Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion (disciplinning function of financial markets)

Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den vom internationalen Finanzmarkt ausgehenden Zwang auf Regierungen, ihre Staatsausgaben und Schulden zu begrenzen. – Wie sich empirisch nachweisen lässt, setzt sich eine solche Disziplinierung häufig nicht bzw. zu spät durch. Ist nämlich das Angebot auf den internationalen Finanzmärkten reichlich, dann wird jeder Kunde mit einem leidlichen Rating bedient. Viele Schwellenländer konnten vor der Subprime-Krise problemlos Geld aufnehmen: bezeichnenderweise meistens kurz vor einem Staatsbankrott. Oftmals – wie im Falle der Türkei in den 1990er Jahren – ermöglichen die Finanzmärkte es unverantwortlichen Regierungen, sich gleichsam einem Verschuldungsrausch (deficit spending rush) hinzugeben. Bis die Marktdisziplin einsetzte, war es in dem meisten Fällen schon zu spät. – Siehe Finanzkrise, FinanzmarktAnalyse, Griechenland-Krise, Marktversagen, Repatriierungs-Effekt.

Achtung: Das Finanzlexikon ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die ausdrückliche Einwilligung lediglich zum privaten Gebrauch benutzt werden!
Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
E-Mail-Anschrift: info@jung-stilling-gesellschaft.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ernst_Merk
https://www.jung-stilling-gesellschaft.de/merk/
https://www.gerhardmerk.de/

Sidebar