Staatsbankrott (national bankruptcy)

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Eine Volkswirtschaft, die innert eines längeren Zeitraums mehr Güter vom Ausland bezieht, als sie selbst an andere Volkswirtschaften liefert, kommt CETERIS PARIBUS – vor allem: sie besitzt nicht ausreichend gewinnbringende Vermögenswerte im Ausland, wie beispielsweise die USA, die Schweiz oder Deutschland – über kurz oder lang in Insolvenz. Beschleunigt wird dies durch den Abzug des Kapitals ausländischer Anleger in diesem Staat. – Im Oktober 2008 geriet Island im Verfolg der sich zur weltweiten Finanzkrise ausgefächerten Subprime-Krise in den Staatsbankrott; der Internationale Währungsfonds gewährte dem Land einen Kredit in Höhe von 2 Mia. USD, um die verhängnisvollsten Auswirkungen (famine; Hungersnot) abzuwenden. Betroffen davon wurden auch deutsche Anleger, die ihr Geld bei der in Insolvenz gegangenen isländischen Kaupthing-Bank angelegt hatten. – Anfangs 2010 näherte sich das dem Eurogebiet zugehörige Griechenland dem Staatsbankrott. Hilfsmassnahmen der EU und des Internationalen Währungsfonds konnten das Schlimmste verhindern. – Strittig ist, ob es zugelassen werden kann, dass ein Mitglied der Europäischen Währungsunion, dann aber auch unter Beteiligung auch der privaten Gläubiger, in den Staatsbankrott geht. Die Mehrheit der Ökonomen befürwortet dies, um die finanzpolitische Eigenverantwortung eines jeden Mitglieds zu festigen. Fast alle politischen Entscheidungsträger trachten danach, eine solche Möglichkeit mit allen Mitteln zu verhindern. – Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Bankenrettung, umgekehrte, Bankenrettungsgesetz, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Griechenland-Krise, Islandbanken-Falle, Moral Hazard, Plan C, Rettungspaket, Risiko-Rangliste, Rückkopplungs-Mechanismus, Schuldenclub, Schuldendroge, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Solvenz, Sperrkonto, Staatsverschuldung, Wirkungen, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Südfront, Too big to save-Grundsatz, Transferunion, Vertragstreue, Vertrauen. – Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 122 (Zahlungsunfähigkeit der Kaupthing Bank und die Folgen für Einleger), S. 211 f. (Beschwerden der Anleger im Zuge der Kaupthing-Pleite), Jahresbericht 2009 der BaFin (deutsche Einleger der Kaupthing Bank werden entschädigt).

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Staatsbankrott (national bankruptcy)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/staatsbankrott-national-bankruptcy/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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