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Was heisst „Erbsünde“?

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Diese Frage in einem nachtodlichen Gespräch im Berner Oberland beantwortet durch den hochgelehrten, achtenswerten und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübertragung ab 1803 Badischer Hofrat,
ab 1808 durch Verleihung Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat;

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn und dortselbst auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kurpfälzischen Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenheilkunde und seit 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie seit 1781 bis zum Verbot sämtlicher Geheimgesellschaften in den kurpfälzisch-bayrischen Gebieten durch Erlass aus München vom 22. Juni 1784 auch der erlauchten
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Nach vonstatten gegangener Vernehmlassung bei füglicher Gelegenheit zur Mehrung gemeinen Nutzens sowie zur Befrohlockung der Stillings-Freunde nah und fern behörig kundgemacht, hernächst allerfüglichst in Vers und Reim gegossen, hinfüran zu dem genannten Zweck ins World Wide Web gestellt, dabei alle Leser mit freundwilligem Gruss getreuer gÖttlicher Obhut und Verwahrung sowie englischen Schutzes wärmstens empfehlend
von

Achtnicht Aufdenschimpf
zu Lichthausen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der Einwilligung der löblichen
Markus-Gilde., Postfach 11 04 33, 57004 Siegen.

mailto:


Wanderung im Berner Oberland


Durchs Emmental1 von Ramsei2 ab
Kam an zu Burgdorf3 ich recht schlapp.
Weil schwül der Tag im Juli war,
Tat mühsam sich der Ausflug dar.
Zunächst erstrebend deshalb Ruh,
Schritt gleich ich auf ein Gasthaus zu.

Sehr wohl war mir, dass ich nun sass.
Erst nach und nach ich drum ermass
Die Eigenart der Wirtschaft hier:
Im alten Stil, erstorben schier.


Gaststube aus längst vergangener Zeit


Ein Raum wie eine Stube grad:
Kaum dreissig Meter im Quadrat;
Vom Kuhstall durch ein Holz-Segment
Bloss unzureichend abgetrennt;

Die Fenster klein, die Decke nieder;
Ein Müff nach Mist, der mir zuwider;
Mit Sand die Tische blankgescheuert;
Das Holz des Bodens schlecht erneuert:
Gleich neben alten Eichenbohlen
Man Fichte legte unverhohlen.

Zwei Funzeln hingen an den Balken;
Die Wände tat man frisch erst kalken.
Das Rot der Tür wies auf ein Sud
Aus Ziegenmilch und Ochsenblut.
Mit solch Gemisch ganz früher man
Lasur zum Schutz von Holz gewann,
Wie mir aus Büchern wohl bekannt,
Die alter Technik hingewandt.


Zwei Gäste in der Gaststube


Zwei Männer nur sah sitzen ich,
Die leise unterhielten sich.
Die Wirtin, drall und ungeschlacht,
Gekleidet in uralter Tracht,
Dem Anschein nach mich übersah:
Wie träumend stand sie reglos da.

Der Männer einer laut jetzt rief,
Worauf die Wirtin eilends lief
Und brachte Beiden volle Gläser.
Ich schätzte beide ein als Käser
Von einer Alm im Emmental,
Die hier in Burgdorf hielten Mahl.
Weil ihre Kleidung wundersam,
Ich rasch zu dieser Ansicht kam.


Jung-Stilling und Pfarrer König im Gespräch


Doch spürte meinen Puls ich schlagen,
Da ich die Wirtin hörte sagen:
\“Zum Wohl, Herr Pfarrer König4, ihnen!\“,
\“Ich freue mich, sie zu bedienen,
Herr Hofrat Jung5, da sie hier weilen:
In Burgdorf Augenkranke heilen.\“

Die Kehle schien mir zugeschnürt,
Den Schweiss ich heftig rinnen spürt.
Es schien im Handkehrum mir klar,
Dass hier zurück versetzt sich war
In alte Zeit, und jener Mann
Jung-Stilling müsste sein sodann!

\“Frau Wirtin\“, sagte Hofrat6 Jung,
\“Ei, bringen sie zur Kräftigung
Des Mannes dort an jenem Tische
Ein Maass7 vom Most, der ihn erfrische.\“


Einladung an den Tisch der Beiden


Zur mir sich Stilling drehte hin:
\“Herr Achtnicht! Lasst den Eigensinn
Und kommt zu uns auf einen Schwatz:
Nehmt neben Pfarrer König Platz!\“

Trotz weicher Knie stand ich gleich auf,
Begrüsste Stilling mit \“Glückauf!\“8,
Gab Pfarrer König dann die Hand,
Ein Mann verbindlich und galant:
Er fühle sehr geschmeichelt sich,
Dass sehe er zu Burgdorf mich.

Als just ich setzte mich nun nieder,
Erschien auch schon die Wirtin wieder
Mit alter Kanne, einem Glas:
Voll Lust ich einen Trunk genass.


Jung-Stilling fordert zur Frage auf


\“Herr Achtnicht\“, Stilling nun begann,
\“Wenn immer ich euch sehen kann,
Wir über Glaubens-Fragen reden.
Gespräche meist sich darum drehten,
Wie GOtt greift ein in diese Welt;
Wen allen ER in Dienste stellt.

Freund König hat dies nicht im Ohr:
Drum spreche ich es aus zuvor.
Ein jedes Treffen mich erfreute;
Doch sagt, was liegt am Herz euch heute?\“ —

\“Dank ihnen sei, Herr Hofrat Jung:
Es labt mich die Ermunterung!
Sie, Pfarrer König, bitte ich
Um Nachsicht, wenn ich dränge mich
Hier zwischen sie und Hofrat Jung
Und störe die Erörterung,
Die sie mit ihrem Gaste hegen:
Sie sind mir doch nicht bös deswegen?

Erweisen sie mir heut die Huld
Und klären auf mich von der Schuld,
Die Menschen haben überall,
Veranlasst durch den Sündenfall?
Genau gefragt: was Erbschuld ist,
Auch wie die Wirkung sich bemisst.\“


Jung-Stilling holt zur Belehrung über die Erbsünde aus


\“Der Mensch, geformt von GOtes Hand,
Im Gleichgewicht der Kräfte stand;
Das heisst: es war die Sittlichkeit
So stark wie seine Sinnlichkeit.9

Stellt vor euch zur Analogie
Ein Achsenkreuz; auf ihm bezieh
Den Platz zur Minus-Achse hin
Die Sinnlichkeit, der Eigensinn.
Im Plus-Teil der Abszisse sei
Die Sittlichkeit gebracht in Reih.

Der Mensch im Nullpunkt war zunächst:
Mit Kraft jedoch, dass rasch er wächst
In Richtung auf GOtt-Ähnlichkeit:
Zu plus unendlich mit der Zeit.

Doch nun trat ein der Sündenfall.
Bewirkt ward dadurch jetzt ein Drall
Hinaus zur negativen Achse.
Dass daraus Änderung erwachse,
Verständlich ist: jetzt tat die Sicht
Sich wenden weg von jenem Licht,
Das leuchtet hell im Plus-Bereich
Als Widerschein vom Himmelreich.10

Statt dessen wandte sich der Blick
Aufs Negative ganz zurück.
Die Scheinwelt bloss der Sinnlichkeit
Hält jener Achsen-Teil bereit.11

Mit Schubkraft wächst der Mensch zum Schlechten,
Wird sehr bald Sklave von den Mächten,
Die Eigen-Liebe, Selbstigkeit
Von jeher gaben schon Geleit:

Die Habgier, Ichsucht, Lumperei,
Gehässigkeit nebst Tyrannei,
Wo jeder jeden Feindes ist,
Bekämpft ihn dann mit Macht und List.
Für GOtt der Blick ist zugetan;
Verstrickt die Welt im Diesseits-Wahn.12

Zu wiederholen es nun kurz:
Der Mensch verlor nach seinem Sturz
Zunächst einmal den Hang zum Guten.
Sodann ihn seither überfluten
Der Sinne Reize und die Lüste,
Die er durch Damm versperren müsste.13

Die Folge sich nun darin zeigt,
Dass der Trieb, der zu GOtt hin neigt,
Verwandelt ist zur Selbstsucht nur,
Aus sich kaum findet GOttes Spur.14

Um in der Art der Schrift zu reden:
Der Mensch verlor im Garten Eden
Den Rang als GOttes Ebenbild,
Er drum verdammt zum Tode gilt.15
Hier setzt nun die Erlösung ein –
Doch dies soll heut nicht Thema sein.\“ —


Definition der Erbschuld erbeten


\“Herr Hofrat: dankbar bin ich ihnen,
Dass sie mit dieser Auskunft dienen,
Die klärlich, fasslich, licht legt dar,
Was jedem aus Erfahrung klar.

Gestatten sie noch eine Frage:
Wie brachten denn in diese Lage
Die ersten Menschen selbsten sich
Und damit alle männiglich?
Vermögen sie als Ökonom
Zu geben die Definition?\“ –

\“Herr Achtnicht: warum wollt nun ihr
Begriffs-Bestimmung denn von mir
Als Ökonom? Ich sehe nicht,
Was solches einen Volkswirt sticht!\“ —

\“Gestatten sie, Herr Hofrat, mir
Bezug zu nehmen einfach hier
Auf das, was taten sie dort immer:
Begriffs-Bestimmung fehlt ja nimmer
An jeden Übungsstückes Anfang:
Sie fanden damit ja viel Anklang!\“15

\“So meint ihr es! Ich komme gern
Dem nach – und auf den Kern!
‚Mit Erbschuld meint man jene Macht,
Die Menschen um die Kraft gebracht,
Aus sich heraus ihr Ziel zu finden:
Mit GOtt sich nämlich zu verbinden.‘

Man könnte auch so definieren
Und Erbschuld charakterisieren:
‚Der Sinnenreize starke Macht,
Wodurch in Zwiespalt wird gebracht
Die Einsicht, ob das, was man tut,
Im Grunde bös ist oder gut‘;

Die Erbschuld hat damit zersplissen
Die innre Stimme, das Gewissen.‘
Die Lesart ist sehr alter Schnee:
Sie steht in der ‚Theodicee‘!\“17


Was veranlasste die ersten Menschen zur Erbsünde?


\“Auch dafür Dank, Herr Hofrat Jung!
Jetzt bloss noch eine Äusserung.
Warum die ersten Menschen wohl
Ins Unglück stürzten so frivol?\“ —

\“Wie ihr, mein Stillings-Freund18, ja wisst,
Beschreibt den Hergang der Jahvist.19

Geschichtlich ist der Grundzug hie,
Die Einzelheit Allegorie.
Doch mehr kann ich dazu nicht sagen:
Ich bin in dem auch nicht beschlagen.


Jung-Stilling bricht Belehrung ab


Gestattet, dass mit Pfarrer König
Berate ich mich noch ein wenig.
Wir haben manches zu verhandeln;
Denn morgen muss ich früh schon wandeln,
Um Augenkranke zu bedienen:
Acht Boten heut allein erschienen!

Ganz sicher sehen wir uns bald:
Zu euch ich stets bereit mich halt,
Wenn GOttes Wille dies lässt zu
Und Menschen es auch Nutzen tu.\“
Er reichte mir dabei die Hand;
Zurück zu meinem Tisch ich fand.


Wundersame Verwandlung der Gaststube


Das Wirtshaus nun auf einmal war
Des Alten, Abgelebten bar.
Ich sass allein an einem Tisch
Mit weisser Decke, Blumen frisch;
Auf schönem Teller leckre Speise;
Kredenzt war Most zwar gleicherweise,
Nun aber in modernem Krug,
Der eine Werbe-Aufschrift trug.

Erstaunt sah ich vom Teller auf:
Ringsum der heutge Zeitenlauf!
Modern das ganze Inventar;
Der Raum nun sehr viel höher war,
Auch mehr gezogen in die Länge:
Kein Hauch mehr von der alten Enge.

Beleuchtungskörper elegant
Die Decke zierten und die Wand;
Die Vorderfront bestand aus Glas;
Es wirkte taghell, wo ich sass.

Dort krachten vorhin Dielen astig,
Jetzt war hier ein Belag aus Plastik.
Wo eben alte Stühle standen,
Nun Sessel aus Metall sich fanden.

Gediegen, vornehm-noblen Zug
Das ganze Restaurant jetzt trug.
Ein junger Mann sowie drei Damen
Bestellungen entgegennahmen;
Bedienten emsig dann die Gäste
In Kellner-Tracht mit roter Weste.
Ich schätzte grob der Gäste Zahl
Auf dreissig rund hier im Lokal.

Ein Blick zum Parkplatz mich belehrte,
Dass hier der Mittelstand verkehrte.
Ich sah so etwa drei, vier Wagen
Ein deutsches Nummernschild auch tragen;

Am Tisch, der direkt vor mir stand,
Ein Paar aus Holland sich befand:
Wohl Freizeit-Gäste; denn ideal
Zum Urlaub ist das Emmental.

Gelähmt zwar halb noch von dem Schreck,
Getraute ich mich doch vom Fleck,
Bewegte hin mich zur Toilette:
Modern und neu auch diese Stätte.
Noch taten mir die Beine weh
Vom Anmarsch morgens nach dem Tee.


Gast aus meinem Hotel fährt mich retour


Gelegen kam mir drum ein Mann,
Der mich an meinem Tisch sprach an.
Er kannte mich aus dem Hotel
Und bot sich an, dass er mich schnell
Nach Ramsei nachher wolle fahren:
So könne ich den Car20 mir sparen.
Er hatte Bett und Frühstück nur;
Zum Essen er nach auswärts fuhr.
Ich folgte seiner Einladung;
Die Fahrt war nur ein Katzensprung.

Ich duschte mich, zu Bett mich legte:
Bis abends ich der Ruhe pflegte.
Das Nachtmahl liess ich heute aus;
Ich setzte mich ins Gartenhaus
Und schrieb dort nieder, was heut war,
Was Stilling klärlich legte dar,
Auch wie die Zeit sich rückwärts neigte:
Mir ihren raschen Fluss so zeigte. —


Engel Siona ordnet den Text


Des Tags darauf gleich Zeit ich fand
Und nahm die Blätter in die Hand.
Doch wie war mein Erstaunen gross,
Da sah ich, wie ganz zweifellos
Die Niederschrift war wohl bedacht
In Ordnung, Vers und Reim gebracht!
Links unten ich geschrieben sah:
\“Mit frohem Grusse, Siona.\“ 21

Aufs neue hat der Engel sich
Getreulich eingesetzt für mich,
Wofür ihm möchte danken ich
Von Herzen warm und inniglich.


Trotz des zu erwarteten Lästergespeis ins Internet gestellt


Damit sich alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft recht erfreuen,
Gab ein ich den Bericht komplett
Zwei Wochen drauf ins Internet.

Natürlich werden welche knurren,
Und andere vernehmbar murren,
Weil es nach deren Vorurteil
Nicht sein darf, dass je wird zuteil
Den Menschen nieden eine Kunde
Aus eines Jenseits-Wesens Munde.

So rufen laut sie: \“Spiritismus,
Gespenster-Wahnsinn, Okkultismus,
Verdummung, Scharlatanerie,
Ergüsse kranker Phantasie;

Geflunker, Mache, Schwindel, Lug,
Geschwätz, Geplapper, Bluff und Trug,
Chimäre, Aberwitz: ein Schmarren,
Ersonnen wohl von einem Narren;

Geschäker, Blödsinn, Unfug, Possen,
Aus einem wirren Hirn entflossen;
Betörung, Blendwerk, Künstelei
Verpackt in glatte Reimerei
Nebst folgerndem Gedankenfluss:
So täuschend klugen Genius;

Verworren-närrisches Gedudel,
Gebräu aus höllischem Gesudel,
Geheimnisvolle Kabbalistik,
Gefälschte, gleisnerische Mystik,
Groteske Phantasmagorie,
Entheiligte Theologie;

Verruchte Wortverdreherei
Dämonenhafte Zauberei:
Ein Zeugnis von Besessenheit,
Verhexung und Verlogenheit,
Abscheuliche Provokation:
Der Hölle Manifestation.

Der Achtnicht ist ein Hexerisch:
Verbreitet teuflisches Gezisch!
Am besten ist, man wirft ins Feuer,
Was dichtet dieses Ungeheuer;
Dann schwindet erst der graue Dunst,
Erzeugt von ihm durch Satans Kunst.\“


Kritiker mögen sich anderen Dingen zuwenden


Die Armen ach! Sie sind verrannt
In ihren Herzen und Verstand
Ins Diesseits bloss und daher blind
Für das, was Geister wohlgesinnt
Die Erdenbürger lassen wissen:
Sie leugnen solches starr verbissen.

Euch fleh ich an: seht doch auch ein,
Dass jemand mag umgeben sein
Von Geisteswesen, die ihn lehren,
Mit Jenseitsbotschaft reichlich nähren.

Dämmt ein Zorn, Ingrimm, Wut und Glimpf:
Drum bittet Achtnicht Aufdenschimpf.


Anmerkungen, Hinweise und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register.

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein. Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den rund 24 Kilometer langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zentrum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet. – Die Littfe ihrerseits wird im Ortsgebiet von Littfeld von Osten durch den Heimkäuser Bach (offizieller Name im Gewässerverzeichnis des Landes NRW: Die Heimkaus, 4,7 Kilometer lang) und von Westen durch den Limbach (2,1 Kilometer lang) gespeist.

Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort \“Let\“ für \“Lehm\“. Die in vielen Gewässernamen der Gegend vorzufindende Endsilbe \“-phe\“ ist die sprachlich abgeschliffene Form von \“apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser herausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 5) geboren, herangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Emmental = schweizerische Landschaft im Kanton Bern, von der 80 Kilometer langen, unterhalb Solothurns in die Aare mündenden Grossen Emme, der Ilfis und deren Zuflüssen zertalt und entwässert. Die im oberen Teil der Täler vorherrschende Almwirtschaft bringt den berühmten Emmentaler Käse hervor; daneben finden sich auch Obstbau und Industrie.

Siehe Volkswirthschafts-Lexikon der Schweiz, Bd. 1. Bern (Schmid, Francke & Co.) 1885, S. 569 ff sowie zur reichhaltigen Kultur des Emmentals Ernst Eggimann und Jürg Schweizer: Kunstführer Emmental. Wabern (Büchler) 1982 (Kantonale und regionale Kunst der Schweiz) und aus der älteren Literatur noch immer lesenswert Jakob Imobersteg: Das Emmenthal nach Geschichte, Land und Leuten. Bern (Huber & Comp.) 1876. – Über religiöse Eigenheiten im Emmental, die vielfach an das Siegerland erinnern, vgl. Thomas Hengartner: Gott und die Welt im Emmental. Eine volkskundliche Untersuchung zur Entstehung, Ausbreitung und Gestaltung religiösen Lebens im Rahmen religiöser Sondergruppen. Bern (Haupt) 1990 (Sprache und Dichtung, N. F, Bd. 41).

Emme vom lateinischen AMNIS = hier: kleinerer Fluss, Nebenfluss. – Unwahrscheinlich ist die manchmal vorgebrachte Herleitung von Amme = Mutter.

2 Ramsei = Ortschaft östlich von Bern an der Grossen Emme (\“Grosse\“ Emme deshalb, weil es noch eine \“Kleine\“ Emme gibt, einen linken Nebenfluss der Reuss, 58 Kilometer lang und bei Luzern mündend). – Die Gegend um Ramsei ist ein Hort des Obstbaus; siehe mehr dazu Fritz Oberli: Denkschrift zum 25jährigen Bestande der Emmentalischen Obstweingenossenschaft Ramsei 1910–1935. Bern (Verbandesdruckerei) 1935

3 Burgdorf (französisch: Berthoud, im Bernerdeutsch: Burtlef) = alte Stadt links der Grossen Emme, nordöstlich von Bern am Ausgang des Emmentales. Hier weilte Jung-Stilling mehrmals. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 578 sowie auf das Wirken von Jung-Stilling eingehend Franz Della Casa: Burgdorf und seine \“Stars\“, in: Burgdorfer Jahrbuch, Bd. 53 (1987), S. 115 ff. und (dasselbe) in: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde, Bd. 186 (1985), S. 239 ff.

4 Pfarrer Friedrich Ludwig König (1738–1807), seit 1781 Erster Pfarrer an der evangelisch-reformierten Kirche in Burgdorf. – Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 569, S. 575, S. 578 (Jung-Stilling operiert den starblinden Pfarrer König mit Erfolg in den ersten Oktobertagen1802).

Die hier gesehene Begegnung zwischen Pfarrer König und Jung-Stilling fand wahrscheinlich im Mai 1806 statt, als Jung-Stilling auf seiner dritten Schweizerreise im Emmental weilte. – Siehe Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 120 (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

5 Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie) und Arzneigelehrtheit (manchmal findet sich auch geschrieben: Arzneikunde = Medizin) Doktor. – Siehe über ihn ausführlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3) sowie kurz zusammenfassend Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988.

Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987), S. 220 ff. – Dieses Werk von Jung-Stilling wurde seit seinem Erstdruck in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch ins Englische, Schwedische, Französische und Niederländische übersetzt; siehe die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

Vgl. zu diesem Themenkreis auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2). sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

Siehe die entsprechenden Erlebnis-Berichte über nachtodliche Begegnungen mit Jung-Stilling (soweit diese im Druck erschienen bzw. veröffentlicht sind) bei Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, S. 12 (zu Siegen, wo Jung-Stilling als junger Mann bei dortigen Unterbehörden mehrfach zu tun hatte), S. 18 (zu Frankfurt am Main, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten öfters weilte und dort Augenkranke operierte), S. 34 (zu Marburg an der Lahn, wo Jung-Stilling von 1787 bis 1803 als Lehrer für Ökonomik wirkte, daneben aber auch ophthalmologische Lehrveranstaltungen an der medizinischen Fakultät abhielt), S. 41 (zu Hilchenbach-Müsen im Kreis Siegen-Wittgenstein; Jung-Stilling besuchte in Hilchenbach die Lateinschule), S. 48 (im Zentrum der Stadt Siegen), S. 88 (zu Rom in recht verzweifelter und äusserst beschämender Lage).

Weitere Nachrichten finden sich bei –  Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 9 (zu Wuppertal, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten im Stadtteil Elberfeld sieben Jahre als Arzt, Geburtshelfer und Augenarzt praktizierte), S. 16 (zu Heidelberg, allwo Jung-Stilling von 1784 bis 1787 als Professor an der Universität lehrte, und wo er später noch einmal von 1803 bis 1806 wohnte), S. 22 (zu Braunschweig, wo Jung-Stilling zu seiner Zeit hienieden 1801 weilte und mehrere Augen-Operationen vornahm), S. 31 (zu Lausanne am Genfer See), S. 40 (zu Salzburg), S. 50 (zu Lahr), S. 56 (zu Burgdorf im Kanton Bern, wo Jung-Stilling auf drei Reisen Starblinde operierte), S. 79 (zu Mannheim, wo Jung-Stilling zu seiner irdischen Zeit den regierenden Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern, den Statthalter der Kurpfalz Franz Albert von Oberndorff und einige einflussreiche Hofbeamte persönlich kannte, und wo er Mitglied der [literarischen] \“Teutschen Gesellschaft\“ war), S. 90 (im Herzen von Wien), S. 101 (zu Stuttgart, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1801 und 1802 Augenkranke operierte und zahlreiche Freunde hatte), S. 113 (zu Hamburg), S. 125 (im Alten Botanischen Garten zu München) sowie bei –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner Verlag) 1989, S. 41 (auf einem Wanderweg im Siegerland), S. 188 (zu Neunkirchen/Siegerland).

Erscheinungs-Berichte sind fernerhin aufgezeichnet bei –  Christlieb Himmelfroh: Jung-Stilling belehrt. Kirchhundem (AK-Verlag) 1991, S 11 (zu Siegen), S. 75 (zu Kreuztal-Krombach am Grabe von Jung-Stillings Patenonkel, dem fürstlich-oranischen Oberbergmeister Johann Heinrich Jung [1711–1786], der prägend auf ihn einwirkte), S. 100 (an einem Autobahn-Rastplatz), S. 117 (zu Berlin), S. 134 (zu Essen), S. 146 (zu Wien) und S. 158 (zu Marburg an der Lahn) sowie bei –  Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2), S. 7 (im Hochgebirge), S. 47 (zu Leipzig, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1803 und 1804 auf Operationsreisen weilte), S. 91 (im Schnellzug).

Weitere veröffentlichte Niederschriften von neueren Gesprächen mit Jung-Stilling kann man unter anderem lesen bei –  Gotthold Untermschloß: Von Leistung, Mühe und Entgelt in dieser unsrer Arbeitswelt. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993, bei Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994, bei –  Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtodliche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Erscheinung im Zug von Basel nach Frankfurt am Main).

Schliesslich sei hingewiesen auf –  Treugott Stillingsfreund: Zur Verschuldung der Entwicklungsländer. Ein Gespräch zwischen Johann Heinrich Jung-Stilling und Treugott Stillingsfreund vom Frühjahr 1987, 2. Aufl. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Begegnung im Zug von Köln nach Trier; Broschüre, nicht im Buchhandel; als Download-File unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar), –  Freimund Biederwacker: Springflut der Lügengeister? Illic (Siona-Verlag 1991 (an der Autobahn nahe Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel) –  Treugott Stillingsfreund: Teuflisches Wirken heute. Zur Definition der Ungüter. Zwei nachtodliche Gespräche mit Hofrat Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Zusammentreffen in Olpe/Biggesee und in der Altstadt von Bern; Broschüre, nicht im Buchhandel) sowie –  Frommherz Siegmann: Von der Liebe der Stadt Siegen zu Jung-Stilling. Illic (Siona-Verlag) o.J. [1991] (nächst der Kirche Sankt Nikolai in Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel).

Neuerdings erschien aus der Feder von Freimund Biederwacker: Vom folgenschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. Dieses Protokoll (sowie einige weitere Erscheinungs-Berichte) sind auch in Online-Version (das heisst: ohne die den Druckausgaben beigegebenen Abbildungen und Register) als Download-Files abrufbar unter der Adresse . Im Jahr 1999 erschien von Liebmunde Kirchentreu: Jung-Stilling und der Agnostizismus (Siegen, Jung-Stilling-Gesellschaft) und 2000 von Bleibfest Stillingtreu. Wundersame Begegnung an der Sal (Siegen, Jung-Stilling-Gesellschaft).

6 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 427.

Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten 1772 seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und im Frühjahr 1772 persönlich bei Hofe zu Mannheim überreicht. Diese trägt die Aufschrift \“SPECIMEN DE HISTORIA MARTIS NASSOVICO-SIEGENENSIS\“; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen. – Mars = hier: FERRUM, QUIA ROMANIS OLIM FERREUS MARS FUIT; siehe zur älteren Metall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen geordnet Anton Lütgens: METALLORUM NATURAM ET DIFFERENTIAS EXPLICANS DISSERTATIO PHYSICA. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

Bevor es ab etwa 1820 in Europa eigene Technische Hochschulen gab, waren die Naturwissenschaften regelmässig noch bei der Medizinischen Fakultät angesiedelt; und so ist es nicht verwunderlich, dass Jung-Stilling mit einem Thema zur Mechanischen Technologie zu Strassburg zum Doktor im Fach Medizin promoviert wird.

Ab etwa 1780 finden die Chemische Technologie und die Mechanische Technologie bei den neu aufkommenden Staatswirtschafts Hohen Schulen Heimat. Jung-Stilling, zum Winter-Semester 1778/79 an die Kameral Hohen Schule in Kaiserslautern berufen (diese wurde als Staatswirtschafts Hohe Schule 1784 der Universität Heidelberg angegliedert, vertrat auch das Fach Technologie und veröffentlichte 1785 dazu ein \“Lehrbuch der Fabrikwissenschaft\“. – Siehe erklärend auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Sachgerechtes Wirtschaften. Sechs Vorlesungen. Neu hrsg. von Gerhard Merk, Berlin (Duncker & Humblot) 1988, S. 19 f. (Abgrenzungsfragen; \“Kameralwissenschaft\“ wird zur Staatswirtschaft\“).

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Begünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Stadttoren, Überfuhren, Brücken, Fähren sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen Schlagbäumen, Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 das Vertrags heisst es genauer: \“S. M l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Fahrrinne für die Schiffahrt) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (bald traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen mit Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Wohnbevölkerung stieg von um 175’000 auf nahezu 1 Million. Die pfälzische Kurwürde (das Recht, den Kaiser mitzuwählen) ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog (Gand Duc) mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der [seit 1720] neuen Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badischen\“ Hofrat.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt. – Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S.404.

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

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Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes am 1. Juli 1811 der hochgelehrte katholische Stadtpfarrer und (seit 1805) Grossherzoglich Badische Geistliche Rat Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande einer Predigt die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft beiläufig ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser kurz die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser) sowie Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck) sowie Bartolomé Xiberta: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adamo\“, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3, Berlin (Duncker & Humblot), S. 605.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge näherhin (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811. Holdermann (1772–1843) war katholischer Pfarrer zunächst in Heidelberg und bis 1829 in Rastatt.

Als elektronische Ressource im Rahmen der \“Freiburger historischen Bestände–digitalisiert\“ ist einsehbar –  die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisungen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Professor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Gleichsam als Übermenschen sehen den Verstorbenen –  Aloys Wilhelm Schreiber: Lebensbeschreibung Karl Friedrichs Großherzog von Baden, 1728–1811. Heidelberg (Engelmann) 1811 (Schreiber [1761–1841]) war seit 1805 Professor für Ästhetik in Heidelberg und ab 1813 bis zu seiner Pensionierung Hofgeschichtsschreiber in Karlsruhe)

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); –  Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentariums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie –  Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg.

Überspannt auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Geradezu als Halbgott stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] gilt als der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Weithin unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. Dasselbe gilt auch für die Dissertation von Gerald Maria Landgraf: \“Moderate et prudenter\“. Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden (1728-1811), als Download-File abrufbar bei dem URL <http://epub.uni-regensburg.de/10710/>. Für die Schikanen gegen die katholische Bevölkerung und das dadurch hervorgerufene Leid vieler Menschen hat Landgraf kein Wort übrig.

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Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona.

Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“.

Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. — Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu: [Christian Gottlob Barth, 1799–1862]: Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

7 1 Maas (im Kanton Bern) = 1,5 Liter.

8 Glückauf = alter bergmännischer Gruss; ein Anwunsch auf mühelosen Aufstieg aus dem Bergwerk. Im Siegerland, der durch jahrhundertealten Bergbau geprägten Heimat von Jung-Stilling, bis noch etwa 1960 die bis in den privaten Bereich hineinreichende übliche Begrüssung. Heute gilt der Gruss \“Glückauf\“ (selbst im Ruhrgebiet) als eigenartig und absonderlich.

9 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Die Theodicee des Hirtenknaben als Berichtigung und Vertheidigung der Schleuder desselben. Frankfurt (Eichenberg) 1776, S. 18 f., S. 72 sowie Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung. Die Polemischen Schriften Johann Heinrich Jung-Stillings gegen Friedrich Nicolai (1775/76). Stuttgart (Steiner) 1987, insbes. S. 136 ff. (Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz, Bd. 129).

10 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Die Schleuder eines Hirtenknaben gegen den hohnsprechenden Philister den Verfasser des Sebaldus Nothanker. Frankfurt (Eichenberg) 1775, S. 26 f.

Gegen diese Schrift von Jung-Stilling erschien anonym und ohne Ortsangabe im gleichen Jahr 1775: Der verunglückte Schleuderwurf. Verfasser ist der Krefelder Kaufmann Engelbert vom Bruck; siehe hierzu Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung (Anm. 9), S. 223 ff.

11 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 622.

12 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 618.

13 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 619.

14 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Die Theodicee des Hirtenknaben (Anm. 9), S. 71.

15 Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 399 f.

Freilich scheint diese Auffassung etwas übertrieben. Jung-Stilling verkennt die Gutheit der Menschennatur (als GOttes Geschöpf) trotz der Erbsünde. Wohl ist der Mensch durch den Verlust der übernatürlichen Erhebung seiner Ausrichtung auf die unmittelbare persönliche Lebensgemeinschaft mit dem dreifaltigen GOtt beraubt. Er erreicht auch wegen des Verlustes der aussernatürlichen Gaben die Vervollkommnung seiner natürlichen Anlagen viel schwerer als im Paradies.

Die Erbsünde besteht aber nicht in einer Schwächung oder gar in einer Verderbnis der Menschennatur an sich. Sie ist vielmehr zuerst \“Sünde\“, d.h. Teilnahme eines jeden Menschen an dem Schuldverhältnis gegen GOtt, in das Adam durch seine erste Sünde getreten ist. – So ist auch die gefallene Menschennatur wenigstens in bestimmten Grenzen in der Lage, natürlich gut zu sein und zu handeln. Vor allen ist sie auch fähig, von GOttes Gnade die verlorenen Güter der Übernatur wieder zu empfangen.

Die rechte Auffassung von der Erbsünde ist wesentliche Voraussetzung für die rechte Lehre von der Rechtfertigung. Dies wurde in der \“Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre\“ der Katholischen Kirche und der Lutherischen Kirche am 31. Oktober 1999 in Augsburg wieder bestätigt.

16 In seinen Werken zu den ökonomischen Wissenschaften befleissigte sich Jung-Stilling genauer Definitionen bei durchgehend gleichartiger Stoffeinteilung in einzelne Paragraphen. Siehe wichtige Definitionen bei Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1987 sowie auch bei Reidmar Egidi (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Forsten. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1997.

17 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Die Theodicee des Hirtenknaben (Anm. 9), S. 76 (\“Die Erbsünde ist die stärkere Macht der sinnlichen Reitze, als die Ueberzeugung von dem was Gut und Bös ist, oder das Gewissen\“). Weitere Zitate bei Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 32 f.

18 Stillings-Freund(in) meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger (\“Fan\“: vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch  \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 316.

19 Jahvist = Verfasser des Schöpfungsberichtes in Genesis 3. – Siehe Gerhard von Rad: Das erste Buch Mose (Genesis), 12. Aufl. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1987, S. 10 ff. (Das Alte Testament Deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk. Teilband 2/4).

20 Car ist die in der Schweiz übliche Bezeichnung für einen Omnibus als öffentliches Personenbeförderungsmittel; seltener auch \“Autocar\“.

21 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 8. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg [Veith] 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in mehrere Sprachen.

Jung-Stilling spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223) bzw. –  \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen –  als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und

 Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufname \“Selma\“ seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff.; als Download-File auch bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/downloads.htm>

Vgl. zum Grundsätzlichen Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet <http://www.himmelsboten.de>


The deadliest sin is the consciousness of no sin.



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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