Zu Jahresbeginn 2013 stellte sich nach und nach heraus, dass das Mitglied der Eurozone Zypern aufgrund vieler wirtschaftspolitischer Fehlentwicklungen – unter anderem lebte der aufgeblähte Finanzsektor offenbar von undurchsichtigen Transaktionen mit russischen Staatsbürgern – dem Staatsbankrott zusteuerte. Der Finanzierungsbedarf wurde von der zur Rettung beauftragten Troika mit 23 Milliarden Euro festgestellt, das waren rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Rettungspaket sah vor, dass die zyprische Seite einen Eigenbeitrag von 13 Milliarden Euro leisten muss; und zwar über die Einbeziehung von Gläubigern und Anteilseignern der Banken sowie von Inhabern grösserer Einlagen, aber auch über Steuererhöhungen, Privatisierungserlöse und weiteren Massnahmen. Wie bei der Griechenland-Krise, so richtete sich auch in Zypern die Wut der breiten Bevölkerung nicht auf die Entscheidungsträger im eigenen Land, welche diese verfahrene Lage zu verantworten haben. Vielmehr wurde die Troika und vor allem Deutschland als die Verursacher der misslichen Lage hingestellt. – Die für Zypern gefundene Lösung, wonach Grossanleger bei Banken zu den Sanierungskosten herangezogen werden, führte in der Folge zu einem Vertrauensschwund in die Institute anderer wakkeliger Mitglieder der Eurozone. Hohe Beträge wurde bei Banken vor allem in Slowenien, aber auch in Spanien, Italien und Portugal, abgezogen und bei Instituten in Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg angelegt. – Im Oktober 2014 veröffentlichte die Zeitung “New York Times” streng vertrauliche Protokolle aus Sitzungen des EBB-Rats zur ZypernKrise. Daraus geht unter anderem hervor, dass die neun Milliarden Euro NotfallLiquiditätshilfe der zyprischen Zentralbank an die heimische Laiki Bank höchst umstritten war. – Siehe Bail-in, Blame game, Einlegerhaftung, European Central Bad Bank, Finanzmarktintegration, europäische, Gläubigervorrang, rung, Retterei, Schuldenschnitt, Zombiebank.

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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