Eine übersteigerte, die tatsächlichen Gegebenheiten verkennende Neigung zu Griechenland. – In der EU im besonderen gesagt in Zusammenhang mit der gegen die ausdrückliche Empfehlung der Europäischen Kommission vollzogenen Aufnahme Griechenlands in die EU im Jahr 1981 durch Entscheidung des Ministerrats. Es überwog in dem Gremium und wohl auch in der Öffentlichkeit das vage Gefühl, “Wir alle sind Griechen” (Titel eines 1821 erschienenen einflussreichen Buches des romantischen britischen Schriftstellers Percy Bysshe Shelley, [1792–1822]). Als Griechenland sich 2001 in Bezug auf die geforderten Konvergenzkriterien – wie sich später klar herausstellte – gefälschten Angaben den Eintritt in den Euroraum verschaffte, stieg damit auf lange Zeit die Belastung des EUR. – Anfang 2010 zeigte sich immer deutlicher, dass Griechenland dem Staatsbankrott zusteuerte und eine Bürde für die Eurozone wird. Die Schulden Griechenlands lagen zu der Zeit bei 113 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das Haushaltsdefizit im Jahr zuvor (2009) bei fast dreizehn Prozent und die Arbeitslosenquote bei elf Prozent. – In Griechenland selbst blieb es bei der weithin vorherrschenden Sündenbock-Einstellung (scapegoat ideology) in der Öffentlichkeit, im Zuge derer man eigene Versäumnisse “Brüssel” anlastete. Die missliche Lage wurde keineswegs als Folge eigener Misswirtschaft gesehen Auf Sparmassnahmen der Regierung antworteten die Hellenen – die Beschäftigten traten dort im Jahr 2009 durchschnittlich mit 60 Jahren in den Ruhestand und erhielten 94 Prozent eines Durchschnittsgehalts; in Deutschland waren es zu gleicher Zeit 41 Prozent – mit Aufruhr und Strikes. – Im Frühjahr 2010 hatten europäische Banken griechische Staatsanleihen in Höhe von 140 Mia EUR in ihren Beständen: Papiere, die nur mit einem Bewertungsabschlag als Sicherheit hinterlegt werden konnten. Im Herbst 2012 durften die Gläubiger Griechenlands durch einen “freiwilligem” Schuldenschnitt auf einen Gutteil ihrer Forderungen verzichten. – Siehe Anleihe-Spread, Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, ClubMed, EuroAnleihen, gemeinsame, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Friedman-These, Griechenland-Krise, Plan C, Rückkehr-Ideologie, Rückschlag-Effekt, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, TARGET-Missbrauch, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Vertragstreue, Zwillingsdefizit. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Mai 2010, S. 50 f. (in die Wege geleitete Massnahmen Griechenlands zur Erreichung der Maastricht-
Kriterien).
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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