Finanzkrise (financial system crisis)
Schwere Störungen bis hin zum völligen Zusammenbruch (Kollaps; collapse, breakdown) des Finanzsystems in einem Währungsgebiet oder auf der Welt gesamthaft. – Verwerfungen – in einem Segment des Finanzmarktes, wie etwa bei hypothekengesicherten Papieren minderer Bonität bei der sog. Subprime-Krise im Sommer 2007; wobei – solche Störungen zwangsläufig immer in irgend einer Weise auf andere Segmente des Finanzmarktes übergreifen und wie bei der Subprime-Krise – auch zeitlich weitreichende Auswirkungen (far-reaching implications for a long period) haben. – Kommt es dadurch zu einem allgemeinen Verlust des Vertrauens und zu einem starken Kurssturz an den Börsen, dann kann nur noch der Staat durch einen entsprechend bewidmeten Garantiefonds eine Wende bewirken und den völligen Zusammenbruch des Finanzsystems vermeiden. Wie sich im Zuge der Subprime-Krise gezeigt hat, sind selbst einzelne Zentralbanken in einer solchen Lage überfordert. Auch grosszügige Bereitstellung von Liquidität für sich allein vermag dann das Vertrauen in den glatten Ablauf (the functioning: the smooth running) der Finanzmärkte dann kaum zurückzugewinnen. – Im besonderen auch gesagt von der auf die Subprime-Krise ab 2007 folgenden, global sich ausbreitenden Turbulenzen, deren einzelne Stufen im Finanzstabilitätsbericht 2009 in einer Übersicht Schritt für Schritt erläuternd ausgewiesen sind. Letztlich lagen die
Ursachen dieser Krise in einer zu grossen Kurzfrist-Orientierung (short-term orientation) im Finanzsystem. Dies führte zu einer starken Auswirkung auch auf die Produktion. Der weltweite Stand der Wirtschaftsleistung des Jahres 2008 konnte dadurch frühestens wieder 2013 erreicht werden. Das Produktionspotential in Deutschland verlor nach Schätzungen zwei Prozent. Alle Regierungen zusammen gaben zur Bewältigung der Finanzkrise mehr als ein Viertel des globalen Bruttosozialprodukts für Hilfsmassnahmen (rescue packages) aus. – Die zur Bewältigung dieser Krise begangenen Schritte im Zuge des Quantitative Easing führten dazu, dass in den meisten Ländern die Sparer über Diätrenditen den Hauptanteil (lion’s share) der Folgekosten zu berappen hatten. Die Regierungen vieler Länder mussten für strudelnde Banken eintreten, was die Staatsschulden erhöhte, ja einige Staaten (Irland-Krise) sogar an den Rand des Staatsbankrotts brachte. Zudem stand das verausgabte Geld für andere Zwecke – wie Bildung, Investitionen in die Infrastruktur – nicht mehr zur Verfügung. – Siehe Ansteckungswirkungen, Bankbasierung, Bankenkrise, Carry Trades, Diätrendite, Dreijahrestender, Einlagesicherung, europäische, ElisabethFrage, Finanzkrise, Vermeidbarkeit, Finanzkrise, Lasten, FinanzmarktDisziplinierungsfunktion, Finanzmarkt-Zusammenbruch, Finanzmarktstabilität, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Furchtthese, Garantiefonds, Informationslücke, Kreditrisiko, Kreditrichtlinien, Kreditvergabe-Grundregel, Krise, systemische, Krise, zentralbankbewirkte, Krise der Sicherheiten, Krisenlasten-Verteilungsprogramm, Liquiditätspool, Mark-toModel-Ansatz, Memorandum of Understanding, Murphy’s Gesetz, Notfall-Liquiditätshilfe, Prozyklizität, Quantitative Easing, Risikokultur, Run, Spielgeld, Staatsschuldenkrise, Stabilitätsfonds, europäischer, Systemkonflikt, finanzmarktlicher, Tarnkappen-Politik, Unterseeboot-Effekt, Vertrauensverlust, Zitronenhandel. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Übertragung der Subprime-Krise auf die einzelnen Segmente des Finanzmarktes), Monatsbericht der EZB vom April 2008, S. 95 f. (vom Ecofin-Rat im Oktober 2007 verabschiedete Grundsätze), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2009, S. 26 ff. (quantitative Erfassung der Finanzkrise im Rahmen der Bank Lending Survey; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2009, S. 18 ff. (PortfolioUmschichtungen in Zuge der Finanzmarktkrise), Jahresbericht 2008 der EZB, S. 27 ff. (S. 33 ff. (Auswirkungen auf M3; S. 37 ff.: Finanzkrise und Geldmarkt; Übersichten; S. 113 ff.: geldpolitische Massnahmen), Monatsbericht der EZB vom Juni 2009, S. 109 f (Einbruch des Aussenhandels im Eurogebiet infolge der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juni 2009, S. 56 f. (Banknoten-Nachfrage während der Finanzkrise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2009, S. 17 ff. (Kreditvergabe während der Finanzkrise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2009, S. 22 ff. (staatliche Investitionen bedürfen auch in der Finanzkrise einer Wirtschaftlichkeitsrechnung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 27 (Schaden im Produktionspotential), Jahresbericht 2009 der EZB, S. 81 ff. (staatliche Stützungsmassnahmen; Übersichten, Quellenhinweise), Finanzstabilitätsbericht 2009, S. 61 (Verlustschätzung der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise), Monatsbericht der EZB vom Januar 2010, S. 67 ff. (Geldpolitik der EZB in der Finanzkrise; Darlegung und Beurteilung einzelner Massnahmen), Monatsbericht der EZB vom April 2010, S. 77 ff. (zusammenfassende Beurteilung der Stützungsmassnahmen; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 42 f. (Auswirkungen der Finanzkrise bei Unternehmen, Haushalten und dem Staat), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 108 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise im besonderen auf die Kapitalströme innert des Eurogebiets; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2010, S. 93 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf die Länder in Mittel- und Osteuropa; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 17 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf den Welthandel), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2010, S. 63 ff. (Massnahmen der EZB während der Finanzkrise: ausführliche Darstellung; viele Übersichten), Jahresbericht 2010 der EZB, S. 174 ff. (Mitwirkung der EZB an der Überwindung der Finanzkrise); Monatsbericht der EZB vom Januar 2011, S. 93 ff. (Wirkungen der Finanzkrise auf die politische Zusammenarbeit in Europa; einzelne Impulse zur besserer internationalem Zusammenwirken), Monatsbericht der EZB vom Februar 2011, S. 66 ff. (Vergleich zu Krisen ab 1974; viele Übersichten), Jahresbericht 2010 der BaFin, S. 19 ff. (Chronologie der Ereignisse im Jahr 2010), Monatsbericht der EZB vom Juni 2010, S. 105 ff. (Auswirkungen der Finanzkrise auf die mittel- und osteuropäischen Staaten; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2011, S. 107 ff (Abbild der Finanzkrise in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2012 (ausführliche, breit und tief angelegte vergleichende Darstellung der jüngsten Finanzkrisen, in Japan, in den USA und in der EWU; viele Übersichten), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 21 ff. (Chronologie der Ereignisse 2011), Finanzstabilitätsbericht 2012, S. 20 ff. (Vertrauenskrise in der EWU und ihre Gründe), 32 ff.: das deutsche Finanzsystem in der Finanzkrise; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Überwindung der durch die Finanzkrise ausgelösten Vertrauenskrise; viele Übersichten; Literaturverweise).
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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