Dominostein-Effekt (domino-effect, cascades)
Bewegungen als Kettenreaktion an der Börse bzw. am Finanzmarkt gesamthaft, ausgelöst durch – ungewöhnliche Kursänderungen eines einzigen Papiers, – eines bestimmten Marktsegments, – durch Schieflage grosser Unternehmen, Banken und Fonds, oder – plötzlich auftretende bzw. zum Durchbruch kommende negative Erwartungen, was sich dann ziemlich rasch auf andere Vermögensgegenstände überträgt. Dann werden Wertpapiere hastig abgestossen, Investoren ziehen sich zurück; Kapitalverwaltungsgesellschaften müssen Positionen verkaufen, was damit die Kurse noch mehr drückt. In der Regel wird der Begriff mit einer Baisse verbunden. – Wenn vor allem eine spekulativen Blase platzt, dann steigen weltweit enttäuschte Kleinanleger eilends aus ihrem Engagement aus. Dies müssen sie tun, weil sie ihre Ersparnisse in das Geschäft gesteckt und darüber hinaus vielfach Darlehn zum Kauf der jeweiligen Position bei den Banken aufgenommen haben. Sofort abgestossen werden dann aber erfahrungsgemäss zur Glattstellung der Konten auch Vermögensgegenstände, die bis dahin keine Einbussen im Wert erlitten. Auf diese Weise kann eine lange Kettenreaktion mit Übertragungswirken auf sehr viele Teilmärkte ausgelöst werden. – Wenn nur eine einzelne (grosse) Bank während einer allgemeinen Krise eine Schieflage aufweist, so kann sie – die Kreditvergabe einschränken: die Liquidität der Kunden wird damit geschwächt und Zahlungsstockungen treten auf, – Vermögenswerte verkaufen: die Preise für Vermögenswerte sinken dadurch und verschlechtert die Bilanz anderer Institute oder – durch Emission neuer Aktien die Eigenkapitalbasis stärken: diese Verwässerung löst eine Abwärtsspirale (downward spiral) der Aktienkurse aus. – In jedem der drei Fälle wird eine Kettenreaktion angestossen. – Siehe Baisse, Blase, spekulative, Börsenkrach, Crash, Currency-Swing, Depression, Euphoriephase, Finanzmarkt-Interdependenz, Finanzmarktschock, Headline-Hysterie, Herdenverhalten, Krise, systemische, Massiv-Verkäufe, Murphy’s Gesetz, Panikverkäufe, Run, Rush to the exit, Stress-Test, Subprime-Krise, Vertrauen, Volatilität, Vorschatten-Effekte. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2003, S. 18 ff.
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
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