Erpressungspotential (potential of pressure, potentiality of blackmail)

Nach 2010 in Bezug auf den Finanzmarkt aufgekommene abträglich gemeinte Bezeichnung. Es soll damit ausgedrückt werden, dass die internationalen Anleger sehr genau auf die Wirtschaftspolitik eines Landes achten. Wenn volkswirtschaftlich offenkundig jetzt oder in Zukunft nachteilige Entscheidungen – in erster Linie “Ankurbelung” des Konsums (expansion of consumption) zu Lasten der Ausgaben zur Erweiterung und Verbesserung des Kapitalstocks – getroffen oder auch zunächst bloss in Wahlkämpfen von Spitzenkandidaten (leadership candidates, front-runners) angekündigt werden, dann sinkt das Vertrauen der weltweiten Anleger. Sie verkaufen entsprechende Papiere, vor allem Staatsanleihen dieses Landes. Die Rating-Agenturen stufen in einem die Bonität des betreffenden Staates herab. Das hat zur Folge, dass zur Aufnahme neuer Schulden höhere Zinsen bezahlt werden müssen. – Politiker und mit ihnen der Grossteil der Medien schelten jetzt erfahrungsgemäss die Finanzmärkte und die Rating-Agenturen. Sie sind der gemeinsame Feind (common enemy). Forderungen nach deren Regulierung – sprich: Mundtotmachung (forced muzzling) – werden allenthalben mit grossem öffentlichem Beifall (public applause) erhoben. – Dass hier die Wirkung mit der Ursache vertauscht wurde, zeigt zwar die Verstand. Leider jedoch lehrt die Wirtschaftsgeschichte, dass es fast immer langer Jahre bis zu der Einsicht bedarf, dass nicht finstere internationale Mächte (international dark forces), sondern das unvernünftige Handeln im eigenen Land für den Wohlstandsabstieg (loss of prosperity) ursächlich ist. – Siehe Bankokratie, Blame Game, Europäischer Abwicklungsfonds, Finanzasophie, Finanzpsychologie, Griechenland-Krise, Know-Nots, Shitstorm, Strukturreformen, Verschwörungstheorien, Wettbewerbsfähigkeit, Zombiebank.

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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