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Wunder und Laster Heute

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WUNDER UND LASTER HEUTE

nachdrucksamst ins Gedächtnis gerufen gelegentlich einer zutätigen
nachtodlichen Belehrung nächst dem Stephans-Dom im I. Bezirk zu Wien von

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften und Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn, davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Vieharzneikunde – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in
gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch an 1772 Arzt für Allgemeinmedizin, Obstetrik, Ophthalmologie und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie seit 1781 bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass vom 22. Juni 1784 der erlauchten
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Hernachmals treueifrig aufgeschrieben, dienstfertig gereimt und in absichtsmässiger Benehmung mit erläuternden Anmerkungen versehen; schlussendlich auch gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Web gestellt, alle Leser dabei beständigen gÖttlichen Obhalts und getreulichen englischen Schutzes
wärmstens empfehlend
von

Liebmund Kirchentreu
zu Salen in der Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Leicht veränderte Online Fassung aus dem Buch \“Mixta Alfrediana\“, erschienen 1988 zu Ehren von Zelebrität Herrn Universitätsprofessor Komtur Dr. Dr. Dr. Alfred Klose, Wien.
Copyright-Inhaber ist die Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland).
Die gewerbliche Verwertung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung der löblichen Markus-Gilde.
mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de


Jung-Stilling am Stephansdom zu Wien


Mein Blick nahm in dem Menschenstrom,
Der schiebt sich um den Stephansdom1
Ein lichtes Geistes-Wesen wahr:
Jung-Stilling2 ganz unzweifelbar!

Ich drängte mich sogleich dorthin;
In kurzem schon ich bei ihm bin.
\“Herr Hofrat3 Jung: ich sah sie grad,
Als ich dem Dom entgegen trat.

Den Leuten scheinen sie verborgen,
Die gehen hier an diesem Morgen:
Denn keinen offenbar besticht,
Dass glänzen sie in hellem Licht.\“ —

\“Mein Stillings-Freund4: ihr könnt mich sehn
Im Ätherleib5 durch Wien zwar gehen,
Doch niemand sonst wird mich gewahr:
Ich bin für alle unsichtbar.

Die Menschen wollen sich nicht schicken
Gewohntes richtig anzublicken.
Drum hat erst recht es keinen Sinn,
Dass schaun ins Geisterreich sie hin.\“ —

\“Herr Hofrat: ich verstehe nicht,
Was letzt aus diesen Worten spricht!
Was ist es denn mit dem Gewohnten,
Das fremd den Menschen sie betonen?\“ —


Wundersüchtige Gegenwart erkennt die tatsächlichen und sichtbaren Wunder gar nicht


\“Ich meine damit: dass die Wunder
Die GOtt wirkt, gehen völlig unter
Und werden gar nicht mehr erkannt,
Bloss weil gewohnt sie und bekannt.

Nehmt als ein klares Beispiel nur
Die vielen Wunder der Natur.
Jüngst Bruder Sturm6 hat sie beschrieben,
Dass sie in Christen-Herzen blieben.

Doch wer dankt GOtt noch fromm und brav,
Dass frisch erquickt er durch den Schlaf?
Wer fühlt ver=pflichtet sich zum Preise,
Weil ihm gestärkt der Leib durch Speise?

Doch hört man, dass zur Erde ich
Gewendet habe wieder mich,
Dann sperren sie die Mäuler auf –
Ja, rennen gar dorthin zuhauf,

Weil ihnen das erscheint als Wunder;
Derweil im Alltag gehen unter
Die Gnaden GOttes, die unsäglich
Geschenkt aus SEiner Huld uns täglich.


Diesseits und Jenseits sind eines und aufeinander bezogen


Dabei ist es doch ganz natürlich,
Dass Geister auch im Leib, figürlich –
Obzwar nicht vollauf im Gebein –
In diese Erde tauchen ein.

Ich brachte hierzu viel Befunde
In meinem Werk zur Geister-Kunde.7
Auch sind ja an Erklärung reich
Die `Szenen aus dem Geisterreich.´8

Allein, Herr Liebmund, man hat jetzt
Gerade dies hintangesetzt.
Dass Diesseits, Jenseits eines sind:
Für solche Einsicht ist man blind!

Weil jetzig meistens Theologen
Hier eine Trennung strikt vollzogen,
Ging für die Mehrheit – ach! – zurück
Die Freude auch am Wohl, am Glück.9

Ganz anders, als zu meiner Zeit
Macht Wohlstand nun sich ringsum breit.
An seelischem Zufriedensein
Jedoch gebricht es insgemein,

Weil bloss sie an der Erde kleben,
Drum nicht mehr wissen, dass ihr Leben
Im Himmel erst Erfüllung findet
Und sie das Jenseits jetzt schon bindet.

Die Wirtschaftswissenschaft hat das Wohl
der Menschen aus den Augen verloren

Dass wägt und prüft genau man nicht,
Ob es der Menschen Wohl entspricht:
Ein solches Denken auch gedieh
Im Schosse der Ökonomie.10

Denkt nur an das Sozial-Produkt!
Sein Zahlenwerk hat ja geschluckt
So manches Ungut, das bloss quält –
Und doch man als Erfolg es zählt!

Ob Zigaretten, Rauschgift, Flut,
Verkehrsunfall, selbst Krieg sich tut:
Wenn messbar es als Geld-Verbrauch,
Hat Reichtum sich vergrössert auch!

Man schier erstickt in Autogasen,
Wird halb verrückt vom Motorrasen:
Der Volkswirt sieht nur Produktion,
Erkennt nicht, welche Schäden drohn.

Ich habe jüngsthin zum Verkehr
Herrn Freimund aufgezeigt noch mehr.11
Lest dies: ihr seht dann tiefer ein,
Was hier im einzelnen ich mein‘.\“


Verbrauch und Gebrauch von Ungütern hat noch eine lange Leidenszeit vor sich


\“Herr Hofrat Jung: wie schränkt man ein
Verbrauch, der nützlich bloss zum Schein?
Wie würde Wirtschaft recht saniert,
Dass Ungut man nicht produziert?\“ —

\“Mein Stillings-Freund: in langer Zeit
Wird erst die Menschheit so gescheit,
Dass wirklich jeder auch misschätzt,
Die Lebensweise, wie sie jetzt.

Bis dorthin wächst der Druck der Leiden,
Die Menschen selbst sich zubereiten
Durch Anwendung all jener Waren,
Die letzt als Pein sich offenbaren;

Wobei mit `Anwendung´ Verbrauch
Gemeint ist als auch der Gebrauch:
Ein Ungut ist die Raucherei,
Wie auch die Auto-Narretei.


Jung-Stilling hat ophthalmologischen Auftrag in Wien zu erfüllen


Doch nun muss meines Wegs ich gehen:
Nach einer Stillings-Freundin sehen,
Die kranken Auges Heilung sehnt,
Das schon seit Wochen ständig tränt.12

Gehabt euch wohl! Bleibt im Gebet,
Das GOttes Huld auf Erden fleht.
Ich bin den Stillings-Freunden nah;
Um sie ist stets auch Siona.\“13

Die letzten Worte bracht‘ er vor,
Als er sich schon dem Blick verlor.
Ich nahm gleich Bleistift und Papier
Und schrieb, was man kann lesen hier.


Trotz des erwarteten Mäkelei und Nörgelei wird die Botschaft Stillings ins World Wide Web gestellt


Bald stellte ich den Text komplett
Für jedermann ins Internet,
Damit auch alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft sich erfreuen.

Ach GOtt! Wie ist die Welt verrückt!
Man sagt nicht Dank, ist nicht beglückt,
Dass Stillings Botschaft wird verbreitet:
Dem Guten so der Weg bereitet.

Oh nein! Sie schreien: \“Spiritismus,
Gespenster-Wahnsinn, Okkultismus,
Verruchte Götzendienerei
Dämonenhafte Zauberei;

Verdummung, Scharlatanerie,
Ergüsse kranker Phantasie;
Geflunker, Machwerk, Schwindel, Lug,
Geschwätz, Geplapper, Bluff und Trug;

Verzauberung, Nekromantie,
Beschwörung Toter: Blasphemie,
Geheimnisvolle Kabbalistik,
Gefälschte gleisnerische Mystik,

Verworren-närrisches Gedudel,
Gebräu von höllischem Gesudel;
Betörtend-böse Reimerei,
Dämonenhafte Zauberei:

Ein Zeugnis von Besessenheit
Verhexung und Verlogenheit:
Abscheuliche Provokation:
Des Satans Manifestation.

Der Liebmund steht im Dienst von Baal:
Was der hier schreibt, ist ein Skandal!
Behördlich sollte man entschieden
Die Lügenbotschaft streng verbieten!

In Gottesdienst und Bibelstunde
Wie auch in der Versammlung14 Runde
Es Pflicht für Seelenpfleger15 sei
Zu warnen vor der Teufelei.\“

Ach Leute: packt euch an die Nase,
Entbindet euch von Zorn-Gerase,
Das andren Dingen passend wäre,
Nicht aber Stillings frommer Lehre.


Anmerkungen, Hinweise und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  von 1743 an durch Erbfolge Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1946 bis heute Gebietsteil des Kreises Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider aber auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat hier auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Hauslehrer gesammelt.

1 Stephansdom = Wahrzeichen von Wien; um 1140 errichtetes gotisches Bauwerk mit einem 136 Meter hohen Turm.

2 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Dieser wurde in letzte Zeit wiederholt auf Erden gesehen. – Siehe die entsprechenden Erscheinungsberichte aufgezählt bei Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 97 f., und dieser Text als Download-File bei dem URL <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>

Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. – Die \“Lebensgeschichte\“ erschien in vielen Ausgaben. Jedoch genügt nur die von Gustav Adolf Benrath besorgte Version den Anforderungen sowohl des Lesers (großer Druck, erklärende Noten, Register) als auch des Wissenschaftlers (bereinigter Original-Text; wichtige Dokumente zur Lebensgeschichte) – In kürzerer Form orientiert über das Leben von Jung-Stilling auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. Mehr die innere Entwicklung von Jung-Stilling schildert sehr feinfühlig Otto W. Hahn: \“Selig, die das Heimweh haben\“. Johann Heinrich Jung-Stilling: Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999 (Geistliche Klassiker, Bd. 4).

3 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (ihm hatte er auch seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und auch persönlich im März 1772 in Mannheim überreicht) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Begünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Schlagbäumen, Stadttoren, Überfuhren, Brücken, Fähren sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Fahr-Rinne für die Schiffahrt) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (später traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175’000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde (das Recht, den deutschen Kaiser mitzuwählen) ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog (Grand Duc) mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf. Nach dem gleichen Artikel nahm er unter den Rheinbundfürsten den ersten Rang ein.

Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [ab 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badischen\“ Hofrat.

Anfang April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat\“ ernannt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404.

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren: (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

Jung-Stilling stand nach seinem, aus eigener Initiative gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienste des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

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Jung-Stillings Gönner Karl Friedrich galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Als gelegentlich eines Trauer-Gottesdienstes der katholische Stadtpfarrer Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande einer Predigt auch die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser kurz die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser) sowie Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck), Bartolomé Xiberta: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adamo\“, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3. Berlin (Duncker & Humblot) 1967, S. 605 sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama\“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholischen Bürger unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge auch (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Rastatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811. Holdermann (1772–1843) war katholischer Pfarrer zunächst in Heidelberg und bis 1829 in Rastatt.

Als elektronische Ressource im Rahmen der \“Freiburger historischen Bestände–digitalisiert\“ ist einsehbar –  die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisungen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Professor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Gleichsam als Heiligen sehen den Verstorbenen –  Aloys Wilhelm Schreiber: Lebensbeschreibung Karl Friedrichs Großherzog von Baden, 1728–1811. Heidelberg (Engelmann) 1811 (Schreiber [1761–1841]) war seit 1805 Professor für Ästhetik in Heidelberg und ab 1813 bis zu seiner Pensionierung Hofgeschichtsschreiber in Karlsruhe)

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); –  Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentariums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie –  Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg.

Überspannt auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Fast schon als Halbgott stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten. Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] gilt als der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Weithin unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. Dasselbe gilt für die Doktorarbeit von Gerald Maria Landgraf: \“Moderate et prudenter\“. Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden (1728-1811), als Download-File bei dem URL <http://epub.uni-regensburg.de/10710/>. Für die Schikanen gegen die katholische Bevölkerung und das dadurch hervorgerufene Leid vieler Menschen hat Landgraf kein Wort übrig.

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Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, empfängt von GOtt einen neuen Namen, siehe Offenbarung 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89.

Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). Siehe [Christian Gottlob Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

Siehe über die Ankunft von Jung-Stilling in der Seligkeit auch Helena Schlatter-Bernet (?): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 7 ff. und zu dieser Schrift und ähnlichen Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 312 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32).

4 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner und Förderer von Jung-Stilling und später dann – ‚ Verehrer oder zumindest dem Autor gegenüber wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen beiden Bedeutungen von ihm selbst eingeführt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 213, S. 441, S. 513, S, 536, S. 566.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch LL \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort S. 316 sowie die Jung-Stilling von Grund auf verkennende, mit einer grossen Menge sachlicher Irrtümer und falscher Werturteile [nebenbei: es gibt auch richtige Werturteile!] durchsetze Studie von Hans R. G. Günther: Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Psychologie des Pietismus, 2. Aufl. München (Federmann) 1948 (Ernst Reinhardt Bücherreihe). – Siehe Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung. Die polemischen Schriften Johann Heinrich Jung-Stillings gegen Friedrich Nicolai (1775/76). Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 1987, S. 40 f., S. 51 f., S. 71 f. (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Bd. 129). Zurecht bezeichnet Vinke das Buch von Günther als eine \“unglaubliche Mischung von einfachen Fehlern, bösartigen Verzeichnungen der Fakten, krassen Fehlurteilen, absolutem Unverständnis für die pietistische Fragestellung und einigen wenigen genialen Einsichten\“ (S. 40; in Anm. 82 auch über die Wirkungsgeschichte des Buches von Günther).

5 Ätherleib ist nach Jung-Stilling die Klammer zwischen Leib und Seele, zwischen Körper und Geist; siehe hierzu ausführlicher Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, mit Eszett geschrieben). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808, S. 60 f.

Das (auch ins Englische, Niederländische, Schwedische und noch 1861 ins Französische übersetzte) Werk erfuhr bis heute zahlreiche Nachdrucke und Neubearbeitungen. Siehe hierzu Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie. Siegen (J. G. Herder Bibliothek) 1993, S. 104 (Register, Stichwort \“Theorie\“).

Seit ihrem Erscheinen wurde die \“Geister=Kunde\“ auch befehdet. Siehe mehr dazu bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, herausgegeben. und eingeleitet von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1). Dort auch Titelblatt-Kopien der wichtigsten zeitgenössischen Schmähschriften gegen Jung-Stilling in Zusammenhang mit der \“Theorie der Geister=Kunde.\“

6 Christoph Christian Sturm (1740–1786) war um die Aussöhnung von Glauben und Vernunft bemüht. Seine \“Betrachtungen über die Werke Gottes im Reiche der Natur und der Vorsehung auf alle Tage des Jahrs\“ erschien erstmals 1772 in Halle und erreichte hohe Auflagen sowie Übersetzungen in viele Sprachen (so ins Französische bereits 1777 bei Gosse in Den Haag).

Eine Ausgabe speziell für katholische Christen erschien 1804 bei Rieger in Augsburg. Bearbeiter ist Bernhard Galura (1764–1856), zuletzt Fürstbischof von Brixen. – Siehe auch (Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg, [Hrsg.]): Archiv für die Pastoralkonferenzen in den Landkapiteln des Bisthums Konstanz, Bd. 1. Meersburg (Herder), 1805, S. 62 f. (\“Sturms Betrachtungen sind hohen (so!) und Niedern (so!), Kleinen und Großen, Gelehrten u. Ungelehrten, Geistlichen und Weltlichen gleich angenehm und nützlich\“).

7 Siehe Anm. 5.

8 Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich. 1. und 2. Band, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999. – Zu den zahlreichen Ausgaben dieses Werkes siehe Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie (Anm. 5), S. 102 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

Siehe hierzu auch Anne Marie Stenner-Pagenstecher: Das Wunderbare bei Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Romantik. Hildesheim, Zürich, New York (Olms) 1985, insbes. S. 95 ff. (Germanistische Texte und Studien, Bd. 24) sowie Jacques Fabry: Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817). Ésoterisme chrétien et prophétisme apocalyptique. Frankfurt, Bern, New York, Paris (Lang) 2003.

9 Unter \“Glück\“ ist bei Jung-Stilling in wörtlicher Anlehnung an die bekannte Definition von Marcus Tullius Cicero (\“SECRETIS MALIS OMNIBIS, CUMULATA BONORUM POSSESSIO\“) die Abwesenheit aller Übel und der Besitz des Guten zu verstehen. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Die Grundlehre der Staatswirthschaft. Marburg (neue academische Buchhandlung) 1792, Reprint Königstein/Ts (Scriptor) 1978, S.27 ff. sowie Gerhard Merk: Das ideale politische System nach Jung-Stilling, in: Gertraud Putz et al. (Hrsg.): Politik und christliche Verantwortung. Festschrift für Franz-Martin Schmölz. Innsbruck, Wien (Tyrolia) 1992, S. 123 ff. (Veröffentlichungen des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg, N.F, Bd. 53).

10 Jung-Stilling war fast ein Vierteljahrhundert lang, von 1778 bis 1803, Jahre Professor für ökonomische Wissenschaften; zunächst in Kaiserslautern, dann in Heidelberg und schliesslich in Marburg/Lahn. – Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1987, S. VII ff.

11 Siehe Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittels zutätiger englischer Gunst wortgetreu gereimt wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. Auch als Download-File (ohne die beigegebenen Abbildungen und ohne Register) unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/~stilling> zur privaten Gebrauch abrufbar.

12 Jung-Stilling galt zu seiner Zeit als einer der bedeutendsten Augenärzte. Ungefähr 3 000 Menschen befreite er durch Operation von Blindheit. – Siehe zu dieser Seite des Wirkens von Jung-Stilling ausführlich Gerhard Berneaud-Kötz: Kausaltheorien zur Starentstehung vor 250 Jahren. Eine Auswertung der Krankengeschichten und Operationsprotokolle von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 36 ff. und die dort (S. 95 ff.) angegebene Literatur sowie Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996.

13 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg [Veith] 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in mehrere Sprachen

Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), – ‚ \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der – ƒ \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – „ oft ungesehen als Engel immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), – … den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber – † auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und – ‡ Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie – ˆ zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786-1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760-1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), – ‰ ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet http://www.himmelsboten.de

14 Versammlung = Gottesdienst der Darbysten (\“Plymouth-Brüder\“) einer vor allem im Siegerland und im Raum Wuppertal auch heute noch verbreitete freikirchliche Gemeinschaft besonderer Prägung. Ihr Begründer ist John Nelson Darby (1800-1882) aus Plymouth in England. Nach Darby ist die Welt widergöttlich und der Staat das siebenköpfige Tier nach der Geheimen Offenbarung. Kunst und Kultur dienen nur den Zwecken des Satans. – Siehe hierzu mehr bei Erich Geldbach: Christliche Versammlung und Heilsgeschichte bei John Nelson Darby, 3. Aufl. Wuppertal (Brockhaus) 1975 sowie theologisch tiefgreifend Berthold Schwarz: Leben im Sieg Christi. Die Bedeutung von Gesetz und Gnade für das Leben des Christen bei John Nelson Darby. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2006 (Systematisch-theologische Monografien, Bd. 22).

15 Seelenpfleger sind Laien, die innert der Gemeinschaftsbewegung (vor allem des Siegerlandes) \“Bekehrte\“ und \“Erweckte\“ besuchen, im Glauben befestigen und sie teilweise auch bei wichtigen bürgerlichen Entscheidungen beraten.


Lord, give thine angels every day
Command to guide us on our way,
And bid them every evening keep
Their watch around us while we sleep



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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