Quantitative Easing (so auch meistens im Deutschen, seltener mit Mengenmässige Lockerung übersetzt)

Politik einer Zentralbank, die allein oder doch vorwiegend auf die Bereitstellung einer von ihr ins Auge gefassten Geldmenge, und nicht oder kaum auf Zinssätze ausgerichtet ist. – In Zeiten von Finanzkrisen wie in Japan nach 1990 und weltweit 2009 scheint diese Politik das geeignete Mittel, um eine Kreditklemme zu vermeiden und eine Rezession abzufedern. – Im einzelnen unterscheidet man mehrere Wege, nämlich die Zentralbank – kauft Staatsanleihen, wodurch die Geldmenge ausgeweitet wird; zugleich soll durch die erhöhte Nachfrage am Kapitalmarkt die Renditen der langfristigen Papiere gesenkt und ein Druck auf das Zinsniveau gesamthaft ausgeübt werden; – kauft Unternehmensanleihen und Commercial Papers. Damit wird die Liquiditätsversorgung der Unternehmen trotz einer Liquiditätsklemme unmittelbar von der Zentralbank gewährleistet. Diese Form der Mengenmässigen Lockerung wurde – neben dem Kauf von Staatsanleihen – im Frühjahr 2009 von der US-Notenbank gewählt, wiewohl hierdurch nicht emissionsfähige und auf Bankkredite angewiesene kleinere und mittlere Unternehmen benachteiligt werden, also offenkundig eine Wettbewerbsverzerrung (unfair competition) bewirkt wird; – kauft gedeckte Schuldverschreibungen, an deren Güte besondere Anforderungen – wie Ratingstufe, Zulassung als Sicherheit bei der Zentralbank, Höhe des Emissionsbetrags der jeweiligen Begebung – gestellt werden; Institute können damit diese zinstragenden Papiere gegen Zentralbankgeld tauschen. Die EZB kaufte so im Juli 2009 für 60 Mia EUR forderungsbesicherte Anleihen (Covered Bonds wie Pfandbriefe) von den Banken; – kauft keine Wertpapiere, sondern nimmt diese als Pfand für die Bereitstellung von Liquidität (central bank money; Zentralbankgeld) von Banken herein. Gleichzeitig lockert sie die Anforderungen an die notenbankfähigen Sicherheiten (papers eligible for refinancing with central bank) und dehnt die Zeit aus, bis zu welcher die Banken diese Kredite an die Zentralbank zurückbezahlt werden müssen (repo transactions; RepoGeschäfte). Diese Art der mengenmässigen Lockerung betrieb die EZB, ehe sie im Juni 2009 auch Pfandbriefe und Covered Bonds im Gesamtbetrag von 60 Mia EUR ankaufte. Man nennt die beschriebene Variante auch “passive mengenmässige Lockerung” (enhanced credit support policy). Sie gilt als die beste Form des Quantitative Easing. Denn allein schon die zeitliche Befristung der liquiditätszuführenden Refinanzierungsgeschäfte bewirkt hier, dass die bereitgestellte Liquidität mit Ende er Laufzeit wieder aus dem System abfliesst: dass also das geschöpfte Geld zur Zentralbank zurückkehrt (automatic exit operation). Freilich glaubte die EZB erstmals im Mai 2010 im Zuge der Griechenland-Krise auch Staatsanleihen aufkaufen zu müssen, weil zu diesem Zeitpunkt ein Zusammenbruch des Finanzsystems vor der Tür stand. – Der Pferdefuss (drawback) jeder Art der Politik der Mengenmässigen Lockerung liegt darin, – dass die Banken die ihnen zugeleitete Liquidität häufig nicht – wie ja durch die Massnahme beabsichtigt – zur Darlehnsgewährung an Kunden einsetzen, sondern ihre finanziellen Reserven damit aufpumpen oder gar das billige Geld im Ausland zinsbringend anlegen. Das Geld kommt daher letztlich nicht in der Realwirtschaft an, wie durch die Massnahme ja eigentlich beabsichtigt. Investitionen werden jedenfalls durch Quantitative Easing kaum angeregt. Zudem – bringen die so künstlich niedrig gehaltenen Zinsen den Sparern eine Einbusse. Man errechnete, dass infolge der Diätrendite allein bei Bankeinlagen den Bundesbürgern pro Jahr 36 Mia Euro verloren gingen, und diese damit in erheblichem Ausmass zur Bewältigung der auf die SubprimeKrise folgenden Finanzkrise beitragen mussten. – Schliesslich lehrt die Finanzgeschichte unzweifelhaft, dass billiges Geld über kurz oder lang in spekulative Blasen mündet. – Siehe Anmassung, zentralbankliche, Aufkäufe, zentralbankliche, Bazooka, Bilanzbereinigung, Blutzoll, Carry Trades, Covered Bonds, Defizit-Finanzierungsverbot, Diätrendite, Dreijahrestender, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Finanzkrise, Lasten, Friedman-These, Geldverleiher letzter Instanz, Kreditklemme, Kreditunterstützung, erweiterte, Larghezza, Liquiditätsfalle, Mengentender, Sicherheiten, marktfähige, Südfront, Tarnkappen-Politik, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verlust-Darlehn-Beziehung, Vollzuteilung, Zwölfmonatstender. – Vgl. Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 34 ff. (Bereitstellung von Liquidität durch die EZB in der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom März 2009, S. 31 ff. (Übersichten 2004-2008), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 113 ff. (Darstellung der Massnahmen im Zuge der Liquiditätsbereitstellung während der Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 37 ff. (Massnahmen der EZB im einzelnen; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 85 ff (Geldpolitik der EZB während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2009, S. 46 (Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen durch die EZB; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2009, S. 39 ff. (Liquiditätsversorgung August 2007 bis 2009; Übersichten), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 34 ff. (Wirkung des Quantitative Easing; Übersichten), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 17 f. (Aufzählung und Wertung der Sondermassnahmen), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 93 ff. (Beurteilung aller geldpolitischen Sondermassnahmen; ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 67 ff. (Geldpolitik der EZB in der Finanzkrise; Aufzählung und Beurteilung einzelner Massnahmen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010. S. 24 ff. und S. 33 ff. (dramatische Lage an den Finanzmärkten machte rasches Eingreifen der EZB nötig), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 34 ff.(Programm zum Ankauf von gedeckten Schuldverschreibungen beurteilt; Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 19 ff. (summarische Darstellung der Massnahmen mit Begründung), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 21 f (Vollzuteilung bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB wird beibehalten).

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Zitieren

Merk, G. (Hrsg.): „Quantitative Easing (so auch meistens im Deutschen, seltener mit Mengenmässige Lockerung übersetzt)“. In: Finanz- und Wirtschaftslexikon. https://www.gerhardmerk.de/quantitative-easing-so-auch-meistens-im-deutschen-seltener-mit-mengenmassige-lockerung-ubersetzt/ (Stand: 15.10.2022).

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