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Gewissens-Pein zu Rom

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Bericht über eine höchst wundersame, befremdliche Begegnung mit dem hochgebildeten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; davor Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Veterinär-Medizin – an der Universität Heidelberg und vordem mit gleichem Lehrauftrag an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern,

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenkrankheiten und behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch kurfürstlichen Erlass vom 22. Juni 1784 aus München der erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied.

Andurch zu zweckmässiger Belehrung, nützlicher Aufklärung und zur Mehrung erspriesslicher Wohlfahrt unter Anwünschung allen wohlgedeihlichen Gelingens öffentlich bekannt gemacht sowie nachgehends zu solchem Ende ämsig beflissen ins Internet gestellt, dabei alle Leser des honigsüssen Labsals aus himmlischen Quelladern sowie
getreulichen englischen Schutzes nachdrucksamst empfehlend,
von
Achtnicht Ihrenhohn
zu Lichthausen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

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mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Peinliche Szene im Petersdom zu Rom

Sechs Tage weilte ich zu Rom;
Besuchte auch den Petersdom
Und schloss mich einem Rundgang an,
Der dort um neun Uhr früh begann.
Es führte uns ein Kunst-Student,
Der dieses Bauwerk sehr gut kennt.

Vor einem Bild des Jüngers Peter
Gewahrte knien ich einen Beter.
Der weinte laut und ächzte tief,
Gar flehend um Erbarmen rief.
Es war ein Deutscher, wie man hörte,
Den das Vorbeigehn gar nicht störte.

Ich fühlte peinlich mich berührt,
Ja: deutlich Abscheu gar verspürt‘
Vor jenem Mann, der kniete hier
Und kroch in dieses Standbild schier.
Blamabel fand dies Handeln ich,
Drum schämte für den Beter mich.

Der Büsser ist Hofrat Jung-Stilling

Die Gruppe schritt schon weiter fort;
Ich blickte nochmals kurz nach dort.
Durch meine Glieder fuhr ein Schreck;
Ich klebte wie gebannt am Fleck:
Der Mann in Selbst-Erniedrigung
War – Hofrat Johann Heinrich Jung!1

\“Ohephiah!2 Um JEsu CHrist!
Sie waren stets doch Calvinist!3

Welch abgefeimte Höllen-Macht
Hat sie an diesen Ort gebracht?
Sie dienern vor dem Abgrund-Tier
In seiner Höhle, die allhier?4

In ihren Büchern, ihren Briefen
Sie dringlich in Gedächtnis riefen:
Der Papst des Abgrunds Bestie sei;
Verflucht drum jede Buhlerei
Mit ihm und seiner Dienerschaft
Voll Falsch und Tücke grauenhaft.\“5

Jung-Stiling bedauert und bereut frühere Aussagen

\“Ach lieber Stillings-Freund!6 Ich war
Verrannt, besessen ganz und gar,
Von Garstigkeit auch übermannt,
Als ich in blindem Unverstand
Solch arge Dinge niederschrieb:
Auf Rom, den Papst, harsch drosch und hieb.

Erfüllt von der Unduldsamkeit,
Die bei ‚Erweckten‘ leicht gedeiht,
War ‚reines Evangelium‘
Für mich das Haupt-Kriterium
Bei meinem Urteil über Rom:
Indes: der Masstab ist Phantom!

Allein bloss das erschien mir rein,
Was stimmt mit Mustern überein,
Die man zu meiner Zeit tat preisen
In reformiert-erweckten Kreisen.
Dass eine Form aus vielen dies,
Ich sträflich aus den Augen liess.

Verkannt hab‘ ich, dass GOttes Wort
Fällt nie auf einen leeren Ort.
Es Grund und Nahrung stets erfuhr
Im Boden einer Volks-Kultur.
So hat auch römsche Lebensart
Sich mit der Frohbotschaft gepaart.

Der Stil des Glaubens, der als Norm
Erwuchs aus dieser Mischungsform –
Geprägt von römscher Reichs-Idee,
Hierarchisch wie bei der Armee –
Ist schlechter nicht als andre Arten,
Die Heilsbotschaft mit Volksgeist paarten.

Ich habe schwer gefehlt daran,
Dass ich, verbohrt in Eigensinn,
Nur Übles sah, Rom heidnisch nannte,
Des Papsttums Charisma verkannte.
Auch das, was ich an Sulzer7 schrieb,
Weithin in dieser Denkart blieb.

Aristoteles und die Scholastik blieben unbekannt

Noch heute kann ich nicht verstehen,
Wie damals konnte mir entgehen,
Dass Glaube farbig blühte schon
Lang vor der Reformation:
Dass alles ich verdächtig fand,
Was vorher richtig ward erkannt.

Bös schätzte ein ich als Phantastik
Die grosse Leistung der Scholastik8;
Des Stagiriten9 Weltweisheit
Blieb meinem Denken himmelweit:
Drum war auch sicher, fest ich nie
In Fragen der Philosophie.10

Einfühlungsvermögen für das Mönchtum fehlte

Besonders leid tut es mir heute,
Dass schmähte ich auch jene Leute,
Die ganz sich JEsu zugetan,
In Armut leben und bejahn
Die Keuschheit, Arbeit, das Gebet:
Stets nützend andren, wo es geht.

Als Gärtner, Maler, Ärzte, Lehrer,
Der Buchkunst Kenner und Vermehrer,
Als Architekten, Apotheker,
Als Schreiber, Dichter, Krankenpfleger
Die Mönche brachten GOttes Güte
Der Menschheit sichtbar zu Gemüte.

Ach, bösgesinnt liess ich mich bei
Zu fluchen auf die ‚Möncherei‘!
Denn Männern, die in Zellen arm,
Galt Kirchenbau als heilger Schwarm:
Das Haus des HErrn sollt‘ schmuckvoll sein;
Sie werkten dafür im Verein.11

Meist fünfzig Jahre und noch mehr
Ertrugen Last sie und Beschwer,
Dass ihre Kirchen draus und drinnen
An Schönheit, Kunst und Glanz gewinnen.
Ich sah nicht, dass sich GOttes Geist
In solchem Bauwerk auch beweist.

Wiewohl ich selbst doch von Natur
Ein Freund von jederart Kultur,12
War blind ich für die Bildungskraft,
Die sonderlich das Mönchtum schafft.
Auch folgte ich dem Irr-Satz ja:
‚LEGUNTUR NON CATHOLICA.‘13

So lenkte weithin sich mein Blick
Aus eigne Lager nur zurück.
Im Hades13 erst hab‘ ich erkannt,
Was gegen Rom durch mich entstand.
Nun plagt mich Reue, drückt mich Schuld:
Drum fleh ich hier um GOttes Huld.\“ –

Niemand wird Jung-Stilling heute Vorwürfe machen

\“Herr Hofrat14 Jung! Ich glaube nicht,
Dass heut noch jemand ist erpicht
Vor GOttes Thron sie anzuklagen,
Bloss weil auf Rom sie eingeschlagen.
Gar viel von dem, was sie gerügt,
Ist ja inzwischen wohlgefügt.

Man sah, dass mancher Missbrauch sich
Im Stillen in die Kirche schlich.
Gereinigt wurde deshalb viel
Im letzten Vatikan-Konzil.15
Auch hat das Kirchenvolk von unten
Zur rechten Rückbildung gefunden.\“ –

Der Papst ist nicht der Antichrist

\“Mein Stillings-Freund: nicht die Kritik,
Die trug ich vor in der Replik
An Sulzer7 damals schafft mir Qual,
Als vielmehr dieser spitze Pfahl
Denn grimmig schlug ich Rom ins Fleisch,
Da zieh den Papst ich teufelsgleich.

Erfolgt ist dies in jenem Buch,
Wo auszudeuten ich versuch
Das letzte Stück der Heilgen Schrift: 4
Hier spie viel Geifer ich und Gift.
Der Satan führte meine Hand,
Da solche Schmähung ich erfand.\“

Jung-Stilling ist auf einmal verschwunden

Ich wollte, dass er fände Ruh,
Jung-Stilling reden tröstlich zu,
Als plötzlich er verschwunden war:
Der Platz bot gänzlich leer sich dar!
Ich eilte schnell der Gruppe nach;
Von Stilling ich zu keinem sprach.

Auch heut ich nicht zu deuten weiss,
Warum denn Stilling solcherweis
Bestraft ward, dass er dort zu Rom
Muss buckeln in dem Petersdom.
Geschieht als Pön dies (wie er klagte),
Nur weil vom Papst er Übles sagte?

Wie dem auch sei! Ich gab komplett
Den Text jetzt auch ins Internet.
Doch, Leute, lasst es bitte sein,
Schon wieder lauthals im Verein
Zu schimpfen wütig ohne Pausen
Erbost auf Achtnicht zu Lichthausen,
Der wünscht für euch in hohem Grade
Des guten GOttes Huld und Gnade.

Anmerkungen, Quellen und Literatur-Hinweise

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider selbst in der Zweitauflage ohne Register), siehe auch Anm. 12 in Bezug auf weitere Literatur.

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch jahrhundertelangen Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den knapp 24 Kilometer langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zentrum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet. In Littfeld nimmt die Littfe zwei wasserreiche Nebenbäche auf: den Heimkäuser Bach von Osten und den Limbach von Westen. – Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort \“Let\“ für \“Lehm\“. Die in vielen Gewässernamen der Gegend vorzufindende Endsilbe \“-phe\“ ist die sprachlich abgeschliffene Form von \“apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser herausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat dort auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter und Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneigelehrtheit (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. — Siehe kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (Walter de Gruyter) 1987, S. 467 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. IX–XXXI (Einleitung mit einem ausgezeichneten Überblick über die einzelnen Lebensphasen) – Jung-Stilling wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

Siehe Grundsätzliches zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff.

Die \“Theorie der Geister=Kunde\“ von Jung-Stilling wurde seither bis in unsere Tage in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch –  1812 ins Schwedische (veranlasst durch Prinz Karl von Hessen-Kassel [1744–1836], mit dem Jung-Stilling zu jener Zeit in enger Verbindung stand); –  1814 ins Niederländische (durch Joan Petrus Kleyn, 1760–1805)), –  1834 ins Englische (durch Samuel Jackson aus Tulse Hill, heute Stadtteil von London), –  1851 ins Amerikanische (durch Pfarrer George Bush) und –  1862 ins Französische übersetzt. – Für die deutschsprachigen Leser in den Vereinigten Staaten kam 1816 eine Ausgabe bei dem Verleger Heinrich B. Sage in Reading, Pennsylvania heraus; Jung-Stilling hatte in Nordamerika eine ansehnliche Lesergemeinde, und Sage brachte auch andere Werke von Jung-Stilling dort zum Druck. – Siehe hierzu und zur Jung-Stilling-Literatur gesamthaft die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

Vgl. zu Themenkreis der \“Theorie der Geister=Kunde\“ auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2) sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Diese Schrift istauch unentgeltlich als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

Neuere Literatur von und über Johann Heinrich Jung-Stilling ist auch kurzkommentierend aufgezählt bei Erich Mertens: Jung-Stilling-Renaissance, in: Die Neue Ordnung, Bd. 47 (1993), S. 59 ff. – Siehe auch die Fortsetzung sowie viele weitere nützliche Informationen und Literaturhinweise durch den Verfasser bei der Adresse <http://www.jung-stilling-archiv.de>

2 Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb. 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu: [Christian Gottlob Barth, 1799–1862]: Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

3 \“Ich habe einmal den festen Grundsatz angenommen, mich zu keiner anderen äußeren Partei zu bekennen als zu der evangelisch-reformierten, in welcher ich geboren bin\“, schreibt Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe, ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 227.

Im Siegerland, der Heimat von Jung-Stilling, wurde um das Jahr 1530 die lutherische Reformation eingeführt. Durch Konfessionswechsel des Fürsten und Beschluss der Dillenburger Synode im Juli 1578 wurde diese durch Reformation à la Genève, also durch die Lehre von Johannes Calvin (1506-1564), abgelöst. Im Jahre 1726 leitete man, abermals durch Konfessionswechsel des Fürsten, eine Rekatholisierung ein; sechs Jahre später wurde Siegen von dem neuen Herrscher recalvinisiert. – Siehe hierzu ausführlich Gerhard Specht: Johann VIII. von Nassau-Siegen und die katholische Restauration in der Grafschaft Siegen. Paderborn (Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens) 1964, S. 6 ff.

4 In seinem Buch: \“Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis\“ (Nürnberg, Raw’sche Buchhandlung 1799; später in Band 3 der Sämmtlichen Werke [Stuttgart, J. Scheible’s Buchhandlung 1841] mit einigen orthographischen Änderungen auf S. 5–494 neu abgedruckt) sah Jung-Stilling im Papsttum bzw. in den römisch-katholischen Amtsträgern das apokalyptische Ungeheuer aus dem Meere. Seine bezüglichen Ausführungen suchen bloss nach dem Schlechten in der Katholischen Kirche; alles Gute wird von ihm gänzlich unterschlagen, die Darlegungen strotzen vor Fehlurteilen und Einseitigkeiten; siehe bezeichnende Zitate bei Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 118 ff.

In dem im Jahr 1805 im gleichen Verlag erschienenen Buch \“Erster Nachtrag zur Siegsgeschichte der christlichen Religion\“ (ab S. 496 in Band 3 der \“Sämmtlichen Schriften\“ nachgedruckt) verbohrte sich Jung-Stilling weiter in die Auffassung, der Papst sei das apokalyptische Abgrundtier, wiewohl diese Ansicht von der protestantischen Theologie seiner Zeit bereits als verkehrt und abwegig zurückgewiesen wurde.

\“Es war eine Beschränktheit aus der Rohigkeit einer nur religiös hochgebildeten Zeit, wie aus dem gegenseitigen Fanatismus des Streits zu erklären, daß unsre orthodoxen Vorfahren allen ernstes den Papst für den Antichrist oder Endchrist hielten, der sich im Tempel Gottes anbeten lasse, wie daß er in den Bekenntnißschriften des Lutherthums gelegentlich tituliert wird\“, stellt Karl von Hase: Handbuch der Protestantischen Polemik gegen die Römisch-Katholische Kirche, 5. Aufl. Leipzig (Breitkopf und Härtel) 1890, S. 182 wohl zurecht fest.

5 Jung-Stilling lehnte sich bei seinem Kommentar zur Apokalypse auch in diesem Punkt zu eng und im ganzen unkritisch an den schwäbischen Theologen und Chiliasten Johann Albrecht Bengel (1687–1752) an, den er sehr hoch schätzte, ja schon verehrte. Bengel galt als eine herausragende Persönlichkeit seiner Zeit; siehe mehr bei Johann Christian Friedrich Burk: Dr. Johann Albrecht Bengel’s Leben und Wirken. Stuttgart (Steinkopf) 1831.

Jung-Stilling beachtete die zahlreichen anderen protestantischen Erklärer der Geheimen Offenbarung kaum oder gar nicht. Dabei waren zu seiner Zeit eine Vielzahl auch deutschsprachiger Werke darüber erschienen, unter anderem von Friedrich Wilhelm Hagen (1769-1837), Franz Gotthold Hartwig (1725–1791), Johann Christoph Harenberg (1696–1774), Johann Gottfried Herder (1744–1803); [ihm hatte Jung-Stilling in Strassburg kennengelernt und Herder auch seine 1787 erschienene Schrift \“Blicke in die Geheimnisse der Natur=Weisheit\“ gewidmet], Nicolaus Johannsen (1740–1806), Friedrich Münter (1761–1830), Joachim Oporin (1695–1753) und Johann Salomo Semler (1742–1820). Sie alle wurden in der zeitgenössischen theologischen Literatur besprochen. Natürlich beachtete Jung-Stilling katholische Abhandlungen (deren es unzählige ältere und neuere gab) überhaupt nicht.

6 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner und Förderer von Jung-Stilling und später dann –  Verehrer oder –  zumindest dem Autor gegenüber wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen drei Bedeutungen von ihm selbst eingeführt, er schliesst in jedem Falle auch die weibliche Form ein. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Auf. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 213, S. 441, S. 513, S. 566. Auf der anderen Seite gibt es aber auch (und zwar  bis heute!) \“Stillings-Feinde\“; siehe ebendort, S. 316.

7 Jung-Stilling bezieht sich hier auf sein im Jahre 1811 (im Verlag der Raw’schen Buchhandlung zu Nürnberg) erschienenes Buch: \“Antwort durch Wahrheit in Liebe auf die an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Sulzers in Konstantz über Katholicismus und Protestantismus\“, in dem er jedoch im grossen und ganzen lediglich (inzwischen zumeist abgestellte) Missbräuche rügt. – Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe (Anm. 3), S. 462, S. 468, S. 470, S. 476. – Zu Johann Anton Sulzer (1752–1828) siehe Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 37. Leipzig (Duncker & Humblot) 1894, S. 152 f.

8 Scholastik nennt man das aus der mittelalterlichen Schulwissenschaft hervorgegangene theologisch-philosophische System christlicher Weltanschauung. Quellen der Scholastik ist das christliche Glaubensgut, die platonisch-augustinische und aristotelische Philosophie und die antike Naturauffassung. Ihr Ziel ist die Erkenntnis Gottes und der Welt als seines Werkes.

Mensch und Welt, Persönlichkeit und Gemeinschaft, Erkennen und Sein, Natur und Übernatur bilden für die Scholastik ein einheitliches, gestuftes Ganzes von verhältnismässig selbständigen, einander wesensverwandten Teilen, das in systematischen Gesamtdarstellungen (den Summen) ihren Ausdruck findet. Diese Summen verbinden damit Offenbarung und Philosophie, Theorie und Praxis zu einer Einheit.

Siehe aus der Fülle der Literatur Martin Grabmann: Die Geschichte der scholastischen Methode. Berlin (Akademie-Verlag) 1988 (Nachdruck; daneben auch andere Ausgaben dieses Standardwerkes) sowie aus der Fülle der neueren Literatur in Bezug auf ein Zentralanliegen der Scholastik die Dissertation von Anna Maria Hennen: Die Gestalt der Lebewesen. Versuch einer Erklärung im Sinne der aristotelisch-scholastischen Philosophie. Würzburg (Königshausen & Neumann) 2000 (Episte¬mata, Reihe Philosophie, Bd. 274) sowie dogmengeschichtlich auch Paul Althaus: Die Prinzipien der deutschen reformierten Dogmatik im Zeitalter der aristotelischen Scholastik. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1967 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig [Deichert] 1914).

9 Stagirit = Der griechische Philosoph Aristoteles (384–321 v. Chr.) so benannt nach seinem Geburtsort Stagira (Stageira) an der Ostküste der Halbinsel Chalzidize. Als Sohn des Arztes Nikomachos war er seit 367 Schüler Platos in Athen und 343/42 Erzieher Alexander des Grossen. Die Stadt Stagira wurde 348 v. Chr. durch Philipp II. von Mazedonien zerstört.

10 In seiner Lebensgeschichte (Anm. 6, S. 270) hebt Jung-Stilling seine besondere Neigung zur Philosophie hervor, und er las auch zu seiner Studienzeit in Strassburg ein unentgeltliches Privat-Kollegium in diesem Fach. In Wirklichkeit war und blieb er aber gerade in der Philosophie zeit seines Lebens unsicher; es fehlte ihm ein fester Standpunkt. – Siehe hierzu mehr bei Liebmunde Kirchentreu: Jung-Stilling und der Agnostizismus. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1999, insbes. S. 10 ff., als Download-File nunmehr für den nichtkommerziellen Gebrauch abrufbar bei der Adresse http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling

11 Jung-Stilling behauptet, die Klöster und Kirchen seien bloss durch \“babylonischen Handel\“ entstanden. Die Geistlichkeit habe den \“Gewinnst aus diesem Handel mit Ehren, Würden Aemtern, Himmel und Hölle\“ in \“der allerzügellosesten Ueppigkeit verpraßt\“ (Die Siegsgeschichte der christlichen Religion [Anm. 4], S. 339 f.). Im \“Geist eines jeden Mönchordens\“ sah Jung-Stilling ein getreues Abbild des apokalyptischen Ungeheuers aus dem Abgrund (Die Siegsgeschichte der christlichen Religion [Anm. 4), S. 268 f.) – Siehe auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 4), S. 74 f., S. 110.

12 Zur Dichtkunst hatte Jung-Stilling ein besonderes Verhältnis. Von ihm erschien breits 1787 im Verlag der neuen Hof- und akademischen Buchhandlung zu Mannheim \“Virgils Georgicon in deutsche Hexameter übersetzt\“. Sein poetisches Gemälde \“Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen\“ stammt aus seiner letzten Lebensphase und wird bis heute noch gern gelesen. Inhalt und Zweck des \“Chrysäon\“ zeigt die Anfangsstrophe des 3. Gesangs an:

\“Er erzählt des Lammes Hochzeitsfeier;
Uns hienieden wird die Zeit so lang.
Sie zu kürzen, weilen wir so gerne
In dem Blick in jene Herrlichkeit,
Die, Gottlob! uns schimmert aus der Ferne
Und uns stärkt um Kampfe unserer Zeit.\“

Religiöse Dichtung schrieb Jung-Stilling auch jahrelang im Anschluss an die morgendliche Bibellektüre; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Tägliche Bibelübungen, hrsg. von Gustav Adolf Benrath. Giessen-Basel (Brunnen Verlag) 1989. Nach seinem Tod 1817 gab im Jahre 1821 Jung-Stillings Enkel Wilhelm Heinrich Elias Schwarz im Verlag der Hermannschen Buchhandlung zu Frankfurt am Main eine Sammlung poetischer Werke unter dem Titel \“Gedichte von Johann Heinrich Jung, genannt Stilling\“ heraus.

Als Professor in Kaiserslautern komponierte Jung-Stilling eigene Melodien zu seinen Romanzen; siehe mehr zum musikalischen Wirken von Jung-Stilling zusammenfassend Erich Mertens: Zuccalmaglio, Jung-Stilling und die Musik, in: Leiw Heukeshoven, Mitteilungsblatt des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Hückeswagen, Heft 41 (2002), S. 35 ff. (mit vielen Literaturangaben und Auflistung von Jung-Stilling-Liedern in [evangelischen] Gesangbüchern. – Jung-Stilling selbst spielte Flöte, Orgel und Klavier. Siehe zum Orgelspiel auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 6), S. 196.

Vgl. auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1987, S. 89 f. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe (Anm. 4), S. 455 f., S. 465 f., S. 470 (oben).

13 \“Katholische (Schriften) werden (von vornherein) nicht zur Kenntnis genommen\“. Dies war bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts ein stillschweigend angenommener Grundsatz vor allem innert der protestantischen Theologie.

Siehe hierzu auch Albert Weiß: Die religiöse Gefahr. Freiburg (Herder) 1904, S. 491 ff. sowie David Jung: CATHOLICA SUNT! NON LEGUNTUR! Ein ungehaltener Vortrag über einige äußere Ursachen dieser Erscheinung. Freiburg im Breisgau (Waibel) 1903, Peter J. Brenner: Catholica non leguntur. Die Literatur im Spannungsverhältnis von Kirche und Wirklichkeit im frühen 20. Jahrhundert, in: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch, Bd, 48 (2007), S, 287 ff. und die dort angegebene Literatur.

14 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (ihm hatte er auch seine medizinische Doktorarbeit gewidmet) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 6), S. 427.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt besonders zum Vorteil gereichte) an Schlagbäumen, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Übergängen, Brücken, Fähren sowie an den zu dieser Zeit auch innerlands recht zahlreichen Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehem. Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 das Vertrags heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg du Rhin (= die Schiffahrts-Rinne) soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin in Regensburg (seit 1663 Sitz des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich traten hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 5./6. April 1806 zu Paris Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

Mit dem dadurch veranlassten Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommer-Residenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuss des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ Hofrat DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badischen\“ Hofrat.

Anfang April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als persönlicher Berater des Grossherzogs von Baden (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst betont) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe (Anm. 4), S. 404.

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Grossherzog Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

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Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes der gelehrte katholische Stadtpfarrer Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft am Rande einer Predigt ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser), Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck) sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama\“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge auch (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811 oder –  die an Lobpreisungen überladene Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (ohne Verlagsangabe) 1811.

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811, in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811; –  Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit) oder die zahlreichen Zentariums-Reden wie

 Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828 (Karl Joseph Beck [1794-1838] war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg) oder –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Mannheim (Schwan & Götz) 1829.

Überspannt auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Geradezu als Heiligen stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten Mannheim (Schwan und Götz) 1828. Drais (1761–1851) ist der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate.

Weithin unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. Dasselbe gilt für Gerald Maria Landgraf: \“Moderate et prudenter\“. Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden (1728-1811), als Download-File bei dem URL <http://epub.uni-regensburg.de/10710>. Für die Schikanen gegen die katholische Bevölkerung und das dadurch hervorgerufene Leid vieler Menschen hat Landgraf kein Wort übrig.

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Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona. – Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“. – \“Ohephiah\“ ist der besondere Name von Jung-Stilling im Jenseits; siehe Anm. 2.

15 Zweites Vatikanisches Konzil der römisch-katholischen Kirche von 1962–1965 in Rom. Es versuchte, Missbräuche einzudämmen und dem theologischen Denken eine Wende zu geben. – Siehe hierzu mehr bei Joachim Piegsa (Hrsg.): Zweites Vatikanisches Konzil. Das bleibende Anliegen. St. Ottilien (EOS-Verlag) 1991 sowie zur Fortentwicklung Alfred E. Hierold (Hrsg.): Zweites Vatikanisches Konzil – Ende oder Anfang? Münster (Lit) 2004 (Bamberger theologisches Forum, Bd. 7).

God is great, and therefore he will be sought:
he is good, and therefore he will be found



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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