Nullzinsgrenzen-Doktrin (theory of zero interest limit)

Die Lehrmeinung, dass eine Zentralbank machtlos geworden sei, wenn sie den Zinssatz auf null gesenkt habe. – Diese Behauptung ist empirisch klar widerlegt. Denn der Zinssatz ist nicht der einzige Weg, über den die Geldpolitik auf die Wirtschaft einwirkt. Im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise haben die Zentralbanken durch Quantitative Easing trotz Nullzins dem fast völlig ausgetrockneten Interbankenmarkt gezielt Liquidität zugeführt und damit die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe grundsätzlich unterstützt. Eine andere Frage ist freilich, wohin die Kredite der Banken flossen; in den Krisenstaaten der EWU leider am wenigsten zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. – Die aus der falschen Nullzinsgrenzen-Doktrin abgeleitete Forderung – im Frühjahr 2010 sogar seitens des Internationalen Währungsfonds zum hellen Entsetzen der Nationalökonomen und Zentralbanker vorgetragen -, die Zentralbanken sollten eine höhere Inflationsrate zulassen, um eine grössere Spanne in der Zinspolitik zu erreichen, ist unbedacht. Preisstabilität, nämlich die Erhaltung der Masstabeigenschaft des Geldes, ist ein wichtiges öffentliches Gut, nicht zuletzt auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. – Siehe Enteignung, kalte, Fragmentierung, Geldwertstabilität, Negativzins, Repression, finanzielle.

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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
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