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Die Geistergestalt in Herdorf

veröffentlicht am

Deren Herkunft und Anlass des vollmondnächtigen Treibens dort erklärt durch den weitbelobten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

Lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – einschliesslich der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vorher seit 1778 mit gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule Kaiserslautern,

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst seit 1772 auch Arzt für Allgemeinmedizin, Obstetrik, Ophthalmologie und ab 1775 staatlich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass aus München vom 22. Juni 1784 der erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied.

Nach dem Gespräch mit verhilflichem englischem Beistand und ohne Verweilung behörigermassen niedergeschrieben, nunmehr aber gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Net gestellt, alle Leser dabei beständiger gÖttlicher Obhut und englischer Hülfe innigst empfehlend
von

Glaubrecht Andersieg
Lichthausen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Copyright zuletzt 2009 by Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). – Die gewerbliche Verwertung des nachstehenden Textes gesamthaft oder Teile daraus bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers.

mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Zusammentreffen mit Jung-Stilling In Berlin

Im Juni hatte ich Termin
Geschäftlich wieder zu Berlin.
Es war spätmittags noch sehr heiss,
Drum ass ich mit Genuss ein Eis.

Im Eiscafé gleich nebenan
Fiel auf am Tisch mir dort ein Mann.
Der schaute schon von Anbeginn
In einem fort stets zu mir hin.

Ich sah ihm näher ins Gesicht
Und traute meinen Augen nicht:
Wer zeigte sich als Gaffer dar
War Hofrat Jung1 ganz offenbar!

Er lachte mich nun schelmisch an
Und winkte mich zu sich heran.
Ich nahm mein Früchte-Eis-Gemisch
Und setzte mich an seinen Tisch.

\“Mir ist es eine grosse Freude
Zu treffen sie, Herr Hofrat2, heute!
Darf ich auch dieses Mal es wagen
Und sie – wie oft schon – etwas fragen?\“ —

\“Nur zu Herr Glaubrecht: ich bin ja
Zur Antwort eurer Fragen da!
Was möchtet heute ihr denn wissen?
Die Auskunft solltet ihr nicht missen.\“ –

Bericht über Gespenst in Herdorf wird erbeten.

\“Herr Hofrat, es gibt zweifelsfrei
Zu Herdorf3 nächtens Geisterei.
Dort zeigt sich eine Spukgestalt:
Bei Vollmond sie durch Fluren wallt.

Bestimmt ist ihnen ja bekannt,
Warum der Geist ist dort gebannt.
Sie würden sonders mich verpflichten,
Wenn sie mir davon heut berichten.\“ –

\“Herr Glaubrecht: hier weiss ich Bescheid
Und bin zur Auskunft gern bereit.
Ihr findet ähnliche Befunde
Dazu in meiner ‚Geisterkunde‘.4

Dort lege dar ausführlich ich,
Was hat mit Geistern es auf sich.
Doch will ich hier mich jetzt beschränken:
Mein Augenmerk auf Herdorf lenken.

Bergbau auf den Höhen entlang des Sottersbaches

Bei Herdorf3 längs dem Sottersbach5
Ein Gangsystem liegt dem Gefach,
Das schenkte Erz nebst gutem Lohn
Vor Zeiten manchem Bergmann schon.6

Einst suchten zwanzig Lachter7 tief
Zehn Muter8 im Gesteinsmassiv
Nach einem Erzgang, der dort sei
Nach alten Karten zweifelsfrei.

Es stand am Schachtmund9 eine Winde
Zum Heben der Gesteins-Gebinde.10
Die Rolle wand empor auch noch
Die Männer aus dem tiefen Loch.

Riss am Sperr-Rad der Winde tritt auf

Den Kurbeldienst am Mund versah
Der junge Ambros11 heute da.
Der merkte – ja es war gewiss! –
Am Sperr-Rad12 einen feinen Riss.

Man rief ihm hoch, dass wie ein Pfeil
Nach Herdorf er zum Bergschmied eil.
Der hielt auf seinem Lager-Platz
Für Haspel-Teile stets Ersatz.

In solchem Fall kam auf die Schnelle
Der Meister und auch sein Geselle.
Die unten wollten aus dem Alb:13
Der Bergschmied sputet sich deshalb.

Als Ambros just im Ort kommt an,
Begegnet ihm ein Zech-Kumpan.
Der lädt ihn in das Wirtshaus ein:
Bald sind sie voll mit süssem Wein.

Bergmann verunglückt bei Aufstieg

Die Hauer draussen im Betrieb
Vermuten bald, wo Ambros blieb.
Drum Johann packt das Winden-Seil,
Um hochzuklimmen alldieweil.

Auf halbem Weg das Sperr-Rad kracht:
Zurück stürzt Johann in den Schacht.
Der Schädel ihm gebrochen war:
Lag tot nun vor der Hauer Schar.

Als dann am Abend alle Zehn
Noch immer wurden nicht gesehn,
Schritt flugs zum Bergwerk man zuhauf:
Am Seil zog man die Männer auf.

Ambros entzieht sich der Rache durch die Bergleute

Die Neune waren voller Zorn,
Weil Johann hatten sie verlorn.
Ihn wollten sie noch heute rächen:
Dem Ambros alle Knochen brechen.

Doch dieser nahm – gewarnt – Reissaus,
Als wäre hinter ihm der Daus.14
Im Hauberg15 fand tagsdrauf ein Kind
Am Baume pendelnd ihn im Wind.

War Mord es? Freitod? Der Bericht
Kennt darauf klare Antwort nicht.
Und seltsam: aus dem Amts-Verwahr
Die Leiche nachts verschwunden war.

Ambros ist zum Herumgeistern bestraft

Behördlich ward verfügt zwar dann
Ermittlung, wer da brach den Bann.16
Trotz viel Verhörs man nichts erfuhr:
Vom Leichnam fand sich keine Spur.

Doch jeder, der in Herdorf wohnt,
Der weiss, dass stets bei vollem Mond
Der Ambros geistert durch den Ort:
An Zecher richtet er sein Wort.

Mit ihnen spricht er gern in Platt;
Für sie auch einen Schnaps er hat.
Wer trinkt davon, nach einem Jahr
Gewiss liegt auf der Totenbar.\“ —

Muss der Arme denn ewig herumgeistern?

\“Herr Hofrat Jung: das ist sehr hart,
Dass bis in unsre Gegenwart
Der arme Ambros noch als Geist
In Herdorf stets bei Vollmond kreist.

Kann niemand ihn denn von dem Bösen
Das einst er tat, zum Schluss erlösen?
Es muss doch einen Ausweg geben!
Wie kann man ihn des Fluchs entheben?

Auch dass, wer mit ihm etwas trinkt,
Nach einem Jahr zu Grabe sinkt,
Scheint Grund genug, dass diesem Geist
Vergebung endlich man erweist.\“ —

Bedingung zur Errettung in Herdorf kaum erfüllt

\“Befreien könnte Ambros der,
Wer kommt des Nachts ihm in die Quer
Und rät ihm, ohne Furcht zu ziehn
Südwestlich zu dem Friedhof hin.

Doch jetzt, Herr Glaubrecht, kommt der Haken:
Das Hindernis hier sozusagen:
Wer Ambros anspricht, müsste wohl
Im Blut sein frei von Alkohol.

Euch aber, Glaubrecht, ist bekannt
Wie sehr bei uns im Siegerland
Bereits zu meiner Jugendzeit
Die Sauferei sich machte breit.17

Bevor sie in die Kirche gingen,
Die Männer an der Flasche hingen;
Sie schliefen in der Kirche ein
Und schnarchten gar noch obendrein.18

Noch mehr als damals trinken heute
Unmengen Bier und Schnaps die Leute.
In Herdorf üppig wird getrunken:
Zuhaus wie auch in den Spelunken.

Zusammen mit Geist Siona19
Ich unlängst Herdorf mir besah.
Vor einem grossen Supermarkt
Sah viele Autos ich geparkt.

Des Biers in Mengen: schwere Kästen,
Sie in den Kofferräume pressten;
Dazu bemerkte ich in Taschen
Geschwader auch von Weinband-Flaschen.

Der langen Rede kurzer Sinn:
Hier ziemlich sicher ich mir bin,
Dass Ambros lange noch als Geist
Durch Herdorfs Fluren vollmonds kreist.

Ihr, Glaubrecht, nunmehr alles wisst,
Wie es um das Gespenst dort ist,
Nach dem ihr eingangs mich gefragt:
Ich habe alles euch gesagt.

Jung-Stilling verabschiedet sich

Doch jetzt muss ich von dannen gehen:
Nach einem Patienten sehen.
Sein rechtes Auge ständig tränt:
Nach Heilung der sich innig sehnt.

Des Mannes Vorfahrn baten mich,
Dass helfe diesem Armen ich.
Ich weiss, dass ich hier heilen kann:
Gesund das Auge wird sodann.20

Bleibt, Stillings-Freund,21 stets im Gebet,
Das GOttes reiche Huld erfleht
Auf unser schönes Siegerland,
Dem ich bin ewig zugewandt.

Schreibt bitte im Hotel ihr auf
Gleich unseres Gesprächs Verlauf,
Und stellt das alles dann komplett
Zum Download frei ins Internet.

Fügt hier auch wieder Noten an,
Aus denen man entnehmen kann,
Wie es mit Namen, Orten steht,
Um die es sich im Text hier dreht.

Ich werde bitten Siona19
Dass sie tritt abermals euch nah
Wenn ihr in Reime alles giesst,
Weil so es sich gefällig liest.\“

Ich sehe bei dem letzten Satz
Jung-Stilling noch auf seinem Platz.
Doch plötzlich löst er sich nun auf:
Entzieht sich so dem Erdenlauf.

Sein Körper hell beginnt zu flimmern,
Um dann allmählich zu verschimmern.
Der Stuhl, auf dem er sass vorher
Verlassen nunmehr war und leer.

Zuvor fiel zuckend mehrmals ein
Auf diesen Ort noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront.

Niederschrift der Belehrung entsteht

Zurück in meinem Gasthof dann
Warf gleich ich meinen Laptop an
Und schrieb, was im Café mir kund
Vorab noch planlos, kunterbunt.

Am nächsten Tag geordnet fand
Ich Text und Reim von fremder Hand.
Ganz sicher diesen Dienst versah
Auf Stillings Wunsch Geist Siona.

Ich danke hierfür sehr dem Engel,
Doch zeihe mich man aller Mängel.
Geschimpfe, Schmäh und Wutgeschrei
Sind Glaubrecht aber einerlei.

Anmerkungen, Quellen samt einige nützliche Literaturverweise

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register.

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein. Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den rund 24 Kilometer langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zentrum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet. – Die Littfe ihrerseits wird im Ortsgebiet von Littfeld von Osten durch den Heimkäuser Bach (offizieller Name im Gewässerverzeichnis des Landes NRW: Die Heimkaus, 4,7 Kilometer lang) und von Westen durch den Limbach (2,1 Kilometer lang) gespeist.

Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort \“Let\“ für \“Lehm\“. Die in vielen Gewässernamen der Gegend vorzufindende Endsilbe \“-phe\“ ist die sprachlich abgeschliffene Form von \“apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser herausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Dieser wurde in letzte Zeit wiederholt auf Erden gesehen. Siehe die entsprechenden Erscheinungsberichte aufgezählt bei Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 97 f., als Download-File kostenlos unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/merk/stilling> abrufbar.

In kürzerer Form orientiert über das Leben von Jung-Stilling auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. – Mehr die innere Entwicklung von Jung-Stilling schildert sehr einfühlsam Otto W. Hahn: \“Selig sind, die das Heimweh haben.\“ Johann Heinrich Jung-Stilling: Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999 (Geistliche Klassiker, Bd. 4).

Über eine frühere Sichtbarwerdungen von Jung-Stilling in Berlin siehe den Bericht bei <http://www.uni-siegen.de/merk/stilling>

2 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften in kurpfälzischen Diensten durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalzbayern (1724/1742-1799) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Begünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schlagbäumen, Schildwachen, Stadttoren, Übergängen, Brücken sowie an den seinerzeit auch innerlands zahlreichen Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die seinerzeitige Schiffahrts-Rinne) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin in Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichs¬tags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (später traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronerbe Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte der Markgraf von Baden bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um ein Mehrfaches. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über. – Wenige Jahre später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

Mit dem dadurch veranlassten Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde auch gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuss des bisherigen Rangs\“) der Jung-Stilling verliehene Titel \“kurpfälzischer Hofrat\“ DE JURE PUBLICO automatisch zum \“badischen Hofrat.\“

Zu Beginn des Jahres 1808 wird Jung-Stilling als Berater des Grossherzogs von Baden in Karlsruhe dann (\“ohne mein Suchen und Wünschen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (Anm. 10).

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27. – Bis anhin ist nicht geklärt, wer diese Schrift verfasst hat. Im Vorwort heisst es: \“Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, [so!] die ihr ja auch Christus=Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet. Ihr werdet es nicht lächerlich, nicht unschicklich finden, dass sie so spät erst nach dem Hinscheid [so!] des Unvergesslichen erscheinen, wenn ich euch zum Voraus sage: dass ich, als Weib vorerst Männer ausreden lassen – abwarten wollte mit weiblicher Bescheidenheit, was solche zum Denkmal des Allgeliebten aufstellen würden\“ (Orthographie wie im Original).

Jung-Stilling stand nach seinem frei gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 mit einem Ehrensold im Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

3 Herdorf = Stadt (seit 1981) im Kreis Altenkirchen, im ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz mit (im Jahr 2008) etwa 7 500 Einwohnern südwestlich von Siegen. Die Stadt befindet sich im Tal der Heller und wird meistens zum Siegerland gezählt.

Die Heller entquillt im Staatsforst Haiger (Bundesland Hessen) in etwa 490 Meter auf der Höhe Sinnerhöfchen und gibt ab dem Ort Wasserscheide (heute Teil der Gemeinde Burbach, Kreis Siegen-Wittgenstein) einem kurvenreichen Tal seinen Namen. Die 32,2 Kilometer lange Heller füllt sich durch mehrere wasserreiche Bäche (Siegenbach, Höhbörnchen, Bachseifen, Ginnerbach, Burbach, Buchheller, Gilsbach, Mischenbach, Wildebach, Seelbach, Dermbach, Sottersbach, Daade, Steinebach) aus dem über dem Tal liegenden Höhen, ehe sie auf etwa 190 Meter Höhe in die Sieg bei Betzdorf mündet.

Durch das Tal führt eine Bahnlinie, die 42 Kilometer lange, nach 1980 auf eingleisigen Betrieb zurückgebaute Hellertalbahn. Diese wurde in den Jahren 1859 bis 1862 als Hauptbahn von Köln-Deutz nach Giessen in mehreren Abschnitten durch die Cöln-Mindener-Eisenbahngesellschaft errichtet. Sie war bis 1870 vollständig zweigleisig ausgebaut. – Die Strecke verläuft von Betzdorf (Sieg) über Herdorf, Neunkirchen (Siegerland), Burbach (Siegerland) und Haiger bis Dillenburg. Die Endstationen der Strecke liegen in Rheinland-Pfalz (Betzdorf) und Hessen (Dillenburg). Zwischen Struthütten und Niederdresselndorf verläuft die Strecke im Bundesland Nordrhein-Westfalen. – Siehe hierzu Gerhard Schäfer: Die Talbahn im Freien Grund. Die Geschichte der Freien Grunder Eisenbahn. Freiburg im Breisgau (EK-Verlag) 1998 mit zahlreichen graphischen Darstellungen (Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Bd. 24).

Siehe Otto Kipping: Herdorf. Geschichte des Grenzraumes Siegerland – Westerwald. Porträt einer Großgemeinde am nördlichen Fuße des Westerwaldes, zugleich eine Heimatdokumentation, die weit über Herdorf hinaus die Landschaft beschreibt und Erinnerungen an die Eigenart und Lebensweise ihrer Bevölkerung wachhält. Kirchen/Siegen (Hebel) 1978 und zur Geschichte auch Thorsten Stahl: Herdorf. Wie es früher einmal war. Siegen (Vorländer) 2006 und die dort angegebene Literatur, Otto Braun (Hrsg.): Herdorf. Dermbach, Herdorf, Sassenroth in alten Bildner. Neunkirchen (Braun) 1981 sowie Hans Gleichmann: Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen, Herdorf-Sassenroth. Speyer 1990 (Reihe Museen in Rheinland-Pfalz, Bd, 5) mit vielen Abbildungen und Literatur-Verzeichnis (S. 182 ff.).

Unter \“Siegerland\“ versteht man heute in der Regel den –  Altkreis Siegen des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein im Regierungsbezirk Arnsberg des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie –  den sich westlich anschliessenden so genannten \“Oberkreis\“ des Landkreises Altenkirchen im ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz; siehe zu den Verflechtungen mit vielen Karten und Übersichten Franz Petri, Otto Lucas, Peter Schöller: Das Siegerland. Geschichte, Strukturen und Funktionen. Münster (Aschendorff) 1955 (Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volkskunde; Reihe 1, Heft 5).

\“Oberkreis\“ bezieht sich auf den nördlichen Teil des Kreises Altenkirchen (der Norden wird geographisch gemeinhin mit \“oben\“ gekennzeichnet); nach anderen leitet sich die Bezeichnung vom oberen Verlauf der Sieg her. Dieser \“Oberkreis\“ ist sowohl geographisch als auch wirtschaftlich dem Siegerland zuzuordnen, und als \“heimliche Hauptstadt\“ des Oberkreises gilt Betzdorf (Sieg); siehe Thomas Bartolosch et al.: Glücklich im Centrum gelegen. Alsdorf, Betzdorf, Grünebach, Scheuerfeld und Wallmenroth: Aufstieg zum Mittelpunkt zwischen Siegerland und Westerwald. Siegen (Koch) 1986.

Geologisch gehört das Siegerland zum rechtsrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges, dessen wichtigstes Zentrum die Stadt Siegen ist. Sowohl Landschafts- als auch Stadtnamen gehen auf die Sieg zurück: ein 155 Kilometer langer, nicht schiffbarer rechter Nebenfluss des Rheins, der in einer Quellhöhe von 603 Meter im Rothaargebirge entspringt, bei Siegburg (in Menden, heute Teil der Stadt Sankt Augustin: einer Stadtgemeinde, die Rahmen der kommunalen Neugliederung 1969 entstand) in einer Mündungshöhe von 50 Meter sich in den Rhein ergiesst. – Die Sieg wird durch eine Reihe wasserreicher Zuläufe gespeist; vor allem Ferndorfbach, Wisser Bach, Bröl, Wahnbach, Agger (rechts der Sieg) und Weiss, Scheldebach, Heller, Elbbach, Nister, Etzbach, Eipbach, Hanfbach, Pleisbach (links des Flusses).

Der Flussname Sieg hat übrigens keinen Bezug zu \“Sieg\“ im Sinne von \“Triumph, Erfolg\“, wie manchmal zu lesen ist. Vielmehr leitet sich \“Sieg\“ ab von dem keltischen Wort SIKKERE, was soviel bedeutet wie \“schneller Fluss“. Verwandt damit ist der Paris durchfliessende Fluss Seine: ebenfalls vom keltischen Wort SIKKERE abgeleitet.

\“Ehemaliger Regierungsbezirk Koblenz\“ deshalb, weil in Rheinland-Pfalz mit der sog. \“Umstrukturierung\“ der Landesverwaltung zum 1. Jänner 2000 die Regierungsbezirke aufgelöst wurden. Die Bezirksregierungen überführte man in –  die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als Mittler zwischen der Landesregierung und der kommunalen Selbstverwaltung beziehungsweise –  die Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) Nord und Süd, die nun als Mittelinstanzen mit funktionaler, zweckgerichteter (also nicht mehr räumlicher) Zuständigkeit ausgestattet sind. – Inwieweit und ob überhaupt diese \“Umstrukturierung\“ die angepeilten Ziele (vor allem: sparsamere Verwaltung; mehr Bürgernähe) erreicht hat bzw. je erreichen wird, ist umstritten.

4 Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters.

Die \“Theorie der Geister=Kunde\“ von Jung-Stilling wurde seither bis in unsere Tage in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch –  1812 ins Schwedische (veranlasst durch Prinz Karl von Hessen-Kassel [1744–1836], mit dem Jung-Stilling zu jener Zeit in enger Verbindung stand); –  1814 ins Niederländische (durch Joan Petrus Kleyn [1760–1805]), –  1834 ins Englische (durch Samuel Jackson aus Tulse Hill, heute Stadtteil von London) sowie –  1851 ins Amerikanische (durch Pfarrer George Bush) und –  1862 auch ins Französische übersetzt. – Für die deutschsprachigen Leser in den Vereinigten Staaten kam 1816 eine Ausgabe bei dem Verleger Heinrich B. Sage in Reading, Pennsylvania heraus; Jung-Stilling hatte dort eine ansehnliche Lesergemeinde, und Sage brachte auch andere Werke von Jung-Stilling dort zum Druck. – Siehe hierzu und zur Jung-Stilling-Literatur gesamthaft die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

Dazu ist zu diesem Themenkreis nützlich Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7 Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999 sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrg. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993.

5 Der in Herdorf mündende Sottersbach sowie die weiter westlich verlaufende und am östlichen Ortstrand von Alsdorf (politisch selbständige Ortsgemeinde in der Verbandesgemeinde Betzdorf) mündende Daade sind linke Zuflüsse in die Heller; siehe Anmerkung 3. – Auf den Höhen rechts und links des Sotterbaches befinden sich zahlreiche, teils in die graue Vorzeit zurückreichende Gruben und Schächte. Der Montanbau in Herdorf wurde 1962 eingestellt; siehe Jahrbuch des deutschen Bergbaus, Bd. 55 (1962), S. 371.

Aus der Fülle der bezüglichen Literatur seien neben den in Anmerkung 3 vorgestellten Werken genannt Heinz-Werner Krah: Erinnerungen aus meiner bergmännischen Zeit. Bergbau m Siegerland, am Beispiel der Grube San Fernando/Wolf, Herdorf, 2. Aufl. Siegen (Vorländer) 2005 (mit vielen Karten und Abbildungen) sowie die sehr persönliche, anschauliche Schilderung von Titus Kötting: Mein Leben als Bergmann. Das Buch zum Hören. Betzdorf (Amadeusmedien) 2005 (Hörbuch).

6 Siehe hierzu auch mit zahlreichen Statistiken und Karten Ulrich Haas: Wandlungen der wirtschafts- und sozialgeographischen Struktur des Siegerlandes im 2. Viertel des 20. Jahrhunderts. Remagen (Bundesanstalt für Landeskunde) 1954, insbes. S. 22 ff. (Forschungen zur deutschen Landeskunde, Bd. 108).

7 Lachter = überkommene Masseinheit im Bergbau, im Jahr 1872 innert des Gebietes des Deutschen Reichs durch das Metermass abgelöst. Bei der Metrifikation wurde festgelegt: 1 Lachter = 2,0924 Meter.

8 Muter = Ausbeutungsberechtigter; Mutung heisst das Gesuch bei der zuständigen Behörde um bergmännische Ausbeutung Der Ausdruck leitet sich ab von \“muten\“ = begehren.

9 Mund = obere Öffnung (Einstieg) eines Schachtes.

10 Gebinde = fassförmige Behältnisse. – Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde durch Johann Heinrich Jung (1711-1786) dem Patenonkel von Jung-Stilling, eine Fördermaschine entwickelt. – Siehe hierzu Johann Philipp Becher: Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande nebst einer Geschichte des Siegenschen Hütten- und Hammerwesens, 2. Aufl. Dillenburg (Seel-Weidenbach) 1902, S. 263. Über Bergmeister Johann Heinrich Jung und seine Leistungen für den Bergbau siehe Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung. Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

11 Der Heilige Ambrosius, Bischof von Mailand (339–397) ist als Sohn des höchsten Staatsbeamten (Präfekten) von Gallien wahrscheinlich in Trier geboren. Daher war der Vorname Ambros(ius) in der Diözese Trier verbreitet. Zudem ist der Heilige Ambrosius auch Patron (Schutzherr) der Imker, Wachszieher und Lebkuchenbäcker. Siehe Friedrich Wilhelm Bautz: Artikel: \“Ambrosius, Bischof von Mailand\“ in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 1. Hamm (Bautz), Sp. 142 ff.

Herdorf gehört katholischerseits zur Diözese Trier, und zwar zum Dekanat Kirchen in der sog. \“Trierschen Insel\“ im Westerwald, an Wied und Sieg, einer geschichtlich entstandenen Enklave der Diözese Trier. Die katholische Pfarrkirche in Herdorf hat den Heiligen Aloysius zum Patron. – Evangelischerseits entstand erst 1986 in Herdorf eine eigenständige Pfarrei; siehe Günter Furchtmann: 100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Herdorf, Struthütten. Festsschrift aus Anlaß der 1986 erfolgten Auspfarrung aus der Mutterkirche Daaden und der Erhebung zur selbständigen Kirchengemeinde Herdorf, Struthütten innerhalb der Kreissynode Altenkirchen. Herdorf/Struthütten (Evangelische Kirchengemeinde) 1986. – Siehe auch Josef Hoffmann (Hrsg.): Herdorfer Heimatbuch. Siegerländer Wirtschaft, Landschaft und Volkstum im Herdorfer Raum. Betzdorf (Hacker) 1950.

12 Sperr-Rad = Teil der Winde, der es erlaubt, mittels einer Klinke die Trommel zu arretieren bzw. zu freizumachen.

13 Alb = Berg, Tiefe; in dieser Bedeutung noch erhalten in vielen Gemarkungsnamen, wie etwa \“Schwäbisch Alb.\“

14 Daus = verhüllender Ausdruck für Teufel. – In anderer Bedeutung auch –  ein tüchtiger Mensch und –  neuerdings daneben als Abkürzung für \“dümmster anzunehmender User\“ und davon wieder –  IT-DAUs als unbestimmtes, meistens auf mit den modernen Medien nicht so sehr vertrauten Mitmenschen bezogenes Schimpfwort, bedeutungsgleich mit Lowpinger (ursprünglich nur bezogen auf Online-Spieler mit kurzen Ping-Antwortzeiten), –  ein Ass (Karte mit dem höchsten Zahlwert) im Kartenspiel und –  zwei Augen im Würfelspiel (von französischen DEUX; das Daus, Mehrzahl Däuser, war nämlich ursprünglich die Zwei).

15 Hauberg = genossenschaftlich betriebener Niederwald , besonders zwecks Gewinnung von Holzkohle zur Erzverhüttung. – Siehe Hugo Wingen: Energie aus dem Hauberg. Siegen (Höpner) 1982 (mit vielen Abbildungen), Alfred Becker: Der Siegerländer Hauberg. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer Waldwirtschaftsform. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1991 (mit Literatur-Verzeichnis, S. 105 ff.) sowie mehr rechtgeschichtlich auch Josef Lorsbach: Hauberge und Haubergsgenossenschaften des Siegerlandes. Karlsruhe (Müller) 1956 (Quellen und Studien des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Münster, Bd. 10) mit mehreren Falttafeln.

16 Bann = hier: behördliche Verwahrung.

17 Siehe hierzu zur Alkoholsucht Johann Heinrich Jung-Stilling: Gesellschaftliche Mißstände. Eine Blütenlese aus dem \“Volkslehrer\“, neu hrsg., eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Gerhard Merk. Berlin (Duncker & Humblot) 1990, S. 40 ff.

18 \“Sie gehen ins Kirchdorf und setzen sich dort zunächst einmal ins Wirtshaus. Hier trinken sie Branntwein, ein Glas nach dem anderen. Davon steigt ihnen dann der Rausch in den Kopf. Wenn es aufhört zu läuten, so gehen sie mit dem Rausch in die Kirche. Bald werden sie schläfrig, legen sich auf einen Arm hin und schlafen, daß sie schnarchen\“, berichtet aus Erfahrung Johann Heinrich Jung-Stilling: Gesellschaftliche Mißstände (Anmerkung 17), S. 117.

19 Begleitengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Der Engel zeigte sich Jung-Stilling zu dessen Lebzeiten, entrückte ihn ins Jenseits und diktierte ihm auch in die Feder. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert.\“) sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1818, Prolog (Siona begleitet Jung-Stilling in das Himmelreich) und passim.

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling während der letzen Zeit wurde Siona häufig in seiner Begleitung gesehen. Siehe beispielsweise –  Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, S. 31, S. 35, S. 38, S. 57, S. 81, S. 87; –  Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 13, S. 20, S. 28, S. 36, S. 74, S. 108, S. 115, S. 133; –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989, S. 64, S.96, S. 167 oder –  Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittels zutätiger englischer Gunst wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996, S. 12 ff., als Download-File zum privaten Gebrauch unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/merk> abrufbar, freilich ohne die der Druckausgabe beigegebenen Abbildungen.

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen.

Jung-Stilling spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm –  als Engel – oft ungesehen – \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301) mit ausführlichem Literaturverzeichnis (S. 113 ff.); Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003, sowie im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

20 Jung-Stilling galt als einer der geschicktesten Ophthalmo-Chirurgen seiner Zeit. Er hat ungefähr 3 000 Menschen durch Operation aus der Blindheit befreit. Mehr als 25 000 Menschen dürfte er augenärztlichen Rat angedient haben. – Als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg hielt Jung-Stilling auch Übungen zur Operationstechnik an der medizinischen Fakultät ab und verfasste hierzu ein eigenes Lehrbuch.

Siehe zu dieser Seite seines erfolgreichen und gesegneten Wirkens —  Johann Heinrich Jung-Stilling: Geschichte meiner Staar Curen und Heylung anderer Augenkrankheiten, hrsg. von Gerhard Berneaud-Kötz. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992; —  Gerhard Berneaud-Kötz: Kausaltheorien zur Starentstehung vor 250 Jahren Eine Auswertung der Krankengeschichten und Operationsprotokolle von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 und die dort (S. 95 ff.) angegebene Literatur sowie —  Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996.

Übrigens hat Jung-Stilling noch in seinem 76. Altersjahr als Augenchirurg gewirkt. Im Sommer 1816 gab er 17 Blinden das Augenlicht wieder; siehe Wilhelm Heinrich Elias Schwarz: Vater Stilling’s Lebensende, beschrieben von seinem Enkel, in: Johann Heinrich Jung’s, genannt Stilling sämmtliche Werke. Neue vollständige Ausgabe, Bd. 1. Stuttgart (Scheible, Rieger & Sattler) 1843, S. 799.

Von Interesse ist, dass Jung-Stilling – wie übrigens auch sein Freund Johann Wolfgang Goethe – selbst im hohen Alter offenbar keiner Brille bedurfte. Jung-Stilling hatte wahrscheinlich ein kurzsichtiges und ein normalsichtiges Auge. Mit dem kurzsichtigen Auge sieht man in der Nähe gut, mit dem normalsichtigen in der Ferne. Das Gehirn wählt immer das Bild, das im Augenblick scharf ist. – Operativ kann heute eine solche \“Monovision\“ erreicht werden, was dann bei Gelingen der Operation eine Brille entbehrlich macht.

21 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger (\“Fan\“: dieses heute gebräuchliche Wort vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) oder auch nur –  wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch  \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 316.

What greater disaster can come upon a nation than
the lack of engaged clergymen and clergywomen!



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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