Finanzialisierung (financialisation)

Um 2010 allgemein aufgekommener Begriff zur Bezeichnung von spekulativen Anlagen (speculative forms of investment) in Rohstoffmärkten. Eine Risikomischung und langfristige Renditeerwartungen sind dabei die Motive der Anleger. Ob, und wenn ja in welchem Masse, die Finanzialisierung das Angebot an den Kassamärkten verknappt und somit die Preise beeinflusst, ist bis anhin bestritten, zumal es auf vielen den Märkten weithin an Transparenz fehlt. – Mit einiger Sorge wird jedoch die im Zuge der Subprime-Krise und dann vor allem der Niedrigzinspolitik der EZB aufgetretene Vorliebe vieler grosser Anleger wie Banken, Hedge-Fonds, ja sogar Versicherungen gesehen, börsenmässig gehandelte Industriemetalle (exchange traded industrial metals) langfristig einzulagern und damit dem Produktionsprozess zu entziehen. Indessen rückt der so steigende Preis – für Nickel ist das überzeugend nachgewiesen – nun Ersatzstoffe (substitutes; Substitute) in den Gesichtskreis der Verarbeiter. Damit wird der Preisdruck bei dem verknappten Metall gemindert. Am Ende ist es nicht ausgeschlossen, dass die Metall-Horter sogar einen Verlust erleiden, weil sich die metallverarbeitenden Unternehmen ganz auf das Substitut verlegt haben. – Das zunehmende Gewicht des Finanzsektors in einer Volkswirtschaft (a shift of significance from the real to the financial sector in an economy). – Siehe Biotreibstoffe, Cost-Push-Inflation, Erdöl-Lebensmittel-Zusammenhang, Erdölpreis, Geldrechenhaftigkeit, Henry Hub, Inflation, weltweite, Metall-Inflation,
Renditejagd, Protein-Inflation, Rohstoffblase, Rohstoff-Terminvertrag, Zwei-SäulenPrinzip, Zweitrunden-Effekte. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 13 ff. (Finanzialisierung von Rohstoffen ausführlich dargestellt; Übersichten, Literaturverweise), Finanzstabilitätsbericht 2011, S. 42 ff. (Zunahme der Finanzialisierung; damit verbundene Risiken; Literaturhinweise), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 44 f. (Ansätze zur weltweiten Regulierung der Rohstoffmärkte).

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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