Finanzkonglomerat (financial conglomerate, large and complex financial institution)
Unternehmen, das allein oder im Konzernverbund – und hier besteht ein Konzern teilweise aus mehr als tausend rechtlich eigenständigen Tochtergesellschaften – Finanzdienstleistungen gesamthaft anbietet, also neben Bankdienstleistungen und Börsengeschäften vor allem auch Versicherungen. – Nähere Kennzeichen sind, dass diese Unternehmen – eine Fülle von Finanzprodukten und Dienstleistungen anbieten, – bedeutsame ausserbilanzielle Risiken eingehen, – an mehrere Aufsichtsbehörden melden und – eine herausgehobene Stellung in den Zahlungs- und Abwicklungssystemen einnehmen. Eine weitläufige Definition des Begriffes findet sich in § 1, Abs. 20 KWG. – Die weltweite Tendenz zu Konglomeraten ab etwa 1990 führte zu einer Zusammenlegung der bis dahin für einzelne Sparten (Versicherungen, Banken, Börsen) errichteten Aufsichtsbehörden. Durch aufsichtsrechtliche Vorschriften wurden Finanzkonglomerate in vielen Staaten – und in Deutschland besonders – einer genaueren Kontrolle unterworfen. Trotzdem gab es noch Aufsichtslücken; diese sind letztlich erst ab 2014 mit Errichtung der europäischen Bankenaufsicht geschlossen worden. – Siehe Bank, systemische, Bankassekuranz, Beteiligungsgesellschaft, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Complex Group, Financial Services Authority, Finanzholding, Holding, Gigabank, Joint Forum on Financial Conglomerates, Kontrolle, Konzern, Mischkonzern, Mixed Technical Group, Obergesellschaft. – Vgl. Jahresbericht 2001 der EZB, S. 155, Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 59 f., Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 44, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 26, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 39 ff. (Aufsichtsrechtliches; S. 49: genauere Definition des Begriffes “Finanzkonglomerat”), Monatsbericht der EZB vom Mai 2005, S. 89 (Risiko-Diversifizierung in Konglomeraten), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 63 ff. (EU-Finanzkonglomerate-Richtlinie und ihre Umsetzung in deutsches Recht; Koordinator-Prinzip für Unternehmen, die in mehreren Staaten tätig sind), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 78 (Inkrafttreten der Finanzkonglomerate-Solvabilitäts-Verordnung im September 2005), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 35 (Bemühungen um eine gleichmässige und vollständige Anwendung der Finanzkonglomerate-Richtlinie), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 72 f. (Finanzkonglomerate-Solvabilitäts-Verordnung), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 43 f. (Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie), Jahresbericht 2011 der BaFin, S. 83 ff. (wichtige Neuerungen), Jahresbericht 2012 der BaFin, S. 67 f. (umfassende Überarbeitung der Finanzkonglomerate-Richtlinie der EU-Kommission; Einzelheiten), Jahresbericht 2013 der BaFin, S. 32 ff. (das Finanzkonglomerate-Aufsichtsgesetz als Umsetzung der EU-Richtlinie trat in Kraft) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel “Internationales“.
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
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