Finanzinsel (financial island)

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Nach 2010 in Bezug auf die Schweiz aufgekommene Bezeichnung. – Mit wachsendem Misstrauen im Zuge der Schuldenkrise in der EWU und gleichzeitig auch der USA stiegen viele Anleger weltweit in den CHF um. Das führte zu einer sehr starken Aufwertung des CHF. Schweizer Exporteure erlitten Verluste, und das beschleunigte die Tendenz, die Produktion in das Gebiet der EWU zu verlagern. Damit deutete sich für die Schweizer Volkswirtschaft eine realwirtschaftlich sehr schmerzhafte Problemlösung an, an deren Ende hohe Arbeitslosigkeit zu erwarten wäre. Die Zentralbank der Schweiz versuchte diese Kette zu sprengen, indem sie die Geldmenge beträchtlich erhöhte. – Die am 6. September 2011 abgegebene Erklärung eines Wechselkurzieles durch die Zentralbank der Schweiz, dass sie EUR kauft, wenn der Kurs unter 1,20 CHF fällt, hatte zur Folge, dass die Nationalbank hohe Milliardenbeträge an EUR kaufen musste. Für die Schweiz war damit zwar kein Ausverkauf ihrer Reserven in Gold und Fremdwährungen verbunden; letztlich aber markierte diese Entscheidung weithin das Ende einer eigenständigen Geldpolitik. Zudem verstärkte sich das Klumprisiko in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank; ihre Abhängigkeit vom EUR erhöhte sich. – Für die Schweiz kann es wohl nur den Ausweg geben, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in den EUR und USD gewinnen. Eine Insellösung (isolated application) ist für die Schweiz dauerhaft bis anhin nicht zu sehen und wahrscheinlich kaum mehr möglich. – Siehe Aufwertungsdruck, Ausrichtung, wechselkursbestimmte, Finanzinsel, Fluchtgeld, Gnomen von Zürich, Helvetophobie, Zinsinsel. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2011, S. 20 (Wirkungen der Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 19 f. (Probleme des CHF als sicherer Hafen).

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Finanzinsel (financial island)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/finanzinsel-financial-island/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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