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Um eine zukunftsweisende Kulturethik

veröffentlicht am

UM EINE ZUKUNFTSWEISENDE KULTURETHIK

Aus der Gedankenwelt von Johann Heinrich Jung-Stilling

von

Komtur Dr. iur., Dr. phil., Dr rer. pol. Alfred K l o s e ,
Universitätsprofessor in Wien,
vormals Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung und Rechtskonsulent der Bundeskammer für gewerbliche Wirtschaft in Wien

Celebrität Herrn Universitätsprofessor
Diplom-Volkswirt, Diplom-Handelslehrer Dr. Gerhard Merk
zu seinem 70. Geburtstag am 8. Mai 2001
vom Verfasser herzlich gewidmet

Wien 2001

Mit Zustimmung des Verfassers ins Internet gestellt.
Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der Einwilligung der Jung-Stilling-Gesellschaft e.V., Postfach 10 12 72, 57223 Kreuztal (Deutschland)

Vorwort

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) hat uns auch heute noch vieles zu sagen. Eine Reihe seiner Publikationen wird neu aufgelegt, viele Autoren schreiben über Themen, die Jung-Stilling in seinen Schriften behandelt hat.

Der wohl beste Kenner Jung-Stillings ist wohl der Präsident der Jung-Stilling-Gesellschaft in Siegen, Herr Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk. Dieser hat nicht nur eine Biographie Jung-Stillings verfasst, sondern auch Lexika herausgegeben, die wesentliche Teile der Lehren Jung-Stillings in anschaulicher Form darstellen; darüber hinaus hat Herr Professor Merk sich in einer Reihe weiterer Publikationen mit Jung-Stilling befasst.

Ein besonderes Verdienst von Herrn Professor Merk ist es, dass durch ihn viele Menschen mit dem Gedankengut Jung-Stillings vertraut wurden. Dies gilt auch für den Autor dieser kleinen vorliegenden Schrift!

Zu seinem 70. Geburtstag soll diese Abhandlung über kulturethische Fragen \“aus der Gedankenwelt Jung-Stillings“ Herrn Professor Merk in Dankbarkeit gewidmet sein.

Frau Dr. Zofia Kowalska danke ich für die Anfertigung des Manuskripts.

Wien, im Mai 2001

Alfred Klose

Eine kulturethische Herausforderung

In unserer Gesellschaft sind die Unterschiede nicht nur im Wohlstandsniveau überaus gross, sondern auch in den Möglichkeiten und Chancen, am kulturellen Leben teilzunehmen, an kulturellen Aktivitäten mitzuwirken. In vielen Ländern, vor allem der Dritten Welt, sind es nur privilegierte Schichten, die einen wirklichen Zugang zum kulturellen und vor allem zum künstlerischen Schaffen haben.

Kulturethik will die sittlichen und gesellschaftlichen Fragen herausarbeiten, die sich in diesem Zusammenhang stellen. Wenn dabei auf einen bedeutenden Denker zurückgegriffen wird, der vor 200 Jahren gelebt und gewirkt hat, dann mag dies erstaunlich sein: Es sind aber immer wieder einzelne Persönlichkeiten, von denen auf das geistige Leben und Wirken ihrer Zeit bedeutsame Impulse ausgehen; sie wirken mit ihren Werken über ihre Generation hinaus.

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) galt als eine der bekanntesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine Lebensgeschichte, deren ersten Teil Goethe zum Druck befördert hat, ist bis heute in immer neuen Auflagen erschienen. Jung-Stilling war Köhlerjunge, Dorfschneider, Knopfmacher, Vermessungsassistent, Landwirtschaftsgehilfe, Schulmeister und Hauslehrer, rechte Hand eines bedeutenden Fabrikanten und Handelsmannes, Universitätslektor für Chemie, Repetitor für Philosophie, praktischer Arzt und Geburtshelfer, Augenchirurg, Professor für ökonomische und politische Wissenschaften in Kaiserslautern, Heidelberg und Marburg, Berater in Religionsfragen beim Grossherzog von Baden: wir folgen hier einer Zusammenstellung von Gerhard Merk, der durch seine Publikationen und auch als Biograph, als Herausgeber von Schriften von Jung-Stilling viel dazu beigetragen hat, auch in unserer Zeit die Erinnerung an diesen vielseitigen Gelehrten zu erhalten.

Die Kulturethik will die Chance des Geistigen herausstellen: Es geht darum, möglichst allen Menschen eine Anteilnahme am kulturellen Leben sicherzustellen, vor allem aber auch Persönlichkeiten zu fördern, die diesem geistig-kulturellen Geschehen neue Impulse geben können. Es geht aber auch darum, die Verantwortung jedes einzelnen zu betonen, sich um diese Mitwirkung am Geistesleben seiner Gesellschaft zu bemühen!

Jung-Stilling kann als Beispiel dafür gelten, dass es auch möglich ist, unter sehr schwierigen Lebensumständen den Weg zu finden, besondere kulturelle Leistungen zu erbringen. Vor allem aber ist Jung-Stillings Leben für einen geradezu unbeugsamen Willen beispielhaft, sich um eine umfassende und grundlegende Bildung zu bemühen, sein Wissen vor allem als Autodidakt zu vermehren und eine philosophische Basis zu gewinnen, die es ihm möglich gemacht hat, in einer sehr schwierigen Phase der geschichtlichen Entwicklung zukunftsweisende Gedanken herauszustellen.

Kultur ist die mit der Vorstellungs-, Denk-, Sprach- und Wertwelt in der Folge von Generationen übermittelte Lebensform (Johannes Messner). In diesem Sinn umfasst die Kultur den Staat, die Wirtschaft und Technik, die Kunst und die Wissenschaft, die Literatur und die Politik. Aber auch jene Tätigkeiten, die der Mensch in seinem Nah¬bereich vollzieht, wie die Pflege des Heimes und Gartens, ist der Kultur zuzuordnen.2

Jung-Stilling hat sich in allen diesen Bereichen betätigt: Er ist dem kulturellen Leben auch in seinen Wurzeln, in der Basis des Lebensvollzuges verbunden gewesen. Er hat immer auch die Chance des Geistigen wahrgenommen: Alle Möglichkeiten genutzt, sich mit den Lebensfragen seiner Zeit und seiner Gesellschaft auseinanderzusetzen, vor allem aber auch, sich für seine Mitmenschen einzusetzen. Dies kommt nicht nur in seinem Wirken als Arzt, vor allem als – meist unentgeltlich wirkender – Augenarzt zum Ausdruck, sondern in seinem Bemühen um die Armen und wirtschaftlich Schwachen, dies in direkter Hilfe und auch in Wort und Schrift!

Kennzeichnend für Jung-Stillings Denken ist seine Verbindung von Einzelwohl und Gemeinwohl: Gemeinwohl bestehe aus der Summe der einzelnen Besten; es wird erreicht, wenn jeder zum allgemeinen Besten mitwirkt. Der einzelne braucht bei der Verwirklichung seiner persönlichen Ziele, seiner wesenhaften Lebenszwecke die gesellschaftliche Unterstützung; er soll aber auch in der Sorge für die anderen tätig sein. Mit dieser sozialen Grundeinstellung hat Jung-Stilling auch wesenhafte kulturethische Perspektiven herausgearbeitet: Kultur ist nicht nur Pflege des Geistigen im Menschen und in der Gesellschaft, sie ist sehr wesentlich auf soziale und humane Ziele hin ausgerichtet.3

Zur persönlichen Entwicklung

Jung-Stilling hat sein Leben lang um eine Vertiefung seiner Kenntnisse, um eine ausgeprägte geistige Profilierung gerungen. Er wollte damit nicht nur bessere Voraussetzungen für seine Lehrtätigkeit schaffen, für seine umfangreichen wissenschaftlichen und literarischen Publikationen, sondern mit allen geistigen Herausforderungen seiner Zeit, vor allem mit der Aufklärung und der Kritik an der christlichen Verkündigung, zurecht kommen. So war es auch sein unablässiges Bemühen, sich eine gründliche philosophische Bildung anzueignen. Ein umfassendes Wissen war für Jung-Stilling schon deshalb notwendig, weil sein Lebensweg durch immer neue Veränderungen seiner beruflichen Position gekennzeichnet war. Ob beim Bemühen um Wissen für seine Tätigkeit als Schullehrer und Hauslehrer, um die medizinische, vor allem augenärztliche Ausbildung, bei den Sprachstudien – immer wieder müssen wir die hohe Intensität, die Konzentration auf das meist nebenberufliche Studium bewundern.

Ohne Zweifel hat Jung-Stilling viel an kulturellen Werten wie ganz allgemein an vielseitigem Wissen in seiner relativ kurzen Zeit in Strassburg – drei Semester – vermittelt bekommen. Neben der Universität und ihren Lehrveranstaltungen war es der Freundeskreis, so vor allem die Mittagsrunde, an der auch Goethe teilgenommen hatte. Einer der besten Kenner Jung-Stillings in unserer Zeit, Gustav Adolf Benrath, nennt diese Tischrunde so etwas wie ein Abbild der Bildungswelt der damaligen Gesellschaft. Es war die Bildungswelt der Aufklärung! Neben Goethe hatte Jung-Stilling auch einen für ihn bedeutsamen Kontakt mit Johann Gottfried Herder.4

Goethe berichtet im neunten Buch seiner Dichtung und Wahrheit eingehend über seine Begegnung mit Jung-Stilling in der Universitätsstadt Strassburg: Dieser sei durch einen Enthusiasmus für das Gute, Wahre, Rechte in möglichster Reinheit gekennzeichnet. Das Element seiner Energie war ein unverwüstlicher Glaube an Gott und an eine unmittelbar von daher fliessende Hilfe, die sich in einer ununterbrochenen Vorsorge und in einer unfehlbaren Rettung aus aller Not, von jedem Übel augenscheinlich bestätige, schreibt Goethe. Dieser verweist auch auf Jung-Stillings Erfahrungen in dessen Leben; so habe er auch – trotz seiner geringen finanziellen Ressourcen – ein zwar mässiges, aber sorgloses Leben auch in der Strassburger Studentenzeit führen können. Goethe sieht in all den Schwierigkeiten und Hindernissen, die Jung-Stilling in seinem Leben vor der Strassburger Zeit durchmachen musste, gleichfalls diesen unzerstörbaren Glauben Jung-Stillings.

Goethe hat Jung-Stilling dann veranlasst, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben und hat den ersten Teil dann zur Drucklegung gebracht. Für uns ist das Zeugnis Goethes für Jung-Stilling besonders wertvoll, weil der in religiöser Hinsicht eher liberal Denkende in Jung-Stilling eine Persönlichkeit gesehen hat, die den Sinn des Lebens eben in dieser Verankerung im Glauben gefunden hat. Sein Glaube duldete keinen Zweifel und seine Überzeugung keinen Spott. Goethe spricht freilich bei Jung-Stilling auch von dessen Wunderglauben, den er unangetastet gelassen habe.

Jung-Stilling hat in seinen Jugendjahren Höhen und Tiefen erlebt. Ein Gefühl tiefer Niedergeschlagenheit hat ihn nach der \“Flucht“ aus dem Haus Hartcop erfasst (1763), wo er als Hauslehrer tätig war. Jung-Stilling spricht vom höchsten Gipfel der Verlassenheit – es bleibe ihm nichts mehr übrig als betteln oder sterben. Nach mehrmaligem Scheitern im Lehrberuf – immer an den äusseren Umständen und Schwierigkeiten, weniger an seinen didaktischen Fähigkeiten – lernte er jenes Gefühl der Sinnlosigkeit kennen, das so viele Menschen angesichts eines Scheiterns in Beruf und persönlichen Kontakten erfahren.
Jung-Stilling konnte auch diese Krise bewältigen; die Lösung, wieder im Handwerk zu arbeiten, war zwar nur von kurzer Dauer, hat damals aber zu neuen Hoffnungen geführt und schliesslich zu einer weiteren Festigung seiner beruflichen und persönlichen Entwicklung.

Joachim Bodamer, der grosse Psychotherapeut und Humanist, hat die klassische Krankheit der Lebensenttäuschung mit ihren gefährlichen Folgen auf Grund seiner vielfältigen Erfahrungen mit Patienten analysiert: Diese Krankheit weiche nur zögernd und unter häufigen Rückfällen.5 Jung-Stilling war in jungen Jahren ganz offensichtlich in dieser Hinsicht gefährdet; er konnte letztlich durch seinen Glauben immer neue Hoffnung gewinnen und neue Ansätze zu seiner Weiterentwicklung gewinnen.

Jung-Stilling hat immer wieder eine Sinnerfüllung in seinem Leben gesucht. Im Sinne der Logotherapie von Viktor Frankl ist es Jung-Stilling gelungen, eigene innere Kraftquellen zu entdecken und ehrlich und mutig nach dem letzten Sinn des Lebens zu suchen, dies im Sinne von Bernhard Häring: Dieser hat auch die Bedeutung schöpferischer Krisen betont, die in den einzelnen Lebensphasen hervortreten und ganz entscheidend zur Persönlichkeitsbildung und Identitätsfindung beitragen können.6

Bei Jung-Stilling traten auch später Phasen einer Schwermut auf; 1798 schildert er in der Lebensgeschichte, wie er seine ganze medizinische Vernunft gebraucht habe, um in dieser Sache auf den Grund zu kommen.7

Für Jung-Stilling hat der Dialog, die Diskussion und Auseinandersetzung mit Freunden und anderen Wissenschaftern immer viel bedeutet. In der Lebensgeschichte berichtet er über immer neue Begegnungen. In seinem Haus gab es oft Gäste, die zu anregenden Gesprächen einbezogen wurden. Aber auch in kleinen Gesellschaften fand Jung-Stilling Anregungen und Möglichkeiten, einerseits den eigenen geistigen Horizont zu erweitern als auch anderen Wissen zu vermitteln. So ist auf die 1775 in Elberfeld gegründete Lesegesellschaft zu verweisen; Jung-Stilling war nicht nur einer der Gründer, sondern auch als Vortragender mit einem breiten Themenkreis beteiligt.

Auch in Marburg wurde Jung-Stilling Mitglied einer ähnlichen Vereinigung. Grosse Freude hat ihm auch die Deutsche Gesellschaft in Mannheim bereitet, der er seit 1783 angehört hat. Ihr Ziel war die Förderung der deutschsprachigen Literatur. Es ging, wie Gerhard Merk hervorhebt, um ein Gegengewicht gegen die Vorherrschaft der französischen Literatur. Jung-Stilling hat auch auf universitärem Boden viel für die deutsche Sprache getan; dies auch durch seine vielen Bücher und Schriften, durch die Herausgabe von Zeitschriften und seine enorm grosse Korrespondenz. Ein besonders interessantes Beispiel hat Jung-Stilling bei der 400-Jahrfeier der Universität Heidelberg gesetzt, wo er nach einigen Reden anderer Professoren in lateinischer Sprache in einem aufsehenerregenden Vortrag in deutscher Sprache ein lebhaftes Interesse seiner Zuhörer gefunden hat.8

Das Menschenbild

Die grösste Idee, die der Mensch in seinem Denken hervorbringen könne, sei die Gottesebenbildlichkeit; der Mensch sei ein Wesen mit einer vollkommenen Freiheit. Dabei spricht Jung-Stilling von einer natürlichen Freiheit, die darin besteht, dass man tun kann, was man will, solange man einen anderen oder dem allgemeinen Besten, also dem Gemeinwohl, nicht schadet. Der Wert des einzelnen Menschen kommt in Jung-Stillings Gedanken zum Ausdruck, dass das ganze Weltall aus lauter erschaffenen Wesen bestehe, deren jedes ein ausgesprochenes, wirkliches Wort Gottes sei.9

Es ist die Einmaligkeit jeder menschlichen Existenz, die als entscheidende Erkenntnis christlichen Denkens uns immer wieder begegnet. Bei Jung-Stilling ist sie auch in einer eindrucksvollen Sprache ausgedrückt worden. In der Enzyklika Redemptor hominis des Papstes Johannes Paul II. (1979) wird herausgestellt, dass es um jeden Menschen auf diesem Planeten, der Erde gehe: um den Menschen in seiner unwiederholbaren Wirklichkeit im Sein und im Handeln, im Bewusstsein und im Herzen (14).

Nikolai Berdjajew ist ein massgebender Vertreter einer personalistischen Philosophie: Ähnlich wie Jung-Stilling spricht er von der Einmaligkeit, Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit des Menschen; er betont dabei den entscheidenden Höhepunkt der Schöpfung, der mit dem Menschenantlitz eingetreten ist. Dieser Mensch könne nicht nur das Erzeugnis kosmischer Kräfte sein; es setzt die Wirkung einer geistigen Kraft voraus.10

Jung-Stilling hat in seinem Leben viel an Leid und Elend gesehen, nicht nur in seinem engeren Lebensbereich. Hat er doch auch die Wirren der Zeit nach der Französischen Revolution erlebt, die Kriege und die damit verbundenen Flüchtlingstragödien. Dennoch hält er an der Überzeugung fest, dass jeder Mensch einen besonderen Eigenwert habe, dies um seiner selbst willen. Entscheidend ist für ihn, dass diese Würde jedem Menschen zukommt, auch wenn die soziale Wirklichkeit dem nicht zu entsprechen scheint.

Es ist letztlich der geistig-kulturelle Fortschritt, um den sich Jung-Stilling in seinem Lebenswerk so sehr bemüht hat, der es immer mehr Menschen möglich macht, zu einem menschenwürdigen Leben zu kommen.

Aus der Lebensgeschichte Jung-Stillings wissen wir, dass er nach dem Studium der Philosophie des Rationalismus sehr von Zweifeln an der Freiheit des Menschen erfasst war. Manches lässt uns an die Probleme unserer Zeit denken: Karl Forster hat von der dumpfen Unsicherheit um das Menschenbild der Zukunft gesprochen; der Mensch werde in einer immer mehr säkularisierten Welt von den möglichen Folgen einer Rationalisierung geängstigt. Die Menschen könnten zwar ihr Wertbewusstsein ändern, aber nicht aus der fundamentalen ethischen und religiösen Problematik ihrer Existenz auswandern.11 Bei Jung-Stilling hat diese religiöse und ethische Fundierung sich gegen alle Zweifel durchgesetzt.

Kultur und Natur

Der katholische Philosoph Walter Brugger umschreibt Kultur als das, was seine Entstehung dem bewussten und freien Eingreifen des Menschen verdankt. Im Gegensatz dazu sei Natur das, was dem Menschen angeboren und ausser ihm ohne sein Zutun vorhanden ist. Die Kultur finde ihr eigentliches Ziel in der Vollendung und Vervollkommnung der Natur des Menschen.12

Gerade diesen Gedanken hat auch Jung-Stilling hervorgehoben. Für ihn hat der Mensch die Aufgabe, sich zu vervollkommnen. Jeder Mensch sei zur Vollkommenheit, zur damit verbundenen Glückseligkeit berufen. Jung-Stilling hat dies in seinem eigenen Leben und Wirken getan; er weiss aber auch um die grosse Differenzierung der menschlichen Natur: Der einmalige Wert jedes Menschen wird immer wieder betont. Da jeder Mensch vom anderen verschieden ist, sind auch an jeden persönliche Anforderungen für die Vervollkommnung gestellt; im Sinne von Johannes Messner geht es darum, dass jeder seine existentiellen Lebenszwecke verwirklichen soll. Jung-Stilling hat ähnliche Gedanken in seiner Lehre von der Individualität des Menschen und seiner besonderen Verpflichtung, sich zu vervollkommnen, zum Ausdruck gebracht. Der Mensch sei nach seinem ökonomischen und moralischen Zustand einer immer fortschreitenden Vervollkommnung fähig.13

Wenn wir diese Gedanken über die Natur des Menschen und die Kultur zusammenfassen, dann kommen wir zur Erkenntnis, dass eine kulturelle Entwicklung, welche sich gegen die menschliche Natur richtet, fragwürdig ist. In unserer Zeit ist angesichts neuer Herausforderungen wie Klonen und Gentechnik das Verhältnis von Natur und Kultur von ganz neuen Fragestellungen bestimmt. Die Antworten auf diese Fragen sind überaus schwierig: Es ist aber sinnvoll, sich immer wieder jener Denker zu erinnern, die – wie Jung-Stilling – den hohen Wert des einzelnen Menschen hervorgehoben haben, seine Einmaligkeit und persönliche Würde. Es wird dann deutlich, wie sehr die Fragen des Schutzes des menschlichen Lebens, so auch des ungeborenen Lebens, einer sehr kritischen Beurteilung bedürfen.

Kultur ist in der Tradition begründet: Die kulturellen Denkmuster einer Gesellschaft sind vielfach aus einer langen Entwicklung hergeleitet. So sind auch die grossen gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit leichter zu bewältigen, wenn wir jene Werte mit berücksichtigen, die in einer weit zurückgreifenden Tradition hervorgetreten sind.

Jung-Stilling hat immer wieder betont, so bei der schon dargelegten Umschreibung des Inhaltes des Gemeinwohls, dass der Mensch in seiner geistigen und kulturellen Entfaltung auf die gesellschaftliche Verbundenheit angewiesen ist. Der Staat soll dafür Sorge tragen, dass in einer möglichst freien Entwicklung diese geistig-kulturellen Kräfte sich durchsetzen können. Jung-Stilling lehrt, dass jedes vernünftige Wesen frei sein muss, und seiner Natur gemäss dem Sittengesetz oder göttlichen Naturrecht folgen müsse.14 Die naturrechtliche Orientierung verbindet Jung-Stilling mit vielen Philosophen und Sozialethikern des 20. Jahrhunderts, so unter anderem mit Johannes Messner, Arthur Fridolin Utz und Walter Brugger.

Bei der Umschreibung der Menschenrechte geht Jung-Stilling in seiner Staatswirtschaft von dem Menschen anerschaffenen Trieben aus, die Gesetze für ihn sind und deren rechtmässiger Gebrauch Menschenrechte sind: Er spricht von vier solchen Naturgesetzen. Sich selbst zu erhalten: daraus folgt das Menschenrecht der Selbsterhaltung; aus der Forderung, seine Bedürfnisse zu befriedigen, stamme das Recht des Wirkungskreises, sich die lebensnotwendigen Güter zu beschaffen; die Forderung, gesellschaftlich zu leben, führt zum Menschenrecht der Gesellschaft, Anteil zu haben am sozialen Leben, mitzuwirken am Gemeinwohl; dazu komme das immer wieder hervorgehobene Recht der Selbstvervollkommnung. Entscheidend ist für Jung-Stilling, dass der Mensch in Ausübung seiner Rechte nicht so weit gehen darf, dass ein anderer dadurch in dem rechtmässigen Genuss der seinigen gehindert werden darf.15

Diese Umschreibung der Menschenrechte mag etwas allgemein gehalten sein; man muss aber beachten, dass Jung-Stilling, wie schon ausgeführt wurde, von einem hohen Wert des Einzelmenschen als Person ausgeht, von seiner Einmaligkeit. Herbert Schambeck weist darauf hin, dass die Würde des Menschen im Personbegriff seinen Ausdruck gefunden hat. Johannes XXIII. habe in Pacem in terris betont, dass jeder Mensch seinem Wesen nach Person sei (9).16 In den modernen Rechtsordnungen ist dieser Personbegriff in die Grundrechtskataloge eingegangen: Es ist die unabdingbare Menschenwürde, die wir schon bei Jung-Stilling finden und die auch in der Umschreibung der Rechtsperson im Verfassungsrecht unserer Zeit sichtbar ist.

Politische Kultur

Jung-Stilling hat auch die Problematik der politischen Kultur gekannt: Ihm waren die Mängel im damaligen politischen System durchaus vertraut. So hat er die besondere Bedeutung des persönlichen Engagements in der Politik für alle Staatsbürger nachdrücklich betont. In seinen Ausführungen zum nomokratischen System wendet sich Jung-Stilling gegen eine staatliche Bevormundung dieser persönlichen Initiativen. Die regierende Gewalt erfülle ihre Pflicht, wenn sie die Personen, die Freiheit, die Ehre und das Eigentum ihrer Untertanen schützt! Jung-Stilling verlässt sich nicht auf die Regenten, nicht einmal auf das Volk (im Sinne der modernen Demokratie), sondern nur auf das Gesetz: Dieses sei der wahre Souverän!

Es geht beim nomokratischen System um einen Rechtsstaat besonderer Art. Dabei meint er keineswegs, dass alles gesetzlich geregelt werden solle; die Freiheit sei dort am grössten, wo die wenigsten Gesetze vorhanden sind. Auch die finanzielle Belastung der Bürger, die Staatsaufwandssumme soll begrenzt sein. Die Fürsten sollten daran denken, dass auch ihre Nachkommen aus den Quellen schöpfen müssten, die vorhanden sind. Alles dies könnte auch der modernen Finanz- und Budgetpolitik als Vorbild dienen!

Jung-Stilling zeigt auch die Zusammenhänge zum Bildungssystem auf; politische Kultur braucht damals wie heute entsprechende Kenntnisse und ethisch bedeutsame Haltungen der Bürger.17

Jung-Stilling war sich bewusst, dass der Mensch in ein Sinnganzes hineingestellt ist, dass sich immer neue Ordnungsaufgaben für ihn stellen, so auch im Staat, in seiner gesellschaftlichen Umwelt. Politik soll in diesem Sinn Teil der Gesamtkultur sein, politische Auseinandersetzungen sollen sich in einer Form vollziehen, die sich der kulturellen Grundlagen der Gesellschaft bewusst ist. In diesem Sinn ist Jung-Stilling immer für Frieden und Konfliktausgleich eingetreten. Die Sinnlosigkeit bewaffneter Auseinandersetzungen hat Jung-Stilling schon an den Kreuzzügen demonstriert: Hunderttausende Menschen seien dabei umgekommen.

Zum Krieg sagt Jung-Stilling, dass weder der Christ, noch Christus selbst mit dem natürlichen Schwert für die Sache des Reiches Gottes, sondern bloss mit dem Schwert des Geistes kämpft. Sein Sieg sei der Sieg des Glaubens, und der Sieg der Wahrheit über Aberglauben, Unglauben und Lügen oder falscher Lehre. Wenn dabei wirklicher Krieg mit blutigen Schlachten ausbricht, geschieht das durch die Widerwertigkeit der Menschen, aus den Folgen ihres Verderbens und ihrer abscheulichen Pläne!

Unsere Kriege haben durchgehend so wenig Christliches, dass man eine europäische Armee wohl schwerlich von Nebukadnezars oder Alexanders Heeren, was die Handelsweise betrifft, würde unterscheiden können.18 Mit diesem Wort hat Jung-Stilling nicht nur eine klare Analyse der Kriege seiner Zeit gegeben, sondern in prophetischer Sicht auch die furchtbaren Fehlentwicklungen im 20. Jahrhundert, unter den Diktaturen des Nationalsozialismus und Kommunismus getroffen – all das Elend der Weltkriege und der vielen regionalen Konflikte und Bürgerkriege dieses blutigen Jahrhunderts der Massenmorde und der Konzentrationslager.

Jung-Stilling war ein radikaler Anhänger einer Friedenspolitik; er hat verstanden, dass Christentum Versöhnung und immer neue Suche nach Frieden bedeutet. Das Erlebnis der Französischen Revolution, die er – anders als etwa Goethe – von Anfang an sehr negativ beurteilt hatte. Die Erlebnisse nach dem Einmarsch der Franzosen in die deutschen Staaten – all das hat seine natürliche Ablehnung der Gewalt noch verstärkt.

Jung-Stillings Friedenshoffnung kommt auch in seiner positiven Einstellung zu einer zukunftsweisenden Friedensordnung für Europa zum Ausdruck. 1815 wurde zwischen Russland, Österreich und Preussen die Heilige Allianz geschlossen – ein Bündnis aus christlichem Geist, das zu einer brüderlichen Vereinigung, zu einem Völkerbund führen sollte. Gewiss haben sich nicht alle Hoffnungen erfüllt. Aber immerhin war diese Allianz ein friedensfördernder Faktor im 19. Jahrhundert: Dieses war im Vergleich zum 20. Jahrhundert zumindest durch längere Phasen des Friedens und weniger durch Kriege belastet.

Gerhard Merk weist darauf hin, dass sowohl im Inhalt des Übereinkommens als Ganzem wie auch in einzelnen Vertragsabschnitten Begriffe, Vorstellungen und Gedanken Jung-Stillings erkennbar seien. Jung-Stilling hatte 1814 eine Begegnung mit dem Zaren; dessen Wertschätzung für Jung-Stilling kam dadurch zum Ausdruck, dass er ihm eine Pension bewilligt hatte. Jung-Stilling war in Russland sehr bekannt geworden. Der Zar hat auch Jung-Stillings Sohn Friedrich in seine Dienste genommen und später geadelt.19

Für die politische Ethik Jung-Stillings ist es von grosser Bedeutung, dass er den Wert der Freiheit sehr hoch einschätzt. Es geht ihm um jene bürgerliche Freiheit, die bedeutet, dass man tun kann was man will, so lange man zum einzelnen und allgemeinen Besten wirkt. Diese Gemeinwohlbezogenheit der Freiheit bedeutet auch, dass man im Sinne des Sittengesetzes und der wahren und eigentlichen Bestimmung des Menschen wirken soll.20

Der polnische Aussenminister und Historiker Władysław Bartoszewski, der in den totalitären Systemen des Nationalsozialismus und Kommunismus lange Jahre im Gefängnis verbracht hat, weist oftmals und nachdrücklich auf die Zusammenhänge von Freiheit und Frieden hin. Er bezeichnet die Freiheit als eine unentbehrliche Voraussetzung für den Frieden.21 Wir sehen immer wieder, dass die Unterdrückung der Freiheit zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führt – dies nicht nur an Beispielen aus der Dritten Welt.

Die Ereignisse nach dem Zerfall Jugoslawiens haben bis heute den Zusammenhang von Freiheit und Frieden deutlich gemacht, ebenso die Konflikte in der Kaukasus-Region. Die Unterdrückung von Minderheiten in Indonesien, den Philippinen, im Iran und Irak, aber auch in Indien, besonders schwerwiegend in Afghanistan, zeigen uns abermals deutlich die Tragik von Freiheitsbeschränkungen, die zu Konflikten und einer Gefährdung der Friedensordnung führen.

Jung-Stilling hat entgegen der in seiner Umgebung im Siegerland gegebenen Grundhaltungen früh den Wert der Toleranz erkannt. Gerhard Merk weist darauf hin, dass Johann Heinrich Jung-Stilling von seinem Patenonkel Johann Heinrich Jung schon einiges über Toleranz gelernt habe; auf jeden Fall hat Jung-Stilling die konfessionelle Toleranz seines Onkels, eines Fachmannes auf dem Gebiet des Vermessungswesens, zustimmend wahrgenommen und immer in Erinnerung behalten. In seinem späteren Leben ist dies immer wieder zum Ausdruck gekommen.22

Von entscheidender Bedeutung für die politische Kultur ist Jung-Stillings Subsidiaritätsbezug (Gerhard Merk): Er will nicht den zentralistischen Staat, sondern diesen subsidiär gliedern. Die kleineren gesellschaftlichen Einheiten, wie die Familien und Gewerbestände, sollen ihre eigenen Angelegenheiten besorgen können; dies gilt auch für die religiösen Gemeinschaften. Die Staatsgewalt soll hier nur eingreifen, wenn entsprechende Lehren dem Gemeinwohl widersprechen. Merk stellt die Bedeutung von Jung-Stillings Schrift über das nomokratische System besonders heraus. Es ist eine für die damalige Zeit beachtliche politikwissenschaftliche Studie. Ziel ist immer wieder die Möglichkeit der Bürger, sich im Interesse ihres eigenen Wohles zu entwickeln und zu vervollkommnen.

Gerhard Merk hat in einer Studie über die Katholische Soziallehre darauf hingewiesen, dass das Subsidiaritätsprinzip zugleich auch Partizipationsprinzip sei: Alle Personen sollen in grösstmöglicher Freiheit und Mitverantwortung an den Sozialgebilden beteiligt sein. Jung-Stilling hat diesen Zusammenhang bereits deutlich hervorgehoben: Jeder soll durch seine Tätigkeit zum allgemeinen Besten beitragen!23

Jung-Stilling lebt im alten Deutschen Reich, in dessen letztem Stadium vor der Zerstörung durch die Französische Revolution und durch Napoleon. Eine subsidiäre Ordnung war in diesem losen Reichsverband deutlich ausgeprägt; so ist eine Grundordnung nach dem Subsidiaritätsprinzip für Jung-Stilling selbstverständlich.

Aus heutiger Sicht wird oft das Bild des alten Reiches einseitig und verzerrt gesehen. Hans-Michael Körner hat bei seinem Festvortrag bei der Jahrestagung der Görres-Gesellschaft in Würzburg 1992 wohl mit Recht ein solches Zerrbild der Wirklichkeit gegenübergestellt, dies hauptsächlich am Beispiel der geistlichen Fürstentümer und besonders dem des Hochstiftes Würzburg.24 Jung-Stilling hat in seiner sozialrealistischen Denkweise den Wert der bestehenden Ordnung erkannt und ihr in seinen letzten Jahren – dies freilich schon in einer späten Phase – gedient. Jung-Stilling hat daher auch die Gefahren vor allem durch die Französische Revolution früh gesehen und die Zeichen des Verfalls richtig gedeutet.

Um eine humane und soziale Gesellschaftsordnung

Der Ordnungsgrundsatz der Solidarität kommt in Jung-Stillings Denken deutlich zum Ausdruck. Jeder soll seinen Nächsten, soweit er in Not ist, unterstützen; dadurch erwirbt er das Recht, eine Unterstützung bei eintretender Armut zu erhalten. Schwache, Alte und Kranke sollten ordentlich gepflegt werden.25 Jeder Mensch sei verpflichtet, dasjenige, was er an Lebensnotdurft übrig hat, dem Dürftigen zu geben.26 Es bleibt freilich bei diesem moralischen Appell: Jung-Stilling hat ihn – trotz eigener häufiger Notlage – stets erneut beachtet.

Besonders deutlich wird diese Forderung zur Hilfe an die Armen in Jung-Stillings Buch Kameralpraxis formuliert: Jedermann könne durch Schicksalsschläge arm werden; er sollte dann auf die Unterstützung seiner Mitmenschen hoffen können; so sei es jedermanns Pflicht, solange er noch etwas erübrigen kann, je nach dem Verhältnis seines Vermögens das Seinige zum Unterhalt der Armen beizutragen.27

Das ganze menschliche Geschlecht mache eine einzige Gesellschaft aus, in welcher jedes Mitglied helfen müsse, um die Vollkommenheit des Ganzen überall zu fördern. Gerhard Merk hat diese enge soziale Verbundenheit in seiner Biographie Jung-Stillings besonders herausgestellt. So ist es das Solidaritätsprinzip, das im sozialen Denken Jung-Stillings im Vordergrund steht.28

Mit diesem Solidaritätsbezug verbindet sich die hohe Wertschätzung der Familie: Jung-Stilling nennt sie die häusliche Gesellschaft. Bis heute gilt die Familie in der Christlichen Soziallehre als die erste und grundlegende gesellschaftliche Einrichtung. In der Zeit, in der Jung-Stilling gelebt und gewirkt hat, war es noch vielfach die Grossfamilie, die Geborgenheit und Schutz vermittelt hat, oft über die Familienmitglieder hinaus. Mit dem fortschreitenden Verfall der Grossfamilie ist eine weitgehende Entsolidarisierung eingetreten; es mussten institutionelle Sicherungen, vor allem durch die Sozialversicherung, eingeführt werden.

Gedanken eines zukunftsweisenden Sozialhumanismus entwickelt Jung-Stilling im Bereich der Bildungspolitik. Sein Anliegen ist eine durchgreifende Verbesserung des Bildungswesens. Im Bereich der Elementarschulen hat Jung-Stilling weitreichende Erfahrungen als junger Lehrer gewinnen können. Aber auch für die bäuerliche Bevölkerung, die er damals und auch später immer wieder kennengelernt hatte, ist ihm eine bessere Berufsausbildung ein besonderes Anliegen.29 In der bedeutenden von ihm herausgegebenen Zeitschrift Volkslehrer hat er in den Jahren 1781 bis 1785 sich mit diesen Problemen auseinandergesetzt: Er vergleicht die Landwirtschaft mit dem Handwerk, das schon damals eine gute Ausbildung erreicht hatte; das Bauernhandwerk sei eines der schwersten. Der Mangel einer Interessenvertretung, wie den Zünften beim Handwerk, sei ein Mangel in der Landwirtschaft.30

Eigene Erfahrungen bringen es mit sich, dass Jung-Stilling eine bessere Stellung der Lehrer – vor allem am Land – als Notwendigkeit herausstellt! So tritt er für eigene Lehrerbildungsstätten ein.

Jung-Stilling hatte als Arzt, Professor und in der letzten Lebensphase als Hofrat viele Gelegenheiten, die Mängel in der Bürokratie der deutschen Fürstentümer kennenzulernen. Es mutet modern an, wenn er feststellt, dass keine Maschine schwerfälliger sei als die Staatsmaschine. Es gehöre unbeschreibliche Mühe dazu, etwas Nützliches auszurichten. Er verlangt ein gründliches Studium der zukünftigen Beamten. Auch der Beamte, der schon im Dienst ist, müsse sich immer weiterbilden.31 Als erfahrener Lehrer der Staatswirtschaft hat er wiederholt versucht, dieses Anliegen herauszustellen. Im Sinne der Aufklärung wird eine kritische Position gegenüber der Staatsverwaltung eingenommen. So wie sich jeder Mensch um seine Vervollkommnung bemühen müsse, solle auch der Staatsdiener danach trachten, seine Kenntnisse zu erweitern und damit bessere Voraussetzungen für seine Tätigkeit zu erreichen.

Jung-Stilling hat auch frühe Ansatzpunkte für eine Umweltethik gesetzt. Mit seiner Unterscheidung von Gütern nach ihrer Nützlichkeit sind nicht nur Hinweise für eine Konsumethik gegeben: Gerade die Kennzeichnung als Ungüter soll die Gefahren für den einzelnen herausstellen; dabei ist die Unterscheidung jener Ungüter, die auch der Gesellschaft schaden, von den anderen, die nur dem Einzelnen gefährlich werden können, von Bedeutung.

Gerhard Merk hat in einer Analyse des Problems des Konfliktstaus durch Ungüter darauf hingewiesen, dass reine Ungüter – also Kollektivübel – der Gesellschaft Lasten auferlegen, die durch Produktion und Verwendung anderer Güter ausgeglichen werden müssen. Kosten- und Preissteigerungen sowie letztlich eine Wohlstandsverminderung sind die Folge. Jung-Stilling hat diese Zusammenhänge sehr deutlich gesehen und sie aus der Sicht der Sozialordnung beurteilt.32

Jung-Stilling kritisiert jede Form von Verschwendung und Luxus. In einer eigenen Studie über Pracht und Luxus zeigt er anschaulich die Wege auf, die zu einem wirtschaftlichen Ruin, zu einem Abstieg von Familien und Firmen durch Verschwendung geführt haben. Als Pracht bezeichnet Jung-Stilling den Fall, wenn ein Erwerber seine Ausgaben nicht nach Nützlichkeitserwägungen, sondern vielmehr zu dem Endzweck wählt, für reich, vornehm und als geschmackvoller Mann angesehen zu werden. Luxus ist dann gegeben, wenn ein Mensch seine Befriedigungsmittel mehr den Reizen der Sinnlichkeit gemäss wählt, ohne sonderliche Rücksicht auf das Nötige und Nützliche zu nehmen. So stehe die Zeit der Blüte eines Hauses im umgekehrten Verhältnis mit dem Grad des Prachtaufwandes.

Kritisch zeigt Jung-Stilling die Zusammenhänge mit der Bildung auf: Eine bildungsfeindliche Umgebung könne auch Unternehmer dazu veranlassen, Umstellungen in seiner Tätigkeit vorzunehmen, für die er nicht geeignet ist. Die empirische Methode Jung-Stillings kommt hier insofern zum Ausdruck, als er immer wieder praktische Beispiele für solche Fälle im Leben aufzeigt. Es werden aber auch positive Ereignisse angeführt: So wenn durch standesgemässe Lebensumstände eine solide wirtschaftliche Basis für den weiteren Aufstieg eines Unternehmens bzw. einer Familie erreicht wird. Als Ursachen für den Abstieg durch Pracht und Luxus sieht Jung-Stilling insbesondere eine falsche Einschätzung der Vermögenslage an, weiters auch eine Erziehung zum Überfluss; es geht ihm immer wieder um einen Mittelweg: Ein rechtschaffener Mann habe es nicht nötig, sich besonders hervorzutun!

Jung-Stilling denkt durchaus standesbezogen: Der rechtschaffene Mann kenne eben seinen Stand und seine daraus sich ergebenden Möglichkeiten. Das Glück der Familien sollte durch die persönliche angemessene Lebensführung gesichert werden. Der Staat besteht aus vielen Familien: Verschwenderische Lebensführung schädigt auch den Staat!33

Kultur und Christentum

Für eine kulturethische Studie geht es zunächst um das Verhältnis von Religion und Kultur: Jung-Stillings Studienfreund aus Strassburg, Goethe, sagt im Westöstlichen Diwan, dass alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch will … glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt seien. Religion geht über Kultur hinaus, reicht ihrem Wesen nach in die Transzendenz, in ein dem Menschen nicht erfassbares \“Noch nicht“, ist aber die wohl stärkste Antriebskraft im kulturellen Leben.

Wir sehen dies in jenem Bereich der Kultur deutlich, wo sich kreative Kräfte des Menschen besonders entfalten können, in der Kunst. Diese ist der Lebensgrund aller Kultur (Johannes Messner).34 Die Kunst bietet dem Menschen die Chance, seine Freiheit durch schöpferische Gestaltung bestmöglich zu verwirklichen. Dies gilt aber auch für andere Formen kulturellen Schaffens, für die Literatur, ja darüber hinaus für jedes menschliche Bemühen, das die Chance des Geistigen nutzen will.

Der katholische Bischof von Graz, Egon Kapellari, hat sich intensiv mit den Beziehungen von Religion und Kunst auseinandergesetzt: Damit ist auch ein wesentlicher Beitrag zum Verhältnis von Christentum und Kultur erbracht. Kapellari geht es zunächst um eine Rehabilitierung des Schönen im Leben des Menschen. Am Beispiel der christlichen Kirchen weist der kunstsinnige Bischof nach, dass diese unendlich viel für die Kunst und damit und darüber hinaus in vielen anderen Bereichen für die kulturelle Entwicklung getan haben. Die christliche Kunst ist in besonderer Weise bemüht, Dauerhaftes in der menschlichen Existenz auszudrücken.

In ihrer traditionsreichen Liturgie, in ihren romanischen und gotischen Kirchen, in Ruinen alter Klöster und den Felsenkirchen frühchristlicher Jahrhunderte, in vielen Werken der Malerei und Bildhauerei wirken Symbole des Christentums aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit in eine ferne Zukunft.35 Die Musik setzt sich mit Grenzsituationen menschlicher Existenz auseinander; vieles wird zu einer Chiffre der Transzendenz: Denken wir an das Kantaten- und Oratorienwerk des 17. und 18. Jahrhunderts, an Johann Sebastian Bach und viele andere, an Krzysztof Pendereckis Dies irae zum Gedenken an die in Auschwitz-Ermordeten und sein Klagewerk für die Opfer von Hiroshima. Immer wieder zeigt christliche Kunst auf den Menschen und seine Herausforderungen hin.

Es gibt heute weltweit kaum eine Religion, die mehr das geistige und kulturelle Leben beeinflusst und mitbestimmt hat als das Christentum. Darüber wurden viele Bücher geschrieben. Was wir sind, sind wir durch die biblische Religion, sagt Karl Jaspers; ohne Bibel gleiten wir ins Nichts.36

Jung-Stilling stellt die Religion in ihrer Bedeutung v o r den Staat; sie sei das Befriedigungsmittel des Besten der Menschheit, die Staatswirtschaft nur des allgemeinen Besten des Staates. Jung-Stilling wendet sich gegen die im Pietismus verbreitete Kulturfeindlichkeit.37 Gegen den Pietismus erhebt Jung-Stilling den Vorwurf, dass man vielfach die Grenzen für das, was dem Christentum nützlich ist, zu eng ziehe; die Schöpferkraft Gottes zeige sich auch im anmutigen Gefüge eines Bauwerks, in der Prägung eines Gemäldes, im Erlebnis der Klangfülle eines Musikstücks, in einem Werk der klassischen Dichtkunst.

Gerhard Merk hat diese Zusammenhänge aufgezeigt: Die vielfältigen geistigen Interessen Jung-Stillings, schon als ganz junger Mensch an den alten Klassikern, ebenso an den Naturwissenschaften, aber auch am Schauspiel, an der bildenden Kunst und in der Ausübung der Musik, dies bis ins hohe Alter – all das zeigt eine lebendige und früh gegebene geistig-kulturelle Vielfalt.38 Dabei ist es immer die enge Beziehung zur Religion, zum Christentum, die dieses rege Interesse, dieses kulturelle Engagement begleitet und kennzeichnet: Das wahre Schöne und Gute ist das Göttliche in den Werken der Natur.39

Das Zweite Vatikanische Konzil hat sich eingehend mit der Situation der Kultur in der Welt von heute auseinandergesetzt. Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes weist darauf hin, dass die Zahl der Männer und Frauen immer grösser werde, die sich bewusst sind, selbst Gestalter und Schöpfer der Kultur ihrer Gemeinschaft zu sein (55). In der Zeit des Wirkens von Jung-Stilling war diese Zahl eher gering. Bei Jung-Stilling kommt die Überzeugung von einer Verantwortung für einen sinnvollen Lebensvollzug, für eine Verwirklichung wesenhafter Lebenszwecke immer wieder zum Ausdruck. Damit wird er zu einem Gestalter bestimmter Bereiche des gesellschaftlichen und besonders des kulturellen Lebens. Seine tiefe Verankerung im Christentum gibt ihm die Überzeugung einer ständigen Führung durch die göttliche Vorsehung.

Diese Grundeinstellung kommt vor allem in seiner Lebensgeschichte, aber auch in seinen Romanen zum Ausdruck. Im Heimweh, wo er nach dem Vorbild von John Bunyans Pilgerreise einen Weg zu einer christlichen Lebensfüllung aufzeigen will, stehen Grundgedanken der Versöhnung und einer sozialen Gerechtigkeit ebenso im Vordergrund wie ganz allgemein eine vor Gott verantwortliche Politik (Otto W. Hahn). Im einzelnen geht es um Agrargesetze, Fürstenethik (im Sinne einer politischen Ethik), um Universitätsstatute, Beamtenordnungen, eine Neukonzeption des Schulwesens und der medizinischen Versorgung etc.40 Es sind durchwegs kulturethisch wesentliche Herausforderungen, die Jung-Stilling hier hervorhebt.

Sinnfindung in religiöser und sozialer Verbundenheit

Für Jung-Stillings Anthropologie, für seine Lehre vom Menschen, ist es kennzeichnend, dass er die religiöse und die soziale Komponente eng verbindet. Wenn der Mensch für ihn eine Gedanke Gottes ist, damit die Einmaligkeit der einzelmenschlichen Existenz und zugleich die enge Verbundenheit in Familie und lebensnaher Gemeinschaft hervorgehoben wird, dann kommt darin dieser Grundgedanke deutlich zum Ausdruck.

Der Mensch ist auf Gott hin bezogen, zugleich aber in eine natürliche ihn umgebende und prägende Gemeinschaft gestellt, die seine Entwicklung erst ermöglicht. Jung-Stillings These von der notwendigen Vervollkommnung in den kleineren und grösseren natürlichen Gemeinschaften, beginnend mit der Familie, zielt sowohl auf die humanen wie die religiösen Werte hin. Es sei ein unschätzbares Glück, wenn der Mensch von Jugend auf zum völligen Vertrauen auf Gott angewiesen und er dann auch sich in diesem Sinn entwickeln könne.41 Der Mensch müsse sich selbst und seine Mitmenschen wesentlich und dauerhaft glücklich machen, soweit es nur möglich ist, sagt Jung-Stilling.42

Es geht also um eine Sinnerfüllung, um eine Findung des Lebenssinnes zugleich in einer religiösen wie in einer sozialen Dimension. Gemeinwohl ist für Jung-Stilling Vervollkommnung und Beglückung aller moralischen Wesen, letztlich der gesamten Menschheit. Jeder einzelne sei verpflichtet, mit allen seinen Kräften an der Verwirklichung einer Gemeinwohlordnung mitzuwirken.43

Jung-Stilling geht es nicht nur um allgemeine Thesen und Lehraussagen: er meint es ernst mit der Mahnung zu einem sinnerfüllten Leben. In einem Brief an einen uns heute unbekannten Empfänger schreibt er am 16. Mai 1784, dass jede Stunde unwiederbringlich verloren sei, die nicht entweder zu unserer eigenen oder zu unserer Nebenmenschen Glückseligkeit angewendet wird. Gerhard Berneaud-Kötz, selbst Augenarzt, schreibt in diesem Zusammenhang, Jung-Stilling habe bei seinen Augenkuren die Gelegenheit gesehen, Wohltätigkeit, Glückseligkeit und Nutzen für die Menschheit auszuüben.

Weiters stellt Berneaud-Kötz fest, dass neben dieser mehr sozialethischen Absicht mit Sicherheit bei Jung-Stilling die religiös-ethische Motivation eine bedeutende Rolle gespielt habe. Der Autor weist auf jene bekannte Stelle im Matthäus-Evangelium (25, 36) hin, in der Jesus sagt, Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Unter diesem Leitmotiv sei auch Jung-Stillings Wirken bei den Augenkranken gestanden, stellt der Berneaud-Kötz fest. Die Augenkuren hat Jung-Stilling weitgehend ausserhalb seiner beruflichen Pflichten und meist unentgeltlich durchgeführt, wenn notwendig auch an Sonntagen.44 Sie hatten auch nichts mit seinen Verpflichtungen als Professor in Kaiserslautern, Heidelberg und Marburg zu tun, oder später mit seiner beratenden Tätigkeit beim Grossherzog von Baden.

Die Sinnfindung in einer religiösen Dimension bestimmt letztlich die gesamte Lebensgeschichte. Jung-Stilling spricht in dieser seiner Lebensgeschichte immer wieder vom \“religiösen Grundtrieb\“, der ihn in seinem sehr wechselvollen Leben geleitet und zu immer neuen Zielen geführt habe. Es war die väterliche Erziehung nach dem Tod von dessen Frau, die auf den jungen Johann Heinrich besonders gewirkt hat, dann aber auch die eifrige Lektüre der Bibel, die diesen Grundtrieb gefördert hatte. Dieser Grundtrieb sei in seinem Leben immer stärker und unüberwindlicher geworden, bekennt Jung-Stilling in seiner Lebensgeschichte (603).

Bei allen \“Umwegen“, die sich in Jung-Stillings verschiedenen Lebensphasen zeigen, ist es immer wieder der Grundtrieb hin zur Religion, der Krisen bewältigen lässt. Ebenso stark ist seine soziale Verbundenheit, sein mitmenschliches Verantwortungsbewusstsein, das sich einfach von diesem religiösen Grundtrieb nicht trennen lässt, das immer wieder hervortritt. Jung-Stilling spricht bei seinem Rückblick auf diese einzelnen oft so schwierigen Phasen seines Lebens von der endlichen wahren Bestimmung, nämlich der Befolgung meines religiösen Grundtriebes (Lebensgeschichte 613).

Erich Mertens, einer der besten Kenner von Jung-Stillings Leben und Wirken, weist nachdrücklich darauf hin, dass Jung-Stilling allezeit der Meinung war, dass Christentum sich im Praktischen bewähren müsse; man müsse alle wahren Armen unterstützen. In seinen Schriften kommt diese Grundhaltung immer wieder zum Ausdruck, vor allem dort, wo er aus seinen reichhaltigen Erlebnissen berichtet, wie im Christlichen Menschenfreund in Erzählungen für Bürger und Bauern.45 Die religiöse Grundhaltung wurde für Jung-Stilling im Verlauf seines Lebens immer wichtiger; sie ist vom sozialen Engagement bei ihm nicht zu trennen.

Familienkultur als Grundlage

Die Familie war auch für Jung-Stilling eine entscheidende Grundlage für das menschliche Leben, für die gesellschaftliche Verbundenheit und zugleich eine wichtige Basis für die kulturelle Entwicklung. Es war die trotz aller bedrängten wirtschaftlichen Lage eigene Familie, in welcher der junge Stilling aufgewachsen ist, ebenso aber waren es die \“Gastfamilien“, so etwa die Handwerkerfamilie Nagel und vor allem das Haus Flender, wo Jung-Stilling so lange Zeit doch auch eine gewisse familiäre Geborgenheit erlebt hat, die für diese Einschätzung sprechen.

Am stärksten kommen die familiären Bindungen aber in der grossen Familie zur Geltung, die Jung-Stilling mit seinen drei Ehefrauen aufgebaut hat, in der dreizehn Kinder zur Welt gekommen sind, aber nur fünf das Erwachsenenalter erreicht haben. Es war ein in damaliger Zeit häufiges Schicksal. Jung-Stilling hat um den hohen Wert der Familie gewusst und alles daran gesetzt, vor allem nach dem Tod seiner ersten Frau – trotz mancher Hindernisse, wieder zu einer Familie zu kommen. Es war dies auch in dem Sinn eine Grossfamilie, als Hauspersonal, aber auch andere Personen die an sich grosse Familie erweitert haben.

Johannes Messner hat die so wichtige Bedeutung der Familie für das gesellschaftliche und besonders für das kulturelle Leben immer wieder herausgestellt. Für Messner ist der Mensch zuallererst Familienwesen. Es ist die Sozialnatur des Menschen, die er auf die gleiche Ebene stellt wie seine Individualnatur. Messner nennt die Familie den entscheidenden Kulturvermittler. Der Weg der Kultur sei jener der Tradition; die Pflanzstätten der Tradition seien die natürlichen Gemeinschaften, unter ihnen als wichtigste die Familie. In ihr pflanze sich die Kultur als Lebensform des Menschen ein, in ihr habe die Kultur selbst ihren kräftigen Wurzelgrund.46

Zur Lebenszeit von Jung-Stilling war es eben nicht die kleine Familie unserer Zeit, sondern wie erwähnt die Grossfamilie, in der sich viel vom kulturellen Leben abgespielt hat. Als Professor in Marburg hat Jung-Stilling seine Lehrveranstaltungen ja zu einem grossen Teil im eigenen Haus durchgeführt; auch das hat die Position der Familie gestärkt; viele Kontakte haben sich daraus ergeben.

Messner warnt, dass sich angesichts des Versagens eines grossen Teils der Familien in unserer Zeit der Weg in die Zukunft für unsere Kultur \“verdunkle“; der Familiensinn sei weithin gebrochen; es gehe heute um eine seelisch-geistige Erneuerung der Familie! Sicher dürfen wir die Zeit Jung-Stillings auch nicht idealisieren. Wir sehen aber – trotz allem Elend auch in dieser Phase der menschlichen Entwicklung – viel an positiven Werten in Familien wie der von Jung-Stilling gegeben, die uns heute angesichts des Scheiterns so vieler Ehen und Familien weithin fehlen.

Kulturethische Zukunftsperspektiven

In einer Welt, in der ein sehr grosser Teil der Menschen in einer unerträglichen materiellen und kulturellen Mangelsituation lebt, wird es zur erstrangigen Aufgabe der Staaten und der internationalen Gemeinschaften, den Menschen die zur Erfüllung der wesenhaften Lebensziele und Lebenszwecke notwendigen Waren und Dienstleistungen zu verschaffen. Die Wirtschaftsethik zielt auf den Umbau unseres herrschenden Wirtschaftssystems hin, auf eine Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen oder ausgegrenzt wird, eine Gemeinschaft des Lebens, die allen Menschen eine positive Integration in die Gesellschaft garantiert: Herwig Büchele spricht hier aber auch von einer Gesellschaft, welche die Schöpfung in ihrer Vielfalt bewahrt und pflegt, in der alle genug zum Leben haben, manchmal etwas mehr, um sich zu freuen.

Ist es eine Utopie oder eine reale Zukunftshoffnung? Das etwas mehr, von dem Büchele spricht, bedeutet wohl auch eine Anteilnahme an den geistigen und kulturellen Gütern, an der Kunst und ihrer vielfältigen Werten!47 Deutlich kommt dieses Grundanliegen in der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils Gaudium et spes zum Ausdruck, wo von der fundamentalen Zweckbestimmung des Wirtschaftsprozesses gesprochen wird: Dieser bestehe weder in der vermehrten Produktion als solcher noch in der Erzielung von Gewinn oder Ausübung von Macht, sondern im Dienst am Menschen, und zwar am ganzen Menschen im Hinblick auf seine materiellen Bedürfnisse, aber ebenso auch auf das, was er für sein geistiges, sittliches, spirituelles und religiöses Leben benötigt (64).

Jung-Stilling hat den einmaligen Wert des einzelnen Menschen nachdrücklich herausgestellt und damit die Bedeutung einer Gesellschaftsordnung, in der dem einzelnen Lebenschancen gegeben werden: Dieser soll durch Verwirklichung seines persönlichen Lebens auch zum Gemeinwohl beitragen; Einzelwohl und Gemeinwohl verbinden sich! Kein Mensch könne für sich allein den Weg und die Mittel zu seiner Vervollkommnung erfinden: er bedarf immer gesellschaftlicher Leitung und Unterstützung; so hat auch jeder Mensch das Recht, sie von den Gliedern seiner Gesellschaft zu fordern; indem aber jeder dieses Recht hat, so hat auch jeder zugleich die Pflicht auf sich, zu jedes Vervollkommnung das Seinige beizutragen.48

In unserer Welt von heute sind allzu viele Menschen nur Mittel zur Verwirklichung politischer oder ökonomischer Interessen, dies in allzu vielen Staaten. Gerhard Merk hat in seiner Analyse der Katholischen Soziallehre nachdrücklich betont, dass der Mensch niemals verfügbares Mittel für einen wie auch immer gearteten Zweck sein dürfe: Dies kommt auch bei Jung-Stilling in seiner Staatslehre sehr deutlich zum Ausdruck, vor allem in seiner schon dargelegten Lehre von den Menschenrechten!49

In unserer Zeit, in der mehr als in jeder anderen Epoche der Geschichte über Menschenrechte und Freiheit diskutiert wird, werden die Grundrechte in vielen Staaten in Frage gestellt, wird etwa die Religionsfreiheit missachtet und werden religiöse, nationale und sprachliche Minderheiten verfolgt und unterdrückt. Jung-Stilling hat in einer Zeit des Kameralismus und etatistischer Staatslehren sich für die Freiheitsidee eingesetzt, für das Privateigentum und seine Ordnungsfunktion, für die Gewerbefreiheit und die freie Berufswahl, besonders aber auch für die Religionsfreiheit. Der Staat müsse alle Religionen dulden, die der zeitlichen Glückseligkeit des einzelnen Bürgers … nicht hinderlich sind. Jung-Stilling betont, dass die Regierungen jeder Religionspartei die Kultur ihrer kirchlichen Verfassung überlassen müssen; die Regierungen hätten nur das Recht zu prüfen, ob sie dem Staat oder einer anderen Religion nachteilig sein könnten.50

Die Sicherung der Freiheitsrechte, der Menschenrechte ganz allgemein und der Menschenwürde wird zu einem Grundanliegen der Politik der Staaten und der internationalen Organisationen auch in unserer Zeit. Aus der Sicht einer zukunftsweisenden Kulturethik stehen diese Grundanliegen im Vordergrund: Johannes Messner nennt die schöpferische Freiheit des Menschen den Lebensgrund der Kultur.

Nur in einer freiheitsorientierten Gesellschaft kann es eine Sicherung auch der kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten aller Menschen geben. Wir wissen heute um die Eigengesetzlichkeit der Kulturbereiche: Diese setzt aber die Möglichkeit der persönlichen Entscheidung des einzelnen in allen Bereichen des kulturellen Lebens voraus. Besonders deutlich wird uns dies im Bereich der Kunst bewusst.51

Die Durchsetzung der Menschenrechte und die Anerkennung der Menschenwürde wird weltweit heute angesichts der Entwicklung zur multiethnischen Gesellschaft in den meisten Staaten und weltweit zur entscheidenden Herausforderung. Die Zusammenhänge zwischen diesen Fragen und der Friedensordnung werden immer deutlicher. Die Konflikte in vielen Staaten in allen Kontinenten sind vielfach durch Minderheitenprobleme belastet; wir sehen dies in den Balkanstaaten ebenso wie in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern.

Der so schwierige Nahostkonflikt, die Frage eines Palästinenserstaates, der unlösbare Streit um Jerusalem und vieles mehr macht uns die Komplexität des Friedensproblems deutlich, besonders aber die Verbindungen der innerstaatlichen Konfliktbereiche mit der internationalen Friedensordnung. Immer deutlicher wird, dass die Dynamik der Friedensidee mit den Gegebenheiten in den kleineren Lebensbereichen zusammenhängt; davon können wir uns bei den Konflikten in Mazedonien und im Kosovo, in Israel und den Palästinenserregionen täglich überzeugen.

Wir haben gesehen, wie hoch Jung-Stilling die Friedensordnung bewertet, wie sehr er den Krieg als immer neues Unglück und als Aktion gegen die Menschenwürde und Menschlichkeit ablehnt. Seine Überzeugung wurde herausgestellt, dass Kriege in seiner Zeit mit gleicher Grausamkeit geführt wurden wie in der Antike. Jung-Stilling hat nicht wissen können, dass das 20. Jahrhundert hier noch Steigerungen an Brutalität und Massenmord hervorbringen konnte.
Rudolf Weiler schreibt in seiner Internationalen Ethik, dass bis heute der Krieg das Schicksal der Menschheit geblieben ist und dass sie mit dieser Geissel weiterlebt. Der Krieg hat aber einen ungeheueren Gestaltwandel angenommen: Ein Atomkrieg könnte das Ende der Menschheit bedeuten. So ist die Verantwortung auch ins Unermessliche gestiegen: Die regionalen Konflikte, so im Nahen Osten, könnten weltweite Konflikte auslösen. Immer mehr Staaten sind in der Lage, atomare, chemische und biologische Waffen zur Massenvernichtung einzusetzen. Weiler sagt in diesem Zusammenhang, dass das moderne Dilemma einer moralischen Beurteilung des Krieges heute im nuklearen Zeitalter darin bestehe, dass der Krieg im Menschheitsinteresse absolut verboten erscheint, dass aber die Mittel, ihn wirksam zu ächten, nicht gegeben sind.52

In einer solchen Situation richtet sich die Hoffnung auf die immer noch starken Kräfte der Religionen, vor allem das Christentum: In diesem hat auch Jung-Stilling in seiner so bewegten Zeit nach der Französischen Revolution Zeichen der Hoffnung gesehen. Dies kommt auch in Jung-Stillings Siegsgeschichte der christlichen Religion, die er 1798 herausgebracht hat, zum Ausdruck!53

Christliche Kirchen wenden sich heute gegen eine verbreitete Entsolidarisierung, setzen sich – dies ganz im Sinne Jung-Stillings – für die Anerkennung der Würde des einzelnen Menschen ein, lehnen gewaltsame Mittel zur Erreichung politischer Ziele nachdrücklich ab, ebenso auch Versuche, den Menschen selbst in seiner Existenz in Frage zu stellen, so etwa durch Klonen und andere menschenbedrohende Eingriffe und Experimente. Immer wieder stellt das Christentum den Wert der menschlichen Person besonders heraus, ihre Einmaligkeit in der Schöpfung; gerade dies hat Jung-Stilling, wie wir gesehen haben, stets erneut betont.

Gefahren für die Friedensordnung gehen immer neu von autoritär geführten Staaten aus. Die Ablehnung der Diktatur war ein besonderes Anliegen von Jung-Stilling: Monokratie entarte zur Despotie, wenn nur einer die Macht besitzt, wenn der Diktator selbst alle Gesetze erfinden will oder Befehle gibt, wie es seinen Leidenschaften schmeichelt. Die betonte Gemeinwohlorientierung Jung-Stillings, seine Ablehnung totalitärer despotischer Regierungssysteme lässt sein nomokratisches System, in welchem sich der Regent von Beratungsorganen beeinflussen lässt, sehr deutlich von jenen autoritären Regimen abgrenzen, die heute die Friedensordnung bedrohen.54

Die grosse kulturethische Herausforderung unserer Zeit ist darin begründet, dass die Gefahren, die den Frieden in dieser unserer Welt bedrohen, die menschliche Kultur schlechthin gefährden. Wir sehen immer wieder an einzelnen Beispielen, wie sehr autoritäre und totalitäre Mächte einzelne Kulturgüter zerstören: Das Beispiel der in Afghanistan gesprengten Buddha-Statuen war ein besonders eindrucksvolles!

Heute geht es aber um die menschliche Kultur weltweit, die von der atomaren Bedrohung gefährdet ist. Das dritte Jahrtausend zeigt global neue Konfliktherde und eine Zunahme der traditionellen Spannungen in vielen Ländern und Regionen. In der Sicherung und Erhaltung einer Friedensordnung ist auch die wichtigste Voraussetzung für die kulturelle Entwicklung gegeben. Jung-Stillings grosses Anliegen, die Vervollkommnung und Beglückung möglichst aller Menschen kann nur in einer Welt ange¬strebt werden, die immer neu um Frieden und geistig-kulturellen Fortschritt ringt.

Anmerkungen

1 Gerhard MERK (Hrsg.), Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft, Berlin 1987, Einleitung, S. VII.

2 Johannes MESSNER, Kulturethik, Innsbruck-Wien-München 1954, S. 336 ff.

3 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Versuch einer Grundlehre sämmtlicher Kameralwis-senschaften, Kaiserslautern 1779, S. 179.

4 Gustav Adolf BENRATH, Jung-Stillings Frömmigkeit, in: Blicke auf Jung-Stilling. Fest-schrift zum 60. Geburtstag von Gerhard Merk, hrsg. von Michael FROST, Kreuztal 1991, S. 95 ff.

5 Joachim BODAMER, Der Mensch ohne Ich, Freiburg/Br. 1962, S. 85.

6 Bernhard HÄRING, Frei in Christus, 3 Bde, Freiburg/Br.-Basel-Wien 1979-1989, Bd. 1, S. 180, Bd. 3, S. 80.

7 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Lebensgeschichte, hrsg. von Gustav Adolf BENRATH, Darmstadt 1984, S. 517.

8 Gerhard MERK, Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens, Kreuztal 1989, S. 75, S. 112 ff; Johann Heinrich JUNG-STILLING, Jubelrede über den Geist der Staatswirtschaft, in: Sechs akademische Festreden, hrsg. von Gerhard MERK, Berlin 1988, S. 67 ff; Erich MERTENS, Jung-Stilling im Bergischen Land, Siegen 1995, S. 103 ff.

9 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Die Theodicee des Hirtenknaben als Berichtigung und Verteidigung der Schleuder desselben, Frankfurt/M. 1776, S. 106; DERSELBE, Theorie der Geister=Kunde, Nürnberg 1808, S. 38 (Par. 54), Repr. Leipzig 1987.

10 Nikolai BERDJAJEW, Von des Menschen Knechtschaft und Freiheit, Darmstadt 1954, S. 40.

11 Karl FORSTER, Glaube und Kirche in der Welt von heute, Würzburg ²1982, S. 23 ff.

12 Walter BRUGGER, Philosophisches Wörterbuch, Wien 1948, S. 188.

13 JUNG-STILLING, Jubelrede (wie Anm. 8).

14 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Szenen aus dem Geisterreich, Bietigheim 71999, S. 186 f.

15 Johann Heinrich JUNG-STILLING, System der Staatswirthschaft, 1. Teil, Marburg 1792, S. 260 f.

16 Herbert SCHAMBECK, Die ontologische Begründung der Menschenrechte, in: Diritti dell`Uomo, Diritto delle Genti nel Mediterraneo, hrsg. von Angiola FILIPPONIO u.a., Bari 2000, S. 13 ff.

17 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Bemerkungen über das Nomokratische System, Offenbach 1791, S. 108 ff.

18 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis, Nürnberg 1799, S. 357 f; DERSELBE, Erzählungen, Frankfurt/M. 1814/15, zitiert bei Gerhard MERK, Lexikon Religion, Kreuztal 1988, S. 98.

19 Gerhard MERK, Umriß (wie Anm. 8), S. 172 f.

20 JUNG-STILLING, System (wie Anm. 15), S. 708 f; DERSELBE, Über den Revolutionsgeist, Marburg 1793, S. 38.

21 Władysław BARTOSZEWSKI, Um den Frieden zu dienen, achte die Freiheit, in: Die Weltfriedensbotschaften Papst Johannes Pauls II., hrsg. von Donato SQUICCIARINI, Berlin 1992, S. 69 ff.

22 Michael FROST, Jung-Stilling und sein Patenonkel Johann Heinrich Jung, in: Blicke auf Johann Heinrich Jung-Stilling. Festschrift (wie Anm. 4), S. 41 ff.

23 Gerhard MERK, Die Prinzipien der Katholischen Soziallehre als Grundlage einer sachgerechten Wirtschaft, in: Mit Realismus und Leidenschaft. Festschrift für Valentin Zsifkovits, hrsg. von Otto KIMMINICH u.a., Graz 1993, S. 395 ff.

24 Hans-Michael KÖRNER, Das Hochstift Würzburg. Die geistlichen Staaten des Alten Reiches – Zerrbild und Wirklichkeit, in: Jahres- und Tagungsbericht der Görres-Gesellschaft 1992, Köln 1993, S. 4 ff.

25 Johann Heinrich JUNG-STILLING, System (wie Anm. 15), S. 723 f.

26 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Die grosse Panacee wider die Krankheit des Religionszweifels, Frankfurt/M. 1776, S. 36.

27 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Lehrbuch der Cameral-Wissenschaft oder Cameral-Praxis, Marburg 1790, S. 363.

28 Johann Heinrich JUNG-STILLING, System (wie Anm. 15), S. 680.

29 Gerhard MERK, Umriß (wie Anm. 8), S. 25 ff.

30 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Gesellschaft, Leben und Beruf. Geschichten aus dem \“Volkslehrer“. Hrsg., eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Gerhard MERK, Berlin 1990, S. 75, 101, 138 ff.

31 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Abhandlungen, Oeconomisch und statistischen Inhalts, Kopenhagen und Leipzig 1788, S. 138.

32 Gerhard MERK, Konfliktstau durch Ungüter, in: Frieden und Gesellschaftsordnung. Festschrift für Rudolf Weiler, hrsg. von Alfred KLOSE u.a., Berlin 1988, S. 197 ff.

33 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Bildungsfehler und Überfeinerung. Sozialer Abstieg von Familien und Staaten. Neudruck hrsg. und eingeleitet von Gerhard MERK, Siegen 1992, insbes. S. 17-85 [\“Pracht und Luxus“, von Johann Heinrich Jung-Stilling, 1781].

34 Johannes MESSNER, Kulturethik (wie Anm. 2), S. 571 ff.

35 Egon KAPELLARI, Und haben fast die Sprache verloren. Fragen zwischen Kirche und Kunst, Graz 1995, S. 31 f.

36 Karl JASPERS, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, München 1955, S. 86.

37 Johann Heinrich JUNG-STILLING, System (wie Anm. 15), S. 47.

38 Gerhard MERK (Hrsg.), Jung-Stilling-Lexikon Religion, Kreuztal 1988, Einleitung S. XVIII.

39 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Staatswirthschaftliche Ideen, Marburg 1798, S. 47.

40 Otto W. HAHN, Jung-Stillings \“Heimweh“, in: Blicke auf Johann Heinrich Jung-Stilling. Festschrift (wie Anm. 4), S. 115 ff.

41 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Lebensgeschichte (wie Anm. 7), S. 304.

42 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Versuch einer Grundlehre (wie Anm. 3), S. 6.

43 Johann Heinrich JUNG-STILLING, Lehrbuch der Staats-Polizeywissenschaft, Leipzig 1788, S. 6.

44 Gerhard BERNEAUD-KÖTZ, Johann Heinrich Jung-Stilling: Meister des erhellenden Wortes und der erhellenden Tat als Staroperateur in der Goethezeit, in: Auf den Spuren von Jung-Stilling. Festschrift für Alfred Klose, hrsg. von Erich MERTENS, Siegen 1998, S. 25 ff, 41.

45 Erich MERTENS, Jung-Stilling im Bergischen Land (wie Anm. 8), S. 50 f, 141 (Anm. 167).

46 Johannes MESSNER, Kulturethik (wie Anm. 2), S. 487 ff.

47 Herwig BÜCHELE, Drei Dimensionen einer Verantwortungsethik, in: Wirtschaftspolitische Blätter, Wien 1/2001, S. 45 ff.

48 Johann Heinrich JUNG-STILLING, System (wie Anm. 15), S. 264.

49 Gerhard MERK, Prinzipien (wie Anm. 23), S. 396.

50 JOHANN HEINRICH JUNG-STILLING, Versuch einer Grundlehre (wie Anm. 3), S. 202; DERSELBE, Bemerkungen über das Nomokratische System (wie Anm. 17), S. 122.

51 Johannes MESSNER, Kulturethik (wie Anm. 2), S. 419 f.

52 Rudolf WEILER, Internationale Ethik, Bd. 2, Berlin 1989, S. 187 f.

53 Anne Marie STENNER-PAGENSTECHER, Das Wunderbare bei Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Romantik, Hildesheim 1985, S. 138 ff.

54 Johann Heinrich JUNG-STILLING, System (wie Anm. 15), S. 901 f.




Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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