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Jung-Stilling und der Agnostizismus

veröffentlicht am

Bericht über eine nachtodliche Begegnung mit und einer dabei stattgehabten wichtigen Belehrung von dem weitbelobten und bis anhin unvergessenen Herrn


Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817)

der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,

seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat;

weiland bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dortselbst auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; vorher bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – einschliesslich der Veterinär-Medizin – an der Universität Heidelberg und davor seit 1778 mit gleichem Lehrauftrag an der Kameral Hohen Schule Kaiserslautern;


ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal); dort auch seit 1772 Arzt für Allgemeinmedizin, Obstetrik, Ophthalmologie und seit 1775 behördlich bestellter Arzt für Hydrotherapie sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch der erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied.

Nach dem Gespräch mit verhilflicher englischer Gunst und ohne Verweilung behörigermassen niedergeschrieben von

Liebmunde Kirchentreu

zu Lichthausen, Grafschaft Leisenburg* und

zum 80. Geburtstag des weitbelobten Herrn

Apotheker Hans Jürgen Hortmann,

Inhaber der Jung-Stillling-Apotheke in Siegen

am 21ten im Xber des Jahres1999 diesem in höchlichster Wohlgewogenheit dankbar ergebenst gewidmet. ∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞

Markus-Gilde, Siegen

Ursprünglich als Broschüre im Verlag der Jung-Stilling-Gesellschaft 1999 erschienen. Copyright-Inhaber ist jetzt die Markus-Gilde., Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). – Die gewerbliche Nutzung des Textes gesamthaft oder in Teilen bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers.

mailto:merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Besuch bei einer lieben Nachbarin im Hospital

Ich stieg von meinem Wagen aus
Am Parkplatz nächst dem Krankenhaus;
Hing um die Achsel meine Tasche,
Nahm in die Hand die Obstsaft-Flasche,
Die von daheim ich mitgebracht
Und als Geschenk war zugedacht
Für eine liebe Nachbarin,
Der freundlich ich verbunden bin.

Sie hatte sich vor vierzehn Tagen
Beim Treppensteigen überschlagen.
Zwei Brüche, einer kompliziert,
Hat man bei ihr drauf operiert.

Ich hatte zu der Flasche Saft
Ein Buch für sie auch noch beschafft,
Das Stillings1 Leben nieden schildert,
Leicht lesbar ist und hübsch bebildert.2

Unangenehme Kennzeichen eines modernen Krankenhauses hierzulande

Nun trat ins Krankenhaus ich ein.
Mich überkam ein Unwohlsein,
Als roch ich diese schlechte Luft:
Den ranzig-faulen, schweren Duft,
Der hierzuland für ein Spital
Bezeichnend ist, ja schon normal:

Mixtur aus Küche, Arzenei,
Noch dichtem Dampf der Wäscherei,
Aus Tünche, Farbe, Teppich-Schaum,
Auch Brodem aus dem Bügelraum
Entkeimungs-Mittel, Alkohol,
Klosett, Benzin, Glasur, Karbol;

Aus Badezimmer, Politur,
Aroma süsslicher Tinktur,
Auch Campher, Holzgeist, Franzbranntwein,
Womit man reibt Patienten ein,
Nebst Bohnerwachs und Tabakrauch,
Vermengt mit feinem Blumen-Hauch;

Aus Blüten, jenseits ihrer Reife,
Parfüm sowie Toilettenseife,
Dazu noch eine Brise Chlor,
Entwichen scheinbar dem Labor.

Bemüht sind fraglos Ingenieure,
Dass solcher Müff sich ganz verlöre;
Doch scheint, dass dieser üble Dunst
Trotzt jederart Entlüftungs-Kunst:
Denn dieser füllte sonst nicht aus
Bis heut schier jedes Krankenhaus. –
Indes, sehr rasch gewöhnt man sich
Auch an Gerüche widerlich.

So schritt zur Auskunft ich heran,
Auf dass ich dort erfragen kann,
In welchem Raum die Nachbarin
Blickt hoffnungsvoll auf Heilung hin.
Der Herr am Schalter war recht harsch.
Er wurde ruppig gar und barsch,
Weil ich nicht deutlich gleich verstand,
Die Nummer, welche er genannt.

Auch das ist typisch ja durchaus
Für Pförtner heut im Krankenhaus:
Sie haben einen Flegelton,
Der spricht den guten Sitten Hohn
Und sind besonders pampig-rauh,
Wenn steht vor ihnen eine Frau.

Fehlender Wettbewerb führt immer zu schlechter Leistung gegenüber Dritten

Sie sind ja leider nicht gebunden,
Wie andre an die Gunst der Kunden,
Die – sollte ihnen das geschehen –
Zum nächsten Lieferanten gehen.
Kein Wettbewerb mit Macht erzwingt,
Dass man um beste Leistung ringt.

Allein, wo fehlt die Konkurrenz,
Ist Lässigkeit die Konsequenz:
Besteht kein Ansporn doch sodann,
Dass strengt man um Erfolg sich an.
Auch wenn die Leistung nicht gelingt:
Persönlich dies kaum Nachteil bringt.

Das sollten jene gut erwägen,
Die Wettbewerb zu geisseln pflegen
Als ein Prinzip, das ‚unsozial‘:
Das Gegenteil gilt allemal!

Wenn ginge es allein nach mir:
Man müsste Menschen, grob wie hier,
Sofort aus ihrer Stellung schassen:
Zugunsten Höflicher entlassen.

Das sollte gelten auch für Pfleger,
Für Schwestern, Ärzte, Apotheker:
Für jeden, der beruflich heute
Ist Spezialist für kranke Leute.

Entlassnen werde zum Ersatz
Dann ein Computer-Arbeitsplatz;
Vielleicht hat man im Tierheim auch
Für solche Muffel noch Gebrauch –
Obzwar es heisst, dass manche Viecher
Besässen hier grad einen Riecher:
Sie liessen nur an sich heran,
Wer freundlich auf sie eingehn kann.
Der Platz für Rüpel diesfalls sei
Bei Pflanzen in der Gärtnerei.

Wenn stimmt es, dass Gewächse auch
Begehren einen lieben Hauch,
Damit sie blühen und gedeihen,
Dann bleibt für Flegel noch im Freien
Beschäftigung im Steinbruch, die
Geeignet trefflich doch für sie.
Gestein fühlt sicher nicht sozial,
Drum sind ihm Muffel auch egal.

Engel Siona zeigt sich körperhaft

Gerade bin ich mich am Drehen,
Um gleich zum Aufzug jetzt zu gehen,
Als jemand laut ruft, ohne Scheu:
\“Hallo, Liebmunde Kirchentreu!\“

Verärgert schaue ich mich um;
Scheint mir es taktlos doch und dumm,
Wenn schrill auf diese Weise man
Spricht eine reife Dame an.
Der jungen Leute \“hey!\“, \“hallo!\“
Ist jedenfalls nicht mein Niveau.

Doch überkommt mich nun ein Schreck,
Ich bleibe wie verhext am Fleck:
Im Innern wird gewahr mir tief,
Wer eben meinen Namen rief.
Ja! Diese Stimme himmelsnah
Gehört zum Engel Siona!3
Wahrhaftig! Gleich da vorn steht er
Und winkt mich lebhaft zu sich her.

Die Starre löst sich jetzt im Nu;
Ich schreite auf Siona zu.
\“Liebmunde: ihr wollt zu Besuch –
Sogar mit einem Stillings-Buch –
Zur Freundin, operiert am Knie,
In die Abteilung Chirurgie.

Doch könnt ihr schlecht sie sprechen jetzt,
Weil sie seit zehn Minuten schwätzt
Mit einer Dame, die ihr lieb:
Sie ist Kollegin vom Betrieb.
Ich schlage, Stillings-Freundin,4 vor,
Dass erst ihr geht mit mir empor
Zum Sprechraum in Etage zwei:
Dort tut sich Hofrat5 Jung uns bei.\“

Der Engel nahm mich bei der Hand.
Kurz darauf ich mich wiederfand
In einem Raum stark überfüllt,
Dazu in Tabaksqualm gehüllt,
Den ich betreten würde nie
Bei meiner Tabak-Allergie.6

Just will ich Siona klar sagen,
Dass mir der Raum schafft Unbehagen,
Als plötzlich wie von Geisterhand
Der Tabak-Nebel ganz verschwand!

Der Raum, noch vollgepfropft vorher,
Ist nun auf einmal menschenleer.
Selbst Siona, grad noch bei mir,
Vermisse ich im Raume hier.
Das Stimmgewirr, zwar dumpf, doch laut,
Ist nun zur Stille abgeflaut.

Am Fenster, mir sich zugedreht,
Ein Herr in schicker Kleidung7 steht.
Es weicht in mir Beängstigung:
Der Mann ist – Hofrat Doktor Jung!

Jung-Stilling erscheint in Menschengestalt

Nun seh ich Stilling sich bewegen:
Er kommt leicht schmunzelnd mir entgegen.
\“Verzeiht, Liebmunde, dass trat nah
Hier unten euch Geist Siona.
Es ist mir eine grosse Freude,
Dass treffe euch ich wieder heute.

Im Jenseits hab ich mir erbeten,
Mit euch an diesem Tag zu reden.
Ich hoffe, dass ihr nicht bedrängt
Euch vorkommt oder gar gezwängt.\“ –

\“Herr Hofrat Jung! Ohephiah!8
Dass sie mir heute sinnennah
Empfinde ich als grosse Ehre:
Wie gern geh ich in ihre Lehre!
Gestatten sie, etwas zu fragen,
Das lang schon liegt mir auf dem Magen?\“ –

\“Ich bitte euch: fragt was ihr wollt:
Die Antwort ihr nicht missen sollt!\“

Jung-Stillings Haltung zu Immanuel Kant ist völlig unverständlich

\“Herr Hofrat Jung! Ich darf ja hoffen,
Sie sind nicht böse, wenn ganz offen
Es völlig töricht nenne ich
Wie sie begeistert äussern sich
Zu dem, was einst vermessen Kant
In Hinblick auf den Weg befand,
Wie GOtt der HErr sei zu erkennen,
Wenn mit Vernunft auf IHn wir sännen.9

Ich nehme an, dass wirklich sie
Aus krauser Terminologie
(Bei dunklem, steifem Satzesbau
In einer Sprache ungenau,
Die heut noch deutbar vielerhand
Und eigentümlich ist für Kant)
Verstanden, was im Grund er lehrt,
Doch irrig ist, falsch und verkehrt?

(1) Dass nie und nimmer je es schafft
Die menschliche Erkenntniskraft
(Die ‚theoretische Vernunft‘
Wie Kant es nennt und seine Zunft)
GOtt und das Jenseits zu erreichen:
Sie müsste hier die Segel streichen?

(2) Dass ins Erkennen nur gestellt
Die irdische Erscheinungswelt,
Das Über-Sinnliche doch nie
Erkennbar sei dem Menschen hie?

Durchschauten sie, Herr Hofrat, nicht –
Der sie doch in des Glaubens Licht –
Dass dieser Kant’sche Kritizismus
Als Abart des Agnostizismus
Bricht offenkundig das Genick
Ein jeder Art Metaphysik?

Rom setzte die „Kritik der reinen Vernunft“ zurecht auf den „Index der verbotenen Bücher“

Für sie, Herr Hofrat, war Axiom:
Der ‚Antichrist‘ regiert zu Rom!10
Personhaft ist der Papst der Böse
Und Tod für alles Religiöse.

Doch just der Papst sehr rasch verstand,
Dass feind die Lehre ist von Kant
Der Offenbarung, die GOtt schenkte:
Wie Kant sie wegschob und verdrängte.

Der Papst sprach daher seinen Fluch
Vor aller Welt zu jenem Buch,
Das sie, Herr Hofrat, so sehr loben:
Fast in den Himmel gar erhoben.9

Hier sei erklärt, weshalb bemisst
Zu Rom der Papst, der ‚Antichrist‘,
Die Lehre Kants als schlimmes Gift,
Das manchen Schadstoff übertrifft.

GOtterkenntnis und Offenbarung

An vielen Stellen lehrt die Bibel
Mit Nachdruck uns – und stets plausibel -,
Dass aus der Ordnung dieser Welt
Das Dasein GOttes sich erhellt.
Der Schöpfer ist aus seinen Werken
Erkennbar, deutlich zu bemerken.

Im Römerbrief, gleich zu Beginn,11
Weist Paulus fasslich darauf hin:
Die Schöpfung auch ein Mittel sei,
Damit der Mensch ganz zweifelsfrei
Den Schöpfer stets erkennen kann,
Wenn die Vernunft den HErrn peilt an.

Erkenntnis GOttes ist  sicher, leicht erreichbar und  klar verstehbar

 Erkenntnis GOttes sicher ist:
Sie sonder Zweifel sich bemisst
Und steigt mit Deutlichkeit empor,
Wie Paulus richtig hebt hervor.

Wer immer eine Uhr schaut an,
Gewisslich daraus schliessen kann:
Es muss den Uhrmacher auch geben.
Denn nie kann Zufall je ergeben,
Dass tausend Teile feiner Stahl
Zusammenwirken so genial,
Um richtig stets die Zeit zu messen:
Einjeder ist sich sicher dessen –
Selbst wenn sein Denken arg verbogen:
Mit Kant es sich hat vollgesogen.
Auch hielt man den für geisteskrank,
Der wähnte, dass ein Küchenschrank
Aus Holz und mit Metall besetzt
Von selbst sich grad zusammensetzt.

Ob Schrank, ob Auto, Kaffeekanne,
Computer, Handy, Badewanne:
Man jeweils sicher kommen muss
Vom Gegenstand her zu dem Schluss,
Dass jemand dieses Ding ersonnen
Und mit der Herstellung begonnen.

Auch krause Wörter, dunkle Sätze
Samt scheingelehrtem Kant-Geschwätze
Vermögen diese Einsicht nie
Zu stempeln dreist als Utopie.

 Die Einsicht, dass sich aus der Welt
Der Herr der Schöpfung – GOtt – erhellt,
Ist leicht erreichbar, wie ganz klar
Am Beispiel wurde offenbar.

Wer drum zurückweist jenen Schluss,
Sich wohl gefallen lassen muss,
Dass böser Wille ist der Grund:
Verstocktheit, Trotz sich hier tut kund.
Dies spricht die Bibel rundheraus
An vielen Stellen klärlich aus.12

 Der Schluss zu GOtt aus SEiner Welt
Ist ganz verstehbar auch gestellt
In menschliche Erkenntniskraft,
So dass ihn jeder Mensch leicht schafft.
Er braucht dazu nicht innrer Gnade,
Verstand auch nicht in hohem Grade.

Erkenntnis GOttes Mitgift ist,
Die jedermann – nicht bloss dem Christ –
Natürlich wird schon angeboren;
Dazu sind nicht nur auserkoren
Ganz Wenige mit Geisteskraft:
Personen nur der Wissenschaft.

Dass diese just oft wirr verrannt,
Erkennt man deutlich ja an Kant
Nebst seiner Schule, die bis heute
Mit Sprachbombast verdreht die Leute.

Erkenntnis GOttes folgt auch aus der gegebenen Angelegtheit des menschlichen Denkvermögens

Dass GOtt wird sicher, leicht erkannt
Normal durch Denken, mit Verstand,
Folgt schlüssig schon aus der Natur
Des menschlichen Verstandes nur,
Wobei ‚Verstand‘ meint jenes Denken,
Das Seins-Einsicht vermag zu schenken.

 Die Sinne nehmen blosshin wahr,
Was augenfällig stellt sich dar.
Doch drängt es menschlichen Verstand,
Dass das ‚Warum‘ wird auch erkannt:
Das Ur=Sächliche zu ergründen
Und stets am Ende einzumünden
Ins allgemeinste Seins-Prinzip,
Das als das höchste übrigblieb.
So ist von sich aus der Verstand
Dem SchöpfergOtt letzt zugewandt.

 Doch will Verstand nicht bloss erkennen
Das, was wir Einzeldinge nennen.
Er möchte deren Zweck verstehen,
Um schliesslich ja auch einzusehen,
Wie jedes Ding in Ordnung mündet:
Von Sinn durchwaltet so sich kündet.

Verstand letzt auf das Wesen zielt,
Von welchem alles Sinn erhielt;
Das in sich, aus sich sinnhaft ist,
Wo Sein und Sinn sich gleich bemisst;
In dem auch Ziel und Wert sind eins:
Auf GOtt, den Schöpfer allen Seins.

 Ich könnte noch mehr Gründe nennen,
Aus denen deutlich zu erkennen,
Dass diese Lehre, welcher sie,
Herr Hofrat, schenkten Sympathie,
Normalem Denken widerspricht,
Selbst wenn sie heute noch verficht
Ein Heer von sogenannten Weisen,
Die mit gelehrtem Wortschwall gleissen,
In Wirklichkeit beschränkt doch sind:
Verbohrt, für GOttes Lichtstrom blind,
In Dunst und Nebel ganz verrannt:
Oft mehr noch als ihr Vorbild Kant.

Grundsuppe an Irrtümern

Herr Hofrat Jung! Es nannten sie
Sich Fachmann in Philosophie,
Und ihr Kolleg in Weltweisheit,
Das hielten sie zur Studienzeit,
Zog Hörer ja ‚die Menge‘ an,
Wie man bei ihnen lesen kann.13

Ich darf wohl rechtens daraus schliessen,
Dass sie es sich nicht nehmen liessen,
Genau zu prüfen, was sonst Kant
An Einsicht zudem auch noch fand?

 Ja, fiel dabei nicht ihnen auf,
Wie wegbiegt, abirrt Kant zuhauf
Von dem, was Schlüssigkeit verlieh
Seit jeher der Theologie?

Sein Idealismus will das Denken
Auf Menschengeist allein beschränken:
Im ‚transzendentalen Subjekt‘
Ist soviel Unklarheit versteckt,14
Dass streiten drum bis heut Erklärer
Selbst in dem Kreis der Kant-Verehrer.

Ich möchte es versagen mir,
Noch darzustellen tiefer hier,
Wie Kant mit seinem Dualismus
Und auch im Phänomenalismus
Der Offenbarung letztlich feind:
Wie er sie leugnet und verneint.

 Doch sei ein Punkt noch angeführt,
Der sie, Herr Hofrat, stark berührt,
Weil sie in allem, was sie schreiben,
Entschieden bei der Lehre bleiben,
Dass GOttes Schöpfung, die Natur,
Von IHm auch Ordnung, Sinn erfuhr
Und deshalb wir auch zur Genüge
Erkennen Sinn- und Wertgefüge.

Bezug auf Schöpfung hat nun Kant
Aus unausführbar strikt verbannt.
Naturrecht wurde so entzogen
Das Fundament, sein Stützesbogen.
Nach Kant ist Legitimität
Nicht trennbar von Legalität.

So konnte sich mit Fanatismus
Verbreiten Rechts-Positivismus:15
Er gab moderner Tyrannei
Das grauenvolle Unrecht bei
In Thesen, wie ‚Recht ist nur das,
Was der Partei ist auch zupass‘
Beziehungsweise ‚Recht ist bloss,
Was unser Volk macht stark und gross‘:

Doktrinen, selbst zu unsrer Zeit
Gelehrt noch mit Verbissenheit,
Wiewohl durch sie bloss Leid nebst Gram
Zu Tausenden von Menschen kam.

Naturrechts völlige Verneinung
Beherrscht trotz alledem die Meinung
Der ganzen Rechtsgelehrsamkeit:
Die Saat von Kant recht wohl gedeiht!

Und das, Herr Hofrat, haben sie
Durchschaut, erkannt tatsächlich nie,
Wo doch der Papst in Rom sogar
Die Folgen legte deutlich klar?
Sie heben gar noch mit Gebimmel
Den Kantianismus in den Himmel!
Wie konnten sie sich so versehen?
Das möchte wahrlich ich verstehen!\“

Jung-Stilling zeigt sich zutiefst beschämt

\“Liebmunde, ach: ich bin bedrückt,
Beschämt zutiefst, dass ich entzückt
Mich einst geäussert über Kant,
Als Halbgott diesen gar befand.

Ihr habt mit eurem Vorwurf recht:
Kant bringt viel eitles Wortgeflecht.
Es wird ja jedem offenbar,
Dass es auf keinen Fall ist wahr,
Wenn er behauptet, dass man nicht
Erkenne mit Verstandes-Licht
Das Jenseits, GOtt und dessen Sein;
Dass schränke der Verstand sich ein
Bloss auf die Welt des Hier, der Sinne,
Er könne mehr nicht werden inne.

Getäuscht hat mich die Klügelei:
Die salbungsvolle Dalkerei,
Die Kant – auch in dem Brief an mich16
Beherrschte ja so meisterlich.

Doch hätte aus dem Sprachergüssen
Allein ich schon erkennen müssen,
Dass jemand, der so wolkig schreibt
Bestimmt nicht ‚Auf-Klärung‘ betreibt.
Denn Sätze derart schwer verständlich,
Verworren, meist gedehnt unendlich,
Die deuten wohl auf einen Geist,
In dessen Hirn viel Dunkel kreist.\“

Jung-Stilling als Vorbild schöner Sprache?

\“Herr Hofrat: was geschrieben sie
Weist auch nicht auf ein Sprach-Genie!
Im grossen Ganzen ist ihr Stil
Wohl alles andre als grazil.

Die langen Sätze, angereiht
Mit ‚und‘ oft eine Seite weit,
(Weshalb auch Lavater sie rügt
Und sie ihm kontern missvergnügt17);
Sind hölzern, hässlich oft sogar:
Doch anders wie bei Kant stets klar.
Man findet jeweils mühlos hin
Beim ersten Lesen gleich zum Sinn. –

Jedoch, Herr Hofrat, ist hier nicht
Gefragt, wie nebelhaft Kant spricht,
Als vielmehr doch, warum denn sie
Erkannten die Gefahren nie,
Die Kant mit seinem Idealismus –
Erst recht mit seinem Kritizismus –
Für Glaube, Ethik, Recht beschwor:
Wie daraus Wirrsal quillt empor.

Um nochmals es zu wiederholen:
Wenn blieb dem Papst dies nicht verhohlen,
Der doch der ‚Antichrist‘ auf Erden,
Wie konnten sie nicht inne werden
Der Irreführung im Verstand,
Die sichtbar ausging ja von Kant?\“

Papst ist n i c h t der Antichrist

\“Liebmunde: bitte lasst es sein,
Hier ständig spitz zu bringen ein,
Was einst vom Papst ich fuchtig schrieb:
Wie bös auf Rom ich stach und hieb.18
Was dort ich aussprach tut mir leid:
Ich habe bitter es bereut.

Schwer habe ich gefehlt darin,
Dass ich aus Trotz und Eigensinn
Bloss Schlechtes sah, Rom heidnisch nannte,
Des Papsttums Amt so ganz verkannte.

Ich sah nicht, dass ja GOttes Wort
Fällt nie auf einen leeren Ort.
Es Grund und Wachstum stets erfuhr
Im Boden eines Volks-Kultur.
So hat auch römische Lebensart
Sich mit der Frohbotschaft gepaart.

Der Stil des Glaubens, der als Norm
Erwuchs aus dieser Mischungsform –
Geprägt von römischer Reichs-Idee,
Hierarchisch wie bei der Armee –
Ist schlechter nicht als andre Arten,
Die GOttes Wort mit Volksgeist paarten.

Jung-Stilling sah die Wirkung des Kantianismus nicht voraus

Doch nun, Liebmunde, will ich gern
Erklären auch mich zu dem Kern
Von eurer Frage: dem Bezicht,
Dass sah ich die Gefährdung nicht,
Der ausgesetzt Metaphysik
Infolge Kant’s Vernunftkritik.

 Zunächst muss ich es sagen laut:
Ich habe dies gar nicht durchschaut!
Für mich stand damals nur im Blick,
Dass Kant durch die Vernunftkritik
Vertrieb die Skrupel, Zweifel die
Verstummten seit der Jugend nie:
Das all mein Tun und Lassen sei
Am Ende schliesslich einerlei,
Weil GOtt mein Handeln vorbestimmt
Und ER mein Beten nicht vernimmt.19

Die Lesart des Determinismus
Verwurzelt ist im Calvinismus,
Der früh bereits ja Eingang fand
Im heimatlichen Siegerland.

 Sodann war noch die Erbschuld-Lehre,
Die glauben machte, dass aufs Schwere
Verstand lädiert, geschädigt sei.
Ob dessen ist es Narretei,
Wenn wir mit unsrem Hirn darauf sännen,
Den HErrn der Schöpfung zu erkennen.
Allein die Bibel hier belehrt:
Sie Jenseitsdinge nur erklärt.

 Katholische Theologie
Zu meinen Tagen kam ja nie
Zu solch extremen, falschen Lehren,
Weil man zu Rom liess nicht gewähren
Die Professoren völlig frei.
Man musste jeweils bringen bei
Für jederart Literatur
Erlaubnis erst von der Zensur.
Verweigert hat man diese allen,
Die spinnerten Ideen verfallen,
Beziehungsweise welche schritten
Auf Wegen, die nicht unumstritten.
So war die Theorie von Kant
Zu Rom als irrig leicht erkannt.

 Bei uns in Deutschland konnte jeder
In Büchern oder vom Katheder
Verrückteste Ideologie
Benennen als Theologie.

So überwog bald nur noch Irrung,
Erzeugend überall Verwirrung,
Der ich, Liebmunde, – denkt daran! –
Entgegentrat stets mit Elan.
Ich könnte zwanzig Namen sagen,
Von Männern, die zu meinen Tagen
Vom Lehrstuhl aus als Theologen –
Vom Zeitgeist gänzlich aufgesogen –
Frech sprachen aus, dass zweifelsfrei
Die Bibel Menschenwerk bloss sei.

Dies ist der Grund, warum ich sah
Als besten Weg für Solyma20
Die Lehraufsicht, wie Rom sie hat
Und findet dort noch heute statt.

Es war der Irrtum, der gedieh
Im Schosse der Theologie:
Die völlige Beliebigkeit,
Erzeugend Trübnis, Dunkelheit,
Was auch den Blick verstellte mir
Auf das, was brachte zu Papier
Der überall gelobte Kant:
Kritik an ihm hielt ich verrannt.

 Hinzu trat, dass ich mich verliess
Zu sehr auf das, was mir bewies
Freund Mieg21, der ja in Theorie
Nebst Praxis der Theologie
Ein Fachmann war, auf den ich baute,
In solchen Fragen fest vertraute.

Jung-Stilling war eigentlich nie dem Agnostizismus zugetan

Des langen Redens kurzer Sinn:
Ich schaute viel zu wenig hin
Auf das, was folgte zwingend nach,
Wenn man mit GOtterkennen brach.

Doch habe ich in keiner Schrift
Auch nur ein Quentchen von dem Gift
Des Kritizismus vorgetragen:
Das darf mit Nachdruck ich doch sagen!

Im Gegenteil: ich war bekannt
Als einer, welcher unverwandt
Aus SEiner Schöpfung unsren HErrn
Bezeugte klar und tat dies gern;
So wie auch GOttes Führung ich
Für jeden Menschen sonderlich
Verteidigte zu einer Zeit,
Da überall sich machte breit
Bedrückend der Determinismus
Nebst desperater Pantheismus,
Die Hoffnung schlugen mausetot
Und Steine reichten dar statt Brot
Den Christen selbst; denn es gedieh
Im Innern der Theologie
Der Irrtum überall, ringsum,
Verschattend Evangelium.

Vorwürfe gegen Jung-Stilling sind unberechtigt

Um es noch deutlicher zu sagen:
Gerade mich heut anzuklagen
Ob einer Anmerkung, die sich
Hinein in meine Chronik schlich,
Empfinde ich nicht grad als fair –
Um nicht zu sagen hierzu mehr.
Habt ihr, Liebmunde, nichts zu fragen,
Denn indirekt mich anzuklagen?\“

Jung-Stilling war stets Verteidiger des Evangeliums

\“Herr Hofrat Jung! Um Himmels Willen!
Ich wollt‘ nur meine Neugier stillen,
Doch keinesfalls sie meuchlings stupfen,
Erst recht nicht irgendwie verschnupfen!

Natürlich weiss ich sehr genau
Um ihre klare Jenseitsschau:
Wie sie mit Nachdruck, konsequent
In einer Zeit arg turbulent
Verteidigten mit Schneid, mit Mumm
Das wahre Evangelium,
Selbst wider grosse Theologen,
Die dreist es sich zurechtgebogen.

Just weil mir solches gut bekannt,
Frug ich zu ihrem Lob auf Kant.
Nun weiss ich dafür die Erklärung:
Ich danke sehr für die Belehrung!\“

Jung-Stilling verabschiedet sich

\“Liebmunde, bitte seid nicht böse,
Wenn gleich ich mich von hinnen löse.
Man eben trat an mich heran,
Ob ich nicht eilends helfen kann
Bei einer Operation,
Die hat bereits begonnen schon.
Ich will dahin in Geistgestalt
Und helfen aus dem Hinterhalt
Den Ärzten bestens, dass hier nicht
Der Mann verliert sein Augenlicht.

Gehabt euch wohl! Seid stetsfort allen
Mit Fleiss zu Nutz und zu Gefallen.
Dankt GOtt für jeden neuen Tag:
Bedenkt den letzten Stundenschlag!
Grüsst jene sonders, die Geld stiften,
Dass neu man druckt jetzt meine Schriften
Und diese heut in Umlauf sind:
Ich bleibe denen wohl gesinnt.

Dies sonders für Freund Hortmann gilt,
Der durch die Jahre Musterbild
Wenn galt es, etwas Geld zu stiften,
Dass druckt man neu heut Stillings-Schriften.
Es sei ihm dieses nie vergessen!
Im Himmel wird man angemessen
Vergelten seinen Edelmut:
Man schrieb ihm jeden Pfennig gut!

Jung-Stilling entweicht allmählich

Da Stilling diese Worte spricht,
Entzieht er langsam sich der Sicht.
Er wirkt auf einmal bleich-verschwommen:
Konturen scheinen weggenommen;
Obzwar ich noch erkennen kann,
Wie er mich milde lächelt an.

Der Schwund an Umriss wird nun krasser,
Dazu auch Stilling immer blasser,
Was nächsthin dann zur Folge hat,
Dass nur ein Schatten schummrig-matt
Erkennbar ist, wo Stilling eben
Ins Geisterreich ist am Entschweben.
Zuletzt zeigt kurz sich noch ein Strahl:
Erst farbig, darauf milchig-fahl.

Engel Siona sagt die übliche Bemäkelung und untunliches Lästergespei voraus

Da plötzlich einen Zug ich spüre;
Es öffnet jemand sacht die Türe.
In hellem Lichtkranz steht jetzt da
Sanft blickend Engel Siona.3

\“Liebmunde\“, nahm er gleich das Wort,
\“Herr Hofrat Jung musst eben fort.
Doch was er sprach an dieser Stätte,
Hab hier für euch ich auf Diskette.
Nehmt diese, druckt daheim sie aus:
Es werden schöne Jamben draus.
Schaut zu, dass Stillings Botschaft prompt
Auch allerorts in Umlauf kommt.

Ich bitte, dass man glänzen lässt
Hans Jürgen Hortmanns Wiegenfest
An Thomas, des Apostels, Tage
In des Jahrtausends letztem Schlage
Durch diesen Text, der Stillings Lehre
Vom GOtt-Erkennen deutlich kläre.

Von manchem, dem dies nicht behagt,
Gewiss wird bissig-bös gesagt:
Was bringt Liebmunde Kirchentreu,
Ist abergläubisches Gebräu:
Entstellung, Fälschung, Kniffelei,
Betörung, Wahnbild, Gaukelei;
Chimäre, Blödsinn, Unfug, Possen,
Aus einem wirren Hirn entflossen:

Groteske Phantasmagorie,
Entheiligte Theologie;
Ein Zeugnis von Besessenheit,
Verhexung und Verlogenheit:
Empörende Provokation,
Der Hölle Manifestation!

Für unsre Zeit ist diese Tante
Ein Fluch, ein Unglück, eine Schande –
Nebst dem, was spricht man ähnlich aus,
Ja: bringt auch noch im Druck heraus,
Beziehungsweise schickt die Hetze
Gar weltweit durch die Datennetze,
So dass es allerorten man
Auf seinen Bildschirm holen kann.
Dies soll, Liebmunde, euch nicht stören:
Lasst sie doch schimpfen, lästern, lören!

Murrköpfe und Kritiker mögen sich anderen Erscheinungen zuwenden

Statt euch so giftig zu begeifern,
Die Nörgler mögen sich ereifern
Doch über jene Unzahl Schriften,
Die Hass, Entzweiung, Abgunst stiften;
Auch Unflat bringen, Schmutzerei,
Bordellgeschichten, Schweinerei,
Die Laster rühmen, Orgien, Zoten,
Gemeinheit, von Natur verboten;
Die Spielsucht schüren: Würfeln, Toto,
Roulette, Gejasse, Wetten, Lotto;

Die fördern pure Eitelkeit:
Bombast und Selbst-Gefälligkeit;
Die Schwindel dingen nebst Magie:
Geheimkunst und Astrologie;
Die rufen auf zur Schmauserei,
Gefrässigkeit und Völlerei;
Die Kränkung schütten, blanken Hohn
Auf Christentum und Religion.

Liebmunde: ich kann noch zu Hauf
Leicht zählen andre Schriften auf,
Durch die geschieht den Leuten Schaden:
Die Menschen so mit Gift umschwaden,
Dass ganz ihr Ziel und Endgeschick
Verliert sich ihnen aus dem Blick.
Es gibt fürwahr doch heut genug,
Darob man zürnen mag mit Fug,
Und wert für Kritiker drum wäre,
Dass dorthin ihr Bedacht sich kehre!

Statt dessen bringt sie nun in Wut,
Was ihr in Himmelsauftrag tut:
Die Botschaft Stillings auszusenden,
Dass viele daraus Tröstung fänden.
Bedauert diese armen Flachen,
Die euch, Liebmunde, Ärger machen!

Sie werden erst im Jenseits spüren,
Was euch jetzt nieden kann schon rühren.
Was diese Seichten gar nicht kennen,
Das müssen sie halt ‚Trugwerk‘ nennen.

Ihr wisst, dass einst auch Hofrat Jung
Verfolgte man mit Lästerung;22
Selbst reformierte Prädikanten
Ihn ‚Irrgeist‘ und ‚Verrückten‘ nannten.
Ja, Johann Peter Hebel gar –
Von GOtt begnadet reich fürwahr! –
Misstraute letztlich Stilling tief:
Für ihn lag er in vielem schief.23

Denkt stets, Liebmunde, ans Gebet,
Weil sonst euch Gnadengunst entgeht,
Die GOtt euch gütig zugewiesen,
Dass fröhlich ihr sie mögt geniessen.

Herr Hofrat Jung hob dies hervor,24
Und jeden Christen ernst beschwor,
Im Beten nie zu werden träge:
Ach, dass dies man doch mehr erwäge!

Grüsst alle, Stilling zugetan,
Und heute auf der Erdenbahn
Insonders herzlich auch von mir:
Mein Schutz gilt ihnen schon dahier!\“

Auch Engel Siona entfliesst unversehens nach und nach

In Vollgestalt steht Siona
Bei diesen Sätzen vor mir da.
Doch wie sich Stilling löste auf,
Entzieht sich nun dem Erdenlauf
Sein Engel: er beginnt zu flimmern,
Um dann allmählich zu verschimmern.

Die Stelle, wo er stand vorher,
Zeigt bald sich kahl, blank, frei und leer.
Zuvor fiel flackernd mehrmals ein
An diesen Platz noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er silbern reflektiert
Auf Wiesen, die der Schnee noch ziert.

Mit einem Mal der Raum versank
Jetzt wieder in Tabak-Gestank.
Auch alle Leute, die vorhin
Befanden sich im Raume drin,
Seh sitzen ich auf ihren Plätzen
Und wie zuvor mit andren schwätzen.

Besuchsvorhaben wird ausgeführt

Ich schreite eilends auf den Flur
Und schau als Erstes auf die Uhr:
Die Zeit ward von mir unterschätzt:
Es war zwei Stunden später jetzt!

Ich nahm den Obstsaft nebst dem Buch
Und ging zur Freundin zu Besuch.
Sie meinte, ich sei aufgeregt,
Von Unrast, Sorge wohl bewegt.

Mit Grund verschwieg ich, dass gerade
Jung-Stilling mir sich sichtbar nahte:
Dies hält fast jedermann für Flaus.
Gefahr besteht, im Tollenhaus
In absehbarer Zeit zu landen,
Allwo schon einige verschwanden,
Die sagten, dass mit Geistern sie
Verbindung hatten leiblich hie.

Ja, sonders heute Theologen
Meist fühlen sich von Amts bewogen,
Zur Gänze, völlig auszuschliessen,
Dass Geister sich hier sehen liessen.
Das gab es schon zu Stillings Zeit;

Doch machte jetzig sich erst breit
Die Lehre, dass Theologie
Sei Form der Anthropologie:
Dass kündigt man zu diesem Ende
Für GOttgelehrsamkeit die \“Wende\“.25

Am Abend dann zuhaus allein,
Schob gleich ich die Diskette ein
Und druckte diesen Text hier aus,
Den ich erhielt im Krankenhaus.
Die Niederschrift entspricht aufs Wort,
Was Stilling kündigte mir dort.

Geldspenden sind herzlich willkommen und beinebst auch bestens angelegt

Ach ja! So ist es auf der Welt:
Zu allem Guten braucht man Geld.

Wem daher ist daran gelegen,
Gedanken Stillings treu zu hegen,
Der führe doch, wenn er zu Haus,
Flugs eine Überweisung aus
Aufs Konto, das – wer es nicht kennt –
Ganz vorne das Impressum nennt.

Natürlich dient dem gleichen Zweck
Genauso ein Verrechnungsscheck
Auf die Adresse ausgestellt,
Die auch das Copyright enthält,
Und die man aufgeschrieben hat
Ganz unten auf dem Titelblatt.

Bei \“Zweck der Zahlung\“ man bekunde:
\“Auf Wunsch und Bitte von Liebmunde\“.
Dann weiss der Kassenwart Bescheid:
Man schätzt Liebmunde weit und breit.

Gewiss bringt so gewährtes Geld
Erträgnis reich in jener Welt,
In die wir alle treten ein,
Sobald uns deckt der Totenschrein.

Die Kaufkraft jeder Geldeinheit
Gespendet jetzt zu dieser Zeit
Im Jenseits zehnmal höher ist,
Als hier sie heute sich bemisst.

Dazu ein Faktor tritt für jeden,
Der fördert Stillings Wort und Reden
In Willigkeit und Biedersinn,
Der steigert nochmals fürderhin
Die Kaufkraft stark des Geldes dort,
Wo setzt sich unser Leben fort.

Der Faktor sich errechnen lässt,
Legt Null in Fakultät man fest
Und diesen Wert multipliziert
Mit Eins durch Null, doch im Geviert,
Addiert um Sinus im Quadrat,
Versetzt jeweils um hundert Grad
(In neuer Rechnung allemal:
Sie misst den Kreis zentesimal).26

Erläuterungen, Anmerkungen und Hinweise

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register.

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein. Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den rund 24 Kilometer langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zentrum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet. – Die Littfe ihrerseits wird im Ortsgebiet von Littfeld von Osten durch den Heimkäuser Bach (offizieller Name im Gewässerverzeichnis des Landes NRW: Die Heimkaus, 4,7 Kilometer lang) und von Westen durch den Limbach (2,1 Kilometer lang) gespeist.

Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort \“Let\“ für \“Lehm\“. Die in vielen Gewässernamen der Gegend vorzufindende Endsilbe \“-phe\“ ist die sprachlich abgeschliffene Form von \“apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser herausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 3) geboren, herangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Geheimer Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneikunde (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. Dieser wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987), S. 220 ff. – Dieses Werk von Jung-Stilling wurde seit seinem Erstdruck in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch ins Englische, Schwedische, Französische und Niederländische übersetzt; siehe die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

Vgl. zu diesem Themenkreis auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2). sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995.

Siehe die entsprechenden Erlebnis-Berichte (soweit diese im Druck erschienen bzw. veröffentlicht sind) bei –  Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, S. 12 (zu Siegen, wo Jung-Stilling als junger Mann bei dortigen Unterbehörden mehrfach zu tun hatte), S. 18 (zu Frankfurt am Main, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten öfters weilte und dort Augenkranke operierte), S. 34 (zu Marburg an der Lahn, wo Jung-Stilling von 1787 bis 1803 als Lehrer für Ökonomik wirkte, daneben aber auch ophthalmologische Lehrveranstaltungen an der medizinischen Fakultät abhielt), S. 41 (zu Hilchenbach-Müsen im Kreis Siegen-Wittgenstein; Jung-Stilling besuchte in Hilchenbach die Lateinschule), S. 48 (im Zentrum der Stadt Siegen), S. 88 (zu Rom in recht verzweifelter und äusserst beschämender Lage).

Weitere Nachrichten finden sich bei –  Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 9 (zu Wuppertal, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten sieben Jahre als Arzt, Geburtshelfer und Augenarzt praktizierte), S. 16 (zu Heidelberg, allwo Jung-Stilling von 1784 bis 1787 als Professor an der Universität lehrte, und wo er später noch einmal von 1803 bis 1806 wohnte), S. 22 (zu Braunschweig, wo Jung-Stilling zu seiner Zeit hienieden 1801 weilte und mehrere Augen-Operationen vornahm), S. 31 (zu Lausanne am Genfer See), S. 40 (zu Salzburg), S. 50 (zu Lahr), S. 56 (zu Burgdorf im Kanton Bern, wo Jung-Stilling auf drei Reisen Starblinde operierte), S. 79 (zu Mannheim, wo Jung-Stilling zu seiner irdischen Zeit den regierenden Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern, den Statthalter der Kurpfalz Franz Albert von Oberndorff und einige einflussreiche Hofbeamte persönlich kannte, und wo er Mitglied der [literarischen] \“Teutschen Gesellschaft\“ war), S. 90 (im Herzen von Wien), S. 101 (zu Stuttgart, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1801 und 1802 Augenkranke operierte und zahlreiche Freunde hatte), S. 113 (zu Hamburg), S. 125 (im Alten Botanischen Garten zu München) sowie bei –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner Verlag) 1989, S. 41 (auf einem Wanderweg im Siegerland), S. 188 (zu Neunkirchen/Siegerland).

Erscheinungs-Berichte sind fernerhin aufgezeichnet bei –  Christlieb Himmelfroh: Jung-Stilling belehrt. Kirchhundem (AK-Verlag) 1991, S 11 (zu Siegen), S. 75 (zu Kreuztal-Krombach am Grabe von Jung-Stillings Patenonkel, dem fürstlich-oranischen Oberbergmeister Johann Heinrich Jung [1711–1786], der prägend auf ihn einwirkte), S. 100 (an einem Autobahn-Rastplatz), S. 117 (zu Berlin), S. 134 (zu Essen), S. 146 (zu Wien) und S. 158 (zu Marburg an der Lahn) sowie bei –  Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2), S. 7 (im Hochgebirge), S. 47 (zu Leipzig, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1803 und 1804 auf Operationsreisen weilte), S. 91 (im Schnellzug).

Weitere veröffentlichte Niederschriften von neueren Gesprächen mit Jung-Stilling kann man unter anderem lesen bei –  Gotthold Untermschloß: Von Leistung, Mühe und Entgelt in dieser unsrer Arbeitswelt. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993, bei –  Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994, bei – Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtodliche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Erscheinung im Zug von Basel nach Frankfurt am Main).

Schliesslich sei hingewiesen auf –  Treugott Stillingsfreund: Zur Verschuldung der Entwicklungsländer. Ein Gespräch zwischen Johann Heinrich Jung-Stilling und Treugott Stillingsfreund vom Frühjahr 1987, 2. Aufl. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Begegnung im Zug von Köln nach Trier; Broschüre, nicht im Buchhandel; als Download-File unter der Adresse abrufbar), –  Freimund Biederwacker: Springflut der Lügengeister? Illic (Siona-Verlag 1991 (an der Autobahn nahe Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel) –  Treugott Stillingsfreund: Teuflisches Wirken heute. Zur Definition der Ungüter. Zwei nachtodliche Gespräche mit Hofrat Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Zusammentreffen in Olpe/Biggesee und in der Altstadt von Bern; Broschüre, nicht im Buchhandel) sowie –  Frommherz Siegmann: Von der Liebe der Stadt Siegen zu Jung-Stilling. Illic (Siona-Verlag) o. J. [1991] (nächst der Kirche Sankt Nikolai in Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel).

Neuerdings erschien aus der Feder von –  Freimund Biederwacker: Vom folgenschweren Autowahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. Dieses Protokoll (sowie einige weitere Erscheinungs-Berichte) sind auch als Download-Files abrufbar unter der Adresse

2 Es wird sich wohl handeln um Otto W. Hahn: Johann Heinrich Jung-Stilling. Wuppertal und Zürich (R. Brockhaus) 1990 (Brockhaus Taschenbuch Bd. 1108) oder um Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. — Während die Biographie von Otto W. Hahn den Schwerpunkt auf die innere Reifung Jung-Stillings legt, geht Gerhard Merk mehr auf die Stationen seines äusseren Lebensweges ein.

Neben diesen gleichermassen empfehlenswerten Büchern sei hingewiesen auf das Standardwerk schlechthin, nämlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. — Sämtliche anderen Editionen der \“Lebensgeschichte\“ sind dieser Ausgabe (reich versehen mit in jeder Hinsicht sach=kundigen Anmerkungen und Beigaben, mit wichtigen Literaturhinweisen sowie mit verlässlichem Register) unterlegen.

3 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“). In fast allen der in Anm. 1 aufgezählten Erscheinungs-Berichten hat sich Engel Siona dem in die Welt wiedereingetretenen Jung-Stilling als Begleiter beigesellt.

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223) bzw. –  \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen –  als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und

 Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufname Selma seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301) mit ausführlichem Literaturverzeichnis (S. 113 ff) sowie Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 und im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

4 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner und Förderer von Jung-Stilling und später dann –  Verehrer oder –  zumindest dem Autor gegenüber wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen beiden Bedeutungen von ihm selbst eingeführt, und schliesst in jedem Falle auch die weibliche Form ein. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 3) S. 213, S. 441, S. 513, S. 566.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch (und zwar bis heute!) \“Stillings-Feinde\“; siehe ebendort, S. 316. – Stillings-Freunde leben und lebten nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern in aller Welt; siehe beispielsweise für Holland Maarten van Rhijn: Jung Stilling en Nederland, in: Nederlands Archief voor Kerkgeschiedenis, Bd. 45 (1963), S. 228 ff.

5 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 427.

Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten bereits 1772 seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und ihm diese im Frühjahr 1772 bei Hofe zu Mannheim persönlich überreicht. Die Dissertation trägt die Aufschrift \“SPECIMEN DE HISTORIA MARTIS NASSOVICO-SIEGENENSIS\“; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen. – Mars = hier: FERRUM, QUIA ROMANIS OLIM FERREUS MARS FUIT; siehe zur älteren Metall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen geordnet Anton Lütgens: METALLORUM NATURAM ET DIFFERENTIAS EXPLICANS DISSERTATIO PHYSICA. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt besonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Brücken sowie an den zu jener Zeit auch innerlands weit verbreiteten Schlagbäumen vor den Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= Fahrt-Rinne für die Schiffart) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (später traten noch verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der [seit 1720] neuen Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch zum \“badischen\“ Hofrat.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (Anm. 10).

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

Jung-Stilling stand nach seinem, aus eigener Initiative gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen Karl Friedrich von Baden und Jung-Stilling auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

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Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Heiliger. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes am 1. Juli 1811 der hochgelehrte katholische Stadtpfarrer und (seit 1805) Grossherzoglich Badische Geistliche Rat Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande einer Predigt die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft beiläufig ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser kurz die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser) sowie Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck), Bartolomé Xiberta: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adamo\“, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3. Berlin (Duncker & Humblot) 1967, S. 605 sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama\“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge näherhin (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811. Holdermann (1772–1843) war katholischer Pfarrer zunächst in Heidelberg und bis 1829 in Rastatt.

Als elektronische Ressource im Rahmen der \“Freiburger historischen Bestände–digitalisiert\“ ist einsehbar –  die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisungen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Professor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Gleichsam als Übermenschen sehen den Verstorbenen –  Aloys Wilhelm Schreiber: Lebensbeschreibung Karl Friedrichs Großherzog von Baden, 1728–1811. Heidelberg (Engelmann) 1811 (Schreiber [1761–1841]) war seit 1805 Professor für Ästhetik in Heidelberg und ab 1813 bis zu seiner Pensionierung Hofgeschichtsschreiber in Karlsruhe)

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); –  Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentariums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie –  Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg.

Überspannt auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Geradezu als Halbgott stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] gilt als der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Weithin unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. — Ebenso blendet Gerald Maria Landgraf (Moderate et prudenter, Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden [1728-1811] Dissertation Universität Regensburg 2008, im Internet abrufbar) das persönliche Leid vieler Menschen durch der Religionspolitik des Fürsten völlig aus.

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Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona.

Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und weniger als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“.

6 Nachdem heute allenthalben nicht mehr GOtt, sondern die Gesundheit als das höchste Gut (SUMMUM BONUM) gilt, hat man die Raucher-Räume in (fast) allen Krankenhäusern geschlossen; wie ja auch in allen öffentlichen Gebäuden Deutschlands das Tabakrauchen verboten wurde.

\“Raucher gelten künftig als öffentliche Feinde des höchsten Gesundheitswesens; sie gehören bestraft und an den Pranger gestellt, während bekennende Nichtraucher als Freunde des biologisch gesunden Gemeinwesens öffentlich belobigt werden. Die radikal manichäische Unterscheidung der Guten von den Bösen läuft darauf hinaus, Homogenität machtvoll zu erzwingen. Ein Beispiel dafür, wie der laizistisch sich entwickelnde Staat sich eine Zivilreligion schafft, in der Gesundheitsgesinnung und Gesetz, Moral und Recht eine neue Einheit bilden – mit totalitärem Einschlag. … Jedenfalls sind die Dogmatiker der Moralpolitik und die Aufpasser des autoritären Schnüffelstaates nicht im Vatikan zu suchen\“, meint Wolfgang Ockenfels: Der Gouvernantenstaat, in: Die Neue Ordnung, Bd. 61 (2007), S. 82 f.

7 Jung-Stilling lernte bei seinem Vater das Schneiderhandwerk und die Knopfmacherei. Bis in sein 23. Altersjahr war er als Schneider tätig. Er legte auf geschmackvolle Kleidung zeitlebens wert und hatte auch einen ausserordentlich guten Blick für die Garderobe anderer, wie aus seinen Erzählungen und Romanen hervorgeht. Kleidung und Charakter seiner Romanfiguren stehen immer in engem Zusammenhang. – Siehe hierzu im einzelnen Hans Grellmann: Die Technik der empfindsamen Erziehungsromane Jung-Stillings. Ein Beitrag zur Empfindsamkeit der Aufklärung. Neu hrsg. von Erich Mertens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1993.

8 Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen, siehe Offb 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Näheres zum Eintritt Jung-Stillings in die Seligkeit siehe bei (Helene Schlatter-Bernet?): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820.

Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu (Christian Gottlob Barth): Stillings Siegesfeier. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817 sowie nachgedruckt in: Johann Heinrich Jung’s, genannt Stilling, sämmtliche Werke. Neue vollständige Ausgabe. Erster Band. Stuttgart (Scheible, Rieger & Sattler) 1843, S. 853 ff. — Siehe auch Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 316 (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32).

9 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 449 ff. – Jung-Stilling meint in Bezug auf die \“Kritik der reinen Vernunft\“ von Immanuel Kant gar: \“… dies Buch ist und bleibt die einzig mögliche Philosophie, dies Wort im gewöhnlichen Verstande genommen\“ (S. 451).

10 In seinem Buch: \“Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis\“ (Nürnberg, Raw’sche Buchhandlung 1799; später in Band 3 der Sämmtlichen Werke [Stuttgart, J. Scheible’s Buchhandlung 1841] mit einigen orthographischen Änderungen auf S. 5–494 neu abgedruckt) sah Jung-Stilling im Papsttum bzw. in den römisch-katholischen Amtsträgern das apokalyptische Ungeheuer aus dem Meere. Seine bezüglichen Ausführungen suchen bloss nach dem Schlechten in der Katholischen Kirche; alles Gute wird von ihm in jeder Beziehung und gänzlich unterschlagen, die Darlegungen strotzen vor Fehlurteilen und Einseitigkeiten; siehe bezeichnende Zitate bei Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 118 ff.

In dem im Jahr 1805 im gleichen Verlag erschienenen Buch \“Erster Nachtrag zur Siegsgeschichte der christlichen Religion\“ (ab S. 496 in Band 3 der \“Sämmtlichen Schriften\“ nachgedruckt) verbohrte sich Jung-Stilling weiter in die Auffassung, der Papst sei das Abgrundtier, wiewohl sie von der protestantischen Theologie seiner Zeit als verkehrt und abwegig zurückgewiesen wurde. – \“Es war eine Beschränktheit aus der Rohigkeit einer nur religiös hochgebildeten Zeit, wie aus dem gegenseitigen Fanatismus des Streits zu erklären, daß unsre orthodoxen Vorfahren allen ernstes den Papst für den Antichrist oder Endchrist hielten, der sich im Tempel Gottes anbeten lasse, wie daß er in den Bekenntnißschriften des Lutherthums gelegentlich tituliert wird\“, stellt Karl von Hase: Handbuch der Protestantischen Polemik gegen die Römisch-Katholische Kirche, 5. Aufl. Leipzig (Breitkopf und Härtel) 1890, S. 182 wohl zurecht fest.

Siehe hierzu auch Treugott Stillingsfreund. Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, S. 88 ff. (nachtodliche Erscheinung von Jung-Stilling in Rom); dieser Text auch erweitert und ergänzt in der Datei \“gewissenspein_rom.pdf\“ bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

11 Siehe Röm 1, 19 ff. (Vers 20: \“Denn das Unsichtbare an Gott ist seit der Erschaffung der Welt in den erschaffenen Dingen erkennbar und wird daraus sichtbar\“). Also ist die Schöpfung, ihre Grösse und Schönheit das Mittel, durch das unsere Vernunft auf dem Wege der Schlussfolgerung das Dasein des Schöpfers erfasst.

12 Weish 13, 1 nennt die Menschen, die GOtt nicht zu erkennen wähnen, während sie doch alles Irdische schlussfolgernd beurteilen (Vers 9) lügenhaft; denn GOtt ist leichter erkennbar als viele Dinge dieser Welt. Daher liegt böser Wille zugrunde, wenn der Schluss von der Schöpfung auf GOtt den Schöpfer zurückgewiesen wird (Vers 8). Diese Menschen sind unentschuldbar (Röm 1, 20).

13 \“Die Philosophie war eigentlich von jeher diejenige Wissenschaft gewesen, wozu sein Geist die mehreste Neigung hatte. Um sich nun noch mehr darinnen zu üben, beschloß er, des Abends von 5 bis 6 Uhr, welche Stunde ihm übrig war, ein öffentliches Collegium in seinem Zimmer darüber zu lesen. … Er bekam Zuhörer die Menge, und durch diese Gelegenheit viele Bekannte und Freunde\“ schreibt Jung-Stilling in seiner Lebensgeschichte (siehe Anm. 2), S. 270.

Tatsächlich jedoch war Jung-Stilling laut Ausweis seiner Schriften gerade im Fache Philosophie minder bedarft, und es fehlte ihm hier der Scharfblick. Er schwankt zwischen verschiedenen Systemen. Als Staatstheoretiker steht er auf dem Boden des Naturrechts. Normen (hier gemeint als für das Handeln verbindliche Richtlinien) sind nach ihm durchaus aus dem Sein ableitbar. Aus dem, was etwas ist oder wie es ist, erschliesst er sich der Vernunft auch als Wert, nämlich wie es sein soll bzw. wie es nicht sein darf. – Siehe hierzu auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Sachgerechtes Wirtschaften. Sechs Vorlesungen, neu hrsg. von Gerhard Merk. Berlin (Duncker & Humblot) 1988, S. 95 (Goldene Regel), S. 114 (Jung-Stilling schätzt Christian Garve (1742-1798) als \“Weisen des Jahrhunderts\“ ein. – Vgl. weiter Gerhard Merk: Das ideale politische System nach Jung-Stilling, in: Gertraud Putz et al. (Hrsg.): Politik und christliche Verantwortung. Festschrift für Franz-Martin Schmölz. Innsbruck, Wien (Tyrolia) 1992, S. 117 ff. (Veröffentlichungen des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg, N.F, Bd. 53).

In einem Brief aus dem Jahre 1791 schreibt Jung-Stilling: \“Ich erinnere mich noch gar wohl, was Sie mir gegen und für Kant gesagt haben. Ihn selbst richte und berutheile ich nicht, das mag der thun, der Herzen und Nieren prüft. Gnug mir hat er ein Licht angezündet, das Beruhigung in meine Seele stalt; mehr Philosophie brauche ich, außer der, die ich schon habe, nicht. Zu meinem beruf bedarf ich nur den Grundsatz des allgemeinen Besten, auf diesen muß ich alles reduziren, so irre ich nicht\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe [Anm. 5], S. 147). Sechs Jahre später schreibt Jung-Stilling: \“Was Sie von Kant sagen, das ist gewis wahr; er stürzte den Determinismus und setzte der speculativen Vernunft Gränzen; aber jetzt wird nun wieder alles dadurch verdorben, daß er nun die practische Vernunft auf eben den Thron sezt, den Christus allein einnehmen sollte, und so ist dann doch nichts gewonnen\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe [Anm. 5], S. 208). Auch andere Äusserungen von Jung-Stilling lassen erkennen, dass er zur Philosophie von Kant auf Abstand ging.

14 Der erkenntnistheoretische Idealismus von Kant schliesst eine völlige Umdeutung des Seins überhaupt in sich. Nach ihm bedeutet menschliche Erkenntnis nicht ein Sichangleichen an das Seiende als den vorgegebenen Gegenstand, sondern ein Hervorbringen des Gegenstandes.

Weil das Denken allein jedoch keine Dinge an sich setzen kann, erscheint das wahre Sein, das Gegenstand der Erkenntnis ist, als blosser Denkinhalt, als rein ideales Sein. Wenn bei Kant daneben in gewissen, nicht ganz geradlinig durchgeführten Formen noch eine vom Denken unabhängige Wirklichkeit angenommen wird, so ist diese schlechthin (oder wenigstens für uns) irrational.

Nun kann aber ein derartiger Idealismus die von aller zufälligen Erfahrung des Einzelnen unabhängige Allgemeingültigkeit der Wissenschaft nicht erklären. Darum nimmt Kant an, dass nicht das einzelne Subjekt, sondern ein \“transzendentales Subjekt\“ den Gegenstand bestimmt. Kant meint damit ein Subjekt, dessen allgemeine Anschauungs- und Denkformen für alle gleich uns denkenden Wesen unbedingt geltendes Gesetz sind.

Dieses \“transzendentale Subjekt\“, dessen Eigenart bei Kant (wie vieles andere auch!) im Unklaren bleibt, fand in der Folgezeit verschiedene Ausdeutungen. Eine davon ist die Lehre, dass das \“transzendentale Subjekt\“ als ein absolutes, göttliches Bewusstsein gedacht werden müsse. So ergibt sich der \“metaphysische Idealismus\“, der den Pantheismus einschliesst, wie ihn Friedrich Schleiermacher vertritt und Johann Wolfgang Goethe annahm. – Siehe aus der Fülle der bezüglichen Literatur Heinz Jansohn: Kants Lehre von der Subjektivität. Eine systematische Analyse des Verhältnisses von transzendentaler und empirischer Subjektivität in seiner theoretischen Philosophie. Bonn (Bouvier) 1969 (Mainzer philosophische Forschungen, Bd. 12).

15 Der Rechtspositivismus hält jede Norm für Recht, die auf verfassungsmässigem Wege gesetzt und in rechtmässiger Weise verkündet ist. Es wird die Möglichkeit verneint, inhaltliche Normen der Sittlichkeit und Gerechtigkeit mit dem Anspruch auf objektive Geltung zu erkennen. Mithin gibt es auch kein Kriterium, anhand dessen ein Gesetz als ungerecht oder naturrechtswidrig (= die Ordnung, die GOtt in die Schöpfung hineingelegt hat) angesehen werden könnte. \“Faktizität schafft Recht\“.

Auch die Grundrechte sind letztlich nicht unantastbar. Denn sie werden ja nicht von GOtt jedem Menschen durch Geburt geschenkt, sondern vom Staat in der Verfassung jeweils definiert; und der Staat ist in der Lehre des Rechtspositivismus nichts anderes als die Mehrheit von Individuen mit gleicher Wertvorstellung. Vorstaatliche Werte gibt es also nicht; die Normen werden allein dem soziologischen Ist-Zustand entnommen und sind damit wandelbar. – Siehe zu diesen Fragen klar abgrenzend und unterscheidend Rudolf Henning: Der Maßstab des Rechts im Rechtsdenken der Gegenwart. Münster (Aschendorff) 1961 (dort S. 228 ff. ausführliches Literatur-Verzeichnis).

16 Kant schrieb an Jung-Stilling: \“Auch darinnen thun Sie wohl, daß Sie Ihre einzige Beruhigung im Evangelio suchen, denn es ist die unversiegbare Quelle aller Wahrheiten, die, wenn die Vernunft ihr ganzes Feld ausgemessen hat, nirgends anders zu finden ist\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 450 sowie die bezügliche Korrespondenz zwischen Jung-Stilling und Kant bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe (Anm. 5), S. 139 f.

17 Siehe Alexander Vömel (Hrsg.): Briefe Jung=Stillings an seine Freunde. Berlin (Wiegandt & Grieben) 1905, S. 8 ff. zu dieser Kontroverse.

18 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 3), S. 118 ff. zu dieser Einschätzung des Papsttums durch Jung-Stilling.

19 Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 449.

20 Solyma (ein Anagramm aus Amylos = das Stärkende) ist in Jung-Stillings Roman \“Das Heimweh\“ das gelobte Land als der Zufluchtsort der Frommen. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Das Heimweh. Vollständige, ungekürzte Ausgabe nach der Erstausgabe von 1794–1796 hrsg., eingel. und mit Anm. versehen von Martina Maria Sam. Dornach (Verlag am Goetheanum) 1994, S. 678 ff. und sehr übersichtlich Otto W. Hahn: Jung-Stillings \“Heimweh\“, in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1991, S. 115 ff. Der Aufsatz ist downloadbar bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>

21 Kirchenrat Johann Friedrich Mieg (1744–1819), lange Jahre Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Heidelberg war mit Jung-Stilling eng befreundet. Das kinderlose Ehepaar Mieg hatte eine Tochter von Jung-Stilling (Lisette aus zweiter Ehe) als Pflegekind aufgenommen. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 778 (Register, Stichwort \“Mieg\“).

Unter dem Namen \“Epictet\“ war Kirchenrat Mieg einer der führenden Köpfe der Illuminaten; siehe Wilhelm Kreutz: Die Illuminaten des Rheinisch-Pfälzischen Raums und anderer außerbayrischer Territorien. Eine \“wiederentdeckte\“ Quelle zur Ausbreitung des radikal aufklärerischen Geheimordens in den Jahren 1781 und 1782, in: Francia – Forschungen zur Westeuropäischen Geschichte, Bd. 18/2 (1991), S. 117, S. 120 f.

Jung-Stilling nennt diese, jeder Offenbarung gegenüber ablehnend eingestellte und damit antichristliche Geheimgesellschaft eine \“menschenfeindliche, verabscheuungswerthe und des strengen göttlichen Gerichts würdige Anstalt\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Wichtige Berichtigung einer Stelle des ersten Aufsatzes im vierten Stück des vierten Bandes der Eudämonia, über die neuren (so) Arbeiten des Illuminatismus im katholischen Deutschland, in: Eudämonia, oder deutsches Volksglück, ein Journal für Freunde von Wahrheit und Recht, Bd. 5 (1797), S. 465 f. – Es ist als wahrscheinlich anzunehmen, dass Jung-Stilling die wahre Geisteshaltung seines Freundes Mieg nicht durchschaute – wie überhaupt bei Jung-Stilling manchmal eine gewisse Naivität in Bezug auf die Einschätzung von Mitmenschen hervorscheint.

22 Siehe hierzu vor allem Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlaßt durch ein über dieselbe abgefaßtes Gutachten des Hochwürdigen geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809 sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Vertheidigung gegen die schweren Beschuldigungen einiger Journalisten. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1807.

In dem Band \“Vom folgeschweren Autowahn\“ von Freimund Biederwacker (siehe Anm. 1, letzter Absatz) sind die Titelblätter mehrerer, gegen Jung-Stilling gerichteter zeitgenössischer Schriften wiedergegeben.

23 Siehe hierzu Gerhard Schwinge: \“… wie aus einer andern Welt…\“. Jung-Stilling und Johann Peter Hebel, in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling (Anm. 18), S. 63 ff. sowie Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung (Anm. 6), S. 362 (Register, Stichwort \“Hebel, Johann Peter\“).

24 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 3), S. 44 (\“Wir können gewiß versichert seyn, daß der Herr jedes gläubige Gebet erhört, wir erlangen immer etwas dadurch, was wir ohne unser Gebet nicht erlangt haben würden, und zwar das, was für uns das beste ist.\“).

25 Jung-Stilling bezieht sich hier auf die \“anthropologische Wende\“ in der neueren Theologie; siehe Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits (Anm. 1), S. 20 f. Im einzelnen heisst es dort:

\“Genau so falsch auch jene liegen,
Die heutigs tollkühn und verstiegen
Behaupten, daß Theologie
Sei Form der Anthropologie
Und läuten ein zu diesem Ende
Für GOttgelehrsamkeit die Wende.
Der Mensch ist eben nicht allein
Von GOtt bestimmt zum MitIHmsein!
Vor Menschen hat die Engel ER
Erwählt, gerufen vor SIch her.\“

Jung-Stilling fährt dann, unter Bezugnahme auf die entsprechende Fachliteratur, und hier insonders auf die Schriften von Karl Rahner, fort:

\“Es sei erlaubt mir, hier zu sagen,
Daß überkommt mich Mißbehagen,
Les ich den Sprachschwulst jener Leute,
Die schreiben von der ‚Wende‘ heute.
Theologie so elitär,
Daß selbsten mir es fällt recht schwer
Auch zu verstehen, was gemeint,
Mitnichten irgend ‚menschlich‘ scheint.\“

26 Jung-Stilling will hier wohl darauf hinweisen, dass die hexagesimale Rechnung der ebenen Winkel durch internationale Abkommen zugunsten der zentesimalen ersetzt wurde. Trotzdem wird hierzulande der rechte Winkel durchweg noch mit 90o (Grad) statt mit 100g (Gon) gerechnet.

Die Grundlage für alle Winkelmasse bildet der Umfang eines um den Schnittpunkt der Winkelhalbgeraden gezogenen Kreises. Dieser wird in 400 gleiche Teile (Zehnersystem: neues Gradmass) oder in 360 Teile (Sechzigersystem: altes Gradmass) gemessen. – Die zentesimale Winkelmessung hat übrigens eine lange Geschichte; siehe das Vorwort bei Otto Sust: Tafeln für die Umwandlung von Winkeln aus alter (sexagesimaler) in neue (zentesimale) Teilung und aus neuer in alte Teilung, 3. Aufl. Stuttgart (Wittwer) 1948.

ORO SUPPLEX ET ACCLINIS, \“Low I kneel with heart-submission,
COR CONTRITUM QUASI CINIS: See, like ashes, my contrition;
GERE CURAM MEI FINIS.\“ Help me in my last condition!\“

 QUIS EST POETA VERSUUM?  Who is the writer of these lines?
(CETERUM: DICITUR, SE TENUISSE BREVITER IN MOGUN- (By the way: it is said that he lived for a short time at
TIACO, AUGUSTA VANGIONUM ET COLONIA AGRIPPINA.) Mayance, Worms, and Cologne)

 QUAE SUNT VERBA STROPHAE PRIMAE?  What are the words of the first verse?

MITTE EXITUM AENIGMATIS AD L. ECCLESIAEFIDA. Send your solution to L. Truetochurch.



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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