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Nächtlicher Gang durch Wien

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NÄCHTLICHER GANG DURCH WIEN


und unerwartet dabei das Erlebnis einer nachtodlichen Begegnung mit dem hochgelehrten, kenntnisreichen, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badsicher Geheimer Hofrat;

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dort auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; davor seit 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Veterinärmedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern,

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Wuppertal-Elberfeld, dort auch seit 1772 Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenleiden und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste zu Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch seit 1781 bis zum Verbot sämtlicher Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass aus München vom 22. Juni 1784 der erlauchten Loge
\“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied.

Mit behendigster Geflissenheit aufgeschrieben, in paarig gereimte Jamben gefasst und gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Web gestellt, dabei alle Leser fortwährender gÖttlicher Obhut und getreulichen englischen Schutzes
angelegentlichst empfehlend
von
Reimnur Jambenschön,
in Lichthausen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Leicht veränderte Online-Fassung aus der Festschrift Stillingiana Alfrediana,
Zelebrität Herrn Universitätsprofessor Komtur Dr. Dr. Dr. Alfred Klose in Wien zum 23. September 1988 dargereicht.
Die gewerbliche Nutzung der Texte bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers, der löblichen
Markus-Gilde., Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland)

mailto: :merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de


Spaziergang durch die Innenstadt


Recht übel ist ein jeder dran,
Der schlafen will, jedoch nicht kann.
Man sucht sich oft daraus zu retten
Durch Schlucken vieler Schlaf-Tabletten.

Doch ich steh dann vom Bette auf,
Zieh an mich und durch Strassen lauf.
Ich spüre starken Widerwillen,
Sollt nehmen ich beständig Pillen.

In dieser Nacht wollt ich entfliehn
Dem Gasthof-Bett zentral in Wien.
Es war nach ein Uhr morgens grad,
Als leis ich aus dem Gasthaus trat.

Um diese Zeit ist Wien fast leer:
Erstorben Unrast und Verkehr.
Ganz selten bloss ein Auto fuhr;
Es roch nach Sommer und Natur.


Jung-Stilling ist in Wien unterwegs


Als just ich erste Schritte tu,
Kommt jemand plötzlich auf mich zu.
Erstaunt besah ich mir den Mann,
Erleichtert sagte ich sodann:
\“Herr Hofrat Jung!1 Sie sind in Wien?!
Ich wollte grad die Stadt durchziehn,
Weil schlaflos ich zu Bette lag,
Tabletten doch nicht schlucken mag.
Was machen sie um diese Zeit,
Von ihrer Ruhestatt2 so weit?\“ –

\“Mein Stillings-Freund:3 ich durft‘ entgleiten
Dem Jenseits, um mit euch zu schreiten
Durch Wien in dieser lauen Nacht,
Damit ich habe auf euch Acht.\“ –

\“Herr Hofrat:4 droht mir denn Gefahr?
Erhellt ist jeder Boulevard!
Die Diebe, Räuber schlafen jetzt:
Denn tiefe Nacht wird nicht geschätzt
Von dieser Zunft, die doch am Tag
Just hier zu Wien viel plündern mag,
Wo Scharen Fremder sich ergehen
Und kaum nach ihrer Börse sehen.\“ –

\“Herr Jambenschön: um euch zu schützen,
Muss Siona5 mich unterstützen.
Der Himmel gab dazu die Weih‘,
Dass hierzu sie zu Diensten sei,
So wie sie schon – was ihr ja wisst –
Seit langer Zeit oft um euch ist.
Doch ich sollt‘ euch heint6 Namen nennen
Von Leuten, die ihr mögt nicht kennen.\“


Benediktiner vom Schotten-Stift taucht auf


Grad als ich fragte \“Welche Leute?
Man sieht doch eh niemanden heute!\“,
Trat aus dem Dunkeln jäh ein Mann
Mit einem schwarzen Umhang an.

\“Das ist ein Mönch vom Schotten-Stift.7
Er streute – wie fast alle – Gift
In Jugend-Herzen tief hinein,
Darf darum auch nicht selig sein.\“ –

\“Herr Hofrat Jung! Was sie hier sagen,
Laut kundtun dürfen sie nicht wagen
Allhier zu Wien: das Publikum
Schätzt grade dies Gymnasium!

Die Schotten-Mönche gelten heute
Wie damals als schier heilge Leute.
Ihr Freund Professor Alfred Klose8
Rühmt ihr Verdienst ins Grenzenlose.
Liegt hier den nicht ein Irrtum vor?
Vielleicht ihr Blick sich nur verlor?\“ –

\“Mein Stillings-Freund: ich irre nicht:
Es so der Wahrheit ganz entspricht!
Lest dazu einmal, was zu Wien
Vor Jahren schrieb sehr wahr Donin.\“9


Jacob Flint und Johannes Messner erscheinen


Wir kamen nun Sankt Stephan nah
Und sahen stehn zwei Männer da,
Die offenbar sich unterhielten;
Die Augen doch nach oben zielten.

\“Der Linke mit dem Antlitz lind
Entstammt aus Böhmen: Jacob Frint.10
Er tat sehr viel für Bildung hier;
In Östreich ist er Pionier
Für Schulen, allwo sich vollzieh
An Mädchen aus der Industrie
Belehrung, Hilfe, Unterricht,
Der ihrer Lage recht entspricht.

Auch hat dann Fint allhier gegründet
Ein Alumnat,11 in dem man kündet
Den jungen Männern, die GOtt rief,
Dass sie im Kirchendienst aktiv,
Wie sie sich richtig drauf bereiten:
Ihr Wissen wie den Glauben weiten.

Den rechter Hand mögt ihr wohl kennen,
Doch will ich seinen Namen nennen:
Johannes Messner,12 der mit Frint
In vieler Hinsicht gleich gesinnt.\“ –

\“Herr Hofrat Jung! Letzt hörte ich:
Der Papst trägt mit Gedanken sich,
Den Bitten vieler zu entsprechen
Und Messner selig bald zu sprechen.
Was können sie denn hierzu sagen?
Sie sind im Jenseits doch beschlagen!\“ –

\“Johannes Messner selig ist:
Den Himmel er wie ich durchmisst.
Doch merkt euch, Stillings-Freund, genau,
Dass nicht zu Rom grandiose Schau
Bestimmt, wer selig oder nicht:
Nur GOtt ein solches Urteil spricht!
Der Papst kann nichts, als stellen fest,
Was GOtt ihn hierzu wissen lässt.\“


Marx Anton Wittola tritt aus einem Tor; Franz Stephan Rautenstrauch gesellt sich ihm zu


Wir schritten derweil weiter stet
Bis hin zur Universität,13
Als plötzlich auftat sich ein Tor:
Ein Herr – sehr vornehm – trat hervor.

\“Der Herr, den ihr könnt sehen da
Ist Propst Marx Anton Wittola.14
Er kam aus Schlesien einst nach Wien,
Weil GOtt berufen hatte ihn
Zu sorgen, dass sich festigt wieder
Der Glaube, der lag arg danieder:
Verkrustet ganz von Frömmelei
Von Wahnbild und Andächtelei:\“

Zu Wittola trat noch ein Mann;
Er grüsste ihn, ging mit ihm dann.
\“Das ist ein Mönch, der selig auch:
Er hiess Franz Stephan Rautenstrauch.15
In Böhmen wurde er geboren.
Der Himmel hatte ihn erkoren,
Das Bildungswesen zu kurieren,
Die Studien neu zu dirigieren.
Gedankt hat man ihm dieses nicht:
Mit ihm ging bös man zu Gericht!

Im Jenseits aber ist er gross
Und aller seiner Feinde los,
Die sehen nunmehr völlig klar,
Dass, was er tat, sehr richtig war.\“


Joseph von Sonnenfels geht auf Stilling zu; Stilling trennt sich unerwartet


Am Lugeck gingen wir gerad,
Als just ein Mann zu Stilling trat:
Umarmte, herzte, küsste ihn,
Laut dankend GOtt, dass er in Wien.

Jung-Stilling wandte sich zu mir;
Ganz heiter war er: jauchzte schier.

\“Herr Jambenschön: seid mir nicht böse,
Wenn gleich von euch ich nun mich löse.
Denn Joseph Sonnenfels16 lud mich
Gerade hierhin ein zu sich.
Ihr seid am Steffel; geht den Graben,
Dann werdet rechten Weg ihr haben.

Siona5 soll darüber wachen,
Dass niemand mag sich an euch machen.
Gehabt euch wohl! Bleibt im Gebet,
Das Huld und Heil auf Wien erfleht.
Wir sehen uns bestimmt bald wieder,
Wenn komme ich zur Erde nieder.\“

Verärgert schritt ich meinen Weg.
Kaum hatte ich das Privileg,
In Wien zu sehen einge Leute,
Als Sonnenfels verdirbt die Freude.
Ob bald zu anderem Termin
Jung-Stilling geht mit mir durch Wien?


Text wird andurch kundgemacht – trotz erwarteter Verschimpfung und des üblichen Lästergespeis


Auf dass sich alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft recht erfreuen,
Gab bald ich ein den Text komplett
Als Download-File ins Internet.

Dazu bewog mich Siona.5
Der Engel kam mir wieder nah
Und trug mir auf, dass baldigst ich
Dies alles mache öffentlich.

Doch ach! Wie ist die Welt verrückt!
Man sagt nicht Dank und ist beglückt,
Dass Stillings Botschaft wird verbreitet:
Dem Guten so der Weg bereitet.

Oh nein! Sie rufen: \“Spiritismus,
Gespenster-Wahnsinn, Okkultismus,
Verdummung, Scharlatanerie,
Ergüsse kranker Phantasie;
Chimäre, Aberwitz: ein Schmarren,
Ersonnen wohl von einem Narren;

Geflunker, Machwerk, Schwindel, Lug,
Geschwätz, Geplapper, Bluff und Trug;
Geheimnisvolle Kabbalistik,
Gefälschte, gleisnerische Mystik;

Verworren-närrisches Gedudel,
Gebräu aus höllischem Gesudel
Verzauberung, Nekromantie:
Beschwörung Toter: Blasphemie,
Betrügerische Reimerei,
Dämonenhafte Zauberei,
Ein Zeugnis von Besessenheit,
Verhexung und Verlogenheit;
Abscheuliche Provokation:
Der Hölle Manifestation!

Der Reimnur ist ein Hexerisch:
Verbreitet teuflisches Gezisch!
Am besten ist, man wirft ins Feuer,
Was kündet dieses Ungeheuer
Von dem, was jüngst ihm da erschien
In dunkler Nacht fiktiv zu Wien.
Dann schwindet jener trübe Dunst,
Erzeugt von ihm durch Satanskunst.\“

All jene, die empören sich,
Weil ihnen scheint es lästerlich,
Dass Himmelsgeister sichtbar werden
Zu unsren Tagen hier auf Erden:
Sie mögen Reimnur darob hassen,
Doch Siona in Ruhe lassen.


Anmerkungen, Hinweise und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register.

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den rund 24 Kilometer langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zentrum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet.

Die Littfe ihrerseits wird im Ortsgebiet von Littfeld von Osten durch den Heimkäuser Bach (offizieller Name im Gewässerverzeichnis des Landes NRW: Die Heimkaus, 4,7 Kilometer lang) und von Westen durch den Limbach (2,1 Kilometer lang) gespeist. — Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort \“Let\“ für \“Lehm\“. Die in vielen Gewässernamen der Gegend vorzufindende Endsilbe \“-phe\“ ist die sprachlich abgeschliffene Form von \“apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser herausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Dieser wurde in letzte Zeit wiederholt auf Erden gesehen. – Siehe die entsprechenden Erscheinungsberichte aufgezählt zuletzt bei Bleibfest Stillingtreu: Wundersame Begegnung an der Sal. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 2000, S. 52 ff.

Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. – Die \“Lebensgeschichte\“ erschien in vielen Ausgaben. Jedoch genügt nur die von Gustav Adolf Benrath besorgte Version den Anforderungen sowohl des Lesers (grosser Druck, erklärende Noten, Register) als auch des Wissenschaftlers (bereinigter Original-Text; wichtige Dokumente zur Lebensgeschichte) —

In kürzerer Form orientiert über das Leben von Jung-Stilling auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. Mehr die innere Entwicklung von Jung-Stilling schildert Otto W. Hahn: \“Selig sind, die das Heimweh haben\“. Johann Heinrich Jung-Stilling: Patriarch der Erweckung. Giessen, Basel (Brunnen) 1999 (Geistliche Klassiker, Bd. 4).

Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987), S. 220 ff.

Gegen die (1812 ins Schwedische, 1814 ins Niederländische, 1834 ins Englische, 1851 ins Amerikanische und noch 1862 auch ins Französische übersetzte) \“Theorie der Geister=Kunde\“ erschien unter anderem: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jungs genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809.

Jung-Stilling verteidigt sich gegen die Basler Gutachter in der Schrift: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein über dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen (so, also mit grossem Ha) geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809 (weitere Nachträge erschienen nicht). – Das Originalbuch hat im Titel \“Geister=Kunde\“ (mit dem bis 1902 üblichen Doppel=Bindestrich), die darauf bezüglichen Werke schreiben meistens \“Geisterkunde\“ (in einem Wort).

Zu Basel seien nach dem Verkauf der \“Theorie der Geister=Kunde\“ tausendmal soviel Gespenster erschienen denn zuvor, behaupten hintergründig die Verfasser des Gutachtens. Das veranlasste weitere Schriften gegen Jung-Stilling, so etwa die Broschüre von Johann Jacob Faesch: Predigt über den Gespenster=Glauben, nach Timotheum IV., V. VII. Gehalten in der Kirche St. Theodor, den 9ten Weinmonat 1808. Auf hohes Begehren und dem Wunsche mehrerer ansehnlichen (so!) Zuhörer gemäß zum Druck befördert. Basel (Schweighausersche Buchhandlung): eine Jung-Stilling bös herabsetzende, brandmarkende Schrift.

Gleich in zwei Bänden erschien: Geister und Gespenster in einer Reihe von Erzählungen dargestellt. Ein nothwendiger Beitrag zu des Hofraths Jung genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1810. – Als Verfasser gilt der freisinnige Basler Buchhändler und Verfasser historischer Romane Gottlob Heinrich Heinse (1766–1832), nicht zu verwechseln mit dem deutschen Reiseschriftsteller gleichen Namens.

Etwas glimpflicher kommt Jung-Stilling davon bei Johann Friedrich von Meyer: Hades. Ein Beytrag zur Theorie der Geisterkunde. Nebst Anhängen: öffentliche Verhandlungen über Swedenborg und Stilling, ein Beyspiel des Ahnungsvermögens und einen Brief des jüngern Plinius enthaltend Frankfurt am Main (Johann Christian Hermann) 1810, insbes. S. 50.

Hingegen meint der zu seiner Zeit als Prediger weithin bekannte Franz Volkmar Reinhard, 1753–1812 (Predigten am grünen Donnerstage und am ersten und zweyten Ostertage im Jahre 1809. Dresden und Leipzig [Johann Friedrich Hartknoch], S. 50) mit Bezug auf den Untertitel der \“Theorie der Geister=Kunde\“: es handle sich um \“ein Gewebe von Meynungen, die weder die Vernunft billigen, noch die Erfahrung bewähren (so), noch die Schrift bestätigen\“ könne.

Zugunsten von Jung-Stilling tritt ein Samuel Ringier: Mein Blick auf Jung-Stilling. Basel (Schweighausersche Buchhandlung) 1807; er wendet sich vor allem gegen die gehässige Schuldzuweisung an Jung-Stilling anlässlich jederart unsinnigen religiösen Wahns, wie ihn die schweizerische freisinnige Zeitschrift \“Miscellen für die neueste Weltkunde\“ (von 1807 bis 1813 in Aarau und Basel bei Sauerländer erschienen) anstellte.

Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1). Dort auch die Titelblatt-Kopien der genannten und anderer Schriften gegen Jung-Stilling und seine \“Theorie der Geister=Kunde.

2 Johann Heinrich Jung-Stilling wurde am 12. September 1740 im Dorfe Grund im Fürstentum Nassau-Siegen geboren. Der Ort ist seit 1. Jänner 1969 Teil der Stadt Hilchenbach, Kreis Siegen-Wittgenstein im Bundesland Nordrhein-Westfalen der Bundesrepublik Deutschland.

Gestorben ist Jung-Stilling am 2. April 1817 in Karlsruhe. Dort erinnert auch noch heute auf dem Hauptfriedhof ein Grabmal an ihn und seine dritte Gemahlin. – Jung-Stilling war 1781 das erste Mal und 1790 ein zweites Mal Witwer geworden. Er hatte aus drei Ehen gesamthaft dreizehn Kinder. Im Jahre seines Hinschieds waren ihm bereits sieben Kinder im Tode vorausgegangen.

3 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger (\“Fan\“: dieses heute gebräuchliche Wort vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) oder auch nur –  begeisterter Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch  \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 316.

4 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“. Ihm, seinem seinerzeitigen Landesherrn, hatte er auch seine an der Universität Strassburg eingereichte medizinische Doktorarbeit gewidmet und diese persönlich im Frühjahr 1772 bei Hofe zu Mannheim überreicht.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Stadttoren, Übergängen, Fähren, Brücken sowie an den Poststationen und den zahlreichen, zu jener Zeit auch innerlands allenthalben anzutreffenden Schlagbäumen mit Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II. bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die dauernde Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 des Vertrags heisst es im einzelnen genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi (nämlich Franz II, der letzte Kaiser des alten Reichs; er legte nach Bildung des Rheinbundes am 6. August 1808 die deutsche Kaiserkrone nieder), tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg du Rhin (= die Schiffahrts-Rinne) soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch einige besonders günstige Umstände (später traten verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich noch hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 7./8. April 1806 zu Paris Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von 175’000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde (das Recht, den Kaiser mitzuwählen) ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten (Électeur de Bade) erhoben.

Wenig später rückte Karl Friedrich durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog (Gand Duc) mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf. Gemäss dem gleichen Artikel genoss er unter den Rheinbundfürsten eine Vorrangstellung (prééminence).

Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ Hofrat DE JURE PUBLICO nunmehr automatisch zum \“badischen\“ Hofrat.

Anfang April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling als Berater des Grossherzogs von Baden (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst betont) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404.

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona. – Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS).

\“Stilling\“ ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“

Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, empfängt von GOtt einen neuen Namen, siehe Offenbarung 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89

Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). Siehe [Christian Gottlob Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

Siehe über die Ankunft von Jung-Stilling in der Seligkeit auch Helena Schlatter-Bernet (?): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 7 ff.

5 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), –  dankt der \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), –  die ihm als \“Engel\“ – oft ungesehen – \“immer liebevoll zur Seite ist (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1.Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), –  aber auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308).

Siona führt auch Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar [= in der Halle der Männer berühmt\“] heisst) –  auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8), –  geleitet ihn zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.). –  Siona bringt Jung-Stilling aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ wieder zurück (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. und zum Gesamten Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> kostenlos downloadbar (ohne die der Druckausgabe beigegebenen Abbildungen).

Vgl. auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

6 Heint = in dieser Nacht: ein heute immer seltener gebrauchtes Umstandswort.

7 Im Zentrum von Wien gelegenes, 1158 gegründetes Benediktiner-Kloster mit Gymnasium. – Siehe Cölestin Roman Rapf: Das Schottenstift. Wien, München (Zsolnay) 1974 (Wiener Geschichtsbücher, Bd. 13) zur Vergangenheit dieses Instituts.

8 Alfred Klose = in Österreich weithin bekannter Jurist, Politologe, Ökonom, Sozialethiker und Lexikograph; geboren 1928 und Professor an der Universität Wien. Alfred Klose ist Verfasser zweier Schriften über Jung-Stilling. – Siehe auch Erich Mertens (Hrsg.): Auf den Spuren von Jung-Stilling. Studien zu Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817). Freundesgabe für Alfred Klose zum 70. Geburtstag. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1998, S. 9 f.

9 Ludwig Donin (1810–1876) schrieb unter dem Pseudonym Anton Philalethes unter anderem: Der Same und die Frucht, oder. Wohin und Woher? Historisch=kritische Betrachtungen der Quelle unserer Gottlosigkeit, 5. Aufl. Wien (F. S. Hummel) 1869, S. 185 f. (massenweise heidnische Themen am Schotten-Gymnasium). – Siehe auch unbekannter Verfasser: Ludwig Donin, Curat an der Metropolitankirche St. Stephan in Wien. Eine Lebensskizze. Wien (St. Norbertusdruckerei) 1892 (mit einem Portrait von Donin).

Unter den Themen am Schotten-Gymnasium in Wien fand Donin kein einziges christliches oder gar auf den Mönchs-Vater Benedikt von Nursia (480-542) bezogenes. Statt dessen nur Aufgaben wie: \“Die Unterwerfung der Falisker durch F. Kamillus. Nach Livius\“, \“Rede des Themistokles an die Athener vor der Schlacht von Salamis\“, \“Ueber die Heldengrösse der Römer nach der Schlacht bei Kannä\“, \“Rom zur Zeit, als Hannibal es mit seinem Heere bedrohte\“, \“Gedanken am Grabe Alexanders des Grossen\“, \“War Kato’s Ausspruch: CARTHAGINEM ESSE DELENDAM für Rom nützlich?\“ \“Die Schicksale des Orestes bis zu seiner Heilung nach Göthe’s Iphigenie erzählt\“ und dergleichen AD NAUSEAM USQUE mehr.

Donin mein wohl nicht zu unrecht, \“ein katholischer Lehrer soll sich nicht allzusehr einem kranken und verdorbenen Zeitgeiste anbequemen, wenn er nicht ein Verräther an der heiligen Sache, an dem Seelenheile der Schüler und dem Vertrauen der Eltern werden will, welche ihm das Theuerste, was sie auf erden haben, anvertrauen. Insoferne soll man die Heiden so wenig und so selten als möglich vor die arglose Jugend als Ideale hinstellen, und der Lehrer um so weniger, als er und sein Urtheil für die Jugend als massgebend gilt. Nach dieser Ansicht sind die katholischen Heidenlehrer über ihr Vorgehen durchaus nicht zu entschuldigen, und sie könnten und können an den Früchten ihrer sauberen gepflanzten Bäume ihre saubere Erziehungstätigkeit studiren\“ (Der Same und die Frucht, S. 207).

10 Jacob (auch: Jakob) Frint (1766–1834) wirkte lange Jahre segensreich in Wien. Er gründete eine Industrieschule für arme Mädchen sowie ein Bildungsinstitut für Weltpriester (Frintaneum). – Siehe Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 8, S. 91 f. sowie Eduard Hosp: Zwischen Aufklärung und katholischer Reform. Jakob Frint, Bischof von St. Pölten; Gründer des Frintaneums in Wien. Wien (Herold) 1962 (Forschungen zur Kirchengeschichte Österreichs, Bd. 1). Dort auch (S. 227 ff.) Verzeichnis der Schriften von und über Jakob Frint.

11 Alumnat = Anstalt zur Heranbildung von Anwärtern des geistlichen Amtes (Alumnen, vom Lateinischen ALERE = ernähren, aufziehen).

12 Johannes Messner (1891–1984), ein bekannter Sozial- und Kulturphilosoph, die längste Zeit seines Lebens in Wien wirkend. – Siehe Internationale Stiftung Humanum (Hrsg.): Der Sozialethiker und Rechtsphilosoph Johannes Messner. Leben und Werk. Bonn (Scientia Humana Institut) 1980; Alfred Klose et al. (Hrsg.): Das Neue Naturrecht. Gedächtnisschrift für Johannes Messner. Berlin (Duncker & Humblot) 1985 sowie Anton Rauscher und Rudolf Weiler (Hrsg.): Professor Johannes Messner. Ein Leben im Dienst sozialer Gerechtigkeit. Gedenkschrift. Innsbruck (Verlag Kirche) 2003.

13 Gemeint ist die Alte Universität in der Sonnenfelsgasse im I. Bezirk.

14 Markus (auch: Marx) Anton Wittola (1736–1797) blieb als Priester, Schriftsteller und geistlicher Hofbeamter zeitlebens um das Aufkeimen des rechten Glaubens in Wien bemüht. – Siehe Peter Hersche: Der Spätjansenismus in Österreich. Wien (Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) 1977, S. 451 (Register, Stichwort \“Wittola\“) sowie Manfred Brandl: Marx Anton Wittola. Seine Bedeutung für den Jansenismus in deutschen Landen. Steyr (Ennsthaler) 1974 (Forschungen zur Geschichte der katholischen Aufklärung, Bd. 1).

15 Der Benediktiner Franz Stephan Rautenstrauch (1734–1785), ein in Wien im Sinne vorsichtiger Modernisierung wirkender Theologe und leitender Beamter in der Hofkanzlei. – Siehe Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 27, S. 459 und ausführlich Beda F. Menzel: Abt Franz Stephan Rautenstrauch von Brevnov–Braunau. Herkunft, Umwelt und Wirkungskreis. Königstein (Institut für Kirchengeschichte) 1969 (Veröffentlichungen des Königsteiner Instituts für Kirchen- und Geistesgeschichte der Sudetenländer, Bd. 5).

Pater Rautenstrauch hatte in Wien viele Feinde, die ihn auch durch Spottschriften verunglimpften; siehe etwa Carl F. Bucker: Rautenstrauch der dreyzehnte Apostel. Nebst einem wohlgemeinten Hirtenbriefe zur Beherzigung dieses Apostels. Wien (ohne Verlagsangabe) 1783 oder Johann Christian Binder: Sendschreiben an Ihro Hochwürden Patritius Fast, der Metropolitankirche Kurat, wider die Epistel von Rautenstrauch an das Publikum. Wien (ohne Verlag) 1782; ein \“Zweytes Sendschreiben\“ folgte noch im gleichen Jahr.

16 Joseph von Sonnenfels (1733–1817), ein um die Kultur und Wissenschaft in Wien insonders verdienter Mann. Jung-Stilling hielt sich als Professor für ökonomische Wissenschaften in vielem an seine Lehrbücher.

Siehe Dolf Lindner: Der Mann ohne Vorurteil. Joseph von Sonnenfels. Wien (Österreichischer Bundesverlag) 1983 (mit Literatur-Verzeichnis S. 210 ff.). Aus der älteren Literatur noch immer lesenswert Willibald Müller: Josef von Sonnenfels. Biographische Studie aus dem Zeitalter der Aufklärung in Oesterreich. Wien (Braumüller) 1882.

Mehrere Lehrbücher, die von Sonnenfels schrieb, wurden bis in unsere Zeit nachgedruckt, vor allem seine auch von Jung-Stilling häufig zitierten \“Grundsätze der Polizey\“. Dieses auch in viele Fremdsprachen übersetzte Werk erschien zuletzt 2003 im Verlag Beck in München als Bd. 12 in der Reihe \“Bibliothek des deutschen Staatsdenkens\“.


Holy Spirit, truth divine,
Dawn upon this soul of mine;
Word of GOd, and inward light,
Wake my spirit, clear my sight.

Samuel Longfellow (1819–1892)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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