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Spass und Genuss !!

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Über diese beiden Grund-Pfeiler der Lebens-Gestaltung heut zu Tag auch in Deutschland sowie über die damit in Beziehung stehenden Bestellnisse äussert sich anlässlich einer nachtodlichen Vernehmlassung zu Düsseldorf am Rhein in äusserster Gemüts-Bestürzung, höchlichster Bekümmernis und zugleich mit
innerlicher Wehmut der kenntnisreiche, lebenserfahrene und unvergessene Herr

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dortselbst auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; hiebevor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tier-Medizin – an der Universität Heidelberg und anvorderst seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern,

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch ab 1772 praktischer Arzt, Geburtshelfer, Augenarzt und seit 1775 staatlich bestellter Brunnenarzt sowie Unterrichtender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass vom 22. Juni 1784 der erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied.

Nach der Redwechslung ohne Verweilung behörigermassen niedergeschrieben, allen lichtfreundlichen Zeit-Genossen – und sonderheitlich den Spass-Berauschten – anmit lautmährig gemacht sowie behufs dessen unter Anwünschung aller wohlgedeihlichen Beförderung mit freundwilligem Gruss zu solchem Ende geflissentlich ins World Wide Web gestellt
von
Achtnicht Ihrenhohn
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen 2009

Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers, der löblichen Markus-Gilde., Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland)

mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Contents


Spaziergang am späten Nachmittag


Ich schritt den Weg entlang dem Rhein
Spätnachmittags zu Rüsselstein.1
Es gingen viele dort spazieren;
Auch Mütter aus den Stadtquartieren
Erblickte man mit Kinderwagen;
Dazu zu meinem Missbehagen
Auch manche, die im Dauerlauf
Um diese Zeit sind hier zuhauf:
Meist käseweisse Schreibtisch-Hocker,
Die stracks verwandeln sich zum Jogger:
Nun ihren Lauf-Drang nicht mehr zähmen,
Auf nichts und niemand Rücksicht nehmen.

Hinauf den Fluss war viel Verkehr
Von Schiffen, die beladen schwer.
Rheinabwärts sah ich keinen Kahn.
Jetzt fiel mir ein, dass kundgetan
Im Hörfunk diesen morgen war,
Dass schon seit vorgestern sogar
Ob eines Felsens, der gesprengt,
Die Schiffahrt sei sehr eingeschränkt
Ab Kaub bis kurz vor Rüsselstein:
Man führte Einbahn-Folge ein.


Person springt von Lastkahn und schwimmt uferwärts


Als nun ich auf den Rhein-Strom schicke
Zu einem Last-Schiff meine Blicke,
Gewahre ich, wie jemand winkt,
Vom Frachter dann ins Wasser springt
Und kraulend durch den Rhein im Nu
Schwimmt schnurstracks, freiweg auf mich zu!

Es ist ein Mann, der nun dem Rhein
Entsteigt, doch ohne nass zu sein!
Bekleidet kommt in langen Tritten
Er jetzt die Böschung hochgeschritten.


Der Schwimmer ist Johann Heinrich Jung-Stilling


Bevor er mich am Weg erreicht,
Kam zu der Folgerung ich leicht
Aus seiner Kleidung (das stand fest:
Sie war ganz trocken, nicht durchnässt):
Hier aus der Stromes Niederung
Steigt sonder Zweifel Hofrat Jung.2

\“Herr Hofrat3\“, sprach ich gleich ihn an,
\“Man immer wieder staunen kann
Ob ihrer vielen Fähigkeiten!
Sie können ja durchs Wasser gleiten
So pfeilgeschwind und so geschmeidig,
Dass Spitzen-Schwimmer werden neidig.

Doch taten sie den Rhein durchqueren
Gewiss wohl, um mich zu belehren?
Geöffnet ist – wie schon zuvor –
Für ihre Botschaft stets mein Ohr.

Wir könnten auf die Bank uns setzen,
Um völlig ungestört zu schwätzen.
Die Bank ist leer; ich sicher bin,
Dass niemand setzt sich nun dorthin;
Denn zweifellos sorgt dafür ja
Ihr Schutz-Geist, Engel Siona.4\“ –


Grund des Treffens wird genannt


\“So ist es\“, sagte er und lachte,
\“Im Himmel kürzlich man gedachte,
Dass ich euch wieder treffen sollte,
Auf dass ich klärlich euch entrollte,
Wie nieden doch entstellt zur Zeit
In Medien wird die Wirklichkeit;

Auch wie heut Spass benebst Genuss
Bestimmen klar den Habitus
Der Menschen: ihren Lebens-Stil,
Derweil die Glaubens-Kraft verfiel.

Mein Sprung vom Fracht-Kahn in den Rhein:
Das sollte ja ein Gag nur sein!
Ich tat im Jenseits das ersinnen,
Um gleich Beachtung zu gewinnen.
Ich merke: das ist mir geglückt!
Ihr seht: ich bin nicht weltentrückt;
Obgleich zu meiner Erdenzeit
Mir fehlte die Gelegenheit
Die Schwimm-Kunst zu erlernen richtig;
Auch war mir andres viel mehr wichtig.

Ich folge auf die Bank euch gern.
Es ist gesorgt, dass bleiben fern
Ihr andre Menschen; Siona
Tut dazu seine Dienste da.\“


Engel Siona tritt hinzu


Als Stilling eben sagte dies,
Sich Siona schon blicken liess.
Er reichte freundlich mir die Hand,
Die ich als drall und warm empfand.
Jäh war die Promenade leer;
Ich sah jetzt keinen Menschen mehr.

Auch war es mausestill nunmehr.
Man hörte nichts vom Schiffs-Verkehr,
Selbst nicht der Jogger Pusterei,
Die rannten wohl an uns vorbei.
Erblicken konnten sie uns nicht:
Wir blieben ausser ihrer Sicht.
Gewiss nahm keiner uns jetzt wahr:
Das wurde rasch mir völlig klar.

Doch war ich kaum erstaunt deswegen,
Weil schon bei früherem Begegnen
Mit Stilling kehrte Schweigen ein,
Selbst dort, wo Lärm sonst ungemein;
Und auch es vorher schon geschah,
Dass niemand uns zusammen sah:
Selbst Hunde schlichen still vorbei:
Kein Knurren, keine Bellerei.


Medien bestimmen heute weithin die Wirklichkeits-Wahrnehmung, die Meinungsbildung und die Verhaltensweisen

\“Herr Achtnicht\“, sprach mich Stilling an,
\“Die Medien muss heut sehen man
Als jene Kräfte, die das Denken
Des Menschen, der Gesellschaft lenken.
Verbringt der Deutsche doch im Schnitt
Sechs Stunden täglich bloss damit –
Kritiklos meist – zu konsumieren,
Was Medien alles präsentieren.5

Ein Schüler, der heut vierzehn Jahr,
Viel länger vor dem Bildschirm war
Als Stunden in dem Klassen-Zimmer:
Solch Miss-Verhältnis wird stets schlimmer!
Auch sass er vor dem Bildschirm mehr
Als bislang im Gesprächs-Verkehr
Mit seinen Eltern und Verwandten:
Geschwistern, Onkel oder Tanten.

Die Wahrnehmung der Wirklichkeit
Und Meinungs-Bildung so gedeiht
Daheim bei Jugendlichen nicht:
Doch kaum auch noch im Unterricht.

Drum wird Bereitschaft zum Verhalten
Nach solchen Mustern sich gestalten,
Wie man im Fernsehn diese sieht:
Vorm Bildschirm Prägung sich vollzieht.

Kurzum: es wohl unbestritten,
Dass Medien prägen heut die Sitten;
Sind dafür Vor=Bild, Meilenstein,
Wie man sein Leben richtet ein.


Einzigartigkeit des christlichen Gottes- und Menschenbildes


Es wird jedwedes Menschen Leben
In einem Schöpfungs-Akt gegeben
Durch GOttes Willen; SEine Hand
Hält jeden allezeit umspannt.
ER liebt ihn, will ihm nahe sein:
Erkennt in ihm den Widerschein
Des eignen Selbst: SEin Ebenbild,
Dem SEine Gunst und Neigung gilt.

Drum GOtt ist willens und bereit,
Zu holen in die Ewigkeit
Zu SIch als Tochter oder Sohn
Einjeden Menschen als Person.

Es gründet jeder Mensch daher
Als Einzelwesen – singulär –
In GOttes Huld; ER steht ihm nah,
ER tut ihm SEine Liebe da,
Zieht nie die Hand von ihm zurück,
Lädt ein zum Guten ihn: zum Glück.6

Da GOtt nun alle Menschen liebt,
Weil jeden ER mit Huld umgibt,
Sind alle Menschen unter sich
Verbunden auch geschwisterlich.
Den gleichen Vater haben alle,
Die leben auf dem Erdenballe.

Herr Achtnicht: diese Menschen-Sicht
Ist Kern-Botschaft, ist Sonnen-Licht
Des Christen-Glaubens überhaupt!
Es sind daran drum festgeschraubt
Auch alle Rechte, alle Pflichten,
Nach denen Leben sich muss richten.

Den HErrn und seinen Nächsten lieben
Ist somit zwingend vorgeschrieben.
Getrennt von GOtt Humanität
Gar nirgends, nimmer je gerät.


Die gegebene Wirklichkeit wird übergangen oder boshaft verzerrt und veralbert


Doch findet diese Wirklichkeit,
Die GOttes-Ebenbildlichkeit,
In Medien ihren Ausdruck auch?
Mitnichten: keinen leisen Hauch!

Man unterschlägt verkrampft-verbissen
Einjedes religiöse Wissen.
Der Mensch wird hingestellt als frei
Von Bindung, Pflichten jederlei.7

Erstickt wird selbst schon das Besinnen,
Dass niemand jemals kann entrinnen
Der Herrschaft des Natur-Rhythmus:
Dass jeder schlafen, essen muss
Und letzt sein Leben gar verloht:
Das alles zugeht auf den Tod.

Verhaftetsein an die Natur,
Der Tod als Schluss der Erden-Tour:
Wenn diese Wirklichkeiten man
In Medien packte ernsthaft an,
Dann stellte sich die Frage ja
Nach GOtt und wie zeigt ER sich da!
Drum wird dies eisern ignoriert,
In Medien nicht thematisiert.


Die Kirche und ihre Amtsträger werden direkt und indirekt angegriffen und verleumdet


Jedoch ist nicht zu übersehen,
Dass immerhin zur Kirche gehen
An jedem Sonntag Millionen
In allen deutschen Regionen.

Für Medien-Macher allzumal
Ist solches Schande: ein Skandal,
Worauf man reagieren muss.
Man feuert daher Schuss für Schuss
Auf Kirche als Institution:
Beschiesst mit Schmutz sie und mit Hohn.

Sehr häufig man dies offen tut,
Hält nicht zurück mit Groll und Wut:
Setzt ein selbst die gemeinsten Waffen,
Um ja zu schmähen auch die ‚Pfaffen‘,
Die man verleumdet generell
Als Strolche, Schurken prinzipiell:
Erpressten Geld in hohen Summen
Von ihren Gläubigen, den Dummen.8

Doch andre Taktik überwiegt!
Man diesfalls nicht direkt bekriegt
Die Kirche und die Religion:
Man tarnt hier seine Aggression,
Verbirgt geschickt sie in Berichten,
Die Kirche immer bloss belichten
Von ihren negativen Seiten,
Die jede Gruppe muss durchleiden,
Egal ob Kirche, ob Partei,
Verein sie oder Firma sei;
Ja: selbst in Zeitungs-Redaktionen
Konflikte jeweils innewohnen.
Das gilt natürlich ebenso
Für Fernsehen und Radio
Samt allen Presse-Agenturen,
Verlagen und Intendanturen.

Im Zuge dieser ’sanften‘ Taktik
Bedient man sich der üblen Praktik,
Das Schlechte gross herauszubringen:
Beachtung dafür zu erzwingen,
Weil man an erster Stelle gleich
Plaziert die Nachricht listenreich.

Die Leser, Hörer glauben so,
Dass dort – wie sonsten nirgendwo –
Das Schlechte, Böse Heimat hat:
In Kirchen findet Übles statt.

So sudelt wüst man Überschriften,
Die Argwohn, Zweifel möchten stiften
Wie: ‚Pfarrer schwängert junge Frau‘,
‚Äbtissin nachts auf Wäsche-Klau‘,
‚Kaplan belästigt Ministranten‘,
‚Des Pfarrers Frau liebt Konfirmanden‘,
‚Dekan hat Kirchgeld unterschlagen‘,
‚Vikar fährt einen Prahlhans-Wagen‘,
‚Konflikt und Zank im Kirchenkreis‘
Und solche Headlines massenweis.

Die Pfarrer werden hingestellt
Als lüstern und nur scharf auf Geld.
Bezug zu CHristus unsrem HErrn
Liegt ihnen danach völlig fern.

Beachtet aber, dass Rabbiner,
Kalifen und selbst Götzendiener
Behandelt werden mit Respekt:
Ihr Herz ist gut, ihr Tun korrekt!

Und wenn der Papst allein sich wähnt,
Ermüdet einnickt, ja nur gähnt,
Dann, Achtnicht, es als sicher gilt,
Dass kommt er damit voll ins Bild,
Obzwar man sonst doch heutzutag
Gewiss nichts von ihm hören mag.

Auch wenn auf grossen Kirchentagen
Man nachsinnt über Glaubens-Fragen
Und Tausende zusammentreten,
Um GOtt zu danken und zu beten:

Dann wird darüber nichts berichtet.
Hingegen fühlt man sich verpflichtet,
Erschöpfend alles aufzunehmen,
Was kleine Gruppen unternehmen:
Und seien es Verrückte nur,
Die unentwegt sind auf der Tour,
Um allerorts, wo finden Leute
Zusammen sich zu Leid, zu Freude,
Ihr krauses Zeug zu propagieren:
Parolen lauthals zu skandieren,
Die mit der Kirche, ihrer Lehre
Von Grund auf stehen in der Quere.9

So wird erreicht, dass jeder meint,
Die Christen hätten sich vereint,
Um über Sexualität,
Rekruten-Dienst, Neutralität,
Die Tropen-Wälder, Schutz der Tiere,
Erneuerung der Stadt-Quartiere,
Begrenzung von Motorisierung,
Probleme der Globalisierung
Und dererlei zu diskutieren,
Um damit zu schubladisieren
Den Kirchentag so konsequent
Versteckt als Neben-Parlament:

Zusammenkunft, bei der Phantasten,
Fanatiker und Enthusiasten
Sich öffentlich in Szene setzen,
Um über Dies und Das zu schwätzen,
Die Bürger schroff zu kritisieren,
Zu richten und zu kommandieren.

Das gilt – um das hier zu ergänzen –
So auch von Bischofs-Konferenzen.
Dort ist die Liste der Traktanden
Und darob auch der Diskutanten
Recht umfangreich; zentrale Themen
Dabei den ersten Platz einnehmen.

Doch in den Medien wird berichtet,
Dass sich der Eindruck stark verdichtet,
Man täte dort sich heftig streiten
Allein um Nebensächlichkeiten:
Kein dürrer Satz auch, der verrät,
Dass man zu Umkehr und Gebet,
Zur Liebe GOttes (die sich zeigt,
Indem man sich zum Nächsten neigt)
Ermahnt hat und auch Wege wies
Aus dieser Zeit ins Paradies.


Gehöhne und Verspottung der christlichen Religion


Sagt heute man ‚Mohammedaner‘,
So unkt sogleich ein Heer der Mahner:
Das sei ganz klar Beleidigung!
Sie wähnen zur Verteidigung
Berufen sich: das Wort ‚Muslime‘
Allein als Name sich gezieme
Für Anhänger des Mohammed:
Wer anders spricht, wird bös geschmäht.

Auch darf nicht über den Buddhismus,
Erst recht nicht über Atheismus
Ein schlechtes Wort gesprochen werden,
Sonst hagelt lärmend es Beschwerden.

Doch während man hier so empfindlich,
Spiesst auf aus Gründen unerfindlich
Alltäglich jeder Parodist
Frech unsren Heiland JEsus CHrist.
Verhöhnt wird ER, geschmäht, verlacht,
Verwitzelt, zum Gespött gemacht.

Das Kreuz des HErrn – dem Christ Symbol,
Wie GOtt durch JEsum uns gab Wohl:
Dass angenommen ER uns hat
Durch SEinen Sohn an Kindes Statt –
Wird dreist vernarrt und karikiert,
Verunglimpft und ironisiert:
Empfohlen öffentlich zur Zier
Im Abtritt für das Klopapier.10


Menschenwürde wird systematisch abgebaut


Die Achtung vor dem Menschen kann
Auf jeden Fall begründen man
Allein aus seiner GOtt-Kindschaft:
Aus ihr fliesst letztlich nur die Kraft
Sowie die Legitimation
Zur Respektierung der Person.

Es folgt draus mit Notwendigkeit,
Dass macht Unmenschlichkeit sich breit,
Wenn diese Bindung der Person
An GOtt gesehn wird als Fiktion:
Wo nicht mehr allgemein erkannt,
Dass GOtt hält liebend in der Hand
Den Einzelnen, den exklusiv
Zu SIch durch CHristo ER berief:
Dass jeder Individuum
Und letztlich GOttes Eigentum.

Der Mensch gilt dann als vogelfrei:
Objekt drum jeder Schurkerei.
Es fällt so jede Barriere
Zum Schutz der Würde und der Ehre.

Personen werden bös blamiert,
Vor aller Welt dreist demontiert,
Wenn sie dem Zeitgeist sind entgegen,
Nicht Medien nach dem Munde reden:
Zum Freiwild werden sie gemacht,
Geschmäht, verspottet und verlacht.11

Doch andrerseits – GOtt sei’s geklagt! –
Es vielen Menschen gar behagt,
Wenn sie in Medien blossgestellt;
Ja, manche zahlen gar noch Geld,
Wenn nur man über sie berichtet,
Selbst wenn der Ruf dadurch vernichtet;

Denn grösser die Verlockung wiegt,
Dass Platz man in den Medien kriegt,
Als Selbst-Achtung, als Stolz, als Scham;
Und mancher gar es auf sich nahm,
Dass dauernd vor der Kamera
Er bietet ungehemmt sich da
Vor Gaffern, Spannern in Millionen
Aus allen Gauen und Regionen.12


Widerliche Erotisierung


Es ekelt mich, Herr Achtnicht, an,
Wenn sehe ich, wie spross heran
In kurzer Zeit Pornographie
Zur Vor-Herrschaft, Hegemonie
In allen Medien; wie zunächst
Jäh wogte hoch obszöner Text;
Wie Nackedeis in Illustrierten
Danach die Titel-Seiten zierten;

Wie dann private Fernseh-Sender
Die Metzen, Stricher, Kinderschänder
Als ganz normale Bürger priesen
Und offen Menschen unterwiesen
In Praktiken, die selbst kaum Huren
Zu meiner Zeit jemals erfuhren.

Es mengte sich die Sauerei
Sehr rasch in allen Sendern bei:
Denn das Gemeine, böser Wahn
Bricht stets mit harschem Druck sich Bahn,
Derweil das Gute allerwege
Bedarf des Schutzes und der Pflege.

Drum Zoten, Wollust, Unzucht-Schlamm
Gehören fest in das Programm:
Sind eingebettet überall
Und zeugen klärlich vom Zerfall
Des Wahren, Guten; auch das Schöne
Verfinstert wird durch das Obszöne.

Ich nenne wahr, was dauerhaft
Im Menschen Wohl und Reifung schafft:
Was vollauf seinem Zweck entspricht
Aus Diesseits- wie aus Himmels-Sicht.

Das Gute stärkt des Menschen Kraft
Auf seiner Bahn: der Wanderschaft
Zu immer mehr Vollkommenheit,
Was hier auf Erde nur gedeiht
Durch Tugend-Wachstum, dass am Ende
Ganz ausgereift der Mensch sich fände
Und als Person jetzt so erscheint,
Wie GOtt als Inbild ihn gemeint.

Was so dem Menschen Glück bereitet,
Dass Freude stetsfort ihn begleitet,
Veredelnd dadurch ihn zu Höhn,
Das heiss ich mit den Alten schön.


Verheerende Folgen der Erotisierung


Das Schlimme der Erotisierung
Liegt wohl zunächst in der Fixierung
Auf Brunst und Sexualität.
Der Blick wird hierdurch arg verdreht
Von liebender Verbundenheit
Auf Paarung bloss und Lüsternheit.
Der Mitmensch wird dann zielbewusst
Missbraucht zum Frönen eigner Lust.
Bloss auf den Beischlaf reduziert,
Die Partnerschaft sehr bald vertiert.

Das ist, Herr Achtnicht, alles richtig,
Die Folgerung auch offensichtig,
Wie aus den Scheidungs-Wellen man
Auch klärlich ja ersehen kann.
Die hohe Zahl der Trennungs-Waisen
Mag dieses fernerhin beweisen,
Wobei oft für das Scheidungs-Kind
Ein Leben nun in Not beginnt.

Man weiss ja, dass hier ziemlich schnell
Sich einstellt Drangsal finanziell.
Die Rest-Familie braucht jetzt Geld:
Der Staat es zur Verfügung stellt.
Das heisst konkret: die Bürger alle
In Zahlpflicht sind in solchem Falle.

‚Der Staat‘ ja nur verteilen kann,
Was er von Bürgern zog heran
Zuerst an Steuern, deren Last
Erdrückt den Untertan schon fast,
So dass sich dieser überlegt,
Wie er dem Steuer-Druck entgeht.

Das lähmt den Leistungs-Willen sehr:
Begünstigt Schwarzarbeit noch mehr;
Was jetzt den Staat als nächstes zwingt,
Dass er die Sätze höher bringt
Bei allen Steuern; was nun heizt an
Die Steuer-Flucht bei jedermann.
Lest nach, was hier ich zum Prinzip
In meinem Lehrbuch weiland schrieb.13


Persönliches und gesellschaftliches Leid


Verherrlichung von früh bis spät
Der schieren Sexualität:
Die Unzucht, popularisiert,
Durch Medien schlau und raffiniert:
Verbildung hin zu Lustbetonten,
Des Pflichtgefühls ganz Ungewohnten:
Ein lockrer, freier Egoist
Der Liebling der Programme ist!

Das alles schlägt sich schliesslich nieder
In Harm, Enttäuschung und schafft wieder
Von neuem Leidens-Druck und Pein
Samt körperlichem Unwohlsein.

Dies kostet die Gesellschaft Geld:
Belastet so die Arbeitswelt;
Die Steuern steigen üppig an,
Damit man Zahlung leisten kann
Den Rest-Familien; doch mehr Steuern
Muss Güter auf dem Markt verteuern;
Der Absatz sinkt; sich anzupassen
Gilt Leute nun es zu entlassen.

So führt, Herr Achtnicht, licht ein Strang
Von Unzucht, wie sie jetzt in Schwang,
Zur Minderung der Wirtschafts-Kraft:
Es werden Stellen abgeschafft.
Es steigt die Arbeitslosigkeit:
Die Armut macht noch mehr sich breit.


Ausgeliefertsein der Scheidungs-Waisen


Es sei ein Umstand ungeniert
Bei Waisen-Kindern diskutiert,
Der in den Medien ganz tabu,
Weil sonst man müsste geben zu,
Dass dieses Übel ja entstand,
Nachdem man Keuschheit hat verbannt,
Verkaspert, bösartig verlacht:
Zum Zerrbild, Spott und Hohn gemacht,
Und Spass an Sexualität
Zum Leit-Satz wurde aufgebläht:
Ich meine Missbrauch: sich erweisen
Als Wüstling an den Scheidungs-Waisen.
Wie die Statistik klärlich zeigt,
Der neue Partner dazu neigt,
Sich an dem Stiefkind zu vergehen:
Als Lustobjekt es anzusehen
Zu bringen es erst in Bedrang,
Das Kind zu schänden dann mit Zwang.

Die Mutter davon weiss sehr oft,
Doch duldet es, weil sie denn hofft,
Durch Stärkung dessen Wohlbefinden
Den Partner fest an sich zu binden
Und Furcht herrscht vor, ihn zu verlieren,
Falls täte dies sie kritisieren.


Missbrauchte Kinder sind für ihr ganzes Lebens gezeichnet


Missbrauchte Kinder immer fast
Behaftet sind mit dieser Last
Ihr Lebtag lang: sie können nicht
Mit Offenheit, in Zuversicht
Auf andre Menschen schreiten zu:
Erinnern leuchtet auf im Nu
An Leid, an Weh, an Scham, an Bangen
Und wie man sie hat hintergangen.
Ihr wundes Herz fühlt immer enger:
Sie werden bald zum Einzelgänger,
Den andre Leute lieber meiden,
Was bringt den Opfern neue Leiden.

Herr Achtnicht! Was ich kurz umrissen:
Wie tief Missbrauchte sind zersplissen,
Bestätigt jeder Psychiater,
Auch jeder Sozial-Berater,
Der Einblick in Familien hat,
Wo Kindes-Schändung findet statt.
Doch davon will man heut nichts hören:
Dies täte ja das Scheinbild stören,
Dass freier Lauf der Lust ja allen
Beschert nur Freude und Gefallen.


Verkehrter Stellenwert der Sexualität


Ich weiss, dass leicht man dazu neigt,
Schier alles, was sich heute zeigt
Als schlecht zu sehen und bei weitem
Zu überschätzen ferne Zeiten,
Die ohnedies man gern verklärt:
Als wären sie beneidenswert.

Doch das sei fern von mir! Ich bin
Als Mediziner immerhin
In viele Häuser einst gekommen
Und habe dabei wahrgenommen,
Wie Menschen leben, sich gebaren:
Ich konnte alles wohl erfahren.

Ein Jahr bevor der HErr mich rief
War ich im Elsass noch aktiv.14
Ich operierte Blinde dort
Und sah mich gründlich um vor Ort.

Doch nirgends fand sich so verdreht
Die Brunst, die Sexualität:
Gelöst von Liebe, Zu-Neigung,
Wie durchwegs heut bei Alt und Jung,
Wo meist man bloss das Angenehme:
Das ich-ergötzende Bequeme
Geniessen will teils mehr, teils minder
Und drum auch fällt die Scheu vor Kinder.


Gesundheitlicher Fortschritt und Fitness-Sucht


Dabei hat die Gesundheit sich
Verbessert seither wesentlich,
Weil Schwerst-Arbeit fiel stetig fort
Und vorgedrungen ist der Sport
Den man zu meiner Zeit kaum kannte:
Zumindest noch nicht hierzulande.
Selbst ‚Sport‘ ist ja ein neues Wort:15
Vom Albion16 drüben ein Import.

Der Fitness-Trubel momentan
Trägt sichtbar Zeichen doch von Wahn!
Das bringt mich auf ein andres Thema:
Es passt in dies Gedanken-Schema.


Heimübungsgeräte und Fitnesstraining


Ich kann es mir halt nicht verkneifen,
Bisweilen durch die Welt zu streifen
In Geist-Gestalt jetzt durch Regionen,
Wo nieden einst ich durfte wohnen:

Durchs Siegerland17 durchs Wuppertal18
Durch Strassburg, Lautern jedesmal;
Auch Marburg19 gilt mein Augenmerk
Wie Reichenburg20 und Heidelberg.21

Wenn dann ich schreite durch die Gegend,
Empfinde ich es spass-erregend,
Wie Leute quälen sich und treten
Verrückt auf ihren Sport-Geräten.

Man stampft, man stapft, man fuchtelt, strampelt,
Gleich einem Kasperl wird gehampelt:
Man hopst im Sattel auf und ab
Und kommt in den Galopp, in Trab;
Man tobt schier wie verhext herum
Und bückt dabei den Rücken krumm;
Man schnaubt, man keucht, man japst, man pustet,
Fast ausser Atem wird geprustet,
Bis man genug der Wackelei
Und der Geräte-Treterei.

Dass frische Luft man nun auch hätte,
Geniesst man eine Zigarette:
Vielleicht auch derer zwei und drei,
Damit die Atmung wohl gedeih,
Die — nach der Plackerei lädiert —
Durch Rauch sich bald normalisiert.


Heilkraft der Seele und des Körpers


Lasst, Achtnicht, klar mich auch noch nennen,
Was viele offenbar verkennen,
Doch weiland ich als Arzt auf Erden
Oft konnte deutlich innewerden:
Es ist schon starkem Geist gelungen
Dass er den Körper hat bezwungen,
Wodurch – ganz ohne Arzenei –
Der Leib von Krankheit wurde frei.

Doch bisher er noch nie gelang,
Dass ein gesunder Leib bezwang
Getrübten Geist, so dass der klar
Am Ende zeigt sich wieder dar!

Warum ich dies hier so betone?
Weil heutigs man doch zweifelsohne
Viel Wert auf starken Körper legt,
Die Seele aber kaum mehr pflegt.
Das ‚Bodybuilding‘, diesen Wahn,
Übt aus schon jeder Dummerjan,
Statt seine Seele recht zu zieren,
Sich als Person zu kultivieren.

Als Arzt indessen ich empfehle
Nicht lediglich ‚Kultur der Seele‘!
Der Sport ist gut! Doch die ‚Ver=Leibung‘
Unstreitig eine Übertreibung!

Geht nach man jeder Art von Sport
Vor allem mit dem Ziel ‚Rekord‘,
Dann hält den Körper dies nicht jung
Und dient nicht der Ertüchtigung.
Im Gegenteil: Sport so betrieben,
Hat viele Leiber schon zerrieben
Und die Spitäler sind jetzt voll
Von Menschen, die verbissen-toll
Zur Gipfel-Leistung stürmten hin
In Kraft-Geprotz und Wider-Sinn.


Jung-Stilling als Arzt heute


Wenn, Achtnicht, nochmals ich auf Erden,
So würde Sportarzt ich wohl werden.
Mit Bandagieren, Knochen schienen
Könnt endlich auch ich Geld verdienen;
Denn von der Ophthalmologie
Konnt reich man werden weiland nie.22

Auch säh als Hautarzt Chancen ich –
In diesen Tagen sicherlich! –
Zu meiner und der Kranken Frommen
An einen Batzen Geld zu kommen.
Denn was an Pasten, Gel, Lotion,
Allein und in Kombination,
An Absud, Balsam, Elixieren
Die Leute auf den Leib sich schmieren,
Das richtet so viel Schaden an,
Dass davon sehr gut leben kann
Ein ganzes Heer Dermatologen,
Die schon zu meiner Zeit bewogen
Die Menschen stets, die vielen Salben
Doch wegzulassen ihrethalben.
Erinnert euch, was dazumal
Ich sah zu Strassburg im Spital.23

Verdienst brächte auch – wie bislang nie –
Zu dieser Zeit die Psychiatrie.
Denn soviel Irre und Verrückte
Noch nie zuvor das Land bedrückte.
Ihr seht dies klärlich schon allein,
Wenn schaltet ihr das Fernsehn ein.

Was dort an Possen, Narretei,
An Torheit und Hanswursterei,
An schrillen Vögeln, Aussen-Seitern,
An Schwätzern, Eiferern und Streitern,
An Exaltierten, Über-Spannten,
Banausen, Stümpern, Ignoranten
Nebst wilden Schreiern, Dudel-Singern
Im Geist gestörte Veitstanz-Springern
Sich öffentlich dem Volk stellt dar,
Weist hin auf Narrheit sonnenklar,
Die durch das Fernsehn ja gedieh
So nach und nach zur Pandemie.

Doch, Achtnicht, ich bin nicht auf Erden,
Noch will ich Arzt heut nieden werden!
Lasst wieder mich zum roten Faden
In meiner Rede nun geraten.\“


Jung-Stilling wird plötzlich weggerufen


Als Hofrat Jung just sagte dies,
Geist Siona sich sehen liess.
Er beugte sich zu Stilling vor:
Sprach leise-flüsternd ihm ins Ohr,
Worauf nun Stilling mehrmals nickte:
Und mit Bedauern zu mir blickte.

\“Herr Achtnicht\“, sprach zu mir er dann,
\“Hier leider ich nicht weilen kann.
Man hat soeben mich gebeten,
Dass möge ich doch flugs vertreten
Den Arzt bei einer Therapie,
Die schief läuft diesem irgendwie.

Patient ist einer jener Leute,
Die leben auf der Erde heute,
Doch liebe Stillings-Freunde24 sind:
Mir also sonders wohl gesinnt.
Verzeiht: ich werde wiederkehren
Und euch zu Ende noch belehren.\“


Wie kann Jung-Stilling jetzt noch heilen?


\“Herr Hofrat! Ehe sie jetzt gehen
Noch gerne würde ich verstehen,
Wie sie es hier und jetzt begönnen,
Dass sie dem Arzt zur Hand sein können?
Sie sind im Jenseits lange schon
Und treten dennoch in Aktion?
Wie ist das möglich? Wirken sie
Mit körperlicher Energie?\“ –

\“Mein Stillings-Freund: nur kurz dazu;
Lasst dann mit Fragen mich in Ruh!
Ich wirke aus dem Hinterhalt:
Steh bei dem Arzt in Geist-Gestalt.
Als Geist kann leicht erkennen ich,
Was andre überlegen sich;
Vermag zu leiten meist ihr Denken,
Auch weiss das Handeln ich zu lenken.25

Vorausgesetzt bei alldem ist
Der Wille unsres HErren CHrist.
Ich handle nur auf SEin Geheiss:
Bring Menschen SEiner Huld Erweis.
Für IHn ein Werkzeug bin ich dann:
Aus mir heraus ich gar nichts kann.

Ganz selten bloss sieht jemand mich
Im Leibe, dinghaft, körperlich.
So wie ich einst auf Erden war,
Nehmt ihr, Herr Achtnicht, mich jetzt wahr.
Es braucht sehr viel Begnadigung,
Dass ich für euch bin Hofrat Jung.
Warum GOtt euch gibt dies Gesicht
Bleibt dunkel mir: ich weiss es nicht!
Bewirkt ist dies vom HErrn allein;
Der Grund ist nicht mein Tätigsein.\“26


Jung-Stilling entzieht sich den Blicken


Als Stilling diese Wort sprach,
Verschwimmt dem Blick er nach und nach.
Sein Körper hell beginnt zu flimmern,
Um dann allmählich zu verschimmern.
Die Stelle, wo er stand vorher,
Erweist sich frei nun: völlig leer.

Zuvor fiel zuckend mehrmals ein
Auf diesen Platz noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er silbern reflektiert
Auf Wiesen, die der Schnee noch ziert.

Verwundert, staunend sass ich da,
Als zeigte mir sich Siona.
\“Herr Achtnicht\“, nahm er gleich das Wort,
\“Ohephiah27 rasch musste fort.
Ich weiss: ihr seht es vollauf ein,
Dass nieden er nicht lang kann sein.
Doch was er sprach an dieser Stätte,
Geschrieben ist hier auf Diskette.
Nehmt diese, druckt daheim sie aus:
Es werden schöne Jamben draus.
Schaut zu, dass Stillings Botschaft prompt
Auch unter viele Leute kommt.


Siona weissagt das übliche Lästergespei


Von manchem, dem das nicht behagt,
Wird wütend zweifellos gesagt:
Was hier bringt Achtnicht Ihrenhohn,
Steht ausser jeder Diskussion:
Ein abergläubisches Geschreibsel,
Vom Heidentum ein Überbleibsel:
Viel fauler Zauber und Gefackel,
Humbug, verrücktes Gigelgackel,
Entstellung, Fixfax, Kniffelei,
Betörung, Wahnbild, Gaukelei,
Befördert wohl vom Schwindel-Geist,
Der solchen Irr-Wahn glaubhaft heisst.
Es richtet dieser blöde Mann
Für unsre Zeit nur Wirrnis an –
Nebst dem, was spricht man ähnlich aus,
Ja: bringt auch noch im Druck heraus,
Beziehungsweise schickt die Hetze
Gar weltweit durch die Datennetze,
So dass es allerorten man
Auf seinen Bildschirm holen kann.28
Dies soll, Herr Achtnicht, euch nicht stören:
Lasst sie doch schimpfen, lästern, lören!


Schmähsüchtige mögen sich anderen Schriften zuwenden


Statt euch so giftig zu begeifern,
Die Nörgler sollten sich ereifern
Zunächst ob jener Vielzahl Schriften,
Die Hass, Entzweiung, Abgunst stiften;
Auch Unflat bringen, Schmutzerei,
Bordellgeschichten, Schweinerei,
Die Laster rühmen, Orgien, Zoten,
Gemeinheit, von Natur verboten,
Sie sei auch noch so lästerlich –
Erregend Abscheu, widerlich;

Die Spielsucht schüren: Knobeln, Toto,
Roulette, Gejasse, Wetten, Lotto,
Verlosung, Pokern, Würfelei,
Die Automaten-Flipperei;

Die fördern schiere Eitelkeit:
Snobismus, Selbst-Gefälligkeit,
Den Mode-Wahn, Angeberei,
Bombast und Putz, Aufschneiderei,
Gepränge, Kleiderpracht und -Glanz,
Verstiegenheit, Extravaganz;

Die Schwindel dingen nebst Magie:
Orakel samt Astrologie;
Die rufen auf zur Schmauserei,
Gefrässigkeit und Völlerei.

Ich könnte, Achtnicht, noch zu Hauf
Leicht zählen andre Schriften auf,
Durch die geschieht den Leuten Schaden:
Die Menschen so mit Gift umschwaden,
Dass ganz ihr Ziel und Endgeschick
Verliert sich ihnen aus dem Blick.

Es gibt fürwahr doch heut genug,
Darob man zürnen mag mit Fug,
Und wert für Lästerer drum wäre,
Dass dorthin ihr Bedacht sich kehre!


Gedudel und seichtes Gequassel in Radio und Television


Man nehme jetzt auch noch hinzu
Den Raub von Stille, Schweigen, Ruh,
Der durch die Medien rings geschah:
Dies stellt als Unglück, Tod sich da
Für Zusich-Kommen, Sammlung, Denken,
Be=Sinnung, sich in GOtt versenken;
Für Guttat, Helfen, Nächstenliebe,
Entfaltung edler Seelentriebe.

Die Hektik, Eile, Hast und Hatz
Treibt Menschen nun von Platz zu Platz:
Nicht innehalten! Stets gleich fort!
Nie weilen lang an einem Ort!
Im Auto immer drangvoll rasen
Verbohrt selbst sonntags auf den Strassen,
Um Irrsinns-Ziele zu erreichen,
Doch GOttes An=Ruf auszuweichen.
Herr Freimund hat dies gut geschildert,
Susanne Berger hübsch bebildert.29


Die Stillings-Botschaften hindern bei der Vertuschung der Zeittorheiten


Doch solcher Fehlgang wird verdrängt:
Man müht sich krampfhaft angestrengt,
Das hinzustellen als normal,
Was augenscheinlich allemal
Zeigt an den kollektiven Wahn,
Dem heut fast jeder beigetan.

Denkt, Achtnicht, an den Kampf auf Strassen,
Wo jedes Jahr bekanntermassen
In Deutschland werden – grob geschätzt –
Zweihunderttausend schlimm verletzt,
So dass sie für ihre ganzes Leben
Als Krüppel ständig hingegeben
Dem Rollstuhl meist, der Leidenslast:
Von Kummer, Schmerz und Harm umfasst,
Und oft genug noch voller Neid
Auf die Achttausend, die befreit
Von Elend, Leiden, Gram und Not,
Weil gleich sie auf der Stelle tot.

Wie schon gesagt: das niemand schiert:
All das wird kaum thematisiert;
Man hat sich damit abgefunden:
Es ist dem Blickfeld weit entschwunden.
Hingegen bringt sie nun in Wut,
Was ihr in Himmelsauftrag tut:
Die Botschaft Stillings auszusenden,
Dass viele daraus Tröstung fänden.
Bedauert diese armen Flachen,
Die euch, Herr Achtnicht, Ärger machen!

Sie werden erst im Jenseits spüren,
Was euch jetzt nieden kann schon rühren.
Was diese Seichten gar nicht kennen,
Das müssen sie halt ‚Trugwerk‘ nennen.


Gebet sollte nicht vergessen werden


Denkt stets, Herr Achtnicht, ans Gebet,
Weil sonst euch Gnaden-Gunst entgeht,
Die GOtt euch gütig zugewiesen,
Dass fröhlich ihr sie mögt geniessen.
Herr Hofrat Jung hob dies hervor:30
Ernst jeden Christen er beschwor,
Im Beten nie zu werden träge:
Ach, dass dies man doch mehr erwäge!

Grüsst alle, Stilling zugetan,
Und heute auf der Erdenbahn
Insonders herzlich auch von mir:
Mein Schutz gilt ihnen schon dahier!\“


Auch Engel Siona entfliesst allgemach


In Vollgestalt steht Siona
Bei diesen Sätzen vor mir da.
Doch wie sich Stilling löste auf,
Entzieht sich nun dem Erdenlauf
Auch Siona; da er noch sprach
Verschwamm dem Blick er nach und nach.


Text der Botschaft wird ausgedruckt


Am Abend druckte dann zu Haus
Ich ehest die Diskette aus.
Der Text hier zeigt präzise auf,
Der Reden Inhalt und Verlauf,
Als kam zu Rüsselstein1 mir nah
Jung-Stilling und Geist Siona.


Die übliche Schmähung wird erwartet


Tagsdrauf gab alles ich komplett
Zum Download auch ins Internet,
Damit sich alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft recht erfreuen.

Doch ach: wie ist die Welt verrückt!
Man sagt nicht Dank, ist nicht beglückt,
Dass Stillings Botschaft wird verbreitet:
Dem Wahren so der Weg bereitet.

Oh nein! Sie schreien. \“Spiritismus,
Gespenster-Wahnsinn, Okkultismus,
Betörung, Blendwerk, Künstelei:
Verpackt in glatte Reimerei
Nebst folgerndem Gedankenfluss:
So täuschend klugen Genius;

Verzauberung, Nekromantie:
Beschwörung Toter: Blasphemie,
Geheimnisvolle Kabbalistik,
Gefälschte, gleisnerische Mystik;
Verruchte Wortverdreherei,
Dämonenhafte Zauberei;
Verdummung, Scharlatanerie,
Ergüsse kranker Phantasie,

Geflunker, Mache Schwindel, Lug,
Geschwätz, Geplapper, Bluff und Trug;
Chimäre, Aberwitz: ein Schmarren,
Geschrieben wohl von einem Narren;
Groteske Phantasmagorie:
Im Kern die reine Idiotie;

Geschäker, Blödsinn, Umfug, Possen,
Aus einem wirren Hirn entflossen;
Verworren-närrisches Gedudel,
Gebräu aus höllischem Gesudel:
Ein Zeugnis von Besessenheit
Verhexung und Verlogenheit:
Abscheuliche Provokation,
Der Hölle Manifestation!

Der Achtnicht ist ein Hexerisch:
Verbreitet teuflisches Gezisch!
Am besten ist, man wirft ins Feuer,
Was dichtet dieses Ungeheuer;
Dann schwindet dieser graue Dunst,
Erzeugt von ihm durch Satanskunst.\“

Ach Leute! Packt auch an der Nase,
Entbindet euch von Zorn-Gerase.
Denkt doch darüber tiefer nach,
Was Stilling dort am Rheinfluss sprach.
Es wird euch Einsicht dann zuteil,
Die wesentlich für euer Heil.

Doch Beifall, Achtung oder Lohn
Begehrt nicht Achtnicht Ihrenhohn,
Der Gutes wünscht für jung und alt
Auf Erden und im Jenseits bald.


Anmerkungen, Quellen und Hinweise


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 ab bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 2) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Rüsselstein = (bei Jung-Stilling) die heutige nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf beiderseits des Rhein gelegen. – Die seinerzeitige (seit 1614) Hauptstadt der Herzogtümer Berg und Jülich wurde zu Jung-Stillings Tagen von Mannheim aus durch eine Statthalterschaft verwaltet; Landesherr war damals der bis 1778 in Mannheim regierende Wittelsbacher Kurfürst Karl Theodor (1724/1742-1799), dem aufgrund eines Erbschaftsvertrags 1777 auch das Kurfürstentum Bayern zufiel. Er verlegte daraufhin seine Residenz von Mannheim nach München.

Im Wiener Kongress kamen 1815 Jülich und Berg an Preussen; und Düsseldorf wurde preussische Provinzstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg Düsseldorf zur Landeshauptstadt des 1946 neu gegründeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen auf.

In Düsseldorf hatte Jung-Stilling mit der Aufsichtsbehörde für das Gesundheitswesen einigen Verdruss. – Siehe hierzu näher Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 313 ff. sowie Gerhard Berneaud-Kötz und Horst Pletzer: Neue medizinhistorische Dokumente zum geburtshilflichen Wirken von Jung-Stilling (1740–1817). Siegen (Jung-Stilling-Gesell¬schaft) 1996, S. 14 ff.

2 Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneigelehrtheit (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. – Siehe kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (de Gruyter) 1987, S. 467 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1).

Jung-Stilling wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen. Siehe in diesem Zusammenhang die entsprechenden Erscheinungs-Berichte (soweit diese im Druck erschienen bzw. veröffentlicht sind) zuletzt aufgezählt bei Bleibfest Stillingtreu: Wundersame Begegnung an der Sal. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 2000, S. 51 ff.

Siehe Grundlegendes zur Wiederkehr Verstorbener in diese Welt bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= (so, also ohne Komma) Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff.

Vgl. zu Themenkreis der \“Theorie der Geister=Kunde\“ auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2) sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. – Diese Schrift ist auch unentgeltlich als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

3 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (ihm hatte er auch seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und diese im März 1772 persönlich bei Hofe zu Mannheim überreicht) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt besonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Übergängen, Fähren, Brücken sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen Schlagbäumen, Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg du Rhin (= die Schiffahrts-Rinne) soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin in Regensburg (seit 1663 der Sitz des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die ihre (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (späterhin traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen mit Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 7./8. April 1806 in Paris Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais [1789–1860], die knapp 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte, dem Kaiser der Franzosen) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf (die 1818 zur Witwe gewordene Grossherzogin Stéphanie nahm übrigens später wieder den Titel \“Kaiserliche Hoheit“ an).

Mit dem dadurch veranlassten Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuss des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch zum \“badischen\“ Hofrat.

Zu Beginn des Jahres 1808 wird Jung-Stilling als Berater des Grossherzogs von Baden in Karlsruhe dann (\“ohne mein Suchen und Wünschen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (dort die Anm. 10).

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27. – Bis anhin ist nicht geklärt, wer diese Schrift verfasst hat. Im Vorwort heisst es: \“Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, [so!] die ihr ja auch Christus=Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet. Ihr werdet es nicht lächerlich, nicht unschicklich finden, dass sie so spät erst nach dem Hinscheid [so!] des Unvergesslichen erscheinen, wenn ich euch zum Voraus sage: dass ich, als Weib vorerst Männer ausreden lassen – abwarten wollte mit weiblicher Bescheidenheit, was solche zum Denkmal des Allgeliebten aufstellen würden\“ (Orthographie wie im Original).

Jung-Stilling stand nach seinem frei gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten (Karl Friedrich und Jung-Stilling) auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

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Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Heiliger. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes am 1. Juli 1811 der hochgelehrte katholische Stadtpfarrer und (seit 1805) Grossherzoglich Badische Geistliche Rat Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande einer Predigt die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft beiläufig ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser kurz die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser) sowie Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck).

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge näherhin (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811. Holdermann (1772–1843) war katholischer Pfarrer zunächst in Heidelberg und bis 1829 in Rastatt.

Als elektronische Ressource im Rahmen der \“Freiburger historischen Bestände–digitalisiert\“ ist einsehbar –  die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisungen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Professor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat. Gleichsam als Heiligen sehen den Verstorbenen –  Aloys Wilhelm Schreiber: Lebensbeschreibung Karl Friedrichs Großherzog von Baden, 1728–1811. Heidelberg (Engelmann) 1811 (Schreiber [1761–1841]) war seit 1805 Professor für Ästhetik in Heidelberg und ab 1813 bis zu seiner Pensionierung Hofgeschichtsschreiber in Karlsruhe)

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); –  Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentariums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie –  Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg.

Überspannt ist auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim / Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht. Geradezu als Heiligen stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] ist der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Weithin unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. — Dasselbe gilt für Gerald Maria Landgraf: \“Moderate et prudenter\“. Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden (1728-1811), als Download-File bei dem URL <http://epub.uni-regensburg.de/10710/>. Für die Schikanen gegen die katholische Bevölkerung und das dadurch hervorgerufene Leid vieler Menschen hat Landgraf kein Wort übrig.

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4 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in viele Sprachen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als – Œ \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223) bzw. – Ž \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen –  als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), – ‘ den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber – ’ auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und

“ Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufname Selma seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie – ” zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), – • ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. –

Vgl. zum Grundsätzlichen auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

5 Im einzelnen sind dies im Durchschnitt (bei Abweichungen in den einzelnen Alterklassen) pro Tag 206 Minuten Hörfunk, 185 Minuten Television, 30 Minuten Zeitung und Zeitschriften, 18 Minuten Bücher und 13 Minuten Internet. Gesamthaft hat sich die den Medien gewidmete Zeit zwischen 1980 und 2000 in Deutschland um 62 Perzent gesteigert. – Siehe Christa-Maria Rider, Bernhard Engel: Massenkommunikation 2000. Images und Funktionen der Massenmedien im Vergleich, in: Media-Perspektiven, Bd. 30 (2000), S. 102 ff. – In dieser Zeitschrift finden sich laufend auch weitere, die Medienwirklichkeit beschreibende Statistiken; sie ist unter <http://www.ard-werbung.de/mp> auch im Internet einsehbar.

6 Siehe zum Glück als dem Ziel des Menschen mehr bei Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 47 ff. (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2). – Eine aktualisierte Version des Textes ist bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/~stilling/downloads.htm> kostenlos downloadbar.

7 Nur knapp ein Prozent der Beiträge in den deutschen Printmedien widmen sich nach Untersuchungen religiösen Themen; und selbst auch dabei sind Ehe, Zölibat, Scheidung, Abtreibung und ähnliches Renner.

\“Als vor einer Reihe von Jahren in einer anderen Redaktion ein Film über die Wallfahrt zum bayrischen Marienwallfahrtsort Altötting gemacht werden sollte, wollte es mir nicht in den Sinn, daß wir dieses Thema nicht schon mehrmals behandelt haben sollten. Aber es stimmte: Wir hatten die vielen Hunderttausende von Pilgern, auch von jungen Menschen, die jedes Jahr auf stundenlangen Märschen zur Muttergottes nach Altötting pilgern, überhaupt nicht wahrgenommen. Aber zur gleichen Zeit haben wir jeden Protestmarsch von zwanzig oder fünfzig Leuten durch die Münchner Innenstadt selbstverständlich aufgenommen und noch am gleichen Abend gesendet\“, bemerkt selbstkritisch der frühere Kulturchef des Bayrischen Rundfunks; siehe Walter Flemmer: Das Unheil nicht erfindungsreich vermehren. Die Wirklichkeit, die wir ihnen auf dem Bildschirm zeigen, in: Hermann Boventer (Hrsg.): Medien und Moral. Ungeschriebene Regeln des Journalismus. Konstanz (Universitäts-Verlag) 1988, S. 60 f. (Journalismus NF, Bd. 27).

8 Siehe hierzu auch Martin Thull: Sakralisierung des Profanen. Wie Religion und Kirchen im Fernsehen vorkommen, in: Herder-Korrespondenz, Bd. 48 (1994), S. 300 ff.

9 Siehe Andreas Püttmann: Kirche im Zerrspiegel der Medien. Zur Verantwortung der Katholiken für die öffentliche Meinung über ihren Glauben, in: Verlag Johann Wilhelm Naumann (Hrsg.): Katholische Presse oder Scheidung der Geister. Festschrift zum 50. Jubiläum der Deutschen Tagespost. Würzburg (Naumann) 1998, S. 153 ff.

10 Unter der Frage \“Spielt Jesus noch eine Rolle?\“ brachte die Zeitschrift \“Titanic\“ in Heft 10/1995 im Titelbild das Kruzifix als Rollenhalter für Toilettenpapier.

11 Beispielhaft sei die sogenannte \“Bericht-Erstattung\“ im Zuge des Feldzugs der verbündeten Streitkräfte im Irak im Frühjahr 2003 genannt. In den deutschen Medien schoss man aus allen Rohren gegen die USA und deren Präsidenten. Ein Aufruf zur Anti-Kriegs-Demonstration löste den anderen ab; Zigtausende lockte man so auf die Strassen. Gleichzeitig aber wurde der erbarmungslose Krieg der russischen Armee in Tschetschenien oder das gleichzeitig stattfindende Völkermorden im Sudan völlig tabuisiert.

Die UNO wurde als friedensschaffende Ordnungsmacht beschworen, wiewohl diese weder bei dem Völkermord in Ruanda (an die 1 Mio Menschen wurden dort ab 6. April 1994, ohne Unterbruch 100 Tage hindurch, grausam getötet!) noch ab 1991 bei dem Morden auf dem Balkan einschritt. – Wer immer sich dieser medialen Gleichschaltung widersetzte, wurde sofort als \“Kriegsbefürworter\“ oder noch schlimmer abgestempelt und gnadenlos zum Schweigen gebracht.

12 Wegleitend war hier wohl die Sendung \“Big Brother\“. Zum 1. März 2000 zogen fünf Männer und fünf Frauen für 100 Tage in einen von der Aussenwelt abgeschotteten Wohn-Container. Täglich rund um die Uhr nahmen 28 Bildaufnahmegeräte und 47 Mikrophone alle Handlungen der Bewohner optisch und akustisch auf. Eine anfangs vorgesehene unbeobachtete Stunde am Tag wollten die Teilnehmer gar nicht haben!

Der Fernsehsender RTL 2 übertrug in Teilstücken das Geschehen innert der Wohngemeinschaft alle Häuser. Paarungsverhalten und Streitigkeiten unter den Teilnehmern bildeten den Schwerpunkt der Sendeausschnitte, die Millionen Zuseher begierig aufnahmen. Ähnliche Sendungen (\“Girlscamp\“, \“House of Love\“) folgten. – Siehe aus der Fülle der bezüglichen Literatur Jürgen Bräunlein: Schön blöd. Vom unheimlichen Medienerfolg der Untalentierten. Berlin (Quadriga-Verlag) 1999 sowie Christian Hillgruber: Der Schutz des Menschen vor sich selbst. München (Vahlen) 1992 (Studien zum öffentlichen Recht und zur Verwaltungslehre, Bd. 48).

13 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lehrbuch der Finanz=Wissenschaft. Leipzig (Weidmannische Buchhandlung) 1789; Reprint Wiesbaden 1978, S. 94 ff. (Gablers ökonomische Klassiker).

14 Siehe hierzu: Johann Heinrich Jung’s, genannt Stilling, sämmtliche Werke. Neue vollständige Ausgabe, Bd. 1. Stuttgart (Scheible, Rieger & Sattler) 1843, S. 799. – Jung-Stilling operierte im Sommer 1816 noch 17 Blinde; zu Winterbeginn desselben Jahres wurde er bettlägerig und seine Kräfte schwanden.

15 Man sagte \“Leibesübungen\“, \“Turnen\“, \“Gymnastik\“ und \“Leibesertüchtigung\“. Erst ab 1870 wurde \“Sport\“ als englisches Lehnwort in die deutsche Sprache übernommen. Inzwischen ist alles schier schon \“sportlich\“, vom riskanten Autofahren bis hin zur Unterwäsche und der Brille auf der Nase und der Chocolade.

16 Albion ist der älteste Name von England und in der literarischen Sprache fortbestehend. – Siehe Oliver F. Emerson: The History of the English Language. New York, London (Macmillan) 1895, S. 42.

17 Im Jahr 1740 wurde Jung-Stilling im Siegerland geboren und blieb dort bis in sein 22. Altersjahr; vgl. die einleitende Anmerkung. – Siehe hierzu auch vor allem Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987 sowie Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989 .– Vgl. auch Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie. Siegen (J.G. Herder-Bibliothek) 1993, S. 82 (Schriften der J.G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

18 Jung-Stilling lebte dreizehn Jahre im Umkreis der heutigen Stadt Wuppertal bzw. in dieser selbst. – Siehe Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 9 ff.

19 Von 1787 bis 1803 amtete Jung-Stillin als Professor für Ökonomik an der Universität Marburg/Lahn. – Siehe Christlieb Himmelfroh: Jung-Stilling belehrt. Kirchhundem (AK Verlag) 1991, S. 158.

20 Reichenburg nennt Jung-Stilling die kurpfälzische Residenzstadt Mannheim, zu welcher er und seine Familie im einzelnen viele Beziehungen hatte; siehe Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling (Anm. 16), S. 79.

21 Jung-Stilling wohnte von 1784 bis 1787 und dann wieder von 1803 bis 1806 in Heidelberg. – Siehe Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling (Anm. 16), S. 16.

22 Jung-Stilling hatte in Strassburg Medizin studiert und dort auch promoviert. Danach wirkte er sieben Jahre hindurch als praktischer Arzt, Geburtshelfer und (ab 1775) behördlich bestellter Brunnenarzt im heutigen Wuppertal. Dazu war er zeitlebens als Augenarzt tätig; er befreite an die 3 000 Menschen durch Operation aus der Blindheit und dürfte etwa 20 000 Patienten ophthalmologischen Rat angedient haben. An der Universität Marburg/Lahn hielt er (als ordentlicher Professor der Ökonomik) an der Medizinischen Fakultät Übungen in Ophthalmo-Chirurgie ab.

Gemäss einem Gelöbnis forderte Jung-Stilling von den zu operierenden Patienten kein Honorar. Viele baten ihn nun herbei (der Augenarzt reiste zu jener Zeit noch zu den Patienten; die Reise Blinder war zu umständlich und – da ja auch immer eine Begleitperson mitkommen musste – auch zu aufwendig) und versprachen ihm Geld und Gut. Waren sie aber geheilt, so erinnerten sie sich in der Regel nicht mehr ihrer Versprechen. Jung-Stilling geriet daher immer tiefer in Schulden.

Siehe Gustav Adolf Benrath: Johann Heinrich Jung-Stilling, in: Karl Corino (Hrsg.): Genie und Geld. Vom Auskommen deutscher Schriftsteller, 2. Aufl. Nördlingen (Greno) 1988, S. 129 ff. sowie den Bericht über die Zahlungswilligkeit der Operierten im Internet bei <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>, hier die Datei \“Dankbare Patienten\“.

Siehe zur ärztlichen Seite des Wirkens von Jung-Stilling Gerd Propach: Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) als Arzt. Köln (Institut für Geschichte der Medizin) 1983 (Arbeiten der Forschungsstelle des Instituts der Geschichte der Medizin zu Köln, Bd. 27), Gerhard Berneaud-Kötz: Jung-Stilling als Arztpersönlichkeit. Laienmediziner, Arzt, Augenarzt und Staroperateur, in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1991, S. 19 ff. und die dort (S. 39) angegebene Literatur sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Geschichte meiner Staar Curen und Heylung anderer Augenkrankheiten, Hrsg. von Gerhard Berneaud-Kötz. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 21 ff. – Vgl. auch Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996, S. 9 ff.

23 Ein an einem juckenden Ausschlag leidender Mann wurde ins Klinikum Strassburg eingeliefert. Der behandelnde Arzt (sehr wahrscheinlich der Internist Professor Dr. Johann Christian Ehrmann [1710–1797], den Jung-Stilling im Wintersemester 1771/72 bei den Visiten begleiten durfte) diagnostizierte die Hautkrankheit und verordnete zur Therapie ein Medikament zum Einnehmen. Er warnte den Patienten eindringlich davor, das Exanthem mit Salbe zu behandeln.

Trotz dieser Warnung rieb sich der Mann mit einer Salbe ein, die ihm eine alte Frau ins Krankenhaus brachte. Er starb sofort danach. Die Frau, welche ihm die Salbe gebracht hatte, wurde zu drei Monaten Haft verurteilt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Gesellschaftliche Mißstände. Eine Blütenlese aus dem \“Volkslehrer\“. Berlin (Duncker & Humblot) 1990, S. 36 f.

24 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger (\“Fan\“: dieses heute gebräuchliche Wort vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) 0der –  begeisterter Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Ausdruck (er schliesst die weibliche Form mit ein) stammt von Jung-Stilling selbst. — Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch   \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 316.

25 Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 2), S. 371.

26 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 2), S. 88.

27 Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89.

Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu: [Christian Gottlob Barth, 1799–1862]: Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817, S. 12.

28 In verschiedenen Foren des World Wide Web wurden die \“nachtodlichen Belehrungen\“ von Jung-Stilling als Blendwerk kritisiert, so unter anderem im Internet-Forum der Chrischona-Gemeinschaft. Dort spricht ein Funktionair bzw. Wortführer dieser Gruppe am 9. September 2001 öffentlich von \“Jung-Stilling-Mist\“; siehe <http://www.chrischona-magazin.org>

Mehr dazu findet man auch bei Eingabe des Suchbegriffs \“nachtodliche Belehrungen\“ in eine Suchmaschine.

29 Siehe Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. – Der Band enthält Original-Zeichnungen der Pforzheimer Künstlerin Susanne Berger, unter anderem (S. 11) eine Federzeichnung mit dem Gesichtsbild von Jung-Stilling. Der Text (ohne die beigegebenen Bilder) ist kostenlos downloadbar bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>

30 Siehe hierzu vor allem Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlaßt durch ein über dieselbe abgefaßtes Gutachten des Hochwürdigen geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809 sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Vertheidigung gegen die schweren Beschuldigungen einiger Journalisten. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1807.

In dem Band \“Vom folgeschweren Autowahn\“ von Freimund Biederwacker (siehe Anm. 29) sind die Titelblätter mehrerer, gegen Jung-Stilling gerichteter zeitgenössischer Schriften wiedergegeben. – In der Originalausgabe von Jung-Stilling heisst es \“Geister=Kunde\“ (in zwei Worten, verbunden mit dem seinerzeit üblichen Doppel-Bindestrich). Die darauf bezüglichen Werke schreiben in der Regel \“Geisterkunde\“ (in einem einzigen Wort).

31 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 44 (\“Wir können gewiß versichert seyn, daß der Herr jedes gläubige Gebet erhört, wir erlangen immer etwas dadurch, was wir ohne unser Gebet nicht erlangt haben würden, und zwar das, was für uns das beste ist.\“).


 Love divine, all loves excelling,  JEsu, THou art all compassion  Come, ALmighty, to deliver
Joy of heaven, to earth come down, Pure unbounded love THou art; Let us all THy life receive;
Fix in us THy humble dwelling, Visit us with THy salvation Suddenly return, and never,
All THy faithful mercies crown. Enter every trembling heart. Never more THy temples leave

Charles Wesley (1707–1788)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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