Stabilitäts- und Wachstumspakt, SWP (stability and growth pact, SGP)
In der Europäischen Währungsunion die Geldpolitik unterstützende, 1996 in Dublin getroffene Verpflichtung der Mitglieder, ihren Haushalt auszugleichen, um so zur Stabilität der gemeinsamen Währung beizutragen. In Artikel 126 AEUV wurde der SWP bekräftigt. Aus einigen wichtigen Gründen kann eine Währungsgemeinschaft mit einer einheitlichen Geldpolitik langfristig nicht ohne eine genaue Abstimmung der ja bei den Mitgliedsstaaten in souveräner Entscheidung verbleibenden Haushaltspolitik gelingen. – Der SWP war aus deutscher Sicht eine wesentliche Geschäftsgrundlage für die Währungsunion. Ohne ihn hätte es 1999 nicht die gemeinsame Währung gegeben. Als am 25. November 2003 der Ecofin-Rat beschloss, gegen Deutschland und Frankreich kein Verfahren wegen der Defizitüberschreitung zu eröffnen, wurde dieser zentrale politische Stabilitätskonsens praktisch aufgehoben. Überhaupt wird es als der schwere Konstruktionsfehler des Paktes betrachtet, dass der Ministerrat und nicht ein unabhängiges Rating-Gremium mit der Überwachung der Defizitstände befasst ist. – Im Sommer 2009 beschloss die EU, die zur Bankenrettung gelegentlich der Finanzkrise gegründeten Zweckgesellschaften aus der Staatsverschuldung herauszurechnen, was wohl zurecht als eine “verhängnisvolle Fehlentscheidung” (disastrous fault) kritisiert wurde. Überhaupt wird immer wieder vorgeschlagen, dass der Pakt nicht Anteile öffentlicher Defizite, sondern die staatlichen Ausgaben zugrunde legen sollte. – Einer Verbesserung – sprich: Verschärfung – des SWP hat sich der hierfür nach Artikel 15 EUV allein zuständige Europäische Rat lange Zeit grundsätzlich widersetzt. Erst mit Jahresbeginn 2013 konnte eine Schuldenbremse vereinbart werden, zu der sich ausser Grossbritannien und Tschechen alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichteten. – Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Blame game, Currency-Swing, Altersquotient, DefizitFinanzierungsverbot, Defizitquote, Demographieverfestigung, Ecofin-Rat, Euro-Anleihen, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäisches Finanzministerium, Frühwarnrecht, Geldpolitik, Gruppendruck, Haushaltsdefizit, Haushalts-Kennziffern, Haushalts-Vorabstimmung, europäische, Inverzugsetzung, Lissabon-Agenda, Murphy’s Gesetz, Minhas-Gerais-Problem, Nachhaltigkeit, Parafiskus, Politikklammer, Politikverzug, Primärüberschuss, Regel, goldene, Schattenstaat, Schuldenclub, Schuldenbremse, Schuldenquote, Semester, europäisches, Sensitivitätsanalyse, haushaltspolitische, Solidarität, finanzielle, Staatsschulden-Rückführung, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungsrahmen, Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen, Transferunion, Vertragstreue, Wettbewerbs-Status, internationaler, Währungsunion 2, Wirtschaftspolitik, europäische. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2003, S. 53; Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 49 ff. (mit wertvollen Statistiken), Monatsbericht der EZB vom April 2004, S. 58 f., Geschäftsbericht 2003 der Deutschen Bundesbank, S. 87, S. 94 ff. (“schwere Beschädigung” des Paktes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2004, S. 66 (der Pakt nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 13. Juli 2004), Monatsbericht der EZB vom September 2004, S. 72, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2005, S. 43 ff. (wichtiges Gutachten zur “Reform” des Paktes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 15 ff. und S. 23 ff. (sehr ausführlich begründende Darstellung), Monatsbericht der EZB vom August 2005, S. 54 ff. (Leitlinien des Ecofin-Rates), S. 63 ff. (zur “Reform” des Paktes sehr eingehende Darlegung und [durchweg pessimistische] Beurteilung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 70 f. (Prognose), Geschäftsbericht 2005 der Deutschen Bundesbank, S. 73 ff. (skeptische Beurteilung), Monatsbericht der EZB vom Februar 2006, S. 79 ff. (hier Grundsätzliches zur Wirkung der Finanzpolitik auf die Finanzmärkte), Monatsbericht der EZB vom April 2006, S. 67 ff. (eingehende Erörterung des Verhältnisses zwischen Staatsausgaben, ökonomischer und finanzieller Stabilität), Monatsbericht der EZB vom Februar 2007, S. 77 ff. (Gefährdung des Paktes durch implizite Staatsschuld), Monatsbericht der EZB vom März 2007 (Interpretationsfragen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2007, S. 48 ff. (Überlegungen zu einer wirksamen Begrenzung der Staatsverschuldung), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 87 ff. (neue Verpflichtungserklärungen; Bedenken hinsichtlich der detaillierten Ausgestaltung), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 22 f. (Defizitquote einzelner Mitgliedsländer im Eurogebiet; [pessimistische] Beurteilung; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2008, S. 59 ff. (zehnjähriges Bestehen des Paktes: ausführliche Beurteilung; viele Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2008, S. 33 (kritische Einschätzung im Zehnjahresrückblick zur Währungsunion), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2009, S. 25 (Eventualverbindlichkeiten müssten bei Staatsverschuldung eingerechnet werden), Monatsbericht der EZB vom September 2009, S. 92 f. (nationalstaatliche Regeln zur Flankierung des SWP), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2009, S. 65 ff. (Defizitverfahren für dreizehn Mitgliedstaaten des Eurogebiets), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 33 (Zunahme der Defizite aufgrund von Konjunkturprogrammen), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 91 f. (tabellarische Übersicht der Finanzlage aller Mitglieder im Eurogebiet 2008-2012, ab 2010 Vorausberechnungen), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 50 f. (Frühwarnrecht der Kommission), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2010, S. 12 f. (zu den Garantien im Zuge des Europäischen Stabilisierungsmechanismus), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 109 ff. (weit ausholende, tiefgründige Überlegungen zur Reform des SWP; viele Übersichten und [S. 130 ff.] klar formulierte Schlussfolgerungen), Geschäftsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank, S. 92 ff. (Massnahmen zur Eindämmung der Staatsschulden), Jahresbericht 2011 der EZB, S. 146 ff. ([zu] viele Gremien sind mit den Fragen befasst) sowie den jeweiligen Jahresbericht der EZB, Kapitel “Europäische Themen”, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2011, S. 53 ff. (Massnahmen zur Vermeidung von Staatsschuldenkrisen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2011, S. 22 f. (Schuldenquote der Mitglieder des Eurogebiets seit 2009; Prognose für das
Jahr 2013), (ausführliche Darstellung der Staatsschuldenkrise; viele Übersichten; Literaturverweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2012, S. 13 ff. (tiefe Erörterung der Staatschuldenkrise in der EWU; Übersichten; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2012, S. 22 ff. (Defizite im Staatshaushalt im Euroraum gesamthaft und in den Problemländern; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 71 ff. (neue Entscheidungen zu Defizitverfahren), Monatsbericht der EZB vom September 2013, S. 113 ff. (Ergebnisse der Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes; weitere Verbesserungen sind erforderlich), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 41 ff. (Grundsätzliches; Stand und Entwicklung in einzelnen Ländern der EWU).
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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