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Vom misslichen Befinden der Menschen Führer

veröffentlicht am


Eine nachtodliche Belehrung von
Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für Ökonomik sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; ehevor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und fürerst seit 1778 mit gleichem Lehrauftrag an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch seit 1772 praktischer Arzt, Geburtshelfer, Augenarzt und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch der erlauchten Loge
\“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied.

Im Auftrag niedergeschrieben durch

Gotthold Untermschloss

in Salen, Grafschaft Leisenburg*
Zum sechzigsten Geburtstag den 24. im Ostermond 1994
Herrn Universitätsprofessor Dr. Klaus W. Goebel,
Universität Dortmund herzlich gewidmet

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Jung-Stilling-Gesellschaft e. V., Siegen

Als Druckausgabe (Buch) im Verlag der Jung-Stilling-Gesellschaft in Siegen 1994 erschienen; ISBN 3-928984-09-8. Nunmehr als im Text leicht verändertes, unformatiertes Download-File zum persönlichen Gebrauch freigegeben. – Die gewerbliche Vervielfältigung bedarf der Einwilligung des Copyright–Inhabers, der löblichen
Jung-Stilling-Gesellschaft e. V., Postfach 10 12 72, 57223 Kreuztal (Deutschland)

Contents


Spaziergang am Strand des Meeres


Gesund ist es, am Meeres-Strand
Zu gehen barfuss durch den Sand.
Dies tut nicht bloss den Füssen gut,
Die deshalb, weil sie meist beschuht,
Sich selten können frei bewegen:
Verformen leicht sich grad deswegen.
Auch Herz und Lunge regt es an,
Wenn nimmt man keinen Anstoss dran,
Dem Ruf zum Gang am Strand zu folgen,
Selbst falls der Himmel voller Wolken,
Und auch die Luft nicht sanft und lind,
Sogar wenn weht ein frischer Wind.

Schon schritt ich eine Stunde lang
Am Strand des Meeres flott entlang
Und schickte mich soeben an,
Dass ich den Weg zurück begann.
Es war recht kühl; der Wind ging stark,
Die Wogen türmten hoch sich arg;
Doch war im ganzen gut die Sicht
Bei fahlem, mattem Sonnenlicht.


Mensch schreitet über die Oberfläche des Wassers


Da plötzlich kommt direkt vom Meer
Ein Mensch geradwegs auf mich her!
Ich sehe klar, im Tageshellen,
Dass schreitet leicht er auf den Wellen,
Wie wenn er ganz gewichtlos sei:
Von aller Schwerkraft völlig frei.
Für ihn – das sieht man ganz gewiss –
Sind Wogen auch kein Hindernis:
Als ob hier keine Steile wär,
Geht leicht er über sie einher.

Mir ist mit einem Male klar,
Dass hier ein Geist am Gehen war;
Zumal ich jetzt erkennen kann,
Wie hell umstrahlt ist dieser Mann
Von einem silbern-weissen Licht,
Das dem der Sonne nicht entspricht.
Es scheint aus ihm heraus zu fliessen:
Von da sich leuchtend zu ergiessen.


Johann Heinrich Jung-Stilling zeigt sich


Der Geist vermag mich kaum zu schocken:

Ich bin beileibe nicht erschrocken,
Als vielmehr eher bloss gespannt,
Wen heut ich treffen mag am Strand?

Ich habe eine Mutmassung:
Der Geist ist Hofrat Doktor Jung!1
Und richtig! Schmunzelnd, lachend schier,
Steht jetzt Jung-Stilling so vor mir,
Als sei es üblich und normal,
Dass er sich aus dem Meere stahl.

Das silberweisse Fluidum
Als Flimmerlicht um ihn herum
War mittlerweile ganz verschwunden;
Und Stilling tat sich so bekunden,
Als ob er jetzt aus dieser Zeit,
Doch nicht aus ferner Ewigkeit.
Er war gesamthaft so gekleidet,
Wie heute allgemein verbreitet.
Wohl niemand hätte drum erkannt,
Dass Stilling lebt im Geister-Stand.

Wie oft zuvor, ich mich besann
Und sprach ihn ungezwungen an.
\“Herr Hofrat Jung! Ich sah sie grade
Spazieren hier an die Gestade
Vom Wasser aus so übers Meer
Als ob dies fester Boden wär.


Klägliche Lebensumstände zur Lebzeit von Jung-Stilling


Nun fällt mir auf, dass sie gekleidet,
Wie jetzig üblich und verbreitet;
Selbst ihre Schuhe sind modern.
Vermutlich kleiden sie sich gern
Bequem wie heut zu unsrer Zeit
Und sind bestimmt es rundaus leid,
Sich anzuziehen die Klamotten,
Die jeder Angenehmheit spotten,
Wie diese weiland waren Mode
Und gaben diese trübe Note
Den Tagen, da sie lebten nieden,
Von heute doch so sehr verschieden.


Viel leichteres Leben in der Gegenwart


Dies wurde mir insonders klar,
Als jüngst zu Leisenburg2 ich war
Und mir in Tiefenbach3 allda
Das Haus samt Einrichtung besah,
In dem sie damals gross geworden.
Bewusst sehr deutlich ward mir dorten,
Wie glücklich doch, wie froh die Leute
Entfalten sich und leben heute:
Wie farbig es in dieser Welt,
Wie heiter, froh ist nun bestellt.

Dahin schwand mühevoller Zwang,
Des Lebens ständiger Bedrang:
Die Plage um das Brot von morgen,
Sich um das nackte Dasein sorgen,
Das nunmehr ist in jedem Falle
Gesichert für die Bürger alle.

Das ganze Dasein, die Kultur,
Die Lebens-Art seither erfuhr
Verbesserung, die wesentlich:
Die kann wohl lassen sehen sich!

Dazu sind heut die Menschen frei,
Nicht unter Fürsten-Tyrannei,
Wie dies noch üblich weit und breit,
Herr Hofrat, war zu ihrer Zeit.


Beklagenswerte Rückständigkeit vorlängst


Der neue Mensch ist ungehemmt,
Nicht harzig mehr und bass verklemmt.
In unsren Tagen rasch entkam
Der letzte Rest von falscher Scham.
Wenn liest man, wie ehvor gedieh
Noch Ziererei und Prüderie,4
So kann dem Himmel man nur danken,
Dass solche Wahn-Ideen versanken!

Mir ist es manchmal schleierhaft,
Wie Menschen haben es geschafft
Zu leben nur bei Kerzenlicht;
Auch hatten sie das Radio nicht,
Kein Fernsehn, Rechner, Telephon,
Noch nicht einmal ein Grammophon.
Sogar – das finde ich weit schlimmer –
Es gab noch gar kein Badezimmer,
Kein Wasser auch auf dem Klosett;
Ganz selten war ein Lazarett.

Zu ihrer Zeit, Herr Hofrat Jung,
Gesamthaft die Bevölkerung
Sah aus recht breiig-einerlei;
Gezeichnet tief von Plackerei,
Von Unkultur, von Dummheit gar
Und jeder Anmut meistens bar.

Die Leute sind zu unsrer Zeit
In allem doch mit Sicherheit
Viel weiter und zivilisiert,
Da Selbst-Verwirklichung regiert.

Man kann dies sehn von aussen schon:
Der Mensch gibt jetzt sich als Person;
In Aussehn, Kleidung und Frisur
Trägt jeder eigne Signatur.\“ –


Jung-Stilling widerspricht dieser Einschätzung


\“Mein Stillings-Freund,5 was ihr hier sagt
In keiner Weise mir behagt.
Ihr seht die Dinge ganz verkehrt;
Ich schätze ein es umgekehrt!

Dass dies euch werde völlig klar,
Lasst dazu mich euch legen dar
Begebenheit, die ich erfahren
Vordem in meinen Erdenjahren.


Gleichnis aus Jung-Stillings Zeit in Kaiserslautern


Ihr wisst, dass nieden wohnte ich
Gut sieben Jahre nachbarlich
Zu Lautern unter Handwerksleuten,6
Die alle Zeit mich stets erfreuten
Durch ihre Hilfe, ihr Vertrauen,
Auf das in Not ich konnte bauen.

Ich meinerseits bemühte mich,
Dass jeder war im klaren sich,
Um sich herum jemand zu haben,
Der diente gern mit seinen Gaben.

So ward ich oft um Rat gefragt,
Wenn wer von Unwohlsein geplagt,
Und mehrmals rief man mich ins Haus,
Wenn eine Krankheit wurde draus.


Jung-Stilling behandelt asthmatischen Buchbinder


So kam einmal ein Nachbarssohn,
Den ich seit längrem kannte schon:
Sein Vater oft mir Bücher band.
Die Werkstatt rückwärts lag gewandt
Gerade eine Zeile weit,
So dass ich konnte jederzeit
Von hinten in die Werkstatt sehen,
Gewahrte bei der Arbeit stehen
Den Vater, Sohn und die Gesellen;
Sah Packen liegen auf Gestellen.
Bei Regen quietschte oft die Presse:
Das Holz quoll auf wohl durch die Nässe.

Der Meister litt an Asthma-Krämpfen,
Verursacht klar von Klebstoff-Dämpfen.
Denn winters kochte auf dem Herd
Ein Kleistertopf, der, aufgegärt,
Als Kaltleim stiess noch Gase aus,
Die zogen durch das ganze Haus.


Jung-Stilling vermag Atembeschwerden zu heilen


Mit Dippels-Öl konnt ich ihn heilen.7
Zwar kam der Husten noch bisweilen,
Die Atmung war jedoch ganz frei:
Es half zumeist wohl die Arznei,
Mehr noch mein Ratschlag, allen Leim
Ganz auszuschliessen aus dem Heim
Und nur in kleinen Mengen ihn
Verwahren unter dem Kamin,
Der offen war, drum zogen ab
Die Dünste schadlos aus dem Papp.


Buchbinder lädt Jung-Stilling in sein Haus


Geheilt, lud mich der Meister ein
Nach Haus zu einem Glase Wein
Auf einen Sonntag-Nachmittag,
Der letzt im Monat Juni lag.
Christine wollt nicht kommen mit,8
Weil Hanna grad an Fieber litt,9
Und unsre Betty hatte frei:10
Ihr Rasttag war just an der Reih,
Den bei den Eltern sie verbrachte,
Was denen herzig Freude machte.


Jung-Stilling bestaunt Prachteinbände


Der Meister Buch-Einbände schuf
Nicht bloss, weil dieses sein Beruf:
Es war in einem auch dabei
Vergnügen und Liebhaberei.
Der Einband war sein Steckenpferd,
Sein Hobby, das ihm alles wert:
Das konnte nunmehr ich gewahren,
Da sah ich Bücherpracht sich scharen
In seiner Stube auf Regalen,
Im Ausmass nah am Kolossalen.

Noch nie zuvor sah solche Pracht
Ich Bucheinbänden zugedacht!
Hier standen hohe Folianten
Mit Edelsteinen, Diamanten:
Zwar Splitter nur, ganz schmal und flach,
Doch glitzernd lebhaft tausendfach.

In allen Farben, vielen Arten
Sich Leder-Bände herrlich scharten;
Gravuren, Pressung fein aus Gold,
Metall geschnitten, ausgerollt,
Gar Elfenbein, schön ziseliert,
Mit Ornamenten rings verziert
Bestaunte ich da Reih an Reih
In dieses Meisters Bücherei.

Hier war Geschmack und Schönheitssinn
Samt Handwerks-Kunst, die immerhin
Viel Kennerschaft tat mir bekunden,
Mit feinstem Stilgefühl verbunden.

Dazu tat dar sich ein Talent,
Genie gar für das Ornament,
Wie es sich zeigte kaum noch mir
Bei einem Maler, Juwelier;
Wiewohl doch grad zu meiner Zeit
Gedieh so manche Kostbarkeit:
Vorab im Reichenburger Schloss,
Die mit Behagen ich genoss.11


Bibliothek besteht lediglich aus Einbänden


Doch nun, Herr Gotthold, denkt euch nur,
Was gleich darauf ich dann erfuhr:
Die hübschen Bände ringsumher
Erwiesen sich als inhaltsleer;
Auf dem Papier kein einzger Letter:
Allüberall bloss leere Blätter!!\“ –


Fraglicher Bezug dieser Geschichte


\“Herr Hofrat Jung! Ich sehe nicht,
Was dieser Bucheinband-Bericht
Zu tun denn hat mit meinem Schluss,
Dass Menschen haben mehr Genuss
Zu dieser Zeit als ehedem:
Dass Leben jetzt weit mehr bequem.\“ –


Schlechtere Umstände gegenüber heute


\“Mein Stillings-Freund: die schöne Schale
Erweislich ist doch nur Geprahle,
Das für des Meisters Bücher gilt
Wie für des heutgen Menschen Bild.

Gern gebe ich euch recht darin,
Dass Leben weiland meist blosshin
War Rackern, schiere Plackerei,
Strapaze und oft Zwängerei.

Als Schneider ist mir wohl bekannt,
Dass Kleidung nicht so elegant
Wie jetzt in diesen Tagen war;
Obschon meist sauberer sogar
Genäht der Stoff sich einstens fand,
Da werkte man noch mit der Hand.

Auch hatte vordem Knöpfe man,
Oft meisterhaft aus Filigran
(Das heisst: aus Gold- und Silberdrähten,
Die Künstler mit der Ahle nähten);
Dazu aus Holz und Horn geschnitzt,
Figürlich prachtvoll noch geritzt;
Ja: Knöpfe selbst aus Porzellan,
Bemalt, mit Goldrand umgetan –
Und nicht gepresste Dutzendware,
Wie ringsum ich sie heut gewahre.12

Ihr habt auch zudem darin recht,
Dass Kranken vordem ging es schlecht,
Weil es an Hospitälern fehlte
Und man zu wenig Ärzte zählte,
Die so gebildet ja auch nicht,
Wie jetzt der Richtschnur es entspricht.
Der Heilkunst Aufschwung recht gedieh
Viel später erst durch die Chemie.
Bakterien waren unbekannt,
Die schlimmen Seuchen nicht gebannt.


Vorwurf des Trübsinns ist völlig unrichtig


Doch muss ich heftig widersprechen,
Dass tat an Glück es einst gebrechen:
Dass Menschen waren wenig froh
Und Spasslust gab es nirgendwo.

Dass diese Sicht ist völlig schief,
Beweise ich euch objektiv
Aus meiner Zeit Architektur,
Musik sowie Literatur.
Ich will zur Malkunst daraufhin
Noch einige Vergleiche ziehn.


Barockbauten strahlen Lebensfreude aus


Barock damals in Mode war.
Ihr werdet, Gotthold, leicht gewahr,
Wenn ihr vor solchem Bauwerk steht,
Dass dieser Baustil kaum verrät
Doch Missmut und Verdrüssigkeit,
Bekümmernis und Traurigkeit.

Spart bitte euch den Einwurf ihr,
Dass solche Bauart kam nach hier
Von Rom her durch die Jesuiten:
Die Bauten deren Geist verrieten.

Warum muss alles schlecht denn sein,
Das führten Jesuiten ein?
Viel Gutes brachte dieser Orden
Zu meiner Zeit hier nach dem Norden.
Ihr wisst, dass ich gut Freund sogar
Mit manchen Jesuiten war.13

Ihr kennt das Reichenburger Schloss14
Und wisst, wie sehr ich einst genoss
Die Ausstrahlung dort der Gebäude:
Die steingewordne Lebens-Freude,
Die sich im Bau objektiviert
Und beim Betrachter dann gebiert
Aufs neue tiefe Freude wieder,
Die senkt sich in die Seele nieder.

Das gleiche auch von Karlsruh gilt.15
Das Schloss dort ist ein Musterbild
An Daseinsfreude, die ging ein
Harmonisch, stilvoll ins Gestein.
Wie oft – ich wohnte ja im Schloss! –
Sich Heiterkeit auf mich ergoss,
Tat durch die Räume ich flanieren,
Ging auch im schönen Park spazieren.

Die Baukunst meiner Zeit beweist
Bis heute sichtbar doch den Geist
Des Frohsinns und der Freudigkeit,
Wie spärlich bloss er jetzt gedeiht.


Heutige Architektur atmet kaum Freude


Ich sehe jetzig Bauten zwar,
Die stattlich, prächtig sind fürwahr.
Die Wolkenkratzer allerorten,
Die Fernseh-Türme ringsum dorten,
Fabrikgebäude, Schulen auch:
Sie atmen einen eignen Hauch,
Sind eindrucksvoll und imposant:
Es sei dies keineswegs verkannt!

Doch, lieber Stillings-Freund, ich frage,
Ob denn Bebauung heutzutage
Wohl aushaucht diesen heitren Geist
Der um die alten Bauten kreist?

Ist nicht es vielmehr grade so,
Dass keiner wird so richtig froh,
Der diese hohen Klötze sieht,
Ja, mancher schon in Angst geriet
Beim Anblick der Architektur,
Wie jetzig sie Gestalt erfuhr?


Deutsche Baukunst der Gegenwart


Mein Eindruck mag bloss flüchtig sein:
Doch prägte stark in mir sich ein,
Dass sonders hierzuland Gebäude
Bekunden wenig Frohsinn heute.

Es scheint, dass deutsche Architekten
Recht tief in Gram und Kummer steckten:
Dass spärlich auch begabt nur sie
Mit Schöpferkraft und Phantasie.

Vielleicht ich dies unziemlich deute?
Ja, warum sollen jene Leute
Denn froher sein als alle andren,
Die lustlos durch das Leben wandern?
Wie darf ich ihnen Vorwurf machen,
Wenn selbst die Pfarrer nicht mehr lachen?


Alte Musik bezeugt Heiterkeit


Musik als nächstes sei genannt,
Worin der Zeitgeist ist gebannt,
So dass von allem Zweifel frei
Man hören kann, wie dieser sei.

Mein Stillings-Freund: hat Tonkunst je
Bekundet so sehr die Idee
Des Frohsinns, der Gelassenheit
Wie die Musik zu meiner Zeit?
Denkt doch an Mozart, Haydn bloss:
Ihr Klangreich ist schier beispiellos
Gefüllt mit Lebenslust und Freude,
Weshalb man spielt sie selbst noch heute.

Die Reichenburger Schule16 war
An Ton-Einfällen auch nicht rar.
Ich könnte leicht ein Dutzend nennen:
Ihr werdet viele davon kennen,
Wie Stamitz17, Richter18, Cannabich19
Wenn deren Ruhm auch matt verblich.

Wie sonnig, heiter klingen sie,
Wie labend wirkt die Melodie
Auf Stimmung, Sinne und Gemüt,
Ja, selbst auf Körper und Geblüt:
Der Geist kommt federnd in Erregung,
Der Leib von inwärts in Bewegung!

Wohl selber, Gotthold, seht ihr ein:
Es kann doch wirklich nun nicht sein,
Dass Kleinmut, Grämlichkeit, Verdruss
Verhindert weiland hat Genuss,
Wie ihr das vorhin ausgesagt:
Das Gegenteil vor Augen ragt!


Zeitgenössische Musik kaum lebensfroh


Lasst dazu mich bloss kurz erinnern,
Dass jetzige Musik im Innern
Wohl kaum so voller Heiterkeit
Wie Tonkunst war zu meiner Zeit.

Sogar gemeine Gassenhauer
Verraten oftmals Angst und Trauer;
Die ‚Schlager‘, wie es heisst nun heute:
Man ‚hauen‘, ’schlagen‘ einmal deute!


Literatur früher und in der Jetztzeit


Ich will mich nun sehr kurz bloss fassen
Und ganz bewusst es unterlassen,
Zu zeigen, wie Literatur
Verwandlung, Umwälzung erfuhr
Vom heitren, wohligen Tenor
Zu jenem Drall, der sticht hervor
In der modernen Belletristik.
Hier zeigt schon deutlich die Stilistik
Die Neigung, schier in allen Stücken
Das Schlimme, Bittre auszudrücken,

Vergleicht das sprachlich Herbe, Spröde
Von heut mit Herder oder Goethe:
Dann wird euch dieses zweifelsfrei;
Ihr pflichtet mir dann sicher bei.
Weil kennt ja die Autoren ihr,
Erspar ich alles weitre mir.

Erlaubt mir zu erinnern noch,
Wie ich als Literat ja doch
Fand breiten Beifall, weil mein Stil
Ob seiner Heiterkeit gefiel,
Mit dem ich Themen legte dar:
‚Empfindsamkeit‘ scheint durch fürwahr!20
Auch der Begriff ist heut verdreht:
Kaum einer ihn mehr recht versteht.


Bildkunst offenbart den Geist einer Zeit


Ich wollte Kunst noch nennen hier:
Gemälde, Statuen, die zur Zier
Des Menschenlebens dienen sollen,
Die Dasein schöner machen wollen.

Ihr stimmt mit mir wohl überein,
Dass Kunst ist gleichsam Wider-Schein
Des Fühlens, Spürens einer Zeit:
Dass Kunst ihr ein Gesicht verleiht,
Das sinnhaft sich stets sehr genau
Im wahren Wortsinn ’stellt zur Schau.‘

Seht an euch doch Gemälde nur
(Ich sehe ab ganz von Skulptur),
Zu meinen Tagen einst gemalt:
Aus ihnen Herzenswärme strahlt,
Ergötzen, Freude, Glücks-Genuss,
Nicht Trübsinn, Missmut und Verdruss.


Unmenschliche Züge heutiger Kunst


Seh heute ich die Malerei,
So wird es mir ganz schlecht dabei.
Was da in Galerien hängt
Geschmacks-Empfinden in mir kränkt.

Doch bitte, missversteht mich nicht!
Es nicht für Mangelhaftes spricht,
Wenn Hässlichkeit wird dargestellt:
Das Üble auch in dieser Welt.

Ich würdigte ein Kunstwerk nie
Auf was sich denn das Bild bezieh,
Als vielmehr einzig und allein,
Ob schliesst es das Humane ein,
Das heisst: ob es bezogen ist
Auf Menschenleben und ermisst
Des Menschen Sein, den Lebensstil
Sowie auch dessen letztes Ziel.21
Die Kunst Berechtigung hat bloss,
Wenn der Norm folgt sie rückhaltlos.


„Autonome“ Kunst fördert Unmenschlichkeit


Jetzt nehme überall ich wahr
Die Frucht des Schlagworts ‚l’art pour l’art‘!22
Das Kunstwerk dünkt sich autonom,
Ganz losgelöst vom Lebensstrom.
Der Massstab ist bloss noch ästhetisch,
Die Kunst ward selber sich zum Fetisch.

Das führt zur Gegen-Menschlichkeit:
Der Nihilismus macht sich breit;
Bejubelt aus dem Höllenreich,
Wird Kunst zunehmend teufelsgleich:
Ihr Innres ist die Negation,
Verleugnend, dass der Mensch Person.


Publikum „entfremdet“ Künstler


Ein Gipfel dieses Denkens ist,
Dass jetzt die Kunst sich gar vermisst
Zu sagen, dass das Publikum
Verderbe Künstler durch Konsum
Des Kunstwerks, welches der geschaffen:
‚Entfremdet‘ müsse er erschlaffen.


Kunst definiert sich selbsten


Drum Künstler selbst bestimmen wollen,
Was andre anerkennen sollen
Als künstlerischen Gegenstand,
Selbst wenn der objektiv erkannt
Als Wahnwitz oder Unsinn sei:
Wie ein in Gips gestecktes Ei,
Ein Kreis, in Fensterkitt gezogen,
Ein Velo, mit Gewalt verbogen;

Ein Regenschirm, in Teer getaucht,
Ein Katzenohr, als Schmuck missbraucht,
Ein Bild, auf das gebracht ist nur
Von grüner Farbe eine Spur
Und anderes in schwarzem Rahmen,
Beschrieben rechtsquer rot mit ‚Amen‘,

Ein alter Stuhl, den man durchstiess
Und dann mit Beton (!) flicken liess,
Ein Paar verrotteter Sandalen,
Zitronengelb ganz schrill bemalen,
Nebst Ähnlichem, was täglich spriesst,
Wovon man in der Zeitung liest,
Dass laut der Künstler damit prahlt
Und mancher höchste Preise zahlt,
Um dieses ‚Kunstwerk‘ ja zu haben,
Weil er sich am ‚Genuss‘ will laben.

Mir, Gotthold, zeigt dies zweifelsfrei
Genau so viel an Narretei
Des Publikums, als über Wahn,
Dem Künstler heute zugetan!

Wenn Kunstwerk jetzt man definiert
Als das, wonach der Käufer giert,
Weil er als ‚Kunst-Werk‘ es betrachtet,
Dann seht ihr, wie schon tief umnachtet
Der ganze ‚Kunst-Betrieb‘ heut ist:
Dass er als Irr-Sinn sich bemisst.


Ächten Kunstwerks Merkmale


Erinnern möchte ich daran,
Wie ächtem Kunstwerk haftet an,
Dass in sich selbst es stets hat Sinn
Und wendet sich zum Menschen hin
Mit dem, was es zum einzlnen sagt:
In dem, womit es in ihn ragt;
Und so, dass der Betrachter ganz
Mit diesem steht in Re=Sonanz,
Das heisst: das Kunstwerk ihn berührt,
Dass er mit allen Sinnen spürt
Sein Menschsein, wie er existiert:
Dass Hauch des Göttlichen ihn ziert.

Drum stimmt die ächte Kunst stets froh,
Sie ängstigt, schreckt nicht; wirkt nie roh.
Sie stärkt die Hoffnung, dass am Ende
Von hinnen man ins Jenseits fände:
Dass GOtt, der uns das Leben gab,
Aus Liebe auch befreit vom Grab,
Wie ER gezeigt es uns hat schon
An JEsu CHristo, SEinem Sohn.


Pornographische Kunst verbreitet sich


Was heute als ‚Erotik-Kunst‘
Steht hoch in vieler Leute Gunst –
Ich meine geile Kleckserei,
Pornographie und Schweinerei –
Gefahrvoll weniger erscheint
Als jene Kunst, die bösgemeint
Den Menschen hat aus sich verbannt,
‚Rein Künstlerischem‘ zugewandt.

Damit kein Missverständnis sei:
Mich widert an die Schweinerei,
Die Unzucht, der Verlust an Scham,
Wie bildhaft dies zum Ausdruck kam
In schön gemalter Schmutzerei,
Verkehrend Werte zweifelsfrei.


Pornographie verdirbt Umgangssitten und Sprache


Wo das Gemeine duldet man,
Gibt dieses schnell den Ton auch an;
Und das geschieht ganz ohne Frage
Jetzt mehr und mehr mit jedem Tage.

Der Stenze Sprache, die der Metzen,
Hört stündlich man in Medien schwätzen,
Was abfärbt auf den Umgangston,
Der oft erreicht den Tiefststand schon.

Doch ist der Schaden im Vergleich
Zum wider-menschlichen Bereich
Der Kunst am Ende nicht so gross,
Nicht unheilbringend grenzenlos.

Wohl spürt der Mensch, wie auf ein Tier
Herunterzieht ihn die Begier.
Bewusstsein dessen allemal
Setzt irgendwann ein Haltsignal,
Weil Ekel, Abscheu – Grausen schier –
Schafft letzt dem Menschen doch die Gier.


Auf sich selbst bezogene Kunst bewirkt Verbildung


Entmenschte Kunst löst alle Bindung,
Verhindert jede Werte-Findung;
Sie führt Betrachter in die Leere,
Meist ohne dass bewusst dies wäre:
Verstellt mit teuflischem Geschick
Dem Menschen darob ganz den Blick
Auf seine Enderfüllung, die
Ihm GOtt der HErr im Glück verlieh.
Zum Glück als wahrem Menschen-Ziel
Belehrte ich Herrn Haltaus viel.
Lest nach, was dazu sage ich:
Ganz sicher lohnt für euch es sich!23


Tanz wandelte sich zu tobsüchtiger Hopserei


Verzichten will ich fürders ganz
Tief einzugehen auf den Tanz,
Der sittsam früher, ordentlich,
An dem auch ich erfreute mich:24
Der Liebreiz zeigte, Stil, Kultur,
Des Anmutsvollen, Heitren Spur.

Vergleicht damit die Tanzerei:
Gehopse, Tollen und Geschrei
Bei überlauter Krachmusik,
Wie solches derzeit ringsum schick.

Wollt dann noch bleiben ihr dabei,
Dass heute alles besser sei
Und meine Zeit bedauernswert?
Ihr seht auch hier, dass dies verkehrt!


Menschen von heute fehlt das innere Glück


Doch nun zurück zu jenen Bänden,
Die wurden von des Meisters Händen
Versehn im Einband so mit Pracht,
In die jedoch kein Druck gebracht.

Ich meine, dies ein Gleichnis ist,
Wie sich der heutge Mensch bemisst:
Von aussen autonom und frei,
Im Innern haltlos, leer dabei;
An Gütern fehlt ihm nahzu nichts,
Im Herzen mangelt es des Lichts;
Der Lebens-Wünsche hat er viel,
Doch keinen Blick mehr für sein Ziel;
Gestärkt ist sicher der Verstand,
Allein, der Glaube ist verbannt;
Die Sorgen traten zwar zurück,
Erreicht hat er jedoch kein Glück.


Freiheit von alten und Bedrückung durch moderne Tyrannen


Was kundtat ihr von Freiheit noch,
Erklingt wie Hohn, weil nie das Joch
Der Sklaverei war zweifellos
In seinem Druck wie heut so gross.


Fahrzeug-Despotismus


Wie viele stehen unter Zwang
Von Tag zu Tag – ihr Leben lang –
Zu fahren selbst die kleinste Tour
Mit ihrem eignen Auto nur?

Die süchtig sind nach dem Motor:
In denen Kummer bricht hervor,
Verzweiflung, Drangsal, Depression,
Wenn nur an einem Tage schon
Ihr Auto ist nicht fahrbereit:
Für sie die ärgste Grausamkeit,
Weil inwärts ist gesperrt bei ihnen,
Sich eigner Füsse zu bedienen:
Ihr Menschsein mit dem Fahrzeug bloss
Dünkt ihnen sinnvoll, reich und gross?

Bei solchem Auto-Despotismus
Fürwahr klingt ‚Freiheit‘ als Zynismus
Und ‚Selbstbestimmung der Person‘
Als barer Spott, als blanker Hohn.
Ihr, Gotthold, seht das sicher ein,
Mögt selbst ihr auch betroffen sein.


Knechtung durch Alkohol


Ich frage, Gotthold, ob ihr wisst,
Wie mit dem Alkohol es ist?
Die Sauferei ist eine Sucht,
Von der erfasst mit voller Wucht
Millionen Bürger heute sind,
Und die an Ausmass noch gewinnt.

Versklavt ist jeder Trinker ganz
Im Herzstück, in der Kernsubstanz;
Denn Leben macht ihm bloss noch Spass,
Nachdem er Alkohol genas,
Und ohne Trinken fühlt er sich
Verzweifelt, bitter, jämmerlich.

Ist das nicht, Gotthold, zweifelsfrei
Ganz harte, schlimme Tyrannei:
Des freien Handelns Nötigung,
Drum menschliche Erniedrigung?


Diktatur der Tabaksucht


Die Hälfte aller Menschen braucht
Das Nikotin und darob raucht.
Wiewohl Gesundheit wird zerstört,
Auf Warnhinweise niemand hört,
Wie sie gedruckt mit Etiketten
Auf jeder Packung Zigaretten.

Man kann die Pafferei nicht lassen,
Weil grausam, eisern tut umfassen
Die schlimmste Diktatur den Raucher:
Die Sucht lenkt den Tabak-Verbraucher.

Der Zwang zum Nikotin bestimmt
Den Raucher und ihm dadurch nimmt
Die Freiheit, sich so zu entscheiden,
Dass er Tabak-‚Genuss‘ mag meiden.

Nun sagt doch, Gotthold, bitte mir:
Kennt eine Willkürherrschaft ihr
Mit einem höhren Mass an Zwang
Als unhemmbaren innren Drang?

Wird jemand mehr terrorisiert,
Als wenn in seinem Innern giert
Die Tabak-Sucht, die harsch ihn zwingt,
Dass Qualm er in die Lunge bringt?


Andere Zwängereien


Ich habe eben nur genannt
Den Zwang, der breite Duldung fand
In der Gesellschaft dieser Tage:
Den billigt man ganz ohne Frage.

Denn Trinken, Rauchen, Autofahren
Beweisen zwar ein Sucht-Gebaren,
Doch gilt dies heute allemal
Als weithin üblich und normal.
Man andre Suchtart nur verpönt,
Weil diese noch nicht eingewöhnt.

Ich nenne Fressgier, Spielsucht auch
Sowie Narkotika-Verbrauch.
Auch hier bereitet Sucht viel Qual
Für eine stetsfort grössre Zahl,
Weil freier Wille ist beschränkt,
Je mehr das Laster klemmt und zwängt.


Innerlich Geknechtete können kein Glück erlangen


Wo Freiheit ist gedrängt zurück,
Gedeiht im Menschen auch kein Glück.
Wen immer zwingt mit ihrer Wucht
Tief nieder herrisch eine Sucht,
In dem wird nimmer Freude spriessen:
Er kann drum auch kein Glück geniessen.

Wenn Sucht ist drum wie heut verbreitet,
Dass unter ihr die Mehrzahl leidet,
Dann bildet sich auch stark zurück
Das Mass an Freude und an Glück
Von GOtt den Menschen zugedacht:
Die Sucht hat es zu Fall gebracht.


Teurer Ausgleich der Suchtschäden


Lasst nebenbei bemerken mich:
Die Kosten steigern ständig sich,
Die nunmehr sind zu wenden auf,
Damit der Schaden, den zu Hauf
Die Süchte richten allseits an,
Ein wenig man beheben kann.

Denkt an die Tausende hier bloss,
Die Motor-Wahn erbarmungslos
Zu Dauer-Krüppeln hat gemacht;
Die von Tabak halb umgebracht,
Die durch die Trunksucht ruiniert,
Durch Drogen, Rauschgift schwer lädiert.

Ihr wisst, was bloss der Unterhalt
Der Bauten einer Heilanstalt
An Mitteln jährlich schon verschluckt;
Ein Achtel vom Sozialprodukt
Muss eine Volkswirtschaft dermalen
Für Schäden aus der Sucht schon zahlen.

Doch nicht bewertbar ist in Geld
Das Leid, dem Sucht ist beigesellt.
Familien kommen tief in Not:
Sie sind meist vom Zerfall bedroht,
Weil statt der Liebe herber Gram
In ihrer Mitte Wohnung nahm.
Ich will dazu hier nicht mehr sagen;
Bekannt ist: Leid kann bitter nagen!


Tyrannische Fürsten früher


Erlaubt, dass ich noch richtigstelle
Hier nur ganz kurz, bloss auf die Schnelle,
Was über Fürsten-Tyrannei
Ihr fügtet eurer Rede bei.

Der Druck, der ausging seinerzeit
Von Fürsten und der Obrigkeit
War bloss ein bisschen, eine Spur,
Bestimmt ein kleiner Bruchteil nur
Des Zwangs, mit dem Behörden heute
Bedrücken, plagen hart die Leute.

Erspart es mir, zu zählen auf
Instanzen, Ämter, die zuhauf
Das ganze Dasein jetzt begleiten
Und jeden Schritt des Lebens leiten.
Erwähnen lasst mich nebenher
Allein die Pflicht zum Militair,
Die meiner Zeit noch unbekannt –
Wiewohl der Krieg zog durch das Land.25

Mein Landesherr Karl Theodor
Tat sich durch Edelmut hervor:
Durch Milde, Huld und Freundlichkeit,
Die allen gab Geborgenheit;26
Und von Elisabeth Auguste
Einjeder nur das Beste wusste,
Wie ich in meiner Rede ja
Zu Lautern legte klärlich da.27

Regent von Oberndorff fürwahr
Ein Muster stets an Güte war;28
Gar niemand von ihm sagen kann,
Dass ein Despot er, ein Tyrann.\“ –


Jung-Stilling bewirkte Urteilsänderung


\“Herr Hofrat Jung\“, sprach ich darauf,
\“Exempel nannten sie zuhauf,
Die offenbaren ziemlich klar,
Dass ihre Zeit wohl heller war.

Sie haben überzeugt mich breit,
Dass finster eher unsre Zeit.

Es zeigen froher sich und lichter
Zu ihren Tagen die Gesichter,
Wie ich auf Bilder sehen kann,
Die trifft man in Museen an.
Gesichter heut sind mehr verkniffen,
Viel derber auch und ungeschliffen.


Fragen nach dem menschlichen Glück


Nun komme ich zu dem zurück,
Was mehrmals sagten sie zum Glück.
Wie kann der Mensch denn hier auf Erden
Umfassend froh und glücklich werden?
Ist Glück das Ziel des Menschen letzt?
Wird er von GOtt darein versetzt?\“ –

\“Ihr fragt, Herr Gotthold, zweierlei.
Als erstes, wie es möglich sei,
Dass jemand glücklich werde nieden:
Dass froh er bleibe und zufrieden;
Zum andern nach dem letzten Ziele:
Ob dann den Menschen Glück umspiele?

Lasst bloss mich nehmen Stellung ihr
Zur ersten dieser Fragen hier.
Zur zweiten bitte lest bald nach,
Was dazu ich zu Haltaus sprach.29
Dies als umfassend sich bemisst,
Dem nichts hinzuzufügen ist.


Mittel zur Erlangung irdischen Glücks


Auf Erden kann nur glücklich sein,
Wen schliesst in seinem Innern ein
Das Wahre, Gute, Schöne ganz:
Wen es umgreift mit seinem Glanz

Ich nenne wahr, was dauerhaft
Gedeih und Heil im Menschen schafft:
Was völlig seinem Zweck entspricht
In irdscher wie in ewger Sicht.

Das Gute macht vollkommen mehr
Der Seele Tugend und daher
Auch körperliche Fähigkeiten:
Sie beide sich in Kräften weiten.

Was so dem Menschen Heil bereitet,
Dass Freude ihn stetsfort begleitet,
Veredelnd dadurch ihn zu Höhn,
Das heiss ich mit den Alten schön.


Ursprung des Wahren, Guten, Schönen


Des Wahren, Schönen, Guten Quelle
Entströmt der lichten, klaren Helle
Des HErren GOttes ganz allein:
Es kann ein andrer Born nicht sein.

Wenn dicht daher ein Mensch umhüllt
Vom Schönen, Guten und erfüllt
Von deren Frucht und Wirksamkeit,
So ist von GOtt er auch nicht weit.
Lest, Gotthold, was ich schrieb davon
Im Lexikon zur Religion.29


Bezug zwischen GOtt und dem Wahren, Schönen, Guten


Doch umgekehrt gilt hierob auch:
Wer spürt des HErren GOttes Hauch,
Der fühlt das Wahre, Schöne, Gute:
Ihm ist es nieden so zu Mute,
Als ob er schon im Himmel wäre:
Beseligt in des Jenseits Sphäre.

Aus dem folgt aber auch der Schluss:
Wer ständig mürrisch, in Verdruss,
Verbiestert, knorrig, bissig, kantig,
Beengt, verbohrt, voll Launen, grantig,
Der spürt in seinem Herzen nicht
Der Gnade GOttes helles Licht.

Auch lenkt im Mensch dann nichts den Sinn
Zum Wahren, Schönen, Guten hin,
Das aus sich selbst ja ziehen kann
Den Menschen jäh in GOttes Bann,
Weil eben dieses Abglanz nur
Von GOttes unbegreiflicher Natur.


Das Wahre, Schöne, Gute setzt Freiheit voraus


Das Wahre, Schöne, Gute birgt
Als Vorbehalt, dass es auch wirkt,
Entscheidungs-Freiheit jeden Falles;
Es hindert sein Vermögen alles,
Was immer Wahlhandlung beschränkt,
Gar zwanghaft die Entscheidung lenkt.

Und weil das Gute, Schöne, Wahre
Mit GOtt gepaart aufs wunderbare,
Verliert, wer süchtig, ganz den Blick
Auf seinen Endzweck, sein Geschick,
Das ganz allein in GOtt begründet:
In IHn letzt alles Leben mündet.

Erwägt ihr den Zusammenhang
In Ruhe eine Stunde lang
Und lest – wie schon empfohlen – nach,
Was ich vom Glück zu Haltaus sprach.
Erkennen könnt dann tiefer ihr,
Wie alles ist durchdrungen hier.\“


Jung-Stilling entgleitet dem Blick


Als Stilling eben sagte dies,
Ein Mann sich nächst ihm sehen liess.
Er lief – wie Stilling schon vorher –
In langen Schritten übers Meer,
Auch leichthin durch die hohe Gicht:
Sie störte ihn am Gehen nicht.

Zu Stilling beugte er sich vor,
Und sprach ihm länger in sein Ohr.
Der nickte wiederholt sodann;
Er sah dabei mich seltsam an.
Sein Mienenspiel mir klar verriet,
Dass gleich er nun von hinnen schied.

Ich hatte recht! Mit einem Mal
Sah Stilling ich nur matt und fahl;
Er löste auf sich allgemach:
Verlor dem Blick sich nach und nach.
Kurz war ein Flimmern noch zu sehen,
Wo eben sah ich Stilling stehen,
Bis dieses langsam auch verschwand:
Jetzt war dort nur der Meeres-Strand.


Engel Siona gebietet Veröffentlichung


Ich blickte hin nun zu dem Mann,
Der sprach Jung-Stilling eben an.
Es war kein Zweifel, wen ich sah:
Jung-Stillings Engel Siona.31
Der reichte freundlich mir die Hand,
Die ich als drall und warm empfand.

\“Herr Gotthold\“, sagte er zu mir,
\“Ich wünsche, dass bekanntmacht ihr
Was Hofrat Jung euch sagte grad:
Was er euch kund zu wissen tat.

Für alle dies gesprochen ward,
Die leben in der Gegenwart.
Schreibt deshalb bitte sorgsam auf
Der Rede Inhalt und Verlauf.\“ –


Siona überreicht Compactdisc


\“Herr Engel Siona!\“, sprach ich,
\“Das Meiste aus dem Kopf schon wich.
Gedächtnis ist bei mir arg schwach,
Erinnern zudem wirr und flach.
Ich kann daher bei bestem Willen,
Mitnichten ihren Wunsch erfüllen.\“ –

\“Nun gut\“, bemerkte Siona,
\“Ich reiche euch deswegen da
Geschrieben schon, was Hofrat Jung
Euch sagte zur Beherzigung
Vom Glück des Menschen auf der Welt
Und wie es nieden war bestellt
Ums Wohl in der vergangnen Zeit,
Der Stilling damals gab Geleit.


Widmungsträger wird genannt


Druckt die Compactdisc samt den Noten,
So wie es euch hier dargeboten.
Gewidmet sei Klaus Goebel dies,
Der durch die Jahre sich erwies
Als ächter, treuer Stillings-Freund,
Von Gunst des Himmels drum umzäunt.
Wiewohl er nun schon sechzig zählt,
In ihm noch Jugendeifer schwelt.

Ich weiss, dass er setzt ein sich gern
Stets für die Sache unsres HErrn:
Für dessen wahre Zeugen auch,
Die vorlängst GOttes Wortes Hauch
Hienieden spürbar machen wollten,
Was Heutge nicht vergessen sollten!

Ich bitte, dass ihr ihm mögt sagen,
Wie seine Arbeit mit Behagen
Bei Hofrat Jung Beachtung fand.
Er ist Klaus Goebel zugewandt
Und bittet GOtt, dass Glückes Reiz
Ihn froh hält selbst zur Zeit des Leids.


Siona bestellt Grüsse an Stillings-Freunde


Grüsst alle Stillings-Freunde ihr
Von Hofrat Jung und auch von mir;
Insonders die, die Geld gern stiften,
Dass druckt man heute Stillings Schriften.
Im Himmel sie willkommen sind:
Man ist dort ihnen wohl gesinnt.

Geist Eldad32 wird sie beim Verscheiden
Ins Jenseits froh und sanft begleiten,
Von wo sie dann Geist Elagmar33
Gern reicht dem Throne GOttes dar.


Siona empfiehlt das Gebet und entschwindet


Lebt wohl und harret im Gebet:
Es dringt zu GOttes Majestät
Und bringt stets Gnaden in die Welt,
Die sonst nicht wärn bereitgestellt.\“34

Bevor ich dessen mich versah,
Gab in die Hand mir Siona,
So wie versprochen, die Diskette,
Damit ich Stillings Rede hätte.

Die Stelle war auf einmal leer,
Wo Siona noch stand vorher.
Ich sah zunächst noch einen Strahl,
Doch wurde dieser langsam fahl.
Umgeben war ich ringsumher
Jetzt nur von Wolken, Sand und Meer.


Ausdruck der Compactdisc gelingt


Sehr skeptisch war ich, ob denn nähm
Mein Rechner dieses Schrift-System?
Doch alles fand sich recht codiert:
Es lief mein Drucker wie geschmiert.

Was hier man liest nun im Gedicht,
Dem Ausdruck ganz genau entspricht.
Doch falls sich zeigen Mängel da,
So schelte man nicht Siona.

Man puffe den mit Schmäh und Hieb,
Der dies in Himmels-Auftrag schrieb
Und so in seine Feder floss:
Zu Salen34 Gotthold Untermschloss.


Hinweise, Anmerkungen und Erläuterungen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110 000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Geheimer Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817), der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor. Siehe über ihn ausführlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. – Zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt siehe näher Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808, Reprint Leipzig (Zentralantiquariat der DDR) 1987, S. 220 ff.

2 Jung-Stilling nennt in seinem (teilweise) autobiographischen Roman \“Theobald oder die Schwärmer\“ aus den Jahren 1784/85 seine Heimat, das Fürstentum Nassau-Siegen, Grafschaft Leisenburg. – Siehe zum Hauptinhalt dieses Romans die hervorragende Deutung von Otto W. Hahn: Jung-Stilling und die Aufklärung. Sein Leben und sein literarisches Werk 1778 bis 1787. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris (Peter Lang) 1988, S. 287 ff. (Europäische Hochschulschriften, Reihe XIII, Bd. 344).

3 Jung-Stilling wurde am 12. September 1740 in dem Dorf Grund (heute Teil der Stadt Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen) geboren. Er nennt den Ort in seiner Lebensgeschichte Tiefenbach.

4 Jung-Stilling war von Prüderie (als übertriebener Schamhaftigkeit und somit Tugend PER EXCESSUM) nicht frei. Bereits nackte Arme hält er für eine unsittliche Entblössung; seinen eigenen Vater (mit dem er zehn Jahre lang das Bett teilte) sah er nie mit unbekleidetem Arm. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Gesellschaftliche Mißstände. Eine Blütenlese aus dem \“Volkslehrer\“. Berlin (Duncker & Humblot) 1990, S. 65, S. 78.

5 Stillings-Freund meint zunächst Gönner, später dann Anhänger, \“Fan\“ oder zumindest dem Autor gegenüber wohlwollend gesinnter Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen beiden Bedeutungen von ihm selbst gebraucht; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort S. 316 sowie die Jung-Stilling gesamthaft und im einzelnen auf verkennende, mit einer Überfülle sachlicher Fehler und falscher Werturteile [nebenbei: es gibt wissenschaftstheoretisch gesehen durchaus \“richtige\“ Werturteile!; siehe hierzu vertiefend Gerhard Merk: Grundbegriffe der Erkenntnislehre für Ökonomen. Berlin (Duncker & Humblot) 1985, S. 55 ff.] durchsetze Studie von Hans R. G. Günther: Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Psychologie des Pietismus, 2. Aufl. München (Federmann) 1948 (Ernst Reinhardt Bücherreihe).

Siehe Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung. Die polemischen Schriften Johann Heinrich Jung-Stillings gegen Friedrich Nicolai (1775/76). Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 1987, S. 40 f., S. 51 f., S. 71 f. (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Bd. 129). Zurecht bezeichnet Vinke das Buch von Günther als eine \“unglaubliche Mischung von einfachen Fehlern, bösartigen Verzeichnungen der Fakten, krassen Fehlurteilen, absolutem Unverständnis für die pietistische Fragestellung und einigen wenigen genialen Einsichten\“ (S. 40; in Anm. 82 auch über die verhängnisvolle Wirkungsgeschichte des Buches von Günther).

6 Jung-Stilling lebte von 1778 bis 1784 in (Kaisers)Lautern als Professor für ökonomische Wissenschaften an der dortigen Kameral Hohen Schule. – Siehe ausführlicher Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 372 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Gesellschaft, Leben und Beruf. Geschichten aus dem \“Volkslehrer\“. Berlin (Duncker & Humblot) 1990, S. 50 ff. und Gustav Adolf Benrath: Jung-Stilling in Kaiserslautern 1778-1784, in: Pfälzer Heimat, Bd. 41 (1991) , S. 63 ff.

In Kaiserslautern trat Jung-Stilling auch 1781 der dortigen Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ bei. Er liess aber seine Mitgliedschaft ab 1784 ruhen, zumal die Freimaurerei und generell alle Geheimgesellschaften durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalzbayern (1724/1742-1799) vorboten wurden. – Siehe hierzu Otto W. Hahn: Jung-Stilling zwischen Pietismus und Aufklärung. Sein Leben und literarisches Werk 1778 bis 1787. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris (Peter Lang) 1988, S. 371 ff. (Europäische Hochschulschriften, Bd. 344) sowie Gerhard Schwinge: Affinität und Aversion. Jung-Stillings Verhältnis zum Freimaurertum und zum Illuminaten-orden, in: Erich Mertens (Hrsg.): Auf den Spuren von Jung-Stilling. Studien zu Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817). Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1998, S. 50 f.

7 Siehe zu diesem Heilmittel Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 294, S. 296, S. 727.

8 Jung-Stillings erste Frau Christine Heyder (1751–1781), die in Kaiserslautern starb, nachdem Jung-Stilling mit ihr \“10 Jahr und 4 Monath in einer Creuz- und Leydensvollen Ehe gelebt\“ hatte; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 696. sowie Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989, S. 73 ff.

9 Jung-Stillings älteste Tochter Hanna (1773–1826), seit 1792 mit dem hessischen Pfarrer und ab 1804 Heidelberger Theologieprofessor Friedrich Heinrich Christian Schwarz (1766–1837) verheiratet, dem sie zehn Kinder gebar. – Gesamthaft hatte Jung-Stilling aus drei Ehen 13 Kinder.

10 Die Magd Elisabeth Mittermeyer, die seit 1. Mai 1778 im Hause Jung-Stillings zu Kaiserslautern diente; siehe Gustav Adolf Benrath: Jung-Stillings Notizbuch aus den Jahren 1778–1813, in: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes, Bd. 39 (1990), S. 87 ff.

11 Reichenburg nennt Jung-Stilling in seiner Lebensgeschichte die Stadt Mannheim am Einfluss des Neckars in den Rhein. – Die Wittelsbacher Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor liessen in ihrer kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim zwischen 1720 und 1760 ein Schloss errichten. Dieses ist nicht nur von aussen gesehen die grösste barocke Schlossanlage Deutschlands; es zeigte auch in seiner Innen-Ausstattung viele Glanzpunkte (im Zweiten Weltkrieg wurde das Innere ganz zerstört).

Jung-Stilling weilte öfters zu Mannheim, wo er eine Reihe wichtiger Verbindungen zu leitenden Hofbeamten hatte; siehe näher Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 777 (Register, Stichwort \“Mannheim\“).

Jung-Stilling wurde 1784 auch zum Mitglied der von Kurfürst Karl Theodor 1775 ins Leben gerufenen (literarischen) \“Teutschen Gesellschaft\“ in Mannheim ernannt. Ihr gehörten eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten des damaligen Geisteslebens an.

Zu den Sitzungen nach Mannheim fuhr er zusammen mit seinem engsten Freund Johann Friedrich Mieg (1744–1819), Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Heidelberg und unter dem Namen Epictet das führende Haupt des antichristlichen Illuminaten-Ordens in der Kurpfalz. Jung-Stilling war indessen kein Illuminat, sondern lediglich ein ganz \“gewöhnlicher Freimaurer\“, legte aber 1784 den Hammer nieder; siehe Anm. 6. – Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993, S. 23 f. (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1).

12 Jung-Stilling lernte bei seinem Vater das Schneiderhandwerk und die Knopfmacherei. Er hatte dadurch einen geschärften Blick für die Bekleidung, wie sich nachweislich aus seinen Schriften zeigt. – Siehe hierzu Hans Grellmann: Die Technik der empfindsamen Erziehungsromane Jung-Stillings. Ein Beitrag zur Empfindsamkeit der Aufklärung, neu hrsg. von Erich Mertens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1993, S. 90 ff.

13 Jung-Stilling kannte unter anderem den damals weltberühmten Mathematiker und Astronomen Pater Christian Mayer (1719–1783), den er 1780 von Kaiserslautern aus (zusammen mit seinem Neffen Johann Heinrich Jung [1761–1832]) auf der Sternwarte zu Mannheim besuchte. – Siehe Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711–1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989, S. 141. Zu Mayer und der Sternwarte in Mannheim siehe auch Alexander Moutchnik: Forschung und Lehre in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Naturwissenschaftler und Universitätsprofessor Christian Mayer SJ (1719-1783). Augsburg (Rauner) 2006.

Wiewohl Jung-Stilling in der Gesellschaft Jesu und in deren \“Ordens-Geist\“ gesamthaft ein satanisches \“Tier aus der Erden\“ zu erkennen wähnt, so will er doch einzelne Jesuiten von diesem Urteil ausnehmen; \“denn es waren viele grosse und würdige Männer unter ihnen\“; siehe (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 400.

14 Siehe Anm. 11. – Der kurpfälzische Hof zog 1778 von Mannheim nach München, nachdem Kurfürst Karl Theodor (1724/1742-1799) die Erbfolge auch in Bayern zufiel. Die rechts des Rheins gelegenen Teile der Kurpfalz (so auch die Städte Heidelberg, Schwetzingen und Mannheim mitsamt ihrer bedeutenden Schlossanlagen) kamen 1803 an das neugegründete Grossherzogtum (von 1802 bis 1806: Kurfürstentum) Baden mit der Hauptstadt Karlsruhe.

15 Jung-Stilling lebte ab 1808 am Hofe des Grossherzogs von Baden in Karlsruhe, wo zwischen 1752 und 1782 ein Schloss im Stil des Rokoko erbaut wurde. – Siehe Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe. Zu seinem 170. Todestag, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 184 ff.

16 Die \“Mannheimer Schule\“ bezeichnet die in der kurfürstlichen Musikkapelle zu Mannheim tätigen Vorgänger der Wiener Klassik. Eingeleitet wurde von ihnen um 1750 eine völlige Stilwandlung in der Musik. – Siehe näher Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Mannheimer Hofkapelle im Zeitalter Carl Theodors. Mannheim (J & J Verlag) 1992.

17 Der böhmische Musiker Johann Wenzel Stamitz (1717–1757) war Dirigent der Hofkapelle zu Mannheim, in der auch sein Bruder Thaddäus Stamitz (1721–1768) als Cellist wirkte. Er erzog sein Orchester in kurzer Zeit zu einem Klangkörper von internationalem Ruf. — Seine in Mannheim geborenen Söhne Karl Stamitz (1746–1801) und Anton Stamitz (1754–1820) traten als bedeutende Instrumentalisten und Komponisten hervor. Jung-Stilling dürfte die jüngeren Brüder Stamitz persönlich gekannt haben.

18 Der mährische Musiker Franz Xaver Richter (1709–1789) gilt als einer der Hauptmeister der \“Mannheimer Schule\“. Er beeinflusste stark Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), der die Mannheimer Hofkapelle bewunderte; seine Frau Konstanze Weber war die Tochter eines Hofmusikers in Mannheim.

19 Der als Komponist ungemein fleissige Christian Cannabich (1731–1798) war Schüler von Johann Stamitz (siehe Anm. 17) und wichtiger Vertreter der \“Mannheimer Schule\“. Er übernahm 1765 die Leitung und 1775 das Amt des Dirigenten der Hofkapelle zu Mannheim. – Sein Sohn Karl Cannabich (1764–1806) ging mit dem Hofe nach München (siehe Anm. 14), wo er später das Amt des Hofdirigenten bekleidete. Bis in unsere Tage sind Werke der beiden Cannabichs immer wieder gespielt und auch als Partitur und Tonträger veröffentlicht worden. – Jung-Stilling dürfte die Familie Cannabich persönlich gekannt haben.

20 Siehe hierzu Hans Grellmann: Die Technik der empfindsamen Erziehungsromane Jung-Stillings. Ein Beitrag zur Empfindsamkeit der Aufklärung (Anm. 12), S. 316 (Register, Stichwort \“Empfindsamkeit\“).

21 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 139 sowie Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 47 ff. (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2).

22 \“Die Kunst ist einzig für die Kunst da\“: Grundsatz der autonomen Kunst. Dienende Funktion an der Menschheit hat die Kunst demgemäss nicht. – Siehe hierzu ausführlicher Hans Sedlmayr: Verlust der Mitte. Die bildende Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts als Symptom und Symbol der Zeit, 10. Aufl. Salzburg (Otto Müller) 1998, insbes. Kapitel 13 (auch in der Taschenbuch-Reihe \“Ullstein Bücher\“ als Nº 39 sowie in Fremdsprachen übersetzt erschienen).

23 Siehe Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? (Anm. 21), S. 51 ff. sowie Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996, S. 74 f. Diese Belehrung ist auch (ohne die beigegebenen Abbildungen) unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> als Download-File abrufbar.

24 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 385 (\“Wenn Ball und Cour ist, so speist man an lauter kleinen Tischen; die Tänzer aber speisen alle miteinander. Es ist wirklich sehenswert, hier tanzen zu sehen, alles ist so geziemend und ordentlich, und man tanzt vortrefflich. Der Großherzog leidet keine üppige Kleidung oder sonst etwas Unanständiges, er kommt oft in den Saal und sieht dem Tanzen zu\“).

25 Die allgemeine Wehrpflicht ist eine der \“Errungenschaften\“ der Französischen Revolution von 1789. Sie wurde 1814 in Preussen eingeführt und 1871 in die deutsche Reichsverfassung aufgenommen. – Siehe Torsten Holm: Allgemeine Wehrpflicht. Entstehung, Brauch und Mißbrauch. München (Pohl) 1953.

26 Der hoch gebildete und kunstsinnige Kurfürst Karl Theodor (1724/1742–1799) aus der katholischen Wittelsbacher Linie Pfalz-Sulzbach war von 1762 bis 1787 der Landesherr von Jung-Stilling. Diesem widmete Jung-Stilling seine medizinische Doktorarbeit und überreichte sie 1772 dem Kurfürsten persönlich in Mannheim. – \“Der Kurfürst liebte mich sehr\“, schreibt Jung-Stilling rückblickend 1801; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 688. Er verlieh Jung-Stilling im Herbst 1786 den Titel eines \“Kurfürstlichen Hofrats\“: ein für die damalige Zeit wichtiger gesellschaftlicher Rang.

Karl Theodor war auf Schloss Arenberg in Droogenbosch (Brabant, nahe Brüssel) geboren, als Frühwaise bei der Urgrossmutter Marie Henriette de Arenberg in Brüssel aufgewachsen und französischer Muttersprache; er schätzte die französische Kultur zumindest ebenso wie die deutsche. Als Zehnjähriger kam er zur weiteren Erziehung an den Hof seines kinderlosen Grossonkels Karl Philipp (1661/1720–1742) aus der Wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg nach Mannheim. Karl Theodor besuchte zwei Jahre lang bis 1741 die Universitäten in Leiden und Löwen.

Der Kurfürst blieb zeitlebens allem Militairischen abhold; die Förderung der Künste lag ihm sehr am Herzen. – Siehe näheres bei Peter Fuchs: Kurfürst Karl Theodor von Pfalzbayern (1724–1799), in: Pfälzer Lebensbilder, Bd. 3. Speyer (Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften) 1977, S. 65 ff. sowie Hans Rall: Kurfürst Karl Theodor. Regierender Herr in sieben Ländern (1724-1799). Mannheim (BI Wissenschaftlicher Verlag) 1994 (Forschungen zur Geschichte Mannheims und der Pfalz N.F., Bd. 8).

27 (Maria) Elisabeth Auguste (1721/1742–1794) von Pfalz-Neuburg war die in der Pfalz geborene und dort auch aufgewachsene Cousine und Ehefrau des Kurfürsten Karl Theodor. Ob ihrer leutseligen, herzlichen Art genoss sie volkstümliche Beliebtheit (\“die Gustl\“) und hohes Ansehen, zumal auch im Bergischen Land (das Herzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf ging auf dem Weg der Erbfolge 1685 von der reformierten Linie Pfalz-Simmern auf die katholische Linie Pfalz-Neuburg über).

Jung-Stilling hielt ihr 1779 eine schwungvolle Namenstagsrede; siehe diese bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Wirtschaftslehre und Landeswohlstand. Sechs akademische Festreden. Berlin (Duncker & Humblot) 1988, S. 39 ff. – Vgl. zur Kurfürstin auch Karl J. Svoboda: Prinzessinnen und Favoritinnen. Kurpfälzische Frauengestalten am Mannheimer Hof. Mannheim (Edition Quadrat) 1989 (mit farbigen Portraits der Kurfürstin und ihrer Schwestern sowie des Kurfürsten Karl Theodor und dessen Vater Herzog Johann Christian (1700–1733) zu Sulzbach; auf der letzten Seite Stammtafel).

28 Nach dem Wegzug des Hofes von Mannheim nach München (siehe Anm. 14) wurde Franz Albert von Oberndorff (1720–1799) als naher Freund (und von Jugend an enger Vertrauter [Karl Theodor kam 1734 aus Brüssel an den Hof in Mannheim, und der vierzehnjährige von Oberndorff wurde sein Leibpage]) des Kurfürsten Karl Theodor dessen Statthalter in der Kurpfalz sowie in den Herzogtümern Jülich und Berg.

Jung-Stilling widmete diesem gutherzigen, aufrichtigen und frommen Mann sein erstes ökonomisches Fachbuch, den \“Versuch einer Grundlehre sämmtlicher Kameralwissenschaften\“ aus dem Jahre 1779; und dieser schloss Jung-Stilling gelegentlich des Jubiläums der Universität Heidelberg im November 1786 öffentlich in seine Arme; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 429. – Jung-Stilling wurde anlässlich der Vierhundertjahrfeier der Universität der Grad eines \“Doktors der Weltweisheit\“ verliehen. Siehe auch Meinhold Lurz: Franz Albert von Oberndorff (1720–1799), Minister und Reichsgraf, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, Bd. 90 (1992), S. 219 ff. (mit zwei Portraits des Regenten von Oberndorff) sowie Uwe Distler: Franz Albert Leopold von Oberndorff. Die Politik Pfalzbayerns (1778-1795). Kaiserslautern (Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde) 2000 (Beiträge zur pfälzischen Geschichte. Bd. 17).

29 Siehe Anm. 21.

30 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 21), S. 139 f.

31 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“). In fast allen Erscheinungs-Berichten hat sich Engel Siona dem in die Welt wiedereingetretenen Jung-Stilling als Begleiter beigesellt.

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in viele Sprachen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), – ‚ \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der ƒ \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – „ als Engel – oft ungesehen – \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhand dem Geisterreich, S. 282), aber – † auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und – ‡ Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst, wohl in Anlehnung an den Rufnamen seiner zweiten Ehefrau Selma) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie – ˆ zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), – ‰ ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie den URL <http://www.himmelsboten.de>

32 Geist Eldad ist ein Begleitengel, der die Stillings-Freunde in das Jenseits abholt. Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich (Anm. 31), S. 206 f.

33 Geist Elagmar bringt verstorbene Stillings-Freunde vor das Angesicht des HErrn; siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich (Anm. 31), S. 206 ff. – Geist Elagmar war im irdischen Leben Johann Konrad Pfenniger (1747–1792), Pfarrer an St. Peter zu Zürich und Amtskollege von Jung-Stillings Freund Johann Kaspar Lavater (1741–1801); siehe ebenda, S. 208. – Beinebens: das anonym erschienene Buch: Beicht und Bekehrung eines Erzlavaterianers zur Lichtfreund– und Wahrmundschaft. Zu gemeiner Warnung und Erbauung von ihm selbst herausgegeben. Breslau (Korn der Ältere) 1787 wird in einigen Bibliotheks-Katalogen wohl zu Unrecht Pfenniger zugeschrieben.

34 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 20), S. 44 (\“Wir können gewiss versichert seyn, dass der Herr jedes gläubige Gebet erhört, wir erlangen immer etwas dadurch, was wir ohne unser Gebet nicht erlangt haben würden, und zwar das, was für uns das beste ist\“).

35 Jung-Stilling nennt seine vaterländische Hauptstadt Siegen in der Lebensgeschichte \“Salen\“. In seinem Roman \“Theobald oder die Schwärmer\“ (siehe Anm. 2) bezeichnet er das Fürstentum Nassau-Siegen als \“Grafschaft Leisenburg\“.


Lord, what music hast thou provided for thy saints in heaven, when thou
affordest bad men such music on earth!



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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