Entkopplungs-These (decoupling theory)

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Die Meinung, dass sich weithin der Finanzsektor zunehmend von der Realwirtschaft unabhängig entwickle, und er sich gleichsam verselbständige; häufig als abträgige Ausformung eines Wirtschaftszweiges, als eine typische Miss-Entwicklung (undesirable development, aberration) beurteilt. – Es ist allerdings schwer zu sagen, wo das “richtige” Verhältnis zwischen beiden Sektoren liegt. – Mit der Einführung neuer Finanzinstrumente ist zweifelsfrei eine Umverteilung der Risiken und damit verbunden eine Erweiterung des Zugangs zu Darlehn eingetreten. – Sinkende Transaktionskosten, die Deregulierung und Internationalisierung der Branche, die Herausbildung spezialisierter Teilmärkte verbunden mit sich laufend verbessernde Kommunikationsmöglichkeiten bewirken von selbst eine Vergrösserung und Vertiefung von Angebot und Nachfrage nach Finanzdienstleistungen. – Dies aber kommt zweifelsfrei allen Zweigen der realen Wirtschaft letztlich zugute. – Dass mit diesem Ablauf auch Gefahren verbunden sind, wie sich das etwa gelegentlich der Subprime-Krise bei Verbriefungspapieren gezeigt hat, und dass die Entwicklung die Geldpolitik teilweise vor neuen Aufgaben stellt, darf kein Grund sein, das Rad zurückzudrehen (should be no reason to turn back the wheel of financial history). – Siehe Entstofflichung, Globalisierung, finanzielle, Kreditersatzgeschäft.

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Entkopplungs-These (decoupling theory)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/entkopplungs-these-decoupling-theory/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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