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Abtrag (half-year duty, deportus)

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In älteren Dokumenten die Zahlung, welche der in eine Stelle (Pfründe; prebend) eingewiesene Geistliche (Pfründner; prebendary) der Kirchenleitung abzugeben hatte; in der Regel die Hälfte der Früchte des ersten Jahres.
Siehe Absentgeld, Annaten, Rückvergütung, Tafelgeld.

Abtauchen (skip)

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In der Finanzsprache der Wegzug eines Schuldners ohne Hinterlassung einer neuen Anschrift (to move with no forwarding address leaving a debt unpaid). Die Institute schützen sich dagegen hauptsächlich dadurch, dass sie von verdächtigen Kunden eine Bürgschaft verlangen.

Abstoppgeld (dismissal payment)

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In der Seefahrt (shipping business) gesagt vom Entlassungsgeld, das ein Seemann (shipman) bei Kündigung des Arbeitsvertrags erhält. Es liegt in der Regel in der Höhe einer Netto-Monatsheuer (net monthly pay), siehe § 65 SeemG.
Siehe Abfindung.

Abstattungskredit (term loan facility)

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Heute seltener gewordene Bezeichnung für ein einmaliges (das heisst: ein Anschlusskredit ist ausgeschlossen) Darlehn einer Bank, das sofort in Bargeld ausbezahlt wird. Die Tilgungszeit liegt in der Regel über drei Jahren; die Zinsberechnung erfolgt je nach Vertrag besonders.
Siehe Anschaffungskredit, Barkredit, Blankokredit, Darlehn, Debt Tail, Dispositionskredit, Privatkredit, Ratenzahlung, Vorlage.

Abstandsgeld (desisting money; termination pay, severance payment; emancipation payment)

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Vergütung, welche jemand beim Zurücktreten von einem Vertrag (withdrawal from contract) zahlt (nicht gleichbedeutend mit Reuegeld). – ➁ In der Regel einmalige Zahlung an Mitarbeiter, die freiwillig aus einem Arbeitsvertrag ausscheiden, in diesem Zusammenhang auch Abfindungsgeld (golden handshake) genannt. – ➂ Zahlung von innerstädtischen Kaufhäusern (department stores) und Ladengeschäften (retail stores) an Strassenmusikanten und Bettler, damit diese die Kunden abschreckendes und das Personal nervendes Musizieren bzw. Betteln vor ihren Standort unterlassen, auch Verschongeld (spare money) genannt. – ➃ In grundherrschaftlicher Zeit eine Abgabe von Bauern in Form von Geld oder Naturalien (Wildbret; venison) an den Jagdherrn, damit dieser in dem betreffenden Revier sein Jagdrecht (hunting rights) nicht ausübt, und dadurch für die Betroffenen oft existenzgefährdende Flurschäden (crop damages) vermieden werden; auch Verschongeld genannt.
Siehe Angeld, Abfindungsgeld, Abstoppgeld, Agency-Problem, Begrüssungsgeld, Detraktion, Drehorgel-Geld, Entlassungsgeld, Musikgeld, Schlafgeld, Prämiengeschäft.

Abstand zur Ausfallschwelle (distance to default)

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Messgrösse zur Beurteilung der Stabilität im Finanzmarkt. Bei dem Mass handelt es sich genauer um die Anzahl der Standardabweichungen des Vermögenswertes von der Ausfallschwelle (definiert als der Punkt, an dem der Wert der Aktiva einer Bank genau dem Wert ihrer Passiva entspricht; ihr Eigenkapital also null ist). Ermittelt wird die Messgrösse anhand des Marktwertes der Aktiva unter Berücksichtigung der Volatilität des Marktwertes sowie der Verbindlichkeiten der Bank. Das Mass gilt weithin als eine der verlässlichsten der in die Zukunft gerichteten Risiko-Einschätzungen.
Siehe Forum für Finanzmarktstabilität, Liquiditätsrisiko, Rendite-Abstand, Risiko, banktechnisches, Risiko, systematisches, Risikogewichtung, Risikotransparenz.
Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 66, Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 64 ff. (mit Übersichten).

Absorptionsfähigkeit (absorptive capacity)

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➀ In Bezug auf den Finanzmarkt das Vermögen der Nachfrager, angebotene Produkte in ihr Portfolio aufzunehmen. Übersteigt das Angebot an Titeln die Nachfrage der Anleger in grösserem Ausmass, so spricht man auch von einer Marktschwemme. – ➁ Um 1990 aufgekommene Bezeichnung für das Vermögen einer Entität und einer Bank im besonderen, neues Wissen von ausserhalb aufzunehmen und mit Kenntnissen aus dem täglichen Geschäftsbetrieb zu verschmelzen (the ability of a firm to recognise the importance of new information, assimilate it, and apply it to ongoing business operations), in diesem Sinne oft Innovationsaufnahmefähigkeit genannt. Auch in Bezug auf Zentralbanken und Aufsichtsbehörden spricht man häufig von Absorptionsfähigkeit; wiewohl es nicht an Kritik fehlt, dass hier manchmal zu viel des Guten (clearly too much) getan würde.
Siehe Centre of Excellence, Durchdrücken, European Supervisor Education Initiative, Forschung, Forschungsnetzwerk zur Inflationspersistenz und Preissetzungsverhalten, Forschungs-Partnerschaft, Internationales Forschungsforum zur Geldpolitik, Kompetenz-Zentrum, Research Coordination Committee.

Absichtserklärung (letter of intent, LOI)

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Wenn nicht anders definiert, auf dem Finanzmarkt die schriftliche abgegebene Zusage einer Bank, sich an einem Engagement zu beteiligen.
Siehe Bought Deal, Co-Investment, Emissionsgeschäft, Fundrasing, Multisourcing, Roadshow.

Absicherungsniveau (hedge level)

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Bei einem Zertifikat die bei Emission festgelegte untere Schwelle (absoluter Wert oder prozentual vom Referenzwert), die nicht erreicht oder unterschritten werden darf, um sich am Fälligkeitstermin als Anleger die Chance auf Auszahlung eines Gewinns zu erhalten.

Absicherungsverhältnis (hedge ratio)

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Wenn nicht anders definiert die Kennzahl, welche anzeigt, wie viele Optionen im Verhältnis zur Anzahl der Basiswerte benötigt werden, um sich gegen erwartete Preisänderungen im Basiswert abzusichern (the number of contracts required to hedge one contract’s value of the underlying asset).
Siehe Absicherung, Erwartungen, Option, Zertifikat.