Rückkehr-Ideologie (reversion ideology)

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Wenn nicht anders definiert der Standpunkt, Deutschland solle aus der EWU austreten und – entweder zu seiner alten Währung, nämlich zu der bis 2002 umlaufenden Deutschen Mark, zurückkehren – oder zusammen mit den Niederlanden und Österreich eigenes Geld einführen; der vorgeschlagene Name dafür ist Neuro; andere wünschen sich die Bezeichnung Mark zurück. – Wurde diese Forderung zunächst nur von Wenigen vertreten, so stieg ab etwa 2010 die Zahl der Personen, die für ein Verlassen der EWU eintreten. Auch ernstzunehmende Fachleute wechselten in das Lager der Rückkehr-Bewegung über. Denn hauptsächlich wegen des Verfassungsartikels eins wird es den Defizitstaaten in der EWU unmöglich sein, ihre Schulden abzubauen. Dazu werden dort obendrein wahrscheinlich auch neue Staatsschulden wegen der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften zusätzlich jedes Jahr angehäuft. Am Ende steigt der politische Druck zu einem Bail-out durch Leistungen seitens der stabilitätsbewussten Teilnehmer der EWU. – Angesichts dessen jedoch ist es letztlich eine Abwägung, ob der einmalig zu verbuchende Verlust infolge des Exit aus der EWU nicht geringer ist als immerfort anhaltende und wegen des Moral Hazard wahrscheinlich progressiv steigende Zahlungen in einer Transferunion. Fällt dieses Kalkül zugunsten des Exit aus, dann werden sich Kräfte durchsetzen, die das Ausscheiden aus der EWU durchsetzen. Auch in den Niederlanden und in Österreich mehrten sich ab 2010 die Stimmen für einen Exit. – Für Deutschland hätte ein Exit ohne Zweifel nachteilige Folgen. Der Neuro bzw. die Mark würde stark aufwerten; die Exporte gingen um weit mehr als die Hälfte zurück; hohe Arbeitslosigkeit wäre die Folge. – Siehe Abwertung, fiskalische, Ausstieg, Bail-out, Blame game, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Europhobie, Europayer, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Geldvertrauen, Goldopfer, Hegemon, milder, Plan C, Rettungseuropäer, Rettungsroutine, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, TARGETMissbrauch, Vermögensabgabe, Vertragstreue, Währungsunion 2, Wirtschaftspatriotismus, Zwei-Wege-Option.

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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Rückkehr-Ideologie (reversion ideology)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/ruckkehr-ideologie-reversion-ideology/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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