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Erstaunliche Begegnung mit einem längst verstorbenen Soldaten

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Erstaunliche Begegnung mit einem längst verstorbenen Soldaten

und Bericht über den erklärenden Hinzutritt von Engel Siona, Schutzgeist des weiland

Herrn Hofrats Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817)

Andurch zu allgemeiner zweckmässiger Belehrung, erspriesslicher
Beförderung des Glaubens nebstdem zur Mehrung linder
Befrohlockung unter Anwünschung allerseitigen wohlgedeihlichen
Erwirkens in Vers und Reim offenkundig und bekannt gemacht,
dabei alle Leser gÖttlicher Verwahrung und englischen Schutzes
allerbestens empfehlend

von

Liesdas Mitgewinn
zu Lichthausen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Copyright 2012 by Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). Die gewerbliche Nutzung des Textes gesamthaft oder Teile daraus bedarf der schriftlichen Einwilligung der löblichen Markus-Gilde.

mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de


Begegnung im Wald an einem Frühjahrtag


Ich schritt bei Wilnsdorf1 durch den Wald
Und hoffte zu erreichen bald
Mein Ziel auf einem Berg nicht weit;
Der Weg bot keine Schwierigkeit.
Da kam aus steilem Niederwald
Ganz plötzlich eine Mannsgestalt.

Er war nicht alt; ein Bart ringsum,
Die Zähne braun, die Beine krumm;
Der Körper mager schien abnorm,
Umhüllt von einer Uniform
In blauer Farbe, arg zerschlissen,
Die meisten Knöpfe abgerissen
Und ausgebeult stark an den Knien;
Zu gross mir seine Mütze schien.

Mit scheuem Blick sprach er mich an:
Ob Flämisch2 ich verstehen kann?
Ich sagte ihm: das kann ich nicht.
Falls langsam er französisch spricht,
So würde alles mir gewahr;
Das Deutsche sei mir lieber zwar.
Wir einten uns, dass ich Deutsch sprach,
Französisch er, jedoch gemach.


Schicksal eines jungen Zwangsrekrutierten


Der junge Krieger schrieb sich Jan,
War jetzt fanzös’scher Untertan.
Geboren wurde er am Kreisel
Der Leye3, mitten drin zu Rysel4,
In jeder wunderschönen Stadt,
Die Flandern man entrissen hat.5

Gezwungen wurde Jan Soldat:
Nicht sechzehn noch, als man ihn tat
Ins grosse Heer der grande nation6;
Bald hiess es: \“à la Rhin, allons!\“

Sie kämpften damals um den Sieg
In jenem leiderfüllten Krieg,
Dem Frankreich nach Europa brachte,
Nachdem man dort den Wahn entfachte
Von Freiheit, Gleichheit, Brüderschaft,
Doch Tugend wurde abgeschafft.7

An Tag der Schlacht bei der Kalteiche8
Begrub er seines Cousins Leiche,
Der einberufen ward wie er
Zu kämpfen im Franzosen-Heer.


Jan irrt herum und findet Herberge


Tagsdrauf fand er sich so verstört,
Bestürzt, erstarrt, erschreckt, empört,
Dass alle Fassung er verlor:
Den Rücken kehrte seinem Korps.9

Er wusste kaum, wohin er ging.
Als kriechend ihn die Nacht umfing.
Da klopfte er an einem Haus:
Man liess ihn ein, dass dort er paus‘.
Der Bauer wies ihm als Quartier
Die Tenne: er mag schlafen hier.

Nun waren diese Leute doch
Arg bös, dazu auch geizig noch.
Sie hielten Rat, ob sie verkaufen
Den Krieger, der dem Herr entlaufen,
Wenn seine Truppe hier erscheint:
Vielleicht zahlt mehr ja auch der Feind?
Af jeden Fall tat ums Genick
Dem Schlafenden man einen Strick.


Jan wehrt sich gegen die Umschnürung


Als nächsten Tags der Morgen kam,
Da wurde Jan erst aufmerksam
In welcher Lage er jetzt war:
Weit schlimmer, als in Schlacht-Gefahr.

Der Bauer schlich hinauf ganz leise,
Dass Jan er aus dem Schlaf nicht reisse.
Doch dieser lag gespannt auf Lauer.
Als just nun hochkam unser Bauer,
Trat Jan mit Füssen auf die Leiter:
Die kippt und berstet zwölf Fuss weiter.10
Der Landwirt war gequetscht zu Tode:
Dem Deserteur nun Schlimmstes drohte!


Sankt Moritz bringt Jan in Sicherheit


Wie Jan sich von dem Seil befreite,
Wie er erreichte drauf das Weite?
Es half ihm hier sein Stadtpatron11
Der zudem hat auch die Funktion
Als Schutzesgeist der Infanterie
Zu nützen seinen Mündeln hie:12
Sankt Moritz, Kommandant zu Rom:
Ein Beistand durch der Zeiten Strom;13
Selbst sehr beliebt und wohl bekannt
Im reformierten Siegerland.14

Sankt Moritz brachte Jan nach hier
In dieses alte Bergrevier;15
Verbarg in einem Stollen ihn,
Der allen längst vergessen schien.

Doch achtzehn Hauer, die vor Ort
Verunglückt ehemals sind dort
Durch eine jähe Steinlawine,
Befinden sich in dieser Mine,
Fromm harrend in Gesängen hehr
Auf JEsu CHristi Wiederkehr.


Zeitlosigkeit in dem eingestürzten Stollen


Es sei verschwunden dort die Zeit;
Auch herrsche nur Zufriedenheit.
Man weder sieche noch vergreise:
Begehre weder Trank noch Speise.

Gerade ist zu ihm gekommen
Sankt Moritz, und hat ihn genommen
Nach hier, dass er sich mir doch zeige
Just nährend sich aus dem Gezweige,


Jung-Stilling, dann Engel Siona treten hinzu


Was sollte ich bloss für ihn tun?
Es liess die Frage mich nicht ruhn.
Ich stand da ratlos, als mit Schwung
Hinzutrat plötzlich Hofrat Jung.16
Der lächelte mich freundlich an.
Entzog sich aber rasch sodann.

Kaum dass er weg war, kam nun nah
Jung-Stillings Engel Siona.17
Der fasste Jan bei seiner Hand,
Waldeinwärts schritt und dort verschwand.


Erlebtes soll bekanntgemacht werden


Im Weggehen sagte Siona:
\“Ihr solltet sehen, was geschah,
Dass kund es werde und erkannt
Bei jedermann im Siegerland,
Dass GOtt die SEinen nicht vergisst
Und hilfreich ihnen nahe ist.
Ich bitte euch: schreibt dieses auf.
Gehabt euch wohl! Grüss GOtt! Glückauf!18

Nach diesem Gruss mit einem Mal
Sah Siona ich falb und fahl.
Er wurde matter allgemach:
Verlor dem Blick sich nach und nach.
Auch Jan an seiner rechten Hand,
Allmählich meinem Aug entschwand.


Das übliche Lästergespei wird erwartet


Tagsdrauf schrieb ich das Erste nieder
Von dem, was findet man hier wieder.
Ich fasste später dann daheim
Das Ganze noch in Vers und Reim.

Natürlich weiss ich, dass erneut
Schon wieder welche ungescheut
Verwünschen diese Reimerei:
Bezeichnen sie als Narretei:
Als Machwerk, Schwindel, Schmarren, Lug,
Geschwätz, Geflunker, Bluff und Trug:
Ein Zeugnis von Besessenheit,
Verhexung und Verlogenheit:
Abscheuliche Provokation:
Der Hölle Manifestation.

Ihr Lieben! Niemand zwingt euch ja
Zu lesen, was geboten da
Hier im Bericht von dem Soldaten,
Und wie sich Geister dorten nahten.

Geht: schaltet ihr das Fernsehn ein.
Dort könnt bestimmt ihr sicher sein,
Dass nur an eure Ohren dringt,
Was Gier entfacht und Spass euch bringt:

Das inhaltesleere Potpourri
Aus Jux, Klamauk, Pornographie,
Allotria und Kabbelei,
Aus Schabernack und Läppelei,
Gewitzel und Verdächtigung,
Entstellung samt Vereinfachung,
Verleugnung auch von Schuld und Leid:
Beharrlich, mit Verbissenheit.

So wird euch keine Einsicht teil,
Die wesentlich für euer Heil.
Ich hoffe, ihr seht das bald ein
Und flieht dem flimmerigen Schein.

Auf Dank harrt nämlich ohnehin
Noch Beifall Liesdas Mitgewinn,
Der froh in Leisenburg lebt draussen:
Gen Norden hin, im Dorf Lichthausen.


Erläuterungen, Anmerkungen und Quellen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); nach dem Aussterben der Siegener Fürstenlinien durch Erbfolge von 1743 an Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil des Kreises Siegen-Wittgenstein im Regierungsbezirk Arnsberg des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in ganz Deutschland.

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein.

1 Wilnsdorf = Ort im ehemaligen Fürstentum Nassau-Siegen am Heckebach, südöstlich der Stadt Siegen. Hier befinden sich alte Eisensteingruben sowie für die Tech-nikgeschichte wichtige Anlagen zur Verhüttung aus der fortgeschrittenen Latènezeit (300–200 v. Chr.); siehe hierzu Johann Philipp Becher: Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande nebst einer Geschichte des Siegenschen Hütten- und Hammerwesens, 2. Aufl. Dillenburg (Seel-Weidenbach) 1902, S. 196 f. – Zu Wilnsdorf ausführlich Franz Dango: Wilnsdorf. Geschichte und Landschaft. Wilndsorf (Gemeinde Wilnsdorf) 1985 (Nachdruck der Ausgabe 1955) sowie Anm. 8.

2 Flämisch (Vlämisch, Vlaamsch )= Oberbegriff für die südlichen Dialekte der niederländischen Sprache, die jedoch in sich keine Einheit bilden. Verbindlich ist heute auch in Belgien die einheitliche Schriftsprache und Orthographie zum Niederländischen: das Allgemeen Beschaaft Nederlands, abgekürzt: ABN.

Siehe Omer Vandeputte: Niederländisch. Die Sprache von zwanzig Millionen Niederländern und Flamen, 2. Aufl. Rekkem (Stichting Ons Erfdeel) 1988, Johanna A. Kossmann-Putto: Die Niederlande. Geschichte und Sprache der nördlichen und südlichen Niederlande. Rekkem (Stichting Ons Erfdeel) 1993 sowie Lode Wils: Waarom Vlaanderen Nederlands spreekt, 3. Aufl. Leuven (Davidsfonds) 2003.

3 Die Leye (französisch Lys, gesprochen mit scharfem Ess) ist ein Nebenfluss der Schelde (französisch Escaut), 209 km lang und grösstenteils kanalisiert. Sie entspringt dem Hochland von Artois und mündet bei Gent. – Siehe zur Geographie Roland Anheisser: Flandern, Brabant, Hennegau und Lande an der Maas, 3. Aufl. Darmstadt (Kichler) 1944.

Die Altstadt von Rijsel Lille) umfliesst die Leye kreiselförmig. Dieser Flussverlauf wurde so aus Gründen des Festungsbaus von dem berühmten Kriegsingenieur und Nationalökonom Sebastian Vauban um Jahr 1667 angelegt.

4 Rijsel (so nach ABN, manchmal aber auch Rysel und Ryssel geschrieben) ist eine uralte flandrische Stadt. Heute ist sie unter dem Namen Lille Hauptstadt des französischen Departements Nord. – Siehe Éric Bussière (Hrg.): Le grand Lille. Antwerpen 2000 (Reihe: L’esprit des villes d’Europe) und die dort angegebene Literatur.

5 Im Frieden von Utrecht im April 1713 (der den spanischen Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714 in Bezug auf Frankreich beendete) fiel diese alte flandrische Stadt an Frankreich.

Siehe über den spanischen Erbfolgekrieg und das Schicksal Flanderns das Literaturverzeichnis von W. Calvin Dickinson und Eloise R. Hitchcock: The War of the Spanish Seccession, 1702–1713. Westport (Meckler) 1996 (Reihe: Bibliographies of Battles and Leaders, Bd. 15), Klaus-Ludwig Feckl: Preussen im Spanischen Erbfolgekrieg. Frankfurt, Bern (Lang) 1997 (Reihe: Europäische Hochschulschriften, Reihe 3, Bd. 123) sowie viele Details aufrollend Max Braubach: Die Bedeutung der Subsidien für die Politik im spanischen Erbfolgekriege. Bonn, Leipzig (Schroeder) 1923 (Reihe: Bücherei der Kultur und Geschichte, Bd. 29); Nachdruck Ann Arbor (University Microfilms International) 1982.

6 Im Selbstbewusstsein der französischen Gebildetenschicht ist Frankreich \“la grande nation à la tête de la civilisation\“, zu deutsch: die überragende Nation an der Spitze des Fortschritts. Diese Aussage findet sich in der ersten Vorlesung des ersten Bandes des weit verbreiteten und auch in deutschen Schulausgaben gedruckten Lehrbuchs von François Pierre Guillaume Guizot: Histoire de la civilisation en Europe depuis la chute de l’Empire Romain jusqu’à la révolution Française, 24. Aufl. Paris (Didier) 1898, S. 4. – Eine kommentierte Teilneuausgabe des Werkes erschien 1985 in Paris (Hachette).

7 Im Gefolge der französischen Revolution von 1789 wurde Europa bis zum Jahr 1813 mit Kriegen überzogen, die sich vor allem in Deutschland abspielten und zu einer unsäglichen Verarmung der Bevölkerung führten. – Siehe hierzu Johann Heinrich Jung-Stilling: Über den Revolutions-Geist unserer Zeit zur Belehrung der bürgerlichen Stände. Marburg (Neue Akademische Buchhandlung) 1793 sowie Norman Hampson: Vor dem Terror. Das revolutionäre Frankreich 1798–1791. Wien (Böhlau) 1989 zum inneren Gefüge der Revolution.

8 Schlacht bei der Kalteiche = Am 04. Juli 1796 fand an dieser Stelle ein Gefecht statt, bei dem etwa 60 000 Soldaten des französischen Heeres unter dem Kommando von Napoléon gegen ungefähr 37 000 Österreicher kämpften. Allein die Österreicher verloren 16 Offiziere, 723 Mann und 79 Pferde; die Verluste der Franzosen dürften ähnlich hoch gewesen sein. Die vielen Toten mussten grösstenteils von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften begraben und die Verwundeten von den einzelnen Privathaushalten aufgenommen und gepflegt werden. – In den Tagen um dem 04. Juli jeden Jahres glauben viele bis heute das Gestöhne der Sterbenden und Schwerverletzten zu hören.

Siehe hierzu ausführlich (mit Lageplänen der beiden Streitmächte) Karl Löber: Ausgewählte Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Dill-Sieg-Gebiets. Marburg (Hessische Vereinigung für Volkskunde) 1971, S. 35 ff. und die dort angegebene Literatur, Heimatverein Zeppenfeld: Das Gefecht auf der Kalteiche 1796, in Zeppenfelder Heimat, № 20 (1992) mit Details auch zu den Gräbern sowie Frank Verse (Hrsg.): Archäologie auf Waldeshöhen. Eisenzeit, Mittelalter und Neuzeit auf der \“Kalteiche“ bei Haiger, Lahn-Dill-Kreis. Rahden (VML Leidorf) 2008 (Münstersche Beiträge zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie, Bd. 4); hier auch mehr über Skelettfunde (S. 137 ff.).

Die Kalteiche liegt im Osten des Kreises Siegen-Wittgenstein etwa 11 Kilometer Luftlinie südöstlich von Siegen zwischen Wilnsdorf (Nordrhein-Westfalen) im Nordwesten und Haiger (Hessen) im Südosten. Ihre dicht bewaldete Bergkuppe erhebt sich rund 700 Meter nordwestlich der hessischen Grenze.

Über den Bergrücken Kalteiche erstreckt sich seit 1972 die Autobahn 45 (\“Sauerlandlinie“) und führt hier auf eine Höhe von 504 Meter empor. In Nord-Südrichtung verläuft der Anstieg in 16 Kilometer von 324 Meter bei Siegen (Höhenunterschied also 180 Meter). In Süd-Nordrichtung geht die Autobahn 45 von 204 Meter bei Herborn in 24 Kilometer auf den Gipfelpunkt (Höhenunterschied damit 300 Meter). Wegen dieser topographischen Lage ist der Streckenabschnitt der A 45 an der Kalteiche infolge Nebels und im Winter durch Schnee und Blitzeis besonders unfallgefährdet. – Siehe Der Bundesminister für Verkehr (Hrsg.): Bundesautobahn Dortmund-Gießen. Sauerlandlinie (Bundesanstalt für Straßenwesen) 1971. Manche halten die heutige Trassenführung für eine Fehlplanung.

9 Korps = früher ein Militärverband, der sämtliche Armeeteile (Infanterie, Kavallerie, Artillerie usw.) umfasst.

10 Fuss= altes deutsches (durch 12 oder 10 teilbares) Längenmass verschiedener Grösse (zwischen 25 und 33,3 Zentimeter); hier etwa 3,50 Meter

Siehe hierzu im einzelnen G. M. Kletke (Hrg.): Maaß- und Gewichts-Ordnung vom 17. August 1868 nebst Eich-Ordnung vom 16. Juli 1869, 2. Aufl. Berlin (Hempel) 1871 mit Umrechnungstabellen für die einzelnen Fuss-Masse sowie Trutzhart Irle: Werteinheiten der älteren Wirtschaft des Siegerlandes. Siegen (Heimatverein) 1970, S. 9

11 Die Kathedrale von Rijsel (Lille) ist dem Heiligen Moritz (Maurice, Mauritius) geweiht. Sein Fest wurde am 22. September gefeiert. In dem neuen (seit dem Jahr 1969 in der Katholischen Kirche gültigen) Heiligenkalender ist Moritz nicht mehr enthalten, was vor allem einem gewandelten Verständnis von den Heiligen und der Authentizität der alten Heiligen zuzuschreiben ist. – Siehe hierzu Paolo Molinari: Die Heiligen und ihre Verehrung. Freiburg, Basel, Wien (Herder) 1964, insbes. S. 15 ff. sowie theologisch und geschichtlich zur Heiligenverehrung Arnold Angenendt: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, 2. Aufl. Hamburg (Nikol) 2007 (mit ausführlichem Literaturverzeichnis S. 397 ff.).

12 Mauritius war Schutzpatron der Infanterie, Sankt Georg der Kavallerie, Sankt Barbara der Pioniere und Sankt Florian der aktiven Soldaten gesamthaft. – In Deutschland ist bis zum heutigen Tag vor allem die Abteikirche von Tholey im Saarland ein Verehrungsort des Heiligen Moritz; dort befinden sich auch Reliquien des Heiligen. – Siehe Franz Karl Schwarzmann: Hl. Mauritius. Auf den Spuren eines Heiligen, eines römischen Offiziers und seiner Gefährten in Niederösterreich. Wien (Militärbischofsamt) 2001 (mit Literaturverzeichnis, S. 114 f.).

13 Mauritius führte die thebäische (die in Thebäis in Oberägypten errichtete) römische Legion. Er wurde zur Christenverfolgung abkommandiert, weigerte sich aber und wurde deshalb um 290 hingerichtet.

Siehe aus der reichhaltigen Literatur Adalbert J. Herzberg: Der Heilige Mauritius. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Mauritius-Verehrung. Düsseldorf (Schwan) 1981 (Nachdruck der Ausgabe 1936) und Gude Suckale-Redlefsen: Mauritius: der heilige Mohr. München (Schnell und Steiner) 1987 sowie Ekkart Sauser: Mauritius und Gefährten, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 17. Hamm (Bautz), Sp. 918 f.

14 Manche der Nassau-Oranischen Grafen bzw. Fürsten trugen diesen Namen. Am bekanntesten wurde wohl Johann Moritz, 1604–1679. Zudem ist Moritz (auch: Moriz) als Vorname und Familienname im Siegerland geläufig. – Siehe hierzu auch Lothar Irle: Die Vornamensgebung im Siegerland. Siegen (Vorländer) 1932.

15 Siehe neben der in Anm. 1 genannten Literatur auch Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969, S. 73 ff. (mit vielen Karten), Franz Petri, Otto Lucas, Peter Schöller: Das Siegerland. Geschichte, Struktur und Funktionen. Münster (Aschendorff) 1955 (Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volkskunde) mit zahlreichen Karten sowie Friedrich Wilhelm Busch: Von der Waldschmiede zur Eisenindustrie. Zweieinhalb Jahrtausende Eisenerzerzeugung und Eisenverarbeitung im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1997 (S. 109: weitere Literatur) mit vielen Abbildungen und Literaturverweisen.

16 Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneigelehrtheit (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. – Siehe kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (Walter de Gruyter) 1987, S. 467 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, Hrg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. IX–XXXI (Einleitung). Kurz über das Leben von Jung-Stilling schreibt auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede 1988. – Jung-Stilling wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

Mit Urkunde seines Landesherren, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799), datiert vom 31. März 1785, erhielt Jung-Stilling als Professor für praktische ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg im Herbst 1785 den Rang eines \“Kurpfälzischen Hofrats\“, den er ab da auch auf allen Buchtiteln führt; siehe Gustav Adolf Benrath: Jung-Stilling in Kaiserslautern 1778–1784, in: Pfälzer Heimat, Nr. 2/1991, S. 70. – Das mit diesem Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu dieser Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was besonders Jung-Stilling als reisenden Augenarzt zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Stadttoren, Übergängen, Fähren, Brücken sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen Schlagbäumen mit ihren Post-, Maut- und Grenzstationen.

Siehe Grundsätzliches zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff.

Vgl. zu Themenkreis der \“Theorie der Geister=Kunde\“ auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, Hrg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2) sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Diese Schrift ist auch unentgeltlich als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/~stilling/downloads.htm> abrufbar.

17 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in verschiedene Sprachen.

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als – Œ \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223) bzw. – Ž \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen –  als Engel \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), – ‘ den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber – ’ auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und – “ Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufname Selma seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie – ” zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), – • ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. (auch kostenlos im Internet unter <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.– Vgl. zum Grundsätzlichen auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet den URL <http://www.himmelsboten.de>

18 Glückauf = alter bergmännischer Gruss; ursprünglich der Anwunsch nach gefahrloser Auffahrt aus dem Berg. Bis etwa 1965 in den deutschen Bergbauregionen eine verbreitete, auch allgemeine Begrüssungsform; seitdem erloschen. Der Gruss gilt heute als absonderlich, ja sogar den der heimischen Bergbautradition unkundigen Jüngeren als lächerlich.


Hark, a thrilling voice is sounding! \“CHrist is nigh\“ we hear it say;
\“Cast away the works of darkness, o ye children of the day!\“

Startled at this solemn warning, let the earth-bound soul arise;
CHrist, her sun, all sloth dispelling, shines upon the morning skies.

Edward Caswall (1814-1878)



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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