Fachbankensystem und Branchenbankensystem (professional orientated bank system)
Die Forderung, Universalbanken völlig abzuschaffen und statt dessen nur berufsständisch bezogene (run by self-regulatory professional organisations) Banken zuzulassen. – Dass die auf einen Wirtschaftszweig eingeengten Institute die Aufgabe der Kapitalaufbringung (raising of capital) und der Kapitalverteilung (allocation of capital) für ihre Branche überhaupt leisten können, beruht auf der Annahme, dass sich Kapitalangebot und Kapitalnachfrage im jeweiligen einzelnen Wirtschaftsbereich stets decken. Das ist aber, wenn überhaupt (if at all), höchstens vereinzelt, kurzzeitig, zufällig so. – Um diesen Einspruch zu entkräften, verweisen die Befürworter des Fachbankensystems auf die Möglichkeit, dass die Institute einzelner Berufszweige untereinander in Verbindung treten. Damit würde aber der Kapitalverkehr durch das Dazwischentreten mehrerer Stellen verlangsamt und verteuert (would make credits dearer). – Es wurde vorgeschlagen, dem Fachbankensystem die Möglichkeit der Ausgabe von Zahlungsmitteln einzuräumen. Dadurch sollten den Schwierigkeiten bei der Kapitalaufbringung begegnet werden. Dies jedoch läuft auf ein gefährliches Nebeneinander (dangerous juxtaposition) zweier Zentralbanken hinaus. Das wiederum ist allein schon aus verfassungsrechtlichen Gründen höchst bedenklich (highly questionable from a constitutional point of view). – Die Überlegungen zur Umgestaltung der Bankenlandschaft in ein branchengegliedertes Fachbankensystem entstammt der Vorstellung einer berufsständischen Ordnung der Gesellschaft, wie diese vor allem als Gegenentwurf (anti-concept) zu totalitären Staatssystemen wie dem National-Sozialismus und Kommunismus entwickelt wurde. Sie zu verwirklichen (put into practice), dürfte indessen heute kaum angeraten (hardly recommendable) sein. – Siehe Geld, privates.
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
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