Kreditkarten-Fiasko (credit card fiasco [fiasco = a complete failure], credit card collapse)

In den USA besass im Herbst 2008 jeder Bürger durchschnittlich vier Kreditkarten. Auch an einkommensschwache Kunden (low-income customers) mit geringer Bonität wurden grosszügig Karten vergeben. Im Verfolg der sich zur Finanzkrise ausgeweiteten SubprimeKrise kam es dann massenweise zu sehr hohen Kreditkartenschulden (credit card debts). Die auch im Kreditkartengeschäft (credit-card business) tätige grösste US-Sparkasse Washington Mutual (WaMu) in Seattle, Bundesstaat Washington musste bei Karten eine Ausfallrate von fünfundvierzig Prozent buchen. Sie stand im September 2008 nicht zuletzt auch deswegen vor dem Ruin, und wurde zu einem Schnäppchenpreis (bargain price) von der Bank J.P. Morgan Chase (das zweitgrösste US-Geldinstitut nach der Bank of America) übernommen. Aber auch die Bank of America musste bis Herbst 2008 knapp 3 Mia USD an Wertberichtungen wegen geplatzter Kreditkartenschulden vornehmen. Die Kreditkartenschulden in den USA lagen nach der Statistik der US-Zentralbank Ende Oktober 2008 bei 951 Mia USD. Verlässliche Schätzungen gingen davon aus, dass davon mehr als 400 Mia USD auf Wertpapierkäufe mittels Kreditkarte entfielen. – Soweit die Ausgeber der Karten das Ausfallrisiko über Verbriefung weitergegeben hatten – nach verlässlichen Schätzungen immerhin fast fünfzig Prozent der Kreditkartenschulden -, so führten diese toxischen Papiere zu Verlusten bei den Käufern der Verbriefungspapiere in der gesamten Welt, was die Finanzkrise weiter verschärfte. – Bemerkenswert ist, dass sich die meisten Portfolios der verbrieften Forderungen nicht aus den Kreditkartenforderungen der Schuldner gesamthaft zusammensetzten. Vielmehr wurden fast nur Forderungen gegenüber bonitätsschwachen Schuldnern (bad debts, irrecoverable debts) verbrieft. Die einbringlichen Forderungen (lucrative debts) behielten die Ausgeber bzw. Banken in ihrer Bilanz. – Siehe Absenzkapitalismus, Karte, Kreditkarten-Limit, Kreditvergabe-Grundregel, Pay-Green-
Initiative.

Achtung: Das Finanzlexikon ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die ausdrückliche Einwilligung lediglich zum privaten Gebrauch benutzt werden!
Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
E-Mail-Anschrift: info@jung-stilling-gesellschaft.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ernst_Merk
https://www.jung-stilling-gesellschaft.de/merk/
https://www.gerhardmerk.de/

Sidebar