Kunden nehmen bei einem Institut – etwa einer Werksparkasse – zu niedrigem Zins ein Darlehn auf und legen den Betrag zu höherem Zins bei einer anderen Bank an; allgemein ein Zinsdifferenzgeschäft. – Im besonderen: Anleger nehmen in einem Land mit niedrigen Zinsen auf die dortige Währung – etwa JPY – lautende Kredite auf, um mit diesem Geld hochverzinsliche (high interest bearing) Produkte in Fremdwährungen – etwa USD – zu kaufen. Solche Carry Trades setzten der Niedrigzinspolitik einer Zentralbank Grenzen. – Als im Zuge der auf die Subprime-Krise folgenden Finanzkrise die US-Notenbank gleichsam zum Nullzins Liquidität in den Wirtschaftskreislauf scheuste, verschuldeten sich viele Marktteilnehmer und legten das aufgenommene Geld in höher rentierliche Anlagen (more profitable assets) in aller Welt an, auch in Unternehmensanleihen und in Aktien. Der auf diese Weise entstandene Verkaufsdruck auf den USD liess diesen schwächer werden und machte damit solche Spekulationsgeschäfte jetzt noch anziehender. – Grundsätzlich legen Carry Traders billig aufgenommenes Geld spekulativ an, vorzugsweise in Aktien, Waren und Immobilien. Sie stossen diese Anlagen aber erfahrungsgemäss sofort ab, wenn sich anderswo auf der Welt die Möglichkeit einer besseren Rendite zeigt. Es wird also Kapital nicht dauerhaft zum besten Wirt (most favourable allocation of scarce resources) gelenkt, sondern es sucht auf die kurze Frist eine hohe Rendite. Daher fordern manche, den Zinsdifferenzgeschäften durch entsprechende Mittel – wie vor allem Kapitalverkehrskontrollen – entgegenzuwirken. – Gefährlich wird es, wenn das durch den Aufbau von währungsbezogenen Carry-Trade-Positionen aufgestaute Rückschlagspotential (flyback potential) sich plötzlich entlädt; die Carry Traders also hastig von einer Währung in die andere umsteigen. Das vermag heftige Wechselkursschwankungen (extreme exchange-rate fluctuations) mit weitreichenden Folgen für den Aussenhandel und damit auf die Volkswirtschaft gesamthaft auszulösen. – Siehe Arbitrage, Bardepot, Chasing Winners, Dreijahrestender, Geld, billiges, Geldtransformation, räumliche, Geldüberversorgung, Geld, heisses, Kapitalverkehrskontrolle, MSCI-Index, Niedrigzinspolitik, Nullzins, Quantitative Easing, Renditejagd, Repression, finanzielle, Tarnkappen-Politik, Zinsanreiz, Zinsdifferenzgeschäft, Zinssatz, niedrig gehaltener. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2005, S. 43 ff. (Erläuterung der Strategien; Schaubild über sieben Jahre; Literaturhinweise), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2007, S. 32 f. (Renditenvergleich von Carry Trading und Currency Futures), Monatsbericht der EZB vom März 2010, S. 101 ff. (Carry Trades-Aktivitäten seit 2004 durchleuchtet; Übersichten), Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 41: Übersicht zu währungsbezogenen Carry Trades), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2014, S. 18 f. (wechselkursbestimmte Transaktionen: Literaturhinweise).

Achtung: Das Finanzlexikon ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die ausdrückliche Einwilligung lediglich zum privaten Gebrauch benutzt werden!
Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
E-Mail-Anschrift: info@ekrah.com
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ernst_Merk
https://www.jung-stilling-gesellschaft.de/merk/
https://www.gerhardmerk.de/