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Gibt es eine Hölle?

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Hierzu sowie zum heutigentags üppig zitierten und hienieden vergnügt gefeierten \“Abschied vom Teufel\“ äussert sich in einem belehrenden nachtodlichen Gespräch der hochgelehrte, lebenserfahrene und unvergessene Herr

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dortselbst auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; hiebevor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und anvorderst seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern,

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, hier auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenheilkunde und seit 1775 staatlich bestellter Brunnenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch der erlauchten Loge
\“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

Der Gesprächsverlauf wurde mit Hilfe englischer Gunst beflissentlich aufgeschrieben und ist des gemeinen Guten zu Nutz andurch ins World Wide Web gestellt, alle Leser dabei gÖttlicher Obhut und englischen Schutzes bestens empfehlend

durch

Christlieb Himmelfroh
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde e. V., Siegen

Copyright 2001, 2009 by Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). – Die gewerbliche Verwertung des nachstehenden Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers.

mailto:merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Begegnung am Häusling zu Siegen

Fast hatte schwitzend ich erstiegen
Die Häusling-Kuppe schon zu Siegen:1
Da trat mir von der Seite schräg
Miteins Jung-Stilling2 in den Weg.

\“Herr Hofrat Jung! Was machen sie
Denn heut in dieser Stadt noch hie?\“
Sprach unwillkürlich ich im Schreck:
Verblüfft, verdutzt stand ich am Fleck.

\“Mein Stillings-Freund:3 ein Bergmann hier
In diesem alten Erzrevier,4
Längst eingeschlossen in Gerölle,
Bewahrte just ich vor der Hölle.\“ –

\“Herr Hofrat! `Hölle´ sagten sie?
Ich weiss nicht: gibt es wirklich die!?
In unsrer aufgeklärten Zeit
Gibt kaum es jemand, der bereit
An solche Dinge noch zu glauben:
Die Menschen bloss die Hoffnung rauben.

Man hat inzwischen auch erkannt,
Dass Höllenqualen unbekannt
Vor alters doch zur Gänze waren:
In Klöstern Mönche sie gebaren!

Jetzt, wo der Glaube reformiert,
An Mönchsgeschwätz sich niemand schiert.
Selbst Theologen heutzutage,
Erklären dies als reine Sage.5
Nur alter Aberglaube schölle,
Wenn spricht man heut noch von der Hölle.\“ –

Hölle war dem Altertum sehr wohl bekannt

\“Mein Stillings-Freund: viel falsch hier ist;
Man sieht, dass ihr zu wenig wisst!

Dass Höllenqualen unbekannt,
Das Altertum sie nicht empfand
Und auch die frühe Kirche nicht,
Geschichte völlig widerspricht!

(1) Lasst reden mich von Danaos,6
In Hellas einst als König gross.
Sein Bruder in Ägypten war:
Stand dort mit Macht als Herrscher dar.

Es gingen nun die Ehe ein
Die fünfzig Töchter insgemein
Des Danaos mit ihren Vettern.
Arg liess der König sie zerschmettern:
Es ordnet Danaos drum an,
Dass jede töte ihren Mann.
In Sterbensschrei und Weh-Gestöhne
Verlor Ägyptus seine Söhne.

Doch wisst ihr, wie die Strafe war
Für diese Meintat schauderbar?
Die Mörderinnen müssen ständig
Zum Rande füllen eigenhändig
Ein Wasser-Fass in kurzer Frist,
Das rundum voller Löcher ist.7

(2) Den Sohn erschlug im Hass-Erguss
Zu Phrygien König Tantalus.8
Zur Strafe in der Unterwelt
Ist so in Wasser er gestellt,
Dass dies ihm bis zum Munde steht.
Doch jede Chance ihm entgeht,
Dass seinen Durst er stillen könne:
Man einen Tropfen ihm nur gönne.

Um Tantalus auch Früchte hängen,
Die ihn mit süssem Duft bedrängen.
Doch streckt er seine Hände aus,
Begehrend diese nun zum Schmaus,
So weicht einjede rasch zurück:
Nie fasst er drum ein einzges Stück.
Vor Durst und Hunger schmachtet er:
Doch kann sich laben nimmermehr.9

(3) Mit Willkür plagte einst Korinth
Ein Herrscher, rücksichtslos gesinnt;
Mit Namen hiess er Sisyphus:10
Tyrannisch bis zum Überdruss.

Ihm ist zur Strafe auferlegt,
Dass einen Felsblock er bewegt,
Beflügelt stets in Tatendrang,
Hoch einen ziemlich steilen Hang.
Doch ist erreicht der Gipfel knapp,
Dann rollt der Block jeweils herab.
Von neuem muss er diesen Felsen
Mit aller Kraft nach oben wälzen.11

(4) Prometheus wollte GOtt gleich sein,12
Vom Himmel stahl er Feuerschein.
Er ist an einen Fels gebunden.
Ein Vogel lässt sich täglich munden
Die Leber, die er aus dem Leib
Herauspickt bloss zum Zeitvertreib.
In jeder Nacht wächst wieder nach,
Was tags der Vogel aus ihm stach. –

Vom Altertum noch viele Stellen
Bekannt sind, die beredt erhellen,
Dass man gewahr der Höllenqualen,
Mit denen dort Verdammte zahlen!
Den Tartarus13 stellt fasslich da
Homer, Vergil und Seneca,
Auch Plato, Solon, Sokrates,
Erschöpfend Aristoteles.14

Es ist drum rundheraus nicht wahr,
Wenn ihr behauptet, dass nicht klar
Dem Altertum die Hölle sei:
Das Gegenteil steht zweifelsfrei! –

Hölle in der Heiligen Schrift

An vielen Stellen macht die Bibel
Der Hölle Wesen uns plausibel.
In eurer Konkordanz15 schlagt nach:
Ihr seht dann, dass euch Wahn bestach,
Als nanntet ihr die Höllenqual
Nur Ausgeburt der Mönchsmoral.

Apostel, Jünger, Kirchenväter,
Auch die Konzilien sprachen später
Sehr oft genau vom Höllenreich.
Was dort gesagt, ist deckungsgleich
Mit dem, was deutlich ich bekunde
In meinem Werk zur Geister=Kunde.\“16

Was sind genauer die Höllenqualen?

\“Herr Hofrat\“, unterbrach ich ihn,
\“Dort ist nicht sonderlich gediehn
Die Schilderung der Höllen-Qualen:
Ich las das Werk zu vielen Malen!
Vermögen sie in kurzen Bildern
Die Pein der Hölle jetzt zu schildern?\“ —

\“Wie wirklich die Verdammten leiden,
Lässt bloss sich in Verneinung kleiden.

(1) Sie haben Augen im Gesicht,
Doch nehmen nimmer wahr das Licht.
Sie fühlen Durst und Hunger wohl,
Doch ewig bleibt ihr Magen hohl.

Sie spüren sich in Flammen brennen
Und müssen dabei klar erkennen,
Dass niemals Feuer je verlischt:
Auf ewig dieses um sie zischt.

(2) Es hat dort jeder wohl Verstand,
Doch der allein ist zugewandt
Auf Hölle und Verzweiflung hin:
Nichts andres stellt sich vor den Sinn.

Gedächtnis fluchhaft ist beladen
Mit Rückschau auf missbrauchte Gnaden:
Muss inwärts Flammen neu stets zünden
Durch Vor=Wurf der begangnen Sünden.

(3) Das Herz, auf GOtt hin angelegt:
Zermartert ist es schmerzbewegt.
In Hass es lechzend zürnt und giert,
So Zorneswut stets neu gebiert,
Die nicht sich doch auf andre richtet,
Nein: eignes Wesen ganz vernichtet.

(4) Der Wille lenkbar ist normal;
Doch hier ist er gebannt voll Qual:
Nur Tücke, Groll, Zorn, Grimm und Hass
Peilt an er ohne Unterlass,
Doch so, dass all dies richtet sich
Beständig marternd auf das Ich.\“ —

Dauer der Höllenqualen

\“Herr Hofrat Jung: das ist genug!
Ich weiss nun um den Wesenszug
Der Höllen-Pein und bin erpicht
Noch mehr zu hören diesmal nicht.
Doch könnten sie mir auch noch sagen,
Wie lang denn solche Qualen nagen?\“ —

\“Ein kleiner Vogel tut sich nahn
All‘ tausend Jahr dem Ozean,
Wo er am Ufer niedersinkt,
Ein Tröpfchen Salzeswasser trinkt.
Wenn dieser hat getrunken leer
Das ganze Wasser, jedes Meer,
Dann ging die Uhr der Höllen-Zeit
Den Zehntteil der Sekunde weit.\“ —

\“Da wird es mir, Herr Hofrat, bang:
Sie bringen mich in Angst-Bedrang!
Ich schlage vor, dass wir nun reden
Vom Paradies, vom Garten Eden.\“ —

Jung-Stilling wird weggerufen

\“Mein Stillings-Freund: ein andermal!
Man rief mich in ein Hospital,
Wo Augenärzte ratlos sind,
Wie rechte Hilfe man beginnt
Bei einer, deren Auge tränt:
Geschwulst man in der Höhle wähnt.
Der Dame Ahnen drängten mich
Dass helfen möge dieser ich.17

Verbleibt ihr stets in GOttes Gnade:
Dann geht ihr sicher auf dem Pfade,
Der euch ins Paradies geleitet;
Stets aller Sünde widerstreitet!

Es soll euch auch am Herzen liegen,
Zu beten flehentlich für Siegen:
Dass finde es zurück zum HErrn,
Von dem so viele sind noch fern.

Man relativ im Himmel fand
Die meisten aus dem Siegerland
Noch bis vor sechzig, fünfzig Jahren:
Doch viele jetzt zur Hölle fahren.

Ich bitte drum euch, dass ihr dichtet,
Was von der Hölle ich berichtet.
Gesorgt ist, dass man es auch liest
Und daraus dann Besinnung fliesst.\“

Als er die letzten Worte sprach,
Verschwamm Jung-Stilling nach und nach.
Sein Körper fahl begann zu flimmern,
Um dann allmählich zu verschimmern.
Der Platz, an dem gestanden er,
War nun auf einmal völlig leer.
Zuvor fiel flackernd mehrmals ein
An diesen Platz noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er silbern reflektiert
Auf Wiesen, die der Schnee noch ziert.

Engel Siona hilft bei der Niederschrift

Ich ging nach Hause und schrieb auf
Der Rede Inhalt und Verlauf.
Siona18 half beim Reimen mir
Und sorgte, dass sich nichts verlier‘
Von dem, was Stilling vorher sprach:
Es mir an manchem doch gebrach!

Damit sich alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft auch erfreuen,
Gab ein ich den Bericht komplett
Zum Download in das Internet.

Geschimpfe wird statt Dank erwartet

Natürlich werden welche knurren,
Und andere vernehmbar murren,
Weil es nach deren Vorurteil
Nicht sein darf, dass je wird zuteil
Den Menschen nieden eine Kunde
Aus eines Jenseits-Wesens Munde.

Die Armen ach! Sie sind verrannt
In ihren Herzen und Verstand
Ins Diesseits bloss und daher blind
Für das, was Geister wohlgesinnt
Die Erdenbürger lassen wissen:
Sie leugnen solches starr verbissen.

Euch fleh ich an: seht doch auch ein,
Dass jemand mag umgeben sein
Von Geisteswesen, die ihn lehren,
Mit Jenseitsbotschaft reichlich nähren.

Dämmt ein das böse Holdrio:
Drum bittet Christlieb Himmelfroh.

Anmerkungen, Erläuterungen und Quellen

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); von 1743 an durch Erbgang Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit der Residenz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); ab 1815 nach der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil des Kreises Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland. Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110 000 Bewohnern.

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 2) geboren, herangewachsen und hat hier auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Schulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Häusling (früher: Heuserling) = Vom Bergbau gezeichneter, heute bewaldeter und zum Naherholungsgebiet teilweise umgestalteter Berg im Stadtgebiet von Siegen; siehe Anm. 4.

2 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. – Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so!). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR]1987), S. 220 ff.; das Werk erschien seit seiner Erstveröffentlichung auch in vielen anderen Nachdrucken und Ausgaben.

Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wir dieser mit \“Herr Hofrat Jung\“, seltener mit \“Ohephiah\“ (= der GOtt liebt) angesprochen. Bei dieser Anrede handelt es sich um den Namen, welchen Jung-Stilling im Jenseits erhielt; siehe (Christian Gottlob Barth): Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

Siehe auch Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, als Download-File zum privaten Gebrauch unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

3 Stillings-Freund(in) meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger (\“Fan\“: vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch  \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 316.

4 Der Häusling ist über Jahrhunderte hinweg durchschachtet worden. Neben Eisenerz baute man Kobalt (ein stahlglänzendes, hartes, zähes Metall, das sehr hoch bezahlt und vor allem zum Härten von Blei verwendet wurde) ab.

Siehe zum Häusling in Siegen Johann Philipp Becher: Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande nebst einer Geschichte des Siegenschen Hütten- und Hammerwesens, 2. Aufl. Dillenburg (Seel-Weidenbach) 1902, S. 214 sowie zum Bergbau in und um Siegen auch sehr anschaulich Horst Günther Koch: Bevor die Lichter erloschen, Der Kampf um das Erz. Von Bergleuten und Gruben, vom Glanz und Elend des Siegerländer Bergbaus, 5. Aufl. Siegen (Koch) 1987.

5 Siehe hierzu das bekannte Werk des katholischen Theologieprofessors Herbert Haag: Abschied vom Teufel. Vom christlichen Umgang mit dem Bösen, 9. Aufl. Düsseldorf, Zürich (Benziger) 2000 und Herbert Haag (Hrsg.): Teufelsglaube, 2. Aufl. Tübingen (Katzmann) 1980 sowie auch Bernd J. Claret: Geheimnis des Bösen. Zur Diskussion um den Teufel. Innsbruck (Tyrolia) 2000 (Innsbrucker theologische Studien, Bd. 49) mit ausführlichem Literatur-Verzeichnis.

Andererseits wird der \“Abschieds-These\“ auch widersprochen; siehe aus der reichhaltigen Literatur Walter Kasper (Hrsg.): Teufel, Dämonen, Besessenheit. Zur Wirklichkeit des Bösen, 2. Aufl. Mainz (Grünewald) 1978 (Grünewald Reihe); Irmingard Hofgärtner: Teufel und Dämonen. Zugänge zu einer verdrängten Wirklichkeit, 2. Aufl. München (Pfeifer) 1985; Willem C. van Dam: Dämonen und Besessene. Die Dämonen in der Geschichte und Gegenwart und ihre Austreibung, 2. Aufl. Stein am Rhein (Christiana) 1975, Lisl Gutwenger (Hrsg.): \“Treibt Dämonen aus!\“ (Matthäus-Evangelium 10,8) Von Blumhardt bis Rodewyk. Vom Wirken katholischer und evangelischer Exorzisten. Stein am Rhein (Christiana) 1992 sowie Alfred Läpple: Engel & Teufel. Wiederkehr der Totgesagten. Eine Orientierung. Augsburg (Pattloch) 1993.

Tief geht diesem Fragenkreis auch nach Ute Leimgruber: Kein Abschied vom Teufel. Eine Untersuchung zur gegenwärtigen Rede vom Teufel im Volk Gottes. Münster (Lit) 2004 (Reihe Werkstatt Theologie, Bd. 2).

Nachdem man sich vom Teufel verabschiedet hat, wurde folgerichtig als nächstes auch GOtt entthront und abgesetzt: IHn gibt es jetzt nicht mehr. Siehe hierzu den Weltbestseller von Richard Dawkins: Der Gotteswahn, 10. Aufl. Berlin (Ullstein) 2007. Der englische Originaltitel lautet The God Delusion; ähnliche Titel von Dawkins hatten zuvor schon weltweit Millionen-Auflagen erreicht.

Siehe zur umfangreichen Literatur hierzu Alister McGrath, Joanna Collicutt: Der Atheismus-Wahn. Eine Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus, 2. Aufl. Asslar (Gerth-Medien) 2008, Renate Biller: Und Gott existiert doch! Warum Richard Dawkins nicht recht hat. Weltanschauliche Fragen und antworten. Frankfurt am Main (August-von-Goethe-Literaturverlag) 2009 sowie David Robertson: Briefe an Dawkins. Ein Pfarrer und Kolumnist antwortet auf die atheistische Großoffensive und Dawkin’s Bestseller \“Der Gotteswahn\“. Basel, Gießen (Brunnen) 2008.

6 Danaos = König von Argos. Seine 50 Töchter (die Danaiden) mussten 50 Söhne seines Bruders Ägyptus (die Ägyptiaden) heiraten und in der Hochzeitsnacht ermorden.

7 Von daher noch heute Danaiden-Fass für ein löchriges Fass sowie Danaiden-Arbeit für vergebliche Mühe.

8 Tantalus, Sohn des Zeus und der Pluto, ein reicher König in Phrygien, war Vertrauter der Götter, die ihn oft zum Mahle luden. Weil er aber Dinge, welche er dort hörte, unbefugt ausplauderte und obendrein seinen Sohn Pelops erschlug, um ihn den Göttern als Speise anzudienen, wurde über ihn die hier beschriebene Strafe verhängt.

9 Von daher noch heute im Deutschen Tantalus-Qualen: Verlangen nach etwas vor den Augen Liegenden, aber Unerreichbaren. – Auch im Französischen (supplice de Tantale = tourment d’une personne qui voit ses désires frustés au moment d’être réalisés) und Englischen (dort auch das Zeitwort tantalise = to tease or torment by repeated frustration of hopes or desires) und anderen Sprachen enthalten.

10 Sisyphus, Sohn des Äolus und dessen Tochter Antiklea, ist der sagenhafte Gründer von Korinth und der Isthmischen Spiele. Er war zu seiner Zeit als hinterlistiger Tyrann und Erpresser berüchtigt.

11 Von daher noch heute Sisyphus-Arbeit: schwere, aber nie zum Ziel führende und deshalb nutzlose Betätigung.

12 Prometheus = in der griechischen Sage ein Gott-Heros als Muster des überheblichen Menschen. – Dichterisch von Klassikern (auch deutschen wie Goethe und Schiller) behandelt und auch musikalisch ausgedrückt (Ludwig van Beethoven). In der Kunst mit Fackel dargestellt, da er als Feuerspender auf Erden gilt.

13 Tartarus = Unterwelt; Hölle als Abgrund mit hohen Toren aus Eisen und Wohnort der Verdammten.

14 Vergil und Seneca sind römische Denker; Homer, Plato, Sokrates und Aristoteles bedeutende griechische Persönlichkeiten, deren Werke auch heute noch gedruckt werden. – Jung-Stilling übersetzte eines der herausragenden Werke von Vergil vom Lateinischen ins Deutsche; siehe Johann Heinrich Jung: Virgils Georgicon in deutsche Hexameter übersetzt. Mannheim (neue Hof- und akademische Buchhandlung) 1787.

15 Konkordanz = Zusammenstellung aller zugehöriger Stellen der Bibel jeweils unter einem Stichwort. Früher nur als Buch, heute auch als CD-ROM sowie als Download-File (etwa bei http://www.bibel-konkordanz.de/) verfügbar.

16 Gegen die \“Theorie der Geister=Kunde\“ erschien: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jung’s genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809.

Jung-Stilling verteidigte sich dagegen mit der Schrift: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein über dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen (so!) geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809.

Gegen den \“Wahn- und Aberglauben\“ von Jung-Stilling erschien in zwei Bänden anonym: Geister und Gespenster in einer Reihe von Erzählungen dargestellt. Ein nothwendiger Beitrag zu des Hofraths Jung genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1810. Als Verfasser gilt der Basler Gottlob Heinrich Heinse. – Siehe die Titelblatt-Kopie bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993, S. 79 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1).

Im Originalwerk von Jung-Stilling ist im Titelblatt \“Geister=Kunde\“ mit Bindestrich (in der bis 1902 üblichen Form, also als Doppelstrich) geschrieben; die darauf bezüglichen Werke drucken in der Regel \“Geisterkunde\“ (ein Wort).

17 Jung-Stilling war zu seiner Zeit als Augenarzt weithin berühmt. An die 3 000 Menschen befreite er durch Operation aus der Blindheit, gut 25 000 Personen dürfte er zeit seines Lebens augenärztlichen Rat angedient haben..

Siehe Gerd Propach: Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) als Arzt. Köln (Institut für Geschichte der Medizin der Universität Köln) 1983, S. 87 ff. sowie Gerhard Berneaud-Kötz: Kausaltheorien zur Starentstehung vor 250 Jahren. Eine Auswertung der Krankengeschichten und Operationsprotokolle von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 36 ff. Vgl. auch Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996.

18 Siona = Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 9. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen.

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wieland¬schmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff., jetzt auch als Online-Ressource bei dem URL <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> verfügbar.

Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301; auch andere Ausgaben im gleichen Verlag) mit ausführlichem Literaturverzeichnis (S. 113 ff.), Siegfried Meier: Weiße Kleider, goldene Flügel? Die Engel – Gottes Boten, 2. Aufl. Wuppertal (Brockhaus) 2007 (RBTaschenbuch, Bd. 688: Glauben) sowie Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 (Übersetzung aus dem Italienischen) und im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

Love divine, all loves excelling,
Joy of heaven, to earth come down,
Fix in us Thy humble dwelling,
And Thy faithful mercies crown.

Come, Almighty, to deliver,
Let us all Thy life receive;
Suddenly return, and never,
Never more Thy temples leave.

Finish then Thy new creation,
Pure and sinless let us be;
Let us see Thy great salvation,
Perfectly restored in Thee.

Changed from glory into glory,
Till in heaven we take our place,
Till we cast our crowns before Thee,
Lost in wonder, love, and praise.

Charles Wesley (1708–1788)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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