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GOttes Boten zu den Menschen

veröffentlicht am

Eine höchlich belangreiche nachtodliche Vernehmlassung aus dem
Munde des hochgelehrten, lebenserfahrenen und unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat;

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher
Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern,

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dort auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenheilkunde und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste zu Kassel, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch seit 1781 bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass vom 22. Juni 1784 aus München der erlauchten der erlauchten
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Nachgehends in Gemässheit des Auftrags mit aller Geflissenheit unter freundlicher Beihilfe des Engels Siona ohne Verweilung behörigermassen niedergeschrieben und andurch gemeinen Nutzens zu Gut dienstfertig ergeben
ins Internet gestellt, dabei alle Leser gÖttlicher Obhut wärmstens empfehlend

von
Achtnicht Ihrenhohn
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung der löblichen
Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland)

mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Besuch eines Freundes im Hospital

Ein Freund lag schwer krank im Spital
Mit Lungen-Krebs zu Wuppertal.
Seit Jahren rauchte er in Ketten
Pro Tag um sechzig Zigaretten.
Er wähnte, dass der Sonne Kraft,
Die Wachstum dem Tabak-Kraut schafft,
Kommt über Rauch in seine Lunge:
Hält seinen Körper so im Schwunge.

Von Benzpyren und andren Stoffen,
Wodurch der Kreislauf wird betroffen,
Wollt er nichts hören: Trug dies sei,
Genussneid bloss, Angstmacherei:
Ein töricht-dümmliches Geschwätze,
Alleinig Journalisten-Hetze:
Verbitterung der Sauertöpfe
Nebst Missgunst trister, fader Tröpfe.

Wer raucht ist nämlich fröhlich-heiter,
Wer nicht raucht meist ein Aussenseiter.
So prägt es auch die Werbung ein:
Ja: soll denn das gelogen sein?

Jetzt lag er da in Atemnot:
Laut röchelnd, sichtbar nah dem Tod.
Sein Körper – früher wohl genährt –
Bot dar sich völlig ausgezehrt.
Nur mühsam konnte er noch sprechen,
Einjeder Satz tat jäh ihn schwächen.

Ich war von dem Besuch beklommen;
Er bat mich, bald erneut zu kommen.
Indes war mir im Grund wohl klar,
Dass dies das letzte Treffen war.

Von Trübsinn ziemlich angetan,
Schritt ich zum Halt der Schwebebahn,1
Die mich zum Bahnhof bringen sollte;
Von dort per Zug nach Haus ich wollte.

Just stand ich vor dem Abfahrts-Plan,
Zu sehn, wann fährt die nächste Bahn,
Als jemand trat von hinten nah;
Mich wendend, Hofrat Jung2 ich sah!

\“Herr Achtnicht\“, sprach er gleich mich an,
\“Kein Arzt hier jetzt noch helfen kann.
Ihr saht den Freund heut im Spital
Auf dieser Welt zum letzten Mal.
Wenn euch auch bald der Tod erscheint,
Seid wieder ihr mit ihm vereint.\“ –

\“Herr Hofrat3 Jung\“, nahm ich das Wort,
\“Sie sind ja längst im Himmel dort
Und weilen trotzdem hier auf Erden:
Wie könnte das gedeutet werden?
Noch eine Frage wollt ich stellen:
Von welcher Art sind denn die Quellen,
Woraus sie in die Zukunft sehen,
Den Freund erblicken auferstehen?\“

Jung-Stilling sah mich freundlich an.
Er lächelte und sagte dann:
\“Zur ersten Frage ich bekunde
Sehr viel in meiner ‚Geister=Kunde‘.4
Auch sind davon an Einsicht reich
Die ‚Szenen aus dem Geisterreich‘.5

Wie kommt ein Mensch zu GOtt?

Zuvörderst, Achtnicht: es ist wahr,
Was lehrt die Bibel klipp und klar:
Allein bloss durch den HErren CHrist
Zu GOtt den Menschen Zugang ist.6
Kein Heilger, Engel oder Geist –
Wie immer er sich nennt und heisst –
Bezahlen kann je eure Schuld,
Vermitteln GOttes Gunst und Huld!7

Drum ist es falsch und abgeschmackt,
Wenn sucht zu Geistern man Kontakt,
Ruft diese um Erlösung an,
Wo JEsus doch nur heilen kann,
Der alle Tage bei uns ist8
Und nie die SEinen je vergisst.9

Vom Menschen hin zu GOttes Thron
Der Weg führt einzig durch den Sohn;10
Genuss des Glückes kann allein
Auf diese Weise möglich sein.

Wie wendet sich GOtt den Menschen zu?

Ganz anders nun die Frage ist:
Wie sendet GOtt an jeden Christ,
Dass dieser nieden Rechtes tu,
Die Gaben SEiner Gnade zu?11

Hier gibt es keine strenge Norm;
Gewiss wirkt GOtt in vieler Form:
Durch Menschen unsrer Lebens-Welt,
Durch Engel, die uns zugesellt,
Jedoch für uns meist unsichtbar,
Wie uns die Schrift legt klärlich dar.12

Dass auch Verstorbne Boten werden,
Vollziehn Befehle hier auf Erden,
Gewiss bleibt eine Seltenheit,
Die GOtt wohl spärlich nur verleiht.13
Dass Menschen, die im Leib noch hier
Dies sehen können, wie jetzt ihr,
Normalem Ablauf ist sonst fern;
Es sichtig ward beim Tod des HErrn.14

Hässige Inzichte wider Stilling

Man hat nun, Achtnicht, mich beschuldigt,
Ich hätte Satans Trug gehuldigt,
Gespenster-Mären rings verbreitet,
Dem Blendwerk dreist den Weg bereitet.15
Ich sei verdeckter Okkultist,16
Der sich entfernt von JEsu CHrist
Wie überhaupt von GOttes Wort
Und DEssen einzig wahrem Hort:
Der reformierten Christenheit,
Die solchen Wahn hat jederzeit
Als bibelwidrig abgetan;
Ich sei ganz klar ein Scharlatan.

Kritik der Art – und gar noch offen! –
Hat äusserst schmerzlich mich getroffen;17
Weit mehr als Schimpf, der unverhehlt
Mich zu den Geisteskranken zählt,
Mir Hoffart vorwirft, Eigensinn:
Verhehlte Lust auf Macht-Gewinn.18

Zu wehren solcher Lästerung
Schritt drum ich zur Verteidigung,19
Die schroff man abtat als Gefasel
Bei denen, die mir feind zu Basel.20

Stillings Kernaussagen entsprechen voll und ganz der Glaubenslehre

Dort findet wiederholt sich klar,
Was ich zuvor schon legte dar.21
Von uns zu GOtt ein Weg nur ist:
In unsrem Heiland JEsu CHrist.
Kein andrer Mittler, gar nichts, nie
Vermag zu retten uns von hie!
Er=lösen uns, von Schuld befrein,
Kann JEsus CHristus bloss allein.

Der Sohn zur Rechten GOttes sitzt;
Gemeinschaft doch mit uns besitzt
Durch SEinen Geist, der bei uns wohnt,
Gleichwie ER auch im Himmel thront;
Der Menschen so mit GOtt verbindet,
Dass jeder Christ zum Himmel findet.22

Wo immer auch versammelt sind
Im Namen JEsu fromm gesinnt
Geschwister, die IHm folgsam dienen,
Ist JEsus mitten unter ihnen.23
Gemeinde drum ist stets umkreist
Von GOtt in JEsu durch den GEist.

Bestimmt ist CHristus jedes Mal,
Wo feiert man das Abendmahl.
Versucht ich habe zu vertiefen
Sein Wesen in den Sulzer-Briefen.24

Mit Weh ich freilich sehen kann,
Wie setzt man dieses jetzt hintan
Bei uns, wo viele es erblicken
Als Gabe bloss für Katholiken!
Die Reformierten sind heut fern
Sehr weit vom Auftrag unsres HErrn,
Der lässt uns SEine Huld so spüren:
Will durch das Mahl die Herzen rühren.

Nun weise mir nur einer nach,
Wo ich von falschen Wegen sprach!
Betonte ich doch immer wieder,
Dass es dem Heilsplan stracks zuwider,
Wenn jemand einen Geist ruft an,
Im Glauben, dass er retten kann.25
Von uns zu GOtt ein Pfad nur ist:
Das ist der Heiland JEsu CHrist.

Bloss weil getreulich ich gesichtet,
Was oft die Bibel hat berichtet

Vom Weg, den GOtt hat eingeschlagen,
Um Menschen etwas zuzutragen:
Wie GOtt an Menschen trat heran,
Durch wen ER sich hat kundgetan,
Schalt aufgebracht man mich Papist,
Gespenster-Seher, Spiritist.

Wie teilt sich GOtt den Menschen mit?

Genug davon! Zur Frage zwei:
Was denn für mich die Quelle sei,
Dass sehe Dinge ich voraus?
Die Antwort sei euch frei heraus:
Nur GOtt allein die Zukunft sieht;
Bloss ER weiss, was dereinst geschieht!26

Wenn nun ein Engel oder Geist,
Was nächstens eintritt hier verheisst
(So wie der Engel Gabriel27
Maria, dass sie Israel
Den Heiland werde bald gebären)28,
Dann können diese nur erklären,
Was GOtt sie vorher wissen liess
Und nun zu künden ihnen hiess.

Jung-Stilling entschwindet unversehens

Doch nun genug! Entschuldigt mich:
Inzwischen schon viel Zeit verstrich.
Ich muss nach Marburg an der Lahn;
Dort kommt schon eure Schwebebahn!
Erfreut bin ich, dass ich euch sah;
In allem sei euch GOtt stets nah!\“

Da Stilling diese Worte spricht,
Entzieht er langsam sich der Sicht.
Er wirkt auf einmal bleich-verschwommen:
Konturen scheinen weggenommen;
Wenngleich ich noch erkennen kann,
Wie er mich milde lächelt an.

Der Schwund an Umriss wird nun krasser,
Dazu auch Stilling immer blasser,
Was allsogleich zur Folge hat,
Dass bloss ein Schatten schummrig-matt
Erkennbar ist, wo Stilling eben
Ins Geisterreich ist am Entschweben.
Zuletzt zeigt kurz sich noch ein Strahl:
Erst farbig, darauf milchig-fahl.

lm Zug nach Salen schrieb ich auf
Der Rede Inhalt und Verlauf.
Als schlaflos ich in einer Nacht,
Hab alles ich in Reim gebracht,
Mir stand Siona29 dienend bei:
Gedankt dafür dem Engel sei!

Text der Belehrung wird veröffentlicht

Heut stellte ich den Text komplett
Für jedermann ins Internet
Und fügte ein paar Noten an,
Dass man es gut verstehen kann.
Es sollen alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft sich erfreuen.

Wie üblich, werden welche knurren,
Und andere vernehmbar murren,
Weil es nach deren Vorurteil
Nicht sein darf, dass je wird zuteil
Den Menschen nieden eine Kunde
Aus eines Jenseits-Wesens Munde.

Die Armen ach! Sie sind verrannt
In ihren Herzen und Verstand
Ins Diesseits bloss und daher blind
Für das, was Geister wohlgesinnt
Die Erdenbürger lassen wissen:
Sie leugnen solches starr verbissen.

Euch fleh ich an: seht doch auch ein,
Dass jemand mag umgeben sein
Von Geisteswesen, die ihn lehren,
Mit Jenseits-Botschaft reichlich nähren.

Lasst ab von eurer Aversion:
Drum bittet Achtnicht Ihrenhohn,
Der froh sich sonnt in Lichtes-Strahlen
Zu Leisenburg, der Hauptstadt Salen;
Doch würde noch viel froher sein,
Wenn schlüge man nicht auf ihn ein
Und wählte ihn nicht heimlich aus
Zur Anwartschaft im Irrenhaus.

Anmerkungen, Hinweise und Erläuterungen

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  von 1743 an durch Erbgang Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands im Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Gebietsteil des Kreises Siegen-Wittgenstein im Regierungsbezirk Arnsberg des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). Gut 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungs-Dichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 2) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Schwebebahn (Hängebahn) ist eine Eisenbahn zur Beförderung von Personen. Die Waggons hängen im Gegensatz zu denen der Standbahnen an den Fahrgestellen, die auf einem Geleis fahren. Die von Barmen nach Vohwinkel über Elberfeld verkehrende Bahn wurde zwischen 1898 und 1903 erbaut. Sie ist für Wuppertal kennzeichnend. Durch einen fahrlässig herbeigeführten schweren Unfall im April 1999 geriet die Schwebebahn weltweit in die Schlagzeilen. – Siehe Herbert Günther: Die Wuppertaler Schwebebahn. Erfurt (Sutton) 2004 (Bildband der \“Reihe auf Schienen unterwegs\“) sowie Jürgen Eschmann: Die Wuppertaler Schwebebahn. Geschichte, Technik, Kultur, 2. Aufl. Wuppertal (Stadtwerke Wuppertal) 1998 (mit Abbildungen und Literaturverweisen).

2 Geheimer Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneikunde (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. Dieser wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987), S. 220 ff.

Vgl. zu diesem Themenkreis auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2). sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. – Diese Schrift ist umsonst downloadbar bei <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>

Siehe die entsprechenden Erlebnis-Berichte (soweit diese im Druck erschienen bzw. veröffentlicht sind) bei –  Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, S. 12 (zu Siegen, wo Jung-Stilling als junger Mann bei dortigen Unterbehörden mehrfach zu tun hatte), S. 18 (zu Frankfurt am Main, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten öfters weilte und dort Augenkranke operierte), S. 34 (zu Marburg an der Lahn, wo Jung-Stilling von 1787 bis 1803 als Lehrer für Ökonomik wirkte, daneben aber auch ophthalmologische Lehrveranstaltungen an der medizinischen Fakultät abhielt), S. 41 (zu Hilchenbach-Müsen im Kreis Siegen-Wittgenstein; Jung-Stilling besuchte in Hilchenbach die Lateinschule), S. 48 (im Zentrum der Stadt Siegen), S. 88 (zu Rom in recht verzweifelter und äusserst beschämender Lage).

Weitere Nachrichten finden sich bei –  Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 9 (zu Wuppertal, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten sieben Jahre als Arzt, Geburtshelfer und Augenarzt praktizierte), S. 16 (zu Heidelberg, allwo Jung-Stilling von 1784 bis 1787 als Professor an der Universität lehrte, und wo er später noch einmal von 1803 bis 1806 wohnte), S. 22 (zu Braunschweig, wo Jung-Stilling zu seiner Zeit hienieden 1801 weilte und mehrere Augen-Operationen vornahm), S. 31 (zu Lausanne am Genfer See), S. 40 (zu Salzburg), S. 50 (zu Lahr), S. 56 (zu Burgdorf im Kanton Bern, wo Jung-Stilling auf drei Reisen Starblinde operierte), S. 79 (zu Mannheim, wo Jung-Stilling zu seiner irdischen Zeit den regierenden Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern, den Statthalter der Kurpfalz Franz Albert von Oberndorff und einige einflussreiche Hofbeamte persönlich kannte, und wo er Mitglied der [literarischen] \“Teutschen Gesellschaft\“ war), S. 90 (im Herzen von Wien), S. 101 (zu Stuttgart, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1801 und 1802 Augenkranke operierte und zahlreiche Freunde hatte), S. 113 (zu Hamburg), S. 125 (im Alten Botanischen Garten zu München) sowie bei –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner Verlag) 1989, S. 41 (auf einem Wanderweg im Siegerland), S. 188 (zu Neunkirchen/Siegerland).

Erscheinungs-Berichte sind fernerhin aufgezeichnet bei –  Christlieb Himmelfroh: Jung-Stilling belehrt. Kirchhundem (AK-Verlag) 1991, S 11 (zu Siegen), S. 75 (zu Kreuztal-Krombach am Grabe von Jung-Stillings Patenonkel, dem fürstlich-oranischen Oberbergmeister Johann Heinrich Jung [1711–1786], der prägend auf ihn einwirkte), S. 100 (an einem Autobahn-Rastplatz), S. 117 (zu Berlin), S. 134 (zu Essen), S. 146 (zu Wien) und S. 158 (zu Marburg an der Lahn) sowie bei–  Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2), S. 7 (im Hochgebirge), S. 47 (zu Leipzig, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1803 und 1804 auf Operationsreisen weilte), S. 91 (im Schnellzug).

Weitere veröffentlichte Niederschriften von neueren Gesprächen mit Jung-Stilling kann man unter anderem lesen bei –  Gotthold Untermschloß: Von Leistung, Mühe und Entgelt in dieser unsrer Arbeitswelt. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993, bei –  Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994, bei –  Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtodliche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Erscheinung im Zug von Basel nach Frankfurt am Main).

Schliesslich sei hingewiesen auf –  Treugott Stillingsfreund: Zur Verschuldung der Entwicklungsländer. Ein Gespräch zwischen Johann Heinrich Jung-Stilling und Treugott Stillingsfreund vom Frühjahr 1987, 2. Aufl. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Begegnung im Zug von Köln nach Trier; Broschüre, nicht im Buchhandel; als Download-File unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar), –  Freimund Biederwacker: Springflut der Lügengeister? Illic (Siona-Verlag 1991 (an der Autobahn nahe Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel) –  Treugott Stillingsfreund: Teuflisches Wirken heute. Zur Definition der Ungüter. Zwei nachtodliche Gespräche mit Hofrat Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Zusammentreffen in Olpe/Biggesee und in der Altstadt von Bern; Broschüre, nicht im Buchhandel) sowie –  Frommherz Siegmann: Von der Liebe der Stadt Siegen zu Jung-Stilling. Illic (Siona-Verlag) o. J. [1991] (nächst der Kirche Sankt Nikolai in Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel).

Neuerdings erschien –  aus der Feder von Freimund Biederwacker: Vom folgenschweren Autowahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. Dieses Protokoll (sowie einige weitere Erscheinungs-Berichte) sind auch als Download-Files abrufbar unter der Adresse Ferner –  erschien 1999 die Nachschrift einer nachtodlichen Begegnung mit Jung-Stilling, bei welcher Gelegenheit sich dieser zum Agnostizismus äussert; auch diese Privatoffenbarung ist unter dem angegebenen URL downloadbar.

Hingewiesen sei zur Biographie von Jung-Stilling auf Otto W. Hahn: Johann Heinrich Jung-Stilling. Wuppertal und Zürich (R. Brockhaus) 1990 (Brockhaus Taschenbuch Bd. 1108) oder um Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989. — Während die Biographie von Otto W. Hahn den Schwerpunkt auf die innere Reifung Jung-Stillings legt, geht Gerhard Merk mehr auf die Stationen seines äusseren Lebensweges ein.

Neben diesen gleichermassen empfehlenswerten Büchern sei hingewiesen auf das Standardwerk schlechthin, nämlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992. — Sämtliche anderen Editionen der \“Lebensgeschichte\“ sind dieser Ausgabe (reich versehen mit in jeder Hinsicht sachkundigen Anmerkungen und Beigaben, mit wichtigen Literaturhinweisen sowie mit verlässlichem Register) unterlegen.

3 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799), datiert vom 31. März 1785, die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 427. – Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten 1772 seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und ihm diese bei Hofe zu Mannheim im März 1772 persönlich überreicht. Diese trägt die Aufschrift \“SPECIMEN DE HISTORIA MARTIS NASSOVICO-SIEGENENSIS\“; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen. – Mars = hier: FERRUM, QUIA ROMANIS OLIM FERREUS MARS FUIT; siehe zur älteren Metall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen geordnet Anton Lütgens: Metallorum Naturam et Differentias explicans Dissertatio Physica. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt besonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen Schlagbäumen, Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rheinstrom als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] Nancy gelegen; ehem. Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 des Vertrags heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= Fahrtrinne für die Schiffart) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die ihre (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich traten hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 7./8. April 1806 zu Paris Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

Mit dem Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badischen\“ Hofrat umbenannt.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (dort die Anm. 10).

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27.

Jung-Stilling stand nach seinem, aus eigenem Entschluss gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).


Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes der gelehrte katholische Stadtpfarrer Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft am Rande einer Predigt ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser), Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck) sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama\“, in: Biographisch-Bibliographi¬sches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge auch (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher sei erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Rastatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811.

Siehe auch die an Lobpreisungen überladene Rede von –  Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (ohne Verlagsangabe) 1811.

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811, in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811; –  Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit).

Überspannt auch – Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Geradezu als Heiligen stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten Mannheim (Schwan und Götz) 1828. Drais (1761–1851) ist der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate.

Schönfärberisch sind auch die meisten der zahlreichen Zentariums-Reden, wie etwa die von – Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828 (Karl Joseph Beck [1794-1838] war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg) oder – Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Mannheim (Schwan & Götz) 1829.

Unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings ebenso Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. – Auch Gerald Maria Landgraf (Moderate und prudenter. Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden [1728-1811] Dissertation an der Universität Regensburg 2008; im Internet abrufbar) hat für die Ausplünderung der Klöster unter Karl Friedrich und das damit einhergehende Leid vieler Menschen keinen einzigen Satz übrig.


Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona.

Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ (= ein friedfertiger, verträglicher Mensch) ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“.

Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, empfängt von GOtt einen neuen Namen, siehe Offenbarung 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen Erklärung der Offenbarung Johannis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). Siehe (Christian Gottlob Barth): Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

4 Siehe Anmerkung 2 zu diesem wichtigen Werk von Johann Heinrich Jung-Stilling. – Diese Arbeit wurde seit ihrem Erstdruck in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch ins Englische, Schwedische, Französische und Niederländische übersetzt; siehe die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28) sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten. Hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1).

5 Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999. Auch dieses Werk von Jung-Stilling erschien in vielen Ausgaben und Übersetzungen.

6 Siehe Joh 14, 6.

7 Siehe Röm 5, 8 ff.

8 Siehe Mt 28, 20.

9 Siehe Joh 10, 27 f.

10 Siehe Mt 11, 27.

11 Siehe 2 Kor 9, 8; 1Petr 4, 10.

12 Siehe Mt 1, 20; 4, 11; 13, 41; 18, 10, 26, 53; Mk 1, 13; 8, 38; Lk 1, 26; 2, 13; 15, 10; 22, 43; Joh 1, 51; 20, 12; Apg 5, 19; 8, 26 und viele andere mehr.

13 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 2 und 4), S. 375.

14 Siehe Mt 27, 52 f.

15 Siehe hierzu: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jung’s genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809 sowie dazu ausführlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades (Anm. 4) mit Titelblatt-Kopie des Gutachtens.

16 Siehe Anneliese und Waldemar Wittmann: Jung-Stilling, der \“cameralische\“ Okkultist, in: Hans-Heinz Euler et al. (Hrsg.): Medizingeschichte in unserer Zeit. Festgabe für Edith Heischkel-Artelt und Walter Artelt zum 65. Geburtstag. Stuttgart (Enke) 1971, S. 300 ff.

17 Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlaßt durch ein über dieselbe abgefaßtes Gutachten des Hochwürdigen geistlichen Ministeriums zu Basel. Als erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809, S. 75 (\“Wie viele Stellen des Gutachtens aber für mich tief kränkend gewesen sind, das kann der unpartheyische Leser im ersten Blick erkennen.\“)

18 Siehe hierzu die Jung-Stilling von Grund auf verkennende, mit einer grossen Menge sachlicher Irrtümer und falscher Werturteile [nebenbei: es gibt auch richtige Werturteile!] durchsetze Studie von Hans R. G. Günther: Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Psychologie des Pietismus, 2. Aufl. München (Federmann) 1948 (Ernst Reinhardt Bücherreihe). – Siehe Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung. Die polemischen Schriften Johann Heinrich Jung-Stillings gegen Friedrich Nicolai (1775/76). Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 1987, S. 40 f., S. 51 f., S. 71 f. (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Bd. 129).

Zurecht bezeichnet Vinke das Buch von Günther als eine \“unglaubliche Mischung von einfachen Fehlern, bösartigen Verzeichnungen der Fakten, krassen Fehlurteilen, absolutem Unverständnis für die pietistische Fragestellung und einigen wenigen genialen Einsichten\“ (S. 40; in Anm. 82 auch über die Wirkungsgeschichte des Buches von Günther).

19 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde (Anm. 17), S. 10, S. 60 f. ; Alexander Vömel: Briefe Jung=Stillings an seine Freunde, 2. Aufl. Berlin (Wiegandt & Grieben) 1924, S. 75 f., S. 81, S. 86, S. 87, S. 110 sowie Johann Heinrich Jung Stilling (so, also ohne Bindestrich!): Briefe an die St. Gallerin Helene Schlattter-Bernet. St. Galen (Zollikofer) 1964, S. 52 f.

20 Siehe hierzu Arnold von Salis: Jung Stilling (so, also ohne Bindestrich) in Basel verboten. Kirchengeschichtliche Mitteilung, in: Basler Jahrbuch, Bd. 15 (1894), S. 79 ff.

21 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 619 f.

22 Siehe Röm 8, 11.

23 Siehe Mt 18, 20.

24 Siehe zur Bedeutung des Abendmahls Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe auf die an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Sulzers in Konstanz über Katholicismus und Portestantismus. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1811, S. 175 und Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 1 sowie eine nachtodliche Belehrung zu diesem Thema bei dem URL<http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>; dort auf \“Theologie\“ klicken.

25 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe (Anm. 24), S. 137 f., S. 194.

26 Siehe Mk 13, 32f.; Apg 1, 7.

27 Siehe Lk 1, 19.

28 Siehe Lk 1, 26 ff.

29 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“). In fast allen der in Anm. 1 aufgezählten Erscheinungs-Berichten hat sich Engel Siona dem in die Welt wiedereingetretenen Jung-Stilling als Begleiter beigesellt.

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm oft ungesehen als –  \“Engel immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –

 auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst – wohl in Anlehnung an den Rufname seiner zweiten Ehefrau Selma) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786-1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 24), S. XX f., S. 30 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301) mit Literaturverzeichnis (S. 113 ff.) sowie die aus dem Italienischen übersetzte Abhandlung von Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 und im Internet die Adresse http://www.himmelsboten.de

If there were no future life, our souls would not thirst for it



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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