Finanzkrise, Vermeidbarkeit (avoidability of financial crisis)

Untersuchungen scheinen zu belegen, dass eine Finanzkrise dem marktwirtschaftlichen System gewissermassen innewohnend ist. Sie werden von vielen gleichsam als die Achillesferse (Achilles heel: die einzige Stelle, an welcher der griechische Sagenheld Achilles verwundbar war) der Marktwirtschaft gesehen und der Preis dafür, dass die Marktkräfte die knappen Ressourcen zum Platz der wirtschaftlichsten Verwendung leiten: dem besten Wirt zuführen. – Immer aber lag die Ursache vergangener Finanzkrisen in zu hoher Verschuldung: das ist empirisch ohne jeden Zweifel nachweisbar. In der Finanzgeschichte waren es einmal die Privathaushalte, dann die Banken und – wie vor allem neuerdings – der Staat, die getätigte Ausgaben nicht mit erwirtschafteten Einnahmen in Einklang bringen konnten. Indessen ist Verschuldung kein unabwendbares Schicksal, sondern ein von privaten, unternehmerischen und politischen – wie im Falle des Staates – Entscheidungsträgern gewollte, zumeist über eine Reihe von Jahren sich hinziehende schuldhafte Übertretung der Grundeinsicht, dass man nicht mehr verbrauchen als herstellen kann. – Beunruhigend ist das Forschungsergebnis der Finanzgeschichte, wonach bis anhin sämtliche Finanzkrisen über kurz oder lang in eine Inflation mündeten. Weil sich aber in unserer postmodernen Gesellschaft (postmodern era) – gegenüber vorherigen trüben Zeiten (compared to dull earlier times) die ökonomische Vernunft sieghaft Bahn bricht, und – weil alle Entscheidungsträger neben der Einsicht auch den Willen haben, den Geboten der wirtschaftlichen Vernunft zu folgen, so muss eine Finanzkrise heutzutage nicht mehr in Inflation enden. – Siehe Elisabeth-Frage, Finanzkrise, Finanzmarkt-Disziplinierungsfunktion, Krise, zentralbankbewirkte, Lasten.

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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