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Wettbewerb spornt an!

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Diese Aussage in einer nachtodlichen Belehrung einlässlich begründend dargelegt und auch einem jeden in ökonomischen Dingen unkundigen Zeitgenossen licht vor Augen geführt durch den hochgelehrten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),

der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher
Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern,

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch seit 1772 Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenleiden und ab 1775 staatlich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch seit 1781 bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass vom 22. Juni 1784 aus München der
illustren Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ Mitglied.

Mit höchlichst verdankter englischer Handbietung und Beihülfe niedergeschrieben; sodann zum beförderlichen Vorschub gemeinen Nutzens dienstfertig ergeben ins World Wide Web gestellt, dabei alle Leser gÖttlicher getreuer Obhalt sowie auch beständigen englischen Schutzes innigst empfehlend
durch
Gotthold Untermschloss
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Eine kürzere Fassung ist als Druckausgabe (Buch) im Verlag der Jung-Stilling-Gesellschaft in Siegen 1994 erschienen; ISBN 3-928984-09-8. Nunmehr als Download-File zum persönlichen Gebrauch freigegeben. Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers, der
löblichen Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland)

mailto:merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Jung-Stilling verteidigt den Motor des marktwirtschaftlichen Ordnungssystems


Vortrag über Konkurrenz im Gemeindehaus


Zu Ende just ein Vortrag war,
In dem ein Pfarrer legte dar,
Dass Wettbewerb des Teufels sei;
Er führt zu Neid und Schurkerei,
Zu Selbstsucht, Missgunst, Ausbeutung,
Gesellschaftlicher Schädigung:
Beraubung, Plünderung der Schwachen,
Derweil die Starken höhnisch lachen.
Es bändigt solchen Egoismus
Allein der \“wahre Sozialismus.\“


Ich trat in dem Gemeindehaus
Gerade jetzt zur Tür hinaus.
Es standen Freunde dort bereits;
Zu denen ging ich meinerseits.


Johann Heinrich Jung-Stilling zeigt sich


Auf meinem Wege nach dorthin
Ich jemand in den Blick gewinn‘,
Der mich in einemfort starrt an:
Winkt gar mich jetzt zu sich heran.

Es ist ein Mann; nicht gross, nicht klein,
So um die Fünfzig mag er sein;
Gekleidet sorgsam zwar im Kern,
Im ganzen aber unmodern:

In einen dunklen Ausgeh-Rock,
Mit einem schwarz lackierten Stock,
Geschnürten Stiefeln bis zum Knie,
In Art und Form antik auch sie;
Ein grauer Hut mit breitem Rand,
Betresst mit einem schwarzen Band;
Ein weisses Halstuch, schön verziert,
Genäht in Schichten raffiniert.
Des Rockes Knöpfe silbrig glänzten,
Die Kleidung wirksam so ergänzten:
Der Mann schien dadurch ziemlich gross
Wiewohl er guter Durchschnitt bloss.

Mehr unbewusst nahm wahr ich das,
Derweil ich langsam schritt fürbass
Zu jenem fremden Herren hin,
An den ich plötzlich mich entsinn‘!
Kaum denkbar scheint Verwechselung:
Der Mann ist – Hofrat Doktor Jung!1

\“Herr Hofrat Jung!\“, sprach ich ihn an,
\“Mich freut es, dass ich treffen kann
Im Leib sie hier erneut auf Erden.
Sie wollten sicher innewerden,
Wie redet voll Intelligenz
Der Pfarrer über Konkurrenz.\“


Jung-Stilling schätzt den eben gehörten Vortrag als Quatsch ein


\“Herr Gotthold\“, gab zur Antwort er,
\“Es ist schon wahrlich lange her,
Dass solchen Stuss2 ich hören musste:
Der Redner wirklich gar nichts wusste!

Von dem, was er am Wettbewerb
Verfluchte garstig, scharf und herb
Als ‚unsozial‘, so gar nicht stimmt:
Als Zerrbild diesen er bloss nimmt.\“ –

\“Herr Hofrat\“, sagte darauf ich,
\“Ihr Urteil klingt recht bitterlich!
Ja, wollen sie in Frage stellen,
Dass Wettbewerb hervor lässt schnellen
Verdruss, Erbostheit, Ärger, Wut,
Betrübnis, Zwietracht, Grimm, Disput,
Entzweiung, Ungunst, Feindschaft, Zwist,
Zerwürfnis, Brotneid, böse List;
Verstimmung, Abscheu, Fehde, Streit,
Missachtung, Selbstsucht, Kälte, Neid,
Beschwernis, Bitterkeit und Krach,
Betrübnis, Sorgen, Ungemach,
Enttäuschung, Missvergnügen, Not,
Verzweiflung, Unlust, Leiden, Tod:
Genau wie eben es benannt
Im Referat der Prädikant?\“3


Die Sünde, mitnichten aber die Konkurrenz, ist der Grund für das Böse in der Welt


\“Herr Gotthold: ihr seid bass verwirrt:
Von jener Rede noch umgirrt!
Der Laster Grund die Sünde ist,
Die Adam brachte, wie ihr wisst.
Es hat des Üblen Existenz
Doch nichts zu tun mit Konkurrenz!

Wer solches sagt, bewusst entstellt,
Dass GOttes Fluch liegt auf der Welt,
Weil sich erwies als undankbar
Vordem das erste Menschenpaar.4

Doch nunmehr lasst zu dem mich kommen,
Was über Konkurrenz vernommen
Ihr, Gotthold, in dem Vortrag habt
Und dem ihr euren Beifall gabt.

Ich will das Thema hier nicht weiten:
Mich über Konkurrenz verbreiten
Jetzt in der Wirtschaft bloss allein.
Es mag bei nächstem Treffen sein,
Dass spreche ich zu euch ein Wort
Vom Wettbewerb dann auch im Sport,
Im Glauben und in der Gesellschaft,
Wo wirkt zum Wohl er auch mit Kraft.5


Wesen des Wettbewerbs in der Wirtschaft


(I) Zunächst lasst definieren mich
Den Wettbewerb fein säuberlich.
Stets Konkurrenz ist dann gegeben,
Wenn etliche ein Ziel erstreben,
Doch jeder nicht das Ziel erreicht:
Der Mühe vorher mancher weicht.

Der Wettbewerb ist stets ein Tuen:
Verbietet Schlappheit, Unfleiss, Ruhen,
Beharren, Trägheit, Müssiggang,
Gemächlichkeit und Faulheitsdrang,
Bequemes Nichtstun, Mattigkeit,
Phlegmatik, Tatenlosigkeit,
Versinken in die Träumerei,
In Halbschlaf, Schlummer, Bummelei,
In Leben ohne Sinn und Plan:
Versumpfen tief im Schlendrian.6

Er weckt statt dessen Leistungsdrang;
Setzt Arbeitswilligkeit in Gang:
Bemühung, Spürsinn, Fertigkeit,
Befähigung, Geschicklichkeit;
Regt an zum Schaffen, Wirken, Streben,
Sich neuem Einfall hinzugeben;
Zu Kopfzerbrechen, Mühsal, Tat,
Verzicht auf mancherlei privat;
Ruft Tüfteln wach, auch Phantasie,
Beharrlichkeit und Energie,
Bestreben, Unternehmensgeist,
Der stets um neue Wege kreist.

Es ist der Wettbewerb allein,
Der solchen Aufbruch leitet ein,
Hält dauernd diesen auch in Schwung
Und sorgt für dessen Steuerung:
Ganz ohne Nötigung und Zwang,
Befehl, Gewalt, Diktat, Bedrang.7


Formale Ziele des Wettbewerbs in der Wirtschaft


(II) Lasst nun mich nennen die Funktionen,
Die automatisch innewohnen
Dem Wettbewerb, wie definiert:
Was gleichsam er aus sich gebiert.


Herausforderung und Anruf an alle


(1) Als erstes hier der Ansporn steht:
Ich schilderte ihn just beredt.
Er weckt so jeden, dem ist Kraft
Und Fähigkeit, dass er es schafft
Das Ziel grundsätzlich zu erreichen,
Dass sucht sich dieser zu vergleichen
Mit anderen, die gleichfalls streben:
Sich in den Wettlauf drum begeben.
Es regt der Wettbewerb so an,
Dass jeder leistet, was er kann.


Feststellung der Minimalkosten-Kombination zur Herstellung eines Gutes


(2) Zum andern schafft auch Transparenz
Am Faktormarkt8 die Konkurrenz.
Denn jene Kosten stellt sie fest,
Mit denen sich erreichen lässt
Am günstigsten erstrebtes Ziel:
Nennt jenen Aufwand als zuviel,
Den andre setzen dazu ein.
Er wirkt damit als Meilenstein
Für ökonomischen Gebrauch
Der Produktionsfaktoren auch.

Kurzum: der Wettbewerb bestimmt,
Wieviel an Faktorleistung nimmt
Geringst ein Produktionsprozess
Ganz objektiv und sachgemäss.
Erreicht wird so durch Konkurrenz
Der Stand der höchsten Effizienz.


Auslese der Fähigen und Tüchtigen


(3) Als drittes wird bewirkt sodann,
Dass Wettbewerb gibt jenen an,
Der das gesetzte Ziel erreicht:
Erkannt wird so der Sieger leicht!

Denn, Gotthold, habt ihr schon bedacht:
Wie hättet ihr es denn gemacht,
Herauszufinden aus sehr vielen
Just jene Besten, weil Agilen,
Die klar zum Ziel als erste kommen:
Wie hättet ihr das unternommen?

Darüber mögt ihr lange sinnen!
Ihr werdet keinen Weg gewinnen,
Der klarer und genauer ist,
Als jenen, den ihr ja schon wisst:
Den Wettbewerb; er kann allein
Das Mittel für die Auswahl sein.


Belohnung der Leistungserbringer


(4) Als viertes ist nicht zu vergessen,
Dass jener Erste angemessen
Für seine Leistung wird belohnt:
Es sei dies nachdrücklich betont,
Weil solche Leistungs-Prämie oft
Gewinn heisst, welcher unverhofft –
Durch Zufall – in die Kasse käme,
Weswegen man sich billig schäme:

Das klingt dann ziemlich vorwurfsvoll!
Gewinn ist aber Dankeszoll,
Vergütung, Lohn, Entschädigung,
Erkenntlichkeit und Würdigung,
Gebühr von allen und Entgelt,
Dass schaffend er bereitgestellt
Ein Gut in rationeller Weise:
Gelegt hat damit gleichsam Gleise,
Auf denen andre können fahren
Und dabei Kosten, Aufwand sparen.9


Materiales Ziel des Wettbewerbs in der Wirtschaft


(III) Die vier Funktionen, die ich grad
Euch, Gotthold, kurz umreissen tat,
Sind wesentlich; jedoch gleichviel
Des Wettbewerbs formales Ziel!
Zu stellen gilt es noch die Frage,
Was Konkurrenz letzt in sich trage?

Es ist dies: Dienen, andren nützen,
Zu Hilfe kommen, unterstützen.
Denn solche, die in Konkurrenz
Tun dieses immer letzten Ends,
Um einem Dritten zu gefallen:
Nur dies ist letztes Ziel von allen!

Allein der Anklang bei dem Dritten,
Dass gut von ihm man wird gelitten:
Auf seine Wünsche stellt sich ein,
Begehrenswert für ihn erschein‘,
Ist das, was peilt einjeder an.
Denn nur, wer Beifall so gewann,
Zuteil Belohnung wird nachher:
Die andren enden trüb und leer;
Gemieden, weil sie nicht im Stand,
Zu bieten, was als gut empfand,
Der ihre Leistung wählte aus:
Entschied darüber frei heraus.


Zwang zum genauen Eingehen auf die Wünsche der Käufer


In aller Regel ist der Dritte,
Der gleichsam in des Kreises Mitte
Die Angebote prüft und wägt,
Der Konsument, der überlegt,
Wo er mit seinem knappen Geld
Das Beste preisgünstigst erhält.

So kommt es dann, dass auf dem Markt
Von selbst gerade der erstarkt,
Der bestens Wünsche stellt zufrieden:
Kann billigst Käufern Güter bieten.

Es gibt, Herr Gotthold, kein System,
Das derart sanft und angenehm
Die Wünsche Dritter macht zum Mass!
Ob jemand Wertschätzung besass
Bestimmt allein sich daraus nur,
Dass man in allem so verfuhr,
Wie es die Kunden wollten haben
Und daher ihren Zuschlag gaben.

Gerade dieses Phänomen
Wird oftmals völlig übersehn!
Betrachtet man doch meist formal
Den Wettbewerb rein funktional.


Zusammenfassung der formalen Ziele der Wettbewerbs in der Wirtschaft


(IV) Als Segen will auch ich betonen,
Dass ganz von selber innewohnen

 Der Ansporn in der Konkurrenz:
Die rechte Nutzung des Talents;

 Dass sich der beste Weg bestimmt,
Den jede Produktion nun nimmt;

 Dass jene werden auserlesen,
Die Beste, Erste sind gewesen;

 Und tragen nunmehr auch davon
Für ihre Leistung einen Lohn.

Wettbewerb in der Wirtschaft bewirkt eine
Vermenschlichung der Marktkräfte

 Doch mehr noch wichtig scheint dabei,
Dass Kunden werden solcherlei
Bedient nach deren eignem Willen:
Dass alle sind bestrebt zu stillen
Bedürfnis, das Verbraucher haben:
Dass jeder möchte Kunden laben.
Auf solche Weise macht sich breit
Am Markte echte Menschlichkeit.

Denn nicht, was andre schätzen ein,
Dass ‚richtig‘ sollte etwas sein,
Bestimmt den Produktions-Prozess;
Als vielmehr das, was ist gemäss
Den Wünschen der Verbraucher bloss:
Und das ist menschlich zweifellos!


„Wahrer Sozialismus“ führt in die Inhumanität


Dass GOtt erbarm sich einer Welt,
In der zum Richter sind bestellt,
Was produziert wird und vertrieben
In allen Märkten und Betrieben
Die Besserwisser, die entstanden
Seit eh im Kreis der Prädikanten!

Wer just die Rede hat vernommen,
Der ahnt, wohin man bald muss kommen,
Wenn Wettbewerb durch Fanatismus –
Und gar durch ‚wahren Sozialismus‘ –
Ersetzt wird; und wie Menschen dann
Sind unfrei, dürftig, ärmlich dran!\“


Engel Siona tritt auf Jung-Stilling zu


Als Stilling sprach just diesen Satz,
Trat seitlich aus dem Kirchen-Platz,
Der neben dem Gemeindehaus,
Ein übergrosser Mann heraus.
Es glänzte silbern sein Gewand;
Er schwebte dorthin, wo ich stand.
Noch ehe er mir völlig nah,
War klar mir: das ist Siona!10


Johann Heinrich Jung-Stilling entschwindet


Jung-Stilling war jetzt plötzlich fort:
Es stand der Engel nunmehr dort!
\“Herr Engel Siona\“, sprach ich,
\“Vermutlich soll ich öffentlich
Erzählen was Herr Hofrat Jung
Grad sagte zur Beherzigung.
Doch brauch ich Hilfe beim Berichten:
Erst recht beim Ordnen, gar beim Dichten!\“


Text der Belehrung wird übergeben


\“Man sah schon euren Wunsch voraus!
Nehmt diesen Stick und druckt ihn aus
Den Text, der hier gespeichert ist:
Wie man das macht, ihr ja wohl wisst.

Stellt ein die Niederschrift komplett
Doch bitte auch ins Internet.
Bleibt im Gebet zu aller Zeit!
Gelobt sei GOtt in Ewigkeit!\“

Als hörte ich den letzten Satz,
War leer bereits auch schon der Platz.
Ich danke dafür hier dem Engel,
Doch stehe ein für alle Mängel.


Meckerer möchten sich anderen Dingen zuwenden


Ach je! Wie ist die Welt verrückt!
Man sagt nicht Dank, ist nicht beglückt,
Dass Stillings Botschaft wird verbreitet:
Dem Wahren so der Weg bereitet.

Oh nein! Sie schreien: \“Spiritismus,
Gespensterwahnsinn, Okkultismus,
Verdummung, Scharlatanerie,
Ergüsse kranker Phantasie;
Geflunker, Machwerk, Schwindel, Lug,
Geschwätz, Geplapper, Bluff und Trug;
Verworren-närrisches Gedudel,
Gebräu aus höllischem Gesudel;

Geheimnisvolle Kabbalistik,
Gefälschte, gleisnerische Mystik,
Verruchte Götzendienerei,
Dämonenhafte Zauberei,
Ein Zeugnis von Besessenheit,
Verhexung und Verlogenheit:
Empörende Provokation:
Des Satans Manifestation!\“

Ach Leute! Zupft euch an der Nase:
Entbindet euch von Zorn-Gerase
Und denkt darüber tiefer nach,
Was Stilling hier zum Wettstreit sprach.


Anmerkungen, Erläuterungen und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling, der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Siehe über ihn Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987, S. 220 ff.

Gegen dieses auch ins Niederländische, Schwedische, Französische und Englische übersetzte und bis heute in vielen Ausgaben gedruckte Buch erschien: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jungs genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809.

Jung-Stilling wehrt sich gegen die Basler Gutachter in der Schrift: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein über dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809 (weitere Nachträge erschienen nicht).

Zu Basel seien nach dem Verkauf der \“Theorie der Geister=Kunde\“ tausendmal soviel Gespenster erschienen denn zuvor, behaupten die Verfasser des Gutachtens. Das veranlasste weitere Schriften gegen Jung-Stilling, so etwa die Broschüre von Johann Jacob Faesch: Predigt über den Gespenster-Glauben, nach Timotheum IV. v. VII. Gehalten in der Kirche St. Theodor, den 9ten Weinmonat 1808. Auf hohes Begehren und Wunsch mehrerer ansehnlichen (so!) Zuhörer gemäß zum Druck befördert. Basel (Schweighausersche Buchhandlung): eine Jung-Stilling heruntersetzende, brandmarkende Schrift.

Gleich in zwei Bänden erschien: Geister und Gespenster in einer Reihe von Erzählungen dargestellt. Ein nothwendiger Beitrag zu des Hofraths Jung genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1810. Als Verfasser gilt der Basler Gottlob Heinrich Heinse. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1). Dort auch die Titelblatt-Kopien der genannten und anderer Schriften gegen Jung-Stilling.

Siehe zur Ankunft von Jung-Stilling im Jenseits mehr bei Helena Schlatter-Bernet (?): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820 und zum Empfang seines neuen Namens (Ohephiah = den GOtt liebt) [Christian Gottlob Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

2 Stuss = ein Wort aus der hebräischen Sprache, bedeutend Unsinn, Dummheit. Der Ausdruck ist im Siegerland, der Heimat von Jung-Stilling, bis heute verbreitet.

3 Prädikant = Pfarrer der reformierten Kirche (vom Lateinischen PRAEDICARE = predigen).

4 Siehe 1. Mose 3, 1–19. – Vgl. hierzu Hans Hübner: Wer ist der biblische Gott? Fluch und Segen der monotheistischen Religionen. Neunkirchen-Vluyn (Neunkirchener Verlag) 2004 (Biblisch-theologische Studien, Bd. 64) sowie tiefergreifend Raymund Schwager: Erbsünde und Heilsdrama im Kontext von Evolution, Gentechnologie und Apokalyptik, 2. Aufl. Münster (Litt) 2004 (Beiträge zur mimetischen Theorie, Bd. 4).

5 Siehe hierzu etwa 1. Korintherbrief 9, 24; Philipperbrief 3, 14; 2. Timotheusbrief 4, 7.

6 Siehe hierzu Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1987, S. 159 (Stichwort: \“Trägheit, menschliche\“).

Das Wort \“Schlendrian\“ (vom niederdeutschen slender = langsamer Gang, alte Gewohnheit, und von da: herkömmliches, in aller Gemächlichkeit bleibendes und Neuem gegenüber verschlossenes Handeln) benutzte Jung-Stilling häufig zur Kennzeichnung der Schluderei und Schlamperei in Wirtschaft und Verwaltung. – Siehe Beispiele unter anderem bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Sachgerechtes Wirtschaften. Sechs Vorlesungen. Neu herausgegeben von Gerhard Merk. Berlin (Duncker & Humblot) 1988, S. 14, S. 21, S. 86, (hier rügt er \“die alten juridischen Herren von Schlendrian\“ [deren Nachfahren offenbar auch heutigs noch unter uns leben!]) S. 111.

7 Siehe hierzu Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft (Anm. 5), S. 169 (Stichwort: \“Wettbewerb\“).

8 Faktorenmarkt = das Angebot und die Nachfrage nach den (Faktor)Leistungen (Werkstoffe, Betriebsmittel, Arbeit, Betriebsführung); siehe Gerhard Merk: Mikroökonomik. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz (Kohlhammer) 1976, S. 79 ff.

9 Siehe hierzu genauer Gerhard Merk: Programmierte Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Bd. 4: Wachstum, Staat und Verteilung. Wiesbaden (Gabler) 1974, S. 207 ff.

10 Siona = Begleitengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Der Engel zeigte sich Jung-Stilling zu dessen Lebzeiten, entrückte ihn ins Jenseits und diktierte ihm auch in die Feder. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert.\“) sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1818, Prolog (Siona begleitet Jung-Stilling in das Himmelreich) und passim.

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg [Veith] 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in mehrere Sprachen.

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling während der letzen Zeit wurde Siona häufig in seiner Begleitung gesehen. Siehe etwa –  Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmie-de) 1987, S. 31, S. 35, S. 38, S. 57, S. 81, S. 87; –  Gotthold Untermschloss: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 13, S. 20, S. 28, S. 36, S. 74, S. 108, S. 115, S. 133; –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989, S. 64, S. 96, S. 167 oder –  Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittels zutätiger englischer Gunst wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996, S. 12 ff. Diese Belehrung ist auch als Download-File (ohne die der Druckausgabe beigegebenen Abbildungen) kostenlos unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merkstilling> abrufbar.

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301) mit ausführlichem Literaturverzeichnis (S. 113 ff.); Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003, sowie im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>


What greater calamity can fall upon a nation than
the lack of engaged clergymen and clergywomen.



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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