Wettbewerbsfähigkeit (competitiveness)
Das Vermögen, die Tauglichkeit eines Anbieters – unter marktwirtschaftlichen Bedingungen (market economy conditions: keine Präferenzen: die Käufer stehen den Verkäufern indifferent, nämlich völlig unvoreingenommen, neutral gegenüber), – gleichzeitig mit anderen oder – gar vor anderen Anbietern desselben Gutes bei den Nachfragern zum Zuge zu kommen. Der Begriff wird auch auf einen einzelnen Staat oder auf höhere Gebilde wie etwa die EWU bezogen. – Verlust der Wettbewerbsfähigkeit (loss of competitiveness) meint dann, dass einzelne Mitgliedsstaaten – wie derzeit etwa Griechenland, Portugal, Spanien und Zypern – auf den internationalen Märkten keinen Erfolg mehr haben (fail to apply in international supply). Hauptgrund dafür ist, dass ihre Produkte qualitativ den Ansprüchen der Nachfrager nicht entsprechen oder zu teuer sind. Im ersten Fall bedarf es einer gezielten Innovationspolitik (a strategy to encourage advancements in technology and/or services, generally by investing in research and development). Im zweiten Fall müssen die Löhne für längere Zeit langsamer steigen als die Produktivität. Damit einher sollten auch weitere Massnahmen gehen, wie vor allem Vereinfachung des Markeintritts (simplification of market entry) und Öffnung für zugangsbeschränkte Berufe (restricted professions). – Logisch und ökonomisch un=sinnig ist es, von anderen Anbietern – Staaten innert der EWU wie Deutschland oder die Niederlande – mit einem hohen Mass an Wettbewerbsfähigkeit zu verlangen, dass sie diese einschränken, indem sie etwa Verbesserungsinvestitionen behindern. Hinter solchen Vorschlägen steht die Ansicht, dass die Einbusse an Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zum Vorteil eines anderen gereiche; oder bildlich gesprochen: dass eine Fussballmannschaft auf Dauer leistungsfähiger würde, wenn die überlegene Mannschaft nicht mehr trainiert und dadurch in ihrem Leistungsvermögen abfällt. Dem Mangel an Wettbewerbsfähigkeit ist grundsätzlich nur abzuhelfen, indem man sich die Marktkräfte zunutze macht, um im Bild zu bleiben: indem die unterlegene Mannschaft sich ertüchtigt, und ganz sicher nicht, indem man sie ausschaltet. Dass sich diese Einsicht vor allem bei den Defizitstaaten kaum durchsetzt, erklärt die (Sozial)Psychologie mit dem Lehrsatz, dass die Schuld für eigenes Versagen fast immer zunächst bei anderen anstatt bei sich selbst gesucht wird. – Siehe Arbeitsmarkt-Flexibilität, Balassa-Index, Bankenunion, Blame game, Brain Drain, Europäischer Stabilisierungsmechanismus, Erpressungspotential, Erzeugerpreise, industrielle, EWU-Sprengsatz, Forschungsquote, Patenterteilungen, Produktionskosten, Risikoteilung, Strukturwandel, Terms Unit-Value-Relation Wettbewerbs-Status, internationaler. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 44 f. (Indikatoren s Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom November 2010, S. 44 f. (Indikatoren preislicher Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Länder-Tabelle).der Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Länder-Tabelle), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2012, S. 36 f. (preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegenüber 56 Handelspartnern; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juni 2012, S. 72 ff. (Wettbewerbsfähigkeit einzelner Mitglieder der Eurozone; Auswirkungen auf die Preisstabilität; Ursachen bestehender Abweichungen), Jahresbericht 2012 der EZB, S. 63 ff. (unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit in der EWU; S. 67: Ausblick), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2013, S. 51 ff. (Berechnungsfragen; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Oktober 2013, S. 31 ff. (Ansätze zur Berechnung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit, zahlreiche Übersichten), Geschäftsbericht 2013 der Deutschen Bundesbank, S. 47 ff. (Aussenhandel und Wettbewerbsfähigkeit; Übersichten; Literaturverweise).
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Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
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