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Meilengeld (milebased payment)

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Meilengeld (milebased payment): In älteren Dokumenten die Bezahlung eines Boten, der eilige Briefe bzw. Akten an einen Empfänger auszuliefern hatte. Grundlage für das Entgelt bildete dabei ganz oder doch zu einem hohen Prozentsatz die Länge des Weges, der aufgrund der geographischen Gegebenheiten zurückgelegt werden musste. Auf diese Weise wurden die Boten angehalten, die Strecke rasch und ohne zeitschindende Umwege auf Kosten des Auftraggebers (using time wasting behaviour at the cost of the consignor) zu gehen bzw. zu reiten. – Siehe Sattelgeld, Stafettengeld.

Goldfaden (gold thread)

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Goldfaden (gold thread): Zu einer Faser dünn ausgezogenes Gold. Es wurde früher von in dieser Arbeit sachkundigen Textilhandwerkern solchen Stoffen beigemischt, die vor allem als Kleidung für Personen höheren Standes (persons of higher social rank), für Uniformen samt Achselstücken (Epauletten; epaulets) von Offizieren sowie auch von Fahnen bestimmt waren. Entsprechende Wirkwaren dienten vornehmlich der Zurschaustellung von Reichtum, Ansehen und Macht; sie blieben durch die Zeiten verhältnismässig teuer. Daneben zeigte man an Kleidungstücken gern auch als Besatz (edging: placed along an edge as an ornament, fringe, or border on clothing) mehr oder minder kunstreiche Goldfaden-Stickerei (golden embroidery). Dabei galten selbst kunstvolle Stickereien aus haardünnem Goldfaden weithin weniger prestigeträchtig (less prestigious) als Randverzierungen von dickerer Litze. – Dass Goldfäden auch als Zahlungsmittel dienten, wie dies manchmal vorgetragen wird, ist bis anhin wirtschaftsgeschichtlich nicht erweisbar (could not be proven by economic history).

Doppelkreidestrich (double chalk line)

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Doppelkreidestrich (double chalk line): Schon in älteren Dokumenten dargestelltes betrügerisches Tun (fraudulent activity) von Gastwirten, die betrunkenen Gästen die doppelte Zahl an ausgewirteten Getränken – oder gar noch mehr – anschreiben und für diese Mengen Zahlung verlangen.

Doubletten-Kasse (doublets fund)

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Doubletten-Kasse (doublets fund): In älteren Dokumenten ein Fonds bei Bibliotheken, in welchen der Erlös aus dem Verkauf von mehrmals vorhandenen Bücher floss.

Emission, überzeichnete (oversubcribed issue)

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Emission, überzeichnete (oversubcribed issue): Eine Begebung, die auf mehr Nachfrage als Angebot stösst. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Emissionspreis sehr niedrig eingeschätzt wird oder/und die Anleger sich einen starken Kursanstieg des Papiers erhoffen (oversubscribing occurs if a new issue seems to be underpriced or/and in great demand because of growth prospects). – Siehe High Flyer, Hot Issue, Überzeichnung, Wertpapierzuteilung-Information, Zeichnung.

Knopfabschneider (button cutter)

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Knopfabschneider (button cutter): Früher fast gewerbsmässig arbeitende Diebe, die vor allem in Kutschen und auf Fähren sowie bei Theater-, Musik- und Tanzveranstaltungen sowohl Damen als auch Herren silberne und goldene oder gar edelsteinbesetzte (gem-set, jewel-studded) Knöpfe von ihrer Kleidung unbemerkt abschnitten. Über Hehler (dealer in stolen goods) wurden die Knöpfe wieder in den Knopfhandel (regular button trading) eingeschleust, oder man schmolz das Edelmetall ein und machte es auf diesem Weg zu Bargeld. – Zur Abwehr der Knopfabschneiderei verband man wertvolle Knöpfe über sehr harte metallische Ringe oder Ösen (tough metallic rings or shanks) mit der Kleidung. Vor allem bei den Gala-Uniformen hoher Offiziere (gala uniforms [full dress] of senior officers) kenn-zeichnete man die Edelmetallknöpfe auf verschiedene Weise, um diese somit im kriminellen Umfeld zu entdecken.

Bettlerglöckchen (beggars’s little bell)

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Bettlerglöckchen (beggars’s little bell): Nach dem Ausweis älterer Dokumente verbreitete Unsitte von Bettlern, sich als Stumme auszugeben. Sie näherten sich ihren Opfern durch Schütteln mit einer kleinen Schelle (a resonating metallic device that gives off a reverberating sound when shaking). Von da in übertragenem Sinne manchmal heute gesagt von der Einwerbung von Spenden vor allem seitens der Parteien. – Siehe Abstandsgeld, Bettelgeld, Drehorgel-Geld, Lästigkeitswert, Musikgeld, Verschongeld.

Goldtäuschung (attracting investors by feigned gold findings)

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Goldtäuschung (attracting investors by feigned gold findings): In der älteren Bergbauliteratur beschriebener, offenbar verbreiteter Beschores. Bergleute verbrachten in betrügerischer Absicht in einen tauben Gang (dead lode: a not metal-containing mine tunnel) gekörntes Gold, Silber oder andere Metalle. Sie luden dann allfällige Anleger zur Besichtigung der Mine ein, um diese zur Investition in das Bergwerk zu bewegen, obwohl unzweifelhaft feststand, dass in der gesamthaften Anlage keine Metalle zu gewinnen sind. – Der Beweis eines eingefädelten Betrugs (contrived deception) war in solchen Fällen zumal bei kleinen Gruben nur sehr schwer zu führen. Nach glaubhaften Berichten verunglückten (met fatal accidents) aber auffallend viele betrügerische Bergleute. Das wurde zeigenössisch dem Fluch der bösen Tat (curse of the evil deed) oder gar der Strafe Gottes zugeschrieben. Indessen lässt es wohl eher auf entsprechende Dienste von Racheengeln auch schon zu jener Zeit schliessen. – Siehe Blind Pool, Blog, Börsenbriefe, Daimonion, Dampfstube, Dar-krooming, Enabler, Finanz, Glamour Stocks, Go-go-Fonds, High Flyer, Internet-Foren, Kapitalmarkt, grauer, Rebbes, Schmu.

Hohlgewinn (profit from hollow)

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Hohlgewinn (profit from hollow): In älteren Dokumenten das zusätzliche Geld, welches ein Verkäufer dadurch erzielt, dass er die angebotene Ware mit von aussen nicht erkennbaren Hohlräumen versieht. Vor allem dem Bäckerhandwerk (baking craft) und den Verkäufern von Reisigbündeln (faggots: a bundle of sticks or twigs bound together, and in earlier times the main source of energy for businesses and households) wurde diese Art von Schmu zugeschrieben. In zeitgenössischen Verordnungen finden sich daher Anweisungen zur laufenden behördlichen Kontrolle der Backwaren. – Siehe Beschores, Finanz, Nassgewinn, Rebbes.

Nassgewinn (profit from wetting)

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Nassgewinn (profit from wetting): In älteren Dokumenten zusätzliches Geld, das beim Handel mit angefeuchteten Waren erzielt wird. Bei früher meistens nach Schwere verkauften Gütern wie zum Beispiel Heu, Getreide, Obst, Gemüse, Holz oder Webwaren wurden diese in betrügerischer Absicht (with fraudulent intent) – oft nur in den unteren Schichten und Lagen – mit Wasser besprengt. Die Waage zeigte daher ein höheres Gewicht an, was dann auch einen höheren Preis rechtfertigte (thus justifying a higher price) und folglich dem Verkäufer einen höheren Gewinn bescherte. — Siehe Beschores, Finanz, Rebbes, Schmu.