Unschärfe, konstruktive (constructive vagueness)

Begriff aus dem Sprachschatz der Zentralbank. Diese erklärt und begründet in diesem Falle zwar Massnahmen. Sie äussert sich aber nicht zu Einzelheiten, um den Marktteilnehmern keine falschen Signale zu vermitteln. – So gab zwar im Zuge der Griechenland-Krise die EZB im Sommer 2010 bekannt, dass sie Staatsanleihen für mehr als 40 Mio EUR aus Ländern der Eurozone auf dem Sekundärmarkt gekauft habe, um “dysfunktionale Märkte” (dysfunctional markets) liquide zu halten. In diesem Fall dienten die Käufe der Zentralbank aber wohl in erster Linie dem Zweck, Staatsanleihen von Griechenland, Spanien und Portugal nicht weiterem Marktdruck auszusetzen. Diese Papiere waren nämlich durch umfangreiche Verkäufe von verunsicherten Anlegern wie Pensionsfonds und Versicherungen im Kurs stark gesunken. Die EZB leistete also Reparaturarbeiten (repair work) auf dem Finanzmarkt. Sie verweigerte aber zunächst alle nähere Angaben zu diesen Käufen. – Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Codewörter, EZB-Sündenfall, Forward Guidance, Führung, verbale, Moral Hazard, Politik des offenen Mundes, Umverteilung, zentralbankbewirkte.

Achtung: Das Finanzlexikon ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die ausdrückliche Einwilligung lediglich zum privaten Gebrauch benutzt werden!
Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Dipl.rer.pol., Dipl.rer.oec.
Professor Dr. Eckehard Krah, Dipl.rer.pol.
E-Mail-Anschrift: info@jung-stilling-gesellschaft.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Ernst_Merk
https://www.jung-stilling-gesellschaft.de/merk/
https://www.gerhardmerk.de/

Sidebar