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Sind alle Religionen gleich?

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Diese Frage licht beantwortet in einem nachtodlichen Gespräch mit dem
dem rühmlichen, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1809 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat,

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dortselbst auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät, davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Veterinärmedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher Bestallung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch praktischer Arzt, Geburtshelfer, Augenarzt und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch (bis zum Verbot aller Geheimgesellschaften – so auch der Freimaurerei – im kurpfalz-bayrischen Herrschaftsgebiet am 22. Juni 1784) der erlauchten
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Niedergeschrieben von

Dichtauch Ohnedank
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

Gemeinen Nutzens zu Gut nunmehr, vielfachem Wunsche nachkommend, lautmährig gemacht, alle Leser dabei besonderer gÖttlicher Verwahrung und getreulichen englischen Schutzes wärmstens empfehlend.

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Markus-Gilde, Siegen

Veränderte Online-Fassung aus dem Buch \“Jung-Stilling belehrt\“, erschienen 1991 im AK Verlag Kirchhundem. – Copyright-Inhaber ist jetzt die Markus., Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). Die gewerbliche Verwertung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung der löblichen Markus-Gilde.

mailto:merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de


Jung-Stilling zeigt sich an Sankt Nikolai in Salen


Just war der Gottesdienst vorbei
Zu Salen* in Sankt Nikolai.1
Beschwingten Herzens, froh und munter
Schritt nun die Treppe ich hinunter.
Im Gehn ich in den Blick gewann
Dort unten stehen einen Mann.
Nach aufmerksamer Musterung
War klar mir: das ist Hofrat Jung!2
Darob erfreut, ging ich im Nu
Auf Stilling ohne Umschweif zu.

\“Herr Hofrat Jung! Sie hier in Siegen!?
Ich konnt sie nicht ins Auge kriegen
Soeben in der Kirche drin,
Weil ich ganz vorn gesessen bin.
Wie fanden sie die Predigt heute?
Mein bräuchte jemand, der sie deute!\“ –

\“Mein Stillings-Freund!3 Gesagt es sei:
Ich war nicht in Sankt Nikolai,
Besuchte vielmehr mit Interesse
In Sankt Marien4 just die Messe.\“ –

\“Herr Hofrat Jung!! Um JEsu CHrist!
Sie sind doch treuer Calvinist!
Ja, ist es ihnen einerlei,
Ob richtig auch der Glaube sei?
Ist jede Religion denn gleich?
Führt jede auch ins Himmelreich?

Kann denn egal sein, ob ich geh‘
Das Sonntags früh in die Moschee,
Gen Bethaus, Kirche, Synagoge,
Zum Tempel oder zur Pagode?
Ist jeder Glaube gleichviel wert,
Wenn nur in ihm wird GOtt verehrt?\“ –


Gottesbild ist entscheidend


\“Mein Stillings-Freund: in euren Klagen
Erkenne ich recht viele Fragen.
Lasst daraus sprechen mich jetzt an
Nur eine, die Bedacht gewann
Jüngst mehrfach schon auf Kirchentagen,
Ward in Gemeinden auch getragen.
Ich meine: ob Mission noch wichtig,
Da jeder Glaube doch gleich richtig?

Hier sei nun zweierlei gefragt:
Zunächst: was ist von GOtt gesagt?
Sodann: was wird speziell gelehrt,
Wie diesem GOtt man dient, ihn ehrt?

(1) Es klingt wie Schmähung, Hohn und Spott,
Wenn Menschen wenden sich an GOtt

(a) In Form von Dingen der Natur
Wie Erde, Sonne, Mond, Merkur,
Gewitter, Flüsse, feuchte Haine,
Oliven, Eichen, grosse Steine.

(b) Genau so töricht scheint es mir,
Wenn GOtt man glaubt in einem Tier:
Wie Elefant, Rind, Löwe, Bär,
In Drachen, Fischen aus dem Meer,
Auch Schlangen, Mücken, Adler, Eulen,
In Hunden, Katzen und auch Gäulen.

(c) Für jeden Zweck es Gottheit gibt:
Für den, der handelt, schläft und liebt,
Wer Schiffahrt treibt, das Feld bestellt,
Für Goldschmied, Arzt und Kriegesheld.

Allein: das Denken, der Verstand,
Auf GOttes Wesen hingewandt,
Vermag erkennen schlüssig schon,
Dass diese Götter alle Hohn.
Denn Schöpfung auf den Schöpfer weist,
Dem Allmacht5 ist, und der drum Geist.
Geordnet ist die Welt nach Plan,
Wodurch Allwissen6 kundgetan.
Noch vieles könnte nennen ich,
Aus dem zeigt solche Einsicht sich.

(2) Lasst kommen mich zur Frage zwei:
Was denn der Wille GOttes sei?

(a) Hier gibt es heut noch Religionen,
Die als von GOtt verfügt betonen:
Dass man den Nächsten niederhaut,
Verstümmelt seine eigne Braut,
Das Erstgeborne schlachtet hin,
Damit man selber Heil gewinn‘,
Verzehrt der Vögel Eingeweide,
Weil so man sich von Schuld befreite;

Dass man nach Regeln baden muss
In irgend einem trüben Fluss,
Um dadurch GOtt zu zeigen an,
Wie man auf SEinen Willen sann;

Dass manche Menschen unrein sind;
Verdammnis man selbst dann gewinnt,
Wenn rührt man diese bloss schon an:
Hält solche Menschen drum in Bann,
Begreift sie als des Bösen Mächte,
Verweigert ihnen alle Rechte.

(b) Noch mehr könnt‘ ich als Beispiel nennen,
Woraus sich klärlich lässt erkennen,
Wie Bosheit, Unrecht, Greuel, Wahn,
Gemeinheit, Schandtat, böser Plan,
Abscheulichkeit und Schurkerei,
Verdrehung, Lüge, Heuchelei,
Verbrechen, Meintat, Ränke, List,
Boykott, Erniedrigung und Zwist,
Misshandlung, Folter, Aggression,
Gehässigkeit, Groll, Schmach und Hohn,
Verderbtheit, Leidenschaften krass,
Verachtung, Unrecht, Frevel bass,
Erbostheit, Tobsucht, Zorn und Wut,
Ereifrung voller Gier nach Blut,
Auch Argheit, Kränkung, Bruch der Treue,
Verrat und Ränke voller Schläue;
Nebst Dummheit, Unfug, Kakelei,
Verschrobne Faxen, Alberei,
Allotria, Schnickschnack und Quatsch,
Hanswursterei, Kladderadatsch,
Klamauk, Jux, Possen, Mummenschanz,
Auch Larifari, Firlefanz,
Verstiegenheit und Unverstand
Als GOttes Wille wird benannt.

(3) Aus alldem lässt sich folgern klar,
Dass ist es allen Sinnen bar,
Zu sagen, Religion sei gleich:
Dass kommt so gut ins Himmelreich,
Wer seinen Nächsten tätig liebt,
Wie jener, der den Tod ihm gibt:
Dass Unterschied bestehe kaum,
Ob GOtt man ehrt in einem Baum,
Ob betet man zu IHm als Geist,
IHn Vater JEsu CHristi heisst.

Bloss eine Religion ist richtig!
Drum sind auch alle Christen pflichtig,
Nach JEsu Auftrag und Geheiss
Zu lehren weltweit stets mit Fleiss,
Was GOtt von sich geoffenbart
Sowie von rechter Lebensart.

(4) Nun lasst, Herr Dichtauch, euch noch sagen,
Warum bei vielen heute Zagen,
Wenn Predigt, Aufruf, Hilfs-Aktion
Für Ökumene, Weltmission.
Dann will erläutern ich noch klar,
Warum ich in der Messe war.\“ —


Stilling wird mit einem Mal weggerufen


Als Stilling eben sagte dies,
Ein Mann sich nächst ihm sehen liess.
Er sprach ihm etwas leis ins Ohr
Und wies zum Obren Schloss7 empor,
Worauf sich Stilling von mir wandte
Und schleunigst Richtung Zeughaus8 rannte.
Den Mann ich mehrfach vorher sah:
Jung-Stillings Engel Siona!9

\“Verzeiht\“, sprach Siona zu mir,
\“Dass Hofrat Jung ging weg von hier.
Als Arzt er jemand helfen muss,
Den plötzlich traf ein Herzverschluss.
Man hat im Himmel just befunden,
Dass Hofrat Jung ihn soll gesunden.

Die Fragen, die noch blieben offen –
Auch das dürft ihr gewisslich hoffen –
Klärt Hofrat Jung in nächster Zeit.
Gelobt sei GOtt in Ewigkeit!\“


Auch Siona entschwindet


Mit einmal war die Stelle leer,
Wo stand der Engel grad vorher.
Danach fiel zuckend mehrmals ein
Auf diesen Ort noch bleicher Schein
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er silbern reflektiert
Auf Flächen, die der Schnee noch ziert.

Ich schritt nach Hause und notierte
Was Stilling eben mir dozierte.
Siona half mir insgeheim,
Dass schön das Ganze kam in Reim.

Ich stellte nächsthin dann komplett
Die Wegleitung ins Internet,
Damit so leichthin jedermann
Die Stillings-Botschaft lesen kann.


Das übliche Lästergespei wird erwartet


Im voraus höre dieses Mal
Ich wieder, was schon schier normal:
Von Glaubensfegern das Gemurre,
Von Besserwissern das Geknurre:

Es könne gar nicht möglich sein,
Dass Geisteswesen treten ein
In diese Welt; drum sei Humbug,
Verdummung, Schwindel, Schmu, Betrug,
Wenn hier davon berichtet werde,
Dass Stilling kam zurück zur Erde;
Beziehungsweise: geisteskrank
Sei dieser Dichtauch Ohnedank.

Ihr Lieben: denkt darüber nach,
Ob das, was Stilling eben sprach,
Für euch nicht irgendwie von Nutzen?
Warum vermessen es beschmutzen?
Glaubt ihr, dass ihr nur alles wisst
Und Dichtauch klar sei Spiritist?

Mit euch will keinerlei Gezank
In Salen* Dichtauch Ohnedank
Drum bleibt in diesem Vorurteil:
Nehmt Stillings Botschaft hin derweil
Als rein Erdachtes eben nur:
Als Poesie, Literatur.


Anmerkungen, Hinweise und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 2) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Sankt Nikolai = Hauptkirche im Zentrum von Siegen mit einem das Stadtbild beherrschenden Turm, auf dessen Spitze eine goldene Krone angebracht ist. Diese stiftete 1658 Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen, dessen Grab sich in der Fürstengruft im Unteren Schloss zu Siegen befindet. – Der Fürst taucht ab und zu wieder in das heutige Leben ein; siehe den entsprechenden Bericht bei Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, S. 68 ff. und erweitert bei <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stillingf>

2 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Dieser wurde in letzte Zeit wiederholt auf Erden gesehen. – Siehe die entsprechenden Erscheinungsberichte aufgezählt bei Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort (Anm. 1), S. 97 f., als Download-File unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. – Die \“Lebensgeschichte\“ erschien in vielen Ausgaben. Jedoch genügt nur die von Gustav Adolf Benrath besorgte Version den Anforderungen sowohl des Lesers (großer Druck, erklärende Noten, Register) als auch des Wissenschaftlers (bereinigter Original-Text; wichtige Dokumente zur Lebensgeschichte) — In kürzerer Form orientiert über das Leben von Jung-Stilling auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. – Mehr die innere Entwicklung von Jung-Stilling schildert Otto W. Hahn: \“Selig sind, die das Heimweh haben\“. Johann Heinrich Jung-Stilling: Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999 (Geistliche Klassiker, Bd. 4)

Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“. Ihm hatte er auch seine an der Universität Strassburg angefertigte medizinische Doktorarbeit gewidmet und im März 1772 persönlich bei Hofe zu Mannheim überreicht.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den seinerzeit auch innerlands sehr zahlreichen Schlagbäumen vor Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Schiffahrts-Rinne) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin in Regensburg (seit 1663 der Sitz des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (späterhin traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen mit Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 7./8. April 1806 zu Paris Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais [1789–1860], die knapp 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte, dem Kaiser der Franzosen) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung seines Landes stieg von 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf (die bereits 1818 zur Witwe gewordene Grossherzogin Stéphanie nahm übrigens später den Titel \“Kaiserliche Hoheit“ an).

Mit dem in Verfolg dessen geschehenen Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ Hofrat DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badischen\“ Hofrat.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404.

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27. – Zum Verhältnis von Jung-Stilling zu seinem Gönner Karl Friedrich siehe sehr ausführlich Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1):

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona. Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“.

Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, empfängt von GOtt einen neuen Namen, siehe Offenbarung 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). Siehe [Christian Gottlob Barth:]. Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817. – Siehe über die Ankunft von Jung-Stilling in der Seligkeit auch Helena Schlatter-Bernet (?): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 7 ff.

3 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner und Förderer von Jung-Stilling und später dann –  Verehrer oder –  zumindest dem Autor gegenüber wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen Bedeutungen von ihm selbst eingeführt, er schliesst in jedem Falle auch die weibliche Form ein. — Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 213, S. 441, S. 513, S. 566. Auf der anderen Seite gibt es aber auch (und zwar  bis heute!) \“Stillings-Feinde\“; siehe ebendort, S. 316.

4 Schlichter Barockbau auf halber Höhe des Siegbergs im Zentrum der Stadt Siegen, 1725 eingeweiht. – Siehe Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989, S. 158 ff. zum Baumeister dieses Gotteshauses. – Siehe auch die Datei \“Spuk-Marien\“ <http://www.uni-siegen.de/fb5/mer/stilling>

5 Gottes Allmacht besteht darin, dass er alles kann bzw. darin, dass er alles kann, was er will, oder noch genauer: dass er alles kann, was er wollen kann. Dabei drückt der Begriff \“Allmacht“ zunächst die extensive Unendlichkeit der Macht aus: ihre Unbegrenztheit hinsichtlich der Gegenstände, auf die sich erstrecken kann.

Sodann ist aber die Macht Gottes auch intensiv unendlich: der lauteren Wirklichkeit des göttlichen Seins entspricht eine lautere Wirklichkeit der göttlichen Macht ohne jede Einschränkung, Bedingtheit oder Endlichkeit. Gottes blosses Wollen genügt zur Ausführung dessen, was er will. Weder Stoff, noch Werkzeug, noch Mühe, noch Hilfe eines anderen ist ihm vonnöten. Manchmal spricht man hier auch von Schöpfungsmacht. – Siehe vertiefend Alfons Lehmen: Lehrbuch der Philosophie, Bd. 3, 3. Aufl. Freiburg (Herder) 1912, S. 241 ff.

6 Allwissenheit besagt, dass das Erkennen Gottes unendlich ist und deshalb alles Erkennbare auf die vollkommenste Weise umfasst. Als rein geistiges Wesen und ohne jede Potentialität ist Gott immer erkennend. In ihm sind erkennendes Subjekt, erkannter Gegenstand und der Erkenntnisakt dasselbe. – Siehe dazu Joseph Mausbach: Dasein und Wesen Gottes, Bd. 1: Die Möglichkeit der Gottesbeweise. Münster (Aschendorff) 1930 (mit ausführlichem Literaturverzeichnis).

7 Schloss auf dem platten Gipfel des Siegbergs (im Gegensatz zum Unteren Schloss am Fusse des Siegbergs, das Johann Moritz von Nassau-Siegen erbauen liess, siehe Anm. 1.

8 Unmittelbar vor dem Oberen Schloss liegendes Gebäude, heute Gaststätte und Studenten-Wohnheim.

9 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. (ein bis heute kaum übertroffenes Standardwerk, das viele Nachdrucke und Übersetzungen erfuhr) oder auch bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA, SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (ein gleichfalls bewährtes und häufig nachgedrucktes Werk).

Jung-Stilling spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm –  oft ungesehen als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786-1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760-1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff., als Download-File nunmehr auch kostenlos unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar. — Vgl. auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Adresse http://www.himmelsboten.de.


The errors of faith are better than the best thoughts of unbelief.
(Johann Wolfgang Goethe, German philosopher, poet, and statesman)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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