TARGET-Missbrauch (abuse of TARGET-system)
Bei der Deutsche Bundesbank hatten sich bis Jahresbeginn 2013 gut 650 Mia Forderungen gegen die Zentralbanken der EWUMitglieder aus der Südfront angehäuft. Marktgängige Schuldtitel wurden gegen TARGETPositionen ersetzt. Diese Forderungen werden mit einem Prozent Zins bedient. Das bietet einen Anreiz, Salden im TARGET-Verkehr stehen zu lassen. – Bei einem Exit von hochverschuldeten Mitgliedern aus der EWU oder im Falle des Staatsbankrotts eines Teilnehmers müsste Deutschland mit 27 Prozent – das entspricht dem Anteil am Grundkapital der EZB – für die TARGET-Schulden dieser Staaten einstehen. Nach Berechnungen käme das einer Last von etwa 16’000 Euro pro Erwerbstätigen in Deutschland gleich. – Weil aber in keinen der europäischen Verträge eine solche verdeckte Risikoübernahme vorgesehen ist, so erstattete der Münchener Strafrechtsprofessor Bernd Schünemann sowie andere im Frühjahr 2012 Strafanzeige gegen den Vorstand der Deutschen Bundesbank wegen des dringenden Verdachts auf schwere Pflichtverletzung, schweren Betrug und Untreue. – Praktisch sind die TARGET-Schulden ein Pfand, das Mitglieder der Eurozone hinterlegt haben und bei einem Exit verloren geht. – Siehe Perpetuum Mobile. – Vgl. Jahresbericht 2011 der Deutschen Bundesbank, S. 52 ff. (zur Problematik der TARGET-Salden; Übersicht), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2012, S. 28 (Erklärung ungewöhnlicher Salden; Übersicht), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 37 ff. (ausführliche Erklärung der TARGET-Salden; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 52 (TARGET-Salden seit 2004; Erläuterungen), Geschäftsbericht 2012 der Deutschen Bundesbank, S. 115 (Entwicklung der TARGET-Salden 2011 und 2012) sowie die Fortschreibung im jeweiligen Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank, Monatsbericht der EZB vom Mai 2013, S. 113 ff. (eingehende Analyse der TARGETSalden; Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 75 (Übersicht der Target-Salden seit 2008).
Achtung: Das Finanzlexikon ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die ausdrückliche Einwilligung lediglich zum privaten Gebrauch benutzt werden!
Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
E-Mail-Anschrift: info@jung-stilling-gesellschaft.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ernst_Merk
https://www.jung-stilling-gesellschaft.de/merk/
https://www.gerhardmerk.de/
