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Vom Nutzen des Zölibats

veröffentlicht am

Bericht über eine nachtodliche Redwechslung in Mitten der Heiligen Stadt mit dem hochgelehrten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),

der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,

seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübertragung ab 1803 Badischer Hofrat, durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dort auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit Herbst 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dort-selbst auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenkrankheiten und behörd-lich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomi-schen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie seit 1781 bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im damaligen kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch kurfürstlichen Erlass vom 22. Juni 1784 aus München auch der erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ zu Kaiserslautern Mitglied


Durchdrungen von der Bedeutung der lichtfreundlichen Botschaft, diese unter Anwünschung allerseitigen wohlgedeihlichen Erwirkens – und mitan alle Leser gÖttlicher Verwahrung sowie getreulichen englischen Schutzes angelegenst empfehlend – auf Geheiss von Engel Siona in absichtsmässiger Benehmung nachgehends ins World Wide Web gestellt durch

Glaubrecht Andersieg

in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde e. V., Siegen

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mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Ankunft in der Heiligen Stadt

Mir flossen nimmer Freudenzähren,

Fremd sind mir der Verzückung Sphären:

Und doch kam in Frohlocken ich,

Als nahte jetzt der Schnellzug sich

Der Heilgen Stadt1 und ich traf ein

An diesem Ort im Morgenschein.

Ich sah gleich zu, dass brachte schnell

Man mein Gepäck schon ins Hotel.

Derweil schritt froh ich durch die Strassen,

Die märchenhaften Reiz besassen:

Ich wähnte, dass mich Häuser küssten,

Von meiner grossen Freude wüssten.

Gang zu Sankt Peter

Entlang der Brücke dann aus Stein

Kam links des Flusses ich hinein

In den Bezirk, der heilig ist:

Sich als das Herz der Welt bemisst.

Da – höchstens noch dreihundert Meter –

Ragt auf der Kirchturm von Sankt Peter.2

Mein Herz pocht laut; ich Glück empfind;

Der Leib zu zittern gar beginnt;

Mit Freudentaumel ganz erfüllt,

Von Jubel – Ehrfurcht auch – umhüllt,

Betrete ich das Gotteshaus

Aus dem quoll so viel Heil heraus.

Ich sinke nieder, küss den Grund

Und bete mit geschlossnem Mund:

\“Dank HErr, DU Allerbarmer, DIr,

Dass fand DEin reines Wort von hier

Den Weg in DEine Christenheit

Durch DEine Diener seinerzeit!

Gleichwie hier ausfliesst klar die Rhone,3

So strömt die Botschaft von dem Sohne

Von Genf noch heute in die Welt

Ganz lauter, hell und unverstellt.

DU hast Farel4 nach Genf gesetzt,

Calvin5 mit Gnaden hier benetzt.

So schenke dieser Heilgen Stadt

Dass stets sie Kraft und Stärke hat,

Das reine Evangelium

Zu senden in das Heidentum –

Auch in die Kirchen überall –

Dass dort es finde Widerhall.

Das Rote Kreuz6, der Kirchenrat7

Verbreite seine gute Tat

Von hier, vom Anbeginn der Rhone,

Dem ganzen Menschentum zum Lohne,

Bis dass man Hass und Zank vergisst,

Die Welt geeint in DIr, HErr, ist.\“

Johann Heinrich Jung-Stilling zeigt sich

Als nun ich wieder trat ins Freie,

Trat rasch aus einer Häuserreihe

Hervor Jung-Stilling8, lacht mich an

Und winkt mich zu sich hin sodann.

\“Herr Glaubrecht\“, sprach er, \“Dank euch sei,

Dass Achtung, Ehrfurcht ihr misst bei

Dem grossen Mann, der gOttgesandt

Auch prägte unser Siegerland.9

Verheiratete Gottesdiener eine Segen

Dass Pfarrer, stehend fest im Leben,

Den Menschen Trost und Hoffnung geben,

Auch Pfarrerinnen legen da

Wie unser HErr ist jedem nah,

Verdanken wir dem grossen Mann,

Der hier zu Genf schritt kühn voran,

Die Christenheit zu re=formieren:

Entstellungen zu korrigieren.

Denkt nur, wie selbst ja heute noch,

Entfernt vom Leben jene doch,

Die ehelos als Priester walten:

Sich tunlich damit ferne halten

Von allem was die Partnerschaft –

Familie auch – an Klippen schafft,

Sie gelten weithin als verklemmt:

Selbst Gläubigen im Grunde fremd.\“ —

Unverkennbare Vorzüge des Zölibats

\“Herr Hofrat10\“, wandte ich nun ein,

\“Das mag ja alles so auch sein.

Doch sehen sie den Nachteil bloss.

Bestimmt kann doch, wer ehelos,

Sich wenden ganz dem Nächsten zu:

Er hat vor Ehefragen Ruh,

Die ziemlich auch belasten ja:

Just ihnen war das deutlich nah!11

Wenn Katholiken obligat

Für Priester drum der Zölibat12,

So hat den grossen Vorteil das:

Sie können ohne Unterlass

Den Menschen treten doch zur Seite!

Sie stehen nicht im Widerstreite:

Hie die Familie, da Beruf,

Was stets ja schon Konflikte schuf.

Ich sah sehr oft bei Prädikanten13,

Wie dieser Zwiespalt ist vorhanden:

Beruflich fordert sie die Tat,

Doch sind gebunden sie privat

Und können daher tun jetzt nicht,

Was ihres Amtes nächste Pflicht.

Dies sei kein Vorwurf! Mir ist klar,

Dass Frau und Kinder sind fürwahr

Die ’nächsten Nächsten‘: diesen sei

Mit Vorrang Sorge zweifelsfrei!

Zölibat verhindert Kastenbildung und geistige Inzucht

Noch einen Vorteil sehe ich:

Die Katholiken müssen sich

Fortwährend aus der Völker Mitten

Den Priester-Nachwuchs ja erbitten!

Durch dies wird ihre Geistlichkeit

Von einem Umstand doch befreit:

Dass sie zu einer Kaste14 wird:

Dass jemand drum wird Seelenhirt,

Weil auch der Vater Pfarrer war

Und der Beruf scheint annehmbar.

In manchen Landeskirchen sind

Zwei Drittel eines Pfarrers Kind

Von denen, die dort insgesamt

Verwalten heut ein Kirchenamt.

Der Nutzen ist, dass Katholiken

An solcher Inzucht nicht ersticken.

Wobei darüber kaum wohl Zwist,

Dass Kastenbildung schädlich ist.\“

Nicht bloss den Zweck gilt es zu sehen

\“Mein Stillings-Freund15\“, sprach Hofrat Jung,

\“Ich stimme bei der Darlegung,

Die ihr trugt vor zum Zölibat.

So ist es wirklich: in der Tat!

Doch wendet euch doch bitte weg

Allein, ausschliesslich nur vom Zweck!

Wenn der nur gälte ganz genau:

Warum verweigert man der Frau,

Die ledig – ja gar Nonne ist –

Das Priesteramt, wie ihr ja wisst?

Es kann hier nicht im Spiele sein

Der Zweckgedanke bloss allein!

Der Zölibat gewiss verrät

Auch Scheu vor Sexualität

Zusamt der These, dass sei schlecht

Das ganze weibliche Geschlecht.

In Dokumenten grad zuhauf

Scheint die Begründung vielfach auf.16

Beinebens, Stillings-Freund, bedenkt,

Dass Priester spärlich nur geschenkt

Den Katholiken heute sind;

Die Überzeugung Raum gewinnt

Bei jungen Männern, dass Verzicht

Auf Frau und Kinder lohnt sich nicht

Fürs Priesteramt, das obendrein

An Ansehn büsste ziemlich ein.

Weil auch die Frauen ausgeschlossen,

Wird hier kaum Nachwuchs fürder sprossen.17

Priestermangel bei Katholiken belastet zunehmend auch evangelische Geistliche

Dies führt dazu, dass oft ja heut

Der Prädikant13 bereits betreut

Auch Katholiken, die allein:

Ganz ohne Priester müssen sein.

Die Sterbenden, die Anverwandten

Empfangen Trost vom Prädikanten!

Dies jedem wohl unglaubhaft schien

Zur Zeit, als wirkte hier Calvin!

Doch reicht die Unnachsichtigkeit

Im Vatikan bekanntlich weit:

Man lässt zu Rom sich nicht herab,

Den Zölibat zu schaffen ab:

Treibt Gläubige so rücksichtslos

In fremder Seelenhirten Schoss.

Die Not der Gläubigen vor Ort

Bekümmert kaum jemanden dort.

Gesehen wird nur das Prinzip

Und nicht der Seelsorge-Betrieb.

Solange Scharen auch von Frommen

Entzückt zum Petersplatz hin kommen

Und dort dem Papste jubeln zu,

Wiegt man zufrieden sich in Ruh.\“

Jung-Stilling wird unerwartet weggerufen

Als Hofrat Jung just sagte dies,

Geist Siona18 sich sehen liess.

Er beugte sich zu Stilling vor:

Und sprach ihm flüsternd in sein Ohr,

Worauf nun Stilling mehrmals nickte,

Dann mit Bedauern zu mir blickte.

\“Herr Glaubrecht\“, sprach zu mir er dann,

\“Ich hier nicht länger weilen kann.

Man hat soeben mich gebeten,

Dass möge ich doch flugs vertreten

Den Arzt bei einer Therapie,

Die schief läuft diesem irgendwie.19

Patient ist einer jener Leute,

Die leben auf der Erde heute,

Doch liebe Stillings-Freunde sind:

Mir also sonders wohl gesinnt.

Verzeiht: ich werde wiederkehren

Und euch zu Ende noch belehren.

Ihr wisst: zum Zölibatszwang grad

Ich manches ja verlauten tat.\“20

Wie kann Jung-Stilling jetzt noch heilen?

\“Herr Hofrat! Ehe sie gleich gehen

Noch gerne würde ich verstehen,

Wie sie es hier und jetzt begönnen,

Dass sie dem Arzt zur Hand sein können?

Sie sind im Jenseits lange schon

Und treten dennoch in Aktion?

Wie ist das möglich? Wirken sie

Mit körperlicher Energie?\“ –

\“Mein Stillings-Freund: nur kurz dazu;

Lasst dann mit Fragen mich in Ruh!

Ich wirke aus dem Hinterhalt:

Steh bei dem Arzt in Geist-Gestalt.

Als Geist kann leicht erkennen ich,

Was andre überlegen sich;

Vermag zu leiten meist ihr Denken,

Auch weiss das Handeln ich zu lenken.21

Vorausgesetzt bei alldem ist

Der Wille unsres HErren CHrist.

Ich handle nur auf SEin Geheiss:

Bring Menschen SEiner Huld Erweis.

Für IHn ein Werkzeug bin ich dann:

Aus mir heraus ich gar nichts kann.

Ganz selten bloss sieht jemand mich

Im Leibe: dinghaft, körperlich.

So wie ich einst auf Erden war,

Nehmt ihr, Herr Glaubrecht, mich jetzt wahr.

Es braucht sehr viel Begnadigung,

Dass ich für euch bin Hofrat Jung.

Warum GOtt euch gibt dies Gesicht

Bleibt dunkel mir: ich weiss es nicht!

Bewirkt ist dies vom HErrn allein;

Der Grund ist nicht mein Tätigsein.\“22

Jung-Stilling entzieht sich den Blicken

Als Stilling diese Wort sprach,

Verschwimmt dem Blick er nach und nach.

Sein Körper hell beginnt zu flimmern,

Um dann allmählich zu verschimmern.

Die Stelle, wo er stand vorher,

Erweist sich frei nun: völlig leer.

Zuvor fiel zuckend mehrmals ein

Auf diesen Platz noch bleicher Schein,

Wie er sich zeigt, wenn voller Mond

Nachts über glattem Wasser thront,

Auch wie er silbern reflektiert

Auf Fluren, die der Schnee noch ziert.

Engel Siona händigt Stick mit dem Verlauf der Unterredung aus

Verwundert, staunend stand ich da,

Als schritt zu mir Geist Siona.

\“Herr Glaubrecht\“, nahm er gleich das Wort,

\“Ohephiah23 rasch musste fort.

Ich weiss: ihr seht es vollauf ein,

Dass nieden er nicht lang kann sein.

Wie euren Einblick er bereichert,

Ist hier auf diesem Stick gespeichert.

Nehmt diesen; druckt daheim das aus:

Es werden schöne Jamben draus.

Schaut zu, dass Stillings Botschaft prompt

Auch unter viele Leute kommt.

Siona weissagt das übliche Lästergespei

Von manchem, dem das nicht behagt,

Wird wütend zweifellos gesagt:

Was hier bringt Glaubrecht Andersieg,

Bestimmt dem Höllenschlund entstieg:

Ein abergläubisches Geschreibsel,

Vom Heidentum ein Überbleibsel:

Viel fauler Zauber und Gefackel,

Humbug, verrücktes Gigelgackel,

Entstellung, Fixfax, Kniffelei,

Betörung, Wahnbild, Gaukelei,

Befördert wohl vom Schwindel-Geist,

Der solchen Irr-Wahn glaubhaft heisst.

Es richtet dieser blöde Mann

Für unsre Zeit nur Wirrnis an –

Nebst dem, was spricht man ähnlich aus,

Ja: bringt auch noch im Druck heraus,

Beziehungsweise schickt die Hetze

Gar weltweit durch die Datennetze,

So dass es allerorten man

Auf seinen Bildschirm holen kann.24

Dies soll, Herr Glaubrecht, euch nicht stören:

Lasst sie doch schimpfen, lästern, lören!

Schmähsüchtige mögen sich anderen Schriften zuwenden

Statt euch so giftig zu begeifern,

Die Nörgler sollten sich ereifern

Zunächst ob jener Vielzahl Schriften,

Die Hass, Entzweiung, Abgunst stiften;

Auch Unflat bringen, Schmutzerei,

Bordellgeschichten, Schweinerei,

Die Laster rühmen, Orgien, Zoten,

Gemeinheit, von Natur verboten,

Sie sei auch noch so lästerlich –

Erregend Abscheu, widerlich;

Die Spielsucht schüren: Knobeln, Toto,

Roulette, Gejasse, Wetten, Lotto,

Verlosung, Pokern, Würfelei,

Nebst Automaten-Flipperei;

Die fördern schiere Eitelkeit:

Snobismus, Selbst-Gefälligkeit,

Den Mode-Wahn, Angeberei,

Bombast und Putz, Aufschneiderei,

Gepränge, Kleiderpracht und -Glanz,

Verstiegenheit, Extravaganz;

Die Schwindel dingen nebst Magie:

Orakel samt Astrologie;

Die rufen auf zur Schmauserei,

Gefrässigkeit und Völlerei.

Ich könnte, Glaubrecht, noch zu Hauf

Leicht zählen andre Schriften auf,

Durch die geschieht den Leuten Schaden:

Die Menschen so mit Gift umschwaden,

Dass ganz ihr Ziel und Endgeschick

Verliert sich ihnen aus dem Blick.

Es gibt fürwahr doch heut genug,

Darob man zürnen mag mit Fug,

Und wert für Lästerer drum wäre,

Dass dorthin ihr Bedacht sich kehre!

Gedudel und seichtes Gequassel in Radio und Television

Man nehme jetzt auch noch hinzu

Den Raub von Stille, Schweigen, Ruh,

Der durch die Medien rings geschah:

Dies stellt als Unglück, Tod sich da

Für Zusich-Kommen, Sammlung, Denken,

Be=Sinnung, sich in GOtt ver=senken;

Für Gut-Tat, Helfen, Nächstenliebe,

Entfaltung edler Seelentriebe.

Die Hektik, Eile, Hast und Hatz

Treibt Menschen nun von Platz zu Platz:

Nicht innehalten! Stets gleich fort!

Nie weilen lang an einem Ort!

Im Auto immer drangvoll rasen

Verbohrt selbst sonntags auf den Strassen,

Um Irrsinns-Ziele zu erreichen,

Doch GOttes An=Ruf auszuweichen.

Herr Freimund hat dies gut geschildert,

Susanne Berger hübsch bebildert.25

Die Stillings-Botschaften hindern bei der Vertuschung der Zeittorheiten

Doch solcher Fehlgang wird verdrängt:

Man müht sich krampfhaft angestrengt,

Das hinzustellen als normal,

Was augenscheinlich allemal

Zeigt an den kollektiven Wahn,

Dem heut fast jeder beigetan.

Denkt, Glaubrecht, an den Kampf auf Strassen,

Wo jedes Jahr bekanntermassen

In Deutschland werden – grob geschätzt –

Zweihunderttausend schlimm verletzt,

So dass sie für ihre ganzes Leben

Als Krüppel ständig hingegeben

Dem Rollstuhl meist, der Leidenslast:

Von Kummer, Schmerz und Harm umfasst,

Und oft genug noch voller Neid

Auf die Viertausend, die befreit

Von Elend, Leiden, Gram und Not,

Weil gleich sie auf der Stelle tot.

Wie schon gesagt: das niemand schiert:

All das wird kaum thematisiert;

Man hat sich damit abgefunden:

Es ist dem Blickfeld weit entschwunden.

Hingegen bringt sie nun in Wut,

Was ihr in Himmelsauftrag tut:

Die Botschaft Stillings auszusenden,

Dass viele daraus Tröstung fänden.

Bedauert diese armen Flachen,

Die euch, Herr Glaubrecht, Ärger machen!

Sie werden erst im Jenseits spüren,

Was euch jetzt nieden kann schon rühren.

Was diese Seichten gar nicht kennen,

Das müssen sie halt ‚Trugwerk‘ nennen.

Gebet sollte nicht vergessen werden

Denkt stets, Herr Glaubrecht, ans Gebet,

Weil sonst euch Gnaden-Gunst entgeht,

Die GOtt euch gütig zugewiesen,

Dass fröhlich ihr sie mögt geniessen.

Herr Hofrat Jung hob dies hervor:26

Ernst jeden Christen er beschwor,

Im Beten nie zu werden träge:

Ach, dass dies man doch mehr erwäge!

Grüsst alle, Stilling zugetan,

Und heute auf der Erdenbahn

Insonders herzlich auch von mir:

Mein Schutz gilt ihnen schon dahier!\“

Auch Engel Siona entfliesst

In Vollgestalt steht Siona

Bei diesen Sätzen vor mir da.

Doch wie sich Stilling löste auf,

Entzieht sich nun dem Erdenlauf

Auch Siona; da er noch sprach

Verschwamm dem Blick er nach und nach.

Text der Botschaft wird ausgedruckt

Bei nächstem druckte dann zu Haus

Den Daten-Stick ich richtig aus.

Der Text hier zeigt präzise auf,

Der Reden Inhalt und Verlauf,

Als kam zu Genf mir neulich nah

Jung-Stilling und Geist Siona.

Anmerkungen, Erläuterungen und Quellen

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); – (A) durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); – (B) im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinz-hauptstadt Münster); – (C) nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Be-standteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundes-land Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshaupt-stadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumord-nung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider jedoch auch in der Zweitauflage ohne Register).

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Erz-bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein. Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den rund 24 Kilometer langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zentrum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet.

Die Littfe ihrerseits wird im Ortsgebiet von Littfeld von Osten durch den Heim-käuser Bach (offizieller Name im Gewässerverzeichnis des Landes NRW: Die Heim-kaus, 4,7 Kilometer lang) und von Westen durch den Limbach (2,1 Kilometer lang) gespeist.

Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort \“Let\“ für \“Lehm\“. Die in vielen Gewässernamen der Region vorzufindende Endsilbe \“-phe\“ ist die sprach-lich abgeschliffene Form vom keltischen \“apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser herausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 7) gebo-ren, herangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorf-schulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Heilige Stadt = die schweizerische Stadt Genf (Genève) am Ausfluss der Rhone aus dem Genfer See (Lac Léman). – In einer privaten Eröffnung aus dem Himmel wird die Stellung der Stadt Genf als Heilige Stadt und Wohnstätte GOttes nachdrück-lich und ausdrucksvoll dargelegt.

\“GENÈVE, l’Eternel la choisit pour se révéler à l’humanité tout entière comme un Dieu jaloux et miséricordieux. Dieu, dans sa bonté, alluma dans la petite GENÈVE un flambeau de vérité et de vie. Dieu donna Genève pour retraite à l’Evangile. … Il fallut à l’Eternel une Bethléem nouvelle: il choisit GENÈVE.

GENÈVE est donc LE CAMP DE L’ETERNEL. GENÈVE doit être LU-MIÈRE, comme Rome est TÉNÈBRES. … Tu verras de quelle manière l’Évan-gile est venu prendre place au foyer du GENEVOIS.

Dass andererseits Rom der Sitz der Finsternis auf Erden sei, begründet sich in der Privatoffenbarung daraus, dass \“l’Eternel fixa á Rome la résidence du Roi du mal. C’est là que l’ANTICHIST prit naissance. C’est à Rome que flotta l’éten-dard de la révolte contre le vrai Dieu. ROME, appelée dans l’Apocalypse LA FEMME PROSITUÉE, nourrit dans son sein la bête de l’abime. Le Démon s’y cramponna, en y fixant ses autels. Le faux dieu y est adoré; le PAPE, cet être vil et abject, y reçoit sans rougir les louanges qui reviennent à l’Eternel. RO-ME, cette fille des enfers, s’enivré du sang des enfants du vrai Dieu. ROME, de son haleine empoisonnée, cherche à corrompre l’univers.

ROME, des sa langue maudite, lèche les contrées où l’Evangile a passé, et y porte la ruine et la désolation. Chaque jour, ROME ajoute une plume à ses ailes noires. ROME est un océan en ébullition, dans lequel les âmes simples vont chercher la mort éternelle. ROME est le théâtre d’un in-fernal trafic. .. Lecteur, ROME est donc le repaire ténébreux des bourreaux du Médiateur! C’est là que gisent les meurtriers des âmes pour lesquelles Christ donna sa vie. VOILA LE CAMP DU DÈMON.

GENÈVE est donc LE CAMP DE L’ETERNEL. GENÈVE doit être LUMI-ÉRE, comme ROME est TÈNÈBRES. … GENÈVE devra lui servir de phare à l’entrée du port éternel. Est-ce que Jérusalem n’est pas le phare du peuple juif, comme Bethléem le fut jadis pour l’univers?\“

Diese Kernaussage wird immer wieder neu umschrieben; siehe (Pfarrer Da-vid-Louis Mestral, 1804–1890): Rome, Genève, et l’église de Christ. Dicté au moyen d’une table par le Fils de Dieu, le Sauveur du Monde, seul Médiateur entre Dieu et les hommes. Genève (Bort, Bret et Mestral) 1856, S. LIV ff. – Grosschreibung hier wiedergegeben wie im Originaltext. – Siehe auch David-Louis Mestral: Révélations divines et mystérieuses ou Communications entre le ciel et la terre par le moyen d’une table, du 15 décembre 1853 au 1 décembre 1854. Genève (Lausanne: Imprimerie Pache)1855.

2 Sankt Peter = Die Kathedrale St. Pierre, die seit der Reformation in der Regel Temple de Saint-Pierre genannt wird, steht am höchsten Punkt der Altstadt. Der Bau der dreischiffigen Pfeilerbasilika wurde 1150 in romanischen Stil (durch Erweiterung einer älteren Anlage aus dem 4. Jht., und diese errichtet auf den Fundamenten römi-scher Bauten) begonnen, hundert Jahre später in gotischem Stil vollendet und im 18. Jahrhundert um eine der Hauptfassade vorgelagterten klassizistischen Säulenhalle erweitert. Heute besteht die Kirche aus einem dreischiffigen Langhaus, das in ein schmales Querhaus mit halbrundem Chor mündet.

In der Zeit der Reformation wurden die Chorschranken beseitigt und alle Altä-re, Statuen, Skulpturen und Bilder zerschlagen, zertrümmert und vernichtet. Die Or-gelpfeifen schmolz man 1562 ein, weil die im reformierten Gottesdienst gesungenen Psalmen keiner Orgelbegleitung bedurften. Seit dem 18. Jahrhundert wurden aber doch wieder Orgeln angeschafft; das jetzige Instrument stammt aus dem Jahr 1964.

Calvin predigte in Sankt Peter sonntags zweimal und in jeder zweiten Woche täglich. Die Kanzel befindet sich heute zwar an dem Ort, wo auch Calvin seit 1543 gepredigt hat, sie stammt aber aus dem Jahre 1864. Hinter der Kanzelsäule steht eine Kopie der Chaise de Calvin: ein dreieckiger Stuhl, auf dem Calvin gesessen ha-ben soll. Die Fenster im Chorraum sind Kopien der grösstenteils zerstörten Originale aus dem 15. Jahrhundert, die übrigen Fenster wurden zwischen 1894 und 1903 an-gefertigt.

Siehe Gérard Deuber: Die Kathedrale Saint-Pierre in Genf. Bern (Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte) 2002 (Schweizerische Kunstführer, Série 73, № 721/722) und zur Baugeschichte auch Daniel Buscarlet: La Cathédrale de Genève, 2. Aufl. Neuchâtel (Delachaux & Niestlé) 1969.

3 Rhone (Rhône), Fluss in der Schweiz und in Frankreich, 812 Kilometer lang. Er entsteht aus dem Rhonegletscher (auch Rottengletscher genannt) in den Zentralal-pen der Schweiz, durchfliesst den südschweizerischen Kanton Wallis (bis zur Kan-tonshauptstadt Sitten [Sion] Rotten genannt) sowie den Genfer See.

Bei der Stadt Genf fliesst die Rhone aus dem See heraus. Sie tritt nach dem Juradurchbruch in die Rhône-Saône-Senke ein und biegt bei Lyon nach Süden um. Die viel befahrene Schiffartstrasse mündet in der Nähe der Städte Arles im Landes-innern, Saintes-Maries-de-la-Mer im Westen und Fos-sur-Mer im Osten unter Bildung eines Deltas in das Mittelmeer.

An einer internationalen Passstrasse gelegen, ist der Rhonegletscher übrigens der einzige Gletscher in Europa, bei dem es möglich ist, mit dem Automobil fast bis ans Eis heranzufahren. Sein Inneres kann sogar erkundet werden: etwa einhundert Meter eiskaltes Vergnügen erwarten den Besucher. – Fachleute rechnen damit, dass der Rhonegletscher bis spätestens zum Jahr 2050 völlig abgeschmolzen sei. Zahl-reiche Wissenschaftler aus vielen Ländern beschäftigen sich mit diesem Vorgang und den allfälligen Auswirkungen auf den Lauf der Rhone.

4 Guillaume Farel (1489–1565) führte 1534/35 die Reformation in Genf ein. – Siehe über ihn kurz Alfred Stucki: Guillaume Farel. Evangelist, Kämpfer, Reformator. St. Gallen (Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft) 1942 und ausführlich aus der Feder des Jung-Stilling-Protegés Melchior Kirchhofer: Das Leben Wilhelm Farels, aus den Quellen bearbeitet, 2 Bände. Zürich (Orell, Füssli und Comp.) 1831 und 1833 (Bd. 2).

Melchior Kirchhofer jun. (1775–1853) studierte in Marburg/Lahn Theologie und trat auf Vermittlung von Johann Caspar Lavater (1741–1801) in Zürich mit Jung-Stilling und dessen Familie in enge Verbindung. Er \“war in Stillings Haus so wie in seinem Elterlichen behandelt worden“, schreibt Johann Heinrich Jung-Stilling: Le-bensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl., Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1992, S. 536. – Siehe auch ausführlich Ingeborg Schnack: Ein Schweizer Student in Marburg 1794/95. Das Tagebuch des Melchior Kirchhofer. Marburg (Elwert) 1988.

Melchior Kirchhofer war nach seiner Ordination 1797 von 1798 bis 1805 zu-nächst Vikar, dann Pfarrer in Schlatt bei Dissenhofen im Kanton Thurgau, von 1805 bis 1808 Pfarrer in Siblingen im Kanton Schaffhausen und ab 1808 Pfarrer in Stein am Rhein, seit 1833 auch Schul- und Kirchenrat.

Als Kirchen- und Landeshistoriker machte sich Melchior Kirchhofer einen Na-men weit über seine Heimat hinaus. Die Theologische Fakultät der Universität Mar-burg/Lahn zeichnete ihn daher im Jahre 1840 mit ihrem Ehrendoktorat aus. – In letz-ter Zeit wurde er mehrfach im Klettgau tagsüber in Menschengestalt gesehen. Siehe hierzu <http://www.uni-siegen.de/~stilling/downloads/melchior_kirchhofer.pdf>

5 Johannes Calvin (Jean Cauvin), 1509–1564, der längstenszeits in Genf wirkende Reformator, dessen Lehre auch das Siegerland geprägt hat.

Zum Leben und Wirken von Johannes Calvin ist aus der älterer Literatur be-achtenswert Ernst Stähelin: Johannes Calvin. Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformierten Kirche, 3 Bände. Elberfeld (Friderich) 1863 und aus der Fülle der neueren Literatur sehr einfühlend Herman J. Selderhuis: Jo-hannes Calvin. Mensch zwischen Zuversicht und Zweifel. Eine Biografie. Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2009. Neuartige Einsichten auch bei Thomas H. L. Par-ker: Johannes Calvin. Ein großer Reformator. Holzgerlingen (SCM Hänssler) 2009. – Siehe auch Hans Scholl: Calvinus catholicus. Die katholische Calvinforschung im 20. Jahrhundert. Freiburg (Herder) 1974 (Ökumenische Forschungen: Ekklesiologische Abteilung, Bd. 7).

6 Das 1863 in Genf auf Initiative von Henry Dunant (1828–1910) gegründete Inter-nationale Komitee vom Roten Kreuz besteht aus bis zu 25 Schweizer Staatsbürgern. Der ausschließlich wohltätige Auftrag des Roten Kreuzes ist, fussend auf den Grund-sätzen der Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit, der Schutz des Lebens und der Würde der Opfer von Kriegen und innerstaatlichen Konflikten. – Die Flagge des Roten Kreuzes (rotes Kreuz auf weissem Grund) ist eine farbliche Abwandlung der Schweizerflagge (weisses Kreuz auf rotem Grund).

7 Gemeint ist der Ökumenische Rat der Kirchen, ÖRK (auch: Weltkirchenrat) mit Sitz in Genf. Der Rat wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet und gilt seitdem als die entscheidendes Behörde der ökumenischen Bewegung. Der ÖKR ist ein weltweiter Zusammenschluss von derzeit 349 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern auf allen Kontinenten. Die Mitgliedschaft des ÖRK umfasst mehr als 560 Millionen Christen in Kirchen, Denominationen und kirchlichen Gemeinschaften. Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptis-tische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, sowie viele unabhängige christliche Kirchen und Gemeinden.

Die einzige grosse Gemeinschaft, die nicht zu den Mitgliedern zählt, ist die Römisch-Katholische Kirche, die grösste Konfession innert des Christentums. Sie arbeitet aber in mehreren Bereichen mit dem Kirchenrat zusammen und ist Vollmit-glied zweier seiner Kommissionen, nämlich \“Glauben und Kirchenverfassung\“ sowie \“Weltmission und Evangelisation\“ Das Hauptforum für das gemeinsame Studium und den Dialog zwischen dem Ökumenischen Rat der Kirchen und der Katholischen Kir-che ist ein 1965 eingerichtetes Beratungsorgan, die sogenannte \“Gemeinsame Ar-beitsgruppe\“.

8 Im Siegerland wurde um das Jahr 1530 nach und nach allenthalben die lutheri-sche Reformation eingeführt. Durch Beschluss der Dillenburger Synode im Juli 1578 zwang man die Gemeinden zum Calvinismus. Im Jahre 1726 wurde die Rekatholisie-rung eingeleitet; sechs Jahre später wurde Siegen aber wieder recalvinisiert. – Siehe hierzu Gerhard Specht: Johann VIII. von Nassau-Siegen und die katholische Restau-ration in der Grafschaft Siegen. Paderborn (Verein für Geschichte und Altertumskun-de Westfalens) 1964, S. 6 ff.

9 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Siehe über ihn kurz zusammen-fassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in : Theologi-sche Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (de Gruyter) 1987, S. 467 ff. und ausführlicher Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989 (mit Abb. und Registern). Mehr die innere Entwicklung von Jung-Stilling schildert Otto W. Hahn: \“Selig, die das Heimweh haben.\“ Johann Heinrich Jung-Stilling: Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999 (Geistliche Klassiker, Bd. 4).

Jung-Stilling wurde bei nachtodlichen Erscheinungen häufig gesehen. Siehe aus der Vielzahl veröffentlichter Berichte vor allem – (A) Treugott Stillingsfreund: Er-scheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987; – (B) Gott-hold Untermschloss: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kallio-pe) 1988; – (C) Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989; – (D) Gotthold Untermschloss: Von Leistung, Mühe und Entgelt/In dieser uns-rer Arbeitswelt/Gelehrt von Stilling letzthin grad/Und aufgeschrieben akkurat. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1991; – (E) Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtödlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2); – (F) Gotthold Untermschloss: Vom misslichen Befin-den der Menschen früher. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994; – (G) Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Unterweisung von Jo-hann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995;

(H) Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995; – (I) Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtod-liche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 sowie – (J) Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittels zutätiger englischer Gunst wortgetreu sowie gereimt wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. — Die Mehrzahl der Berichte ist bei dem URL <http://www.gerhardmerk.de> als Download-File kostenlos abrufbar.

10 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Uni-versität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (ihm hatte er seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und auch persönlich bei Hofe zu Mannheim im März 1772 überreicht) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kur-pfälzischen Hofrat\“.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den seinerzeit auch innerlands recht zahlreichen Schlagbäumen mit Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Vene-tien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bes-tätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi (nämlich Franz II in Wien, der letzte Kaiser des alten Reichs; er legte nach Bildung des Rheinbundes am 6. August 1808 die deutsche Kaiserkrone nieder), tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède dé-sormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domai-nes situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Fahr-Rinne für die Schiffart) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le ter-ritoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die ihre (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (späterhin traten auch noch verwandt-schaftliche Beziehungen mit Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais [1789–1860], die knapp 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte, dem Kaiser der Franzosen) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde (das Recht, den deutschen Kaiser zu wählen) ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf (die bereits 1818 zur Witwe gewordene Grossher-zogin Stéphanie legte sich den Titel \“Kaiserliche Hoheit\“ zu).

Mit dem in Verfolg der Umsetzung des Reichsdeputationsschlusses gesche-henen Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Re-sidenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresi-denz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kur-pfälzische\“ Hofrat DE JURE PUBLICO nunmehr automatisch zum \“badischen\“ Hofrat.

Zu Beginn des Jahres 1808 wird Jung-Stilling als Berater des Grossherzogs von Baden in Karlsruhe dann (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brun-nen Verlag) 2002, S. 404 (dort die Anm. 10).

11 Jung-Stilling war dreimal verheiratet und musste viel Zeit zur Pflege seiner kran-ken Ehefrauen aufwenden. Auch hatte er manchen Kummer mit gesamthaft dreizehn Kindern auszustehen. – Siehe hierzu mehr und ausführlich bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 4) sowie kurz zusammenfassend auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988.

12 Zölibat (im Deutschen teils männlichen, teils sächlichen Geschlechts) nennt man die Lebensform der Ehelosigkeit und sexuellen Enthaltsamkeit. Für Priester der latei-nischen Kirche wurde der (das) Zölibat auf der Synode zu Elvira 306 als kirchliche Vorschrift eingeführt. In den Ostkirchen besteht die Zölibatsverpflichtung nur für Bi-schöfe und Mönche. Die Reformatoren schafften den (das) Zölibat ab. – Siehe über die Gründe der Abschaffung ausführlich Karl von Hase: Handbuch der Protestanti-schen Polemik gegen die Römisch-Katholische Kirche, 5. Aufl. Leipzig (Breitkopf und Härtel) 1890, S. 128 ff. (mit vielen Literaturverweisen in den Anmerkungen) sowie Joachim S. Hohmann: Der Zölibat. Geschichte und Gegenwart eines umstrittenen Gesetzes. Mit einem Anhang wichtiger kirchlicher Quellentexte. Frankfurt (Lang) 1963 (mit Literaturverzeichnis, S. 161 ff.).

13 Prädikant = hier: Pfarrer der reformierten Kirche. – In neuerer Zeit werden auch die in einigen deutschen Landeskirchen eingesegneten lehrbeauftragten Laien so genannt.

14 Kaste ist der Begriff für eine abgegrenzte Gruppe innert der Gesellschaft ge-samthaft. Die religiösen Kasten sind im Gegensatz zu den ökonomisch definierten Klassen nahezu undurchlässig. Die gesellschaftliche Rangordnung wird von Gene¬ration zu Generation weitergegeben, so dass soziale Mobilität fast unbekannt ist.

15 Stillings-Freund meint zunächst – (A) Gönner und Förderer von Jung-Stilling und später dann – (B) Verehrer oder – (C) zumindest dem Autor gegenüber wohlwollen-der Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen beiden Bedeu¬tungen von ihm selbst eingeführt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensge-schichte (Anm. 4), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566.

16 Siehe aus der Fülle der Literatur zu diesem Thema Peregrin (= Paulin Gschwind): Das Vatican’sche Concil und die Priesterehe. Zugleich ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte. Bern (Wyß) 1870, Johann Friedrich von Schulte: Der Cölibatszwang und dessen Aufhebung gewürdigt. Bonn (Neusser) 1876 sowie (mit reichlichen Literaturangaben) Martin Weitz: Der Zölibat des Weltpriesters zwischen Ideologie und Theologie. Die Frage nach dem Zölibat im 20. Jahrhundert. Hamburg (Kovac) 1998 (Schriftenreihe Theos, Bd. 22).

17 Zu diesem Themenkreis viele anregende Gedanken bei Monica von Ballestrem: Schreiben gegen das Überhören. Für eine plurale und basisorientierte Theologie und Praxis der Kirche. Würzburg (Echter) 2003 mit ausführlichem Literatur-Verzeichnis, S. 565 ff. (Studien zur Theologie und Praxis der Seelsorge ; Bd. 54), Jan Kerkhofs (Hrsg.): Europa ohne Priester. Düsseldorf (Patmos) 1995 und ermutigend, weil neue Perspektiven aufzeigend auch Paul M. Zuhlehner: Priestermangel praktisch. Von der versorgten zur sorgenden Pfarrgemeine, 2. Aufl. München (Kösel) 1983. – Für die baldige Abschaffung des Zwangszölibats finden sich erwägenswerte Darlegungen bei Hans Chocholka (Hrsg.): Zölibat – so nicht! Gottes amputierte Liebe. Wien–Klosterneuburg (Edition Va Bene) 2002 (Herdenbrief, № 4).

18 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weit-läufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige selte-nere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TO-TIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in viele Sprachen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als – (A) \“un-aussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) – (B) \“göttliche Freun-din\“ (ebenda, S. 223) bzw. – (C) \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der – (D) \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen – (E) als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), – (F) den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geister-reich, S. 282), aber – (G) auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geister-reich, S. 308) und

(H) Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufna-me Selma seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie – (I) zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), – (J) ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesell¬schaft) 1995, S. 16 ff.

Vgl. zum Grundsätzlichen auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

19 Siehe zur ärztlichen Seite des Wirkens von Jung-Stilling Gerd Propach: Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) als Arzt. Köln (Institut für Geschichte der Medizin) 1983 (Arbeiten der Forschungsstelle des Instituts der Geschichte der Medizin zu Köln, Bd. 27), Gerhard Berneaud-Kötz: Jung-Stilling als Arztpersönlichkeit. Laienme-diziner, Arzt, Augenarzt und Staroperateur, in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1991, S. 19 ff. und die dort (S. 39) an-gegebene Literatur sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Geschichte meiner Staar Curen und Heylung anderer Augenkrankheiten, Hrsg. von Gerhard Berneaud-Kötz. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 21 ff. – Vgl. auch Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996, S. 9 ff.

20 \“Es ist schlechterdings unbeschreiblich, welche schreckliche Folgen das Verbot der Priesterrehe gehabt hat, und noch hat. Rechtschaffene und gewiß ächtchristliche Geistliche der katholischen Kirche haben mir unverholen gesagt: das Cölibat sey der Grund aller Sittenlosigkeit, und des Verderbens der Römischen Geistlichkeit; und wenn man die Klagen des H. Bernhards von Clairveaux und so vieler frommer und würdiger Männer, durch die Jahrhunderte durch, liesst, so schaudert einem die Haut. Bey den liederlichsten Ausschweifungen der Priester sieht man durch die Finger; und solche Scheusale und Auswürfe der Menschheit, deren man unter den Päbsten, Cardinälen, Erzbischöffen, Bischöffen, und durch alle Classen der Geistlichkeit, ley-der! die Menge findet, geniesen täglich in der Messe – nach ihrer Meinung den Leib und das Blut Christi, sie sind die Ausspender der göttlichen Gnaden und Geheimnis-se – die Mittheiler – des heiligen Geistes – Herr Jesus Christus! erbarme! erbarme dich dieser Kirche!!!, schreibt Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe auf die an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Sulzers in Konstanz über Katholicismus und Protestantismus. Nürnberg (Raw) 1811, S. 316 f.

21 Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Johann Heinrich Jung-Stilling: Theo-rie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwor-tung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so!). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808, S. 371.

Die \“Geister=Kunde\“ von Jung-Stilling erschien seit der Erstveröffentlichung 1808 auch in vielen anderen Ausgaben und Nachdrucken sowie auch in Übersetzun-gen ins Französische, Englische, Schwedische und Niederländische. – Siehe hierzu Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie. Siegen (Verlag der J. G.-Herder Bibliothek) 1993, S. 104 (Stichwort \“Theorie\“).

22 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 19), S. 88.

23 Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johan-nis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89.

Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu: [Christian Gottlob Barth, 1799–1862]: Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Vereh-rern. Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

24 In verschiedenen Foren des World Wide Web wurden die \“nachtodlichen Beleh-rungen\“ von Jung-Stilling als Blendwerk kritisiert, so unter anderem im Internet-Forum der evangelischen Chrischona-Gemeinschaft. Dort spricht ein Funktionair bzw. Wortführer dieser Gruppe namens Pete am 9. September 2001 öffentlich von \“Jung-Stilling-Mist\“; siehe <http://www.chrischona-magazin.org>

Mehr dazu findet man auch bei Eingabe des Suchbegriffs \“nachtodliche Beleh-rungen\“ in eine Suchmaschine.

25 Siehe Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. – Der Band enthält Original-Zeichnungen der Pforzheimer Künst-lerin Susanne Berger, unter anderem (S. 11) eine Federzeichnung mit dem Ge-sichtsbild von Jung-Stilling. Der Text (ohne die beigegebenen Bilder) ist kostenlos downloadbar bei der Adresse <http://www.gerhardmerk.de>

26 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 44 (\“Wir können gewiß versichert seyn, daß der Herr jedes gläubige Gebet erhört, wir erlangen immer etwas dadurch, was wir ohne unser Gebet nicht erlangt haben würden, und zwar das, was für uns das beste ist.\“).

What greater disaster can come upon a nation than the lack of engaged clergymen and clergywomen!



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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