Zur Beurteilung allfälliger Risiken für die Preisstabilität stützt sich die EZB – auf die Beobachtung des Geldmengenwachstums und hier wieder im besonderen auf M3, deren Wachstum bei “nahe zwei Prozent” begrenzt wird; “monetary analysis”) sowie – auf eine Reihe anderer Wirtschafts- und Finanzindikatoren (“economic analysis”). Der Zeithorizont entsprechender, im einzelnen oft sehr breit gespannter Werte liegt bei ungefähr vierundzwanzig Monaten. – Durch die Betrachtung monetärer und nichtmonetärer Informationen wird so die Gefahr gebannt, dass die EZB ihre Entscheidungen einseitig und zu kurzfristig ausrichtet. Weil geldpolitische Entscheidungen immer unter Unsicherheit zu fällen sind, so mindert der sehr breit gewählte Ansatz die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen. Auch bleibt die Zwei-Säulen-Prinzip offen für Verbesserungen: die EZB kann aus ihren Erfahrungen heraus in die zweite Säule neue Bausteine einbeziehen – wie etwa die Finanzialisierung – bzw. das Gewicht der betrachteten Grössen anpassen. – Sicher ist das Zwei-Säulen-Prinzip keine begrifflich vollkommene, eindeutige Zielbestimmung (distinct definition of goals, unique target acquisition). Aber bis anhin hat sich das Zwei-Säulen-Prinzip gegenüber jeder anderen, theoretisch vollkommeneren Zielbestimmung der Geldpolitik als überlegen erwiesen, und das gerade weil es offen ist für das rasche Einfügen neuer, aus den sich stets verändernden wirtschaftlichen Gegebenheiten erwachsender Umstände. – Siehe Aktivismus, zentralbankpolitischer, Ausrichtung, einzielige, Aussenhandelsstatistik, Anleihe-Begebungen, Analyse, monetäre, Daten, weiche, Dritte Säule, Economic Sentiment Indicator, Eckdaten, makroökonomische, Geldmenge, Geldpolitik ohne Geld, Geldwertstabilität, Immobilienblase, Inflation, Inflation Targeting, Order-Capacity-Index, Produktionshemmnisse, Produktionslücke, Targeting, Number Cruncher, Preisniveausteuerung, Rohstoffblase, Vermögens(preis)inflation, Vorlaufindikator, Wirtschaftsindikatoren, wichtige. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2000, S. 41 ff., Monatsbericht der EZB vom Mai 2001, S. 53 ff. (hinsichtlich der Bedeutung von M3), S. 63 (Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom Juni 2003, S. 87 ff. (dort wichtige Definitionen) und S. 102 (Schaubild der EZB-Strategie), Jahresbericht 2003 der EZB, S. 16 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 24 ff., Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 65 f. (in Bezug auf Vermögenspreise), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 27 ff. (hinsichtlich der Beobachtung des Anleihemarktes; S. 28: Übersicht wichtiger Datenquellen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2008, S. 18 ff. (Abwägung der beiden Säulen; in den Anmerkungen wichtige Literaturhinweise), Monatsbericht der EZB vom November 2010, S. 88 f. (die EZB bemüht sich, auch Fehlentwicklungen bei den Vermögenspreisen in ihre Politik einzubeziehen), S. 91 ff. (die monetäre Analyse im Zwei-Säulen-Prinzip wurde weiterentwickelt; ausführliche Darstellung), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 29 ff. (Frühwarn-Indikatoren bei Vermögenspreisen), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 61 ff. (zum Einfluss der Geldpolitik auf die Vermögenspreise; Übersichten).

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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