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Undogmatisches Christentum?

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Schilderung einer erstaunlichen Begegnung auf der Fahrt von Zürich nach Basel mit dem kenntnisreichen, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),
der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat;

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dort auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; davor Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, hier auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenleiden und behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch kurfürstlichen Erlass vom 22. Juni 1784 aus München der erlauchten
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Niedergeschrieben, mit Erläuterungen versehen und gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Web gestellt, alle Leser dabei mit freundwilligem Gruss gÖttlicher getreuer Obhalt und Verwahrung sowie trauter englischer Beschirmung empfehlend
von

Gibkund Wasgeschah
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

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Mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de


Suche nach einem ruhigen Platz im Zug


Ich stieg zu Zürich in den Zug,
Der schneller schier als wie ein Flug
Nach Basel fährt; ich hatte dort
Zu klären etliches vor Ort.

Weil Zürich Kopf-Bahnhof noch ist,1
Vergeht meist eine lange Frist,
Bis neu der Zug zur Fahrt bereit.
Ob dessen hat man reichlich Zeit,
In Ruhe, ohne Hast und Hatz,
Zu suchen einen guten Platz.

Indes gilt das nur für Externe:
Für Züge, kommend aus der Ferne,
Und fahren nach dem Aufenthalt
Hinaus zur Strecke wieder bald.

Bei Zügen, die man hier setzt ein,
Empfiehlt es sich, früh da zu sein.
Selbst wenn hier rennt noch wer im Trab:
Man fährt in Zürich pünktlich ab.

Jetzt schritt ich in gemachem Gang
Von hinten an dem Zuge entlang,
Damit sich mir mag deutlich zeigen,
Wo günstig es, gleich einzusteigen.2
Gepäck beschwerte heut mich nicht:
Mein Laptop ist ein Leichtgewicht;
Die Aktentasche war halbleer
Und wog ob dessen auch nicht schwer.

Allein, mir wurde sehr rasch klar,
Dass dies ja gar nicht möglich war!
Denn Scheiben sind ja jetzt verspiegelt,
Der Blick nach drinnen drum verriegelt.

Bei Nacht selbst zeigt sich kein Gesicht,
Selbst wenn im Wagen helles Licht:
Man sieht bloss schattenhaft Konturen
Von Menschen in Coupés und Fluren.

Trat früher einem Zug man nah:
Wie viel bot sich von aussen da!
Allein, heut bleibt man gern versteckt,
Verborgen, unerkannt, verdeckt.
Der Wunsch nach Diskretion gedeiht
Gerade jetzt, zu unsrer Zeit.

Wo viele schrill sich exponieren:
In Medien alle Scheu verlieren,
Voll Gier nach Popularität:
Da schätzt man Anonymität.


Kaum Geräusche im Zug


So stieg ich denn in einen Wagen.
Ich konnte Suchen mir ersparen:
Denn gleich fand ein Coupé ich hier,
In dem kein einzger Passagier!
Erleichtert nahm ich Platz darin
Und stellte meine Tasche hin.
Nur eine kurze Zeit verrann,
Da fuhr der Zug schon langsam an.

Moderne Züge fahren leise
Fast lautlos über die Geleise.
Die Dämpf-Mechanik hemmt Geratter,
Der Federung schützt vor Geflatter,
Und selbst die Ventilation
Läuft nur mit einem sachten Ton.

Man sieht ob dessen sicher ein:
Falls träte ins Abteil herein
Von draussen jemand, aus dem Gang,
Wird zwingend hörbar jetzt ein Klang.

Man kann nicht öffnen hier die Türen
Ganz ohne einen Ton zu rühren,
Schon gar nicht in des Coupés Enge:
Im Raum von knapp drei Meter Länge.

Ich möchte heben noch hervor:
Kein Stöpsel hinderte mein Ohr.
Musik hör ich zwar liebend gern,
Doch halte mich von Discmen fern;

Wiewohl man nicht bloss junge Leute
Mit Playern ringsum antrifft heute,
Die sich die Ohren dröhnen zu,
Um ja zu fliehen jeder Ruh.

Mein Laptop in der Tasche lag:
Ich bin kein Mensch, der heutzutag
Beharrlich überall geschwind
Flugs zu computern gleich beginnt.
Ja, selbst im Gottesdienst sogar
Tut man sich schon mit Laptop dar,
Wohl um die Predigt aufzunehmen,
Statt sie zu hören sich bequemen.3

Mir scheint sehr oft indes dabei
Geprahle und Angeberei.
Auch fand ich stets es laut zum Lachen,
Wie manche Pfeifen gross sich machen,
Die laut Befehle, Direktiven
Gekünstelt in ihr Handy riefen,
Damit so allen nahgebracht:
Hier sitzt ein Chef, ein Mann mit Macht!
Doch zeigt sich meist an ihrem Rücken,
Dass sie gewöhnt sind, sich zu bücken.


Überraschung im Abteil


Derweil ich ins Abteil nun schaue,
Ich meinen Augen fast nicht traue:

Urplötzlich, jählings gleisst ein Licht,
Aus dem sich formt erst ein Gesicht,
Sodann ein Rumpf, zuletzt ein Mann:
Er lacht mich heiter, schmunzelnd an.
Mein Geist gerät in Aufwallung:
Der Mann ist Hofrat Doktor Jung!4

\“Mein Stillings-Freund5\“, sprach er mich an,
\“Ich weiss, dass ich euch helfen kann.
Ihr habt viel Zeit damit verbracht
Und über Dogmen nachgedacht.
Ihr last die Schrift von Otto Dreyer6:
Ein Werk voll Irrtum, Trug-Geseier,
Das zeigt von Anfang bis zum End,
Dass er Dogmatik nimmer kennt.


Belehrung über Dogmen


Lasst mich zu diesen schweren Fragen
Heut klärend einiges euch sagen.
Doch liegt mir fern, euch jetzt zu stören!
Entscheidet, ob ihr mich wollt hören.\“

\“Herr Hofrat7 Jung! Ohephiah!8
Dass treten sie mir wieder nah:
Beglückt mich sehr; denn hier im Zug
Ist heute ja wohl Zeit genug,
Dass sie mich abermals belehren:
Des Dogmas Sinn und Zweck erklären.\“


Jung-Stilling erklärt Wesen des Dogmas


\“Im Sinne der Theologie
Drückt aus ein Dogma jeweils wie
Die Lehre Jesu durch die Zeiten
Geschlechter Gläubiger begleiten.

Es schliesst stets einen Inhalt ein,
Von dem man darf ganz sicher sein,

Dass dieser auch zu jeder Zeit
Hält Jesu Botschaft rein bereit.

Das Dogma sichert den Erhalt
Für jeweils einen Lehrgehalt:
Ist somit auch in jedem Falle
Ein Masstab für die Christen alle.


Dogma grenzt einzelne Lehrmeinungen gegenüber der allgemeinen Glaubensnorm ab


Und weil das Dogma Masstab ist,
In einem es auch stets bemisst
Die Sonderlehren, die zuzeiten
Dozenten, Prediger verbreiten.

Ein Dogma ist drum Glaubensnorm:
Legt fest verbindlich eine Form,
Die gültigen Bestand verleiht
So für die ganze Christenheit.

Ihr seht, Herr Gibkund, daraus ein:
Theologie kann niemals sein
Ganz ohne Lehrsatz: ‚undogmatisch‘:
Sie wäre schwammig sonst, erratisch.


Jede Disziplin bedarf der Lehrsätze als Grundlage


Das trifft auch zu unzweifelhaft
Für jede andre Wissenschaft.
Ein Lehrsatz gibt Erkenntnis kund:
Legt so für weitres Wissen Grund;
Doch zeigt auch auf, wo Grenzen sind:
Wo Irrtum, Widersinn beginnt.

Erlaubt, dass ich mich hier bezieh
Als Lehrer der Ökonomie9
Als Beispiel auf die Marktgesetze
Und hier auf die bekannten Sätze,

Dass Nachfrage und Angebot
Den Preis bewegen in sein Lot:
Das Gleichgewicht stellt so sich her,
Das räumt den Markt und macht ihn leer.
Lest mehr dazu in jenem Werk,
Das schrieb mein Stillings-Freund G. Merk.10

Wer immer nun behaupten wollte,
Dass hoher Preis nicht drängen sollte
Die Käufer von dem Markte weg,
Der gälte wohl zurecht als Geck:
Als jemand, der dies nicht versteht,
Vielleicht auch absichtsvoll verdreht.

Ein Dogma drum beansprucht nicht!
Es stellt Gewissheit klar ins Licht:
Macht so Erkenntnis transparent,
Die weitrer Einsicht Fundament.\“


Wer stellt den überpersönlichen, objektiven Glaubensinhalt fest?


\“Das sehe ich, Herr Hofrat, ein.
Der Christenglaube kann nicht sein
Beliebig, ‚undogmatisch‘, frei:
Das führt zu Trug und Schwärmerei.
Doch wer stellt Glaubenslehren auf,
Die Richtschnur dann im Zeitenlauf?\“ –

\“Schon aus dem ersten Säkulum
Kennt man das Apostolikum;11
Bekenntnis nicht des Glaubens nur:
Es legt ihm Grund, gibt ihm Struktur:
Enthält in Kürze, was die Bibel
An Lehrgehalt macht uns plausibel.

Sehr früh bereits dann auch Konzilen
Auf Klärung dieser Dinge zielen.

Ihr findet dazu viel Berichte
In Büchern über Lehrgeschichte.12
Lest darin über Lehramt auch,
Wie heut in Kirchen es Gebrauch.13

Wie dem auch sei! Man sieht wohl ein,
Es kann nicht ‚undogmatisch‘ sein
Der Christusglaube; Dreyer6 hat
Verhaspelt und vertan sich glatt.\“


Jung-Stilling entschwindet


Beständig ich Ohephiah8
Bis anhin in die Augen sah
Und lauschte achtsam und gespannt,
Was er mir auf die Seele band.

Allmählich fiel mir deutlich auf,
Dass ebbte ab des Zuges Lauf;
Auch glitt er hörbar über Weichen,
Was deutlich Hinweis mir und Zeichen,
Dass Basel ist jetzt nicht mehr weit:
Nur kurz dahin die Anlaufzeit.
Der Zug jetzt führte Schleifen aus:
Kurz blickte ich zum Fenster raus.

Ich sah zu Stilling wieder hin:
Doch bass verwirrt, verstört ich bin!
Sein Körper hell beginnt zu flimmern,
Um nach und nach sanft zu verschimmern.
Noch lächelt es mich freundlich an:
Bald ich ihn nicht mehr sehen kann.
Jung-Stilling löst sich einfach auf:
Entwindet sich dem Erdenlauf.

Der Platz, auf dem er sass vorher,
Erweist sich frei nun: blank und leer.
Ein paarmal fällt noch zuckend ein
Auf diese Stelle bleicher Schein,

Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er sich auf Flächen bricht
Bedeckt mit Glatteis winters dicht.


Engel Siona erscheint und übergibt Text


Noch überrascht von alledem,
Den Weg ich nun zum Ausgang nehm.
Mein Ziel war hier der Taxistand,
Der mir zu Basel gut bekannt.

Da rempelt mich ein junger Mann
Von hinten seitwärts heftig an.
Ich strauchle, komme leicht ins Holpern:
Entrinne knapp nur schlimmem Stolpern.

Entrüstet drehe ich mich um,
Doch bleibe baff verblüfft ganz stumm:
Der Mann, der trat mir unsanft nah,
Ist Stillings Engel Siona!14

\“Herr Gibkund\“, lachte er mich an,
\“Ich stürmte grad auf sie heran,
Damit sie mich auch sehen könnten
Und nicht zum Taxi mir entrönnten.
Es war natürlich vorbedacht,
Dass nimmer sie zu Fall gebracht!
Entschuldigung: es tut mir leid;
Ich ging ein wenig wohl zu weit.\“ –

\“Herr Engel Siona\“, sprach ich,
\“Ich freue ohnegleichen mich,
Dass sie sich abermals mir nahten
Und sichtbar in die Quere traten.

Mitnichten bin ich ihnen gram!
Ich lausche gerne aufmerksam

Der Botschaft, welche sie mir bringen.
Ich wünsche, dass es mag gelingen,
Dass davon mir kein Wort entgehe
Und ich auch alles recht verstehe.\“ –

\“Herr Gibkund\“, sagte Siona,
\“Ich bin heut ihnen drum nicht nah,
Um meinerseits sie zu belehren,
Als vielmehr, um sie zu bescheren.

Womit sie Hofrat Jung bereichert,
Ist hier auf diesem Stick gespeichert.
Man bittet, dass den Inhalt sie
So wie er ist – in Poesie –
Daheim am Rechner aufarbeiten
Und dann im Internet verbreiten.
Bekannt auf diese Weise werde,
Was Stilling sie zum Dogma lehrte.\“

Bei diesen Worten Siona
Jetzt reichte einen Stick mir da.
Ich wollte meinen Dank bekunden.
Doch Siona war schon verschwunden.
Er tauchte plötzlich wieder ein
Ins zeitenlose Seligsein,
Allwo ja auch Ohephiah8
Steht GOtt und allen Geistern nah.


Rede Stillings wird ins Internet gestellt


Gehorsam nächstentags ich tat,
Was Siona von mir erbat.
Der Text liess leicht sich konvertieren
Und ohne Mühe formatieren.
Auch listete ich auf die Noten,
Die reichlich waren dargeboten.
Insoweit diese es betrifft,
Wies zu ich eine Zwölfpunkt-Schrift

Und stellte in den Anhang sie:
Im Text sie stören irgendwie.


Genörgel und Mäkelei werden vorhergesehen


Natürlich werden welche knurren,
Und andere vernehmbar murren,
Weil es nach deren Vorurteil
Nicht sein darf, dass je wird zuteil
Den Menschen nieden eine Kunde
Aus eines Jenseits-Wesens Munde.

Die Armen ach! Sie sind verrannt
In ihrem Herz und im Verstand
Ins Diesseits bloss und daher blind
Für das, was Geister wohlgesinnt
Die Erdenbürger lassen wissen:
Sie leugnen solches starr verbissen.

Euch fleh ich an: seht doch auch ein,
Dass jemand mag umgeben sein
Von Geisteswesen, die ihn lehren,
Mit Jenseitsbotschaft reichlich nähren!

Lasst bitte es doch diesmal sein,
Zu dreschen schäumend wütig ein:
Erbost, gehässig, voll Kabalen
Auf Gibkund Wasgeschah zu Salen.


Anmerkungen, Erläuterungen und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siegen nennt sich \“Rubens-Stadt\“, weil dort der Antwerper Maler Peter Paul Rubens (1577-1640) geboren sein soll. Die Stadt verleiht daher (und an wen gar!) einen \“Rubens-Preis\“ und benannte eine Lehranstalt in “Peter-Paul-Rubens-Gymnasium“ um. Indessen gibt es für die Geburt von Rubens in Siegen keinen einzigen überzeugenden Beweis; und Rubens selbst schreibt in seiner Biographie \“née en Anvers\“: in Antwerpen geboren. Auf der Meir (beliebte Einkaufsstrasse im Zentrum von Antwerpen, heute Fussgängerbereich) ist sein Geburtshaus mit einer goldenen Tafel vermerkt.

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 6) geboren, herangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Strenggenommen ist der Hauptbahnhof Zürich (abgekürzt Zürich HB: ein architektonisch in vieler Hinsicht eindrucksvoller Bau aus Sandstein im Stil der Renaissance, 1871 fertiggestellt) schon seit 1990 kein Kopfbahnhof (Sackbahnhof) mehr. Denn unterirdisch liegen seitdem Geleise, die vor allem von der S-Bahn genutzt werden. Die Strecke führt unter der Limmat und der Zürcher Altstadt zum Bahnhof Stadelhofen. Dort besteht Anschluss an die rechtsufrige Zürichsee-Linie, ins Zürcher Oberland sowie nach Winterthur. – Weitere, in Planung bzw. Erstellung befindliche Baumassnahmen (der hochmoderne unterirdische Bahnhof Löwenstrasse als Herzstück einer sog. Durchmesserlinie, nämlich einer Strecke, die zwei Randpunkte eines [Eisenbahn]Verkehrsnetzes über einen zentralen Bahnhof miteinander verbindet) werden Zürich HB bald zu einem \“normalen\“ Durchgangsbahnhof machen.

2 Es war ein deutscher Fernschnellzug: ein Hochgeschwindigkeitszug (Inter-City- Express, ICE), der von Chur über Zürich, Olten, Basel nach Neu-Preussen fährt.

3 Bis etwa 1980 galt in vielen Kirchen (und auch in Schauspielhäusern, Konzertsälen, Museen, Bildergalerien sowie Ausstellungsgebäuden) ein Photographier-Verbot. Im Zuge der technischen Vervollkommnung und der massenhaften Verbreitung der Photo-Apparate liess sich diese Untersagung immer weniger durchsetzen. Dasselbe gilt für Computer jeder Art.

4 Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneigelehrtheit (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. – Siehe kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (Walter de Gruyter) 1987, S. 467 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. IX–XXXI (Einleitung) – Jung-Stilling wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

(a) Siehe Grundlegendes zum Wiedereintritt Abgeschiedener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff.

(b) Vgl. zu Themenkreis der \“Theorie der Geister=Kunde\“ auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2) sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Diese Schrift ist auch unentgeltlich als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/> abrufbar.

5 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner und Wohltäter von Jung-Stilling und später dann –  Verehrer oder –  zumindest dem Autor gegenüber wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen Bedeutungen von ihm selbst eingeführt, er schliesst in jedem Falle auch die weibliche Form ein. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 213, S. 441, S. 513, S. 566. Auf der anderen Seite gibt es aber auch (und zwar  bis heute!) \“Stillings-Feinde\“; siehe ebendort, S. 316

6 Siehe Otto Dreyer: Undogmatisches Christentum. Betrachtungen eines deutschen Idealisten. Braunschweig (Schwetschke) 1888. Die Schrift ist der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Halle gewidmet, welche den Autor zum Ehrendoktor kürte; sie erschien zuletzt 1890 in 3. und 4. Auflage. – Dreyer (1837–1900) war ab 1891 unter dem Titel \“Oberkirchenrat\“ mit der Leitung der Kirche in Sachsen-Meiningen mit Dienstsitz in Gotha betraut. Geprägt war er vor allem durch Friedrich Daniel Schleiermacher (1768-1834); siehe die Schilderung seiner Lektüre bei Friedrich Zimmer: Bücherkleinode evangelischer Theologen. Mitteilungen bekannter evangelischer Theologen der Gegenwart über Bücher, die ihnen für Amt und Leben von besonderem Werte gewesen sind. Gotha (Perthes) 1888, S. 31.

Vgl. hierzu vor allem Julius Kaftan: Glaube und Dogma. Betrachtungen über Dreyers undogmatisches Christentum, 3. Aufl. Bielefeld (Velhagen & Klasing) 1889 (Reihe: Christliche Welt), ferner die Brochure von J. Verax: Dogmatisches oder undogmatisches Christentum. Ein Wort zum Streite Dreyer-Kaftan; auch eine Behandlung seines Egidyschen Problems. Halle (Kaemmerer) 1891 und später mit Bezug darauf Karl Gerhard Steck: Undogmatisches Christentum? München (Kaiser) 1955 (Theologische Existenz heute, N.F, № 48). – Zum Einfluss dieser Gedanken auch auf die Pädagogik vgl. Jospeh Pötsch: Das undogmatische Christentum und die unabhängige Morallehre, zwei Ideale der modernen Pädagogik. Kempten (Kösel) 1894.

7 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 427.

(a) Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten 1772 seine an der Universität Strassburg eingereichte medizinische Doktorarbeit gewidmet. Diese trägt die Aufschrift \“SPECIMEN DE HISTORIA MARTIS NASSOVICO-SIEGENENSIS\“; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen. – Mars = hier: FERRUM, QUIA ROMANIS OLIM FERREUS MARS FUIT; siehe zur älteren Metall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen geordnet Anton Lütgens: METALLORUM NATURAM ET DIFFERENTIAS EXPLICANS DISSERTATIO PHYSICA. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

(b) Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger mancherlei Erleichterungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt insonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den zu jener Zeit auch innerlands häufigen Schlagbäumen, Post-, Maut- und Grenzstationen.

(c) Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II. bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die ewige Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

(d) In Artikel 6 des Vertrags heisst es im einzelnen genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi (nämlich Franz II, der letzte Kaiser des alten Reichs; er legte nach Bildung des Rheinbundes am 6. August 1808 die deutsche Kaiserkrone nieder), tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg du Rhin (= die Schiffahrts-Rinne) soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

(e) Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

(f) Durch besondere günstige Umstände (verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich: sein Enkel Karl [1786/1811–1818] heiratete am 6./7. April 1806 zu Paris Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175’000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

(g) Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommer-Residenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuss des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badischen\“ Hofrat.

(h) Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen und Wünschen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (Anm. 10).

(i) Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27. Bis anhin ist nicht sicher geklärt, wer diese Schrift verfasst hat; als wahrscheinliche Autorin gilt die Sankt Galler Autorin und Laientheologin Anna Schlatter, geborene Bernet [1773-1826], mit der Jung-Stilling befreundet war.

(j) Im Vorwort heisst es: \“Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, (so!) die ihr ja auch Christus=Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet. Ihr werdet es nicht lächerlich, nicht unschicklich finden, dass sie so spät erst nach dem Hinscheid (so!) des Unvergesslichen erscheinen, wenn ich euch zum Voraus sage: dass ich, als Weib vorerst Männer ausreden lassen – abwarten wollte mit weiblicher Bescheidenheit, was solche zum Denkmal des Allgeliebten aufstellen würden\“ (Orthographie wie im Original).

8 Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb. 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. — Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu: [Christian Gottlob Barth, 1799–1862]: Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

9 Jung-Stilling lehrte ein Vierteljahrhundert ökonomische Wissenschaften in Kaiserslautern, Heidelberg und Marburg und schrieb dazu elf Lehrbücher. – Siehe die Auflistung bei Gerhard Merk: Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1987, S. 181 f.

10 Gemeint ist hier wahrscheinlich Gerhard Merk: Mikroökonomik. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz (Kohlhammer) 1976, S. 114 ff., vielleicht auch Gerhard Merk: Grundlehren der Nationalökonomik, Teil I. Frankfurt (Knapp) 1975, S, 24 ff. (Taschenbücher für Geld, Bank und Börse, Bd. 63).

11 Apostolikum = das Apostolische Glaubensbekenntnis. – Siehe hierzu kurz erklärend Ina Praetorius: Ich glaube an Gott und so weiter. Eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses. Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2011 und dogmengeschichtlich erschöpfend Markus Vinzent: Der Ursprung des Apostolikums im Urteil der kritischen Forschung. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2006 mit ausführlichem Literaturverzeichnis, S. 409 ff. (Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, Bd. 89).

12 Aus der Fülle des hierzu vorliegenden Schrifttums sei genannt die mit weiteren Literaturangaben ausgestattete Übersicht von Bernhard Lohse: Epochen der Dogmengeschichte. Münster (Lit) 2011.

13 Siehe hierzu Hans Jörg Urban: Bekenntnis, Dogma, kirchliches Lehramt. Die Lehrautorität der Kirche in heutiger evangelischer Theologie. Wiesbaden (Steiner) 1972 mit ausführlichem Literaturverzeichnis (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Bd. 64) sowie katholischerseits Hans Küng: Unfehlbar? Eine unerledigte Anfrage. Erweitere Neuausgabe. München, Zürich (Piper) 1989 (Serie Piper, № 1016).

14 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 8. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. (ein bis heute kaum übertroffenes Standardwerk, das viele Nachdrucke und Übersetzungen erfuhr) oder auch bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA, SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (ein gleichfalls bewährtes und häufig nachgedrucktes Werk).

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm –  als Engel – oft ungesehen – \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber

 auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst; wohl in Anlehnung an den Rufname seiner zweiten Ehefrau Selma) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie

 zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. – Dieser Text ist in veränderter Fassung kostenlos downloadbar bei dem URL <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/> Dort auf \“Downloads\“ und \“Theologie\“ gehen.

Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301) mit ausführlichem Literaturverzeichnis (S. 113 ff) sowie Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 7. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2000 und im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>


1. The church’s one foundation
is Jesus Christ her Lord;
she is his new creation
by water and the Word.
From heaven he came and sought her
to be his holy bride;
with his own blood he bought her,
and for her life he died.

2. Elect from every nation,
yet one o’er all the earth;
her charter of salvation,
one Lord, one faith, one birth;
one holy name she blesses,
partakes one holy food,
and to one hope she presses,
with every grace endued.

3. Though with a scornful wonder
we see her sore oppressed,
by schisms rent asunder,
by heresies distressed,
yet saints their watch are keeping;
their cry goes up, \“How long?\“
And soon the night of weeping
shall be the morn of song.

4. Mid toil and tribulation,
and tumult of her war,
she waits the consummation
of peace forevermore;
till, with the vision glorious,
her longing eyes are blest,
and the great church victorious
shall be the church at rest.

5. Yet she on earth hath union
with God the Three in One,
and mystic sweet communion
with those whose rest is won.
O happy ones and holy!
Lord, give us grace that we
like them, the meek and lowly,
on high may dwell with thee.

Samuel John Stone (1839-1900)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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