Staatsanleihe (public loan, national loan, government loan)

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Eine vom Gesamtstaat – in machen Statistiken einschliesslich der von öffentlichen Stellen innert des Staates gesamthaft – begebenen Anleihe. – In Zeiten der Unsicherheit am Finanzmarkt werden Staatspapiere vermehrt nachgefragt, wodurch deren Kurs steigt und die Rendite sich damit mindert. Die Bonität des Staates als Emittent von Anleihen wird von den Anlegern offenbar höher eingeschätzt als jene von Unternehmen. Denn allein der Staat hat die Möglichkeit, Zwangsabgaben zu erheben. Auf diesem Weg kann er sich die Mittel zur Erhaltung seiner finanziellen Handlungsfähigkeit und Bedienung seiner Schulden verschaffen. – Freilich zeigte sich mehrfach und besonders gelegentlich der Griechenland-Krise, dass bei Überschuldung eines Staates und drohendem Staatsbankrott das Vertrauen in diese Papiere schlagartig schwand (diminished suddenly) und die Anleger entsprechende Portfolios leerten. Bedenklich ist aber, wenn in solchen Fällen die Staatsanleihen durch Einrichtungen wie den Europäischen Stabilisierungsmechanismus garantiert wurden. Dadurch setzt man falsche Anreize für Defizitstaaten und für die Käufer von deren Schuldtitel. Denn man kann ja darauf vertrauen, dass die Steuerzahler anderer Staaten notfalls einspringen. Zurecht wurde daher – vor allem auf Druck von Deutschland – der Stabilisierungsfonds für finanzschwache Euro-Mitglieder nur bis zum Jahr 2013 eingerichtet. Ab da müssen sich Besitzer von Staatsanleihen darauf einstellen, dass sie zur Rettung eines in Schwierigkeiten geratenen Staates auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Allein diese Ankündigung bewirkte bereits, dass ab 2013 fällige Staatsanleihen von wackligen Mitgliedsstaaten der EWU wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien mit hohem Abschlag gehandelt wurden. Dies wiederum führte zu teilweise heftigen Vorwürfen gegenüber Deutschland, dem – als Hauptfinanzier der Staatsschulden dieser Länder – mangelnde Solidarität vorgeworfen wurde. Wie häufig, so tadelte man diejenigen Staaten, welche einen Teil des von ihren Bürgern erwirtschafteten Sozialprodukts zur Rettung anderer zur Verfügung stellten, anstatt den Druck auf diejenigen zu erhöhen, die über ihre Verhältnisse leben. – Anfang März 2012 wurden die Inhaber griechischer Staatsanleihen “freiwillig gezwungen” (voluntarily compelled), auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. – Dass freilich die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität nach den Vorstellungen vieler Politiker – unter Umgehung geltenden Rechts – gleichsam als Auffangbecken für wertlos gewordene Staatsanleihen dienen soll, setzt bedenkliche Signale für die Zukunft der Eurozone. – Die Erfahrungen mit den 2011 im Marktwert teilweise bis zur Hälfte gesunkenen griechischen Staatsanleihen hat dazu geführt, dass viele Banken auch Staatsanleihen in ihren Büchern mit Eigenkapital unterlegen, über die Eigenkapitalvorschriften von Basel-III hinaus. Bei der Asset Quality Review gilt die Bewertung von Staatsanleihen als eines der grössten Probleme. Indessen gilt es inzwischen als unbestritten, diesen Papieren in jedem Falle ein genau begründetes Risikogewicht beizumessen. “Sichere Staatsanleihen” (safehaven government bonds) gibt es nicht mehr. – Siehe Agency Bonds, Bail-out, Bilanztricks, staatliche, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZBSündenfall, Fiscal Agent, Geldvermehrung, währungsunion-interne, Kreïrung, Moral Hazard, Politikverzug, Schuldentragfähigkeit, Siebenprozent-Grenze, Staatspapiere, Südfront, Transferunion, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Vorwirkung, Zinsstrukturkurve, Zwangsenteignung. – Vgl. zu den internationalen Unterschieden in der Rendite und den Folgerungen daraus Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 10 ff., Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 f. (hier auch Verbindung der Renditeunterschiede einzelner Staatsanleihen mit der Bonitätseinstufung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2006, S, 29 ff. (ausführliche Darstellung mit vielen Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 34 ff. (Renditeabstände auch zwischen den Anleihen einzelner Mitglieder der Eurozone; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2008, S. 39 ff. (starke Volatilität der Renditen von Staatsanleihen infolge der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 38 ff. (Renditeabstände von Staatsanleihen im Eurogebiet während der Finanzkrise, Übersichten; Literaturhinweise), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 23 (Vergleich der Renditen zehnjähriger Staatsanleihen Deutschland und USA seit 2005), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 34 ff. (Rückschlag-Gefahren bei Staatsanleihen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2011, S. 29 ff. (Rendite-Unterschiede von Staatsanleihen im Euroraum; Übersichten; Erklärungsansätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2011, S. 43 (Aufschläge für Staatsanleihen der Pigs seit 2009), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 43 ff. (Übertragungseffekte der Unsicherheiten bei Staatsanleihen auf andere Sektoren der Wirtschaft; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom März 2012, S. 51 ff. (Emissionen und Bestände an Staatsanleihen seit 2006 im Eurogebiet nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt; zahlreiche Abbildungen; Tendenz zur Substitution langfristiger Anleihen durch kurzfristige Papiere), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2013, S. 33 f. (Staatsanleihen im Beitz heimischer Banken in Eurogebiet; Übersicht).

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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Passende Formel

Laufende Anleiherendite

\[r_{lauf}=\frac{C}{P}\cdot100\]

Die laufende Verzinsung einer Anleihe bezogen auf ihren Marktpreis berechnen.

Variablen: C jährlicher Kupon; P aktueller Anleihekurs.

Anwendung: Für einen schnellen Renditevergleich ohne Kursgewinn und Laufzeiteffekt.

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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Staatsanleihe (public loan, national loan, government loan)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/staatsanleihe-public-loan-national-loan-government-loan/ (Stand: 15.10.2022).

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