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Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre

veröffentlicht am


Eine nachtodliche aufklärende Unterweisung
durch den hochgelehrten, lebenserfahrenen und unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, ab 1803 durch Rechtsübergang Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat;

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit dem Winter-Semester 1778/79 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule Kaiserslautern;

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst auch seit 1772 Arzt für Allgemeinmedizin, Obstetrik, Ophthalmologie und ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt sowie Dozent in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch seit 1781 bis zum Verbot aller Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass vom 22. Juni 1784 aus München der
erlauchten Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied

und

dienstfertig ergeben niedergeschrieben und hieraufhin gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Web gestellt, alle Leser dabei gÖttlicher Verwahrung und englischen Schutzes wärmstens empfehlend

durch

Frommherz Siegmann
zu Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen 2012

Leicht veränderte Download-Fassung der gleichnamigen, im Jahre 1994 im Verlag der Jung-Stilling-Gesellschaft in Siegen erschienenen Druckausgabe, ISBN 3-928984-16-0. – Copyright-Inhaber ist jetzt die Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland). — Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers.

mailto

Contents


Verdrüssiges Party-Unwesen


Ich bin kein Freund von Festlichkeiten;
Auch Partys mag ich gar nicht leiden,
Weil mir ist hell und licht bewusst:
Für mich sind sie bloss Zeitverlust!

Gewiss sind allzeit welche froh,
Wenn eine Feier irgendwo
Bei irgend jemand angesagt,
Weil sie die Langeweile plagt.

Doch ich empfand es stets als Leid,
Dass mir so wenig nur an Zeit.
Meist ist mein Wunsch, dass doppelt lang
Erstrecke sich des Tages Gang.
Soviel ich nämlich allschon tu:
Noch mehr kommt ständig auf mich zu.

Ich fühle mich am Schreibtisch wohl,
Doch nicht bei Klatsch und Alkohol
Und hasse das Gepferch von Leibern,
Den Umgang gar mit dummen Weibern.
Bei Kränzchen, Abendzirkeln, Bällen,
Empfängen, Partys doch vergällen
Mir Spassesmut und Frohsinn immer
Gerade blöde Frauenzimmer,
Die dort an ihrer Männer Seite
Sich spreizen protzig voll Geschmeide;
Beschränkt der Geist, weil kenntnisleer,
Bloss Gicksgacks redend dreist daher.


Abgenötigter Party-Besuch


Doch manchmal zwingt das harte Muss
Zu zügeln solchen Überdruss.
Es kam die Feier eines Herrn,
Den ich insonders habe gern.
Er ist als ächter Stillings-Freund1
Von Sympathie ringsum umzäunt;
Und hat mir oft genug auch Geld
Von selber nobel zugestellt,
Damit in Schriften klar und schmuck
Das Denken Stillings kommt zum Druck.
Am Telephon liess er mich wissen:
Er wolle mich beim Fest nicht missen.

So ging ich hin. Es war betrüblich:
Die Party-Wanzen – wie sonst üblich –
Erwiesen sich als Nimmersatte
Beim Ansturm auf die kalte Platte
Und zeigten sich, kaum eingetroffen,
Beschwipst zunächst, doch bald besoffen.


Hohles Geschwätz über Wirtschaftsfragen


Mich ekelte das alles an,
Zumal auch noch ein junger Mann
Mir mehrmals auf die Schulter schlug,
Und redete dann aberklug
Von Wirtschaftsdingen allerhand,
Wiewohl er davon nichts verstand.
Ich schwöre, diesen dreisten Knaben
Zuvor noch nie gesehn zu haben
Und weiss nicht, wie er dazu kam,
Dass mich er grad zum Opfer nahm.

Ihn loszuwerden plante ich;
Gab hierob zu erkennen mich
Als jemand, der Ökonomie
In Praxis kennt und Theorie.
Der Laffe liess mich drauf in Ruh.
So schritt ich auf das Büfett zu,
Stark hoffend, dass dort in dem Rest
Sich Süsses noch entdecken lässt.


Jung-Stilling und Engel Siona zeigen sich


Denn feind sind Wurst mir, Käse, Speck;
Viel lieber esse ich Gebäck
Wie Kuchen, Torten und Konfekt:
All das, was der Konditor bäckt;
Verschmähe aber rundheraus
Den Papp, den backen sich zu Haus
In ihrem Küchenherd die Lieben,
Von Backlust mächtig angetrieben.

Für mich bedeutet \“hausgemacht\“
Meist \“minderwertig\“, \“ungeschlacht\“,
Weil fest ich auf den Fachmann baue,
Begrenzt doch nur der Haus-Frau traue.

Just kam ich bei dem Büfett an;
Da sah ich, wie ein ältrer Mann
Vom Nebenraum mir winkte zu:
Mich bat zu einem Rendezvous.
Mit einem Blick ich übersah,
Dass nichts an Süssem lag mehr da.
So schritt ich denn in dieses Zimmer,
Das dunkel lag und bloss durch Schimmer
Das grossen Saals beschienen war;
Es bot sich darob dämmrig dar.

Mein Auge in der Düsterheit
Zunächst sah keinen Meter weit;
Doch passte sich die Sicht bald an.
Sehr rasch erkannte ich alsdann
Zwei Männer, die am Tische sassen
Und mich mit tiefen Blicken massen.
Es war kein Zweifel, wen ich sah:
Jung-Stilling1 und Geist Siona!2

\“Herr Hofrat3 Jung! Herr Siona!
Sie zeigen heute hier sich da
Inmitten unter Party-Gästen,
Die sich an kalten Platten mästen?
Ich bin erstaunt und hätte sie
An solchem Ort erwartet nie!\“ –

\“Herr Frommherz\“, gab zur Antwort mir
Ein wenig borstig, bissig schier
Jung-Stillings Engel Siona,
\“In Himmels-Auftrag es geschah,
Dass wir zu dieser Feier eilten
Und hier in diesem Raum verweilten,
Damit wir euch belehren könnten:
Nicht, weil wir selbst uns etwas gönnten.

Beinebens: bitte merkt euch gut:
Nie ist es einem Geist zumut,
Dass er nach Trank und Speise strebt,
Weil er nicht mehr im Körper lebt.
Der Ätherleib, in dem wir sind,
Sein Dasein – Wirkkraft auch – gewinnt
Allein durch GOttes heilges Wort:
Dies trägt und nährt ihn immerfort.\“ —


Belehrung wird angekündigt


\“Herr Hofrat Jung! Herr Siona!
Zu lehren mich sind sie allda?
Darf ich geradewegs sie fragen,
Was diesmal haben sie zu sagen?

Ich nehme gern von ihnen an
Empfehlung, die mir helfen kann,
Das Jetzt und Später zu erkennen.
Zurecht darf ich mich einer nennen,
Der stets auf ihre Lehren achtet,
Beflissen diese auch betrachtet.\“ –

\“Herr Frommherz\“, sagte Siona,
\“Ihr zeigt euch ichbezogen da!
Nicht euch zu lehren ist der Sinn,
Dass kehren wir zur Erde hin.
Begreift bescheiden euch als Mittel!
Fasst ihr in Reim nur das Kapitel,
Das jetzt wir bieten euch gleich dar;
Doch seid des Selbstgefallens bar.
Stellt nie euch in den Mittelpunkt:
Ihr seid nicht wert, dass ihr so prunkt!\“


Tadel durch Engel Siona verdriesst kaum


Der Dämpfer stimmte mich nicht gram,
Weil Schlimmres schon ich abbekam
An Schelte, Rüffeln, Wischern, Hieben
Zu Hause von den teuren Lieben
Sowie auf meinen Lebenswegen
Von Freunden, Feinden und Kollegen.
Die Katze selbst schlich oft heran
Ganz leis und fauchte bös mich an.

Mither muss frei bekennen ich,
Dass meinerseits nicht zimperlich
Mit Tadel andrer ich stets war:
Kritik bot ich sehr reichlich dar.
Wiewohl es kaum war bös gemeint,
Ist mancher mir ob dessen feind.

Ich bitte GOtt, dass alle die,
Durch mich verärgert irgendwie,
Von IHm zum Ausgleich für den Schaden
Beschenkt mit ganz besondren Gnaden:
Mit SEinem Heil und Segen werden
Im Jenseits oder schon auf Erden.


Schwächen der heutigen Wirtschafts-Wissenschaft


Jung-Stilling sprach mich nunmehr an.
\“Ihr habt vorhin dem jungen Mann,
Der redete von Wirtschaftsdingen
Versucht, voll Hochmut nahzubringen,
Dass ihr von grosser Meisterschaft
Euch seht in Wirtschafts-Wissenschaft.

Doch ist wohl heute kaum ein Fach
In seiner Kern-Einsicht so schwach
Als grade die Ökonomie.
Weil wenig überzeugend sie,
Verliert sie tief sich in Modelle,
Anstatt dass klärlich die erhelle,
Was eigentlich zu deuten ist:
Dies schon im Ansatz sie vergisst.\“ –

\“Herr Hofrat! Sie sind als Dozent
Der Wirtschaftslehre kompetent.4
Dazu schaun sie im Himmelslicht,
Was Heutge können sehen nicht.
Darf ehrerbietig bitten ich,
Dass sie belehren klüglich mich,
Worin das Falsche kund sich tut
Und worauf solches letzt beruht?\“ –

\“Falsch, Frommherz, ist schon der Beginn,
Weil sieht die Wirtschaftslehre hin
Bloss unscharf in Bezug auf Raum:
Ein Fehler, der bewusst ist kaum.
Sodann ist falsch, was sie entwarf
Als Lehre über den Bedarf.
Lasst beides mich genauer lehren,
Das heisst: ins einzelne erklären.


A. Drei unterschiedliche Erkenntnis-Gegenstände der Ökonomik


Gerade in der Theorie
Wird ausgesprochen beinah nie,
Worauf sich das Modell bezieht:
Wie raumhaft man es jeweils sieht.


I. Einzelstaat, überstaatliche Wirtschaftsräume und Weltwirtschaft


Denn eine einzlne Volkswirtschaft
Ganz andere Probleme schafft
Als eine grössere Region,
Die ungleich in der Dimension,
Wie beispielsweise die EU,
Auf die Europa jetzt geht zu.


Milchwirtschaft als Beispiel


Lasst Milch als Beispiel hier mich nennen.
Ihr werdet, Frommherz, wohl erkennen,
Dass weltweit, da der Hunger quält
Und sonders es an Eiweiss fehlt,
Man jede Kuh hier füttern müsse,
Um auszuführen Überschüsse
Zu Menschen hin, die schlecht ernährt,
Verschmachtend gar, weil ausgezehrt;
Sowie nach dort, wo man die Kuh
Aus Glaubensregeln lässt nicht zu.

Gesundheit liegt hier im Ruin
Weil nicht genug an Proteïn
Der Menschen Nahrung so enthält;
Drum Krankheit leicht sich zugesellt.

Das Beispiel möge euch nun lehren:
Die Mittel tun sich völlig kehren,
Sobald man in Betrachtung stellt
Zum einen Mal die ganze Welt,
Zum andern, wenn ein einzges Land
Ist Untersuchungs-Gegenstand.

Was für den Milch-Markt ich bewies
Sich ähnlich auch belegen liess
Für andre Märkte; in der Tat
Ist gleich konträr das Resultat.


Arzneimittel-Lehre fusst in ihren Folgerungen auf einem „normalen“ Körper


Beinebens: sollen wirksam sein
Arzneien, welche gibt man ein,
So ist normaler Eiweiss-Pegel
Vorausgesetzt in aller Regel.
Dass heisst: Arzneien wirken nicht,
Wenn es an Proteïn gebricht.

Dies auch erklärt, dass Kranke oft
Trotz Medizin nicht – wie erhofft –
Genesen innert armer Staaten;
Ob dessen Kuren dann missraten,
Die hierzuland in jedem Fall
Erfolg bewirken überall.

Doch will ich heute euch und hie
Nicht lehren in Biochemie.
Versparen möchte ich die Fragen
Und demnächst mehr euch dazu sagen.


II. Verschiedene Objekte bedingen notwendig immer auch unterschiedliche Disziplinen


Dahinter steht, dass ungeklärt,
Was Ökonomik letztlich lehrt:
Ist sie aufs eigne Land beschränkt?
Ist Menschheit es, was sie bedenkt?

Schaut an euch nur die Lehrbuch-Titel
Sowie die einzelnen Kapitel.
Ihr findet dann, dass insgeheim
Selbst Bücher, die sich `allgemein´
Stolz nennen in der Überschrift,
Was letzt den Raumbezug betrifft,
Das eigne Land und dessen Rahmen
Sich zum Objekt des Sinnens nahmen.
Dies gilt selbst für das Meister-Werk,
Das schrieb mein Stillings-Freund G. Merk.5

Auch Bücher, die jetzt hier vertrieben
In Englisch finden sich geschrieben –
Meist kommend aus Amerika –
Tun sich als eingeschränkt so da.
Denn sie sind grösstenteils bezogen
Auf Raum und Recht, wie sie verwoben
Und tun gesellschaftlich sich kund
Auf dieses Staates Hintergrund.


Drei verschieden geartete Wirtschaftslehren


So gibt es also zweifelsfrei
Der Wirtschaftslehren ihrer drei!
Die eine ist ganz national,
Die zweite gibt sich regional.
Die eine ist \“Volks\“-Wirtschaftslehre,
Die andre über-staatlich wäre,
Soweit bei ihr Gedankenflüsse
Beziehn sich auf Zusammenschlüsse:
Auf Gruppen, ähnlich der EU,
Die derzeit weltweit nehmen zu.

Doch letztlich ist auch hier ein Land
Wohl nur Erkenntnis-Gegenstand,
Weil jeweils letzt ein Wirtschaftsraum
Ist solcher Allianzen Traum:
Dies gilt nicht für Europa nur,
Das durch den Euro ja erfuhr
Ein Geld, das allen schon gemein.
Es schliesst dies auch die Nafta ein
Zusamt Unionen, welche jetzt
In Asien werden durchgesetzt.

Es ist als dritte an der Zahl
Die Wirtschaftslehre ganz global:
Wo eine Menschheit, eine Welt
Ist in den Mittelpunkt gestellt
Und Frage ist, wie jeden man
Mit Gütern so versorgen kann,
Dass Elend, Hunger in der Welt
Auf Dauer sind beseitgestellt.


III. Folgerungen


Zusammenfassend ich erkläre:
Es gibt nicht eine Wirtschaftslehre!
Ob Praktik oder Theorie:
Verschieden zeigt sich immer sie
In dem Erkenntnis-Gegenstand,
Weil sie ist jeweils zugewandt
(1) Dem eignen Staat, (2) der ganzen Welt
Beziehungsweise sie erhellt,
Wie Wirtschafts-Ablauf denn geschieht
(3) in einem grösseren Gebiet.


Regionalwirtschaftslehre als eigene Disziplin


Beinebens lasst erwähnen mich,
Dass auch der Blick mag richten sich
Auf eine kleinere Region
Wie ein Distrikt, Revier, Kanton.
Doch hier war stets das Reguläre:
Man nennt es `Raumes-Wirtschaftslehre´.
Bereits der Namen gibt so kund,
Dass dann begrenzt der Hintergrund.\“ –


IV. Gleiche Schlüsse aus unterschiedlichem Erkenntnis-Gegenstand?


\“Sie haben klärlich aufgedeckt,
Dass in der Tat hier das Objekt,
Auf welches sich das Forschen richtet,
Ist dreifach mindestens geschichtet.
Doch frage ich, Herr Hofrat Jung,
Nach dieser Einsicht Folgerung!

Sie sind bei alldem zugewandt
Nur dem Erkenntnis-Gegenstand.
Von Wichtigkeit scheint mir indessen,
Wie das Ergebnis ist zu messen?

Ich meine: kann es denn nicht sein,
Dass gleichwohl stimmen überein
Die hergeleiteten Doktrinen:
Dass letzt als völlig gleich erschienen
Die Schlüsse, die Ökonomie
Aus jedem der Objekte zieh?\“ –


V. Verschiedenheiten im Rahmenwerk


\“Herr Frommherz: das ist ausgeschlossen!
Noch nie sind Sätze je entsprossen,
Die in sich gleich im Inhalt sind,
Wenn man Verschiedenes besinnt:
Wo der Erkenntnis-Gegenstand
Nicht ganz sich als der gleiche fand.

Als Konklusion derart gedieh
Höchst selten die Analogie.
Lernt mehr dazu aus jenem Werk,
Das schrieb mein Stillings-Freund G. Merk.6

Doch lasst dies klären mich nicht logisch,
Als vielmehr gegenstands-methodisch.
Ich will euch auftun, dass es nicht
Erlaubt, wenn Folgerung man flicht
Aus Dingen, Fakten, welche man
Aus einer von den drei gewann,
Auf eine andre Wirtschaftslehre,
Dass solcher Schluss zielt in die Leere:
Die Unterschiede sind zu gross,
Drum falsch der Schluss wird zweifellos.

Im einzlnen lasst dies tun mich dar,
Aus dem. was deutlich wahrnehmbar
An Rahmen jedes Land erfuhr,
Auch `Datenkranz´, `Wirtschafts-Struktur´
Geheissen in den Büchern jetzt:
Auf Englisch `framework´ übersetzt.


1. Bevölkerung


Verschieden ist bei allen drei
Bevölkerung wohl zweifelsfrei.
(a) Die Zahl der Menschen, (b) wo sie wohnen:
Ob mehr in Städten, Land-Regionen;
(c) Nächsthin die Alters-Gliederung,
Das heisst: der Anteil alt zu jung;
(d) Wie ist die Streuung der Berufe
Auf jeder dieser Altersstufe?

(e) Besteht auch der Bewohner Masse
Im Grund aus einer einzgen Rasse?
Sind angestammt zwei Völkerschaften
Mit Unterschied in Eigenschaften,
Die eigne Sprache gar betonen,
So wie die Vlamen und Wallonen?
Besteht das Volk aus vielen Rassen,
Die sich misstrauen, selbst gar hassen,
So wie dies stellte lang sich da
Sehr heftig in Süd-Afrika?

(f) Die Anlagen der Landeskinder
Bedeutungsreich sind wohl nicht minder,
Versteht man damit Fähigkeiten,
Die sich durch Bildung lassen leiten:
Erforscht hat man dies sehr gescheit
Bereits zu meiner Erdenzeit.


Bevölkerung bestimmt näherhin das Wirtschaften

Ich könnte hier noch zählen auf
Kriterien en masse, zu Hauf;
Doch will ich mir das Weitre schenken,
Um zu dem Kernpunkt hinzulenken.

Denn, Frommherz, es ist völlig klar,
Dass volkswirtschaftlich stellt sich dar
Bedarf an Gütern allgemein
Sowie für Gruppen schon allein
Als durch Bevölkerung bestimmt:
Von da er seinen Ausgang nimmt!

Dazu gibt vor die Bürgerschaft
Das Angebot an Arbeitskraft
Und vieles andre, dass ich hier
Erspare, weil zu mühsam mir,
Und ihr erkennt leicht obendrein,
Setzt ihr ein bisschen Denken ein.

Ist aber die Bewohner-Masse
In jedem Staate ein Klasse,
Die starke Unterschiede zeigt,
So handelt falsch, wer dies verschweigt
Und tut, als ob die Ungleichheiten
Der Wirtschaft kein Problem bereiten;
Genauer noch: wer einen Staat
Betrachtet wie Regionen grad;
Ja, selbst die Völker auf der Welt
Gleich einem einzgen Staatsvolk stellt.

`Bevölkerung´ als Element,
Das man im Datenkranz erkennt,
Ist unterschiedlich mannigfaltig
Sowie in sich auch vielgestaltig.
Ich hoffe, ihr seht klärlich ein,
Dass dies gilt immer, insgemein.


2. Raum


Die drei genannten Wirtschaftslehren
Verbindlich haben auch zu klären:
Auf welchen Raum beziehn sie sich?
Es ist nun einmal wesentlich,
Die Qualität des Raums; das heisst:
Inwiefern brauchbar sich erweist
Der Raum, auf dem die Volkswirtschaft
Die Güter anbaut oder schafft.
Auf Englisch sagt `area´ man,
Was zeigt hierbei dasselbe an.

(a) Sehr schwer fällt dabei in die Waage
Geographie, genau: die Lage,
Die Raum als Erdenteil nimmt ein.
Liegt grell er unterm Sonnenschein?
Besteht aus Wüste er, aus Eis,
Aus Bergen, Gletschern, Fels und Gneis?

Ich denke hierbei meinerseits
Als erstes sofort an die Schweiz,
Die mehrfach ja bereiste ich,
Ihr, Frommherz, wisst das sicherlich.7
Vom Schweizer Boden ist ein Drittel
Ganz ungeeignet als ein Mittel
Für Pflanzenwuchs und Produktion,
Weil Berge hoher Dimension.

(b) Als nächstes zählt, ob durch Natur
Das Land Verkehrsvorteil erfuhr:
Ob Küsten-Schiffart möglich ist,
Auch ob ein Fluss das Land durchmisst
Wie Rhône, Wolga, Themse, Rhein,
Die Schiffahrt lassen möglich sein.

Denkt, Frommherz, wie die Schweiz auch hier
Ist ohne solchen Vorteil schier:
Verriegelt durch die Alpen quer,
Mit keinem Anschluss an das Meer.

(c) Zum Raum ja auch das Klima zählt.
Wo Sonne, Wind, wo Wasser fehlt,
Wird Einfuhr grad der Nahrungsmittel
Zu einem schmerzlichen Kapitel:
Gilt diese es doch zu bezahlen
Zu hohen Preisen allemalen.

(d) Dazu die Bodenqualität
Legt fest im einzelnen konkret,
Was anzubauen möglich ist
In kurzer wie in langer Frist.

(e) Natur-Reserven werden jetzt
In aller Regel unterschätzt.
Doch denkt an Kohle, denkt an Erz!
Wie waren sie doch damals Werts
Für Eisenbahn, Maschinenbau:
Ihr, Frommherz, wisst das ja genau.

Ich möchte – wie vorhin bereits –
Als Beispiel nennen hier die Schweiz,
Die Kohle, Stahl, fast gar nicht hat;
Weswegen fand auch spät erst statt
Der Aufbau einer Industrie.
Die Deutschland Reichtum früh verlieh.

Die Schweiz galt lang als Armenhaus
Heut ist sie andren weit voraus!
Doch hatten viele arg zu darben,
Gut über tausend Leute starben
In jedem Jahr im Winter dort,
Von Kälte, Hunger ausgedorrt.

Man dieses heute meist vergisst,
Und daher selten bloss ermisst,
Mit welcher Mühe dieses Land
Aus Armut sich und Not entwand.


Unstatthafte Verallgemeinerungen


Wie kann denn angesichts all dessen
Die Wirtschaftslehre bass vermessen
Die Unterschiede in dem Raum
Beachten gar nicht oder kaum?

Gesagt wird, dass das Allgemeine
Verbiete Ausforschung ins Kleine.
Erweisbar ist dies Scheingrund doch,
Verbrämt mit schiefer Logik noch,
Weil hier das ganz Besondre nämlich
Prägt offensichtlich – klar vernehmlich –
Des Allgemeinen Formgestalt
Verschieden und recht mannigfalt.

Kein Biologe würde sagen,
Dass Antwort auf die vielen Fragen,
Die ganz verschiedne Wesen stellen,
Zu einer Antwort sich gesellen,
Und eine einzge Theorie
Erklärt für alles dann das Wie.

Verdrehte Aggregation
Gab es in grauer Vorzeit schon;
Wie auch gelehrte Demagogik
Entfloss in Strömen schiecher Logik.


\“Herrschende Meinung\“ leitet oft in die Irre

Heut ist es wie zu meiner Zeit:
Die Wenigsten sind nur bereit,
Dass sie von vorn, gleich zu Beginn,
Strikt blicken auf die Logik hin.

Statt dessen pflegen die Bequemen
Von anderen zu übernehmen,
Was diese ihnen vorgedacht:
Er wird dann gradso nachgemacht.

Doch Wissenschafts-Geschichte lehrt,
Dass Denken sich hat stets verquert,
Wo man sich sträflich tat versagen
Prinzipien zu hinterfragen:
Wo schliesslich herrschend die Erscheinung,
Dass gilt nur `allgemeine Meinung`;
Und wer die wagt zu zweifeln an,
Als `Aussenseiter´ gilt sodann.


3. Wissenschaft und Technik


Verschieden ist in jedem Land
Zumeist auch überdem der Stand
Von Technik und von Wissenschaft,
Was stark bestimmt die Wirtschaftskraft.

(a) Dies jeweils gilt direkt allschon
Für jeden Akt der Produktion.
Denkt Robinson – euch wohlbekannt –
Der Fische fängt mit barer Hand,
Und später dann mit einer Angel.
Behoben wird sein Nahrungsmangel,
Erst wenn er fischt mit einem Netz;
Weil nun er frei wird vom Gehetz
Nach Lebensmitteln und nach Brand,
In das er gänzlich eingespannt.

Jetzt kann er Freizeit erst geniessen:
Nun mögen Künste erstmals spriessen.
Denn wer zum Rackern bloss gezwungen,
Verzichtet darob notgedrungen
Auf des Bedarfs Befriedigung,
Der bahnt des Menschen Aufklärung.
Was `Künste´ sind, was `Aufklärung´,
Das lest – vermeidend Missdeutung –
Im grünen Wirtschafts-Lexikon8
Sowie im Wortschatz Religion.9

(b) Doch ist besagter Wissensstand
Auch indirekt das Unterpfand
Für Leben und Zusammenleben,
Die eine Volkswirtschaft verweben.


Lebens-Qualität ist unterschiedlich

(ba) Als Arzt bei `Leben´ denke ich
Zunächst, wie die Arzneikunst sich
In Praxis und in Theorie
Auf Leidens-Linderung bezieh.10
Wie hoch misst sich die Ärztequote?
Wie sind die Betten-Angebote
In Kliniken und Ambulanzen?
Wie steht es dort mit den Finanzen?
Wird auch genügend ausgegeben,
Um Medizin-Forschung zu hegen?

Denn wenn das Staatsvolk nicht gesund,
Dann ist der Wirtschaft Untergrund
Labil und wenig produktiv,
Weil kranke Menschen kaum aktiv.

Denkt nur daran, wie Länder keuchen,
Belastet schwer mit schlimmen Seuchen:
Ein einziger ernähren muss
Oft hundert Sieche dort am Schluss.
Bekannt ist, wie in Afrika
Sich dies tut heutzutage da.

(bb) `Zusammenleben´ soll hier meinen,
Dass wie im grossen, so im kleinen
Die Menschen leben ganz in Frieden:
Dass keine Pläne sie mehr schmieden,
Wie andren werde Leid getan,
Dass ruhe jeder Krieges-Wahn.

Ist restlos menschlicher Konflikt
Von vornherein gedämpft, erstickt,
So wird die Wirtschaft profitieren:
Auch müssen Strikes sich dann verlieren.
Dies Wissenschaft erreichen kann,
Wenn voller Einsicht fördert man
Die Pädagogik: hegt gut sie,
Dazu die Soziologie
Sowie auch andre Disziplinen,
Die nützlich diesem Ziele dienen.


Ungleichheiten sind augenfällig

Doch, Frommherz, ihr ja selber wisst,
Dass grosser Unterschied hier ist
Von Volk zu Volk, von Land zu Land.
Es wäre daher hirnverbrannt,
Die Eigenheiten nicht zu sehen
Darüber gradso wegzugehen.
Und doch tut dies Ökonomie –
Zumindest ihre Theorie!


4. Wirtschaftsgesinnung


Zum nächsten lasst nun kommen mich,
Was stark oft unterscheidet sich:
Gesinnung, welche Wirtschaft prägt
Und Handeln drum sehr stark bewegt.
Dies `economic disposition´
Auf Englisch wird genannt inzwischen:
Geschrieben in der Mehrzahl meist,
So dass es `dispositions´ heisst.

Ich meine damit alles das,
Was kulturell setzt Norm und Mass,
Wie Religion und Recht etwa;
Besonders was sich heut zeugt da
An Neigung, Absicht, Bindung, Brauch,
An Sitte, Regel, Formen auch.

Denkt nur daran, wie viele Branchen
Erfreun sich höchster Umsatz-Chancen
Um Weihnacht; auch zur Urlaubszeit
So mancher Absatz erst gedeiht.

(a) Um nicht zu weit jetzt einzudringen,
Lasst mich als Beispiel hier erst bringen
Die Zwecksetzung, die jemand leitet,
Der zum Erwerb der Güter schreitet.


Grundsatz der Bedarfsdeckung einerseits und des Reichtung-Maximums andrerseits

(aa) Bedarfsdeckung ist ein Prinzip,
Das bis in diese Tage blieb.
Wahrscheinlich wird in Zukunft treu
Man folgen müssen ihm ganz neu.

Hier wird Bedarf vorausgeschätzt
Und daraufhin dann festgesetzt,
(1) Was, (2) wo, (3) in welcher Art, (4) von wem
In Herstellung im Land man nehm‘.

Die Produktion ist hier das Ziel:
Die Technik kommt vorab ins Spiel.

(ab) Doch dem Bedarf Erwerbsprinzip
Sich nie als Massstab bloss verschrieb.
Im Kernpunkt steht zwar auch Bedarf;
Doch wird errechnet messerscharf,
Wie durch den Absatz, den Verkauf
Gewinn erzielbar wird zuhauf.
Der Kaufmann nun im Zentrum steht,
Der Ingenieur ihn nur berät.


Konservativ und progressiv geprägte Gesellschaften

(b) Lasst nennen mich auf diesem Gleise
Auch fürders die Verfahrensweise,
Mit der die Güterproduktion
Geschieht in einer Region

(ba) Ist diese traditionalistisch,
Das heisst: das Wirtschaften bemisst sich
Nach Regeln, welche innewohnen
Seit vielen Generationen,
So dass im Grund sich wenig wandelt:
Der Sohn gleich wie der Vater handelt?

So häufig auf der Welt es ist,
Was ihr, Herr Frommherz, sicher wisst;
Und dies gilt sonders bei den Bauern;
Doch mag auch noch im Handwerk dauern
Sowie in Ausbildungs-Systemen,
Die jede Neuerung verfemen.

(bb) Im andren Fall Verfahrensweise
Rasch ändert ihre Wirkungs-Weise:
Sie passt sich jedem Fortschritt an,
Den man als Neuerung ersann.

Genannt wird durchaus realistisch
Die Weise rationalistisch.
Von Grund auf sich die Produktion
Hier wandelt innert Jahren schon;
Und Neues nimmt im Zeitverlauf,
Nicht bloss Gerät, Maschinen auf,
Als mindest gleichviel überdem
Das ganze Wissenschafts-System.

Auch das, was man benennt `Kultur` –
Wie Kunst, Musik, Architektur –
Verändert sich in raschem Lauf,
Was seinerseits zwingt wieder auf
Der Wirtschaft stetsfort neues Planen.
Wodurch erneut sich Wandel bahnen.
Der Fortschritt gleich Motoren-Kraft
Von selbst Innovation hier schafft.


Verschiedenheiten dürfen nicht unterschlagen werden

Es ist nun aber offensichtig,
Dass Wirtschaftslehre liegt nicht richtig,
Wenn sie auf diese Unterschiede
Bedacht zu nehmen töricht miede:
Wenn Handwerk sie, starr in Routine,
Sieht gleich, wie wenn durch die Maschine
Ertrag fast mühelos gedeiht
Vertausendfacht in gleicher Zeit.


5. Wirtschaftsordnung


Ihr werdet Wirtschaftsordnung kennen;
Lasst mich als Letztes sie hier nennen.
Die `Ordnung´ hier man übersetzt
Mit `organisation´; doch letzt
Gesehn wird wie im Deutschen sie
Im Schrifttum der Ökonomie.

(a) Man Wirtschaftsordnung stets beschrieb
Aus einem leitenden Prinzip:
Ob (1) freie Wahl, ob letztlich (2) Zwang
Bestimmt der Wirtschaft Lauf und Gang
Gesamthaft als auch in Sektoren:
Wie auf den Märkten für Faktoren,
Für Geld, für Dienste oder Waren,
Patente, Rechte und Verfahren.


Gesellschaftliche Ordnungsstufen

(b) Doch schliesst die Wirtschaftsordnung ein
Soziales Leben insgemein:
(ba) Beziehung unter den Personen,
Die innert einer Wirtschaft wohnen;

(bb) Die Form, wie Menschen allerenden
Geordnet sind zu den Verbänden
Wie Ehe, Kirche, Zunft, Verein,
Gewerkschaft, Firmen und Partein;

(bc) Verhältnis unter den Verbänden:
Wie zueinander sie wohl ständen.
Denkt hier an Arbeitsmärkte nur,
Wo oft sind beide Seiten stur.
Drum lange Strikes – gleich einem Krieg –
Den Zwistigkeiten harsch entstieg
Mit Folgen, die zerrütten ganz
Gesellschaftsleben innerlands.

Auch hat ja schon der Kampf der Klassen
Geführt zum Aufruhr grosser Massen,
Wie bei dem Spartakus-Pogrom
Der Unterschicht im alten Rom.

(bd) Denkt an Beziehung auch zuletzt,
Wie diese findet sich gesetzt
Sowohl vom einzlnen und Verbänden
Zu dem, wohin die Stufen enden:
Zur kollektiven Allgewalt,
Die findet sich bei Staat geballt.


Unterschiedliche Gestaltung innert der einzelnen Stufen und zwischen diesen

(c) In jeder Ebene, die hier
Beschrieb ich grad in Stufen vier,
Die Ordnung kann – teils stark, teils schwach –
Verschieden sein recht mannigfach.

(ca) Zunächst dies offenkundig gilt
Für das interne Reglungs-Bild.
Lasst Kirche mich als Beispiel nennen.
Einjeder kann hier leicht erkennen,
Wie hierzuland ist heut verschwunden
Der alte Herrschafts-Druck nach unten,
Und Bischöfe sowie Pastoren
Die Führungsmacht dadurch verloren.

Die Laien engagierten sich;
Die Kirche ward so brüderlich,
Wie dies mit Nachdruck ja beschworen
Von jeher die Reformatoren.

Nebst Kirche könnte ich auch zeigen,
Wie Ehe tat sich weithin neigen
Zu liebevoller Partnerschaft.
Die Frau war lange sklavenhaft
Im Ehestand ja eingebunden:
Nun hat sie zu sich selbst gefunden
In Westeuropas meisten Staaten –
Auch bald bei Moslems und Asiaten.
So führte jüngst schon die Türkei
Gesetzlich Rechtsgleichheit herbei.

(cb) Verschieden kann sodann auch sein,
Wie kommen jeweils überein
Akteure in den einzlen Stufen
Und welche Regeln sie hier schufen.

Als Beispiel lasst mich nennen nur
Im Staate eine Diktatur,
Die oft ins kleine, stets im groben
Beziehung regelt barsch von oben.

Der Staat entscheidet dann allein,
Ob Menschen zum Gesangsverein
Zusammenschliessen dürfen sich;
Auch ob gestattet, öffentlich
In Kirchenräume einzutreten
Um dort zu GOtt dem HErrn zu beten.

(cc) Doch Unterschiede zeigen sich
Auch in der Art, wie sonderlich
Verhältnisse, die just ich nannte,
Gesichert sind in einem Lande.
Herrscht vor allein nur Konvention,
Verkettet noch durch Religion,
Wie bei dem starren Kastenwesen,
Aus dem sucht Indien zu genesen?

Ist der Beziehung in Verbänden
(Samt den Bezügen, die sich fänden
In einem Staate zwischen diesen)
Ein Richtmass jeweils zugewiesen?
Ist rechtlich dies genau fixiert,
Beständigkeit so garantiert?
Und geben auch Gerichte acht,
Dass diese Ordnung wird bewacht –
Wo nötig, weiter fortgeschrieben –
Nach Rechts-Geist und nicht nach Belieben?

Kann jeder auch der Allgewalt –
Dem `Staat´ in vielerlei Gestalt –
Durch unabhängiges Gericht,
Das nur das reine Recht verficht,
Entgegentreten, um die Haltung
Der Staats-Beamten, der Verwaltung
Neutral zu lassen kontrollieren
Und allenfalls zu korrigieren?

Gerichte angesprochen sind,
Die handeln wirksam und geschwind;
Auch nicht zuletzt in Steuersachen,
Die vielfach Bürger Kummer machen
Und Firmen oft Ruin nebst Leid
Bescherten schon zu meiner Zeit.


6. Folgerungen


Was hier ich vortrug, riss nur an,
Was Unterschiede schaffen kann.
Mehr könnt ihr zu den einzlnen Themen
Dem Buch von Heinrich Pesch11 entnehmen.
In Kurzform bringt dies mein Freund Merk
Im ersten Band von seinem Werk.12

Doch ist ja hier nun ohnedem
Erkenntnis-Gegenstand Problem:
Das Faktum, dass an Volkswirtschaften
Stets eigne Formen, Stile haften,
Ist eine Sache, die ich bloss
Erklärte euch so breit und gross,
Damit erkennt ihr, dass es nie
Gelingen kann der Theorie
Aus Allgemeinem nur allein
Das Eigne, was sich prägte ein
Der Volkswirtschaft recht aufzufassen:
Sie muss bei Wichtigem hier passen.

Das alles legte dar euch ich,
Nur gross und breit ja eigentlich,
Damit ihr, Frommherz, sinnt bald nach,
Was über das Objekt ich sprach,
Und euch wird letztlich zweifelsfrei,
Dass sind der Wirtschaftslehren drei.

Bald ist Erkenntnis-Gegenstand
Das eigne Volk, das eigne Land,
Bald die gesamte Weltwirtschaft
(Was völlig neue Fragen schafft),
Bald was im einzelnen geschieht
In einem grösseren Gebiet
Wie etwa heut in der EU,
Zu der gehört ja Deutschland zu.\“ —

\“Herr Hofrat Jung! Ich danke sehr
Für dieses Lehrstück inhaltsschwer.
Nun sehe ich ganz zweifelsfrei,
Dass sind der Wirtschaftslehren drei


B „Richtiger Bedarf


Doch rügten vorhin zudem sie,
Bedarf säh‘ falsch Ökonomie.
Ich frage, ob sie hier beachtet,
Dass Menschen anders man betrachtet
Anjetzt zu dieser Erdenzeit,
Als einst in der Vergangenheit,
Da sie noch Wirtschaftslehrer waren;
Sind sie sich völlig hier im Klaren?\“ –

\“Herr Frommherz: dazu möchte ich
Genauer gern noch äussern mich.
Der `neue Mensch´ als erstes sei
Gesichtet und durchforscht dabei.
Als nächstes gilt es, den Bedarf
Zu deuten und bestimmen scharf.
Am Ende der Gedankenfluss
Soll leiten dann zu einem Schluss,
Der für die Wirtschafts-Politik
Eröffnet manchen neuen Blick.


I. Der „neue“ Mensch


Der `neue Mensch´ zu meiner Zeit
Als Schlagwort machte sich schon breit.
Von Frankreich anspruchsvoll entglomm
Gerede laut vom `noveau homme´;
Ich hörte jeden Tag beinah
Das: `nous avons changé tout cela´.


Schlagwörter vor 1814


Der Revoluzzer Übermut,
Das Phrasen-Dreschen ihrer Brut
Allhier in unsrem deutschen Land,
Genau so toll und arrogant,
Vermessen dummdreist im Getue –
In Marburg mehr als in Karlsruhe –
In helle Wut schon brachte mich;
Oft weinte ich auch bitterlich
Ob des Zerfalls der Urteilskraft
Nebst der Gelehrten narrenhaft.

Allein, letzt eine Minderheit
Vermass sich so zu meiner Zeit.
Der Schreier waren viele nicht,
Wiewohl sie fielen ins Gewicht
Ob ihrer Agitation
Bestimmend weithin so den Ton.

Die Mehrheit aber sah sehr wohl,
Dass jener Schwulst blieb leer und hohl;
Immassen ringsum bittres Leid
In Deutschland rasch sich machte breit
Aufgrund der Revolution:
Die Phrasen klangen oft wie Hohn.
Schlagt bitte nach, was schrieb ich auf
Dazu in meinem Lebenslauf.13


Wirrnis über die Menschen heute


Doch das bei weitem übertrifft,
Was nunmehr ich in Wort und Schrift
An Unsinn dazu hören kann:
Es ekelt vielfach gar mich an!

Fast jeder überzeugt jetzt ist,
Dass heute sich der Mensch bemisst
Ganz anders denn in frühren Tagen:
Und deshalb anders auch die Fragen
Man stellen müsse nun und hie
Just an die Wirtschafts-Theorie.

Herr Frommherz: das ist reiner Quatsch:
Gesums, Geschwätz, Kladderadatsch!
Es bietet sich der Mensch heut dar,
Wie er zu jeder Zeit schon war.
Geändert nichts an ihm sich hat,
Die `Mutation‘ fand gar nicht statt,
Von der die Schreier lauthals sagen,
Sie hätte sich längst zugetragen!


Am Menschen hat sich bis anher nichts geändert


(1) Nehmt zum Beweis nur in die Hand
Ein Lehrbuch, irgend einen Band,
Den schrieb zu Olims Zeiten schon
Ein meisterhafter Anatom.
Ist dort das menschliche Skelett
Dasselbe nicht von A bis Zett,
Wie in den Büchern, welche jetzt
Von Ärzten werden hoch geschätzt?

Zeigt dort ein Muskel, Knorpel, Glied
Zu heute einen Unterschied?
Hat denn verändert etwas sich
Das Auge, was insonders mich
Im Jenseits auch beschäftigt noch,
Da immerhin ja nieden doch
Tat manches hier ich grad riskieren:
Als Meister galt im Operieren?12

(2) Erkenntnis-Fortschritt rasch gedieh
Im Feld der Physiologie:
Jetzt ist man dank Chemie wohl schlauer,
Beschreibt das Leben drum genauer.
Doch keinen Fall auch hier ich seh‘,
Wo sich der Lebensvorgang je
Geändert im geringsten nur:
Von `Mutationen´ keine Spur!

Dies gilt für Leben allgemein:
Es schliesst ganz ausnahmslos auch ein
Jedwelches einzelne Organ:
Vom Zehen bis zum Mund und Zahn.
Man mag auch hier durch den Vergleich
Der Bücher neu und alt sogleich
Erkennen, dass dem wirklich so:
Verändrung gab es nirgendwo!

(3) Ich könnte Embryologie
Als Beispiel euch noch nennen hie.
Ganz sicher ist und unbestritten:
Die Menschen einst durchs Leben schritten
Im gleichen Körper, gleichen Leib
Wie alle heute, Mann und Weib.
Auch werden alle durch die Bank
Ehdem wie heute schwach und krank;
Sie gingen früher, schreiten jetzt
Ins Grab: der Tod ereilt sie letzt.


Existentielle Güter-Abhängigkeit des Menschen beliebt nach wie vor die Grundtatsache schlechthin


(4) Aus alldem ziehe ich den Schluss,
Dass gleich geblieben sein auch muss
Des Menschen Angewiesensein
Auf Güter, welche ihn allein
Erhalten können in dem Leben
Und denen er drum hingegeben
Auf existentielle Art.
Das Gut ihn nur im Leib bewahrt.

(5) In dem Verhältnis Menschen zu Gut
Sich noch etwas erzeigen tut:
Die Güter haben nicht die Kraft,
Dass sie im Menschen dauerhaft –
Bei nur einmaligem Gebrauch –
Erhalten seinen Lebens-Hauch.
Vielmehr muss wiederholt sie man
Verbrauchen, dass man leben kann!
Auch dies war früher so, wie heute
Und gilt für jeden: alle Leute.

Soviel zum `neuen Menschen´, der –
Wie deutlich ich gezeigt vorher –
Im Wesen ganz der gleiche blieb:
So, wie ihn Medizin beschrieb.
Von da ich nun gleich überleite,
Zur Lehre vom Bedarf jetzt schreite.


II. Leibliche Grundbedürfnisse


Ein jeder Mensch braucht zum Erhalt
Des Lebens, seiner Leibs-Gestalt,
Ein Mass an Trinken und an Essen,
Das sich lässt wissenschaftlich messen.
Man rechnet es in heutger Schule
In Kalorien oder Joule.

Wer mehr isst, als dem Mass entspricht,
Hat bald zu hohes Leibs-Gewicht,
Was Vorschub leistet jedem Leiden,
Beschleunigt zudem das Verscheiden.


1. Überernährung in Industrieländern


Seht, Frommherz, euch die Männer an,
Die heutigs wachsen hier heran!
Sie sind beherrscht von Fressens-Gier,
Ergeben stark dem Schnaps und Bier:
Bei siebzehn Liter Alkohol
Pro Jahr fühlt jeder sich erst wohl.

Drum schreiten sie mit viel Gekeuche,
Denn viel zu dick sind ihre Bäuche.
Weil drum sie können schwer bloss gehen,
So sitzen sie, um fernzusehen
Und steigen in ihr Auto ein
Für jeden Weg auch noch so klein.
Zu diesem Thema habe ich
Herrn Freimund breit eröffnet mich.15


2. Unterernährung in Entwicklungsländern


Ganz anders stellt sich dieses da
Bei Menschen in Schwarz-Afrika
Sowie in anderen Regionen,
Wo Krankheit, Not und Hunger wohnen.

Es fehlt das Minimum an Speise,
Dazu an Trank oft gleicherweise,
So dass die Menschen derart schwach,
Dass sterben hin sie tausendfach
An Krankheit und Entkräftigung:
Hier zeigt sich keine Änderung.


3. Existenznotwendige Güter


Doch gleich, ob in Europa hier,
Ob fern im letzten Welt-Revier:
Zum Leben braucht man Güter dringend
Und ihr Verbrauch ist daher zwingend.
Sie sind des Überlebens Quell,
Mit andrem Wort: existentiell.


III. Zusatzbedürfnisse


Doch über jenes Minimum,
Das unumgänglich nötig drum,
Dass Menschen-Leben bleibt erhalten
Und sich kann störungsfrei entfalten,
Begehrt ein jeder Güter auch,
Durch deren Nutzung und Gebrauch
Erleichtert, schöner wird das Leben:
Die Menschen erst mit Wohl umgeben.16

Bestimmt wird solcherlei Verlangen
Von Daseinsformen, die umfangen
(a) Das Volk sowie auch (b) die Person.
Des weitren (c) Rang und Profession.


Bedürfnisse aus der Volkszugehörigkeit


(a) Zum Volk: es braucht ein Mensch im Land,
Wo Lesen, Schreiben wird erkannt
Als unerlässlich, und drum Pflicht
Für jeden dort ist Unterricht,
Papier und Schreibzeug, Bücher auch,
Zumindest für den Schul-Gebrauch.

Denkt weiters euch ein solches Land,
Das eine Fläche weit umspannt.
Nehmt Wälder an und Kohlengruben
Im Südteil reich, derweil die Stuben
Im Nordteil stets im Kalten wären.
Der Wärme müsste man entbehren,
Gäb‘ Tausch der Güter es nicht dort,
Der Heizstoff bringt von Süd nach Nord.


Güteraustausch verbindet die Menschen und fördert die Kultur


Verkehr von Kohle und von Waren
Bedeutet auch: auf Strassen fahren,
Zu bauen sie, zu unterhalten
Nebst Karren, Kutschen zu gestalten.
Ein Wohlfahrts-Zuwachs tritt so ein
Im ganzen Lande allgemein,
Weil Handel immer Vorteil bringt
Und Kosten in die Tiefe zwingt.

Wo Güteraustausch reich gedeiht,
Erblüht auch die Geselligkeit;
Verbindet Menschen doch der Handel,
Verfeinert zudem ihren Wandel.
Seit alters Auftrieb stets erfuhr
Durch Im- und Export die Kultur.

Weil in Geschichte ihr erfahren,
Kann ich Exempel hier mir sparen.
Doch da bei einer Party ihr
Sei doch erlaubt zu sagen mir,
Dass Essen, wie jetzt honorabel –
Mit Messer nämlich und mit Gabel –
Die Aussenhändler führten ein,
Nebst vielen Speisen obendrein.


Zusätzliche Bedürfnisse aus den jeweiligen persönlichen Gegebenheiten


(b) Nach Zusatzgütern rührt Begehr
Auch oft vom Typ des Menschen her.
Stellt, Frommherz, vor euch solche nur,
Die gross und wuchtig von Statur.
An Wohnung, Nahrung brauchen sie
Weit mehr als einer, der gedieh
Als kleiner, dünner, zarter Mann:
Der wächst als Däumling bloss heran.

Ich nenne Kranke noch, Gelähmte,
Durch Seuche allgemein Verfehmte;
Auch Menschen, deren Augen schwach
Und denen hilft in Ungemach
Arznei aus ihrer Position,
Vielleicht gar nur Operation.


Zusätzliche Bedürfnisse aus der sozialen Stellung des einzelnen Menschen


(c) Für Zusatzgüter von Belang
Beruf sind ferners und der Rang.
Als Dorfschulmeister und als Schneider
Bedurfte kaum ich teurer Kleider.17
Als Sekretair im Hause Flender
Trug schon ich bessere Gewänder.18
In Schönental war mir gelegen,
Mich anzuziehn wie die Kollegen:
Der Arzt war kenntlich an der Tasche,
An grauem Beinkleid mit Gamasche.19

Zu Lautern als Professor dann
Zog ich mir solche Kleidung an,
Die üblich war für Hochschullehrer:
Das Tuch jetzt dichter, drum auch schwerer,
Die Schuhe in der Machart neuer:
Wie jede Mode leidlich teuer!20

Mein Amt beim Grossherzog von Baden
Zwang mich zu Kleidung wie Prälaten.21
Als Rat in priesterlichen Sachen
Musst‘ neue Dienst-Kluft ich mir machen.
Man gab mir wohl auf mein Gesuch
Gehaltsvorschuss zum Kauf von Tuch;
Doch nähte ich die neue Tracht
Mir selbst mit Sorgfalt und Bedacht.

Kurzum: ihr könnt an jenen Stufen,
Die führten neu mich zu Berufen
Erkennen, wie man Güter braucht,
In einen Rang und Stand getaucht,
Und wir hier ganz klar Zwänge sind,
Aus denen jemand kaum entrinnt.\“ –


IV. Grenzen der Bedürfnisbefriedigung


\“Herr Hofrat Jung\“, ich unterbrach,
\“Wenn hier man folgerecht denkt nach,
Gelangt man sehr leicht zu dem Schluss:
Mehr Güter heisst auch mehr Genuss!

Es fehlt ersichtlich doch zur Gänze
Die Scheidelinie als der Grenze,
Wo Gutsgebrauch schon Schaden stiftet,
Ja, ganz den einzelnen vergiftet,
Der von dem Gut nicht Nutzen mehr,
Als vielmehr erntet bloss Beschwer!\“ —

\“Mein Stillings-Freund, habt doch Geduld!
Ich stimme nimmer bei dem Kult,
Den heut man dem Konsum bezeigt;
Wobei mit Absicht man verschweigt,
Dass Güter oft auch Schaden bringen:
Ja, Menschen gar total verschlingen.

Ich weiss wohl, was ein Ungut ist
Und habe einst – wie ihr ja wisst –
Ein solches klar beschrieben schon:
Vor Böggemanns Definition!22
Wie Doris Böggemann will ich
Nicht sehn ein Ding rein äusserlich,
Um es als Ungut auszuscheiden:
Als Gut, das bringt dem Menschen Leiden.

Das Morphium sicher ist ein Gut,
Das lindernd seine Wirkung tut
Bei Menschen, die in Schmerz sich quälen
Und bange Lebensstunden zählen.

Doch Morphium ist ein Ungut dann,
Wenn es Gesunde wenden an,
Um so in Rausch sich zu versetzen:
Gefahren dabei unterschätzen,
Die über kurz, die über lang
Bewirken stets den Niedergang
Von Leib und Seele; denn mit Wucht
Bringt um den Menschen jede Sucht.


Unterscheidung zwischen Gut und Ungut


Es gibt ein einzges Merkmal nur,
Das Norm und Mass für die Natur
Des ächten Gutes bieten kann.
Ein Gut verdient den Namen dann,
Wenn es am Ende unbedingt
Das Wahre, Schöne, Gute bringt
Für jenen, der gebracht dies Gut:23
Der es in Anspruch nehmen tut,
Sei Leistung oder Ware es
(Die Teilung ist ganz sachgemäss,
Weil `Gut´ ja Hauptbegriff nur ist,
Wie, Frommherz, ihr bestimmt auch wisst).

Ich nenne wahr, was dauerhaft
Beim Menschen Wohl und Vorteil schafft:
Was ganz dem Daseins-Zweck entspricht
Aus Diesseits- wie aus Jenseits-Sicht.

Das Gute macht vollkommen mehr
Der Seele Kräfte und mither
Die körperlichen Fähigkeiten,
Die beide sich in Tugend weiten.

Was so dem Menschen Heil bereitet,
Dass Freude stetsfort ihn begleitet,
Veredelnd dadurch ihn zu Höhn,
Das heiss‘ ich mit den Alten schön.


Theologie der Ungüter


Des Wahren, Schönen, Guten Quell
Ist GOtt der Schöpfer prinzipiell.
Wenn dicht ein Mensch daher umhüllt
Vom Schönen, Guten und erfüllt
Von deren Frucht und Wirksamkeit,
Dann ist von GOtt er auch nicht weit.
Lest, Frommherz, was ich schrieb davon
Im Lexikon zur Religion.24

Doch umgekehrt gilt deshalb auch:
Man kann durch Ungüter-Gebrauch
Von GOtt sehr rasch entfernen sich:
Das Ungut ist drum hinderlich,
Das wahre Glück in dieser Zeit
Sowie in aller Ewigkeit
Zu suchen, finden und erhalten.
Das Ungut hindert am Entfalten
Der Kraft, die Menschen zielwärts leitet
Zum Glück, das jedem ist bereitet.

Ich nannte `Grundtrieb´ dieses auch:
Ein Wort, jetzt selten in Gebrauch.
Man sagt in der Philosophie
Als Fachwort gern `Entelechie.25

Um anders es zu sagen auch:
Der Mensch verfehlt durch den Gebrauch
Des Unguts ganz von selbst sein Glück:
Das Ungut wirft ihn weit zurück.

Dass dies nicht bloss Spekulation,
Erseht ihr sehr leicht darin schon,
Wie Menschen glücklich nie gesinnt,
Wenn sie im Bann des Unguts sind.

Nehmt Auto-Raser, Ketten-Raucher,
In Unmass Alkohol Verbraucher:
Habt je ihr einen hier getroffen,
Dem Freude hält die Seele offen?
Ich meine Frohsinn dauerhaft,
Nicht Lust, die kurz das Ungut schafft.

Verkniffen sind sie doch zumeist:
Die Seele frostig, starr vereist;
Voll Angst vor dem, was nächstens ist:
Sie leben bange, zage, trist.

Um diesem Zustand auszuweichen
Und hoffend, Glück nun zu erreichen,
Sie wenden sich dem Ungut zu,
Doch finden dadurch keine Ruh,
Weil bloss im Schönen, Guten, Wahren
Ist Glück und Freude zu erfahren.


Mass der Freude ist bestimmt durch Güternutzung


Beinebens sei es mir erlaubt
Zu äussern, wie jetzt überhaupt
Humor und Frohsinn sind so rar:
Man nimmt dies überall hier wahr!

Schon öffentlich und in den Kammern
Selbst nunmehr fromme Christen jammern.
Dies ist ein Schandfleck, ein Skandal!
Es dünkt mir sichtig als Signal,
Wie Glaube an den HErren CHrist
Geschmälert und verkleinert ist.
Denn ER hat klärlich durch sein Kommen
Doch alle Angst auf sich genommen:
Beglückt uns gar mit ew’gem Heil
Das jedem Menschen wird zuteil,
Der sich auf JEsu taufen lässt
Und hält in SEiner Liebe fest!

Zwar sah auch mich man manchmal nieden
Nicht gut gelaunt und unzufrieden,
Wenn Widrigkeiten trafen mich:
Doch blieb dies alles äusserlich.
Im Inneren meiner Seele war
Ich heils=froh stets und lustig gar.

Die weinerliche Mäkelei
Verbannt zur tiefen Hölle sei!
Sie steht eng in Zusammenhang
Mit Ungut-Nutzung, die Bedrang
Dem Körper wie der Seele bringt:
Sie beide in Gedrücktheit zwingt.
Denkt nach, was grad ich über Raucher,
Zu Alkohol-, Opiat-Verbraucher
Euch sagte, und vergleicht ein Gut,
Das Gutes, Schönes wirken tut.

Der Grad an Freude, der gedeiht
Gesellschaftlich zu einer Zeit
Bedingt wird klar durch den Gebrauch
Des Gutes wie des Unguts auch!
Nimmt letzteres an Anteil zu,
So ebbt der Frohsinn ab im Nu,
Und Klagen, Jammern, Schimpferei
Setzt sich bei vielen Menschen frei.

Dies wieder dann zur Folge hat,
Dass man sich nie fühlt gütersatt.
Man hofft, durch neuen Ungut-Kauf
Zufrieden werden und wohlauf.

So steigt der Missmut weiter an,
Den glaubt durch neues Ungut man
In Wohlgefühl und Glück zu kehren:
Tut so den Unmut noch vermehren!

Es dreht sich bald ein Karussell
Erst langsam noch, allmählich schnell.
Nur Wahres, Gutes, Schönes kann
Den Kreislauf unterbrechen dann.


V. Verkehrte Masse und Mass-Stäbe des Wirtschaftens


Ich könnte, Frommherz, zu den Fragen
Noch manches Wichtige euch sagen;
Doch drängt es nunmehr mich zum Schluss,
Weil gleich ich weiter schreiten muss.

Wie heut man Wirtschafts-Leistung misst,
Ein Blendwerk sondergleichen ist!
Sozial-Produkt schliesst alles ein,
Was in sich fasst ein Tätigsein
Auf Märkten und wird dort gezählt –
Selbst wenn es Lebensglück verfehlt.


Verkehrs-Opfer bucht man töricht als Wohlstands-Zuwachs


Als Beispiel nehmt Verkehrs-Unfall.
Ist ganz schlimm der Zusammenprall,
Dann steigt mehr das Sozial-Produkt,
Weil ja das Zählwerk alles schluckt,
Was Umsatz auf den Märkten ist;
Wobei verblendet man vergisst,
Dass Schwerverletzte, die vom Ort
Des Unglücks sind zu karren fort,
Um sie zu hospitalisieren,
Mit Aufwand dann zu operieren;

Zu pflegen sie erst im Spital
Durch hoch bezahltes Personal,
Um in Spezial-Klinik sie endlich –
Mit teurem Aufwand selbstverständlich –
Bereiten für ihr neues Leben:
Als Krüppel, ständig hingegeben
Dem Rollstuhl und der Leidenslast –
Dass dies wird alles aufgefasst
Als Reichtum, doch als Schaden nicht,
Für narrige Berechnung spricht.26

Allein, dies ist kein Einzelfall!
Ihr wisst, dass heutigs überall
Verletztenzahlen steigen an,
Je mehr man Autos zählen kann –
Und gar in potenziertem Masse,
Weil immer dreister das Gerase.

Ein kleines Städtchen innerlands
In jedem Jahr verschwindet ganz;
Es räumt dies nach und nach ganz leer
Durch Unfalltod harsch der Verkehr!

Doch Mehrausgaben, die entstehen,
Weil viele früh zu Grabe gehen
(Samt Aufwand für die Abdankung,
Der Leichenhalle Ausstattung,
Für Blumen, Kränze und Buketts,
Auch Trauer-Essen und – Banketts,
Für Todesscheine, Formulare
Nebst Trauerkarten, Zirkulare)
Sieht glatt man als mehr Leistung an
Und bucht als Wohlstands-Plus es dann!


Beharrliches Verschwiegen der wachsenden Verkehrs-Leiden in Presse, Rundfunk und Television


Verkehr ist eine heil’ge Kuh!
Das Unfall-Leid ist ein Tabu;
Es wird von Medien totgeschwiegen
Genau so hartnäckig-verstiegen,
Wie jene Wahrheit, dass uns CHrist
Als GOttmensch Retter Heiland ist.

Warum dies? Es hat manche Gründe;
Letzt wirken hier des Teufels Fünde.
Erfolg war diesen stets beschieden,
Wenn Menschen sich entbanden nieden
Von GOttes Hilfe, SEiner Liebe
Und folgten nur noch ihrem Triebe
Nach Macht, nach Lust, nach Rausch, nach Gier,
Nach sich vergnügen jetzt und hier.


Wissenschafts-Theorie leugnet die Wahrheit zugunsten „moderner“ Ziele


So kommt man stetsfort weiter weg
Von dem, was jedes Menschen Zweck;
Und dies gilt auch für Wissenschaft,
Die feil für jeden, dirnenhaft,
Begründet das, was eben jetzt
An Zielen Menschen sich gesetzt;
Selbst wenn auch diese völlig irre,
Bloss Trugbild, Blendwerk: ein Gewirre.

Bezweifelt ihr die Einschätzung?
Dann schaut doch zur Bestätigung
Wie zweckentfremdet schauderhaft
Die Theorie der Wissenschaft:
Die Wahrheit ist längst abgeschrieben,
Die Ziele setzt man nach Belieben.
Der Mensch sich aus dem Blick verlor,
Von GOtt nahm Abschied man davor.
Das gilt – oh weh! – schon da und hie
Sogar für Theologie.


Sozial-Produkt kann angesichts seiner Berechnungsweise kein Wohlstands-Indikator sein


Noch vieles könnte ich euch nennen,
Aus dem ist deutlich zu erkennen,
Dass Schäden, die ganz offenbar,
Man falsch stellt als Erfolge dar.

Aus alldem ziehe ich den Schluss,
Dass man es unterlassen muss,
Als Wohlstands-Massstab anzusehn,
Was sich summiert heterogen
Aus Gütern wie Ungütern auch:
Man lediglich sieht auf Verbrauch
Von Produktions-Faktoren nur
Und sieht nicht auf des Guts Natur.

Das heisst, das Krise wohl sein kann,
Obgleich Sozial-Produkt zeigt an,
Dass eben jetzt ein Hochschwung wär‘,
Weil Ungüter erzeugt sind mehr
Als Güter, die zum Nutzen reichen,
Und beide eben nie sich gleichen.


Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit sind neu in ihrem Sinn aufzuzeigen


Es ist in dem Zusammenhang
Entscheidend (drum auch von Belang)
Für was Faktoren man setzt ein!
Es kann doch nicht gleichgültig sein,
Ob Waffen herstellt man, mit denen
Bekriegt sich wird wie bei Hyänen;
Ob baut man allerorts Kasernen,
Wo Kinder gar schon Töten lernen;

Bedruckt Papier mit Sudelei,
Pornographie und Schweinerei;
Strahlt früh bis spät Programme aus
Mit Inhalt schändlich, übel, kraus,
Die Menschen falsche Ziele gaukeln,
In Selbstzufriedenheit sie schaukeln,
Statt recht zu lenken ihren Sinn
Auf GOtt sowie den Mitmensch hin;

Ob karrt Tabak man ständig fort
Bis hin zum letzten Haus im Ort
Damit den Süchtigen auch ja
Ihr Suchtstoff Tag und Nacht sei nah –
Samt tausend andrer Tätigkeiten,
Die schwere Schädigung bereiten:
Die Menschen Leid und Sorge bringen
Und sie in Trübsal niederringen.

Probleme der Beschäftigung
Sind offen leicht der Missdeutung,
Beherzigt sehr genau man nicht,
Was dieser Einsicht doch entspricht!

Es kommt nicht auf die Zahlen an,
Aus denen man ersehen kann,
Wie viele grad in Arbeit sind,
Als vielmehr, was man da gewinnt:
Ob Güter werden hergestellt,
Mit denen besser wird die Welt,
Ob Waren, Dienste fertigt man,
Die Schaden, Leiden richten an
An der Gesellschaft, der Person:
Die zwingen unter Unheils Fron.


Höhe des Anteils an Dienstleistungen als Massstab des ökonomischen Fortschritts


Da fällt beinebens mir noch ein,
Dass Grad soll für Entwicklung sein,
Wieviel erzeugt an Diensten ist.
Dies als Prozent-Anteil man misst
Von dem Sozial-Produkt pro Jahr
Und stellt als Fortschritts-Mass es dar.

Das Frommherz, ist doch ziemlich wirr,
Als Massstab für `Entwicklung´ irr!
Ich kann es immer noch nicht fassen,
Warum man davon will nicht lassen.

Der Franken Hauptstadt ist Paris.
Dort zählt man mit Bekümmernis
An Menschen mehr, die sind allein,
Als solche, die gebunden ein
Noch familiär zusammen leben:
Die noch von andren sind umgeben.

Nun stellt euch vor, es wären alle
Hier in Paris in jedem Falle
Zusammen im Familienkreise
Und keiner lebte einzelweise.

Ich frage: wieviel Umsatz letzt
Für immer fiele weg anjetzt
Beim Bäcker, in der Brauerei,
In Restaurant und Wäscherei,
Bei Medizinern, Therapeuten,
Bei Zugehfraun und Pflege-Leuten,
Bei Lotterbuben und Maitressen
Und weitren solcherlei Adressen,
An denen schon zu meiner Zeit
Paris war reich insonderheit
(Was manchen Deutschen einst bewog,
Dass er nach Frankreichs Hauptstadt zog,
Wo er todbringend sich vergnügte –
Was ich mit allem Nachdruck rügte).27

Ich glaube, Frommherz, dass ihr seht,
Wie Dienstleistung wird aufgebläht,
Wenn nur recht hoch die Scheidungszahl
In einem Lande jedesmal.
Nicht ächter Wohlstand wird gemessen:
Was diesen gründet, wird vergessen!


Dienstleistungssektor ist ein unpassender Gradmesser für Entwicklungsländer


Drum ist es falsch auch und verrannt,
Wenn bloss man ein Entwicklungsland
Beurteilt danach, wie die Zahl
Der Dienst-Leistung ist jedesmal.

Gesellschaften, die kaum erst kennen,
Was wir den `Leistungs-Sektor ´ nennen
(Wie Hospitäler für die Kranken,
Gerichte, Eisenbahnen, Banken,
Berater für den Wust an Steuer,
Den Dienst zum Schutz vor Wasser, Feuer,
Finanzverwaltung, Kirchendiener,
Auch Apotheker, Mediziner
Samt Reisebureaux, Advokaten,
Coiffeure, Zöllner, Bureaukraten,
Systemverwalter, Netzbetreiber,
Computerkenner und Provider:

Nebst vielem, was gelagert aus
Sich heut bei uns hat von zu Haus:
Wie solches auch, das nötig dann,
Wenn kommt Gesellschaft mehr voran:
Ihr Grad an Organisation
Hat nun gewisse Dichte schon)
Für solches Mass sind nicht empfänglich,
Berechnung drum ist unzulänglich,
Verkehrt, weil gar nicht kongruent:
Sie fusst auf falschem Fundament.


Jung-Stilling und Engel Siona entschwinden


Doch, Frommherz, wie ich kundgab eben,
Muss ich von hier mich wegbegeben.
Erwägt, was ich erklärt just habe,
Und macht es euch zur Preisaufgabe
Zu finden mehr, was man verdrängt,
Mit Ungut doch zusammenhängt.
Ihr seht dann ein, wie schlecht gedieh
In dieser Zeit Ökonomie.

Gehabt euch wohl! Harrt im Gebet!
Dem Trug des Falschen widersteht!
Dankt GOtt für jeden einzlen Tag:
Er bringe guten Werks Ertrag!

Grüsst alle, die Beträge stiften,
Dass neu man druckt jetzt meine Schriften
Und diese heut in Umlauf sind:
Ich bleib‘ den Spendern wohl gesinnt!
Wenn bald sie in das Jenseits kommen,
Empfängt sie lieb die Schar der Frommen,
Die – Stillings-Freunde einst auf Erden –
In Seligkeit beglückt nun werden.\“

Als er die letzen Worte sprach,
Verschwamm Jung-Stilling nach und nach.
Auch seinen Engel Siona2
Im Dunst ich erst, dann nicht mehr sah.

Wohl tat ein fahles Licht umfloren
Die Stelle, wo ich sie verloren.
Es wurde blässer allgemach,
Bis auch der letzte Strahl zerbrach.

Zwar rief ich laut: \“Herr Hofrat Jung!\“,
Doch mehr mir zur Bestätigung,
Dass völlig bei Bewusstsein ich
Befand allein im Zimmer mich.


Rückkehr vom Nebenzimmer in den Party-Raum


Ich schritt zurück nun in die Halle,
Wo lautstark sich vergnügten alle.
Das Auge schmerzte ob des Hellen,
Auch ob des Qualms, der hier in Wellen
Aus tausend Zigaretten kam
Und weg die Atemluft mir nahm.

Drum heimzugehen ich beschloss;
Zumal mich überdem verdross
Musik, die ging vom Radio aus,
Gesendet wohl vom Tollenhaus:
So schrill und grell, melodisch wirr;
Im Ohr nahm wahr ich nur Geklirr.

Heut wird Musik-Berieslung zwar
Normal empfunden offenbar.
Bei Fernseh-Nachricht gar auch schon
Genügt das Bild nicht und der Ton:
Man muss dazu auch noch oftmalen
Das Wort mit Klängen untermalen.

Ich finde dieses grauenhaft:
Musik verliert dadurch die Kraft.
Man degradiert sie zur Kulisse,
Schiebt ab sie so ins Ungewisse.
Doch leider liegt im Zug der Zeit,
Dass dies sich mehr und mehr macht breit.


Unerwünschtes Zusammentreffen


Da plötzlich leidig ich empfand,
Wie jemand derb schlägt seine Hand
Auf meine Schulter von der Seite:
Die Geste ich durchaus nicht leide!
Ich drehe hin mich und erkenne
Bei Rauch, Gedudel und Gerenne
Gleich jemand, der mir wohl bekannt:
Er ist am Ort hier Prädikant.28

\“Herr Siegmann\“, sprach er laut mich an,
\“Man GOtt dem HErrn nur danken kann,
Dass Partys, wie hier diese heute,
Versammeln froh gestimmt die Leute!
Ist das nicht einfach wunderbar,
Das sich in unsrer Zeit stellt dar
Geselligkeit, die ehedem
In Kirchenräumen unbequem –
Zum Gähnen steif und lendenlahm –
In Frohsinn jetzt zum Ausdruck kam?\“ —

\“Da kann man andrer Meinung sein\“,
Warf peinlich ich berührt drauf ein.
\“Ich halte wie Jung-Stilling es,
Der sagte einmal sinngemäss:
Dass lieber er bei Frommen döse,
Als einzutauchen in Getöse
Von Partys, Bällen und Banketten,
Wie Kinder dieser Welt sie hätten.\“ —

\“Jung-Stilling!?\“, rief er aus empört,
\“Ich habe jüngst von ihm gehört,
Dass zeigt er sich im Menschenkleid
Dahier manchmal in letzter Zeit.
Wenn dem so aber wirklich ist,
Dann ist er klärlich Spiritist,
Und ihr, Herr Siegmann, solltet nicht
Zitieren einen solchen Wicht.\“


Hartnäckige Diesseits-Theologie


Ich schwieg auf diesen Anwurf still.
Was immer man hier sagen will:
Es hilft nicht, den zu überzeugen,
Der bloss mag Unsinn, Humbug äugen
In allem, was vom Jenseits her
An Botschaft kommt so inhaltsschwer.

Erst recht scheint es ganz aussichtslos,
Den Theologen, welche bloss
Gestehn dem HErrn GOtt huldreich zu,
Dass ER das SEine droben tu,
Doch handelt nicht in dieser Welt:
Schon gar nicht, dass es IHm gefällt,
Sich Engel, Heilger zu bedienen,
Beschränkte Kraft zu geben ihnen –
Dass niemand solchen Theologen
Vernünftig kann in Dialogen
Die Allmacht GOttes je beweisen
Aus dem, was uns die Schrift verheissen.

Zu offenkundiger Erscheinung
Bequem klingt jeweils ihre Meinung:
Das ist nur Blendwerk, böser Trug,
Bloss Finten, Kniffe, Teufels Lug.

So sah ich ihn bloss brummig an,
Gab ihm die Hand zum Abschied dann:
Ich müsse schleunigst jetzt nach Haus;
Die Katze wolle ihren Schmaus.
Ich hätte nämlich ganz vergessen,
Zu füllen in den Napf ihr Fressen.

Er meinte, Katzen könnten warten,
Wenn hier doch Menschen meiner harrten.
Ich sagte ihm, dass meine Katze
Wenn hungrig, rühre ihre Tatze
Und reisse auf dann voll Entzücken
Aus alten Büchern Leder-Rücken.


Siona arbeitet Belehrung aus


Im Freien atmete ich tief
Und rasch zu meiner Wohnung lief.
Die Katze erst bekam ihr Futter;
Ich selbst ass zwei Stück Brot mit Butter.
Zuvor zog aus ich mein Jackett
Und warf es vorerst auf das Bett.

Als eben ich das Brot noch kaue
Und unbewusst zum Bett hin schaue,
Bekam ich einen Stoss Papier
Am Kissen liegend ins Visier.

Erstaunt nahm gleich ich in die Hand
Die Blätter und war sehr gespannt:
Von wo denn kommen diese her?
Die Katze hütet sich doch sehr,
Mein Bett – selbst kurz nur – bepfoten:
Sie weiss, dass dies ihr streng verboten.
Wer aber konnte sonst es sein,
Da ich in meinem Heim allein?

Als nahm die Handschrift ich nun wahr,
Schien alles plötzlich mir ganz klar:
Die Schrift ist nämlich mir bekannt!
So sauber, deutlich, doch gewandt
Bloss eine Schrift ich bisher sah:
So schreibt der Engel Siona!

Was just mich Stilling eben lehrte,
Womit er meine Kenntnis mehrte,
In Worten deutlich und stets klar,
Fand sich geboten hierin dar.
Nach manchem Satz stand überdem
Das Reimwort noch, damit bequem
In Verse bringen konnte ich,
Was Stilling lehrte meisterlich.

Im letzten Blatt am untren Rand
Von Siona geschrieben stand:
\“Fasst schön in Jamben alles dies,
Was Stilling heut euch unterwies.

Bringt aber deutsche Wörter nur
Und meidet solche wie `Struktur´,
`Konzept´ sowie auch `Relevanz´
Nebst ähnlich dummen Firlefanz,
Womit die Schein-Gelehrten heute
Gern wickeln ein die armen Leute.


Finanzierung wird zugesichert


Man wird vom Himmel nächst es lenken,
Dass Freunde euch des Geldes schenken,
Damit in einem Büchlein schmuck
Was Stilling sagte, kommt zum Druck.

Die dies befördern, stets Liebkind
Im Jenseits ganz besonders sind.
Der Segen GOttes ruht auf ihnen:
Sie werden mehrfach Geld verdienen
Sehr bald und unverhofft am Ende,
Als hierfür zählte ihre Spende.


Verdrüssiges Gemäkel und Spott sind Zeichen der Zeit


Regt euch nicht auf, wenn welche maulen:
Lasst euch durch Spötter nicht vergraulen.
Es ist ja heutigs Regel schon,
Dass den man übergiesst mit Hohn,
Der irgend etwas Gutes schafft:
Er wird bemäkelt flegelhaft
Von Leuten, welche selbst kein Gran
An Schöpferischem je getan.

Schon teuflisch ist, dass Menschen man,
Die andren ganz sich zugetan –
Wie Nonnen und Diakonissen,
Den Papst, Pastoren – die beflissen
Ums Gute sich auf Erden mühen
Mit Gift und Galle tut besprühen.

Was immer Diener GOttes sagen:
Es wird hart auf sie eingeschlagen
Vom Stammtisch, von der Redaktion,
Am Bildschirm, vor dem Mikrophon.
Sie werden hingestellt als Narren,
Die reden dumm bloss einen Schmarren.
Dies Urteil bringen solche an,
Die nie auf ihrer Lebensbahn
Dem Nächsten je geholfen haben
Und nur sich in Genüssen laben!

Grüsst alle Stillings-Freunde ihr
Insonders herzlich auch von mir.
Bleibt stets dem Wahren, Guten nah!
Mit frohem Grusse, Siona.\“

Was hier man liest nun als Gedicht
Den Anweisungen ganz entspricht.
Zeigt etwas als zu schwer sich da,
So schelte man nicht Siona.
Man schimpfe vielmehr allemalen
Auf Frommherz Siegmann dort zu Salen. —


Weitere Schriften von Jung-Stilling


Will mehr darüber wissen man,
Was ehevor sprach Stilling an,
So schreibe man darob nach Siegen.
Man wird von dort ein Faltblatt kriegen,
Wo Schriften aufgelistet sind,
Aus denen Kunde man gewinnt.
Die Briefe seien recht frankiert
Und lesbar gut dann adressiert
Zur Anschrift, die – wer sie nicht kennt –
Das Titelblatt ganz unten nennt.

Wer alldies unterstützen mag,
Der sende einen Geldbetrag
Nach gutem Dünken und Ermessen
Aufs Konto bei der Post zu Essen.
Denn leider gilt in dieser Welt,
Dass nötig zu fast allem Geld,
Und bloss allein von Sympathie
Hienieden Gutes kaum gedieh.


Hinweise, Anmerkungen und Erläuterungen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern.

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Stillings-Freund meint zunächst –  Gönner, später dann –  Verehrer, \“Fan\“ (von FANATICUS = begeistert) und schliesslich auch –  bloss Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Ausdruck ist von ihm selbst geprägt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. — Auf der anderen Seite gibt es aber  auch \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 516.

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor wurde bei nachtodlichen Erscheinungen in letzter Zeit häufig gesehen. Siehe aus der Vielzahl veröffentlichter Berichte vor allem –  Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987; –  Gotthold Untermschloss: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope) 1988; –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989; –  Gotthold Untermschloss: Von Leistung, Mühe und Entgelt/In dieser unsrer Arbeitswelt/Gelehrt von Stilling letzthin grad/Und aufgeschrieben akkurat. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1991; –  Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2); –  Gotthold Untermschloss: Vom misslichen Befinden der Menschen früher. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994; –  Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995;  Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995; –  Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtodliche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 sowie –  Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittels zutätiger englischer Gunst wortgetreu sowie gereimt wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996.

Die meisten der hier aufgezählten Erscheinungs-Berichte (sowie einige weitere) sind kostenlos als Download-Files unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling kostenlos zum persönlichen Gebrauch abrufbar.

Siehe zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt grundsätzlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett geschrieben). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987), S. 220 ff.

Dieses Werk von Jung-Stilling wurde seit seinem Erstdruck in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch ins Englische, Schwedische, Französische und Niederländische übersetzt; siehe die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

2 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. (ein bis heute kaum übertroffenes Standardwerk, das viele Nachdrucke und Übersetzungen erfuhr) oder auch bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA, SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (ein gleichfalls bewährtes und häufig nachgedrucktes Werk).

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm –  als Engel – oft ungesehen – \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst; wohl in Anlehnung an den Rufname seiner zweiten Ehefrau Selma) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. — Vgl. zum Grundsätzlichen aus neuerer theologischer Sicht Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Ein altes Thema neu durchdacht, 3. Aufl. Kevelaer (Butzon & Bercker) 1999 (Topos plus-Taschenbücher, № 301) mit ausführlichem Literaturverzeichnis (S. 113 ff) sowie Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 und im Internet die Adresse <http://www.himmelsboten.de>

3 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (ihm hatte er auch seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und auch persönlich in Mannheim überreicht) vom 31. März 1785 die Ernennung zum \“Kurpfälzischen Hofrat\“.

Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Bevorzugungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Posten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den damals auch innerlands zahlreichen Schlagbäumen, Post-, Maut- und Grenzstationen.

Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

In Artikel 6 des Vertrags heisst es genauer: \“S. M. l’Empereur et Roi, tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Fahrrinne für die Schiffahrt) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.\“

Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin in Regensburg (seit 1663 der Sitz des Immerwährenden Reichtags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

Durch besondere günstige Umstände (später traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen zu Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175’000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde (das Recht, den deutschen Kaiser mitzuwählen) ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog (Grand Duc) mit dem Titel \“Königliche Hoheit\“ auf. Nach dem gleichen Artikel nahm er unter den Rheinbundfürsten den ersten Rang ein.

Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der [seit 1720] neuen Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 (\“Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs\“) der \“kurpfälzische\“ DE JURE PUBLICO nunmehr automatisch zum \“badischen\“ Hofrat.

Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe (\“ohne mein Suchen\“, wie er selbst hervorhebt) zum \“Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen\“ ernannt; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (Anm. 10).

Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1820, S. 27. – Bis anhin ist nicht zweifelsfrei geklärt, wer diese Schrift verfasst hat; sie dürfte aber der mit Jung-Stilling befreundeten Schweizer Autorin Helene Schlatter Bernet (1764-1832) zuzuschreiben sein.

Im Vorwort heisst es: \“Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, [so!] die ihr ja auch Christus=Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet. Ihr werdet es nicht lächerlich, nicht unschicklich finden, dass sie so spät erst nach dem Hinscheid [so!] des Unvergesslichen erscheinen, wenn ich euch zum Voraus sage: dass ich, als Weib vorerst Männer ausreden lassen – abwarten wollte mit weiblicher Bescheidenheit, was solche zum Denkmal des Allgeliebten aufstellen würden\“ (Orthographie wie im Original).

Jung-Stilling trat nach seinem, aus eigener Initiative gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 in dem Dienst des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

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Karl Friedrich (1728/1746-1811) galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Nachdem gelegentlich eines Trauergottesdienstes am 1. Juli 1811 der hochgelehrte katholische Stadtpfarrer und (seit 1805) Grossherzoglich Badische Geistliche Rat Dr. Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande einer Predigt die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholischen Einrichtungen unter seiner Herrschaft beiläufig ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser kurz die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dereser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dereser) sowie Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (auszugsweise im Druck), Bartolomé Xiberta: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adamo\“, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 3. Berlin (Duncker & Humblot) 1967, S. 605 sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel \“Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama\“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den repressiven obrigkeitlichen Massnahmen gegen die katholische Kirche unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge näherhin (Franz Joseph Mone [1796-1871]): Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 sowie Carl Bader: Die katholische Kirche im Großherzogthum Baden. Freiburg (Herder) 1860. – Sehr einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden katholischer Geistlicher seien erwähnt Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königlichen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 erster Erzbischof von Freiburg); [Gerhard Anton Holdermann]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehabten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811.

Als elektronische Ressource im Rahmen der \“Freiburger historischen Bestände–digitalisiert\“ ist einsehbar die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisungen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PERSOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Professor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Vgl. auch: Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutherische und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa: [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); Theodor Friedrich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Friedrich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich erkennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentariums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie Karl Joseph Beck: Rede bei der akademischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des \“Corps Rhenania\“ in Freiburg; siehe über ihn Theodor Keim: Karl Joseph Beck. Sein Leben und Werk. Pforzheim (Weber) 1963 (ursprünglich Dissertation an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau). –

Überspannt auch Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Großherzog von Baden. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Brochure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Fast schon als Heiligen stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßlichen Fürsten Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] ist der Erfinder des Fahrrads (Laufrads, \“Draisine\“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Ziemlich unkritisch gegenüber den augenfälligen Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Legende. Gernsbach (Katz) 2006. Dasselbe gilt für die Doktorarbeit von Gerald Maria Landgraf: \“Moderate et prudenter\“. Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden (1728-1811), als Download-File bei dem URL <http://epub.uni-regensburg.de/10710/>. Für die Schikanen gegen die katholische Bevölkerung und das dadurch hervorgerufene Leid vieler Menschen hat Landgraf kein Wort übrig.

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Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit \“Herr Hofrat\“ (seltener mit \“Herr Geheimrat\“) angesprochen, auch von seinem Engel Siona. – Der Titel \“Hofrat\“ ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa \“Apostel Paulus\“, \“Kaiser Karl\“ oder \“Prinz Eugen\“ zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – \“Stilling\“ ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – \“Professor Jung\“ und \“Doktor Jung\“ greift eine Stufe niedriger als \“Hofrat Jung\“; das heisst: der Titel \“Hofrat\“ steht über der Amtsbezeichnung \“Professor\“ oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) \“Doktor\“. — \“Ohephiah\“ (= der GOtt liebt) ist der neue Name, dem Jung-Stilling in der Seligkeit gegeben wurde; siehe [Christian Gottlieb Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

4 Jung-Stilling war ein Vierteljahrhundert hindurch Professor für ökonomische Wissenschaften, und zwar zunächst ab 1778 in Kaiserslautern, dann bis 1787 in Heidelberg und bis 1803 in Marburg. Er veröffentlichte zahlreiche Fachaufsätze und schrieb elf Lehrbücher. – Zuvor wirkte er sieben Jahre als Arzt im heutigen Wuppertal, und davor sieben Jahre als kaufmännischer Assistent der Geschäftsleitung in einem Betrieb der eisenverarbeitenden Industrie im heutigen Remscheid. – Siehe Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989, S. 86 ff.

5 Gemeint ist offenbar das vierbändige Lehrbuch mit dem Titel \“Programmierte Einführung in die Volkswirtschaftslehre\“. Wiesbaden (Gabler) 1974–1975, vielleicht auch die zweibändigen \“Grundlehren der Nationalökonomik\“. Frankfurt (Fritz Knapp Verlag) 1975.

6 Siehe Gerhard Merk: Grundbegriffe der Erkenntnislehre für Ökonomen. Berlin (Duncker & Humblot) 1985, S. 45, S. 50. Das Buch ist für den persönlichen Gebrauch frei downloadbar bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk>

7 Siehe hierzu Julius Studer: Jung Stilling (so, also ohne Bindestrich) in der Schweiz, in Zürcher Taschenbuch, N.F., Bd. 37 (1914), S. 91 ff.

8 Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1987, S. 89 f. (Stichwort \“Kunst\“).

9 Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 9 f. (Stichwort \“Aufklärung\“).

10 Jung-Stilling war sieben Jahre als Arzt und Geburtshelfer in Wuppertal-Elberfeld tätig und wirkte bis in sein Todesjahr auch als Augenarzt. – Siehe hierzu Gerhard Berneaud-Kötz: Jung-Stilling als Arztpersönlichkeit. Laienmediziner, Arzt, Augenarzt und Staroperateur, in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981, S. 31 ff. sowie Klaus Pfeifer (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996 und die dort angegebene Literatur.

11 Heinrich Pesch: Lehrbuch der Nationalökonomie, Bd. 1: Grundlegung, 4. Aufl. Freiburg (Herder) 1924.

12 Gerhard Merk: Programmierte Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Bd. 1: Grundlagen. Wiesbaden (Gabler) 1974, S. 163 ff.

13 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 1), S. 480 ff.

14 Jung-Stilling befreite an die 3 000 Menschen durch Operation aus der Blindheit und dürfte etwa 20 000 Patienten augenärztlichen Rat angedient haben. Wo immer er sich aufhielt, war er von Augenkranken umringt. An der Universität Marburg hielt er (als ordentlicher Professor für Ökonomik) in der medizinischen Fakultät auch Übungen in Ophthalmo-Chirurgie ab.

Siehe Gerd Propach: Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) als Arzt. Köln (Institut für Geschichte der Medizin)1983 (Kölner medizinhistorische Beiträge, Bd. 27); Gerhard Berneaud-Kötz: Kausaltheorien zur Starentstehung vor 250 Jahren. Eine Auswertung der Krankengeschichten und Operationsprotokolle von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 und die dort (S. 95 ff.) angegebene Literatur sowie Klaus Pfeifer: Jung-Stillling-Lexikon Medizin (Anm. 10).

15 Siehe hierzu Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittelst zutätiger englischer Gunst wortgetreu wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. – Als Download-File kostenlos abrufbar unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>, ohne die der Druckausgabe beigegebenen Illustrationen.

16 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft (Anm. 8), S. 8 f.

17 Siehe Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens (Anm. 4), S. 25 ff.

18 Jung-Stilling war sieben Jahre lang die rechte Hand des Bergischen Industriellen und Fernhandelskaufmanns Peter Johannes Flender; siehe Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriß seines Lebens (Anm. 4), S. 47 ff. sowie Erich Mertens: Jung-Stilling im Bergischen Land. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 3).

Zur Person und den Geschäften seines Prinzipals Peter Johannes Flender (1722-1807) siehe auch die (auch wirtschaftsgeschichtlich überaus wertvolle und gerade für die Zeit nach der Besetzung auch des Herzogtums Berg durch die französischen Revolutions-Heere aufschlussreiche) Sammlung von Arden Ernst Jung: Briefe zum Stand der Eisenindustrie des Siegerlandes und des Bergischen Landes im 18. Jahrhundert. Siegen (Forschungsstelle Siegerland) 1983 (mit Literatur-Verzeichnis und Register).

19 Siehe Anm. 10 sowie Gerhard Berneaud-Kötz: Das ärztliche Wirken Jung-Stillings in Alt-Elberfeld (1772–1778), in: Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Wuppertal, 45. Heft (1992), S. 149 ff.

20 Jung-Stilling wurde im Jahre 1778 als Professor für ökonomische Wissenschaften nach Kaiserslautern (damaliger Name: Lautern; in der Lebensgeschichte von Jung-Stilling \“Rittersburg\“ genannt) berufen. – Siehe Gustav Adolf Benrath: Jung-Stilling in Kaiserslautern 1778–1784, in Pfälzer Heimat, Bd. 41 (1991) Heft 2, S. 63 ff.

In Kaiserslautern trat Jung-Stilling auch 1781 der dortigen Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ bei. Er liess aber seine Mitgliedschaft ab 1784 ruhen, zumal die Freimaurerei (und generell alle Geheimgesellschaften) durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalzbayern (1724/1742-1799) in seinem Herrschaftsgebiet verboten wurden. – Siehe hierzu Otto W. Hahn: Jung-Stilling zwischen Pietismus und Aufklärung. Sein Leben und literarisches Werk 1778 bis 1787. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris (Peter Lang) 1988, S. 371 ff. (Europäische Hochschulschriften, Bd. 344) sowie Gerhard Schwinge: Affinität und Aversion. Jung-Stillings Verhältnis zum Freimaurertum und zum Illuminatenorden, in: Erich Mertens (Hrsg.): Auf den Spuren von Jung-Stilling. Studien zu Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817). Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1998, S. 50 f.

21 Siehe hierzu ausführlich Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe. Zu seinem 170. Todestag, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff. sowie derselbe: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795–1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994 (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32).

22 Siehe Doris Böggemann: Zur Definition der Ungüter, in: Hans Gerd Fuchs et al. (Hrsg.): Güter und Ungüter. Berlin (Duncker & Humblot) 1991, S. 1 ff. sowie zur Begriffsbestimmung von Jung-Stilling: Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft (Anm. 8) S. 8 ff., S. 61 f. und Johann Heinrich Jung-Stilling: Bildungsfehler und Überfeinerung. Sozialer Abstieg von Familien und Staaten. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 20, S. 88 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 5).

23 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 9), S. 139 sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Bildungsfehler und Überfeinerung (Anm. 22), S. 36, S. 88.

24 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 9), S. 139 f.

25 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 9), S. 32 sowie Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 54 ff. (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2).

26 Siehe Heinz Steinmüller: Die Messung von Ungüterwirkungen, in: Hans Gerd Fuchs et al. (Hrsg.): Güter und Ungüter (Anm. 22), S. 113 ff.

Zur Güterlehre von Jung-Stilling siehe auch Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft (Anm. 8), S. 61 f.

27 Siehe Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft (Anm. 8), S. 40, Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 9), S. 43 f. sowie ausführlich Johann Heinrich Jung-Stilling: Bildungsfehler und Überfeinerung. Sozialer Abstieg von Familien und Staaten (Anm. 22), S. 70 ff.

28 Prädikant = hier: Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche (vom Lateinischen PRAEDICARE = predigen).


You have no security for a man who has no religious principle.



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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