Verschuldung-Zins-Verkettung (interrelation between indebtedness and interest rate)

Erhöht die EZB ihre Leitzinsen, so wirkt sich das auch auf hochverschuldete Mitglieder der Eurozone aus. Daher wurde die EZB in der Öffentlichkeit häufig genug unter Druck gesetzt, im Interesse der dem Staatsbankrott nahen Mitglieder der Währungsgemeinschaft auf Zinserhöhungen zu verzichten. – Indessen ist die EZB zuerst auf die Erhaltung der Masstabeigenschaft des Geldes verpflichtet; und dies ist letztlich auch die notwendige Voraussetzung einer dauerhaften Gesundung der Problemstaaten. Im übrigen haben die Mitgliedsländer mit Budgetproblemen ihre Schulden grösstenteils langfristig finanziert. Durch eine Zinserhöhung wird deshalb nur ein kleiner Teil ihrer Refinanzierungskosten beeinflusst, nach Berechnungen durchschnittlich etwa zehn Prozent. Wichtig ist, dass Problemstaaten durch eine glaubhafte Wirtschaftspolitik von den hohen Risikoaufschlägen herunterkommen. Es darf sich auf gar keinen Fall die Geldpolitik der EZB nach jenen Mitgliedern der Eurozone ausrichten, die wegen jahrelanger Verstösse gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt in Schwierigkeiten geraten sind. – Siehe Europäische Währungsunion, Grundfehler, EZB-Sündenfall, Rettungspakt, Schuldendroge, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Verschuldung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue. – Vgl. Finanzstabilitätsbericht 2010, S. 28 f. (Verschuldungs-Wachstum-Zusammenhang).

Achtung: Das Finanzlexikon ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die ausdrückliche Einwilligung lediglich zum privaten Gebrauch benutzt werden!
Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
E-Mail-Anschrift: info@jung-stilling-gesellschaft.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ernst_Merk
https://www.jung-stilling-gesellschaft.de/merk/
https://www.gerhardmerk.de/

Sidebar