungssystem. Es wird zurecht sogar darauf hingewiesen, dass ein wohlgeordnetes Finanzsystem die Voraussetzung für den geregelten Ablauf in sämtlichen Sozialsystemen sei. – Siehe Bail-out, Bankenkrise, Bankzusammenbruch, Bradford-Verstaatlichung, Crash, Einlagensicherung, Elisabeth-Frage, Fachbankensystem, Finance matters, Finanzarchitektur, Finanzindustrie, Finanzmüll, Finanzmarkt, Fortbildung, Wachstumsbedeutung, Finanzmarktstabilität, Finanzstabilitätsbericht, Finanzterrorist, Geldverleiher letzter Instanz, Geldzweck, Hypo Real Estate-Rettung, IndyMac-Pleite, Institution, KobraEffekt, Kreditkarten-Fiasko, Kreditvergabe-Grundregel, Luftpapiere, Marktdisziplin, Moneymatters-Theorem, Ninja-Loans, Moral Hazard, Mortgage Equity Withdrawal, Papiere, toxische, Pay-Green-Initiative, Risiko, systemisches, Rückschlag-Effekt, Run, Schattenbankbereich, Schock-Bewältigung, Seelenmassage, Stress-Test, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Europäischer Systemrisikorat, Überlauf-System, Verlustübernahme, persönliche, Vermögensabgabe, Verschwörungstheorien, Vertragstreue, Vertrauen, Zwangsenteignung.

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Finanzsystem (financial system)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/finanzsystem-financial-system/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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