Prozyklizität auch Prozyklik (pro-cyclicality)
Die Tatsache, dass das Kreditgeschäft der Banken tendenziell das gleiche Verhaltensmuster aufweist wie die Realwirtschaft, also starkes Wachstum bei einem konjunkturellen Aufschwung und minimes oder gar rückläufiges Wachstum innert des Abschwungs. – Prozyklische Erscheinungen im Finanzsektor sind unvermeidbar, weil zuversichtliche Erwartungen das Handeln der Beteiligten (investors; Investoren, institutes; Banken) zu Zeiten eines wirtschaftlichen Aufschwungs bestimmen. Aufgabe der Wirtschaftspolitik ist es jedoch, geeignete Massnahmen zu entwikkeln, um die Prozyklizität zu dämpfen. – Die Erscheinung, dass aufgrund der nach IFRS vorgeschriebenen Bewertung nach dem Grundsatz des Fair Value die Banken gezwungen sind, bei einer Hausse an der Börse ihre nun im Kurs stark gestiegenen Wertpapiere zum Marktwert auszuweisen. – Brechen die Kurse aber – anlässlich besonderer Umstände wie der Subprime-Krise oder allgemein auch in der Abschwungsphase des Konjunkturzyklus stark ein, dann – müssen entsprechende Verluste ausgewiesen werden. – Diese Verlustmeldungen veranlassen Marktteilnehmer, ihre Papiere – wie sie glauben: rechtzeitig – abzustossen, was – die Baisse auf dem Finanzmarkt verstärkt. – Den Instituten zu erlauben, in solchen Fällen nach dem Mark-to-Model-Ansatz die Vermögensgegenstände zu bewerten, wirft vielerlei Fragen auf. So waren im Zuge der Subprime-Krise bestimmte Verbriefungspapiere definitiv und für immer völlig wertlos geworden, infolgedessen als Nonvaleurs einzustufen. Es widerspräche einer glaubhaften Darstellung, wenn Banken diese Papiere zu irgendeinem Wert grösser als null in der Bilanz ansetzten. – Der deutsche Gesetzgeber öffnete daher im Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), das zum 1. Januar 2010 in Kraft trat, einen Ausweg aus dieser Zwickmühle. Danach ist es erlaubt, einen bestimmten Teil des Zeitwertgewinns aus Finanzinstrumenten in eine Rücklage einzustellen. Auf diese Weise kann ein antizyklischer Puffer für Abschwungsphasen gebildet werden. – Siehe Absenzkapitalismus, Ansteckungswirkungen, Audit, Basel-III, Bewertbarkeit, Bewertung, Blase, spekulative, Darstellung, glaubwürdige, Inventarwert, Insolvenzfälle, Kombinationseffekt, Mark-to-Model-Ansatz, Marktwert, Rating-Agentur, Verlust, eingetretener, Vermögenswert, eingebundener, Zeitwert, Zyklik. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2005, S. 59 ff. (Parallelität Darlehn-Wachstum; Übersicht).
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
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