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Emanuel Swedenborg und Jung-Stilling

veröffentlicht am

Bericht über eine nachtodliche Redwechslung inmitten der Stadt Zürich mit dem hochgelehrten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),

der Philosophie und Medizin Doktor,

seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübertragung ab 1803 Badischer Hofrat, durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Marburg/Lahn, dort auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit Herbst 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dort-selbst auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenkrankheiten und behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomi-schen Sozietät sowie auch seit 1781 bis zum Verbot der Geheimgesellschaften in kur-pfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch kurfürstlichen Erlass vom 22. Juni 1784 aus München der erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ zu Kaiserslautern Mitglied

Durchdrungen von der Wichtigkeit der lichtfreundlichen Botschaft, diese ohne Tröle-rei gleichentags noch mit gewissenhafter Genauigkeit (dank der verhilflichen Befür-sorgung von Herrn Bergrat Swedenborg) dienstfertig aufgeschrieben. Unter Anwün-schung allerseitigen wohlgedeihlichen Erwirkens – und mitan alle Leser gÖttlicher Verwahrung und getreuen englischen Schutzes bestens empfehlend – ins World Wide Web gestellt durch

Frohbänich Dütschzesie

in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Copyright 2002, 2009 by Markus-Gilde. V., Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). – Die gewerbliche Verwertung des nachstehenden Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers.

mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Zwei Ruhebank-Nachbarn inmitten von Zürich

Recht lang war ich durch Zürich gegangen.
Nun spürte stark ich das Verlangen,
Mich auszuruhn auf einer Bank,
Auf die erschöpft ich niedersank.
Die Bank war leer; sprich: ausser mir
Sass keiner um die Zeit jetzt hier.
Doch auf der Bank gleich nebenan
Zwei Herrn ich in den Blick gewann.

Ich nickte gleich ein wenig ein,
Obzwar der Lärm dort ungemein.
Die Zürcher Luft macht sehr leicht schlapp;
Denn Abgas steigt hier dicht herab
Aus all den Autos und Maschinen
Sowie von tausenden Kaminen.

An Feinstaub-Niederschlägen gar
Am Gipfel bietet Zürich sich dar,
Wiewohl man dies nicht gerne hört,
Weil es den Stolz der Zürcher stört,
Für die es steht ganz zweifelsfrei,
Dass ihre Stadt die beste sei:
Und niemand auf der ganzen Welt
Es besser als just hier gefällt.

Doch Dunst und Staub man nicht verschweigt:
Er wird behördlich angezeigt
Im Gegensatz zu andren Orten,
Die solche Daten heimlich horten.
Selbst wenn durch Smog schon Düsternis
Zäh breitet aus sich in Paris,
Hält man mit Zahlen sich bedeckt:
Touristen werden rasch verschreckt!

Erwachend blickte ich umher
Und sah jetzt wie von ungefähr
Auch auf die Bank gleich neben mir;
Die Zwei noch immer sassen hier.

Jung-Stilling und Swedenborg zeigen sich

Doch war verdutzt ich, ja entsetzt,
Als winkte mich der eine jetzt
Zu sich heran; denn mir war klar
Ganz plötzlich wer der Herr dort war.
Unmöglich schien Verwechselung:
Der Mann war Hofrat Doktor Jung!1

Ich schritt zur Bank und gleich mein Blick
Nahm wahr den zweiten Herrn: recht schick,
Bis hin zum Fuss ein Überkleid,
Wie modisch es in alter Zeit,
Bestückt mit Knöpfen wohl aus Gold,
Das Antlitz mild, das Lächeln hold.
Aus ihm heraus erglänzte ganz
Ein farbig-heller Strahlenkranz,
Was zeigte an, dass er ein Christ,
Der selig jetzt im Himmel ist.

Ich spürte: mir war plötzlich klar
Wer der Begleiter Stillings war.
Der noble Herr, froh und vergnüglich,
Schien Bergrat Swedenborg2 untrüglich.

Freundschaft mit Emanuel Swedenborg nicht gerade eine Empfehlung für Jung-Stilling

\“Herr Hofrat3 Jung\“, nahm ich das Wort,
\“Sie wissen, dass besteht noch fort
Der Schimpf der Wirklichkeits-Verdreher,
Dass sie im Grund ein Geisterseher.

Man schilt Phantast sie, Spiritist,
Der Trugwerk aufgesessen ist,
Wie klar sich aus dem Text bekunde
Der ‚Theorie der Geister=Kunde‘.4
Auch sei an Blendwerk überreich
Die ‚Szenen aus dem Geisterreich.5
Erst recht ihr Buch wird kritisiert,
Dem Primas Dalberg6 dediziert,
Worin sie gehen auf die Spur
Dem Rätselhaften der Natur.7

Ich kann darob es nicht verstehen,
Dass sie sich nieden lassen sehen
Zu Zürich hier mit jenem Mann,
Den klagt man ja besonders an,
Dass mengte massenweis er bei
Dem Christenglauben Zauberei
Nebst Spiritismus und Magie:
Ergüsse wirrer Phantasie,
Die ja bereits der grosse Kant8
Zu jener Zeit genau benannt,
Als Swedenborg noch nieden lebte
Und Beifall zu geniessen pflegte.

Der Ruf, dem Swedenborg ureigen,
Kann hin auf sie sich leicht doch neigen,
Der sie ja auch, wie schon gesagt,
Als Geisterseher angeklagt.\“ –

Schändliche Verunglimpfung von Bergrat Swedenborg

\“Mein Stillings-Freund\“9, sprach Hofrat Jung,
\“Mich ärgert solche Lästerung!
Bemüht hat man sich doch vergebens
Herrn Bergrat Swedenborg zeitlebens
Als Ketzer, Irrgeist, Pharisäer,
Phantast, Verrückten, Geisterseher
Zu ordnen ein, was ausschloss schon
Klar eine Sonder-Kommission.10

Bestätigt hat sie, dass rundum
Konform sind mit dem Christentum
Des Bergrats Bücher, seine Schriften,
Ja: diese hohen Nutzen stiften,
Weil sie mit aller Festigkeit
Verweisen auf die Ewigkeit
Sowie auf GOttes weisen Plan,
Der jedem Menschen zugetan
Auch einen Engel, der ihn schützt:
Und ihn auf Erden unterstützt.

Alte und neue Glaubensfeger wollen von Geistern und Engeln nichts hören

Das aber hielten damals schon
Recht viele für Spekulation,
Wiewohl man doch in Heilger Schrift
In schier einjedem Buche trifft
Auf Engel, Geister jeden Stands:
Schlagt nach in eurer Konkordanz.11

Wer deshalb sagt, dass heidnisch sei
Die Engelslehre: Gaukelei,
Beweist, dass ihm ist nicht bekannt,
Was klar uns hat die Schrift genannt.

Die Bibel haben stets verbogen
Besonders ja die Theologen.
Sie griffen Swedenborg auch an,
Als dieser über Engel sann.
Von seherischem Blick getrieben
Hat dieser freilich auch geschrieben
So manches, was man schwer sieht ein:
Dem Unfassbaren nah mag sein.

Auch sprach er ab zur Lebenszeit
Den Engeln reine Geistigkeit:
Er sah in seinen Visionen
Nur Geister jetzt im Jenseits wohnen,
Die Menschen ehevor hienieden,
Von GOtt zu Engeln nun beschieden.

Ihr wisst, dass ich das richtig sah.
Mir zeigten klar sich Engel da
Von absoluter Geistigkeit
Und andere in Menschlichkeit,
Die GOtt zu einem höhren Stand
Im Jenseitsleben würdig fand.12

Weil Swedenborg, als er auf Erden,
Kam in Kontakt nur mit Verklärten,
Die – Menschen einst – im Himmel jetzt
In Engelszustand sind versetzt,
So nahm er an, dass dorten nur
Sind Engel letzt von Mensch-Natur.

Herr Bergrat Swedenborg, mein Freund,
Im Himmel nun mit Licht umzäunt,
Hat längst indessen eingesehen,
Dass GOttes Wesen näherstehen
Die Engel, deren Wesenheit
Besteht aus purer Geistigkeit.

Geister und Engel darf es in der „aufgeklärten“ Welt und in der „liberalen“ Theologie jetzt nicht mehr geben

Die Engel sind heut ‚abgeschafft‘,
Denn GOtt braucht keine Dienerschaft!
Die Geister lasse man im Himmel,
Verschone sie vor Weltgewimmel.

Weswegen sollten letztlich schon
Auch Engel treten in Aktion
Zu unsrer Zeit, wo Menschen alles –
Das Meiste wohl doch jeden Falles! –
Aus eigner Kraft zu regeln wissen?
Da kann man Engel durchaus missen!

Auch treten ernste Zweifel auf,
Ob Engel heut den Zeitenlauf –
Geprägt durch Fernsehn, Telephon:
Durch Tele-Kommunikation –
Denn überhaupt auch wohl verstünden:
Ob Technik könnten sie ergründen?

Sind Engeln denn bekannt allschon
Begriffe wie Information?
Was wissen sie von der Dramatik
Der zeitgemässen Informatik?
Was von Miniaturisierung,
Vernetzung, Digitalisierung?

Weil GOtt bedarf der Engel nicht,
Und nieden man übt gern Verzicht
Auf ihren Beistand, ihren Schutz,
Sind Engel niemanden zu Nutz.
Sie sind ein Rest von altem Wahn
Und werden deshalb ‚abgetan‘.

Engel als „Abergeister“ zu bezeichnen, deutet erkennbar auf Dreistigkeit und Überheblichkeit

Jedoch, man sollte nie vergessen
Und immer eingedenk sein dessen:
Kein Glaubensfeger auf der Welt
Dem ‚abzuschaffen‘ es gefällt
Kann GOttes Geister je gebieten:
Im Jenseits nicht und auch nicht nieden!

Es deutet auf Vermessenheit
Auf Anmassung und Dreistigkeit,
Wenn man in Besserwisserei,
Aus Hang und Sucht zur Rüffelei
Dem HErren GOtt schreibt vor, wie ER,
Verbindung zur der Welt stellt her.\“ –

Hat Stilling die Einseitigkeit des Idealismus von Kant denn nicht durchschaut?

\“Herr Hofrat Jung\“, ich unterbrach,
\“Schon oft ging ich der Frage nach,
Wieso denn ausgerechnet sie
Als Fachmann in Philosophie –
Der hielt zu seiner Studienzeit
Schon ein Kolleg in Weltweisheit
Das Hörer zog ‚die Menge‘ an,
Wie man bei ihnen lesen kann13
Dass also ihnen fiel nicht auf,
Wie wegbiegt, abirrt Kant zuhauf
Von dem, was Schlüssigkeit verlieh
Seit jeher der Theologie?

Kants Idealismus will das Denken
Allein aufs Diesseits nur beschränken:
Da alles Sein Bewusstsein sei,
Die ganze Aussenwelt dabei
Nur Vorstellung, ‚Idee‘ bloss ist,
Und Wirklichkeit sich kaum ermisst.

Für sie als Arzt und Ökonom
War Wissenschaft doch kein Phantom!
Drum muss doch klar gewesen sein,
Dass solche Lehre führt hinein
Direkt in den Subjektivismus:
Sodann flugs zum Relativismus.
Denn klar steht ja in Widerstreit
Zur allgemeinen Gültigkeit
Von wissenschaftlichen Gesetzen –
Die praktisch auch sind umzusetzen! –
Kants Lehrsatz, dass Realität
Dem Geist sich wirklich nie verrät.

Naturrechts-Verneinung führt zum Positivismus

Auch sei ein Punkt hier angeführt,
Der sie, Herr Hofrat, stark berührt,
Weil sie in allem, was sie schreiben,
Entschieden bei dem Grundsatz bleiben,
Dass GOttes Schöpfung, die Natur
Von IHm auch Ordnung, Sinn erfuhr
Und deshalb wir auch zur Genüge
Erkennen Sinn- und Wertgefüge.14

Bezug auf Schöpfung hat nun Kant
Aus unausführbar strikt verbannt.
Naturrecht wurde so entzogen
Das Fundament, sein Stützesbogen.

Nach Kant ist Legitimität nicht trennbar von Legalität

So konnte sich mit Fanatismus
Verbreiten Rechts-Positivismus:15
Er gab moderner Tyrannei
Das grauenvolle Unrecht bei
In Thesen, wie ‚Recht ist nur das,
Was der Partei ist auch zupass
Beziehungsweise ‚Recht ist bloss,
Was unser Volk macht stark und gross‘:
Doktrinen, selbst zu unsrer Zeit
Gelehrt noch mit Verbissenheit,
Wiewohl durch sie doch Leid nebst Gram
Millionenfach zu Menschen kam.

Naturrechts völlige Verneinung
Beherrscht trotz alledem die Meinung
Der ganzen Rechtsgelehrsamkeit:
Die Saat von Kant sehr schlimm gedeiht!

Und das, Herr Hofrat, haben sie
Durchschaut, erkannt tatsächlich nie,
Wo doch der Papst in Rom sogar
Die Folgen legte deutlich klar?16

Sie heben gar noch mit Gebimmel
Den Kantianismus in den Himmel!
Wie konnten sie sich so versehen?
Das möchte wahrlich ich verstehen!\“ –

Jung-Stilling blickte drein verlegen:
Mein Vorhalt schien ihn zu bewegen.
Doch Bergrat Swedenborg hielt nun
Zu helfen ihm für opportun.

Bergrat Swedenborg stellt die Vorwürfe ins rechte Licht

\“Herr Frohbänich! Mein Bruder Jung
Hat sehr bald mit Ernüchterung
Erkannt, wie sehr durch Kantens Saat
In vieler Köpfe Wirrsal trat.

Bedenkt, dass Stilling sich ja nie
Befasste mit Philosophie
In planvoll-schulgerechter Weise.
Ihn täuschte daher das Gegleisse:
Die scheingelehrte Klügelei,
Und salbungsvolle Dalkerei,
Die Kant – das räume ein auch ich! –
Beherrschte ja so meisterlich.

Auch hätte aus den Sprachergüssen
Vielleicht er schon erkennen müssen,
Dass jemand, der so wolkig schreibt
Bestimmt nicht ‚Auf=Klärung‘ betreibt.
Denn Sätze derart schwer verständlich,
Verworren, meist gedehnt unendlich,
Die deuten hin auf einen Geist,
In dessen Hirn viel Nebel kreist.

Deutsche Sprache regt zur Wirrnis an

Ihr wisst, dass ich schrieb in Latein.
Gebrauch der Sprache schränkt sehr ein,
Dass schierer Überschwang regiert,
Man sich in Wahn und Trug verliert.

Die deutsche Sprache ist dagegen
Geeignet, dienstbar allerwegen,
Um zu verbergen die Gedanken,
Auch sie verhüllend zu umranken,
Ganz neue Wörter auszudenken,
Von Klarheit damit abzuschwenken
(Denkt nur, was letztlich ist versteckt
Im ‚transzendentalen Subjekt‘!17),
Und lange Sätze draus zu weben,
Die dem Verstehen sich entheben,
Wie dies ja wundervoll verstand
Der darin meisterhafte Kant.

Nur: viele sind ja noch bis heute
Des Geistverwirrers leichte Beute;
Selbst Professoren bieten dar
Als ‚Kantianer‘ sich sogar!
Ob dessen ist es Lästerung
Zu rügen meinen Bruder Jung.\“ —

\“Herr Bergrat\“, sagte darauf ich,
\“Sie haben falsch verstanden mich!
Ich habe Hofrat Jung sehr gern;
Es liegt mir darob völlig fern,
Zu rügen ihn; ich wollt nur wissen,
Warum er war so hingerissen
Von dem, was seinerzeit ja Kant
Bei vielen machte interessant.

Doch haben sie, Herr Bergrat, wohl
Erkannt sofort, dass letztlich hohl
Auch irrig, falsch ist und verkehrt,
Was Kant und seine Schule lehrt.\“

Der begrenzte Menschengeist muss das Wesen GOttes in verschiedenen Denkansätzen zu erkennen suchen

Jung-Stilling nahm sich jetzt das Wort
Und führte den Gedanken fort.
\“Beschämend ist, wie missverstand
Der himmelhoch gelobte Kant,
Dass GOtterkennen reihenweise
Bedarf der Schlüsse und Beweise.18
Denn: zahllos sind in dieser Welt
Vor Augen Dinge uns gestellt,
Von denen aus wir GOttes Wesen
Vermögen folgernd abzulesen.19

Man kann auch umgekehrt es sagen:
Den Menschengeist tut überragen
Gewaltig die Vollkommenheit,
Die eignet GOttes Wesenheit.

Um dieser auch annähernd nur
Zu kommenden folgernd auf die Spur,
Muss starten man von vielen Plätzen:
In mannigfachen Denkansätzen
(Wobei jedoch stets unzureichlich
Der Menschengeist; drum ganz begreiflich
Wird GOtt in seinem Wesen nimmer.
Begriffen wird letzt nur ein Schimmer,
Und das erkennbar ist ursächlich,
Dass GOtt bleibt ewig unaussprechlich.)20

Denkt nur an diese Eigenschaften,
Die tief in GOttes Wesen haften:
Unendlichkeit21, Vollkommenheit22,
Allgütigkeit23, Wahrhaftigkeit24,
Die Allmacht25 und Alleinherrschaft26:
Genannt sie seien beispielhaft.

Schlussfolgerungen aus einzelnen Eigenschaften Gottes

Ersichtlich ist doch einzelweis
Zu führen jeweils der Beweis
Auf jede dieser Eigenschaften:
Das lässt sich niemals auskundschaften
So einfach in bloss einem Schluss:
Ein Tor dies selbst erkennen muss.
Drum, Frohbänich, zeigt hier sich klar,
Wie Kantens Geist vernebelt war,
Als die Beweise über GOtt
Besprengte er mit Hohn und Spott.

Bekannt ist ja, wie sehr der Ekel
Den Brausekopf dort an der Pregel27
Erfasste, wenn zur Schmiede-Brücke
Er schritt und durch der Bauten Lücke
Der Dom trat seinen Blicken nah.28
Er mochte nicht, dass bot sich da
Der Gotik Zugkraft: ihr Bestreben
Zu GOtt, ins Jenseits zu entschweben.
Es störte Kant der Lichtesstrom
Mit dem durchflutet ist der Dom.

Wer GOtt erkennt, wer CHristus liebt,
Ganz sicher keineswegs umgibt
Derweise die Sakrophobie,
Wie diese wohl in Kant gedieh.\“

Jung-Stilling entschwindet ins Jenseits

Da Stilling diese Worte spricht,
Entzieht er langsam sich der Sicht.

Mit einmal zeigt er sich verschwommen:
Konturen scheinen weggenommen,
Wennzwar ich noch erkennen kann,
Wie er mich milde lächelt an.

Der Schwund an Umriss wir nun krasser,
Dazu auch Stilling immer blasser,
Was nächstens dann zur Folge hat,
Dass bloss ein Schatten schummrig-matt
Erkennbar ist, wo Stilling eben
Ins Geisterreich ist am Entschweben.
Zuletzt zeigt kurz sich noch ein Strahl:
Erst farbig, schliesslich milchig-fahl.

Swedenborg empfiehlt Stillings Belehrung zum Glück

Ich sehe Swedenborg jedoch
In Vollgestalt hier sitzen noch.
Gefällig sieht er mich nun an
Und sagt zu mir recht freundlich dann:

\“Herr Frohbänich: erschreckt ihr nicht,
Wenn ich auch weiche eurer Sicht.
Ihr wisst, dass meist bloss kurze Zeit
Sich Wesen aus der Ewigkeit
Auf Erden sehen lassen sollen:
Doch lange sie nicht bleiben wollen,
Weil sie es drängt mit Macht zurück
Zu GOtt: zu ihrem vollen Glück.

Vom Glück als jeden Menschen Ziel
Belehrte jüngst ja Stilling viel.29
Sorgt bitte ihr, dass der Datei
Mehr Augenmerk, Beachtung sei.
Denn hier tut Stilling sehr viel kund:
Erklärt des Menschseins letzten Grund!

Herr Dütschzesie: mich hat gefreut
Zu treffen euch zu Zürich heut.
Grüsst alle Stillings-Treuen ihr
Besonders herzlich auch von mir.
Wenn sie im Jenseits treffen ein,
Mag gern ich ihnen hilfreich sein.

Schreibt auf auch diesmal wieder ihr,
Was heut gesprochen wurde hier.
Ich will vom Jenseits aus euch nützen,
Beim Reimen kräftig unterstützen.
Gehabt euch wohl! Bleibt im Gebet!
Dem Trug des Satans widersteht!\“

Swedenborg entrinnt ins Jenseits

Ich sehe bei dem letzten Satz
Noch Swedenborg auf seinem Platz.
Doch plötzlich löst er sich nun auf:
Entzieht sich so dem Erdenlauf.
Sein Körper hell beginnt zu flimmern,
Um dann allmählich zu verschimmern.

Die Bank, auf der er sass vorher,
Verlassen nunmehr war und leer.
Zuvor fiel zuckend mehrmals ein
Auf diesen Ort noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront,
Auch wie er silbrig reflektiert
Auf Flächen, die der Schnee noch ziert.

Allein befinde wieder ich
Gewiss auf dieser Sitzbank mich:
Ringsum des Stadtkerns Lärm-Gebrause,
Das dröhnt tagsüber ohne Pause.

Sofort nahm ich ein Blatt Papier
Und machte drauf Notizen mir –
Damit mir ja auch nichts entflieh –
In Engschrift, in Stenographie,
Die ich beherrsche leidlich noch,
Wiewohl sie aus der Mode doch,
Weil Stimme heute unschwer man
Auf Sprachgeräte speichern kann,
Und Mobiles selbst gestatten jetzt,
Dass Sprache wird in Code gesetzt,
Aus dem zurück in Perfektion
Ertönt dann bei Bedarf der Ton.

Des Abends spät zu Hause dann,
Warf gleich ich den Computer an.
Ich schrieb, was auf der Bank mir kund,
Vorab noch planlos, kunterbunt.

Doch wie war ich erstaunt, erschreckt,
Als hatte plötzlich ich entdeckt,
Dass eine unsichtbare Hand
Den Text in Vers und Reime band!
Ja. auch der Rede Ablauf war
Geordnet sehr genau und klar.
Dazu war auch noch dargeboten
So mancher Hinweis in den Noten,
Aus denen jedermann alsdann
Noch mehr Erkenntnis schöpfen kann.

Herrn Bergrat Swedenborg sei Dank,
Dass alle Reden auf der Bank
Er sachlich richtig hat entfaltet
Und sprachlich anmutsvoll gestaltet.

Das übliche Lästergespei wird erwartet

Wem aber etwas nicht gefällt,
Dem sei es frei anheimgestellt,
Mit Flüchen zu ergehen sich
Nach Salen hin: auf Frohbänich.
Doch lasse man es bitte sein,
Zu dreschen hässig, fuchtig ein
In bösen Worten lästerlich
Auf Bergrat Swedenborg, der sich
Dagegen ja nicht wehren kann,
Wenn greift man nieden ihn bös an.

Und allen, die spitz decken auf,
Wie Swedenborg auch im Verlauf
Des Lebens hie und da sich irrte,
Ein falscher Geist ihn bös verwirrte,
Zu denen offen sei gesagt:
Im Irrtum selbst hoch überragt
Euch Swedenborg in allen Fällen;
Sein Fehler kann noch mehr erhellen
Von GOtt und Welt, als ihr tragt bei
Durch eure Besserwisserei.

Dazu sticht aus er euch sehr weit
An Milde und Gelassenheit,
Auch Weitblick, dessen ihr seid bar,
Weil nur was wägbar euch ist wahr;
Auch alles euch scheint impossibel,
Was nicht steht wörtlich in der Bibel.

Ach Leute: wenn ihr doch begrifft,
Dass nur ein Bruchstück lehrt die Schrift
Von dem, was GOttes Wesenheit
Die Vielfalt, Fülle, Pracht verleiht;
Dass Swedenborg und Stilling beide
Ein Blick gewährt ward in die Weite
Der Schöpfung GOttes, die euch nicht
Kommt je im Leben zu Gesicht,
Dass Engel sie und Geister sahen,
Die sonst sich kaum den Menschen nahen:

Dann soll euch das zum Danke leiten,
Weil GOtt sprach von SIch durch Beiden –
Und nicht zu Neid, Verbissenheit,
Zu Missgunst und Gehässigkeit.

Wer aber gar nichts glaubt von dem
Was Frohbänich in dem Poem
Berichtet und erläutert hat,
Wo Ablehnung nur findet statt:
Der freue doch der Jamben sich,
Die bieten dar sich meisterlich.

Anmerkungen, Quellen und Erläuterungen

* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  von 1743 an durch Erbfolge Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hes-sen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kon-gress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1946 bis heute Gebietsteil des Kreises Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110 000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Ne-benfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie ge-messen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilome-ter), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Sie-gen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theo-dor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsver-lauf; leider aber auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat hier auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopf-macher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Hauslehrer ge-sammelt.

1 Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneigelehrtheit (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. – Siehe kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (Walter de Gruyter) 1987, S. 467 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensge-schichte. Vollständige Ausgabe, hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. IX–XXXI (Einleitung) – Jung-Stilling wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

(a) Siehe Grundsätzliches zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Hein-rich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsi-gen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererschei-nungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw‘-sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff. – Es erschienen damals bei Raw im Frühjahr 1808 zwei Ausgaben der \“Theorie der Geister=Kunde“, und zwar auf verschiedenartigem Papier gedruckt. Im gleichen Jahr kam dann auch noch ein (Raub-)Nachdruck \“Frankfurt und Leipzig [ohne Verlagsanga-be], 1808“ heraus.

(b) Ein weiterer widerrechtlicher Nachdruck, veranlasst durch den Buchhändler Jakob Sonnenwald zu Stuttgart, wurde (wohl vollständig) beschlagnahmt und vernichtet. Dazu findet man im Intelligenzblatt zur Jenaischen Allgemeinen Litteraturzeitung №. 31 vom Samstag, den 22. April 1809, Spalte 263 folgende Meldung:

\“Auf Befehl des Königs von Wirtemberg [so!] ist, um der weiteren Verbreitung der mit der gemeinschädlichen Irrthümern angefüllten Schrift des Hofraths Jung: ‘Theorie der Geisterkunde,’ ein Ziel zu setzen, von dem königl. Policey-Ministerium zu Stuttgardt verordnet worden, daß außer der bereits verfügten Confiscation der, von dem ohne censuramtliche Erlaubniß durch den Buchhändler Sonnenwald zu Stuttgardt veran-stalteten und mit der gebührenden Strafe geahndeten Nachdruck, noch vorhanden gewesenen Exemplarien, dieses Buch gänzlich und überall im Reiche verboten, den durch Sonnenwald verschlossenen [von verschleissen = durch Verkauf absetzen] oder anderen auswärts hereingekommenen Exemplarien nachgespürt, gedachter Nachdrucker sowohl als die übrigen Buchführer des Königreichs über den Verkauf, wohin und an welche Personen solcher geschehen, vernommen, die Buchläden und sonstige Niederlagen gedruckter Schriften genau durchsucht, und sofort alle vorge-fundenen Exemplarien ohne weiteres hinweggenommen und vernichtet werden sol-len\“

(c) Die \“Theorie der Geister=Kunde\“ von Jung-Stilling wurde seither bis in unsere Tage in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch –  1812 ins Schwedische (veranlasst durch Prinz Karl von Hessen-Kassel [1744–1836], mit dem Jung-Stilling zu jener Zeit in enger Verbindung stand; der Übersetzer ist wahrscheinlich der junge Isaak Dahl [1782-1813], dessen Mutter Christina Kullmann [1751-1814] Deutsche, der Vater Gudmund Dahl [1739-1826] Schwede war); –  1814 ins Niederländische (durch Joan Petrus Kleyn (1760-1805), –  1834 ins Englische (durch Samuel Jackson von Tulse Hill, heute Stadt-teil von London) –  1851 ins Amerikanische (durch Pfarrer George Bush, 1796–1859) sowie –  noch 1862 ins Französische übersetzt; hier blieb der Übersetzer (höchst wahrscheinlich ein Waadtländer Pfarrer) bis anhin unbekannt. – Für die deutschsprachi-gen Leser in den Vereinigten Staaten kam 1816 eine Ausgabe bei dem Verleger Heinrich B. Sage in Reading, Pennsylvania heraus; Jung-Stilling hatte in Amerika eine ansehnli-che Lesergemeinde, und Sage brachte auch andere Werke von Jung-Stilling dort zum Druck. – Siehe hierzu und zur Jung-Stilling-Literatur gesamthaft die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

(d) Vgl. zu Themenkreis der \“Theorie der Geister=Kunde\“ auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, herausgegeben und eingeleitet von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2) sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Diese Schrift ist auch als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> unentgeltlich abrufbar.

(e) Siehe in diesem Zusammenhang die entsprechenden Erscheinungs-Berichte (soweit diese im Druck erschienen bzw. veröffentlicht sind) bei –  Treugott Stillingsfreund: Er-scheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987, –  S. 12 (zu Siegen, wo Jung-Stilling als junger Lehrer bei dortigen Unterbehörden mehrfach zu tun hatte), –  S. 18 (zu Frankfurt am Main, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten öfters weilte und dort Augenkranke operierte; er wohnte dann im Hause Goethe im Hirschgraben), –  S. 34 (zu Marburg an der Lahn, wo Jung-Stilling von 1787 bis 1803 als Lehrer für Ökonomik wirkte, daneben aber auch ophthalmologische Lehrveranstaltungen an der medizinischen Fakultät abhielt), –  S. 41 (zu Hilchenbach-Müsen im heutigen Kreis Siegen-Wittgenstein des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen; Jung-Stilling besuchte in Hilchenbach von Michaeli (= 29. VIIber) 1750 bis Michaeli 1755 die Lateinschule), –  S. 48 (im Zentrum der Stadt Siegen), –  S. 88 (zu Rom in recht verzweifelter und äus-serst beschämender Lage).

(f) Weitere Nachrichten finden sich bei –  Gotthold Untermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, –  S. 9 (zu Wuppertal; dort praktizierte Jung-Stilling zu Lebzeiten sieben Jahre als Arzt, Geburtshelfer und Au-genarzt im heutigen Stadtteil Elberfeld), –  S. 16 (zu Heidelberg, allwo Jung-Stilling von 1784 bis 1787 als Professor an der Universität lehrte, und wo er später noch einmal von 1803 bis 1806 wohnte), –  S. 22 (zu Braunschweig, wo Jung-Stilling zu seiner Zeit hie-nieden 1801 weilte und mehrere Augen-Operationen vornahm), –  S. 31 (zu Lausanne am Genfer See), –  S. 40 (zu Salzburg), –  S. 50 (zu Lahr, wo der mit Stilling be-freundete Oberamtsrat Wilhelm Bausch wohnte, der auch dessen Tochter Caroline [1787–1821, aus zweiter Ehe] 1808 als Feriengast aufnahm; Bausch kam 1812 als Kreis-rat nach Freiburg, wurde 1832 dort Regierungsrat und trat 1836 in den Ruhestand), –  S. 56 (zu Burgdorf im Kanton Bern, wo Jung-Stilling auf drei Reisen Starblinde operierte), –  S. 79 (zu Mannheim, wo Jung-Stilling zu seiner irdischen Zeit den regierenden Kur-fürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern, den Statthalter der Kurpfalz Franz Albert von Oberndorff sowie einige einflussreiche Hofbeamte persönlich kannte, und wo er Mitglied der [literarischen] \“Teutschen Gesellschaft\“ war; auch seine Tochter Amalie [1796–1860] wirkte in Mannheim als Schulleiterin; siehe unbekannte Verfasserin: Amalie Jung und das Großherzogliche Fräulein=Institut in Mannheim. Ein Lebens= und Charakter=Bild. Wei-mar [Böhlau] 1873; schliesslich war sein erstgeborener Enkel Wilhelm Heinrich Elias Schwarz Stadtpfarrer in Mannheim), –  S. 90 (im Herzen der alten Reichshauptstadt Wien), –  S. 101 (zu Stuttgart, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1801 und 1802 Augen-kranke operierte und zahlreiche Freunde hatte), und auch an anderen Orten, sowie bei –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner Verlag) 1989, –  S. 41 (auf einem Wanderweg im Siegerland), –  S. 188 (zu Neunkir-chen/Siegerland).

(g) Erscheinungs-Rapporte sind fernerhin aufgezeichnet bei –  Christlieb Himmelfroh: Jung-Stilling belehrt. Kirchhundem (AK-Verlag) 1991, –  S. 11 (zu Siegen), –  S. 75 (zu Kreuztal-Krombach am Grabe von Jung-Stillings Patenonkel, dem fürstlich-oranischen Oberbergmeister Johann Heinrich Jung [1711–1786], der prägend auf ihn einwirkte; siehe hierzu Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung. Ein Le-bensbild. Kreuztal [verlag die wielandschmiede] 1989), –  S. 100 (an einem Autobahn-Rastplatz), –  S. 117 (zu Berlin), –  S. 134 (zu Essen), –  S. 146 (zu Wien) und –  S. 158 (zu Marburg an der Lahn) sowie bei —  Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2), –  S. 7 (im Hochgebirge), –  S. 47 (zu Leipzig, wo Jung-Stilling zu Lebzeiten 1803 und 1804 auf Operationsreisen weilte), –  S. 91 (im Eisenbahnzug); der Text dieser drei Belehrungen ist zum freien Download [Freeware] eingestellt bei <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/>

(h) Weitere veröffentlichte Niederschriften von neueren Gesprächen mit Jung-Stilling kann man unter anderem lesen bei –  Gotthold Untermschloß: Von Leistung, Mühe und Entgelt in dieser unsrer Arbeitswelt. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993, bei Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Un-terweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994, bei –  Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtodliche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Erscheinung im Zug von Basel nach Frankfurt am Main).

(i) Schliesslich sei hingewiesen auf –  Treugott Stillingsfreund: Zur Verschuldung der Entwicklungsländer. Ein Gespräch zwischen Johann Heinrich Jung-Stilling und Treugott Stillingsfreund vom Frühjahr 1987, 2. Aufl. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Be-gegnung im Zug von Köln nach Trier; Broschüre, nicht im Buchhandel; als Download-File unentgeltlich [Freeware] bei <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/> abrufbar), –  Freimund Biederwacker: Springflut der Lügengeister? Illic (Siona-Verlag) 1991 (an der Autobahn nahe Siegen; Broschüre, nicht im Buchhandel) sowie –  Treugott Stil-lingsfreund: Teuflisches Wirken heute. Zur Definition der Ungüter. Zwei nachtodliche Ge-spräche mit Hofrat Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Zusammentreffen in Olpe/Biggesee und in der Altstadt von Bern; Broschüre, nicht im Buchhandel).

(j) Letzthin erschien aus der Feder von –  Freimund Biederwacker: Vom folgenschwe-ren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. Dieses Protokoll (sowie einige weitere Erscheinungs-Berichte) sind auch als Download-Files kostenlos abrufbar unter der Ad-resse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> —  Ganz aktuell berichtet über eine nachtodliche Begegnung in einem Spital auch Liebmunde Kirchentreu: Johann Heinrich Jung-Stilling und der Agnostizismus. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1999. Darin wird die (zumindest anfängliche) Begeisterung von Jung-Stilling für die Lehren des Philoso-phen Immanuel Kant kritisch hinterfragt. —  Schlussendlich kam in gleichen Verlag 2000 die Schrift \“Wundersame Begegnung an der Sal\“ heraus, in welcher Jung-Stilling \“sein innigliches Wohlgefallen ob der ämsigen Sorge um das fruchtbare Erspriessen des Andenkens an Stilling zum Ausdruck bringt, dem mit behendigster Geflissenheit und mi-tan unter grosser Beifreude der Stillings-Freunde nieden und droben sein Nachfahre, Herr Bundesminister a. D. Dr. Dr. h. c. Christian Schwarz-Schilling in absichtsmässiger Benehmung sowie zu gemeinen Nutzens Zweck beförderlichen Vorschub leistet und dar-ob allenthalben innige Befrohlockung auslöste.\“ Als Vermittler dieser Botschaft zeichnet Bleibfest Stillingtreu.

(k) Über die lebzeitigen Reisen und Aufenthalte von Jung-Stilling in der Schweiz siehe Julius Studer: Jung Stilling [so!] in der Schweiz, in: Zürcher Taschenbuch N. F., Bd. 34 (1914), S. 91 ff.

(l) Neuere Literatur von und über Johann Heinrich Jung-Stilling ist auch kurz kommen-tierend aufgezählt bei Erich Mertens: Jung-Stilling-Renaissance, in: Die Neue Ordnung, Bd. 47 (1993), S. 59 ff. – Siehe auch die Fortsetzung sowie viele weitere nützliche Infor-mationen und Literaturhinweise durch den Verfasser bei der Adresse <http://www.jung-stilling-forschung.de>

(m) Zum Aussehen von Jung-Stilling vgl. Wilhelm Güthling: Jung-Stilling in den Augen seiner Zeitgenossen. Siegen (Heimatverein) 1970. – Vergleicht man die dort wiederge-gebenen Portraits miteinander, dann stellt sich die wohl nicht unberechtigte Frage, ob einige der Maler auch damals schon nicht bei weitem mehr Geschick zum Tünchen von Wänden eignete als zum bildnerischen Darstellen eines Menschen.

2 Emanuel Swedenborg (1688–1772), beeindruckender schwedischer Naturwissen-schaftler, Ingenieur und Theologe. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit la-gen bei technischen Konstruktionen, Studien zur Kristallographie (er gilt als der Begrün-der dieser Wissenschaft) und Kosmogonie (Weltentstehungslehre), daneben astronomi-sche, geologische, paläontologische und anatomische sowie physiologische Arbeiten (Swedenborg ist unter anderem der Entdecker der Lokalisation der Gehirnfunktionen). Er setzte sich auch nachhaltig für den Unterricht in der Differential- und Integralrechnung in Schweden ein.

(a) Swedenborg erfuhr in den Jahren 1744/45 eine religiöse Umkehr durch Christus-Visionen. Diese bestimmten ihn zur Hinwendung zu einer visionären Theorie der spirituel-len Welt. Die \“Szenen aus dem Geisterreich\“ sowie die \“Theorie der Geister=Kunde\“ von Jung-Stilling sind von Swedenborg in mancher Hinsicht beeinflusst. – Umfangreiche Bi-belkommentare aus der Feder von Swedenborg dienten dem Ziel der Errichtung einer universalen Religion. Ab 1788 kommt es zur Bildung zahlreicher auf die Lehre Sweden-borgs fussender Gemeinden der \“Neuen Kirche\“ (auch \“Kirche des neuen Jerusalem\“), vor allen in England, Deutschland und in den USA; auch \“Swedenborgianer\“ genannt.

(b) Swedenborg, war als Sohn des späteren Bischofs von Skara in Westgotland (altbe-rühmter schwedischer Bischofssitz mit gotischem Dom) geboren. Er studierte in Uppsala, London, Oxford und Greifswald (die Stadt und ihre 1456 gegründete Universität gehörte von 1648 bis 1815 zu Schweden); 1716 trat er in den Staatsdienst. Im Jahr 1747 nahm Swedenborg mit halbem Gehalt seinen Abschied und wurde mit dem Titel \“Bergrat\“ ge-ehrt.

(c) Siehe zum Verhältnis zwischen Jung-Stilling und Emanuel Swedenborg auch Anne Marie Stenner-Pagenstecher: Das Wunderbare bei Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Vorge-schichte der Romantik. Hildesheim, Zürich, New York (Olms) 1985, S. 95 ff. (Germanisti-sche Texte und Studien, Bd. 24).

3 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass seines Landesherrn, des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724/1742-1799) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hof-rat\“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 427.

(a) Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten 1772 seine an der Universität Strassburg eingereichte medizinische Doktorarbeit gewidmet und dem Widmungsträger Ende März 1772 persönlich im Kurfürstlichen Residenz-Schloss zu Mannheim überreicht. Die Dissertation trägt die Aufschrift \“SPECIMEN DE HISTORIA MARTIS NASSOVICO-SIEGENENSIS\“; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen.

Mars = hier: FERRUM, QUIA ROMANIS OLIM FERREUS MARS FUIT; siehe zur älteren Me-tall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen geordnet Anton Lütgens: METALLORUM NATURAM ET DIFFERENTIAS EXPLICANS DISSERTATIO PHYSICA. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

Sämtliche Naturwissenschaften – und so auch die historische Metallurgie – waren um diese Zeit noch bei der Medizinischen Fakultät einer Universität angesiedelt. Eigene Technische Hochschulen entstanden, zunächst unter der Bezeichnung \“Polytechnikum,\“ erst später; so in Prag 1806, in Wien 1815 und in Karlsruhe 1825.

(b) Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger mancherlei Vergünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt insonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Pos-ten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen an Schlagbäumen mit ihren Post-, Maut- und Grenzstatio-nen.

(c) Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 Kilometer südwestlich von Udine in Vene-tien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II. bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die dauernde Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 heisst es im einzelnen genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi (nämlich Franz II, der letzte Kaiser des alten Reichs; er legte nach Bildung des Rheinbundes am 6. August 1808 die deutsche Kaiserkrone nieder), tant en Son nom qu’en celui de l’Em-pire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg du Rhin (= die Schiffahrts-Rinne) soit désor-mais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvé-tique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

(d) Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

(e) Durch besondere günstige Umstände (verwandtschaftliche Beziehungen zu Frank-reich traten später hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 6./7. April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptiv-tochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf.

(f) Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mann-heim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland; heute Sitz der Universität Mann-heim] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Ba-den durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ Hofrat DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum \“badi-schen\“ Hofrat.

(g) Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Aus-gewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (Anm. 10).

(h) Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (un-bekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buch-handlung) 1820, S. 27.

Bis anhin ist nicht zweifelsfrei geklärt, wer diese Schrift verfasst hat. Vieles spricht für die vielseitig begabte und lebenstüchtige Laientheologin Anna Schlatter-Bernet (1773-1826) in St. Gallen. – Im Vorwort heisst es: \“Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, [so!] die ihr ja auch Christus=Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet. Ihr werdet es nicht lächerlich, nicht unschicklich finden, dass sie so spät erst nach dem Hinscheid [so!] des Unvergesslichen erscheinen, wenn ich euch zum Vor-aus sage: dass ich, als Weib vorerst Männer ausreden lassen – abwarten wollte mit weib-licher Bescheidenheit, was solche zum Denkmal des Allgeliebten aufstellen würden\“ (Or-thographie wie im Original).

(i) Jung-Stilling stand nach seinem selbstgewählten Abschied von der Universität Mar-burg ab 1803 im Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner peri-odischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträ-ge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theo-logie, Bd. 1).

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(k) Karl Friedrich galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Als gelegentlich eines Trauergottesdienstes der katholische Stadtpfarrer Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande der Predigt auch die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholi-schen Einrichtungen unter seiner Herrschaft ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dere-ser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dere-ser), Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (aus-zugsweise im Druck) sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama\“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die Katholiken unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge auch (Franz Joseph Mone:) Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 und überaus einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

(l) Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden von Geistlichen seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königli-chen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 mit 71 Jahren erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann 1772-1843]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Rastatt Statt gehab-ten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811. Holdermann (1772–1843) wirkte als Pfar-rer zunächst in Heidelberg und bis 1829 in Rastatt.

Als elektronische Ressource im Rahmen der \“Freiburger historischen Bestände–digitalisiert\“ ist einsehbar –  die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisun-gen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Pro-fessor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Gleichsam als Heiligen sieht den Verstorbenen –  Aloys Wilhelm Schreiber: Le-bensbeschreibung Karl Friedrichs Großherzog von Baden, 1728–1811. Heidelberg (En-gelmann) 1811 (Schreiber [1761–1841]) war seit 1805 Professor für Ästhetik in Heidel-berg und ab 1813 bis zu seiner Pensionierung Hofgeschichtsschreiber in Karlsruhe)

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutheri-sche und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); –  Theodor Fried-rich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Fried-rich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich er-kennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentari-ums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie –  Karl Joseph Beck: Rede bei der aka-demischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg.

Überspannt auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Groß-herzog von Baden. Bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Bro-chure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Beinahe als Halbgott stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßli-chen Fürsten. Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] gilt als der Erfin-der des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Weithin unkritisch gegenüber den Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Le-gende. Gernsbach (Katz) 2006. – Ebenso blendet Gerald Maria Landgraf (Moderate et prudenter, Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden [1728-1811] Dissertation Universität Regensburg 2008, im Internet abrufbar) das persönliche Leid vie-ler Menschen durch der Religionspolitik des Fürsten völlig aus.

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4 Siehe Anm. 2 zur \“Theorie der Geister=Kunde\“.

5 Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999. – Die \“Szenen\“ erschienen erstmals in zwei Teilen 1795 und 1801 bei Varrentrapp und Wenner zu Frankfurt am Main und erfuhren auch Übersetzungen. – Siehe Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie (Anm. 1, c), S. 102 (Register, Stichwort \“Szenen\“) zu der Fülle der einzelnen Ausgaben.

6 Karl Theodor Reichsfreiherr von Dalberg (1744–1817), des heiligen Römischen Reichs Erzkanzler durch Germanien und Kurfürst, Primas von Deutschland, Erzbischof des heiligen Stuhls zu Mainz, Bischof zu Worms und Konstanz.

(a) Nach dem Übergang der linksrheinischen Gebiete an Frankreich bzw. durch den Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 (siehe Anm. 3 e) wurde Dalberg Erzbischof von Regensburg, Fürst von Aschaffenburg und Regensburg, Graf zu Wetzlar usw.; nach Artikel 4 der Rheinbundsakte vom 12. Juli 1806 Fürst-Primas des rheinischen Bundes (\“Son A. S. l’Électeur Archichancelier prendra les titres de Prince-Primat et d’Altesse Éminentissime“) und Grossherzog von Frankfurt usw.

Siehe –  Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 24, S. 703 ff. (verfasst von Karl Georg Bockenheimer) sowie ausführlicher –  August Krämer: Carl Theodor, Reichsfrei-herr von Dalberg, letzter Churfürst von Mainz. Grundzüge zu einer Geschichte seines politischen Lebens. Leipzig (Brockhaus) 1821 (er erschienen auch andere Ausgaben un-ter ähnlichem Titel durch den gleichen Verfasser).

Die sich stetig rasch wechselnden politischen Rahmenbedingungen bezieht sach-kundig ein –  Carl Freiherr von Beaulieu-Marconnay: Karl von Dalberg und seine Zeit. Zur Biographie und Charakteristik des Fürsten Primas, 2 Bde. Weimar (Böhlau) 1879. –  Die vielen zeitgenössischen Informationen über Karl von Dalberg berücksichtigt auch Klaus Rob: Karl Theodor von Dalberg (1744–1817). Eine politische Biographie 1744–1806. Frankfurt am Main, Bern (Lang) 1984 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 231) und sind auch vielfach dargelegt – bei Karl Hausberger (Hrsg.): Carl von Dalberg, der letzte geistliche Reichsfürst. Regens-burg (Universitätsverlag) 1995 (Schriftenreihe der Universität Regensburg, Bd. 22).

(b) Siehe die neuere Literatur über Dalberg sowie Neueditionen seiner an die 60 Schrif-ten bei Hans-Bernd Spies: Johann Heinrich Jung-Stilling und Carl von Dalberg, in: Sie-gerland, Bd. 76 (1999), S. 131 ff. – Vgl. auch das Download-File \“Dalberg und Jung-Stilling\“ bei <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/>

(c) Jung-Stilling schätzte Karl Theodor von Dalberg sehr; \“es giebt kein Alphabet, daß der grosse herrliche Dalberg noch nicht kannte\“, bekennt er; siehe Jacques Fabry: Kos-mologie und Pneumatologie bei Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 2006, S. 51. (Jung-Stilling-Studien, Bd. 4) und an anderer Stelle: \“Was aber Dalberg sagt, ist wahr, gros und gut\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel [Brunnen Verlag] 2002, S. 122).

7 Siehe (Johann Heinrich Jung-Stilling): Blicke in die Geheimnisse der Natur=Weisheit denen Herren von Dalberg Herdern und Kant gewidmet. Berlin und Leipzig (George Ja-cob Decker) 1787. Diese Arbeit von Jung-Stilling erschien anonym. – Zum Inhalt vgl. er-läuternd Jacques Fabry: Kosmologie und Pneumatologie bei Jung-Stilling (Anm. 6), S. 49 ff.

8 Immanuel Kant: Träume eines Geistersehers erläutert durch Träume der Metaphysik. Königsberg (Kanter) 1766. Unveränderter Nachdruck Erlangen (Fischer) 1988 (Serie Kant im Original, Bd. 7). – Kant schliesst darin zwischen den Zeilen nicht aus, dass Swe-denborg auch betrügerische Absichten gehabt haben könnte.

(a) \“Swedenborg war wissentlich kein Betrüger, sondern ein recht frommer christlicher, und in vielen Wissenschaften gründlich erfahrener Mann. In seinen jüngeren Jahren ar-beitete er an einem neuen philosophischen System, das zwar vielen Scharfsinn, und Kenntniße verräth, aber doch keinen Beifall gefunden hat, aber die beiden Foliobände REGNUM SUBTERRANEUM DE FERRO, und REGNUM SUBTERRANEUM DE CUPRO ET ORICHALCO sind für den Mineralogen und Metallurgen sehr brauchbare Werk\“, schreibt Johann Hein-rich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe auf die an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Sulzers in Konstanz über Katholicismus und Protestantismus. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1811, S. 282 f.

9 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner und Förderer von Jung-Stilling und später dann –  Verehrer oder –  zumindest dem Autor gegenüber wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Begriff wurde in diesen Bedeutungen von ihm selbst ein-geführt, er schliesst in jedem Falle auch die weibliche Form ein. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 213, S. 441, S. 513, S. 566.

(a) Auf der anderen Seite gibt es aber auch \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort S. 316 sowie die Jung-Stilling gesamthaft und im einzelnen auf verkennende, mit einer Überfülle sachlicher Fehler und falscher Werturteile [nebenbei: es gibt wissenschaftstheoretisch gesehen durchaus \“richtige\“ Werturteile!; siehe hierzu vertiefend Gerhard Merk: Grund-begriffe der Erkenntnislehre für Ökonomen. Berlin (Duncker & Humblot) 1985, S. 55 ff.] durchsetze Studie von Hans R. G. Günther: Jung-Stilling. Ein Beitrag zur Psychologie des Pietismus, 2. Aufl. München (Federmann) 1948 (Ernst Reinhardt Bücherreihe).

(b) Siehe Rainer Vinke: Jung-Stilling und die Aufklärung. Die polemischen Schriften Jo-hann Heinrich Jung-Stillings gegen Friedrich Nicolai (1775/76). Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 1987, S. 40 f., S. 51 f., S. 71 f. (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Bd. 129). Zurecht bezeichnet Vinke das Buch von Günther als eine \“unglaubliche Mischung von einfachen Fehlern, bösartigen Verzeichnungen der Fakten, krassen Fehlurteilen, absolutem Unverständnis für die pietistische Fragestellung und ei-nigen wenigen genialen Einsichten\“ (S. 40; in Anm. 82 auch über die verhängnisvolle Wirkungsgeschichte des Buches von Günther).

10 Kritiker Swedenborgs aus der lutherischen Geistlichkeit erreichten 1769 für Schwe-den ein Verbot des Verkaufs der Schriften von Swedenborg. Im Jahre 1771 wurde dann in Göteborg ein Ausschuss zur Prüfung der Lehre von Swedenborg eingesetzt, der je-doch nichts gegen ihn entschied. – Nachdem Swedenborg zu Weihnachten desselben Jahres zu London einen Schlaganfall erlitt, reichte ihm ein schwedischer Geistlicher dort noch das Abendmahl. Bei dieser Gelegenheit betonte Swedenborg, dass er voll und ganz auf dem Boden und in der Lehre der evangelisch-lutherischen Kirche stehe.

  "Daß Swedenborg einen vieljährigen und häufigen Umgang mit den Bewohnern der Geisterwelt gehabt habe, ist keinem Zweifel mehr unterworfen, und eine ausgemachte Sache. Daß ihn aber auch hin und wieder seine Imagination getäuscht, und daß ihn auch zu Zeiten gewisse Geister unrecht berichtet haben, ist ebenso gewiß. Seine Schriften enthalten ungemein viel Schönes, Lehrreiches und Glaubwürdiges, aber auch mit unter hie und da so unbegreiflich läppische und widersinnige Sachen, daß ein geübter Geist der Prüfung dazu erfordert wird, wenn man sie mit Nutzen lesen will", urteilt Johann Hein-rich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde (Anm. 1 a), S. 97. – Siehe dort auch S. 93 ff. (ein Bekannter von Jung-Stilling, der Weinhändler Johann Rüttger Lausberg [1720–1801] besucht Swedenborg in Amsterdam und bittet ihn, eine Nachricht von einem kürz-lich verstorbenen Bekannten einzuholen. Zum Erstaunen des Bittstellers kann Sweden-borg diesem Ersuchen voll Genüge leisten).

11 Konkordanz = hier: alphabetisches Nachschlagewerk zur Auffindung derjenigen Stel-len der Heiligen Schrift, die vom selben Wort bzw. Begriff (Verbalkonkordanz) oder von derselben Thematik (Realkonkordanz) handeln. Früher als Buch, heute auch auf elektro-nischen Datenträgern.

12 Jung-Stilling hebt (vor allem gegen Swedenborg) hervor, dass es zwei Arten von Geistern gäbe. –  Die einen sind Engel im engeren Sinne und von rein geistiger Natur. Denn GOtt hat ausser der sichtbaren Welt auch ein Reich von unsichtbaren Geistern er-schaffen. –  Die zweite Kategorie der Geister sind \“fromme abgeschiedene Menschen-seelen\“. – Siehe hierzu die Belegstellen im Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (ver-lag die wielandschmiede) 1988, S. XX f. und S. 30 ff. – Zu weiteren Unterschieden zwi-schen Jung-Stilling und Swedenborg siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe (Anm. 6 c), S. 93, S. 139, S. 303.

13 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1). S. 270 (\“Die Philo-sophie war eigentlich von jeher diejenige Wissenschaft gewesen, wozu sein Geist die mehreste Neigung hatte. Um sich nun noch mehr darinnen zu üben, beschloß er, das Abends von 5 bis 6 Uhr, welche Stunde ihm übrig war, ein öffentliches Collegium in sei-nem Zimmer darüber zu lesen. … Er bekam Zuhörer die Menge, und durch diese Gele-genheit viele Bekannte und Freunde.\“).

Tatsächlich jedoch war Jung-Stilling gerade in der Philosophie ziemlich schwach begabt und bis an sein Lebensende darin unsicher. Zu einem planmässigen, durchdach-ten Ganzen fand er nie hin; er stückelt Aussagen der (Mode)Philosophie geschickt zu-sammen – wie allerdings andere zu seiner Zeit (und sogar bis heute!) auch.

14 Unter Naturgesetz, Naturrecht oder natürlichem Sittengesetz versteht man die von GOtt dem Menschen als vernünftig-sinnlichem Wesen gesetzte und für ihn durch die Vernunft erkennbare sittliche Ordnung. – Das Naturrecht ist demgemäss seinem Ur-sprung nach ein von GOtt gegebener Ordnungsrahmen. – Seinem Inhalt nach regelt es die Beziehungen –  des Menschen zu GOtt, –  zu sich selbst und –  zu den Mit-menschen, ohne Rücksicht auf deren Glaube und Herkunft. – Seine Kundmachung ge-schieht –  durch die Vernunft und –  im Gewissen eines jeden Menschen.

(a) Genauer dargelegt: \“Ausgangspunkt aller Ethik ist das Sein. Sein (als Hauptwort) bezeichnet dabei jedes irgendwie gegenwärtige Anwesende (als allgemeinster Begriff eines Etwas, einer Washeit); im folgenden vor allem Dinge aus der unmittelbaren, der Erfahrung zugänglichen sozialen Wirklichkeit. Jedes Sein jedoch hat seine es kennzeich-nende Eigenart; zu ihm gehört eine nur ihm eigentümliche Natur; es besitzt ein bloß ihm zugehöriges, so und nicht anders geartetes Ziel: es strebt, seiner jeweiligen Eigen=Art und Beschaffenheit gemäß, auf ein Ergebnis. Das Ziel der Uhr ist es, die Zeit anzuzei-gen; Ziel des Wirtschaftens, Güter bereitzustellen. Nie und nirgends hat ein Ding ein Ziel, das ihm nicht in seinem Sein innewohnt. Stets und überall bestimmt die Seinsnatur (näm-lich die jeweilige Eigen=Art des Seins) auch das Seinsziel (nämlich die Erfüllung: die zum ‚Vollen kommende‘ Entfaltung).

(b) Kurz gesagt: das Sollen erschließt sich der Vernunft (als der Fähigkeit des Men-schen zu schlußfolgerndem Denken) aus dem Sein. Werterkenntnis ergibt sich aus der Seinserkenntnis.

(c) Es entscheidet also nicht menschliche Satzung oder gar Willkür darüber, was richtig und falsch, gut und bös, Recht und Unrecht ist. Vielmehr ergeben sich die Formen des Seins der menschlichen Erkenntnis auch gleichzeitig als die Normen des Handelns zu erkennen. Aus dem was etwas ist oder wie es ist, erschließt es sich der Vernunft auch als Wert; nämlich wie es sein soll bzw. wie es nicht sein darf. Der gläubige Mensch erkennt darin die Weisheit GOttes, der in die Dinge auch die Regeln ihres Verhaltens gelegt hat\“ (Gerhard Merk: Grundbegriffe der Erkenntnislehre für Ökonomen. Berlin (Duncker & Humblot) 1986, S. 59 f.

(d) Für Jung-Stilling leite sich aus dem Naturrecht auch zwingend das Fundament jeder Staatsverfassung ab. – Siehe hierzu näher Gerhard Merk: Das ideale politische System nach Jung-Stilling, in: Gertraud Putz et al. (Hrsg.): Politik und christliche Verantwortung. Innsbruck, Wien (Tyrolia) 1992, S. 117 ff. (Veröffentlichungen des Internationalen For-schungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg, N.F. Bd. 53).

(e) Emanuel Swedenborg stand fest in der Tradition des Naturrechts. – Siehe aus der Fülle der Swedenborg-Literatur Chauncey Giles: Why I am a new Churchman. London (Speirs) 1890 (knappe, aber in allem einsichtige Darlegung in formschöner, verständli-cher Sprache). Ihm antwortete William Odom: Why I am a Churchman. London (Nisbet) 1894 und öfters.

(f) Ausführlicher über Swedenborg orientiert Ernst Benz: Emanuel Swedenborg. Natur-forscher und Seher, 2. Aufl. Zürich (Swedenborg-Verlag) 1969 sowie (mehr die theologi-sche Bedeutung Swedenborgs ausleuchtend) Friedemann Horn: Er sprach mit den En-geln. Ein Querschnitt durch das religiöse Werk von Emanuel Swedenborg. Zürich (Swe-denborg-Verlag) 1994.

(g) Im Jahr 2005 nahm die UNESCO eine Sammlung von Handschriften Swedenborgs in ihre Liste des Welterbes der für die gesamte Menschheit bedeutungsvollen Archiven und Dokumenten auf. Diese Unterlagen befinden sich in der Königlichen Akademie der Wis-senschaften zu Stockholm. Es handelt sich um gesamthaft etwa 20 000 (!!) Seiten Manu-skripte. Sie wurden nach Swedenborgs Tod 1772 von seinen Erben der Königlichen Aka-demie der Wissenschaften in Stockholm übergeben, deren Mitglied Swedenborg war.

15 Der Rechtspositivismus betrachtet eine jede Norm für Recht, die –  auf verfas-sungsmässigem Wege gesetzt und –  in rechtmässiger Weise verkündet ist. Es wird also damit die Möglichkeit verneint, inhaltliche Normen der Sittlichkeit und Gerechtigkeit mit dem Anspruch auf objektive Geltung zu erkennen.

(a) Mithin gibt es auch kein Kriterium, anhand dessen ein Gesetz als ungerecht oder naturrechtswidrig (= die Ordnung, die GOtt in die Schöpfung hineingelegt hat) angesehen werden könnte. \“Faktizität schafft Recht\“ heisst hier der Richtsatz.

(b) Auch die Grundrechte (Menschenrechte) sind letztlich nicht unantastbar. Denn sie werden ja nicht von GOtt jedem Menschen durch Geburt geschenkt, sondern vom Staat in der Verfassung jeweils definiert; und der Staat ist in der Lehre des Rechtspositivismus nichts anderes als die Mehrheit von Individuen mit gleicher Wertvorstellung. Vorstaatliche Werte gibt es also nicht. Die Normen werden allein dem soziologischen Istzustand ent-nommen und sind damit wandelbar. – Siehe hierzu grundsätzlich Gertraud Putz: Chris-tentum und Menschenrechte, 2. Aufl. Innsbruck, Wien (Tyrolia) 1992 (Veröffentlichun-gen des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg; N.F., Bd. 40).

16 Das Werk von Immanuel Kant \“Kritik der reinen Vernunft\“ wurde durch vatikanisches Dekret vom 11. Juli 1827 auf den Index der für katholische Christen verbotenen Bücher gesetzt. –Dieses Verzeichnis wurde 1966 offiziell aufgehoben.

17 Der erkenntnistheoretische Idealismus von Kant schliesst eine völlige Umdeutung des Seins überhaupt in sich. Nach ihm bedeutet menschliche Erkenntnis nicht –  ein Sichangleichen an das Seiende als dem vorgegebenen Gegenstand, sondern –  ein Hervorbringen des Gegenstandes.

(a) Weil das Denken allein jedoch keine Dinge an sich setzen kann, erscheint das wahre Sein, das Gegenstand der Erkenntnis ist, als blosser Denkinhalt, als rein ideales Sein. – Wenn bei Kant daneben in gewissen, nicht ganz geradlinig durchgeführten Formen noch eine vom Denken unabhängige Wirklichkeit angenommen wird, so ist diese schlechthin (oder wenigstens für uns) irrational.

(b) Nun kann aber ein derartiger Idealismus die von aller zufälligen Erfahrung des Ein-zelnen unabhängige Allgemeingültigkeit der Wissenschaft nicht erklären. Darum nimmt Kant an, dass nicht das einzelne Subjekt, sondern ein \“transzendentales Subjekt\“ den Gegenstand bestimmt. Kant meint damit ein Subjekt, dessen allgemeine Anschauungs- und Denkformen für alle (gleich uns denkenden Wesen) unbedingt geltendes Gesetz sind.

(c) Dieses \“transzendentale Subjekt\“, dessen Eigenart bei Kant (wie vieles andere frei-lich auch!) im Unklaren bleibt, fand in der Folgezeit verschiedene Ausdeutungen. – Eine davon ist die Lehre, dass das \“transzendentale Subjekt\“ als ein absolutes, göttliches Be-wusstsein gedacht werden müsse. So ergibt sich der \“metaphysische Idealismus\“, der den Pantheismus einschliesst, wie ihn Friedrich Schleiermacher vertritt und im Grunde auch Johann Wolfgang Goethe annahm.

18 In der \“Kritik der reinen Vernunft\“ (Kants Werke: Akademie-Textausgabe; unverän-derter photomechanischer Abdruck des Textes der von der Preußischen Akademie der Wissenschaften 1902 begonnenen Ausgabe von Kants gesammelten Schriften). Bd. 3. Berlin [de Gruyter] 1968, S. 513) meint Kant, dass \“wenn man schon den Dogmatiker mit 10 Beweisen auftreten sieht, da kann man sicher glauben, daß er gar keinen habe.\“ Kant mein begründend: \“denn hätte er einen, der (wie es in Sachen der reinen Vernunft sein muß) apodiktisch beweise, wozu bedürfte es der übrigen?\“

(a) Das ist natürlich von Standpunkt der Logik gesehen ersichtlich eine (wohl absichtli-che, mutwillige und bösartige ) Verkennung bzw. Entstellung des Fragepunktes (ein SO-PHISMA EX IGNORANTIA ELENCHI) durch den grossen Kant! Denn jeder weiss, dass man zu einem bestimmten Ziel in aller Regel auf verschiedenen Wegen zu gelangen vermag.

(b) Ein Botaniker kann einen spezifischen Baum an –  den Blättern bzw. Nadeln, –  an der Rinde, –  an der Form der Krone und –  an einer Reihe anderer Kennzeichnen bestimmen. Niemand käme aber auf den Gedanken, den Schluss von der Ausgestaltung der Rinde auf die Art des Baumes für minder glaubwürdig zu halten, nur weil der Botani-ker auch über die Gestalt der Blätter den Baum zu erkennen vermag. – Ein Nationalöko-nom kann die konjunkturelle Lage aus fast allen Kreislaufgrössen erschliessen. Und wenn er aus einer (interdependenten!) Grösse, wie etwa der Investition, auf eine Wech-sellage schliesst, dann kann er dies mit der gleichen Gewissheit auch aus anderen Grös-sen, etwa der Geldmenge, genau so schlüssig ableiten.

19 Immanuel Kant meint, dass man vor dem Zugehen auf Fragen der Erkenntnisgewin-nung – also auf philosophische Fragen überhaupt – zunächst über die Beschaffenheit der Erkenntnis Klarheit gewinnen müsse. Als Beispiel wird dann stets die Prüfung der Werk-zeuge genannt. Erst wenn man von deren Tauglichkeit überzeugt sei, könne man Materi-al bearbeiten.

(a) In diesem scheinbar geistreichen Hinweis fehlt aber offensichtlich das zum Vergleich nötige Dritte, das TERTIUM COMPARATIONIS. Denn ein Werkzeug vermag man aufgrund an-derweitig bereits feststehenden Wissens vor seinem Gebrauch zu prüfen. Die Untersu-chung der Erkenntnis aber kann bloss innert der Erkenntnisse selbst geschehen.

(b) Wir vermögen im Falle der Erkenntnis GOttes aus verschiedenen Eigentümlichkeiten der Dinge dieser Welt verschiedenartige Eigenschaften GOttes erkennen. Der begrenzte Menschengeist erschliesst die unendliche Vollkommenheit GOttes, die er nicht unmittel-bar schaut, in verschiedenen Begriffen und Denkakten.

20 Das Begreifen ist die vollkommen entsprechende, erschöpfende Erkenntnis eines Gegenstandes. Sie erfasst ihn so vollständig, dass nichts an ihm unerkannt bleibt.

(a) Derart vollkommen aber erkennt nur GOtt sich selbst. Jedem Geschöpf bleibt er un-begreiflich. So tief und weit auch der Engel und Menschen Einblick in GOttes Vollkom-menheit fortschreiten mag: zu einem die Unendlichkeit des Allerhöchsten erschöpfenden Begreifen können sie letztlich nie vordringen.

(b) Mit der Unbegreiflichkeit ist aber auch denknotwendig die Unaussprechlichkeit ge-geben – was oft genug verkannt wird! Denn wenn schon kein Gedanke eines Geschöpfes die Grösse GOttes ermessen kann, so ist die Sprache umso weniger dazu imstande. Denn die Sprache (übrigens auch die Tonsprache: die Musik!) kann sich erweislich in keinem Fall zu gleicher Höhe wie die Gedanken erheben.

21 Unendlich ist, was kein Ende, keine Begrenzung hat.

(a) Das Sein eines endlichen Dinges hat notwendig eine Schranke an einem anderen Dinge, durch das es –  entweder irgendwie verursacht oder –  aufgenommen wird. Das göttliche Sein kann aber –  keine Ursache haben, weil es ihm notwendig, ist, durch sich selbst zu sein und –  nicht von einem anderen Sein aufgenommen werden, weil es selbst sein Sein ist. Also ist GOttes Sein unendlich und er selbst ist unendlich.

(b) Anders durchdacht: –  Jedes endliche Sein hat einen bestimmten Seinsgrad. Das gilt sowohl von jeder Wesenheit, jedem Sosein, wie von jedem existierenden Sein. So ist das Wesen des Menschen nicht das des Tieres oder der Pflanze. –  Alles existierende Sein hat eine bestimmte Existenz. Jegliches endliche Sein gehört einer bestimmten Gat-tung an; es hat eine fest umrissene, kennzeichnende Natur und eine bestimmte Indivi-dualität. –  Jegliches endliche Sein kann als bestimmter endlicher Seinsgrad (etwa als Körper) in sich nicht zugleich nicht dieser bestimmte Seinsgrad (im Beispiel: nicht ein Körper) und infolgedessen auch nicht ein anderer Seinsgrad sein. Das schliesst das Kon-tradiktionsprinzip aus. –  In der Einsicht, dass das Kontradiktionsprinzip von jedem end-lichen Sein gilt, ist auch die Einsicht mit eingeschlossen, dass nur das Sein, das seinen Grund in sich hat, notwendig in jeder Hinsicht unendlich ist. – Siehe tiefer dazu Caspar Nink: Grundlegung der Erkenntnistheorie. Frankfurt (Carolus-Drruckerei) 1930, S. 62 ff.

22 Vollkommen ist, dem nichts fehlt, was ihm nach seiner Natur und Bestimmung zu-kommt. Die Dinge sind insoweit vollkommen, als sie irgendwie ein Sein haben. Da nun GOtt das Sein selbst ist, so muss er die ganze Fülle des Seins in sich schliessen. Keine Vollkommenheit irgend eines Dinges kann ihm fehlen.

(a) Anders durchdacht: –  Die schlechthinnige, absolute Vollkommenheit des gÖttli-chen Wesens ist mit der Notwendigkeit desselben gegeben. Unter der Vollkommenheit eines Wesens versteht man die demselben innewohnende Wirklichkeit des Seins: seine Realität. Man sagt, es sei vollkommen, wenn es die seiner Idee nach ihm zukommenden Wirklichkeit des Seins im ganzen Umfang besitzt. –  Da GOtt nun der schlechthin Sei-ende ist, so muss er auch schlechthin, absolut vollkommen sein; seine Vollkommenheit ist keines Zuwachses fähig und auch mit keiner Unvollkommenheit vermischt. –  So notwendig und in sich selbst gründend das Sein GOttes ist, ebenso notwendig und in sich selbst gründend ist auch seine absolute Vollkommenheit.

(b) Noch anders durchdacht: GOtt ist das lautere, in sich durchaus bestimmte, nicht wei-ter bestimmbare Sein. Als solches ist er aber schlechthin, absolut vollkommen. Denn gin-ge ihm irgend eine Vollkommenheit oder irgend ein Grad der Vollkommenheit ab, so wäre er in dieser Beziehung nicht durch sich selbst bestimmt. Er wäre vielmehr durch die ihn abgehende Vollkommenheit (die als hinzutretend oder aus ihm sich entwickelnd gedacht werden könnte) bestimmbar.

23 Die Vernunft erkennt, dass jegliches Wesen – auch das mit freiem Willen begabte – von Natur geneigt ist, das eigene Gut anderen mitzuteilen; Gut ist, was einer Sache ent-spricht, was ihr angemessen ist. Umso mehr ist dies vom gÖttlichen Wesen auszusagen, von dem jede Vollkommenheit ausströmt. Ihm wohnt die höchst Geneigtheit inne, sein Gut den Geschöpfen mitzuteilen, soweit es diese anzunehmen vermögen.

(a) Anders durchdacht: GOtt ist das Urgut. Seine Güte ist die Ursache aller anderen Gü-te, und daher auch der Massstab, nach dem jede Güte (insbesondere auch die sittliche) zu bemessen ist.

(b) Die Allgütigkeit GOttes darf man sich nicht als eine blosse Gesinnung oder gar als eine Gefühlsäusserung denken. Sie ist vielmehr die ewige und unwandelbare Betätigung des göttlichen Willens, welche das Sein und alle Vollkommenheiten (natürliche wie über-natürliche) der Geschöpfe bewirkt.

Wie die Güte GOttes demnach an sich und in ihrem Wirken ewig ist, so ist sie auch allgemein, nämlich alles Geschöpfliche, und zwar gleichmässig umfassend. – Allfäl-lige Gradunterschiede, welche man zu erkennen glaubt, sind in ihren Wirkungen bei den Geschöpfen zu suchen. – Siehe hierzu Dichtauch Ohnedank: Abgestufte Glückseligkeit im Jenseits? Kostenlos downloadbar in der Rubrik Theologie bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling/>

24 Wahrhaftigkeit besteht in der Übereinstimmung der Worte und Handlungen mit der Wahrheits-Erkenntnis. GOtt ist allwissend: daher kann er sich selbst nicht täuschen. Er ist heilig (seine Heiligkeit besteht in der absoluten Übereinstimmung seines Wollens mit der unendlichen Vollkommenheit seines Wesens): daher kann er uns nicht täuschen. GOtt kann sein Wort nicht brechen und auch an seiner Erfüllung nicht gehindert werden.

(a) Der letzte Grund von GOttes Wahrhaftigkeit ist sein Wesen. –  Insofern etwas ein Sein hat, ist es ein Wahres. –  GOtt ist aber das absolute Sein, –  also auch das schlechthinnige, absolute Wahre.

(b) Von daher ist es auch völlig ausgeschlossen, dass GOtt durch ein Zeichen zu unse-rer Täuschung einen anderen Willen kundgibt, als den er wirklich hat, wie Calvin behaup-tet (der geheime wirkliche Wille GOttes ist nach Calvin darauf gerichtet, einen Grossteil der Menschen zur Sünde und Verdammnis zu führen: eine in mehrerer Hinsicht völlig abwegige Meinung).

25 GOttes Allmacht besteht darin, dass er alles kann, oder darin, dass er alles kann, was er will, oder noch genauer: darin, dass er alles kann, was er wollen kann, was inner-lich möglich ist.

(a)  Was nicht mit Notwendigkeit existiert und doch innerlich möglich ist, das muss durch irgend eine Macht verwirklicht werden können; denn sonst entbehrte ja die innere Möglichkeit ihrer notwendigen Ergänzung und wäre als Möglichkeit etwas wesentlich Un-vollständiges. –  Es muss also eine Macht geben, die sich so weit erstreckt wie die in-nere Möglichkeit. –  Diese Macht ist entweder unendlich oder endlich.

(b)  Ist sie unendlich, dann ist es die göttliche Macht. –  Ist sie endlich, so muss sie in GOtt, von dem alle Macht herrührt, in noch höherer Weise sein. –  In beiden Fällen kann also GOtt alles hervorbringen, was innerlich möglich ist.

(c) Mit der Allmacht darf die Allwissenheit nicht vermengt werden. GOtt ist die höchste Intelligenz. Mit seinem Denkvermögen umfasst er folglich alles Wirkliche und alles Mögli-che in vollkommener Klarheit. Auch das Reich der Gedanken übersieht er mit einem Bli-cke. Vor ihm steht in aller Deutlichkeit, was von Ewigkeit her geschah, was gegenwärtig im ganzen Weltall geschieht samt allem, was die Zukunft enthält.

(d) Weil GOtt die höchste Intelligenz ist, so weiss er auch unter allen möglichen Zwe-cken –  die besten zu erkennen und –  unter allen dazu führenden Mitteln die am bes-ten entsprechenden zu wählen. Deswegen ist GOtt auch die höchste Weisheit; ihm kommt Allweisheit zu.

26 Dem Schöpfer, der jedes Ding nach seinem ganzen Sein verursacht hat und bestän-dig im Sein erhält, kommt offenbar das unbedingte Eigentumsrecht und die unum-schränkte Regierungsgewalt über alles zu.

Anders betrachtet: –  so wenig ein Wesen durch eigene Kraft zum Dasein gelan-gen kann, ebensowenig ist es imstande, sich im Dasein zu erhalten. Mag es daher unmit-telbar von GOtt erschaffen oder durch Zeugung hervorgebracht sein: in jedem Falle be-darf es, um im Dasein zu verbleiben, der Erhaltung von seiten GOttes. –  Die Allein-herrschaft und die Erhaltung GOttes sind also zwei Betrachtungsweisen ein und dessel-ben Sachverhalts.

27 Der Pregel ist ein Königsberg (heute: Kaliningrad) durchziehener Fluss. Er entsteht bei Insterburg aus der Inster und Angerapp und mündet nach 125 Kilometer bei Königs-berg (heute Kaliningrad) in das Frische Haff.

28 Die Schmiedebrücke ist eine der zur Dominsel führenden Brücken. – Der gotische Dom ist ein um 1300 errichteter gotischer Backsteinbau. In diesem befindet sich auch das Grabmal von Kant.

29 Herr Bergrat Swedenborg meint sicher: Vom Glück als dem Ziel eines jeden Men-schen. Zur nützlicher Aufklärung und Aufmunterung bei ereignender Gelegenheit erweis-lich aufgezeigt in einer Darlegung aus himmlischen Quelladern durch den hochgelehrten, höchstpreislichen, ehrenfesten Herrn Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), und aufgeschrieben von Haltaus Unverzagt in Salen. – Dieser Text ist frei downloadbar bei den \“Nachtodlichen Belehrungen zur Philosophie\“ unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merkstilling/>

A good man is kinder to his enemy than the bad men to their friends.



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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