Aktienblase (share [US

stock] bubble): Der Anstieg des Aktienkurses eines Unternehmens (oder aller börsennotierter Unternehmen) auf ein Niveau, das aufgrund der ökonomischen Grunddaten (“fundamentals” wie Vermögen, Gewinn, Stellung im Markt, künftige Absatzaussichten) kaum gerechtfertigt ist. – Die Forschung hat klar aufgezeigt, dass solche Blasen – rational kaum erklärbar und meistens auch – nicht sofort erkennbar sind. Sie könnten allenfalls (dort, wo das möglich ist, wie in den USA) durch entsprechende Erhöhung der Mindesteinschuss-Sätze bei kreditfinanzierten Aktienkäufen eingedämmt werden. Würde die Zentralbank aber das Zinsniveau gesamthaft erhöhen, um spekulative Aktienkäufe zu bremsen, dann würden sich auch Investitionen zur Verbesserung oder Erweiterung des Kapitalstocks der Volkswirtschaft verteuern. Das wirkt sich über kurz oder lang auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus und kann zu weitreichenden Folgen auf Produktion, Export und Beschäftigung führen. – Platzt die Blase, so bleiben die Banken oft auf uneinbringlichen Forderungen sitzen, weil viele Darlehn durch Vermögenswerte zu inflationierten Preisen besichert wurden. Banken werden sich in der Folge mit neuen Darlehn stark zurückhalten; auch neuer technischer Fortschritt kann daher bei einer solchen Lage nur noch beschränkt finanziert werden. – Nach Berechnungen des IMF dauern Aktienkurseinbrüche (slumps) im Durchschnitt zweieinhalb Jahre an und sind mit Einbussen von vier Prozent beim Bruttoinlandsprodukt verbunden. Die Finanzgeschichte lehrt, dass von der Entstehung einer Blase auf Aktienmärkten bis zu deren Platzen zwischen fünf und zehn Jahren vergehen. – Siehe Aktie, strudelnde, Blase, Blase, spekulative, Börsenfieber, Börsenpreis, Boom-Bust-Zyklus, Crash, Deflation, schlechte, DotcomBlase, Glücksspieleffekt, Hindsight, Höchstpreis, Immobilienblase, Jackson Hole-Konsens, Kurzsichtigkeit, Martin-Prinzip, Marktkenntnis, zentralbankliche, Milchmädchen-Hausse, Mississippi-Taumel, Nullzins, Massiv-Verkäufe, Panikverkäufe, Poseidon-Blase, Prosperität, Rückkoppelungsschleife, Spekulationsblase, Subprime-Krise, Trittbrettfahrer, Tulpencrash, Überbelastung, Überschwang, unvernünftiger, Vermögensblase Vermögenseffekt, Vertrauens-Hypertrophie, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 75 ff. (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten).

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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Aktienblase (share [US“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/aktienblase-share-us/ (Stand: 15.10.2022).

Die von Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk begründete Sammlung wird seit Herbst 2014 von Professor Dr. Dr. h.c. Eckehard Krah redaktionell fortgeführt und um neue Begriffe ergänzt. Sollten Sie Fehler entdecken oder sonstige Hinweise haben, schreiben Sie an: info@ekrah.com

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