Finanzmarktstabilität (financial market stability)

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Im engeren Sinne die Risikolage eines nationalen Finanzsystems in Bezug auf dessen Risikotragfähigkeit, nämlich wie gut es Marktungleichgewichte und Schocks auffangen kann. Dabei wird die Risikolage anhand verschiedener Informationen eingeschätzt, vor allem aus Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden gewonnen werden. Bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit stehen vor allem die Ertragslage (earnings situation) des Bankensystems, die Kapitalausstattung und Reserven der einzelnen Institute sowie allfällig vorhandene Verbundstrukturen und Sicherungseinrichtungen im Blickpunkt. – Im weiteren Sinne das von Störungen aller Art freie Spiel von Angebot und Nachfrage auf den weltweiten Finanzmärkten mit dem Ziel, das Angebot an Kapital dem “besten Wirt” (to the most favourable allocation of scarce resources) zuzuführen. – Finanzmarktstabilität ist ein öffentliches Gut, dessen Bereitstellung von behördlichen Institutionen (der Zentralbanken bzw. der Aufsichtsbehörden) zu gewährleisten ist. Denn ein sicheres, reibungslos ablaufendes Finanzsystem ist in der heutigen Gesellschaft mindestens ebenso wichtig ist wie ein funktionierendes Verkehrssystem, Gesundheitssystem, Kommunikations- und Informationssystem, Rechtssystem oder Bildungssystem. Ja es gilt sogar als unbestritten, dass Finanzmarktstabilität die Voraussetzung für den geregelten Ablauf in sämtlichen Sozialsystemen sei. Denn Störungen im Finanzsystem beeinträchtigen in aller Regel auch die Masstab-Eigenschaft des Geldes. Das Geld jedoch ist in allen Sozialsystemen der Bezugspunkt für alle dort zu verrechnenden Preise. – Weitgehende Einigkeit besteht heute auch darin, dass die Wahrung der Finanzstabilität nicht als weiteres Ziel der Geldpolitik zuzuweisen ist. Dies muss die Aufgabe eines eigenständigen Politikbereichs sein und bleiben, nämlich der makroprudentiellen Aufsicht und für das Eurogebiet des Europäischen Rats für Systemrisiken. – Siehe Bankenaufsicht, europäische, ESZB-Netzwerk für makroprudentielle Forschung, Fachbankensystem, Financial Soundness Indicators, Finanzakzelerator, Finanzmarkt, Wachstumsbedeutung, Finanzstabilität, Forum für Finanzmarktstabilität, Geldfunktionen, primäre, Gut, öffentliches, Marktdisziplin, Money-matters-Theorem, Murphy’s Gesetz, Risiko, systematisches, Risikoprofil, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 48 ff. (allfällige Störungen durch Kreditderivate), Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 64 ff., Jahresbericht 2004 der EZB, S. 118 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 22 f. (Einfluss der Kreditverbriefung auf die Finanzmarktstabilität), Jahresbericht 2006 der EZB, S. 148 ff. (Allgemeines; Tätigkeiten der EZB), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 87 ff. (EU-Regelungen zur Finanzstabilität; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 87 (zur makroprudentiellen Überwachung in Deutschland), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2013, S. 41 ff. (makroprudentielle Überwachung in Deutschland: ausführliche Darstellung, in den Anmerkungen wichtige Hinweise).

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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Finanzmarktstabilität (financial market stability)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/finanzmarktstabilitat-financial-market-stability/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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