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Wie hängen Leib und Seele zusammen?

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Diese Kernfrage grundlegend beantwortet in einem nachtodlichen Gespräch mit dem hochgelehrten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat.
durch Verlehung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; hiebevor bis 1787 Professor für Angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Veterinärmedizin – an der Universität Heidelberg und anvorderst seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule in Kaiserslautern;

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch seit 1772 Arzt für Allgemeinmedizin. Geburtshilfe, Augenkrankheiten und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät, der Könglichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/oder, sowie auch der erlauchten kurpfälzischen
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Nach dem Gespräch dank dienstbereiter englischer Mithilfe auftragsgemässs niedergeschrieben und ins World Wide Web gestellt, so dass es jeglicher nunmehr hier, gereimt in vierfüssige Jamben, zur Nutz und Fromm lesen kann
von

Reimauch Ohnedank
Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

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Jung-Stilling sagt der Doppelkörperlehre ab und begründet den Hylemorphismus

Jung-Stilling zeigt sich im Forst bei Florenburg (Hochborn)

Stark keuchend schob ich hoch mein Rad
Des nachmittags im Sommer grad
Nächst Florenburg1 in einem Wald:
Da sah ich eine Geist-Gestalt!

Sie huschte schwebend auf mich zu,
Erreichte mich dann auch im Nu.
Ich spürte doch Erleichterung:
Der Geist war – Hofrat Doktor Jung!2

\“Herr Hofrat Jung\“, so grüsste ich,
\“Ich fühle froh und glücklich mich,
Sie wieder nieden heut zu sehen.
Im Ätherleib durch Fluren gehen,
Die einstens ihnen Heimat waren!3
Darf ich von ihnen gleich erfahren,
Was sie in diese Gegend zieht?
Denn grundlos dies wohl nicht geschieht.\“–

Die Lehre vom Ätherleib ist falsch

\“Herr Reimauch: redet keinen Stuss!4
Bestimmt ich von mir weisen muss,
Dass hier im `Ätherleib´ ich sei:
Der `Ätherleib´ ist Narretei!\“ –

\“Herr Hofrat: ich leg bloss zu Grunde,
Was steht in ihrer `Geister=Kunde‘5
Hier lehren sie doch zweifelsfrei,
Dass jedem Mensch ein solcher sei.\“ –

Dreistufenlehre auch in der „Theorie der Geister=Kunde“

\“Was dort ich schrieb ist falsch und irr;
Die Dreierlehre ein Gewirr!
Sie sagt, dass drei Prinzipien walten,
Die einen Menschen so gestalten:

(1) Ein Körper, ganz materiell,
Organ ist, Träger und Gestell

(2) Erst für ein Zweites, nämlich Geist,
Der auch Prinzip und Urgrund heisst
Für Willen nebst Intelligenz;
Er ist so Kern der Existenz;

(3) Sodann für Drittes; dieses Dritte
`Astralleib´ heisst, `Prinzip der Mitte´,
Auch `Doppelkörper´, `Perisprit´
Und `Ätherleib´; man meint damit:
Ein eigenes Prinzip, das sich
Erweist als weder körperlich
Noch geistig; drum ein Bindeglied,
Das sich durch Geist und Körper zieht.

Der Perisprit ist stofflich fein
Und schliesst die Chance in sich ein,
Dass Geist auch zu dem Körper findet:
Er so sie festhält, kettet, bindet.
Indem er beide dicht durchdringt,
Ihm solches Koppeln auch gelingt.

Der Ätherleib kann sich nun trennen,
Allein in ferne Räume rennen,
Wie in vergangne Zeiten fliehen,
Auch leicht auf Geister sich beziehen.

Wenn Ätherleib ist isoliert,
So ist er sichtbar ausgeziert
Mit jenem Körper, den er bindet
Und dem er nunmehr sich entwindet.

Drum er auch `Doppelkörper‘ heisst;6
Selbst Freunden er sich ganz erweist
Als dieser Mensch, den kennt man gut:
Man schwört, er sei in Fleisch und Blut.

Und doch trügt hier der blosse Schein:
Der Äther ist geprägt so fein,
Dass er dem Körper ganz entspricht:
Er ist geronnen, fest und dicht.

Spiritismus jeder Schattierung leugnet die Geistigkeit der Seele

Doch dieses alles ist Humbug:
Der Spiritismus Lug und Trug;
Mit ihm die Doppelkörper-Schule:7
Ein Spritzer aus dem Höllen- Pfuhle!

Hier wird der Seele Geistigkeit
Geleugnet mit Durchtriebenheit;
Nicht, dass sie würde abgestritten:
Verdreht wird sie, gebeugt, verschnitten!
Just so entsteht ein Menschenbild,
Dem GOttes-Kindschaft gar nichts gilt.

Was diesem Bild am meisten fehle?
Die nicht-materielle Seele,
Die – fest verbunden mit dem Leib –
In Ewigkeit hat doch Verbleib:
Geschenkt von GOtt dem Fötus schon,
Beginn und Grundstein der Person:
Der GOttes-Kindschaft drum Garant,
Der Auferstehung Unterpfand.

Jung-Stilling bedauert, hier nicht klar gesehen zu haben

Es tut mir heute höchlich leid,
Dass ich zu meiner Erdenzeit
Vom Spiritismus ward verwirrt,
Mich habe arg drum auch verirrt
Ins Wunderliche, Kunterbunte
In meinem Werk zur Geister=Kunde.

Im Grunde ist hier schuld daran,
Dass überhaupt ich nicht besann,
Was schrieb der grosse Stagirite.8
Es war zu meinen Tagen Sitte,
Zu wähnen, das sei alles Käse.
Wer immer seine Werke läse,
Der fiele in das Heidentum.
Man sah nicht, dass dem Altertum
Durch GOtt auch Offenbarung ward,
Die auf Bedacht der Christen harrt.9

Erst recht galt alles als missraten,
Was immer kam vom Aquinaten.10
Man warf zu Unrecht diesem vor,
Dass er in Baalsdienst sich verlor;
Hielt vor ihm, dass er hat verwischt
Die JEsusbotschaft, weil vermischt
Mit griechisch-heidnischen Ideen:
Sie so mit Irrung tat versehen.

Doch, lieber Stillings-Freund,11 dies ist
Verleumdung, wie ihr sicher wisst.
Die reformierten Prädikaten
In ihrem dreisten Stolz verkannten,
Dass GOtt in SEiner Majestät
Abseits der Bibel auch besteht!

Die Bibel ist nicht einzige Erkenntnisquelle

Ja, oft hört selbst man auch noch heute,
Die Bibel schlösse ein und deute
Das Wort, das GOtt zu Menschen richtet:
Bloss s i e drum alles Dunkel lichtet.
Die Bibel halte in Verwahrung
In allem ganz die Offenbarung.

Gerade das ist Bibel nicht!
Tatsächlich ist sie ein Bericht,
Wie Menschen durch die Zeiten glaubten
Vertraun zu GOtt dem HErrn behaupten.
Sie sagt an keiner einzgen Stelle,
Dass sie die unbedingte Quelle
Der Botschaft GOttes unsres HErrn
Und Denken führe von ihm fern.12

Nicht selten macht der Aquinate
Auf einer Seite so viel grade
Von GOttes Wesen uns plausibel,
Wie lange Chroniken der Bibel.

Die Schrift spricht selten klar und scharf:
Erklärung daher sie bedarf.
Wie oft nun aus bloss einer Stelle
Konträrer Lehrsatz, Richtschnur quelle,
Ist euch bekannt aus der Dogmatik
Und Exegese Problematik.

Doch sah ich alles dies erst ein,
Als ward mein Blick ganz klar und rein.
Ich habe nieden einst gefehlt,
War tief von Irrtum hier beseelt.\“ –

Starrköpfigkeit der reinen Bibelgläubigen

\“Herr Hofrat Jung: als Calvinist
Man weiss, dass Irren menschlich ist.
Auch scheint dem Dunstbild zugewandt
Speziell bei uns oft der Verstand.
Verdeckt wird Dürftigkeit an Kenntnis
Durch `evangelisches Verständnis´
Als Formel, welche Einsicht wehrt,
Zurückweist alles, was GOtt lehrt
Abseits der Kirche und der Bibel:
Das macht verbohrt und inflexibel. –

Bitte um nähere Erklärung durch Jung-Stilling

Doch eben sagten sie am Rande,
Der Körper sei der Seele Bande.
Ich bitte diesmal herzlich sie:
Erklären sie das Was und Wie!\“ –

\“Herr Reimauch: das sind schwere Fragen!
Ich muss Erklärung mir versagen.
Denn euer Denken ist zu flach,
Verstand bei euch auch viel zu schwach,
Um diese Dinge einzusehen –
Gar ihnen auf den Grund zu gehen.

Die Stillings-Freunde, die dies lesen:
Sie sind wie ihr von gleichem Wesen.
Um dies Problem ganz zu kapieren,
Muss folgern man und reflektieren
Solange man auf Erden ist;
In GOtt man erst es ganz ermisst.\“ –

Kann man diese Verbindung von Leib und Seele nieden überhaupt verstandesmässig erkennen?

\“Herr Hofrat: ziemlich schroff das klingt!
Sie sagen hier doch leicht geschminkt:
Ich sei, wie jeder Stillings-Freund,
Mit kargem Scharfsinn bloss umzäunt.

Sind fuchtig etwa darob sie,
Weil ihnen man nicht Kraft verlieh,
Die Dinge richtig einzusehen,
So dass auch sie das nicht verstehen?\“ –

\“Ich habe Stillings-Freunde gern;
Drum liegt es mir auch völlig fern,
Dass je ich antät ihnen Glimpf,
Gar schmähte diese noch mit Schimpf.

Es steht hier vielmehr das Problem,
Dass diese Fragen ohnedem
In sich schon reichlich schwierig sind.
Hinzu tritt, dass wenn man sie sinnt,
Die Alltags-Sprache nicht mehr reicht,
Weil diese ist zu schlaff und seicht,
Um Denkeinheiten zu benennen,
Die dazu aber muss man kennen.
Das Denken hier braucht ziemlich weit
Besondere Begrifflichkeit.\“–

\“Herr Hofrat Jung: in ihren Schriften
Begrifflich sie stets Klarheit stiften
Durch deutliche Definition
Am Anfang eines Themas schon.

Wenn sie auch jetzt so gut erklären,
Lässt leicht sich Missverständnis wehren.
Nochmals, ich bitte herzlich sie:
Erklären sie das Was und Wie
Des Ganzen, das den Mensch macht aus!
Ist Körper den der Seele Haus?\“ –

Jung-Stilling versucht Erklärung: Substanz-Begriff

\“Nun gut, ich mache mich daran;
GOtt schenke, dass ich es auch kann!

(1) Im Mensch ist etwas, das dort lebt
Ernährt sich, Sinnenreize webt,
Begierden hat, sich freut und leidet,
In jedermann ist ausgebreitet.
Dies nennt zu Recht man voll und ganz
Die leiblich-dinghafte Substanz.
Oft sagt man einfach `Körper´ nur –
Gemeint ist mehr, als bloss Figur.

(2) Indes ist in uns etwas auch
Prinzip für geistigen Gebrauch:
Begriffe, Schlüsse, Reflexion,
Für Willenslenkung und Aktion.

Man heisst im Menschen jene Kraft,
Die Denken und Entscheidung schafft,
Die Seele, geistige Substanz,
Des Wollens, der Vernunft Instanz.

(3) Dasselbe Ich erkennt von sich,
Dass denkt es u n d ist körperlich!
Zwei Fragen wirft dies auf sogleich,
An Rätselhaftem überreich:

 Wie Leib und Seele bilden können
Ein Ganzes, wie sie das begönnen?
Das Faktum der Verbindung ist
Erfragt hier, wie ihr ja schon wisst.

 Die zweite Frage muss dann heissen:
Auf welche Art, auf welche Weisen
Ist Seele mit dem Leib verbunden?
Dies gilt genau es zu erkunden.

Ganzheit von Leib und Seele und Art der Verbindung

(a) Als Antwort auf die erste Frage
Vorab ich euch in Kürze sage:
Das sinnlich-leibliche Subjekt
Ist mit der Seele so bedeckt,
Dass beide einzige Natur,
Allein Person, Substanz sind nur.

(aa) Beweisen lässt sich dies sehr leicht:
Ein einzger Satz an sich schon reicht!
Unstreitig scheint, dass jenes Ich,
Das Denken richtet hin auf sich,
Dasselbe ist und gleich sich sieht,
Wenn Sinne es auf sich bezieht.13

(ab) Der Sinnestätigkeit Subjekt
(Ganz gleich, ob riecht man, fühlt, ob schmeckt)
Schliesst Körperliches immer ein.
Drum muss Subjekt des Denkens sein
Die leiblich-sinnliche Substanz:
Mit Ausschluss alles andren ganz.14

(b) Die zweite Frage nach dem Wie:
Erklären will ich euch auch sie.
Die Seele substanzielle Form
Des Leibes ist; dies geht konform
Mit dem, was auch Philosophie
Erkannte und Beweis verlieh.15
Doch muss zuerst ich euch beweisen,
Was `substanzielle Form´ mag heissen.\“16

Erklärung wird für der Philosophie Unkundige zu schwierig

\“Ohephiah17: das reicht für heute!
Vielleicht, dass demnächst man mir deute,
Was jener Ausdruck mag besagen.
Ich bin ja gänzlich schon erschlagen
Durch diese Schwere der Gedanken!
Doch will ich vielmals mich bedanken,
Dass sie sich so viel Mühe gaben.
Sie haben Recht: das kann kaum laben

Die Stillings-Freunde, die erwarten
Leicht Lesbares aus allen Sparten;
Doch nicht Erklärung über Sachen,
Die so viel Kopfzerbrechen machen.\“ –

Das bis anhin Gesagte soll vorgetragen werden

\“Ich wusste ja von Anfang schon,
Dass viel zu schwierig die Lektion!
Doch schreibt, Herr Reimauch, trotzdem auf
Der Rede Inhalt und Verlauf.
Ich will im Jenseits wieder bitten,
Dass das, was diesmal ist entglitten,
Man gibt beflissentlich euch ein:
Es soll für andre nützlich sein.

Die Niederschrift darf nicht verschlampen:
Ich bitte euch, fasst sie in Jamben
Und bringt in jene Sammlung sie,
Die schon bislang sehr weit gedieh.

Gehabt euch wohl! Harrt im Gebet!
Dem Trug des Satans widersteht!
Dankt sonders GOtt für dieses Land,
Voll Gnade ganz von IHm umspannt.\“18

Jung-Stilling entschwindet dem Auge

Ich hörte diese Sätze noch;
Indes Jung-Stilling war jedoch
Dem Blick zur Gänze schon entkommen:
Zu einem blossen Dunst verschwommen.
Zuvor fiel flackernd mehrmals ein
An diesen Platz noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er silbern reflektiert
Auf Wiesen, die der Schnee noch ziert.

Text des Lehrstücks wird gleichentags niedergeschrieben

Als ich zu Hause dann kam an,
Sofort mit Schreiben ich begann.
Ich spürte gleich, wie meine Hand
Von fremder Kraft ward übermannt.

So stand in einer halben Stunde
Gereimt von Stilling diese Kunde.
Auch alle Noten standen da:
Es half mir wider Siona.19
Ob dessen gilt mein Dank dem Engel,
Doch zeihe mich man aller Mängel.

Trotz des üblichen Geschimpfes ins Internet gestellt

Heut gab ich den Bericht komplett
Als Text-Datei ins Internet,
Damit sich alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft recht erfreuen.

Doch ach! Wie ist die Welt verrückt!
Man sagt nicht Dank, ist nicht beglückt,
Dass Stillings Botschaft wird verbreitet:
Dem Wahren so der Weg bereitet.

Oh nein! Sie schreien \“Spiritismus,
Gespensterwahnsinn, Okkultismus,
Verzauberung, Nekromantie:
Beschwörung Toter: Blasphemie;

Geflunker, Machwerk, Schwindel, Lug,
Geschwätz, Geplapper, Bluff und Trug:
Verdummung, Scharlatanerie,
Ergüsse kranker Phantasie,
Verworrend-närrisches Gedudel,
Gebräu aus höllischem Gesudel,
Geheimnisvolle Kabbalistik,
Gefälschte, gleisnerische Mystik;

Betrügerische Reimerei,
Dämonenhafte Zauberei:
Ein Zeugnis von Besessenheit,
Verhexung und Verlogenheit,
Abscheuliche Provokation:
Der Hölle Manifestation!

Herr Reimauch ist ein Hexerisch,
Verbreitet teuflisches Gezisch!
Am besten ist, man wirft ins Feuer,
Was kündet dieses Ungeheuer;
Dann schwindet jener graue Dunst,
Erzeugt von ihm durch Satanskunst!\“

Kritiker mögen sich selbst bespiegeln

Ach Leute! Packt euch an die Nase:
Entbindet euch von Zorn-Gerase
Und denkt darüber tiefer nach,
Was Stilling von der Seele sprach.

Lasst ab von Nörgelei und Zank:
Drum bittet Reimauch Ohnedank,
Der grüsst einjeden viele Malen
Aus Leisenburg, der Hauptstadt Salen
Und Gutes wünscht für jung und alt
Hinieden und im Jenseits bald.

Anmerkungen, Erläuterungen und Quellen

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); durch Erbfolge von 1743 an Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit dem Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); ab 1815 im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands im Wiener Kongress Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); seit dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland. – Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110 000 Bewohnern.

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 2) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Die Stadt Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Jung-Stilling nennt diesen Ort in seiner Lebensgeschichte \“Florenburg\“; in seinem 1785/86 erschienenen zweibändigen Roman \“Theobald oder die Schwärmer\“ spricht er von \“Hochborn.\“ – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 773 (Register, Stichwort \“Hilchenbach\“).

2 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor. Dieser wurde in der letzten Zeit wiederholt hier auf der Erde gesehen; siehe beispielsweise Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, passim oder Gotthold Untermschloss: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, passim sowie Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989, passim.

Siehe zum Grundsätzlichen auch Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (auch als Online-Ressource kostenlos abrufbar bei dem URL <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>) sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993.

Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799) datiert vom 31. März 1785, die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“. Ihm hatte er auch seine an der Universität Strassburg angefertigte medizinische Doktorarbeit gewidmet und auch persönlich im März 1772 bei Hofe in Mannheim überreicht.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Begünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Stadttoren, Überfuhren, Brücken, Fähren sowie an den zu jener Zeit auch innerlands recht zahlreichen Schlagbäumen vor den Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Fahrrinne für die Schiffahrt) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die ihre (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besonders günstige Begleitumstände (später traten verwandtschaftliche Beziehungen mit Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 7./8. April 1806 zu Paris Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175’000 auf nahezu 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch zum \“badischen\“ Hofrat.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (Anm. 10).

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

Bis anhin ist nicht geklärt, wer diese Schrift verfasst hat. Im Vorwort heisst es: \“Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, [so!] die ihr ja auch Christus=Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet. Ihr werdet es nicht lächerlich, nicht unschicklich finden, dass sie so spät erst nach dem Hinscheid [so!] des Unvergesslichen erscheinen, wenn ich euch zum Voraus sage: dass ich, als Weib vorerst Männer ausreden lassen – abwarten wollte mit weiblicher Bescheidenheit, was solche zum Denkmal des Allgeliebten aufstellen würden\“ (Orthographie wie im Original).

Jung-Stilling stand nach seinem selbst gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).
Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Heiliger. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes der gelehrte katholische Stadtpfarrer Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande der Predigt auch die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen. – Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge auch (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811 oder die an Lobpreisungen überladene Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (ohne Verlagsangabe) 1811.

Vgl. auch: Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Kaufmann) 1811, in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa: [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811; Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit) oder die zahlreichen Zentariums-Reden wie Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828 (Karl Joseph Beck [1794-1838] war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg) oder Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Mannheim (Schwan & Götz) 1829.

Ziemlich unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006.

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona.

Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ ist ein persönlicher Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“.

3 Jung-Stilling wurde im Jahre 1740 im Dorfe Grund (seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein, heute im Bundesland Nordrhein-Westfalen) geboren und lebte bis zu seinem 22. Altersjahr in seiner engeren Heimat. –Siehe Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 4–35.

4 Stuss (lächerliche Narrheit, dummes Zeug, Wahnwitz) ist bis heute ein im Siegerland ziemlich verbreiteter Ausdruck. Er kommt aus dem Jiddischen STUS bzw. dem hebräischen SETUT = Unsinn. Auch das daraus abgeleitete Eigenschaftswort \“bestusst\“ ist im Siegerland noch geläufig.

5 Gemeint ist das Buch von Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808.

Dieses Werk erfuhr mehrere Übersetzungen, u.a. ins Englische, Französische, Niederländische und Schwedische; es wurde bis in diese Tage häufig nachgedruckt (so Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987) und neu herausgebracht. – Siehe das Verzeichnis bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie. Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993, S. 104 (Register, Stichwort \“Theorie\“).

Vgl. auch: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jung’s genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809 und dagegen: Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein über dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809. (Ein zweiter Nachtrag erschien überdies nicht).

Diese Verteidigung findet im Neudruck samt Anmerkungen bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1).

6 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 5), S. 60 ff. sowie S. 78 ff. (ein Herr in der Nähe von Philadelphia [Pennsylvania, USA] bewegt sich im Ätherleib nach London, um nach einem vermissten Schiffskapitän zu suchen).

7 Auch in heutigen okkulten Lehrsystemen sowie in der Anthroposophie und Theosophie wird diese Lehre so wie hier dargestellt oder in Abweichungen davon vorgetragen. – Siehe aus der Fülle der Literatur hierzu Arthur E. Powell: Der Äther-Körper. Das feinstoffliche Energiesystem des Menschen. Grafing (Aquamarin-Verlag) 2002 (Edition Adyar) sowie Charles Webster Leadbeater: Die Chakras. Eine Studie über die Kraftzentren im menschlichen Ätherkörper, 15. Aufl. Grafing (Aquamarin-Verlag) 2004 (Edition Adyar).

8 Aristoteles (384–322 v. Chr.), so genannt nach seiner Heimatstadt Stagira (Stadt an der Ostküste der Halbinsel Chalcidice im Nordosten Griechenlands; Kolonie der Ionier). Er fasste das Wissen seiner Zeit organisch zusammen. Sein philosophisches System ist dem Calvinismus bis heute weithin suspekt geblieben und wird instinktiv, emotional (nicht rational!) abgelehnt.

9 Die Lehre der frühen Kirchenväter vom LOGOS SPERMATIKOS (der schon im Heidentum wirksamen göttlichen Offenbarung) galt für die (im eigenen Verständnis!) allein auf die Bibel fixierte reformierte Theologie als unannehmbar. Eindeutige Aussagen der Schriften des Neuen Testaments wie Apostelgeschichte 14, 15–17, Römerbrief 1, 20, Hebräerbrief 1, 1 und andere wurden (und werden immer noch) mehr oder minder gewaltsam zurechtgebogen und teilweise abenteuerlich uminterpretiert.

10 Thomas von Aquin (1225–1274); er verschmolz das aristotelische Denken mit der christlichen Botschaft zu einem schlüssigen System. Daraus erwuchs eine \“Schule\“ (Scholastik), die bis heute sehr stark das theologische Denken (vor allem in der katholischen Kirche) bestimmt. – Siehe aus der Fülle der Literatur leicht verständlich dargestellt Anthony Kenny: Thomas von Aquin. Freiburg, Basel, Wien (Herder) 2004 (Schrieftenreihe Herder spektrum: Meisterdenker).

Die Eigen=Art des thomistischen Denkens und Argumentierens wurde leider selbst von \“grossen\“ protestantischen Theologen beschämend, peinlichst missverstanden; Beispiele siehe bei Leopold Fonck: Wissenschaftliches Arbeiten. Beiträge zur Methodik des akademischen Studiums. Innsbruck (Felizian Rauch) 1908, S. 203 in Bezug auf Adolf Harnack (1851-1930), den neueren Wegbereiter des \“liberalen\“ Protestantismus.

11 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, Liebhaber,  Verehrer, Anhänger, Weggenosse oder auch –  nur Leser der Schriften von Johann Heinrich Jung-Stilling. Der Ausdruck wird von Jung-Stilling selbst in diesem Sinne gebraucht; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566.

12 Siehe hierzu ausführlich und anschaulich Heinz Zahrnt: Aufklärung durch Religion. Der dritte Weg. München (Piper) 1980, S. 101 ff. (Serie Piper, № 210).

13 IDEM IPSE HOMO EST QUI PERCIPIT ET SE INTELLEGERE ET SENTIRE (zu Deutsch: Unbestreitbar beurteilt der Mensch, welcher seine Gedanken auf sich bezieht, sich als derselbe, der seine Sinnestätigkeit auf sich bezieht), d.h.: der Mensch hat ein einheitliches Bewusstsein.

14 Siehe hierzu ausführlicher Désiré Mercier: Psychologie. Bd. 2: Das Verstandes- oder Vernunftleben, 3. Aufl. München (Kösel) 1923, S. 257 ff.

15 Die vernünftige Seele ist also ihrem Wesen nach und unmittelbar das Prinzip, welches den leiblichen Organismus gestaltet und belebt: sie ist die substanzielle Form des Leibes.

ARGUMENTUM E CONTRARIO: Wenn der Leib für sich bestünde und wenn die Seele ihrerseits für sich existierte, so bildeten Leib und Seele notwendig zwei bestehende Wesen; siehe auch Désiré Mercier: Psychologie (Anm. 15), S. 267 ff. sowie knapp aber ausführlich begründend Bernhardus Boedder: Psychologia Rationalis sive Philosophia de Anima Humana, 3. Aufl. Freiburg (Herder) 1906, Nos 466 ff. (Cursus Philosophicus. In Usum Scholarum. Auctoribus pluribus Philosophiae Professoribus in Collegiis Exaetensi et Stonyhurstensi S. J., vol. 4).

Sehr weitläufig orientiert Alfons Lehmen: Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage, Bd. 3: Psychologie, 5. Aufl. Freiburg (Herder) 1921. – In früheren Auflagen dieses Lehrbuchs ist die Psychologie mit der Kosmologie zu einem Band (dann Bd. 2) vereinigt, im Text aber kaum verändert. Denn Pater Alfons Lehmen S. J.; im Zuge der Kulturkampfgesetze im Juli 1872 aus Deutschland ausgewiesen, starb 1910 im Exil in Holland. Die folgenden Auflagen betreute Pater Peter Beck S .J.

16 Aristoteles und die Scholastiker lehren, dass eine materielle Substanz aus zwei substanziellen Prinzipien zusammengesetzt ist: –  der ersten Materie (als blosses Vermögen, als passive Materie, als Hyle) und –  der substanziellen Form (Prinzip des Seins und der Tätigkeit, welches ein existierendes Wesen verwirklicht; aktiv gestaltende Formkraft; Morphe).

Diese Theorie (Hylomorphismus) trägt wie keine andere zur Erklärung des Leib-Seele-Problems bei. Sie wird daher auch heute (wieder) erkenntnistheoretisch weithin der Psychologie zugrundegelegt. – Siehe vertiefend Anna Maria Hennen: Die Gestalt der Lebewesen. Versuch einer Erklärung im Sinne der aristotelisch-scholastischen Philosophie. Würzburg (Königshausen & Neumann) 2000 (Epistemata, Reihe Philosophie, Bd. 274).

17 Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu [Christian Gottlieb Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Von ….r…Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

18 Das Siegerland wurde von GOtt durch besondere, sichtbare Gnadenerweise beschenkt. – Siehe Jakob Schmitt: Die Gnade bricht durch. Aus der Geschichte der Erweckungs¬bewegung im Siegerland, in Wittgenstein und den angrenzenden Gebieten, 3. Aufl. Giessen (Brunnen Verlag) 1984.

Bei vorhergehenden Erscheinungen erinnerte Jung-Stilling stets an diese, dem Siegerland zugewandte aussergewöhnliche göttliche Huld und die daraus erwachsende Verpflichtung der Menschen, solche Liebesbeweise GOttes zu erwidern.

19 Siona heisst Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen.

Jung-Stilling spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223) bzw. –  \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen –  als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufname \“Selma\“ seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff., als Internet-Ressource bei dem URL <http://www.uni-siegen.de/merk/stilling> kostenlos abrufbar. – Vgl. zum Grundsätzlichen auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet <http://www.himmelsboten.de>

Through the night of doubt and sorrow
Onward goes the pilgrim band,
Singing songs of expectation,
Marching to the promised land.

Clear before us through the darkness,
Gleams and burns the guiding light;
Brother clasps the hand of brother,
Stepping fearless through the night.

Sabine Baring–Gould (1834–1924)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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